Tue Gutes und rede darüber

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    • Tue Gutes und rede darüber

      Der Millionär und Imobilienhändler Jason Buzi verschenkt seit einiger Zeit Geldbeträge, Tipps zu den Fundorten gibt er über Twitter. Die Kuverts sind grün und beinhalten 50 bis 250 Dollar.

      In Amerika verursachten die „Schatzsucher“, im Penn Park, Kosten von etwa 6700 Dollar, Jason Buzi hat mittlerweile 5000 Dollar an die Stadt überwiesen - nun kommt die "Wohltäter-Spende" auch nach Deutschland.

      Als ich diesen Bericht gelesen hatte war mir klar, dass es sich hierbei um eine Werbekampagne handelt die durch Zeitungsberichte wesentlich günstiger ist, als wenn man eine Werbeagentur beauftragen würde. Folgende Bemerkung im Bericht trifft den Sachverhalt gut:
      Die Schenkung, das Mäzenatentum – am Ende ist eine solche Tat immer eine Erhöhung des Schenkenden und eine Erniedrigung des Beschenkten. Der Schenkende fühlt sich gut, spendabel, wie ein Samariter. Und der Beschenkte bedankt sich mit einem Diener.

      Der Bericht dazu HIER
    • Der Bemerkung kann ich nur teilweise zustimmen, die Pauschalisierung "immer" stört mich sehr.

      Bei mir ist es so, dass ich, wenn ich kann, sehr gerne gebe, einfach, weil es mich freut, lieben Menschen eine Freude zu machen, die sich entsprechendes vielleicht grad nicht erlauben können.
      Wenn man sich sehr gut kennt, hat eine gute Tat den beschriebenen erhöhen/erniedrigen Effekt nicht. Im Gegenteil, ich will auf keinen Fall, dass sich der Beschenkte schlecht oder erniedrigt fühlt. Vielmehr will ich mich gern mit ihm zusammen freuen. Zu einer anderen Zeit läuft es vielleicht wieder andersrum (was durchaus schon so war, es gab Zeiten, wo ich nicht wußte, wie ich die Miete bezahlen oder was einkaufen sollte, wo Freunde mir gut waren und z.B. auch mal ne Tüte Lebensmittel mitgebracht haben, einfach so).

      Bei Fremden würde ich genauso kein Danke erwarten, auch da würde ich mich jedoch über Freude am Geschenk freuen. Und da ist es für mich unerheblich, ob ich einem Obdachlosen ein warmes Essen spendiere oder guten Freunden das "abgelegte", noch einwandfreie Auto schenke.

      Genaugenommen ärgert mich diese Behauptung sogar, sie kommt für mich einer Unterstellung gleich. Wer Gutes tut, will sich nur selber aufwerten. Er darf nicht einfach nur Freude daran haben, jemand was Gutes zu tun. Ich finde das grässlich. Oft habe ich den Eindruck, man hat sich gefälligst zu schämen, wenn man was Gutes tut, denn man will sich ja nur selbstbeweihräuchern.
      Nach wie vor vertrete ich durchaus den Standpunkt "tue Gutes und rede drüber". Nicht, weil ich Lob dafür will, sondern weil es vielleicht jemand gleich tut. Nennt mich naiv, aber wenn nur einer das auch macht, wenn er mal kann, dann wird die Welt vielleicht ein klein wenig besser.
      Ich will uneigennützig großzügig sein dürfen, wenn ich es mir erlauben kann, menno.
      Viele Grüße

      Andrea


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      Angst verhindert nicht den Tod, sie verhindert das Leben.
      Naguib Mahfouz
    • sunny73 schrieb:

      […] Genaugenommen ärgert mich diese Behauptung sogar, sie kommt für mich einer Unterstellung gleich. Wer Gutes tut, will sich nur selber aufwerten. Er darf nicht einfach nur Freude daran haben, jemand was Gutes zu tun. Ich finde das grässlich. Oft habe ich den Eindruck, man hat sich gefälligst zu schämen, wenn man was Gutes tut, denn man will sich ja nur selbstbeweihräuchern.

      Ich empfand die Bemerkung nicht so pauschal wie du. Für mich stand diese Bemerkung im Zusammenhang, dass die vermeintlich bedürftigen Menschen, von den geposteten Bildern her, wohl eher kein Geld benötigen, da die wirklich Bedürftigen keine Zeit und kein Geld haben, um sich regelmäßig über Twitter zu informieren.

      Meinem Mann und mir wurde in den letzten Jahren von Freunden/Arbeitskollegen öfter finanziell geholfen und wenn wir diese Hilfe nicht gehabt hätten, dann wüsste ich nicht wo wir heute wären. Wenn man im kleinen Bereich, ohne mediale Bekanntmachung, fremden Menschen oder Freunden hilft, dann habe ich noch nicht erlebt, dass man sich schämen oder rechtfertigen müsste, etwas Gutes getan zu haben.
    • Ok Bircan, ich verstehe, was du meinst.
      Aber "...am Ende ist eine solche Tat immer..."unterstellt für mich pauschal halt "immer".

      Klar, wenn man eine solche Aktion fährt, streut man halt blind nach dem Gießkannenprinzip und da sind mit Sicherheit viele dabei, die das nicht brauchen.
      Viele Grüße

      Andrea


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      Naguib Mahfouz
    • Die Schenkung, das Mäzenatentum – am Ende ist eine solche Tat immer eine Erhöhung des Schenkenden und eine Erniedrigung des Beschenkten.

      Man müßte den Satz " Gott liebt den fröhlichen Geber" vielleicht noch erweitern um " Und Gott liebt den fröhlichen Nehmer".

      ich würde mich bei einem Geldgeschenk nur erniedrigt fühlen, wenn der Geber eine Gegenleistung erwartet. Dann hält er mich nämlich für käuflich.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Mir war es auch zuerst unangenehm als uns Freunde und Kollegen finanziell geholfen hatten, aber das war eine Geste die daraus entstand, dass die Menschen sich für unser Schicksal interessierten. Aus dieser Hilfe entstanden wundervolle Gespräche und tiefe Freundschaften – die mich manchmal heute noch zu Tränen rühren.

      Die Art der „Hilfe“ im Bericht löst bei mir nur ein inneres Kopfschütteln aus, denn es ist, für mich, kein richtiges Interesse an den Menschen erkennbar.
    • Mein Eindruck ist, dass Jason Buzi möglicherweise einen irren Spaß daran hat, Leute für vor sich herzutreiben. Diese lassen sich auch gern treiben, denn es lockt ja ein Gewinn von 50 bis 250 Dollar. Sowohl "Gutes tun" und auch "Schenken" sehen für mich anders aus.

      Und den Schaden am Park hätte er auch ganz ersetzen können. Schließlich hat seine Schnitzeljagt die Leute dazu veranlasst, hier einen Schaden anzurichten.
      [CENTER]Summ summ summ
      [SIZE=1](Honigbiene)[/SIZE][/CENTER]
    • Folgender Hinweis aus DIESEM Bericht zeigt, dass der Gönner in diesem Fall nicht unbedingt den Bedürftigen helfen möchte, denn Menschen die wirklich Hilfe nötig hätten, haben wohl eher kein Smartphone oder Tablet.

      Wer an der Schatzsuche in Berlin teilnehmen möchte, sollte Buzis Account auf Twitter folgen. Dort werden Hinweise für die Schnitzeljagd veröffentlicht. Deswegen ist es sinnvoll, Smartphone oder Tablet mit auf die Suche zu nehmen, falls es aktuelle Tipps gibt.
    • Na ja, manchmal bin ich über den Technik - Park von Leuten, die sich als arm bezeichnen, schon erstaunt :rolleyes:
      Twitter könnte man schon mit einem normalen PC folgen.

      Denke aber auch, dass es für diesen Mann eine Mordsgaudi ist.

      So wie früher die Kolonialherren, die Münzen unter die afrikanischen Kinder geworfen haben und sich darüber amüsierten, wie sie sich darum prügelten.

      liebe Grüße Lisa
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      H.L. Mencken
    • Eben war in einer Sendung ein kurzer Bericht darüber und ein kurzes Statement, wo der Herr meinte, mit den kleinen Beträgen würde er sicher nichts wohltätiges tun, aber er fände es schön, dass die Leute und Familien etwas zusammen tun (da waren ganze Familien in Berlin, die auf die Suche gingen).

      Den Vergleich mit den Kolonialherren find ich unpassend.
      Viele Grüße

      Andrea


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      Naguib Mahfouz
    • Ich finde die Aktionen von Buzi etwas ... unangenehm. Jedenfalls habe ich kein positives Empfinden, wenn ich das so lese.

      Wenn er Bedürftigen helfen will, kann er sein Geld in konkrete Projekte stecken, oder eine Stiftung gründen, oder abends im Park jedem Obdachlosen einen Schein zustecken (lassen) oder oder.
      Wenn es ihm um den Spaß von Familien geht, kann er auch nichtmonetäre Schätze verstecken. Gummipunkte oder Bestenlisten oder Sammelkarten oder Taschenbücher.... Geocaching klappt ja auch ohne Zaster.

      Ich glaube, dass er sich einen Spaß daraus macht, zu beobachten, wie sich die Leute abzappeln für ein bisschen Kohle nach dem Motto: Wie weit gehen die für ein paar Euro? So als soziales Experiment. Und ich finde den Vergleich mit den Kolonialherren absolut passend.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Ich habe gehört, dass in Berlin sogar die Polizei vor Ort war, um dafür zu sorgen, dass Bäume und Beete im Tiergarten unversehrt blieben. Insgesamt waren in Berlin an 24 Orten 1.500 € versteckt.

      Jason Buzi sagt selbst dazu, dass er nur ein Spiel spielen will und Freude verbreiten – bestimmt gibt es Menschen die auch bei der Suche Freude empfinden, aber Menschen denen es wirklich schlecht geht und die dabei noch Harz IV bekommen, die müssten sogar noch den Gewinn beim zuständigen Jobcenter angeben und bekämen den Betrag angerechnet.

      Ich schätze mal, dass sich einige Sachbearbeiter bei den Jobcenter die Bilder von den glücklichen Findern genau ansehen werden … das ist dann vielleicht auch eine Art von Freude :rolleyes: