Ein Viertel der Patienten verstehen ihren Arzt nicht

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    Hier schreiben engagierte Laien. Soweit gesundheitliche Fragen erörtert werden, ersetzen die Beiträge und Schilderungen persönlicher und subjektiver Erfahrungen der Autoren keineswegs eine eingehende ärztliche Untersuchung und die fachliche Beratung durch einen Arzt, Therapeuten oder Apotheker! Bitte wendet Euch bei gesundheitlichen Beschwerden in jedem Fall an den Arzt Eures Vertrauens.

    • Ein Viertel der Patienten verstehen ihren Arzt nicht

      Laut einer Studie der AOK können ein Viertel der Patienten nicht umsetzen was ihr Arzt ihnen rät. Die Patienten haben Schwierigkeiten die Informationen des Arztes eigenverantwortlich umzusetzen. Der Chef des AOK-Bundesverbands Jürgen Graalmann sagte „Selbst Akademiker haben Probleme, gesundheitsrelevante Informationen zu verstehen", weiter forderte er, dass die gesundheitliche Bildung auch im Schulunterricht stärker verankert werden solle.

      Der Bericht dazu HIER

      Ich weiß nicht ob diese Zahl stimmt, oder vielleicht untertrieben ist. Meine Erfahrung ist die, dass ich viele Ärzte erlebt habe, bei denen ich regelrecht nachbohren musste, da ich etwas nicht verstanden hatte. Mir kam es dann manchmal so vor, als ob ich den Arzt belästigen würde mit meinen Fragen. Meine Mutter ist arzthörig und hinterfragt nichts, dieses Verhalten kenne ich leider auch von Personen aus meinem Bekanntenkreis.
    • Dieses Verständigungsproblem glaube ich sofort! Ich möchte nicht wissen, was deshalb alles falsch läuft ... schon allein mit der Medikamenteneinnahme.

      Meine Eltern z.B. sind auch auf dem "Gott-in-weiß"-Tripp ... die lassen sich alles erzählen, gucken den Onkel Doktor an wie ein hypnotisiertes Kaninchen, fragen nicht nach, hinterfragen schon gar nix kritisch, verstehen nur die Hälfte ... und wenn ich dann aktiv werden will, heißt es "ach, lass mal", aus Angst, dass ich irgendwelche ärztlichen Sympathien gefährden könnte ... und "der Doktor weiß schon, was er tut".

      Nee, das weiß er manchmal nicht ... und wenn man nicht selbst auf sich aufpasst und alles hinterfragt und sich gut infomiert, dann hat man oft genug die A-Karte gezogen ..... :eek:
      Lieber Gruß von ..... Andra .... :)
    • Evi schrieb:

      Da frage ich mich, liegt es am Arzt oder am Patient?

      Ich glaube nicht, dass es darauf eine pauschale Antwort gibt. Es gibt Ärzte die, aus welchen Gründen auch immer (Zeitmangel, Müdigkeit, …), keine Ambitionen haben dem Patienten genau zu erklären wie und warum die Behandlung fortgesetzt wird.

      Der Patient ist bei dieser Kommunikation aber auch gefragt, besonders, wenn es darum geht, dass er eine Diagnose bzw. die Weiterbehandlung nicht versteht. Es gibt Patienten die den Arzt nicht verstehen, ihm das aber nicht sagen, sondern sich hintenrum beschweren.

      Ich habe schon Ärzte, aus unterschiedlichen Fachbereichen erlebt die mich (auch als Mutter) mit Ruhe und Empathie aufklärten. Nach solchen Erlebnissen versuche ich in meinem Bekanntenkreis solche Ärzte weiter zu empfehlen. Es wundert mich dann nicht, wenn mir jemand daraufhin sagt, dass er schon von diesem Arzt gehört hat und von seiner menschlichen und ruhigen Art.

      Wir sollten, egal welche Position wir im Leben haben, nicht aufhören uns selbst zu reflektieren :klug2:– dieses ist bei Ärzten sehr wichtig, denn die leidenden und kranken Mensch sollten ganzheitlich im Mittelpunkt stehen.
    • Evi schrieb:

      Da frage ich mich, liegt es am Arzt oder am Patient?

      Sicher am dummen Patienten.
      *ichmachmirdieweltwiedewiedewiesiemirgefällt*

      Ich war mit meiner Hüfte ja viel in Artzpraxen und Krankenhäusern unterwegs. Sehr oft kommt der Arzt mit wehendem Kittel herein, schaut kurz her, diktiert dann minutenlang seiner Assistentin und ist bevor man auch nur "gick" sagen kann, schon wieder zur Tür draußen.
      Befragen kann man dann die Sprechstundenhilfe, die bei sehr vielen Fragen dann antwortet: "Oh, das kann ihnen nur der Arzt beantworten, der ist aber schon beim übernächsten Patienten".
      Und ich bin eigentlich sehr schnell mit dem Mundwerk und nicht irgendwie sprachlich und kognitiv eingeschränkt.
      Keine Chance. Klar, war ich in solchen Praxen nur einmal drin. Aber das gibt es und es liegt mitnichten am Patienten, eine Frechheit.
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    • Was es hier in Deutschland erschwert, ist diese Trennung zwischen Alltags- Sprache und Ärzte- Latein. Das macht es unnötig schwer.
      Im Spanischen ( ich kann es jetzt nur hier sagen, andere Sprachen kenne ich nicht) gibt es beispielsweise keinen Unterschied. Das führte zur Verblüffung, wenn ich als Dolmetscherin mit beim Arzt war. Ich sagte: "Sagen Sie es in Fachsprache!" - und der ausländische Patient versteht. Beispielsweise "cistitis" - Spanisch, "Zystitis"- Latein , "Blasenentzündung" - Deutsch.
      Aber auch Patienten sind unterschiedlich. Ich mag es, wenn man mir alles ausführlich erklärt . Meine Mutter sagt dann: "Das will ich gar nicht hören!"

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Sonnenkuss schrieb:

      Sicher am dummen Patienten.
      *ichmachmirdieweltwiedewiedewiesiemirgefällt*

      Keine Chance. Klar, war ich in solchen Praxen nur einmal drin. Aber das gibt es und es liegt mitnichten am Patienten, eine Frechheit.


      Traurig, deine schlechten Erfahrungen, die du mit dieser Berufssparte gmacht hast. Allerdings geht es mir wie dir, wenn ich bei einer Verwaltung einen Antrag stellen will oder beim Finanzamt eine Auskunft will, es wird in einem Fachjargon geredet, dass es Otto Normalverbraucher nicht versteht. Ich kann dir nur sagen, dass ich es anders mache, ich nehme mir Zeit und erkläre. Allerdings frage ich mich manchmal, wo ist die Compliance des Patienten, wenn ich zum Beispiel einem Bypasspatienten erkläre, dass er die Risikofaktoren reduzieren muss und ich ihn dann beim Rauchen sehe. Irgendwie kommt die Therapieempfehlung nicht an oder man will sie nicht verstehen? Sicher gibt es die Sorte Ärzte, die du erleben musstest. Du hast das einzig Richtige gemacht, du bist da nicht mehr hingegangen. Ich wehre mich allerdings gegen diese Verallgemeinerungen, dass immer nur einer schuld ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evi ()

    • @Evi
      Du weißt aber, was Sucht ist oder?


      Ich bin ja u.a. in der Selbsthilfe tätig und habe da viele, viele Geschichten gehört/erlebt:

      - von inkompetenten (Haus-)Ärzten, die von der Spezifik einer seltenen Krankheit nichts wussten, aber dennoch drauflos behandelten
      - von überheblichen Fachärzten, die sich wenig für ihre Patienten interessierten und nie zuhörten
      - von sehr guten Haus- und Fachärzten, die sich trotz Zeitmangel und mageren Budgets für ihre Patienten einsetzen
      - von Ärzten, die nicht locker ließen, bis den Patienten wirklich geholfen war


      - von informierten Patienten, die sich bemühten, ihre eigene Krankheit zu verstehen und die sich trotzdem nicht einbildeten, ein Medizinstudium absolviert zu haben
      - von Patienten, die ihr bisschen angelesenes Wissen über ärztliche Kompetenz stellten
      - von Patienten, die sich auch nach vielen Jahren kaum mit ihrer eigenen Krankheit auskannten
      - von Patienten, die frisch drauflos jede Idee umzusetzen versuchten, die sie irgendwo aufgeschnappt hatten
      - von Patienten, die mit dem Wunsch nach vielen, vielen, oft überflüssigen Untersuchungen in Arztpraxen aufschlugen und den Arzt danach beurteilten, ob er ihre vorgewusste Diagnose bestätigte oder nicht
      - von dummen Patienten, die nicht das mindeste verstanden
      - von klugen Patienten, die an schlechte Ärzte gerieten

      Die Liste ließe sich endlos fortspinnen.
      Erst gestern sah ich im TV einen Bericht ( ich glaube in "Kontraste"), wonach nur regional tätige Krankenkassen zum Teil auch Heilpraktiker bezahlen dürfen, während überregionalen das per Gesetz verboten ist.
      Kassen, die auch den Heilpraktiker zahlen, haben entsprechenden Zulauf.

      Das Problem ist jedoch mehrschichtig.
      Heilpraktiker pflegen sich Zeit zu nehmen und ausführlich mit ihren Patienten zu reden, das ist ein Grund für ihre Anziehungskraft und sicher für manchen Erfolg.
      Ärzten, die das auch wollen, verweigern dieselben Kassen jedoch allesamt hierfür eine adäquate Bezahlung, die "sprechende Medizin" wird im Gegensatz zur apparativen nicht gefördert.

      Sollten die Kassen immer häufiger auch Heilpraktiker & Co zahlen, um den Zeitgeist zu bedienen, fehlte wohl bald Geld für lebensnotwendige Behandlungen.

      Grüße an alle von Thea
    • Thea schrieb:


      Erst gestern sah ich im TV einen Bericht ( ich glaube in "Kontraste"), wonach nur regional tätige Krankenkassen zum Teil auch Heilpraktiker bezahlen dürfen, während überregionalen das per Gesetz verboten ist.
      Kassen, die auch den Heilpraktiker zahlen, haben entsprechenden Zulauf.

      Das Problem ist jedoch mehrschichtig.
      Heilpraktiker pflegen sich Zeit zu nehmen und ausführlich mit ihren Patienten zu reden, das ist ein Grund für ihre Anziehungskraft und sicher für manchen Erfolg.
      Ärzten, die das auch wollen, verweigern dieselben Kassen jedoch allesamt hierfür eine adäquate Bezahlung, die "sprechende Medizin" wird im Gegensatz zur apparativen nicht gefördert.

      Sollten die Kassen immer häufiger auch Heilpraktiker & Co zahlen, um den Zeitgeist zu bedienen, fehlte wohl bald Geld für lebensnotwendige Behandlungen.

      Grüße an alle von Thea



      mein Osteopath weiß viel mehr über meine Erkrankung als mein Orthopäde -
      ist doch klar,
      ersterer fasst 90 Minuten lang meinen Körper an,
      während ich meinen Orthopäden gerade 10 Minuten sehe,
      und da schaut er oft mehr auf seinen Computerbildschirm als auf mich.....
      das ist keine Esoterik oder Zeitgeist,
      dass ist doch eigentlich ganz logisch....

      das Ideal wäre doch, dass der Osteopath seine Erkenntnisse an den Orthopäden weiter gibt.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • @ Evi, als Ex-Raucherin kann ich eigentlich jeden verstehen, der nicht auf der Stelle aufhören kann oder es einfach nicht schafft. Da guckst du dir eine Sendung mit Raucherlungen und Raucherbeinen und Kehlkropfkrebs an und anschliessend geht es Dir so schlecht, weil du genau weisst, das kann dir selber passieren, dass du erst mal zur Beruhigung eine rauchst.

      Klar ist es für Dich und jeden anderen Arzt frustrierend, Du versuchst zu helfen und Leben zu retten und eigentlich machen die Deine Bemühungen wieder kaputt.

      das Ideal wäre doch, dass der Osteopath seine Erkenntnisse an den Orthopäden weiter gibt.


      Das wäre das Ideal, nicht nur in Deinem Fall, sondern immer, dass sich die behandelnden Ärzte gegenseitig informieren. Aber ich hab es auch schon erlebt, dass ich meinen Hausarzt informieren musste, weil der Facharzt es einfach nicht machte, oder der Facharzt den Hausarzt wie den letzten Deppen behandelt hat, weil der nicht spezialisiert ist. Und ich habe es erlebt, dass mein Hausarzt sich nicht getraute, so einen Grosskotz in den Senkel zu stellen. Das musste ich machen.

      LG Finchen
    • Sonnenkuss schrieb:

      Sicher am dummen Patienten.
      *ichmachmirdieweltwiedewiedewiesiemirgefällt*

      Ich war mit meiner Hüfte ja viel in Artzpraxen und Krankenhäusern unterwegs. Sehr oft kommt der Arzt mit wehendem Kittel herein, schaut kurz her, diktiert dann minutenlang seiner Assistentin und ist bevor man auch nur "gick" sagen kann, schon wieder zur Tür draußen.
      Befragen kann man dann die Sprechstundenhilfe, die bei sehr vielen Fragen dann antwortet: "Oh, das kann ihnen nur der Arzt beantworten, der ist aber schon beim übernächsten Patienten".
      Und ich bin eigentlich sehr schnell mit dem Mundwerk und nicht irgendwie sprachlich und kognitiv eingeschränkt.
      Keine Chance. Klar, war ich in solchen Praxen nur einmal drin. Aber das gibt es und es liegt mitnichten am Patienten, eine Frechheit.


      Ich kann das nur bestätigen. Ich kuriere derzeit einen Außenbandriss im Sprunggelenk aus und befinde mich nach dem Arztbesuch meistens im Internet, um mir mühsam die Infos rauszusuchen, die mir eigentlich der Arzt hätte sagen sollen. Aber wie Sonnenkuss schon sagte, der ist meistens so schnell wieder draußen, dass einem das Wort im Mund steckenbleibt...
    • Wenn der überhaupt auftaucht. Im Pflegeheim meiner Schwiegermutter werden die Leute nach Aktenlage behandelt, die kriegen die Ärzte noch nicht mal zu Gesicht.
      Da gibt es den Bereitschafts-Arzt, der sie im Krankenhaus behandelt hat, den Neurologen, der sie davor in der Psychiatrie behandelt hat, den "Hausarzt" des Heims sowie Fachärzte (Kardiologie, Geriatrie, Orthopädie...), plus diverser Urlaubsvertretungen, die anscheinend noch nicht mal schriftlich miteinander geschweige denn mit ihren Patienten kommunizieren.
      Was mein Mann da schon rumtelefoniert und Termine gemacht hat, um widersprüchliche Diagnosen, Behandlungen und Verordnungen zu sortieren...

      Meine Lehre fürs Leben: Nur zum Arzt gehen, wenns blutet.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)