Freifahrtsschein für Völlerei?

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    • Asphyxia schrieb:


      Dir ist der literarische Begriff Hyperbel vertraut?


      Ich gebe zu, dass ich danach googeln musste ;)
      Nun ja, ich selber bin Mitte 50 und schon Großmutter... aber ganz sicher nicht von Arbeitskolleginnen, die Ende 20, Anfang 30 sind... und ich würde es unverschämt finden, wenn sie über mich sagen würden, ich könnte ihre Großmutter sein. Ich arbeite seit meinem 15. Lebensjahr, habe eine gute Ausbildung und langjährige Berufserfahrung, nebenher Kinder großgezogen und ich denke, immer mein Bestes geleistet. Die jungen Kolleginnen beneide ich ganz sicher nicht - worum auch - dass sie all das erst noch vor sich haben, worauf ich, wohlig zurückgelehnt, zurückblicken kann? :five:
    • Nee nee, nicht die sagen, sie könnten die Großmutter von Asphyxia sein, sondern Asphyxia sagt das über die.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Sophie schrieb:

      Nee nee, nicht die sagen, sie könnten die Großmutter von Asphyxia sein, sondern Asphyxia sagt das über die.


      Genau das hat aber Maky doch ebenfalls gemeint.
      Sie sieht sich selbst in der Rolle der älteren Kolleginnen und würde es unverschämt finden, wenn eine jüngere Kollegin (im Alter von Asphyxia) über sie sagen würde, dass sie ihre Großmutter sein könne.
      Was ja auch bei diesem Altersunterschied abwegig wäre.

      Aber wie Asphyxia schon schrieb, hat sie es als stylistisches Mittel angewendet um den Unterschied der Lebenswelten aus ihrer Sicht zu verdeutlichen.
      Maky mag das etwas zu wörtlich genommen haben, aber die Abwertung, die mitschwang hat sie durchaus nachvollziehbar wahrgenommen und das war ja der eigentliche Punkt.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]
    • Hallo,

      ich glaube ja, Asphyxia macht sich in hohem Maße was vor bzw. kreiert hier im Thread ein Bild von sich, das gar nicht gedeckt ist.

      Wenn sie wirklich so auftreten sollte, wie sie hier von sich behauptet, so hielte ich sie für eine ganz besonders unangenehme Kollegin, mit der ich möglichst nichts zu tun haben wollte. Sie dürfte sich dann jedenfalls nicht wundern, wenn sie auf Ablehnung stößt.

      So stark, so unabhängig, so selbstbestimmt gegenüber allen anderen ist sie jedoch gar nicht, im Gegenteil: sie grübelt ständig drüber nach, was die anderen über sie denken.
      Ein Punkt ist zum Beispiel: ob die anderen sich vielleicht über sie lustig machen, weil sie nicht mehr so wenig wiegt wie zu Magersuchtzeiten.
      Ein zweiter Punkt: dass sie versucht den anderen zu zeigen, wie blöd sie sind.

      Beides ist kindisch. Punkt 1 interessiert ihre KollegInnen wahrscheinlich wenig oder gar nicht, bei Punkt 2 wird wohl eher sie für blöd gehalten als umgekehrt.

      Ein Stichwort hier wäre "Respekt". Solange Asphyxia den nicht aufbringt, weder in Bezug auf sich selbst noch z.B. gegenüber ihren älteren Kolleginnen, solange wird sie auch keinen erhalten. Ändern kann sie ohnehin nicht die Kolleginnen (diese angeblichen oder tatsächlichen "Giftspritzen"), sondern nur ihr eigenes Verhalten.

      "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu", das ist zwar nur Volksmund, stimmt aber häufig, findet Thea.
    • Thea, ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass Asphyxia sich ihrer Schwierigkeiten mit sich selbst nicht bewusst wäre.
      Meine Einlassung war auch eher auf ein Missverständnis bezogen, was ich zwischen Sophie und Maky wahrgenommen hatte.

      Aber selbstverständlich hast du in dem Punkt recht, dass man nur an sich selbst und der eigenen Einstellung arbeiten kann, als an anderen.

      Ich finde es aber auch manchmal sehr schwierig zu unterscheiden, was nun im Verhalten meiner Mitmenschen mir gegenüber nur ein Spiegel oder eine Reaktion auf mein eigenes Verhalten ist und was echte Feindseligkeit, bzw. Betroffenheit, die mehr im anderen verankert ist.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]
    • Ich habe es nur äußerst selten erlebt, dass Feindseligkeit aus dem Nichts geploppt wäre. In der Regel ist ein Missverständnis (ich habe mich bereits über "kulturelle" Unterschiede ausgelassen) oder Angst die Ursache. Angst der Alteingesessenen, abgewertet zu werden, oder Angst der Hinzugekommenen, nicht akzeptiert zu werden. In festgefügte Cliquen einzusteigen, ist schon in der Grundschule schwer.
      Diese Angst, oder bestehende Vorurteile abzubauen, wäre der erste Schritt. Der Klügere gibt nicht nach, sondern reicht als erster die Hand.

      Das andere Thema, das Asphyxia angeschnitten hat, halte ich für sehr viel gravierender. Wenn sie da nicht aufpasst, kann sie das die Unterstützung des Vorgesetzten und vielleicht sogar den Job kosten. Vermutlich zerreissen sich die Kolleginnen darüber eher das Maul als über ein paar Kilos.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • @Sophie
      Ich vermute manchmal, dass es tatsächlich nicht jedem klar ist, wie subjektiv Vorlieben und Ansichten sind. Vielmehr erscheint es mir leichter für viele Menschen, kulturelle Gegegebenheiten anzunehmen. Nach der Devise: "Der/ die ist halt so aufgewachsen." Das hat mehr etwas Unumstößliches als eine Vorliebe oder Meinung. Aber da ich weiß, worauf du hinaus willst, wäre das jetzt Haarspalterei.

      Knicksen und buckeln ist für mich z.B. dass Dinge, die nicht meinem Aufgabenbereich entsprechen, erwartet werden, eben nur, weil ich es irgendwann mal aus reiner Freundlichkeit tat. Oder aber, dass sie erwarten, dass man sie dauernd debil angrinst, ihnen wirklich alles hinterher trägt und am besten direkt zum Büro kommt, wenn man etwas möchte, weil man das Programm, mit dem bei uns gearbeitet wird, per se als (ich zitiere) "...diese ganze Scheiße!..." ablehnt. Ein weiterer Punkt, der mich wütend macht, ist, an jemandem seinen Frust abzulassen, der nicht das Geringste dafür kann, Türen zu knallen, laut zu werden, vor einer Person, die vielleicht versucht hat, zu helfen (Details spielen keine Rolle an dieser Stelle). Ja, es sind nur die kleinen Dinge. Aber in den Jahren hat es sich summiert. Obschon ich darauf wenig Wert lege, bestätigen mich die Aussagen von Vorgesetzten, die das genauso sehen wie ich. Zumindest vordergründig. Letztlich ist es mir auch tatsächlich völlig gleich, wer was tut, sobald er mein Büro verlässt, solange er vor mir mit Anstand und Respekt agiert. Es gibt eine spezielle Kollegin, mit der ich immer wieder zusammen gekracht bin, bis ich eines Tages dazu über gegangen bin, einfach freundlich zu ihr zu sein, weil mich dieses 'Fresse ziehen' jedes Mal, wenn sie reinkam, genervt hat. Das ging eine Weile erstaunlich gut. Man konnte sogar Witzchen zusammen machen. Bis irgendwann, als ihr offenbar dauerhaft irgendwas quer saß und schon ward die Situation wieder die Alte.

      Und nein, die Situation auf der Arbeit ist keineswegs so dramatisch, wie es vielleicht den Anschein macht. Erstaunlicherweise gibt es sogar sehr viele Kolleginnen (wir sind ca. 70 Kollegen), die viel auf meine Arbeit halten und auf meine Person. Du musst dir das eher wie einen großen Klatschhaufen vorstellen. Wie die Grundschulcliquen, die du ansprachst. Sehr gut auch immer auf Firmenfeiern zu beobachten, wer mit wem und wie weit von dem oder dem weg. Ältere Damen (ja, viele kratzen in der Tat an der 70 oder zumindest an der 65 @Maky) eben.

      @Thea
      Was genau behaupte ich denn, wie ich auftrete?
      Ich kann es gern kurz (und wie ich zugeben möchte nicht ohne einen Funken Scham) zusammenfassen: Ich lasse tagtäglich die kalte, arrogante Hexe heraushängen und zwar zu allen, die ich entweder ohnehin auf Abstand halten will oder aber zu denen, die sich, profan ausgedrückt, immer wieder unbeliebt gemacht haben.
      Weißt du, was das ist? Selbstschutz. Mehr nicht.
      Eine Mauer, die ich irgendwann errichtet habe, damit mir niemand mehr zu nahe kommen kann. Das ist beileibe nicht limitiert auf mein berufliches Umfeld, sondern auch auf das bisschen Soziale, das ich mir noch behalten habe - das ich gerade so mitnehmen kann. Ohne, dass ich dir in irgendeiner Form nahe treten möchte, vermute ich, dass du so jemand wärst, der genau die Person, die ich zumeist vorgebe zu sein, für bar nehmen würdest.
      Für mich ist das alles andere als kindisch - es ist ein täglicher Kampf, und zwar von früh bis spät. Denn, wie du vielleicht aus meinen Eingangsposts und eventuell aus meinem anderen Thread herausgelesen haben könntest, bin ich im Wesen alles andere als arrogant. Vor allem wohl das nicht.
    • Sophie schrieb:

      Diese Angst, oder bestehende Vorurteile abzubauen, wäre der erste Schritt. Der Klügere gibt nicht nach, sondern reicht als erster die Hand.


      Ja, da gebe ich dir unumwunden recht.
      Genau das ist aber sehr schwer, ein Einlenken vor sich selbst nicht als Schwäche zu werten. Mir geht es jedenfalls oft so.
      Und das Abwägen, was ist jetzt noch ok, so dass ich noch in den Spiegel schauen kann, es ist eben so eng mit dem Selbstbewusstsein verwoben.


      Sophie schrieb:

      Das andere Thema, das Asphyxia angeschnitten hat, halte ich für sehr viel gravierender. Wenn sie da nicht aufpasst, kann sie das die Unterstützung des Vorgesetzten und vielleicht sogar den Job kosten. Vermutlich zerreissen sich die Kolleginnen darüber eher das Maul als über ein paar Kilos.


      Ja, die Gefahr sehe ich auch.
      Und, mir selbst ist sowas leider schon passiert, weil ich Aggressionen unangemessen und auch noch an der falschen Stelle ausgelebt habe.
      Vielleicht hilft es, sehr genau zu schauen, ob man das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden oder auch irgendwie zu kurz zu kommen schon öfter wahrgenommen hat und ob es vielleicht ein persönlichkeitsimmanentes Thema sein könnte.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]
    • Angelina schrieb:


      Und das Abwägen, was ist jetzt noch ok, so dass ich noch in den Spiegel schauen kann, es ist eben so eng mit dem Selbstbewusstsein verwoben.


      Da sagst du durchaus etwas Wichtiges, was mir bisher wohl höchstens unbewusst klar gewesen ist. Vielleicht neigt man (ich verwende bewusst das unbestimmte Pronom) dazu, zu schnell davon auszugehen, man würde irgendwie seine Würde verlieren wenn man "kleinbei" gibt?



      Angelina schrieb:


      ob man das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden oder auch irgendwie zu kurz zu kommen schon öfter wahrgenommen hat und ob es vielleicht ein persönlichkeitsimmanentes Thema sein könnte.


      Ganz eindeutig ist es das zu kurz kommen.
      Da muss ich selbst gar nicht lange drüber nachdenken. Irgendwo hatte ich das mal eingeworfen, aber ich gehe davon aus, dass das zu 100% aus meiner Kindheit herrührt. Zeigt sich im Kleinen dann immer, wenn ich denke "...war ja klar, dass DIR das passiert..." Murphys Gesetz quasi gepachtet.
      Wobei es mir allerdings widerstrebt, immer alles auf die böse Kindheit zu schieben. Eben, weil ich sonst immer ein Verfechter davon war, zu sagen, dass man als Erwachsener durchaus sehr gut dazu in der Lage sein sollte, selbst seine grauen Zellen anzustrengen. Vermutlich konnte ich deshalb nie was mit Freud anfangen.
    • Asphyxia schrieb:

      @Thea
      Ich lasse tagtäglich die kalte, arrogante Hexe heraushängen [...] Selbstschutz[...]
      Eine Mauer, die ich irgendwann errichtet habe, damit mir niemand mehr zu nahe kommen kann.[...]
      bin ich im Wesen alles andere als arrogant.


      Das ist doch genau das, was ich meine, liebe Asphyxia.
      Die Rolle, die Du anderen vorspielst, ist falsch. Sie schützt Dich nicht einmal wirklich und auch das weißt Du.

      Was Du wahrscheinlich kaum beachtest: wie sehr jene "kalte, arrogante Hexe" Menschen verletzen kann - andere, vor allem aber Dich selbst.

      Hast Du schon mal daran gedacht, Dir Hilfe zu holen? (Sorry, wenn ich was überlesen habe - ich habe nicht alle Beiträge von Dir im Kopf)

      Grüße von Thea
    • Thea schrieb:

      Das ist doch genau das, was ich meine, liebe Asphyxia.
      Die Rolle, die Du anderen vorspielst, ist falsch. Sie schützt Dich nicht einmal wirklich und auch das weißt Du.

      Was Du wahrscheinlich kaum beachtest: wie sehr jene "kalte, arrogante Hexe" Menschen verletzen kann - andere, vor allem aber Dich selbst.

      Hast Du schon mal daran gedacht, Dir Hilfe zu holen? (Sorry, wenn ich was überlesen habe - ich habe nicht alle Beiträge von Dir im Kopf)

      Grüße von Thea


      Sie schützt mich erst mal insoweit, als dass wohl niemand auch nur ansatzweise glauben könnte, ich sei verletzlich oder irgendwie weich im landläufigen Sinne. Zumindest nicht diejenigen, die nicht genauer hinsehen oder einfach keine Menschenkenntnis besitzen. Leute, die über den eigenen Tellerrand hinaus sehen, durchschauen das sofort.

      Und ja, du hast natürlich Recht, wenn du sagst, dass es mich genauso verletzt - vielleicht sogar noch mehr als alle anderen. Aber das kann ich irgendwie mit mir selbst ausmachen. Bislang. Irgendwann findet man immer einen Weg um klarzukommen, nicht wahr? Mag resigniert und vielleicht auch traurig klingen, ist es aber gar nicht. Jedenfalls die meiste Zeit nicht.

      Ich hatte Anfang des Jahres mal einen zugegebenermaßen halbherzigen Versuch gestartet, mir einen Therapeuten zu suchen. Als ich die ersten Absagen und Wartelistenvertröstungen bekommen habe, habe ich das Vorhaben schnell wieder begraben. Dabei wäre ich mit all meinen Neurosen wohl der Lehrbuchklassiker für jeden Therapeuten. :rolleyes:
    • Asphyxia schrieb:

      Sie schützt mich erst mal insoweit, als dass wohl niemand auch nur ansatzweise glauben könnte, ich sei verletzlich oder irgendwie weich im landläufigen Sinne.

      Genau dieses Denkmuster hatte mich zuerst in Magersucht gebracht (als halbverhungertes Häufchen Elend "durfte" ich schwach und verletzlich sein) und später zum Überessen (das "dicke" Fell, ge-wichtig sein). Ich habe lange gebraucht, um zu lernen, dass Weichlichkeit oder Wehleidigkeit etwas anderes ist als Gefühle zu zeigen oder Grenzen zu setzen.
      Die "Miss Eiswürfel" nimmt dir sowieso niemand ab, schätze ich. Im Gegenteil. Je unverwundbarer man seine Fassade aufsetzt, um so mehr sportlichen Ehrgeiz setzen manche Leute daran, diese Fassade zu "knacken".

      Asphyxia schrieb:

      Und ja, du hast natürlich Recht, wenn du sagst, dass es mich genauso verletzt - vielleicht sogar noch mehr als alle anderen. Aber das kann ich irgendwie mit mir selbst ausmachen.
      Anscheinend doch nicht. Sonst hättest du nicht das andere Thema. Eine Fassade aufrecht zu erhalten, kostet kolossal Energie, die anderswo fehlt.
      Da kann ich dir nur wärmstens ans Herz legen, die Suche nach einer geeigneten Therapie nicht aufzugeben. Ohne fachmännische Hilfe vergalloppiert man sich gerne in einen falschen Weg, zumindest ist es seeehr schwer, braucht viel Geduld und Selbstkritik. Nicht Selbst-Niedermachen ist gemeint, sondern ernsthafter Wille zum An-Sich-Selbst-Arbeiten!

      Es muss ja nicht eine tiefenpsychologische Analyse sein. Manchmal reichen auch pupsnormale Kurse zu Gesprächsführung, Kommunikation, oder Konflikttraining. Vielleicht löhnt sogar der Arbeitgeber dafür, wenn das irgendwie durch die Tätigkeit begründbar ist. Es gibt auch Bücher, aber grau ist alle Theorie. Mit geeigneten Techniken kann man manchmal mehr erreichen als mit Gewalt, zum Beispiel wenn man schlecht Nein sagen kann.

      Was die kleinen Nickeligkeiten angeht, die du ansprichst: da helfen klar formulierte Spielregeln und ganz klare Kompetenzzuweisungen. Per Order Mufti. Welche Info ist Holpflicht, welche Info ist Bringpflicht. Wer bekommt welche Info von wem in welcher Form. Wer ist wofür zuständig.
      Man muss ja nicht das ganz große Rad drehen, einfach nur einen Punkt klären, und irgendwann später den nächsten Punkt.

      Ich würde auf den Chef zugehen: "Ich hab da mal eine Frage. Wer ist denn eigentlich für .... zuständig. Mal heißt es so, dann wieder so. Können wir das nicht mal auf dem nächsten Abteilungsmeeting festlegen?" (Nicht den Chef so aus der Verantwortung lassen, dass er sagt, deine Kolleginnen sind zuständig, kümmer dich selbst drum! Das muss gemeinsam besprochen und verkündet werden!)
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Sophie schrieb:


      Die "Miss Eiswürfel" nimmt dir sowieso niemand ab, schätze ich. Im Gegenteil. Je unverwundbarer man seine Fassade aufsetzt, um so mehr sportlichen Ehrgeiz setzen manche Leute daran, diese Fassade zu "knacken".


      Meine bisherigen Erfahrungen waren eher, dass die Leute sich sehr leicht blenden lassen. Eben, weil sie selbst so sehr mit sich selbst beschäftigt sind, als dass sie sich nicht die Mühe machen wollen, genauer hinzusehen. Sicher gibt es aber auch Menschen, die sich einen Sport draus machen, solche "Eiswürfel" zu brechen, klar. Habe ich bislang (Gott sei Dank) noch nicht erlebt. Eher diejenigen, die eigentlich aufgrund der Tatsache, dass sie selbst so drauf sind oder einfach enorm gute Menschenkenntnis besitzen, die Fassade auf den allerersten Blick durchschauen. Dann wird es erfahrungsgemäß wirklich gefährlich.

      Sophie schrieb:


      sondern ernsthafter Wille zum An-Sich-Selbst-Arbeiten!


      ...der flackert immer mal wieder gerne, heiß und lichterloh auf - um dann nach kurzer Zeit wieder zu einem Häufchen Asche zu verglühen. Siehe meine andere Baustelle.

      Sophie schrieb:


      Was die kleinen Nickeligkeiten angeht, die du ansprichst: da helfen klar formulierte Spielregeln und ganz klare Kompetenzzuweisungen. Per Order Mufti. Welche Info ist Holpflicht, welche Info ist Bringpflicht. Wer bekommt welche Info von wem in welcher Form. Wer ist wofür zuständig.


      Meine Rede.
      Genau das ist ein Problem des Unternehmens. Nicht nur auf meine Bereiche bezogen, sondern generell. Nur, dass die älteren Verwaltungskollegen das mit den anderen "Alten" (um es beim Namen zu nennen: alteingesessene Lehrerinnen und eben die Verwaltung) ebenso wenig hinbekommen wie ich als Küken.

      Unser Chef sagt ganz klar, dass wir nicht die Tippsen sind, die alles zu machen haben. Dass wir ganz klar nicht dafür zuständig sind, denen Kaffee und Kekse zu drappieren (und nein - das ist KEINE Metapher) und so weiter und so fort. Letztlich juckt ihn der Zickenterror aber nicht, solange sein Laden läuft. Die Dollarzeichen bimmeln und solange das so bleibt - wen juckt's? Hat er O-Ton mir gegenüber verlauten lassen, als ich wegen nicht lächelns mal wieder antanzen durfte. Dahingehend ist nichts zu erwarten. Ebensowenig von den Bereichsleitern. Eingefahrene Strukturen seit Zoppzeiten quasi. Man arrangiert sich irgendwie, man plärrt sich nicht an, aber ein kollegiales Miteinander ist meiner Ansicht nach dennoch anders. Mag vielleicht an der Größe liegen, aber vielleicht auch wirklich am von dir angesprochenen kulturellen Unterschied.


      Was du zum Thema Therapie noch meintest: Ich denke, tiefenpsychologisch wäre vielleicht nicht das Allerschlechteste. Es dürfte bei mir nun einmal der Lehrbuchklassiker sein: Verkackte Kindheit = verkacktes Erwachsenenleben, um es mal völlig plakativ auszudrücken.
    • Hallo Asphyxia,

      ich weiß nicht, ob und wie Tiefenpsychologie speziell Dir helfen könnte, ich weiß auch nicht, ob es überhaupt was hilft, seine Kindheit, also seine Vergangenheit aufzuarbeiten.
      Ich bin da aber keine Expertin, sondern Laie.

      Sowas hier finde ich jedoch erschreckend:
      Verkackte Kindheit = verkacktes Erwachsenenleben
      Es gibt so viele Menschen mit Kindheitsproblemen und es gibt viele, die sie bewältigen lernen.
      Wie Du es formulierst, klingt es, als sei Veränderung gar nicht möglich.

      Aber zurück zu möglichen Therapien: Mir persönlich wäre es immer sympathischer, für die Gegenwart etwas zu tun als in der Vergangenheit zu stochern.
      Das würde also auf eine Verhaltenstherapie hinauslaufen (anderes zahlt, glaube ich, die Kasse nicht)
      Hast Du daran schon mal gedacht?
    • Es nützt ja auch nicht sehr viel, wenn man aufdröselt, was in der Kindheit und Jugend schiefgelaufen ist - das wissen die meisten selber.
      Das Problem kommt ja danach: Wie gehe ich damit um? Was mach ich denn konkret aus diesem Wissen?
      Da hilft Verhaltenstherapie meiner Meinung nach besser, Hauptsache, man hat ein leichteres Leben dadurch.
      Für mich hab ich aus den verschiedenen Richtungen meinen persönlichen Honig gesogen.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Mir persönlich hat Verhaltenstherapie überhaupt nichts gebracht, ich mußte tatsächlich erst in der Vergangenheit stöbern, um zu verstehen (und zu akzeptieren!), was wirklich im Argen lag. Ich hatte eine stinknormale Gesprächstherapie - bei der Suchtberatung. Da hatte ich eine ganz wunderbare Therapeutin. Die Verhaltenstherapeutin danach hat mir immer nur ein Gefühl von Schuld vermittelt, weil es anderen ja noch so viel schlechter ging als mir. :rolleyes:

      Aber da hat eben jeder seine persönlichen Vorlieben und Lösungswege. :)
    • Genau. Und dann kommt es auch noch auf die Person des Therapeuten/der Therapeutin an. Die Chemie muss stimmen, sonst bringt die tollste Methode nichts.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Wie genau muss ich mir Verhaltenstherapie vorstellen?
      Ich habe da nur noch ein bisschen Halbwissen aus dem Psychologie Leistungskurs im Abi und dachte daher immer, dass diese Therapie nur dazu gedacht ist, eben Verhalten zu ändern, aber nicht das Denken. Ans Denken gehen Verhaltenstherapeuten ja nicht, oder? Oder verwechsle ich da was?

      Letztlich sehe ich es wie die Meisten von euch.
      Im Großen wie im Kleinen. Was nützt es mir, wenn ich weiß, dass ich mich genau jetzt überessen will, weil ich gerade wütend oder traurig bin? Ich tue es trotzdem. Was nützt es, zu wissen, warum ich keinerlei oder zumindest sehr wenig Selbstvertrauen und -liebe habe? Für spannender und wichtiger eachte ich ein grundsätzliches Umdenken. Deswegen stimme ich dir, liebe Thea, da auch voll und ganz zu.

      Merkt man denn wenigstens relativ bald, ob die Chemie stimmt? Es wäre doch arg vertane Zeit, nach vermutlich langer Wartezeit nach vier Sitzungen erst mitzubekommen, dass es nicht geht und dann wieder ewig auf den nächsten Therapeuten warten zu müssen.
    • Das Denken beeinflusst das Verhalten, das ist jedem sofort einleuchtend. Das Verhalten beeinflusst aber auch das Denken, sehr subtil direkt, und durch Aha-Erlebnisse indirekt.

      Simples Beispiel: wenn ich gebeugt und schlurfenden Schrittes herumlaufe, bekomme ich auch eine "gebeugte" Stimmung. Kannst du ja mal ausprobieren.

      Wenn ich das Denkmuster verinnerlicht habe, dass ich nicht Nein sagen darf, weil mich dann alle ablehnen, kann ich ein Verhaltensmuster erlernen, wie ich es schaffe, Nein zu sagen, wenn ich Nein meine. Ich werde feststellen, dass mich wider Erwarten nicht alle Welt auf einmal hasst, und nach mehreren Trainingsrunden werde ich das alte Denkmuster zumindest in Frage stellen.

      Was genau in einer Verhaltensthearpie gemacht wird, ist vom individuellen Problem abhängig. Bei Phobien wird zum Beispiel ein langsames Herantasten an den Angstmacher eingeübt.
      Im Grunde geht es darum, gewisse Problemlöse- also Verhaltensmuster zu ändern, ein bestehendes Problem nicht immer nur mit "mehr vom gleichen Unwirksamen" anzugehen, sondern andere Bewältigungstechniken zu erlernen. Dazu gehört ein hohes Maß an Selbstbeobachtung und Selbsthinterfragung (welche Denkmuster treiben mich zu welchem Verhalten, ist dieses Verhalten die einzig mögliche Reaktion auf die und die Situation, kann ich mal was anderes probieren...)
      Der Therapeut ist der Coach, der als Außenstehender sozusagen über den negativen Denkmustern steht. Als Insider ist man ja in diesem Schema gefangen und kann erstmal nicht über den Tellerrand blicken.
      Das "Schöne-Dinge-Tagebuch" während meiner Depressionen war so ein Verhaltens-Instrument, das indirekt auf das festgefahrene Denken (alles ist immer schrecklich, niemand ist nett zu mir...) wirkt.

      Oder ein Beispiel zum Essen: Wenn ich das Denkmuster in mir trage, dass es "sündhaft" ist, Essen wegzuwerfen, esse ich immer den Teller leer, auch wenn ich keinen Hunger habe. Ich fühle mich einfach schlecht, wenn ich Essen wegwerfen muss. In der Verhaltenstherapie bekomme ich den "Auftrag", übriggebliebenes Essen am nächsten Tag zu verwursteln, oder gezielt Wegwerfen zu üben. Wenn ich das oft genug mache und merke, dass die Welt nicht untergeht, wird das Denkmuster "Teller leer essen" nicht mehr so mächtig.

      Man könnte sagen, dass Verhaltenstherapie "geführte Umgewöhnung mit begleitender Erkenntnis" ist.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Ah - ich erinnere mich wieder.
      Da hatte ich mal ein Video gesehen von einem Mann, der zwingend seine Wurst aufessen musste, weil wegwerfen für ihn Sünde war. Dort haben sie auch schrittweise gezeigt, wie er sein Verhalten bzw. Denken geändert hat. Meines Erachtens nach eigentlich genau das, was ich brauche. Egal, was früher war und was dazu geführt hat, dass ich bin wie ich bin. Ist sowieso nicht mehr zu ändern.

      Ich denke mal, dass diese Form der Therapie bei mir recht leicht anzusetzen sein dürfte bzw. sogar schnell Erfolge bringen könnte, da ich mich enorm schnell (um)gewöhne.

      Da ich ein bisschen geguckt habe nach Therapeuten in meiner Nähe: Ist es ratsamer, einen approbierten Therapeuten zu bevorzugen oder "reicht" auch einer, der seinen Job nur aufgrund des Heilpraktikergesetzes macht?
    • Asphyxia schrieb:



      Da ich ein bisschen geguckt habe nach Therapeuten in meiner Nähe: Ist es ratsamer, einen approbierten Therapeuten zu bevorzugen oder "reicht" auch einer, der seinen Job nur aufgrund des Heilpraktikergesetzes macht?


      bist du privat versichert?
      dann ist es gleich - aber Vorsicht, nicht jeder Heilpraktiker ist gut. Da tummelt sich so manches esoterisches Würstchen....:rolleyes:
      Von den gesetzlichen KK werden Psychotherapien bei Heilpraktikern nicht übernommen.
      Meine KK hat eine Liste der Psychologen am Ort, deren Kosten sie übernimmt.
      therapie.de/psyche/info/fragen…bezahlt-die-krankenkasse/
      hier die Information für gesetlich Versicherte in Deutschland.

      bei Schweizern, Österreichern und privat Versicherten kenne ich mich nicht aus.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Nein, ich bin nur ne ganz normale Kassenpatientin. Vor einiger Zeit hatte ich mich da schon mal erkundigt und erhielt die Information, dass ich generell zu jedem Therapeuten gehen kann und nach soundsovielen Sitzungen dann entschieden wird, wie es weitergeht. Ob damit nun gemeint ist, dass die Krankenkasse entscheidet, ob ich es überhaupt nötig habe, konnte ich aus diesem sehr standardmäßig klingenden Text nicht herauslesen.
    • Asphyxia schrieb:

      Vor einiger Zeit hatte ich mich da schon mal erkundigt und erhielt die Information, dass ich generell zu jedem Therapeuten gehen kann und nach soundsovielen Sitzungen dann entschieden wird, wie es weitergeht.


      Der Therapeut benötigt eine Zulassung der kassenärztlichen Vereinigung und ist zwangsläufig ein Arzt, Psychologe oder Pädagoge mit einer zusätzlichen Psychotherapeutenausbildung.
      Anerkannte Therapieformen sind tiefenpsychologische Psychotherapie, analytische Psychotherapie, Verhaltenstherapie und neuropsychologische Therapie, alles andere muss in der Regel selbst gezahlt werden.

      Ein Heilpraktikter fällt wohl nicht unter diese Gruppe, aber ich kann mich täuschen.

      Der Therapeut stellt einen Antrag auf Übernahme der Kosten bei deiner Krankenkasse, den er begründen muss. Ich kann mir aber schwerlich vorstellen, dass bei dir keine hinreichenden Gründe vorliegen.

      Leider gibt es z.B. hier in Niedersachsen zuwenig Therapieplätze und somit lange Wartezeiten von mehreren Monaten (für Kassenpatienten, meiner Erfahrung nach sieht es für Privatpatienten anders aus).
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    • Das mit der Wartezeit kann ich aus dem Verwandtenkreis bestätigen. Da wurde mal locker 1 1/2 Jahre gewartet.

      Die Therapieformen, die du nennst, wurden von meiner Kasse auch bestätigt. Auf die Frage allerdings, ob ich erst mal, um wenigstens schnell einen Platz zu bekommen, das Geld auch quasi vorstrecken kann, wurde aber leider verneint. Wäre ja auch zu einfach.
    • Asphyxia schrieb:

      Da wurde mal locker 1 1/2 Jahre gewartet.


      Leider ein schwerer Missstand und sehr unschön für Betroffene, die ja ohnehin mit der Belastung ihrer Krankheit schon zu kämpfen haben.

      Wenn es ganz schwierig wird, ist es auch möglich sich von einem Facharzt (Psychiater) eine Einweisung in eine Akutklinik geben zu lassen.

      Aber ich würde dennoch versuchen, erstmal einen passenden ambulanten Therapeuten zu finden.
      Es gibt oft auch eine online-Therapieplatzsuche.
      Wenn der Verwandtenkreis bereits Erfahrungen hat, vielleicht hat jemand eine Empfehlung?
      Oft gibt es Therapeuten, die einen guten Ruf haben (das heißt nicht zwangsläufig, dass sie auch für dich passen, aber dennoch), dann musst du dich nicht ganz wahllos durchtelefonieren.
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