Spott und Hohn wegen der Figur einer Mezzosopranistin

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    • Spott und Hohn wegen der Figur einer Mezzosopranistin

      Die irische Mezzosopranistin Tara Erraught, eine international bekannte Sängerin, trat zum ersten Mal auf dem Glyndebourne-Festival, dem wichtigsten Opernfestival Englands, in Richard Strauss' "Rosenkavalier" auf. Statt der Anerkennung bekam sie von der englischen Presse nur Spott und Hohn und nicht wegen ihrer Stimme, denn diese wurde gelobt, sie erfuhr diese Demütigung ausschließlich wegen ihrer Figur.

      Die boshafte Berichterstattung hat in England eine Diskussion ausgelöst, denn diese Debatte ist wohl schon so alt wie die Oper selbst.

      Der psychische Druck auf die Sänger steigt - wohin das führt, zeigt das Beispiel der amerikanischen Sängerin Deborah Voigt. Deborah Voigt war 2003 von der Oper Covent Garden wegen ihres Übergewichts entlassen worden und entschied sich darauf hin zu einer Magenverkleinerung. Vor einigen Monaten gestand sie, dass sie seit dem Eingriff unter Alkoholproblemen leide.

      HIER geht es zum Bericht.

      Es gibt einige weltberühmte Sänger mit mehr Kilos und diese Menschen verzaubern uns mit Ihren Stimmen – ich finde solch eine Berichterstattung einfach nur niveaulos.
    • Ich habe gerade mal die Google Bildersuche bemüht, weil ich keine Ahnung hatte wie die Sängerin aussieht. Die Frau ist Bildhübsch und hat eine tolle Figur. In meinen Augen. Was diese bescheuerten Kritiker gesehen haben kann ich mir beim besten willen nicht erklären.
    • Ich musste auch erst auf Google nachschauen, wie sie aussieht und finde auch, dass sie bildhübsch ist. Ich wünsch ihr von Herzen, dass sie diese bösartige Kritik nicht Ernst nimmt. Denn sie sagt viel über die Schreiberlinge und ihr Frauenbild aus und lässt die Schreiberlinge in einem schlechtem Licht da stehen.

      Früher ging ich oft in die Oper und das wichtigste war und ist die Stimme und dann die Ausstrahlung. Ich durfte Montserrat Caballe und Joan Sutherland auf der Bühne erleben und wir fuhren hin, um sie singen zu hören, und nicht, um die Kleidergrösse zu bewundern.

      LG Finchen
    • ich sehe im 21. Jahrhundert gegenüber dem 20. Jahrrhundert einen Rückschritt, was die Körperformakzeptanz betrifft. Komisch, gell :confused:
      freundliche Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Für alle, die nicht die Bildersuche bemühen wollen - hier gibt es ein Video von Ihr.

      Ich kann nur sagen - die spinnen die Briten. Die Frau ist hübsch und hat eine gute Figur.
      Zudem dachte ich immer, beim Gesang kommt es auf die Stimme an. Muss ich wohl was falsch verstanden haben.

      Und früher konnte auch eine Montserrat Caballé Erfolg haben und wurde bestimmt nicht so mit Spott und Hohn überschüttet. Warum muss das heute sein?
    • HIER noch ein Bericht aus der Abendzeitung München – sie wurde wohl als „molliges Bündel Babyspeck“ :rolleyes: bezeichnet und sei deshalb eine Fehlbesetzung gewesen. Diese unsachlichen Kritiken standen in den angesehenen Zeitungen: Financial Times, Times und Telegraph.
    • Und jedesmal werden grundsätzlich Frauen wegen ihres Äußeren niedergemacht.:mad:
      Gegen Sigmar Gabriel könnte ich mir nicht so einen Shitstorm wegen der Figur vorstellen.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Ich hab mir mal das Video angesehen. Die hat doch allerallerallerhöchstens Kleidergröße 46! Wo ist die denn "fett"?!:eek: Das ist eine ganz normale junge Frau!
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Sophie schrieb:

      Und jedesmal werden grundsätzlich Frauen wegen ihres Äußeren niedergemacht.:mad:
      Gegen Sigmar Gabriel könnte ich mir nicht so einen Shitstorm wegen der Figur vorstellen.

      In dem Bericht wurde erwähnt, dass es ausschließlich männliche Kritiker waren, die lästerten.

      Ich habe mich schon öfter gefragt, ob Frauen oder Männer negativer gegenüber dicken/molligen Frauen eingestellt sind. Diese Frage kann ich nicht eindeutig, von meinen Erlebnissen her, beantworten … vielleicht ist es auch in der Künstlerszene ein eindeutigeres Verhältnis :ueberleg:
    • Bircan schrieb:

      In dem Bericht wurde erwähnt, dass es ausschließlich männliche Kritiker waren, die lästerten.

      Ich habe mich schon öfter gefragt, ob Frauen oder Männer negativer gegenüber dicken/molligen Frauen eingestellt sind. Diese Frage kann ich nicht eindeutig, von meinen Erlebnissen her, beantworten … vielleicht ist es auch in der Künstlerszene ein eindeutigeres Verhältnis :ueberleg:
      Das hat etwas mit dem verqueren Rollenverständnis zu tun, das die Emanzipationsbewegung mit sich gebracht hat. Viele Männer hinken da leider sehr hinterher. Und Frauen lassen sich, Emanzipation hin, Emanzipation her, gerne über Äußerlichkeiten verunsichern. So ist dies etwas, womit Männer mit schwachem oder alt hergebrachtem Rollenbild noch Macht über Frauen ausüben können.
      Aus organisatorischen Gründen bevorzuge ich die Kommunikation per eMail. Daher habe ich die Funktion "Konversationen" für mich abgeschaltet. Wenn Ihr mich erreichen wollt, haltet bitte die Maus in der linken Spalte auf meinen Namen und klickt dann auf den Briefumschlag im sich öffnenden Fenster.
    • Da möchte ich doch auch mal die ganzen adonischen Herren sehen, die dahinter stecken,... :baeh:
      Niemand ist für alle Menschen perfekt / schön / attraktiv,...
      Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen,... Schade, wenn sich Menschen immer wieder von so Blödsinn verunsichern lassen und andere einfach naiv in das gleiche Horn stoßen. Und leider sind die Medien da ganz weit vorne in der Stimmungsmache, noch bedauerlicher, nicht alle Menschen stehen der Richtigkeit der Medien kritisch gegenüber.
    • Martina schrieb:

      Das hat etwas mit dem verqueren Rollenverständnis zu tun, das die Emanzipationsbewegung mit sich gebracht hat. Viele Männer hinken da leider sehr hinterher. Und Frauen lassen sich, Emanzipation hin, Emanzipation her, gerne über Äußerlichkeiten verunsichern. So ist dies etwas, womit Männer mit schwachem oder alt hergebrachtem Rollenbild noch Macht über Frauen ausüben können.

      Für manch einen ist das vielleicht nichts Neues, aber für mich ist deine Erklärung ein interessanter Gedankenansatz den ich so noch nicht kannte :)

      Wenn mein Selbstwertgefühl stark ist, dann kann ich sagen - wer bin ich, was kann ich und was bin ich wert. Die Kritiker nahmen sich anscheint so wichtig, dass sie der Meinung waren, sie könnten für Tara Erraught diese Antworten geben … ich hoffe, dass jeder Mensch der Opfer von Demütigungen wird, das Selbstwertgefühl hat um ausdrücken zu können „wer er ist, was er kann und was er wert ist“.
    • Fehlbesetzung

      guten Morgen

      Hab mir das video angesehen, bin zwar eigentlich eher kein Opernfan, aber sie ist eine hübsche Frau-punkt und sie singt klasse, astrein, so wie ich das als Laie beurteilen kann.
      Aber: in ihrer Rolle als jungling/ Mann, mit nackten Beinen wirkt sie auf mich auch zu weiblich, sie hat Cellulite ( hab ich auch)!
      es kommt dann einfach nicht glaubwürdig rüber.

      Das ist aber lange kein Grund für eine solch destruktive Kritik!
      Aber so ist das einfach mit der Presse- ein gefundenes Fressen, das ausgenommen und zerfleischt wird!
      Ich wünsche Tara ebenfalls dass sie da drüberstehen kann, sie hat ja wirklich eine Menge Kolleginnen, die mehr Rundungen haben und trotzdem erfolgreich sind.
      Dazu müssste ich mich sehr täuschen, wenns bei der Oper nicht auch, ähnlich wie bei Film und Theater ein Casting gäbe und eine Person die zuständig ist für eine passende Rollenverteilung.

      kommt dazu, dass die halbe Welt der Medien noch vom ESC und der Gewinner/in berauscht ist und so kein natürliches Frauenbild mehr besitzen...
    • Seifenblase schrieb:

      Dazu müssste ich mich sehr täuschen, wenns bei der Oper nicht auch, ähnlich wie bei Film und Theater ein Casting gäbe und eine Person die zuständig ist für eine passende Rollenverteilung.



      Bei der Rollenbesetzung geht es (zumindest früher) darum, dass die Stimmen perfekt zusammen harmonieren. Im Video ist ein sehr schönes Beispiel, wenn sie mir ihrer Freundin singt. Das klingt einfach wunderschön.

      LG Finchen
    • Schöne Frau, weibliche Rundungen. Dick ? Wo ?

      Es gab mal Zeiten in unseren Landen, da war so eine Figur absolut erstrebenswert. Wie sich die Zeiten ändern.

      Tja, in Zeiten des Fitness-, Hunger- und Schönheitswahns ist das natürlich ein NO-GO.

      Nein, nein... wahrscheinlich hat der Schreiberling eine Abfuhr für ein Interview bekommen oder aber es steckt da mal wieder was ganz anners hinter. Ein möglicher Machtkampf ausgetragen auf dem Rücken eines Künstlers.
      Shit happens -hauptsache die Quoten rutschen nach oben.
      [CENTER][SIZE=1]But if nobody loves you
      And you feel like dust
      On an empty shelve
      Just remember
      You can love yourself

      (Keb'Mo' aus dem Song:"You can love yourself")



      [/SIZE]
      [/CENTER]
    • @Finchen:
      danke Dir:applaus: Das ist natürlich schon richtig so!
      Ich meinte ja vorallem, dass die nackten Beine als jüngling etwas gewagt rüberkamen!:rolleyes:- das ist halt so ein Detail... aber das habe ich ja schon getippst.
      Grüsse und schönen Abend
    • Es gibt also einen Mann, der eine Frau darstellt, aber als Mann kenntlich ist, weil sie einen Bart trägt, in Zeiten, in denen jegliche Körperbehaarung "pfui" ist.
      Und es gibt eine Frau, die einen Mann darstellt, aber als Frau kenntlich ist, weil er Rundungen und Cellulite hat, in Zeiten, in denen jegliches Körperfett "pfui" ist.
      Interessante Parallelen. Vor allem bei der pöbeligen Diskussion unter den "Experten".

      Was gewagte Inszenierungen angeht: vielleicht ist genau diese Irritation beabsichtigt, wie bei Conchita Wurst. Bühneninszenierungen spielen oft mit irritierenden, kontroversen Elementen. Vielleicht ist das bei diesen Kritikern ja noch nicht angekommen.

      Was mir noch aufgefallen ist: die Wortwahl "Babyspeck" für Tara Erraught deutet darauf hin, dass sie auch als junge Frau von diesen Kritikern abgewertet wird. Sie ist also ein "Baby". Soso.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Es ist doch ein ziemlich abgegriffenes Klischee, dass eine Operndiva "Resonanzvolumen" hat.
      Von einer Bekannten weiß ich, dass Opern zu singen extrem anstrengend ist und enorm Energie verbraucht, aber nicht in der großen kalorienverbrennenden Muskulatur, sondern mehr Atmung, Kehle, Gehirn. Ich könnte mir vorstellen, dass der Körper nach Energie lechzt, und dass dann mehr gegessen wird, als der Figur zuträglich ist.

      Wenn ich Musik höre, mache ich meistens die Augen zu, da ist mir die Figur der Sänger/innen oder Musiker/innen absolut wurscht.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Sophie schrieb:

      Wenn ich Musik höre, mache ich meistens die Augen zu, da ist mir die Figur der Sänger/innen oder Musiker/innen absolut wurscht.



      Bei szenischen Darstellungen kann ich das von mir nicht behaupten, da isst für mich auch das Auge mit, in jeglicher Beziehung.
      Ich kann mich da auch nicht völlig frei machen von bestimmten Erwartungen an Rollendarstellungen, will ich auch gar nicht immer.
      Es kommt z.b. im Film ja auch nicht rein auf die Schauspielkunst an, sondern durchaus spielen Physis, Alter und Geschlecht ebenso eine Rolle.

      Ganz klar, die Oper ist ein anderes Medium und Genre, da gibt es andere Konventionen und somit andere Erwartungen, ebenso im modernen Theater. Der Abstraktionslevel ist hier generell höher, die Realitätsnähe weniger wichtig.

      Ob ich Frau Erraught gern als jugendlichen Liebhaber gesehen hätte?
      Käme auf den Kontext an, auch auf mein Wissen, meine Vorerfahrung meine Erwartungen an eine moderne Oper.

      Die Form der Kritik hingegen war absolut danebengegriffen, da stimme ich zu. Über Rollenbesetzungen lässt sich hingegen trefflich streiten.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]
    • Seifenblase schrieb:


      Aber: in ihrer Rolle als jungling/ Mann, mit nackten Beinen wirkt sie auf mich auch zu weiblich, sie hat Cellulite ( hab ich auch)!
      es kommt dann einfach nicht glaubwürdig rüber.


      Das macht aber doch nichts. Da Strauß für diese Rolle eine Frauenstimme wollte ist es ka klar, daß diese Rolle von einer Frau gesungen wird. Diese Reaktion macht doch nur klar, wie krank das alles ist, eine schöne junge Frau dermaßen nieder zu machen.

      In einem der Theater, in denen ich gearbeitet habem gab es vor vielen Jahren diese Situation. Eine dicke Chorsängerin bewarb sich um eine vakante Stelle im Opernchor. Der Chorleiter war von ihrer Stimme begeistert, meinte aber sagen zu müssen, er würde sie gerne nehmen, sie müßte allerdings etliche Kilo abnehmen.

      Es war aber eine starke Frau, die gar nicht daran dachte sich da klein zu machen und so sagte sie. Tut mir leid, ich würde sehr gerne in diesem schönen Opernhaus singen, aber entweder so wie ich bin oder gar nicht. Sie wurde eingestellt. So wie sie war und sie war bis zum Rentenbeginn eine Stütze des Opernchores, ohne auch nur ein Gramm abzunehmen. Und es gab nie ein abfälliges Urteil über sie.
      [FONT="Comic Sans MS"][SIZE="2"][COLOR="Blue"]Viele Grüße
      Pamina
      [/COLOR][/SIZE][/FONT]

      [FONT="Comic Sans MS"]Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. (Antoine de Saint-Exypery)[/FONT]
    • pamina schrieb:

      Es war aber eine starke Frau, die gar nicht daran dachte sich da klein zu machen und so sagte sie. Tut mir leid, ich würde sehr gerne in diesem schönen Opernhaus singen, aber entweder so wie ich bin oder gar nicht. Sie wurde eingestellt. So wie sie war und sie war bis zum Rentenbeginn eine Stütze des Opernchores, ohne auch nur ein Gramm abzunehmen. Und es gab nie ein abfälliges Urteil über sie.


      Das ist eine gute Geschichte zur Selbstbehauptung, trifft aber meines Erachtens nach nicht das, um was es beim Fall Erraught ging.
      Hier geht es um eine ganz spezifische Rolle und gewisse Erwartungen, die an die Darstellung geknüpft sind.
      Darüber kann man auch trefflich diskutieren und zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

      Es wurde Tara Erraught ja nicht generell die Eignung als Opernsängerin abgesprochen oder ihr gar geraten, sich nicht mehr auf der Bühne blicken zu lassen.
      Es geht um die Darstellung dieser speziellen Rolle, zu der ihr Typ einigen Kritiken nach nicht ganz gepasst haben soll. (Die Form war in vielen Fällen, ich wiederhole mich, indiskutabel).
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]