Gewichtsabnahme ist nicht alles…….?

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    • Gewichtsabnahme ist nicht alles…….?

      DIESEN Bericht habe ich gerade gelesen und bei der Überschrift dacht ich „Toll, endlich mal nicht nur die Gewichtsabnahme im Visier“.

      Der Bericht handelt von einer Forschergruppe der Ulmer Universität die Jugendliche mit extremer Adipositas behandeln wollen.

      Diese Aussage fand ich toll und sie gab mir Hoffnung:
      Die geplante Intervention in Phase zwei fokussiert nicht vorrangig auf eine Gewichtsabnahme, sondern soll Fertigkeiten vermitteln, die bei der Eingliederung in den Ausbildungs- bzw. Arbeitsmarkt helfen sowie das Selbstwertgefühl steigern sollen.


      ABER weiter im Text:
      Die bariatrische Chirurgie ist die einzige Therapieoption, die hinsichtlich eines bedeutsamen Gewichtsverlusts bei extrem adipösen Jugendlichen als effektiv angesehen werden kann.


      dann wiederrum diese wichtige Aussage:
      Sie wird momentan nur als experimentelle Therapie bei Jugendlichen angewendet, die Zahl operierter Jugendlicher in Deutschland steigt aber stetig. Aufgrund der möglichen Letalität und der assoziierten hohen Langzeit-Risiken ist dies eine besorgniserregende Entwicklung.


    • ...und letztendlich dreht sich dann ab Phase 3 doch alles wieder ums abnehmen.
      "Interessant" finde ich, dass dort von einer individuellen Therapie die Rede ist, jedoch nur die AC-Chirugie erwähnt wird.

      Was soll der Ansatz in Phase 2, das Selbstwertgefühl der Jugendlichen zu steigern und ihnen zu helfen einen Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz zu finden, wenn dann im Folgenden alles auf einen "bedeutsamen Gewichtsverlust" hinauslaufen soll?
      Und die AC-Chirurgie wird trotz der bekannten Gefahren hier als einzig wirksame Methode für den "bedeutsamen Gewichtsverlust" angesehen... da fehlen mir die Worte.

      Was mich auch stört ist, dass von sozialer Isolation und Stigmatisierung die Rede ist - ja wer verursacht die denn?
      Wäre es hier nicht notwendiger eine Forschungsgruppe auf die Gesellschaft loszulassen, die dicke Menschen stigmatisiert und ausgrenzt?
      Wie wäre es mit 3 Behandlungsphasen für die, die mit dem Finger auf Dicke zeigen und keinen Zentimeter von ihren Vorurteilen abrücken?

      Nein, weil die Jugendlichen dick sind, müssen sie abnehmen, um nicht mehr stigmatisiert zu werden... hat für mich was von verkehrter Welt und ich würde mir die 2 Mio. Euro Förderungsgeld für eine Aufklärungskampagne wünschen, die das Ziel der gesellschaftlichen Akzeptanz von dicken Menschen zur Folge hat...
    • Bericht über Behandlung von Jugendlichen

      ?

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    • Bericht über Behandlung von Jugendlichen

      Zu dem Bericht fällt mir etwas auf oder besser stoßt mir auf:
      Zitat der Klinikleitung:
      Aufgrund der möglichen Letalität und der assoziierten hohen Langzeit-Risiken ist dies eine besorgniserregende Entwicklung.

      Im Anschluss an dieses Zitat der Klinikleitung wir sich ausgiebig darüber ausgelassen, welche strengen Kriterien bei diesem "Behandlungsprogramm" Anwendung finden.

      Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier die OP der Jugendlichen das eigentliche Ziel der Bemühungen darstellt, und alles andere wird so drumrumgebastelt damit der Schein der Ganzheitlichkeit der Behandlungsmethode gewahrt wird.
    • Patronus schrieb:

      Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier die OP der Jugendlichen das eigentliche Ziel der Bemühungen darstellt, und alles andere wird so drumrumgebastelt damit der Schein der Ganzheitlichkeit der Behandlungsmethode gewahrt wird.
      Da könntest Du sehr richtig liegen mit Deiner Vermutung. Für mich liest sich das auch sehr nach Rechtfertigungsversuch für OPs..
      [SIZE=1][CENTER]Accepting oneself does not preclude
      an attempt to become better.
      — Mary Flannery O'Connor

      You must learn from the mistakes of others.
      You can't possibly live long enough to make them all yourself.
      — Sam Levenson
      [/CENTER]
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    • Aus dem Artikel:

      Die bariatrische Chirurgie ist die einzige Therapieoption, die hinsichtlich eines bedeutsamen Gewichtsverlusts bei extrem adipösen Jugendlichen als effektiv angesehen werden kann. Sie wird momentan nur als experimentelle Therapie bei Jugendlichen angewendet, die Zahl operierter Jugendlicher in Deutschland steigt aber stetig. Aufgrund der möglichen Letalität und der assoziierten hohen Langzeit-Risiken ist dies eine besorgniserregende Entwicklung.

      Für mich liest sich das, als würden diese Jugendlichen als Versuchskaninchen herhalten müssen.
      Oder lese ich das falsch?

      Und müssen hier nicht immer die Eltern zunächst zustimmen?
      Was sind das für Eltern, die ihre Kinder solchen Gefahren aussetzen, nur damit diese dünner werden???

      Schulungen und Informationseinheiten zum richtigen Umgang mit dicken Menschen, einhergehend mit echter Information darüber, wieviele Ursachen das Dicksein tatsächlich haben kann, (für Eltern, Lehrer, Erzieher etc. - sogar schon entsprechend angepasst für Kinder im Kindergarten und später für die Kinder in Schulen) wären meiner Meinung nach schon lange und sowieso und überhaupt das A und O, um endlich das allgemein verbreitete Nichtwissen um diese Thematik und das daraus resultierende asoziale Verhalten dicken Menschen gegenüber, zu verändern.

      Aber....
      das alles bringt kein Geld, es kostet Geld und deshalb ist und bleibt das mit großer Wahrscheinlichkeit schlicht Utopie.

      Obwohl...
      langfristig gesehen brächte es natürlich letztlich doch Geld.
      Ich könnte mir vorstellen, dass große Summen nicht ausgegeben werden müssten, die man jetzt für Therapien psychisch kranker, dicker Menschen (durch Mobbing etc.) aufbringen muss, denn hier werden ja viele dicke Menschen durch das Verhalten anderer Menschen übrhaupt erst krank gemacht.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Im Prinzip ist doch jeder, der sich operieren lässt ein Versuchskaninchen, denn wirkliche Langzeitergebnisse hat man nicht. Ich find es einfach unverantworlich und entsetzlich, schon Jugendliche zu operieren. Sie werden ihr Leben mit diesem zerstückelten Magen verbringen müssen. In meinen Augen hat man deren Leben schon versaut und sie zu Kranken gemacht.

      Schulungen und Informationseinheiten zum richtigen Umgang mit dicken Menschen, einhergehend mit echter Information darüber, wieviele Ursachen das Dicksein tatsächlich haben kann, (für Eltern, Lehrer, Erzieher etc. - sogar schon entsprechend angepasst für Kinder im Kindergarten und später für die Kinder in Schulen) wären meiner Meinung nach schon lange und sowieso und überhaupt das A und O, um endlich das allgemein verbreitete Nichtwissen um diese Thematik und das daraus resultierende asoziale Verhalten dicken Menschen gegenüber, zu verändern.



      Die Menschen verabschieden sich nicht einfach von liebgewonnenen Vorurteilen. Ich schätz mal, dass es jahrzehnte dauert, bis die Erkenntnisse über die Gründe von Übergewicht in den meisten Köpfen drin ist. Und anscheinend braucht der Menschn ein Feindbild, auf das er mit dem Finger zeigen kann um sich überlegen fühlen zu können, weil er nicht zu den Gruppe gehört.

      LG Finchen
    • HIER ist etwas über eine Forsa Studie zu lesen bei der untersucht wurde, wieviele dicke Kinder unter Mobbing und Ausgrenzung leiden.
      Während im Durchschnitt aller Kinder jedes zehnte darunter leidet, von seinen Mitschülern gemobbt zu werden, trifft dies bei dicken Kindern auf mehr als jedes vierte (27 Prozent) zu. Dies ist ein Grund mehr, weshalb Eltern von klein auf bei ihrem Nachwuchs für eine ausgeglichene Bilanz von Energieaufnahme (Ernährung) und Energieverbrauch (Bewegung) sorgen sollten.

      Diese Zitat (oben) finde ich erschreckend und wie Itsme schon treffend geschrieben hatte:

      Itsme schrieb:

      Schulungen und Informationseinheiten zum richtigen Umgang mit dicken Menschen, einhergehend mit echter Information darüber, wieviele Ursachen das Dicksein tatsächlich haben kann, (für Eltern, Lehrer, Erzieher etc. - sogar schon entsprechend angepasst für Kinder im Kindergarten und später für die Kinder in Schulen) wären meiner Meinung nach schon lange und sowieso und überhaupt das A und O, um endlich das allgemein verbreitete Nichtwissen um diese Thematik und das daraus resultierende asoziale Verhalten dicken Menschen gegenüber, zu verändern.

      Und auch das von Mondsteinhexe passt:
      Nein, weil die Jugendlichen dick sind, müssen sie abnehmen, um nicht mehr stigmatisiert zu werden... hat für mich was von verkehrter Welt....

      Über das nächste Zitat bin ich auch gestolpert es impliziert, dass alle dicken Kinder faule Eltern haben.

      Und es ist ja auch viel anstrengender, den Nachwuchs zu Bewegung zu motivieren als ihn vor den Fernseher zu setzen. Aber das ist verantwortungslos und hat auf Dauer fatale Konsequenzen.

      Eltern die ihr Einverständnis für solche "Behandlungen" geben, wie an der Ulmer Universität, haben doch einfach nur wahnsinnige Angst und sind völlig Fehlinformiert.........*das sind aber die meisten Menschen, wenn das Thema Übergewicht angesprochen wird*

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    • Honigbiene schrieb:

      Eine Wirkweise von Diskriminierung ist es, die Opfer dafür verantwortlich zu machen, dass sie ausgegrenzt werden. Das entlastet die Täter.


      :applaus:


      "Zu wenig Bewegung macht dick": Ich war als Kind schon moppelig, habe viel draussen gespielt, bin rumgeklettert und fuhr sehr viel Rad. Der Schulweg (1 km) wurde 4 mal täglich entweder zu Fuss oder mit dem Rad absolviert. Mein Sohn ist dick und tobt stundenlang im Pool rum. Also wie kommen die auf den Blödsinn, dass Dicke automatisch zu wenig Bewegung haben. :mad: Dieses Vorurteil scheint auch unaustrottbar zu sein.

      LG Finchen
    • Finchen schrieb:

      "Zu wenig Bewegung macht dick": Ich war als Kind schon moppelig, habe viel draussen gespielt, bin rumgeklettert und fuhr sehr viel Rad. Der Schulweg (1 km) wurde 4 mal täglich entweder zu Fuss oder mit dem Rad absolviert. Mein Sohn ist dick und tobt stundenlang im Pool rum. Also wie kommen die auf den Blödsinn, dass Dicke automatisch zu wenig Bewegung haben. :mad: Dieses Vorurteil scheint auch unaustrottbar zu sein.

      Darüber wundere ich mich immer wieder, ich bin noch in die "Sechs-Tage" Schule von Montag bis Samstag gegangen und ich musste jeden Tag sechs Kilometer zu Fuß laufen.......das wollten meine Eltern so, da ich ihnen zu dick war :rolleyes:.
      Ich war, wie du auch, ständig rumgeklettert und war im Wald und auf den Wiesen und im Sommer war ich jeden Tag im Schwimmbad, da wir in der Nähe von einem Freibad wohnten. Ach nein, nicht jeden Tag war ich im Schwimmbad, nur wenn ich nicht in einer Abnehm-Kur war und diese waren meistens in den Sommerferien :seufz:
    • Knallfrosch schrieb:

      Honigbiene, da hast du ein wahres Wort gelassen ausgesprochen. Das gilt für jegliche Ausgrenzungen gleich welcher Minderheiten.


      Mit Gelassenheit ist da gar nichts. Ich koche vor Wut bei solchen Sachen wo den Opfern auch noch die Verantwortung für Übergriffe in die Schuhe geschoben wird. Und das stimmt nicht nur bei der Ausgrenzung von Minderheiten, sondern auch bei solchen Verbrechen wie z. B. Vergewaltigung. Auch da liegt der Schwerpunkt auf "sieh zu, dass du nicht vergewaltigt wirst" anstatt auf " (also bei der vermeintlichen Schuld des Opfers) als bei "vergewaltige nicht" (also dem Tun des Täters). Bei der Gewalt an Seelen ist das nicht anders.
      [CENTER]Summ summ summ
      [SIZE=1](Honigbiene)[/SIZE][/CENTER]
    • Honigbiene schrieb:

      Ich koche vor Wut bei solchen Sachen wo den Opfern auch noch die Verantwortung für Übergriffe in die Schuhe geschoben wird. Und das stimmt nicht nur bei der Ausgrenzung von Minderheiten, sondern auch bei solchen Verbrechen wie z. B. Vergewaltigung. Auch da liegt der Schwerpunkt auf "sieh zu, dass du nicht vergewaltigt wirst" anstatt auf " (also bei der vermeintlichen Schuld des Opfers) als bei "vergewaltige nicht" (also dem Tun des Täters). Bei der Gewalt an Seelen ist das nicht anders. __________________



      Ich habe mich auch schon gefragt, warum das so ist.
      Manchmal denke ich, es hat etwas mit Entsolidarisierung zu tun, bzw. Abgrenzung von jeglicher Schwäche, auch von schwachen Positionen.
      Man will weder selber schwach sein, noch gern wahrhaben, dass jemand aus reiner Willkür zum Opfer werden kann.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]