Den Glauben verloren

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    • Den Glauben verloren

      Ich habe heute endgültig gemerkt, dass ich meinen Glauben an Gott verloren habe. Ich war vorher jetzt nicht streng gläubig, aber ich habe immer daran geglaubt.

      Doch jetzt nicht mehr. Nun, ich bin jetzt seit ca. 2 Wochen in einem neuen Tiefpunkt. Das Studium überfordert mich emotional. Ich war auch schon sehr oft nicht in der Vorlesung. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht mal was wir gerade lernen. Ich habe mir vor kurzem ein paar Sachen zum Thema Verbundkatalogisierung angeschaut und war so überfordert, dass ich weinen musste. Aufeinmal kamen so Sachen wie "ich bin viel zu blöd für dieses Studium" usw... und dann, ja dann gehts mir schlecht und ich gehe nicht in die Vorlesung. Total bescheuert aber in diesen Situationen bin ich immer total irrational und wie fremdgesteuert. Ich kann das anders nicht beschreiben. Bisher dachte ich immer man muss nur glauben und dann klappt das schon. Aber ich glaube auch nicht an mich. Das ganze ist so verrückt. Ich hoffe, dass ich mich überwinden kann, in die Vorlesung zu gehen.

      Meine Cousine sagt immer, ich soll zu Gott beten und dann wird alles gut aber das Problem ist, dass ich es nicht mehr hören kann, wenn alle über Gott reden. Ich kann mich nicht mehr damit identifizieren. Ich weiß grade nicht, wo ich mir Halt holen soll...
    • Liebe Mondschein,

      offenbar befindest du dich zurzeit in einer Krise, in der dir alles zu viel ist. Ich kenne das auch aus eigener Erfahrung.

      Hast du die Möglichkeit, dich an die Studienberatung deiner Uni/FH zu wenden? Dort kann man dir bestimmt gute Tipps geben, wie du mit den Problemen, die du zurzeit im Studium erlebst, am besten umgehst. Es geht vielen Studierenden sicher ähnlich, auch wenn sie es vielleicht nicht offen zugeben. Gibt es Kommilitonen, mit denen du reden und ggf. zusammen lernen kannst? Oft hilft das auch bei Lernblockaden.

      Was deinen Glauben angeht, denke ich nicht, dass du deinen Glauben wirklich endgültig verloren hast, sondern dass du dich zurzeit in einer Glaubenskrise befindest. Mit dieser Erfahrung bist du nicht allein. Auch sehr gläubige Menschen erleben manchmal Zeiten, in denen es ihnen sehr schwer fällt, zu glauben und in denen sie ihren Glauben scheinbar verloren haben.

      Wichtig ist es, dass du jetzt nicht verzweifelst. Auch wenn du Gott im Moment nicht spürst und du gerade auch nicht mehr glauben kannst, ist Er immer bei dir. Er lässt dich ganz sicher nicht fallen. Versuche weiter auf Ihn zu vertrauen und bei Ihm Halt zu finden, auch wenn du im Moment kein Gegenüber spürst. Er ist trotzdem bei dir und hält dich.

      Ich wünsche dir alles, alles Liebe und dass es dir bald wieder leichter ums Herz wird.

      Liebe Grüße
      Grazia
    • Ich moechte dir auch sehr aufs Herz legen, zur psychologischen Beratung fuer Studierende zu gehen. An allen Unis, wo ich bisher war (5 Stueck) gab es eine solche Anlaufstelle.

      Ich erinnere mich an einen Kommilitonen, der 1 Jahr aussetzen musste, weil er depressiv geworden war und in die Klinik musste. Dabei war er genauso gut im Studium, wie jeder andere. Im Nachhinein war es schade um die verlorene Lebenszeit. Lass es nicht darauf ankommen!

      Ob Gott bei dir ist oder nicht (ich bin eher nicht glaeubig, zumindest nicht in diesem Sinne), finde ich im Moment nicht so wichtig. Wichtig ist, dass in deinem Zustand Beten ganz bestimmt nicht hilft, auch wenn es deiner Cousine vielleicht geholfen haette.

      So wie ich dich hier kennengelernt habe, bist du eine kluge und erstaunlich lernfaehige Frau, und ich glaube ueberhaupt nicht daran, dass du zu diesem Studium unfaehig bist. Du hast gerade einen Tief, und der wird vorbei sein.

      Du hattest hier schon von mehreren Tiefs berichtet, und jedes Mal ist dir danach besser geworden. Vielelicht wuerde es dir helfen, wenn du deine eigenen Beitraege nochmal liesst und deine eigene (ich finde, bewundernswerte!) Entwicklung wieder vor Augen hast.

      Warum bist du eigentlich mit Verbundkatalogisierung ueberfordert? Ich habe zwar keine Ahnung, was das ist, aber was genau ueberfordert dich an diesem Thema?
    • Ersteinmal danke das ihr so schnell geantwortet habt. Ich bin froh, dass ich meine Gedanken hier teilen kann und man mir versucht zu helfen. ich weiß das wirklich zu schätzen.

      Was die psychologische Beratung an der UNI angeht glaube ich eher das ich wieder zu meiner Therapeutin gehen sollte. Seit Beginn des Studiums war ich ja nicht mehr dort weil ich zeitlich ziemlich eingeschränkt war. Die Depression ist ja schon da und meine Probleme liegen ja eigentlich woanders. Sie greifen dann aber auf alle anderen Lebensbereiche über. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich einer Beratungsstelle so öffnen kann wie meiner Therapeutin. Das war schwer genug. Aber ich werde morgen definitiv einen Termin vereinbaren.

      @Muminfrau

      Ich wollte nur die Situation genauer schildern, in der ich diesen Gefühlsausbruch hatte. Das Fach Verbundkatalogisierung hab ich mir in dem moment angeschaut(es hätte auch ein anderes Fach sein können) ist zwar nicht einfach aber lernbar. Und das Problem ist, dass ich mich nicht mal zum Lernen überwinden kann. Alles ist grade so halbherzig. Ich bin einfach nur sehr verbittert und einsam und muss einfach die Therapeutin wieder aufsuchen. Es passiert alles aufeinmal
    • mondschein24 schrieb:

      es hätte auch ein anderes Fach sein können


      Genau darauf wollte ich hinaus! :) Du versteht ja selber alles sehr gut, nur musst du dein Wissen noch anwenden.

      Solche Gefuehle ueberwaeltigen mich auch oft beim Lernen (oder gerade jetzt bei der Vorlesungsvorbereitung), und sie haengen meistens damit zusammen, dass ich alles perfekt und sofort gemacht haben will.

      Das ist natuerlich eine unerfuellbare Aufgabe. Also teile ich die Aufgabe in kleine (manchmal sehr kleine) Teile und gebe mir einen "plus" jedes Mal, wenn ich eine Teilaufgabe gemacht habe. Z.B. die erste Folie einer neuen Vorlesung ist fertig. Oder eine Definition ist gelernt. Dann sage ich zu mir: "Super! Hast du gut gemacht!"

      Vielleicht versuchst du es auch so?
    • mondschein24 schrieb:


      Was die psychologische Beratung an der UNI angeht glaube ich eher das ich wieder zu meiner Therapeutin gehen sollte. Seit Beginn des Studiums war ich ja nicht mehr dort weil ich zeitlich ziemlich eingeschränkt war. Die Depression ist ja schon da und meine Probleme liegen ja eigentlich woanders. Sie greifen dann aber auf alle anderen Lebensbereiche über. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich einer Beratungsstelle so öffnen kann wie meiner Therapeutin. Das war schwer genug. Aber ich werde morgen definitiv einen Termin vereinbaren.



      Das find ich gut, wenn Du Dir Hilfe von der Therapeutin holst.

      LG Finchen
    • mondschein24 schrieb:

      Ich habe heute endgültig gemerkt, dass ich meinen Glauben an Gott verloren habe. Ich war vorher jetzt nicht streng gläubig, aber ich habe immer daran geglaubt.


      Meine Cousine sagt immer, ich soll zu Gott beten und dann wird alles gut aber das Problem ist, dass ich es nicht mehr hören kann, wenn alle über Gott reden. Ich kann mich nicht mehr damit identifizieren. Ich weiß grade nicht, wo ich mir Halt holen soll...


      Nein, es stimmt nicht, was Dein Cousin sagt. Viele Menschen verlieren im Lauf des Lebens den Glauben, weil es für sie nicht mehr stimmt, bzw weil sie merken, dass es nichts hilft. Den Glauben an ein mächtiges Wesen, dass mich hört und sich für mich einsetzt hat einen psychologischen Vorteil. Der Mensch fühlt sich dem Schicksal nicht so ausgeliefert. Für manche Menschen ist es wichtig, diese Stütze zu haben, aber andere (ich z. B. auch) kommen sehr gut ohne zu Recht. Und wenn Dich das Gerede von Deinem Cousin nervt, sag ihm das. Such Dir Halt an realen Dingen (z.B. jetzt an der Therapie, Gespräche mit Freunden usw.).

      LG Finchen
    • Ohne dein Leid schmälern zu wollen, glaube ich, dass diese Sinnkrise oder Glaubenskrise ein Teil deiner Entwicklung ist.
      Du fühlst dich ja nicht völlig ohne Grund so wie jetzt.
      Du hast in deinem neuen Lebensabschnitt noch keinen rechten Halt gefunden, altes bricht weg, neues ist noch unsicher, ich kann dich sehr gut verstehen.

      Es erinnert mich fatal an mich und meinen diversen Studienversuche, auch das "schwänzen".
      Am Intellekt liegt es bei dir sicher nicht, aber das hat ja auch muminfrau schon gesagt.

      Was ich wichtig finde, ist, dass du nicht ausschließlich gegen dich und deinen Widerwillen ankämpfst sondern dein Gefühl ernstnimmst und dich einmal genau fragst, was dich abhält, wovor du Angst hast und was dich wirklich gerade so leiden lässt.
      Einsamkeit hast du bereits genannt, und ich bewundere dich so so sehr dafür, dass du das zugeben kannst. Ich konnte das früher nicht mal vor mir selbst zugegen, dass ich mich verdammt klein und allein gefühlt habe, meine Freunde vermisst habe, mich von meiner Familie im Stich gelassen gefühlt habe und einfach nur eine Riesenangst vor allem hatte.
      Und genau diese Scham und das Verdrängen hat mich scheitern lassen.

      Sie es nicht als Schwäche, wie du dich gerade fühlst, es ist dein Weg und du entscheidest, ob er so weitergeht oder auch nicht.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]
    • mondschein24 schrieb:


      Die Depression ist ja schon da und meine Probleme liegen ja eigentlich woanders. Sie greifen dann aber auf alle anderen Lebensbereiche über. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich einer Beratungsstelle so öffnen kann wie meiner Therapeutin.


      Hallo mondschein,

      Was du schilderst kenne ich sehr gut aus eigener Erfahrung. Mir ging es als Studentin ähnlich. So wie bei dir, wirkte sich meine Depression auch auf mein Studium und andere Lebensbereiche aus.

      Ich halte es für einen guten Weg dass du Kontakt zu deiner Therapeutin aufnehmen willst. Sie kennt dich und deine Geschichte - so musst du nicht alles von vorne erzählen und kannst dich gleich auf die aktuelle Problematik beziehen und bereits angesprochene Themen wieder aufnehmen. Es ist jetzt in der aktuellen Krise viel Wert, das du nicht erst auf die Suche nach einer guten Therapeutin gehen musst.

      Die Therapie sollte jedoch nur ein Baustein in deinem Lösungsweg sein. Wichtig ist jetzt auch konkrete Hilfe, denn oft ist die Therapie ja mehr theoretisch angelegt, hilft einem sich über vieles bewusst zu werden - der Weg zur praktischen Umsetzung braucht jedoch noch Zeit.

      Die Frage ist also, was kannst du jetzt ganz praktisch für dich tun.

      Das können Kleinigkeiten sein, die dir gut tun und dein Wohlbefinden steigern (ein schönes Bad, ein gutes Essen, eine Verabredung mit einer Freundin, ein Spaziergang...). Darüberhinaus kannst du dir konkrete Hilfe für dein Studium holen, z.B. in Form einer Lerngruppe:

      Ich war in meiner Studienzeit eher ein Einzelgänger und dachte immer, eine Lerngruppe würde mich nur "behindern". Aber eine Kommilitonin hat mich gebeten, mir ihre Gruppe einmal anzusehen und ich stellte schnell fest, dass die Gruppe mir sehr half mich aufzufangen, wenn es mir nicht so gut ging und dass es wunderbar sein kann, Themen erst aufzuteilen und dann gemeinsam aufzuarbeiten und zusammen zu lernen. Hierbei habe ich auch erfahren, dass andere ganz ähnliche Probleme beim Lernen haben wie ich und das hat mich sehr erleichtert :) und mir ein Stück meiner Selbstzweifel genommen.
      Schau doch mal wo du konkrete Hilfe für dich bekommen kannst, um die Situation jetzt zu erleichtern.

      Zu deinem Glauben kann ich mich den Vorschreiberinnen nur anschließen - solche Glaubenskrisen gehören zum Glauben dazu. Der Glaube an Gott ist eine Sache - der Glaube an dich selbst eine ganz andere. Der kann dich auch tragen, wenn du den Glauben an Gott (vorübergehend?) verlierst.

      Du kannst soviel und du hast schon so viel geleistet - glaube an dich!

      Alles Gute
      Mondsteinhexe
    • Ob der Glaube von dir ganz weg ist oder nur auf Eis liegt, sei mal dahingestellt. Deine Schilderungen von deinem Befinden und deine Reaktion (Therapeutin kontaktieren) zeigen mir, dass du einerseits die Probleme wahrnimmst und andererseits etwas unternimmst.

      Als ich so arge Selbstzweifel während meiner Ausbildung hatte, war ich allein in München. Meine Familie konnte mich nie besuchen, denn mein sehr viel jüngerer Bruder und die anderen Geschwister erforderten die Anwesenheit meiner Eltern.

      Mir half der Kontakt mit Menschen. Nicht nur Kollegen aus der Staatsbibliothek, sondern auch welche aus dem christlichen Wohnheim, in dem ich Unterkunft hatte. Ich war ja erst 16 Jahre. Trotzdem fiel ich in eine tiefe Depression, die mich ein Jahr gekostet hat. Erst dann ging die Ausbildung weiter.

      Was ich sagen will, es geht irgendwie weiter. Entweder du bleibst auf dem eingeschlagenen Studienweg oder du machst etwas anderes. Wenn ich in ein paar Jahren 50 werde, bin ich noch weiter. Wenn ich zurückblicke, wie ich mir wegen vielen Dingen das Hirn zermartert habe, als ich 16 Jahre war, dann sage ich zum Trost zu dir:

      Es geht irgendwie, wenn auch der Weg, den du gehst, nicht leicht ist!
    • Mondsteinhexe schrieb:


      Das können Kleinigkeiten sein, die dir gut tun und dein Wohlbefinden steigern (ein schönes Bad, ein gutes Essen, eine Verabredung mit einer Freundin, ein Spaziergang...).


      Ich (für mich persönlich) halte nichts von solchen Ratschlägen "geht es dir nicht gut, dann nimm ein Bad", und mondschein hat sowieso Probleme mit dem Essen, da verursacht auch ein gutes Essen Schuldgefühle, und das kann sie gerade echt nicht brauchen.

      Wenn einem die Seele weh tut, depressive Stimmung und Selbstzweifel aufkommen, dann was soll ein Bad bringen? Ich finde, ein gutes Gespräch (auch hier im Forum), eine mutige Auseinandersetzung mit der Realität, ein kleiner Schritt in Richtung "trotzdem lernen" (z.B. eine Seite aus dem Skript lesen, oder sich in die Vorlesung reinsetzen, obwohl es einem sch*** geht) bringen da viel mehr.

      Studiengruppe ist andererseits eine super Idee, finde ich. Mondschein, vielleicht probierst du das jetzt aus?

      Außerdem, niemand kann in deinen Kopf reinschauen. Wenn du in der Vorlesung sitzt, kann keiner wissen, ob du den Stoff verstehst oder nicht, und ob du vorher zig Vorlesungen geschwänzt hast.

      Also, wenn du zur Vorlesung gehst, einfach nur gehst, ohne den Anspruch, alles zu verstehen, machst du schon einen guten Schritt nach Vorne. Probierst du das vielleicht aus?
    • Muminfrau schrieb:


      Wenn einem die Seele weh tut, depressive Stimmung und Selbstzweifel aufkommen, dann was soll ein Bad bringen?


      Na, wie ich schon schrieb: das Wohlbefinden steigern!

      Ich selbst habe seit 30 Jahren eine chronsich rezidivierende Depression und aus dieser eigenen Betroffenheit sage ich (für mich - und nehme mir das Recht dies als Tip weiterzugeben), dass große Probleme nicht nur DIE eine große Lösung brauchen.
      Es braucht viele Schritte - Kleine und Große.

      Für das eigene Selbstwertgegfühl etwas zu tun ist dabei ganz wichtig. Ich kann natürlich jahrelang in Therapie gehen und warten bis der große Befreiungsschlag eintritt. Oder ich nehme ZUSÄTZLICH die vielen kleinen Gelegenheiten wahr, mir selbst zu zeigen, dass das Leben schön sein kann, dass es viele kleine Dinge gibt an denen ich mich erfreuen kann und gerade wenn ich Probleme mit dem Essen oder auch mit meinem Körper habe (beides ist bei mir der Fall), kann ich über Wellness oder ein gutes Essen den Genuss wieder lernen.

      Was mondschein davon für sich umsetzt, bleibt ihr ganz allein überlassen - jeder muss seinen eigenen Weg finden - ich schildere hier nur meine Erfahrung.
    • mondsteinhexe schrieb:

      Oder ich nehme ZUSÄTZLICH die vielen kleinen Gelegenheiten wahr, mir selbst zu zeigen, dass das Leben schön sein kann, dass es viele kleine Dinge gibt an denen ich mich erfreuen kann und gerade wenn ich Probleme mit dem Essen oder auch mit meinem Körper habe (beides ist bei mir der Fall), kann ich über Wellness oder ein gutes Essen den Genuss wieder lernen.



      Da habe ich sehr ähnliche Erfahrung gemacht.
      Irgendwann muss man nämlich den ersten Schritt in Richtung "leben leben" einfach tun. Schuldgefühle hin oder her.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]
    • Aha, interessant. Bei mir ist es nicht so. Ich fühle mich sofort besser, wenn ich etwas "für die Sache" getan habe, also etwas genau dort verändert habe, wo ich aktuell das Problem habe (wo es aktuell brennt ;)). Vielleicht ist es meine ganz persönliche Besonderheit.
    • muminfrau schrieb:

      Ich fühle mich sofort besser, wenn ich etwas "für die Sache" getan habe, also etwas genau dort verändert habe, wo ich aktuell das Problem habe (wo es aktuell brennt ;)). Vielleicht ist es meine ganz persönliche Besonderheit.



      Eben genau da wirds schwierig.
      Diese Lösung passt eben nicht immer, denn nicht immer ist das, wo sich die Probleme/Symptome besonders zeigen, das eigentliche Problem.

      Man kann sich auch gut ein Jahr zwingen, in die Vorlesung zu gehen ohne ein besseres Gefühl dabei zu erlangen, wenn man dann nichts an den anderen Baustellen tut, geht einem irgendwann die Kraft aus.
      Und es hat ja hier keiner gesagt, sie soll nicht mehr hingehen und die Zügel völlig fahren lassen.

      Wenn man einsam und depressiv ist, dann kann ein ganzer Tag in der Uni mit nur oberflächlichen Kontakten sehr kräftezehrend sein, zumindest wenn man ein Mensch ist, der Zuwendung und emotionale Bestätigung durch ein Gegenüber braucht um sich dauerhaft wohlzufühlen.

      Wenn das aber aufgrund der momentanen Situation eben grad nicht möglich ist, dann kann man wenigstens ein klein bisschen was für sich tun, was einem das Gefühl von Geborgenheit vermitteln kann.
      Natürlich tut "was schaffen" auch was fürs Selbstwertgefühl, aber manchmal braucht man einfach was ganz ganz anderes als Leistung, Disziplin, Selbstentsagung, sollte gerade hier eigentlich nicht sooo völlig unverständlich sein.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]
    • Angelina schrieb:

      Leistung, Disziplin, Selbstentsagung


      Wer hat das denn gesagt? Ich nicht. :eek:

      Vielleicht ein Beispiel zur Verdeutlichung. Ich hatte lange Zeit ein großes Problem mit dem Aufräumen und Putzen. Ich konnte mich da richtig reinsteigern, so dass ich tagelang nur geheult oder gegessen habe, aber trotzdem nichts aufgeräumt habe. Genauso ging es mit dem Lernen für die Prüfungen. Und kein schönes Bad auf Erden konnte mir helfen, und zum Spazieren gehen konnte ich mich auch nicht überreden. Wie zum Teufel spazieren gehen oder Bad nehmen, wenn für die Prüfung gelernt werden muss oder die Wohnung nicht aufgeräumt ist? :eek:

      Jetzt lasse ich einen solchen Zustand nicht mehr zu. Wenn aufgeräumt werden muss und nur ein Hauch der alten Emotionen aufkommt (ich kann nichts, ich bin unfähig, ich schaffe es nie usw), dann sage ich mir sehr bestimmt, aber gleichzeitig mit Liebe, wie zu einem Kind:

      Okay, Muminfrau, das hast du alles schon mehrmals erlebt. Du willst doch nicht etwa depressiv werden, gell? Du kannst aufräumen, du wirst es schaffen. :five: Also, wo könntest du anfangen? Hm.. vielleicht diese drei Bücher vom Boden aufheben und ins richtige Regal stellen? [...] Uff, geschafft! Hast du gut gemacht! :daumen:

      Und danach geht es mir viel besser, und ich kann mich dann entscheiden, ob ich weiter aufräume oder ob ich spazieren gehe oder ein Buch lese. :cool: Normalerweise möchte ich nach einer solchen Aktion eigentlich noch ein bisschen mehr aufräumen, wenn ich schon dabei bin. ;)
    • Herrje....wir reden aneinander vorbei.

      Weißt du muminfrau, ich gehe davon aus, dass du dein Problem mit dem Aufräumem eben nicht allein durch aufäumen bewältigt hast.
      Vorher hast du dir Zeit genommen und geschaut, warum du ein Problem hast, welche Bedürfnisse dahinter stecken und dann hast du dir dieses Bedürfnis erfüllt, dich selbst nett behandelt, dich für kleine Schritte gelobt...oder nicht?
      Sprich, du hast deine Problematik ernstgenommen, eben nicht von dir verlangt, jetzt aber jeden Tag gefälligst einfach dein Pensum zu schaffen.
      Vielleicht hast du zwischendurch auch mal Pause gemacht und Kaffee getrunken, Schokolade gegessen, dir was Gutes getan?
      Genau das meine ich.

      Aber ehrlich gesagt möchte ich auch hier an dieser Stelle nicht über dich und nicht über mich diskutieren und warum alles anders ist.
      Mir wäre nur ganz lieb wenn andere Herangehensweisen respektiert werden.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]
    • Muminfrau schrieb:



      Jetzt lasse ich einen solchen Zustand nicht mehr zu. Wenn aufgeräumt werden muss und nur ein Hauch der alten Emotionen aufkommt (ich kann nichts, ich bin unfähig, ich schaffe es nie usw), dann sage ich mir sehr bestimmt, aber gleichzeitig mit Liebe, wie zu einem Kind:

      Okay, Muminfrau, das hast du alles schon mehrmals erlebt. Du willst doch nicht etwa depressiv werden, gell? Du kannst aufräumen, du wirst es schaffen. :five: Also, wo könntest du anfangen? Hm.. vielleicht diese drei Bücher vom Boden aufheben und ins richtige Regal stellen? [...] Uff, geschafft! Hast du gut gemacht! :daumen:

      Und danach geht es mir viel besser, und ich kann mich dann entscheiden, ob ich weiter aufräume oder ob ich spazieren gehe oder ein Buch lese. :cool: Normalerweise möchte ich nach einer solchen Aktion eigentlich noch ein bisschen mehr aufräumen, wenn ich schon dabei bin. ;)


      Mir gehts da anders. Ich sage mir, jetzt räum den Mist auf und dann gönn Dir ein Bad. Oder jetzt setz dich mal hin, trink einen richtig guten Kaffee, mach die Augen zu und guck dir das Chaos nicht an. Wenn der Kaffee alle ist, dann betrachte ich das ganze wieder und verspreche mir den nächsten leckeren Kaffee im aufgeräumten Zimmer zu genießen. Manchmal sind kleine Belohnungen vorher und nachher echt das Richtige. So ein bißchen Brennstoff für die Seele.
    • Muminfrau schrieb:

      Wie zum Teufel spazieren gehen oder Bad nehmen, wenn für die Prüfung gelernt werden muss oder die Wohnung nicht aufgeräumt ist? :eek:


      Uff, wie kann man den Nachtisch vor dem Essen kriegen?
      Uff, wie die Belohnung ohne Arbeit?
      Sich was gönnen, einfach nur so, ohne Leistung?
      Bonbons ohne Schmerz?
      Zum Teufel ist genau die richtige Assoziation, das klingt ja alles sehr (ohne abwertend sein zu wollen) sehr calvinistisch und lustfeindlich.
    • Angelina schrieb:


      Aber ehrlich gesagt möchte ich auch hier an dieser Stelle nicht über dich und nicht über mich diskutieren und warum alles anders ist.


      Ach, warum eigentlich nicht, wenn wir schon dabei sind? :) Ich hoffe, mondschein kann sich daraus einen Reim machen und schauen, was ihr besser passt.

      Angelina schrieb:


      Mir wäre nur ganz lieb wenn andere Herangehensweisen respektiert werden.


      Ja, mir auch. Ich bin mir sicher, dass ich nicht respektlos war. Aber ich habe eben eine andere Meinung.

      Als ich noch in der Schule war und schon dann zu solchen "Episoden" neigte, wo ich vor lauter Angst nichts machen konnte, z.B. nicht fuer eine Arbeit lernen, ist mir ein Buch in die Haende gefallen. Dort ging es darum, wie man mit kognitiver Therapie (so ungefaehr hiess es wohl) Depression heilen kann.

      Nun, ich hatte nie eine klinische Depression, zum Glueck, aber ich neige zu depressiven Zustaenden, wenn ich nicht aufpasse. Und dieser Ansatz der kognitiver Therapie hat mir sehr geholfen. Meine Abwandlung davon habe ich oben beschrieben: Man beschaeftigt sich tatsaechlich mit dem aktuellen Problem. Und dadurch, dass man einen Teil davon bewaeltigt hat, steigert sich automatisch Selbstbewusstsein und Wohlbefinden.

      Der theoretische Ansatz dahinter ist einfach (hoffentlich!):

      Wir gehen oft davon aus, dass unser Handeln durch unsere Gedanken beeinflusst wird: zuerst kommt das Denken und die Emotionen ("ich bin faehig! es geht mir gut!"), dann Handeln ("also kann ich gut fuer die Pruefung lernen!")

      Experimente zeigen aber, dass es auch in die andere Richtung geht: zuerst handeln, und dann werden die Gedanken "besser": zuerst Handeln ("ich habe eine Definition fuer die Pruefung gelernt!"), dann Denken und Emotionen ("wow, es geht mir jetzt viel besser! ich bin faehig!")

      Nachzulesen hier: David D. Burns "Feeling Good: The New Mood Therapy"

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Muminfrau ()

    • Nachtrag: Mr. Burns wird seine Therapie in meiner Interpretation wohl nicht wieder erkennen. ;)

      Nochmals zur Verdeutlichung:

      Wenn ich zuerst ein Bad nehme oder ein schoenes Essen esse, dann tue ich das, um meine Stimmung zu heben. Hypothese: Wenn meine Stimmung besser wird ("es geht mir jetzt viel besser!"), werden auch meine Gedanken besser ("ich schaffe das!"), und dann kann ich fuer die Pruefung lernen. Also zuerst Stimmung heben, deann kommen andere Gedanken, und dann kann man handeln. Das kann funktionieren, muss aber nicht.

      Es geht auch umgekehrt: meine Stimmung darf zuerst ruhig mies bleiben. Ich denke aber trotzdem: "ich schaffe es, fuer diese Pruefung zu lernen!" Warum? Na, weil das Lernen fuer die Pruefung aus mehreren kleinen Aufgaben besteht, die ich alle bewaeltigen kann. Das ist ganz logisch, und es hat nichts mit meiner momentanen depressiver Stimmung zu tun. Also, wenn ich diese kleinen Aufgaben bewaeltigen kann, dann gehe ich hin und mache eine davon. Und siehe da: Nachdem ich nachgedacht habe und etwas gemacht habe, hat sich auch meine Stimmung zum besseren veraendert! Also, zuerst denken und handelnl, und dann gute Laune bekommen.

      Auch das kann funktionieren, muss aber nicht. Mir persoenlich passt dieser Ansatz viel besser. Vielelicht wuerde es auch mondschein besser passen? (oder auch nicht :cool:)

      Beide Ansaetze setzen voraus, dass man aufmerksam mit sich selber umgeht und gut zu sich selber ist. Ich sehe hier keinen Widerspruch, sondern eine Art Yin-Yang Beziehung.
    • *seufz*

      Was soll dieser Vortrag, ich habe deine Herangehensweise bereits oben schon verstanden, darum geht es mir aber nicht.
      Im übrigen halte ich es bisweilen nicht anders, allerdings ganz ohne vorher erst ein theoretisches Buch darüber gelesen zu haben, das liegt mir nicht in Gefühlsdingen. Und deswegen finde ich deine Art noch lange nicht minderwertig oder gar falsch. Aber um mich geht es ja eben gerade nicht:cool:

      Mir ging es in erster Linie um dies hier:

      muminfrau schrieb:

      Ich (für mich persönlich) halte nichts von solchen Ratschlägen "geht es dir nicht gut, dann nimm ein Bad", und mondschein hat sowieso Probleme mit dem Essen, da verursacht auch ein gutes Essen Schuldgefühle, und das kann sie gerade echt nicht brauchen.



      Du teilst also ein, was für andere richtig oder falsch ist und was hilfreich.
      Das hat mich gestört, keinesfalls, dass du eine andere Meinung hast.


      muminfrau schrieb:

      Zitat:
      Zitat von Angelina
      Aber ehrlich gesagt möchte ich auch hier an dieser Stelle nicht über dich und nicht über mich diskutieren und warum alles anders ist.
      Ach, warum eigentlich nicht, wenn wir schon dabei sind? :) Ich hoffe, mondschein kann sich daraus einen Reim machen und schauen, was ihr besser passt.


      Weil ich es einfach nicht will. Es ging mir nur um obiges.


      Angelina schrieb:

      Auch das kann funktionieren, muss aber nicht. Mir persoenlich passt dieser Ansatz viel besser. Vielelicht wuerde es auch mondschein besser passen? (oder auch nicht :cool:)

      Beide Ansaetze setzen voraus, dass man aufmerksam mit sich selber umgeht und gut zu sich selber ist. Ich sehe hier keinen Widerspruch, sondern eine Art Yin-Yang Beziehung.


      Na dann ist ja alles prima.
      Nichts anderes meinte ich im übrigen.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]
    • Ich denke, das beides - an aktuellen Themen zu arbeiten und sein Wohlbefinden zu steigern - zur gleichen Zeit möglich ist.

      Abgesehen davon ist die Steigerung meines Wohlbefindens - gerade in einer depressiven Phase - immer auch eines meiner aktuellen Themen.
      Daher kann ich, mich z.B. mit dem liegen gebliebenen Papierkram, einer schwierigen Lernphase oder dem chaotischen Haushalt bzw. den dafür gerade fehlenden Antrieb beschäftigen und dies langsam abbauen und davor oder danach was schönes tun (ohne Problemwälzerei und "das hab' ich noch nicht verdient, weil da noch ein Korb Bügelwäsche steht").

      Und mein Selbstwertgefühl steigere ich zudem, indem ich mir etwas Gutes tue, weil ich es mir wert bin - und das habe ich ohne theoretische Abhandlung in einer meiner Therapien gelernt und praktitziere es bis heute.

      Bei mir wurde eine Depression dignostiziert - und das Leben zu genießen, die schönen KLEINEN Dinge zu sehen und nicht nur immer das was noch nicht erledigt ist, oder was ich schon alles erledigt und abgehakt habe - gehört für mich zu den wichtigsten Schritten hin in ein weniger depressives Leben. Vorallem weil manches Problem ZEIT und GEDULD (mit sich selbst) braucht, um gelöst werden zu können - und in dieser Zeit sollte jeder Mensch so gut wie möglich zu sich sein, denn irgendwoher muss ja auch die Kraft kommen, um die "großen" Probleme anzugehen.

      @ mondschein
      Wenn ich deine aktuellen oder älteren Beiträge lese, erkenne ich vieles aus meinem Leben als Studentin wieder - ich kann dich sehr gut verstehen.
      Mir hat die Therapie geholfen einen Teil meiner tieferliegenden Probleme zu lösen - und der andere Teil bestand aus vielen kleinen Schritten hin in Richtung mehr Leben, wieder Kontakte knüpfen, herausfinden, was mir gut tut (und was nicht) - vieles davon findet im Alltag statt, an der Uni, beim "in sich gehen" - also außerhalb der Therapiegespräche. Du kannst noch so viel verändern für dich - ich wünsche dir alles Gute dafür:).

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Mondsteinhexe ()

    • Angelina schrieb:


      Was soll dieser Vortrag


      Der war fuer mondschein gemeint, und fuer Mitleser, die sich evtl. dafuer interessieren koennten.




      Angelina schrieb:


      Du teilst also ein, was für andere richtig oder falsch ist und was hilfreich.


      Ja, nach Gefuehl, udn dann sage ich es auch direkt. Niemand muss sich natuerlich daran halten.

      Eine Portion ueberfluessigen Emotionen war allerdings auch dabei, das ist wahr. Stell dir vor, ich habe solche Ratschlaege wie "nimm ein Bad, dann geht es dir besser" zig Mal ueber mehrere Jahre hinweg gehoert, und wie frustrierend es war, wenn es nicht geholfen hat. Ich hatte dann das Gefuehl gehabt, wieder einmal versagt zu haben. Nun ja, es ist schon lange her, aber ich merke, dass es mich noch beruehrt.