Jetzt wollte ich endlich was für meine Gesundheit tun...und werde von ihr ausgebremst

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Hier schreiben engagierte Laien. Soweit gesundheitliche Fragen erörtert werden, ersetzen die Beiträge und Schilderungen persönlicher und subjektiver Erfahrungen der Autoren keineswegs eine eingehende ärztliche Untersuchung und die fachliche Beratung durch einen Arzt, Therapeuten oder Apotheker! Bitte wendet Euch bei gesundheitlichen Beschwerden in jedem Fall an den Arzt Eures Vertrauens.

    • Jetzt wollte ich endlich was für meine Gesundheit tun...und werde von ihr ausgebremst

      Hallo ihr Lieben, (Achtung! Das wird was Längeres. Geht lieber erst mal aufs Töpfchen und holt euch was zu Trinken :-D)

      Dieses Jahr im Juli hatte ich den Checkup35 bei meinem Hausdok. Die Ergebnisse der Blutuntersuchung waren alles Andere als berauschend. Cholesterin zu hoch, eine leichte Diabetes, Blutdruck zu hoch, Leberwerte zu hoch (lt. Ultraschall vergrößert und verfettet) usw usw usw.

      Mein Gewicht hatte auch den (für mich persönlich) absoluten Höchststand erreicht und 3cm geschrumpft war ich auch noch (wenn man u 1,60m ist und jede Hose zu lang ist, machen 3cm viel aus)

      Jedenfalls fühlte ich mich schon länger besch..... und diese Ergebnisse gaben mir den Rest. Es musste was getan werden, denn so wie es war konnte es für mich nicht weitergehen!
      Hauptsächlich wollte ich meine Kondition verbessern, denn ich war der Meinung, das Abnehmen kommt dann schon von alleine.
      Ich bin strikt gegen "Diäten", denn meistens sind sie ernährungstechnisch total einseitig und der Jojo-Effekt ist einfach schon vorprogrammiert. Außerdem weigere ich mich, mich selbst als "Freßmaschine" sehen zu sollen, denn ich bin weit davon entfernt. Klar nasche ich, aber auch nicht mehr oder weniger als Schlanke.

      Also musste etwas Sport her, egal was, hauptsache Bewegung und hauptsache rückenfreundlich.

      Letzteres deshalb weil ich an einer Skoliose leide (=seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule), die vor 23 Jahren so weit wie es damals möglich war, begradigt und versteift wurde. Versteift bedeutet, es wurden Metallimplantate (Schrauben, Drähte, einen sog. Harrington-Stab usw.) befestigt, die Bandscheiben wurden zw. dem 4ten Brustwirbel und dem 3ten Lendenwirbel entfernt und die Zwischenräume mit Knochenmaterial aufgefüllt damit alles wie zu einem Knochen zusammenwächst.

      In Kurzform: Ab dem Brustbein bis fast zum Steißbein ist meine Wirbelsäule so steif wie ein Besenstiel...bzw sollte sie EIGENTLICH sein.

      Der gewollte Sport (Tischtennis spielen mit der Besseren Hälfte und viel Gehen, Gehen, Gehen) brachte ein anderes Symptom sehr unangenehm ans Tageslicht: Atemnot.

      Mir ist schon lange aufgefallen, dass andere Übergewichtige locker-flockig auf der Treppe an mir vorbeiziehen, während ich es stark hechelnd es gerade noch zwei Stockwerke weit schaffe und mir dann ein Sauerstoffzelt wünsche.

      Ja, ich bin Raucher, aber kein Kettenraucher. Ob ich Allergien habe, wird Mitte Dezember abgeklärt, denn auch hier gibt es Hinweise dass was da sein könnte.

      Dann kommen noch diverse Arten von Rückenschmerzen, Rippengelenkblockierungen und kopfschmerzauslösende Verspannungen dazu. Meine Halswirbelsäule knirscht schlimmer als ein alter Bootssteg und ich bin oft so dermaßen verspannt, dass ich kaum noch den Kopf drehen kann.

      Wenn man eigentlich aktiv werden will um seine Kondition zu verbessern ist das alles natürlich seeeeehr hilfreich...

      Jedenfalls hab ich mich letzte Woche nach etlichen Jahren mal wieder zu einem Orthopäden geschleppt. Der war natürlich mit meinem Rücken total überfordert, konnte allerdings feststellen dass sich die Form meiner Wirbelsäule recht heftig verschlechtert hatte. Das konnte sogar ich auf den Röntgenbildern erkennen. Die Halswirbelsäule wurde von dem "Experten" übrigens völlig ignoriert.

      Das war schon ein Schock für mich, denn schon lange hatte ich das Gefühl dass die obere Hälfte des Oberkörpers sozusagen nach unten absackt.
      Und das passt nun auch zu den verlorenen 3cm Körpergröße. Wenn die Lunge nun 3cm weniger Platz zum Ausdehnen hat wunderts mich nicht dass ich keine Luft mehr kriege.

      Tja und nun? Das Problem ist, dass kaum ein normaler Orthopäde für mein Rückenleiden ausgebildet ist. Der nächste Experte dafür sitzt in Baden-Württemberg und so wie es aussieht, werde ich ihn nächstes Jahr aufsuchen müssen. Ehrlich gesagt ist mir dabei ganz schön mulmig, denn die beiden Wirbelsäulenops vor 23 Jahren waren nicht ohne. Und ich habe Angst dass man gar nichts mehr machen kann und ich halt mit fortschreitender Atemnot leben muss.

      Es ist für mich echt zu K.... momentan! Ich WILL etwas für mich, für meinen Körper tun, denn uns beiden geht es nicht gut. Aber Nein! Jetzt macht mir mein Rücken einen gehörigen Strich durch die Rechnung!

      Mein Lebensgefährte dreht auch schon am Rad und hat ja sooooo Angst um mich und natürlich blieben die Vorwürfe "Hättest du nur früher was gemacht" nicht aus. Früher ging es mir aber besser und ich war mit mir und meinem Gewicht zufrieden. Da sieht man keinen Handlungsbedarf.
      Von meinen Eltern kam noch der nette Satz "Ja dann musst du öfter auf deinen Heimtrainer und Fahrrad-fahren und du musst abnehmen!"

      Jou. Danke fürs Gespräch! Der Heimtrainer ist ja auch ein Wunderding der krumme Wirbelsäulen in nullkommanix wieder gerade macht! :rolleyes:

      Sorry, tut mir echt leid wenn ich hier so rumjammere, aber es musste einfach mal raus.

      Danke fürs Lesen

      LG
      Tanja
      [SIZE=2]Richtige Männer stehen auf Kurven denn nur Hunde spielen mit Knochen! (Unbekannter Verfasser)
      [/SIZE]
    • TB76SW schrieb:


      Dann kommen noch diverse Arten von Rückenschmerzen, Rippengelenkblockierungen und kopfschmerzauslösende Verspannungen dazu. Meine Halswirbelsäule knirscht schlimmer als ein alter Bootssteg und ich bin oft so dermaßen verspannt, dass ich kaum noch den Kopf drehen kann.

      Tja und nun? Das Problem ist, dass kaum ein normaler Orthopäde für mein Rückenleiden ausgebildet ist. Der nächste Experte dafür sitzt in Baden-Württemberg und so wie es aussieht, werde ich ihn nächstes Jahr aufsuchen müssen. Ehrlich gesagt ist mir dabei ganz schön mulmig, denn die beiden Wirbelsäulenops vor 23 Jahren waren nicht ohne. Und ich habe Angst dass man gar nichts mehr machen kann und ich halt mit fortschreitender Atemnot leben muss.

      Mein Lebensgefährte dreht auch schon am Rad und hat ja sooooo Angst um mich und natürlich blieben die Vorwürfe "Hättest du nur früher was gemacht" nicht aus. Früher ging es mir aber besser und ich war mit mir und meinem Gewicht zufrieden. Da sieht man keinen Handlungsbedarf.


      LG
      Tanja


      Hallo Tanja. Da ist ja bei Dir einiges zusammen gekommen. Was die Verspannungen angeht, würde die Krankenkasse Nackenmassagen bei einem Physiotherapeuten bezahlen? Oder wäre es für Dich möglich, zu Hause heisse Bäder mit speziellen Zusätzen gegen verspannte Muskeln zu nehmen? Oder heisse Traubenkernkissen? Ich weiss, das sind nur Tropfen auf den heissen Stein, weil eigentlich müsste die Verspannung mit professioneller Hilfe und langfristig gelöst werden.

      Den Besuch bei dem Experten ist wohl unumgänglich. Und ich hoffe für Dich, dass die Diagnose dann nicht so düster ist, wie Du sie befürchtest. Seit 23 Jahren hat sich in der Medizin viel getan und vielleicht sind die OP-Methoden heute besser und schonender. Und vielleicht gibt es auch mehr Therapiemöglichkeiten für Dich.

      Es ist schön, dass Dein Partner sich um Dich sorgt, nur mit solchen Sprüchen ist Dir auch nicht geholfen, was ich ihm auch sagen würde.

      LG Finchen
    • TB76SW schrieb:


      Mir ist schon lange aufgefallen, dass andere Übergewichtige locker-flockig auf der Treppe an mir vorbeiziehen, während ich es stark hechelnd es gerade noch zwei Stockwerke weit schaffe und mir dann ein Sauerstoffzelt wünsche.


      Zu deinem Hauptproblem kann ich leider nicht viel sagen, sondern dir nur die Daumen drücken dass du einen kompetenten Arzt findest und es bald besser wird.
      Das Thema Atemnot... so ähnlich ging es mir auch, ich wohne im 4. Stock, und in der Mitte brauchte ich ne Pause. Draußen spazieren gehen? Seit ich voriges Jahr im Sommer die Diagnose Arthrose Grad 3 im Knie bekam, war nicht mehr viel mit Bewegung. Erst steckte da noch ne akute Entzündung drin, und dann steckte der Gedanke in meinem Kopf "Du musst nicht, du hast ja ein krankes Knie" Irgendwann merkte ich, dass es mir an Tagen, an denen ich ein kleines Stück lief, abends besser ging. Inzwischen kann ich schon mal 2 Stunden bummeln gehen, oder ne halbe Stunde flott ausschreiten im Rythmus der Musik von Rammstein. Und das ohne Schnaufen und Keuchen :) Kurz gesagt, man kann trotz größerem Umfang mit etwas Training (und damit meine ich keine Quälerei im Fintness-Studio) die Kondition ein wenig verbessern.. natürlich vorausgesetzt dass nicht irgend welche akuten Probleme dagegen sprechen. (Raucher war ich übrigens auch ca 20 Jahre lang.. bis Pfingsten diesen Jahres)
    • Wer Skoliose hat, soll sehr, sehr aufpassen, welchen Sport er macht. Tischtennis ist u.U. gar nicht gut, weil einseitige Bewegung. Und wenn es die Bewegung zur falschen Seite ist, dann hat man den Salat. :(

      Ich habe an Tanja die Kontaktdaten von einem Orthopaeden geschickt. Er ist wohl wirklich der einzige in ganz Deutschland, der sich auskennt -- den Namen habe ich aus einem Skoliose-Forum. Vielelicht kennt Tanja ihn schon allerdings, er sitzt naemlich in BW.

      Dieses Skoliose-Forum kenne ich und finde sehr gut (erster Treffer, wenn man nach Skoliose Forum googelt). Es gibt noch ein Skoliose-Op-Forum, da kenne ich mich aber nicht aus, koennte vielleicht gerade fuer Tanja wichtgi sein.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Muminfrau ()

    • TB76SW schrieb:


      Es ist für mich echt zu K.... momentan! Ich WILL etwas für mich, für meinen Körper tun, denn uns beiden geht es nicht gut. Aber Nein! Jetzt macht mir mein Rücken einen gehörigen Strich durch die Rechnung!


      Dein Ruecken sollte absolut deine erste Praefernz sein. Wenn es dem Ruecken besser gehen wird, wird alles andere auch besser gehen. Meine Mutter hat eine sehr schwere Skoliose, und ich kann diese Dinge quasi seit meiner Geburt aus der naechsten Naehe beobachten.

      TB76SW schrieb:

      Mein Lebensgefährte dreht auch schon am Rad und hat ja sooooo Angst um mich und natürlich blieben die Vorwürfe "Hättest du nur früher was gemacht" nicht aus. Früher ging es mir aber besser und ich war mit mir und meinem Gewicht zufrieden. Da sieht man keinen Handlungsbedarf.


      Was passiert ist, ist passiert. Meine Mutter hat auch erst so ab 50 richtig angefangen, sich um ihre Skoliose zu kuemmern, weil sie bis dahin weniger Schmerzen hatte und sich besser gefuehlt hatte, obwohl ihr Ruecken schon immer ganz krumm war. Das ist menschlich und ganz normal. Ich hoffe, dein Partner wird fuer dich bald wirklich unterstuetzende Worte finden. Am Rad drehen hilft hier kein bisschen.

      TB76SW schrieb:

      Von meinen Eltern kam noch der nette Satz "Ja dann musst du öfter auf deinen Heimtrainer und Fahrrad-fahren und du musst abnehmen!"


      Hm, meine erste Reaktion war zu sagen, deine Eltern sind komplett verrueckt. (Sorry!) Dann kam mir in den Sinn, dass sie wahrscheinlich genau so ueberfordert sind wie du, und ihnen ist einfach nichts anderes eingefallen.

      Also, zuerst Arzt, dann evtl. eine Kur oder zumidest eine Physiotherapie nach Katharina Schroth (falls der Arzt das sagt, natuerlich), und erst dann ganz vorsichtig fragen, ob du ueberhaupt Rad fahren darfst und auf den Heimtrainer darfst.

      Zum Gewicht: Meine Mutter ist schlank, und sie sagt, dass sich jedes Kilo mehr sofort auf ihr Ruecken auswirkt. Sie passt sehr darauf, dass sie nicht zunimmt, weil sich dann sofort die Schmerzen verschlimmern. Sie kann das auch sehr gut, weil von Natur aus schlank. Leider kann ich dir da keinen guten Rat geben (und auch keinen schlechten).
    • Hallo ihr Lieben!

      Erst mal vielen lieben Dank für eure Antworten.

      Natürlich habt ihr recht dass zuerst mein Rücken Vorrang hat. Ist der nicht halbwegs gesund, geht der Rest auch nicht.

      Krankengymnastik habe ich von dem Wald- und Wiesen-Ortho verschrieben bekommen. In einem der ortsansässigen Krankenhäuser gibt es eine große physikalische Abteilung mit vielen Möglichkeiten für KG. Dort will ich mich mal melden und nachfragen ob die mit meinem versteiften Rücken überhaupt etwas anfangen können. Ich hoffe dass sie es können, denn es ist sehr frustrierend wenn man was für sich und seine Gesundheit tun will aber jeder "Experte" mehr oder weniger überfordert mit meiner WS ist.

      Sicherlich hat sich in 23 Jahren viel in medizinischer Hinsicht auf diesem Gebiet getan. Aber die Angst bleibt erst mal trotzdem, denn es schwingt immer die Gefahr der Querschnittlähmung mit. Selbst wenn das nicht passieren würde, so bliebe noch ein langer Arbeitsausfall und wenn mir Krankengeld gezahlt werden müsste, dann wird es finanzell für uns ganz schön knapp.

      Dann bin ich mir auch nicht so sicher ob meine Bessere Hälfte das verkraftet. Einerseits ist er zwar ein starker Mensch, andererseits fehlt im manchmal gewaltig das "Mitfühl-Gen". Wobei es auch durchaus sein kann, dass ICH vllt zu viel von ihm verlange.
      Aber sollte der "schlimmste Fall" eintreten, also OP oder OP-S, dann kann ich es nicht gebrauchen dass er rumjammert, ER sei überfordert, schließlich stecke ICH in diesem Körper und muss damit leben.

      Na ja, wir werden sehen.

      @Muminfrau: Du hast PN :)

      @Finchen: Diese Entspannungstaktiken wende ich schon seit Jahrzehnten an. Allerdings ist mein Alltag in den letzen 3 Jahren stressiger geworden als je zuvor (Vollzeitarbeit, Überstunden, Haushalt usw.) und da fällt das heiße Bad oft aus oder man fällt recht spät abends sehr müde ins Bett. Ausschlafen gibt es unter der Woche nicht, denn um halb 5 ist die Nacht wieder vorbei *gääähn* Das hat sicherlich auch seinen Teil zu der Verschlechterung beigetragen.

      Vielen lieben Dank nochmal für eure Anteilnahme.

      LG
      Tanja
      [SIZE=2]Richtige Männer stehen auf Kurven denn nur Hunde spielen mit Knochen! (Unbekannter Verfasser)
      [/SIZE]
    • Tanja, versuch mal zu fragen, ob es jemanden gibt, der Physiotherapie nach Katharina Schroth anbietet. Das ist speziell fuer Skoliose entwickelt worden, udn als meine Mutter z.B. einer Kur mit diesem Schwerpunkt war, ist sie als Resultat 3 cm "gewachsen", weil sich die Wirbelsaeule wieder etwas aufgerichtet hat.
    • Hallo Muminfrau!

      Ja, KG nach Schroth ist mir ein Begriff. Allerdings ist das speziell für nichtoperierte Skoliotiker gedacht. Bei bereits versteifter Wirbelsäule bringen diese Übungen wenig bzw viele sind wegen der eingeschränkten Beweglichkeit gar nicht möglich. Mehr wie Muskelaufbau kann ich eigentlich nicht machen. Allerdings laß ich mich da gerne eines Besseren belehren.
      [SIZE=2]Richtige Männer stehen auf Kurven denn nur Hunde spielen mit Knochen! (Unbekannter Verfasser)
      [/SIZE]
    • Ach so. Ich kenne mich mit Op-Dingen gar nicht aus, aber das, was du schreibst, schenit mir logisch zu sein. Wenn die Wirbelsaeule versteift ist, kann man sie nicht mehr drehen, und das ist es ja, was die Schroth-Methode ausmacht.

      Aber vielleicht koennte man fuer den Teil des Wirbelsaeule etwas machen, der nicht versteift ist? Halswirbelsaeule? Und ausserdem diese Absenkung, die deine Atmung erschwert: bei der Schroth-Methode wird ja viel mit der Atmung gemacht.

      Aber wie gesagt, ich bin keineswegs Expertin. Mit diesem spezifischen Fragen bist du im Skoliose-Forum besser aufgehoben, denke ich.

      Was du wohl auf keinen Fall machen solltest, ist Diaet halten. Schlag jeden auf den Kopf, der nur ein Woertchen davon verliert. ;) Denn das wuerde evtl. zur Schwaechung der Knochen fuehren. Und genau das kannst du nicht gebrauchen. Aber ich denke, das weisst du selber sehr gut.

      Mit deinem Partner solltest du ernsthaft reden, und evtl. sogar in eine Paarberatugn gehen, wenn er das alleine nicht packt. Helfen kann, wenn man realistisch und konsequent alle moeglichen Folgen bespricht, die eintreten koennen, und was man dann machen wuerde.

      Es ist z.B. klar, dass eine Nachoperation oder eine Kur einen Verdienstausfall bedeuten koennte, oder sogar (irgendwann spaeter) eine Kuendigung. Damit kann man aber fertig werden, man braucht sich da wirklich nicht aufzuspielen.

      Und auch -- entschuldige wenn ich das sage, aber letzendlich ist meine Mutter ja auch betroffen und ich habe mir dazu viele Gedanken gemacht -- der Fall eine Querschnittlaehmung kann bewaeltigt werden. Schoen ist es natuerlich nicht, aber moeglich. Da sollte man echt nicht am Rad drehen.
    • TB76SW schrieb:


      Sicherlich hat sich in 23 Jahren viel in medizinischer Hinsicht auf diesem Gebiet getan. Aber die Angst bleibt erst mal trotzdem, denn es schwingt immer die Gefahr der Querschnittlähmung mit. Selbst wenn das nicht passieren würde, so bliebe noch ein langer Arbeitsausfall und wenn mir Krankengeld gezahlt werden müsste, dann wird es finanzell für uns ganz schön knapp.

      Dann bin ich mir auch nicht so sicher ob meine Bessere Hälfte das verkraftet. Einerseits ist er zwar ein starker Mensch, andererseits fehlt im manchmal gewaltig das "Mitfühl-Gen". Wobei es auch durchaus sein kann, dass ICH vllt zu viel von ihm verlange.
      Aber sollte der "schlimmste Fall" eintreten, also OP oder OP-S, dann kann ich es nicht gebrauchen dass er rumjammert, ER sei überfordert, schließlich stecke ICH in diesem Körper und muss damit leben.



      LG
      Tanja


      Das wusste ich nicht, dass es im schlimmsten Fall mit Querschnittlähmung enden kann. Dann verstehe ich jetzt natürlich Deine Befürchtungen. Und auch die Sorgen wegen dem möglichen Verdienstausfall.

      Den Tipp von Muminfrau wegen der Paartherapie find ich auch gut.

      LG Finchen
    • Hallo ihr Lieben,

      erst mal vielen lieben Dank für eure Antworten.

      Ich muss mich mal bei euch entschuldigen. Ich neige dazu, die Sache mit meinem Rücken so zu erklären, als sei es das Normalste auf der Welt. Das liegt wohl daran, dass es für mich von Geburt an "normal" ist, damit Probleme zu haben.
      Deshalb werde ich ein bißchen ausführlicher erklären, was da los ist. Wen es nicht interessiert, einfach weiterscrollen :D

      Also, ich wurde mit einer Skoliose geboren. Das ist eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule und bedeutet, dass das natürliche S der Wirbelsäule sozusagen "auf der Seite" liegt und die S-Bögen vergrößert waren bzw. sind. Die Ursache(n) dafür sind bis heute größtenteils ungeklärt. Man nimmt aber an, dass es auch eine Vererbung gibt. In meiner Familie gibt es Einige, die leichte Skoliosen haben.
      In seltenen Fällen ist ein Unfall der Auslöser, oft liegt auch eine andere Erkrankung vor, die u. a. eine Skoliose auslöst.

      Es gibt viele Menschen mit Skoliose und Jede ist genauso einzigartig wie der Mensch selbst. Kein Fall gleicht dem Anderen aufs Haar.
      Deshalb gibt es sehr viele Menschen die eine leichte Skoliose haben und nie oder so gut wie nie Probleme damit haben.

      Bei Anderen allerdings ist der Oberkörper so stark deformiert durch diese Erkrankung, dass ein normales Leben fast unmöglich ist. Der Oberkörper ist durch die "verkürzte" (weil verbogene) Wirbelsäule gestaucht, die Lunge hat nicht genügend Platz, das Herz kann gequetscht werden und auch die restlichen Organe, weil einfach der Platz im Oberkörper fehlt.

      Diesen Menschen konnte und kann man mit recht aufwändigen Wirbelsäulen-OPs helfen. Der Oberkörper wird vorab durch verschiedene Verfahren gestreckt, damit sich Muskeln und Bänder verlängern (das Ganze geschieht in einem Zeitraum von Wochen oder Monaten). Dann wird die Wirbelsäule so weit wie es möglich ist aufgerichtet, entdreht, die Bandscheiben werden in einem vorher festgelegten Bereich entnommen und die dadurch entstehenden Lücken werden mit eigenen Knochenspänen und den verarbeiteten Bandscheiben wieder aufgefüllt. Die Wirbelsäule soll dann in diesem Bereich wie zu einem Knochen zusammenwachsen. Damit das Ganze möglich ist, wird sie noch mit Metallimplantaten (Schrauben, Stäbe, Drähte, Platten, Muttern etc) gestützt. Ähnlich wie ein Knochen bei einem Splitterbruch. Der Unterschied ist nur, dass diese Metallimplantate nicht mehr entfernt werden, da die OP dazu sehr aufwändig wäre und ein großes Infektionsrisiko mit sich bringt.

      In meinem Fall waren einige Wirbel nicht richtig ausgebildet oder wortwörtlich verdreht. Die Dornfortsätze zeigten ins Körperinnere, statt nach außen und ich habe auch ein paar Keilwirbel. D. h. der Wirbel ist auf einer Seite höher als auf der Anderen, wie ein Türkeil z. B. Dazu stand ich total schief, hatte ein Hohlkreuz und dadurch einen recht großen Bauch und einen Buckel auf dem Rücken wie Quasimodo. In den letzten zwei Jahren vor den zwei OPs kamen noch Atembeschwerden und starke Rückenschmerzen dazu.

      Meine Eltern kümmerten sich selbstverständlich um eine ärztliche Behandlung. Nur leider ist es so, dass die meisten Orthos mit dieser Erkrankung überfordert sind. Es gibt nur sehr wenige Skoliose-Spezialisten, denn dieser Bereich ist sehr umfangreich. Leider war der erste Ortho den ich zu sehen bekam kein Experte und versuchte mir mit konventionellen Mitteln (Korsett und Krankengymnastik) zu helfen. Aber jedes Jahr musste er meinen Eltern aufs Neue sagen, dass sich die Verkrümmung der Wirbelsäule verschlechtert hatte.

      Per Zufall erfuhren meine Eltern dass es im eigenen Bekanntenkreis einen Orthopäden gab und vereinbarten bei ihm einen Termin. Als er mich sah, schlug er nur noch die Hände über den Kopf zusammen und sagte sofort, dass ich operiert werden müsste. Er überwies mich sogleich in eine Spezialklinik in Hessen.
      Auch dort war man über die Ausmaße der Skoliose entsetzt. Ich war damals 10 Jahre alt und hatte -lt. der Aussage des Klinikarztes- eine Skoliose wie sie sonst nur Erwachsene haben. Dort stufte man mich als Notfall ein. Statt zwei Jahre auf eine stationäre Aufnahme warten zu müssen wurde ich gleich zwei Monate später stationär aufgenommen.

      Nach der ersten OP war ich glatte 10cm größer als vorher. Bei der zweiten OP wurde im Brustwirbelbereich ein sog. Harrington-Stab eingesetzt um die Wirbelsäule zu stützen. Später fand man heraus, dass es genau wg dieser Stäbe zu vielen Spätkomplikationen kommen KANN. Die Häufigste davon ist das sog. Flatback-Syndrom (= Flachrückensyndrom). Das Problem bei diesem Stab ist, dass er dort wo er sitzt den Rücken praktisch so gerade wie ein Besenstiel macht. Aber eine gesunde Wirbelsäule ist nicht so gerade wie ein Besenstiel. Und der Körper weiß das auch und versucht, diese Fehlhaltung mit einer neuen Verkrümmung oder Zunahme einer bereits Vorhandenen zu kompensieren.

      Es dauert Jahre, bis Jahrzehnte bis man die ersten Symptome hat, aber wenn es losgeht, dann aber richtig.

      Bei mir wurde nun festgestellt, dass sich die Verkrümmung der Brustwirbelsäule stark verschlechtert hat. Das wird recht kompliziert ausgemessen, aber leider kann ich nicht genau erklären, wie. Bin leider kein Mathe-Genie.

      Genau das erklärt die Atemprobleme die ich schon länger habe und den kleinen Buckel, der sich unter meinem Genick gebildet hat. Auch der nach vorne geneigte Gang hat nun einen Grund und noch viele weitere, kleinere und größere Symptome die ich anfangs nie so recht zuordnen konnte.

      Das einzig "Gute" an dieser Verschlechterung ist: Ich muss MIR keine Vorwürfe deshalb machen. Ich hätte KG bis zum Umfallen machen können und hätte mich auf das "Topgewicht" runterhungern können, die Verkrümmung wäre eben wg der OP-Methode TROTZDEM wieder schlimmer geworden. Jetzt muss das nur noch mein Lebensgefährte kapieren :rolleyes:

      Die zwei OPs die ich damals hatte, waren recht intensiv und teilweise auch sehr schmerzhaft. Das Risiko der Querschnittlähmung schwang auch damals schon mit und sollte ich wieder operiert werden müssen, dann ist dieses Risiko größer. Die Wirbelsäule wurde auch im Brustbereich versteift (meine Versteifungsstrecke ist vom 4ten Brustwirbel bis zum 3ten Lendenwirbel) und das kann man nicht mehr so einfach strecken und begradigen.

      Außerdem bin ich jetzt 23 Jahre älter als damals. Der Körper steckt sowas nicht mehr so leicht weg. Dazu kommt, dass ich heute viel mehr Verantwortung habe als früher. Meine Arbeit ist wichtig und wenn ich Pech habe, verpasse ich die ganzen Schulungen für eine neue Datenbank die bei uns eingeführt werden soll.

      Dann muss ich sehen dass meine Rechnungen weiterhin gezahlt werden wenn ich im KH bin, ganz zu schweigen von dem Verdienstausfall, denn länger als 6 Wochen werde ich auf jeden Fall weg sein.
      Meinen Lebensgefährten muss ich noch absichern, für den Fall der Fälle und muss einen Versorungsvollmacht beim Notar aufsetzen lassen. Sonst dürften die Ärzte meinem Lebensgefährten nicht mal sagen, wie es mir geht.

      Was mir auch noch zu denken gibt ist, dass die alten OP-Methoden gut 20 Jahre lang "gehalten haben". Wie ist das nun mit den neuen Methoden? Steh ich dann in 20 Jahren wieder vor diesem Problem? Dann bin ich 55 und müsste mir dann ernsthaft überlegen ob sich so eine große OP überhaupt noch lohnt.

      Uff...tut mir leid dass das jetzt doch so lang wurde. Aber vllt versteht ihr jetzt warum ich momentan echt fertig bin. Klar wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird, aber mir geht trotzdem die Düse wenn ich dran denke was nun evtl. alles auf mich zukommt. :boah:

      So, nun wünsche ich euch einen schönen Donnerstag und vielen Dank für eure Anteilnahme.

      LG

      Tanja

      P.S. Bevor ich es vergesse: @Finchen: Na ja, Paartherapie wäre für mich momentan noch ein sehr großes Geschütz. Erst mal abwarten was noch so alles kommt. Mein Lebensgefährte hatte vorher noch nie eine kranke Freundin. Vllt lernt ers ja noch. Wenn ich bei dem Skoliose-Spezialisten in Leonberg einen Termin habe, möchte er mitkommen. Das finde ich gut und ich will auch, dass er bei den Untersuchungen und Gesprächen dabei ist und selbst auch Fragen stellen kann. Es ist für Außenstehende immer blöder, denn sie sind viel hilfloser als der Betroffene selbst.

      Ich kann halt nur keine Vorwürfe gebrauchen, denn die ändern -außer meiner Psyche- nichts an der Situation.

      Und sollte er doch nur sich selbst sehen und für mich keine Hilfe sein (sofern ich nicht zuviel verlange) dann wäre es für mich an der Zeit, die Beziehung zu beenden.
      [SIZE=2]Richtige Männer stehen auf Kurven denn nur Hunde spielen mit Knochen! (Unbekannter Verfasser)
      [/SIZE]
    • Oje, das ist wirklich totaler Pech, in einem so jungen Alter eine OP wegen Skoliose zu benötigen. Bei meiner Mutter wurde ihre (sehr starke) Skoliose erst mit 15 entdeckt. :eek: Man hat es ohne OP versucht, mit Übungen usw, sie war ein halbes Jahr in einem Spezialinternat (nicht in Deutschland), und es hat bei ihr insoweit geklappt, dass das Fortschreiten der Skoliose aufgehalten werden konnte. Aber z.B. bei ihrer guten Freundin aus dem Internat hat nichts geholfen, und sie musste zur OP. Das ist also sehr individuell.

      Tanja, ich wünsche dir viel Mut und viel Kraft.

      Und sollte er doch nur sich selbst sehen und für mich keine Hilfe sein (sofern ich nicht zuviel verlange) dann wäre es für mich an der Zeit, die Beziehung zu beenden.
      Ja. aber bloß nicht voreilig, der Mann ist bestimmt total überfordert. Und da du ihm nicht so viel Unterstützung geben kannst, weil du ja erstmal wirklich woanders deine Kraft brauchst, wäre ein Außenstehender (Therapeut, Beratungsstelle) evtl. ganz gut. Du könntest auch den Dok oder im Skoliose-Forum fragen, ob es vielleicht eine Selbsthilfegruppe für Angehörige gibt.
    • Hallo Muminfrau,

      Muminfrau schrieb:


      Ja. aber bloß nicht voreilig, der Mann ist bestimmt total überfordert. Und da du ihm nicht so viel Unterstützung geben kannst, weil du ja erstmal wirklich woanders deine Kraft brauchst, wäre ein Außenstehender (Therapeut, Beratungsstelle) evtl. ganz gut. Du könntest auch den Dok oder im Skoliose-Forum fragen, ob es vielleicht eine Selbsthilfegruppe für Angehörige gibt.


      In dem Skoliose-Forum gibt es ein Unterforum speziell für die Partner von Skolioseerkrankten. Aber das hat meinen Lebensgefährten bisher nie interessiert weil es ihn "nie belastet hat". Deshalb hoffe ich, dass er bei meinem Termin in Leonberg dabei sein kann und selbst auch Fragen stellen kann und wird um für sich selbst ein besseres Verständnis des Problems zu bekommen.

      Freilich bin ich da nicht voreilig. Aber ich habe nunmal die Einstellung, wenn mir eine Beziehung nicht gut tut und ich -aus meiner Sicht- alles versucht habe um das zu ändern, aber nichts passiert, dann ist es für mich an der Zeit das Ganze zu beenden. Schließlich soll es einem MIT Beziehung nicht schlechter gehen als ohne. Aber noch bin ich nicht soweit und mein Lebensgefährte bekommt noch viele Chancen. Vllt begreift er es ja noch ;)

      LG
      Tanja
      [SIZE=2]Richtige Männer stehen auf Kurven denn nur Hunde spielen mit Knochen! (Unbekannter Verfasser)
      [/SIZE]
    • TB76SW schrieb:

      Mein Lebensgefährte hatte vorher noch nie eine kranke Freundin. Vllt lernt ers ja noch. Wenn ich bei dem Skoliose-Spezialisten in Leonberg einen Termin habe, möchte er mitkommen. Das finde ich gut und ich will auch, dass er bei den Untersuchungen und Gesprächen dabei ist und selbst auch Fragen stellen kann. Es ist für Außenstehende immer blöder, denn sie sind viel hilfloser als der Betroffene selbst.



      Danke für Deine ausführliche Erklärung. So kann man sich besser ein Bild von Deiner Situation machen.

      Es hört sich vielversprechend an, dass Dein Lebensgefährte mit will. Ich drücke die Daumen, dass er zu der Unterstützung wird, die Du brauchst.

      LG Finchen