Abnehmen um "dabei" zu sein?

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    • Abnehmen um "dabei" zu sein?

      Ich habe heute Folgendes erlebt:

      Ich trinke friedlich und froh meinen Kaffee in meinem kleinen Cafe (draußen) und will mir meine kleine Auszeit gönnen, da schlendert eine alte Mitschülerin auf mich zu.
      Nicht mißverstehen, ich habe gar nichts gegen sie, aber in dem Moment wusste ich: Abschalten ist nun nicht mehr möglich, denn sie kann reden wie ein Wasserfall...
      Sie kann ja nicht wissen, dass mir gerade heute nicht so sehr der Sinn danach steht und ich hätte es im Härtefall auch sagen können, aber ich kam gar nicht dazu irdendwie eine innere Entscheidung zu treffen, denn bereits in den ersten Sekunden legte sie los:

      Sie habe soeben ein Eis gegessen, obwohl sie sich doch gestern vorgenommen hatte, endlich abzunehmen. Und dann ging es nahtlos weiter, über Diäten, über Leute die abgenommen oder zugenommen haben, über Leute die gerade diese oder jene Diät machen, über eine ganz spezielle Diät (die ein Arzt vermarktet) über ihre magersüchtige Schwester, über die tollen Klamotten, die eine Bekannte nun, da sie fast 50 Kilo abgenommen hätte, tragen kann und wie glücklich diese nun endlich wäre...

      An dieser Stelle - es waren sicherlich 10-15 Minuten mit dieser Tirade verstrichen - hakte ich erstmals zaghaft ein und meinte, dass es doch erschreckend wäre, wie sehr Menschen ihr Glück, ihr Wohlgefühl, ihre Lebensquatität von ihrem Gewicht abhängig machten.
      Sie stutzte kurz und meinte dann:
      "Ja, aber man will doch dabei sein!"

      Nun stutzte ich, den ich schnallte gar nicht wirklich was sie da meinte und fragte deshalb: "Wobei sein?

      Wieder kurze Pause und dann kam sinngemäß dies:
      "Ja... bei allem! Man ist doch sonst gar nicht dabei!"

      Und dann nach nochmaligem Nachfragen kam dann so ungefähr dies heraus:
      Wenn man dick ist, oder auch nur eingie Kilos mehr (mehr als wie viel???) wiegt, dann lebe man im Grunde nur am Rande, würde nicht wirklich am Leben teilnehmen..." und so wieter und so fort.

      Ich versuchte noch klar zu machen, dass z. B. ich sehr wohl am Leben teilnehme! Das ich sehr gern lebe und nicht irgendwo im Dunkeln herum vegetiere, aber ich sah ihrem Gesicht an, dass sie mir - wie wahrscheinlich jedem anderen dicken Menschen - nicht glaubte.

      Ich weiß ja von velen von Euch, dass Ihr mit beiden Beinen voll im Leben steht - natürlich mit Höhen und Tiefen - wie wir sie alle erleben.
      Ist es nicht unglaublich, was manche Leute so von uns denken???
      Und ist es nicht unglaublich, wie viel Energie sie darauf verwenden, irgendwie äußerlich dem vorherrschenden Ideal zu entsprechen?

      Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde, sie leben am Rande und bekommen so viels es Schöne nicht mit, weil sie diese "Ich muss schlank sein-Scheuklappen" auf haben.
      Nicht ich bin die, die nicht "dabei" ist. Sie sind es und sie merken es nicht einmal...
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Der Mensch ist ein Herdentier. "Am Rande" stehen bzw. nicht in die grosse Masse zu passen, das kann nicht jeder. Zumal die grosse Masse per Medien ja immer die "schlanken und gesunden" Models vorgesetzt kriegt und damit auch der Wunsch genährt wird, auch dazu zu gehören. Und obwohl jeder Mensch ein Unikat ist, wollen die wenistens aus der Masse rausstechen.
      Aber eigentlich kann es doch egal sein, was andere über uns denken. Und es ist auch schön, wenn man den ganzen Stress mit Diäten und Fitnesswahn nicht mitmachen muss.

      LG Finchen
    • Itsme schrieb:

      Ich weiß ja von velen von Euch, dass Ihr mit beiden Beinen voll im Leben steht - natürlich mit Höhen und Tiefen - wie wir sie alle erleben.
      Ist es nicht unglaublich, was manche Leute so von uns denken???
      Und ist es nicht unglaublich, wie viel Energie sie darauf verwenden, irgendwie äußerlich dem vorherrschenden Ideal zu entsprechen?
      Jo, u. a. darum gibt es dieses Forum. Die Aussage deiner Bekannten ist ja durchaus eine mal offensichtliche, mal eher unterschwellige Argumentation beim Verkauf von Abnehmmethoden. Von daher bekommt man es nicht mal so selten in verschiedenen Variationen zu hören.
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    • Itsme schrieb:


      "Ja, aber man will doch dabei sein!"

      Nun stutzte ich, den ich schnallte gar nicht wirklich was sie da meinte und fragte deshalb: "Wobei sein?

      Wieder kurze Pause und dann kam sinngemäß dies:
      "Ja... bei allem! Man ist doch sonst gar nicht dabei!"

      Und dann nach nochmaligem Nachfragen kam dann so ungefähr dies heraus:
      Wenn man dick ist, oder auch nur eingie Kilos mehr (mehr als wie viel???) wiegt, dann lebe man im Grunde nur am Rande, würde nicht wirklich am Leben teilnehmen..." und so wieter und so fort.



      Ohje, vor fünf Jahren habe ich noch genau so gedacht. Vor allem als ein Arzt mir sagte, dass sich alle Freunde und die Familie von mir distanzieren würden, wenn ich "so weitermache". Er meinte schlichtweg, dass niemand in der heutigen Welt eine dicke, potenziell Kranke als Familienmitglied bzw. als Freundin haben will und ich am Ende ganz allein zu Hause sitze, weil sich niemand um mich kümmert. :( Ich brauche nicht sagen, dass ich auf die Ansage hin wieder angefangen habe zu hungern und in meine letzte Hardcorediät reingeschliddert bin.


      Itsme schrieb:


      Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde, sie leben am Rande und bekommen so viels es Schöne nicht mit, weil sie diese "Ich muss schlank sein-Scheuklappen" auf haben.
      Nicht ich bin die, die nicht "dabei" ist. Sie sind es und sie merken es nicht einmal...


      Genau das habe ich dann auch erlebt. In der Zeit des Diätens lebt man in seiner eigenen Welt. Zuerst fixiert man sich ganz auf sich, seinen Körper, Essen, Sport, Kalorien. Danach, habe ich so nach drei Wochen feststellen können, fühlt man sich den anderen "Normalessern" irgendwie überlegen und grenzt sich ab. Denn mit Leuten, die nichts kapiert haben, die der Versuchung des Essens mit Genuss und Freude erliegen, will man nichts mehr zu tun haben. Irgendwann sucht man sich Leute, die genau so denken und diäten wie man selbst oder man bleibt alleine mit sich und seiner beginnenden Essstörung.

      Das habe ich erlebt. Und ich fühlte mich da keineswegs "Mitten im Leben", sondern kreiste in meinem persönlichen Rahmen: Essen-Kalorien-Sport-Abnahme. Alles andere war mir unwichtig.

      Edit: In der letzten "Fit for Fun" Ausgabe (meine Eltern lesen sowas) gibt es sogar einen Artikel über "Guten Sex, nur mit gutem Körper!"...dort wird angeblich auf eine Studie verwiesen, in der fast jede dritte Frau angibt, sich beim Sex nicht schön zu fühlen (da zu dick) und sich somit nicht richtig fallen lassen zu können. Demnach sind Dicke beim Sex auch "nicht dabei"...ebenfalls schockiert hat mich der Satz, dass es vielen leichter fällt Hässlichkeit zu beschreiben (an erster Stelle wurde das Attribut "zu dick" genannt) als Schönheit (hier Bsp. "knackige Figur").

      Sorry, aber in so einer Gesellschaft will ich gar nicht "dabei sein"

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sassy ()

    • Sassy schrieb:


      Edit: In der letzten "Fit for Fun" Ausgabe (meine Eltern lesen sowas) gibt es sogar einen Artikel über "Guten Sex, nur mit gutem Körper!"...dort wird angeblich auf eine Studie verwiesen, in der fast jede dritte Frau angibt, sich beim Sex nicht schön zu fühlen (da zu dick) und sich somit nicht richtig fallen lassen zu können. Demnach sind Dicke beim Sex auch "nicht dabei"...ebenfalls schockiert hat mich der Satz, dass es vielen leichter fällt Hässlichkeit zu beschreiben (an erster Stelle wurde das Attribut "zu dick" genannt) als Schönheit (hier Bsp. "knackige Figur").

      Sorry, aber in so einer Gesellschaft will ich gar nicht "dabei sein"


      Ich denke, dass Frau sich nicht wohl fühlt liegt dann oft auch am Partner...der meckert...Kennen ja sicher viele den Fall, wo er sein Wohlstandsbäuchlein vor sich her schiebt, und jeder Super Schlanken hinter her schaut, und bei seiner Frau über jedes zusätzliche Gramm motzt.
      Ich kenn ja nun, wie viele von uns, beides...Schlanken Sex und Dicken Sex...wichtig war nie die Zahl der Kilos, sondern der Partner, dass ich mich wohl fühlte und Vertrauen hatte...Und wenn das bei einem Partner nicht stimmt, brauch ich auch nicht abzunehmen...um besseren Sex zu haben, dann sollte ich eher den Partner wechseln:cool2:
    • Ich persönlich finde es furchtbar immer jeden Trend mitmachen zu wollen/müssen nur um dazuzugehören. Wieso muss ich immer in einer homogenen Masse untergehen? Klar, ich muss nicht mit lila Haaren rumlaufen um mich wirklich abzuheben, aber kann ich nicht einfach sein wie ich will? Wenn ich nicht mit Markenklamotten rumlaufe bin ich uncool. Wenn ich mich nicht ständig besinnungslos saufe oder etwa noch zugebe ich trinke überhaupt keinen Alkohol bin ich sowas von langweilig und stehe links draussen. Habe ich nicht die "Idealmaße" (wer legt die überhaupt fest) bin ich fett, hässlich und peinlich.

      Ich bin ehrlich: zu so einer Gesellschaft will ich überhaupt nicht dazu gehören. :mad:
    • Das Gewicht ist ja nur einer der unzähligen beliebigen Aspekte dieser Grund-Angst, nicht dazuzugehören. Die Sehnsucht nach Konformität drückt sich in so vielen Lebensbereichen aus.

      Die richtige Musik hören, die richtigen Kleider anziehen. In das richtige Urlaubsland fliegen, im richtigen Viertel wohnen. Mit den richtigen Worten über die richtigen Filme reden. Die richtigen Leute blöd finden, die richtigen Youtube-Videos witzig finden. Und natürlich die richtige Kleidergröße zum passenden BMI tragen.
      Man könnte endlos weiter aufzählen.

      Das Ganze ist es doch ein uralter Menschheitstraum: dabeisein. In der Steinzeit war es überlebenswichtig, dass einen die Horde nicht rausgeworfen hat. Im Jahr 2011 fährt immer noch dasselbe Programm in unseren Gehirnen. Auch in meinem natürlich, obwohl ich es sterbenslangweilig finde.

      Ich glaube nicht, dass man auf kreative und mutige Ideen kommt, wenn man nicht wenigstens ab und zu mal versucht, diesen ängstlichen Klammergriff an die Alphagruppe etwas zu lockern.
    • Und in allem geht es immer nur darum, wie eine Person aussieht, nicht was für eine Person sie ist.

      Ich lese gerade ein Buch welches zu diesem Thema passt:

      Da sträubt sich eine Frau all diese Schnickschnack mit zu machen.
      Will sich nicht zum Streichholz hungern, noch sich zu Tode sporteln, will sich nicht am ganzen Körper rasieren, will nicht in den Schönheitssalon und die Besitzer reich machen, will kein Botox um danach einer Maske zu gleichen, kein Silicon, um auch ohne Schwimmreifen im Pool nicht unter zu gehen und auch sonst nicht zum Chirurgen...
      und das Ganze beschreibt sie deftig, witzig, so dass man manches mal laut lachen muss, manchmal aber auch denkt: "Oha!" und ein wenig innerlich rot wird.
      Allein die Beschreibung, wie sie sich - nun doch ein wenig bekehrt - die Schamhaare schneiden will und die unterschiedlichen Stadien beschreibt... :grins:
      und zu guter letzt, als sie ihren Gatten verführen will, feststellt, dass ihr Fußnägel pelzig sind... weil der Nagellack dort noch feucht war, während sie.... und so weiter.

      Der ganze verkorkste Schönheits-Schlankheitswahn wird da so richtig heftig auf die Schippe genommen. :applaus:

      Wer es lesen mag:
      Von Kathy Lette
      "Zu gut für diese Welt"
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • hmm... ist es denn nicht wichtiger im eigenen leben dabei zu sein, wie in dem leben, das "die gesellschaft" als DAS leben schlechthin bezeichnet?

      natürlich ist der mensch an sich irgendwie ein herdentier und sicherlich ist es entwicklungsgeschichtlich nachvollziehbar, sich zu wünschen, dass man sich in der gruppe, der gesellschaft integriert fühlen kann, aber ist das dann nicht auch automatisch ein grosses stück weit ein fremdbestimmtes leben? (denn gruppe/gesellschaft hat halt ihre regeln und die müssen beachtet werden, ob sie nun zu einem selbst passen oder nicht)
    • 19elke61 schrieb:

      hmm... ist es denn nicht wichtiger im eigenen leben dabei zu sein, wie in dem leben, das "die gesellschaft" als DAS leben schlechthin bezeichnet?

      natürlich ist der mensch an sich irgendwie ein herdentier und sicherlich ist es entwicklungsgeschichtlich nachvollziehbar, sich zu wünschen, dass man sich in der gruppe, der gesellschaft integriert fühlen kann, aber ist das dann nicht auch automatisch ein grosses stück weit ein fremdbestimmtes leben? (denn gruppe/gesellschaft hat halt ihre regeln und die müssen beachtet werden, ob sie nun zu einem selbst passen oder nicht)


      Absolut!

      Nur funktioniert die Gehirnwäsche so gut, dass die meisten Menschen glauben, es wäre ihr Wunsch, so auszusehen, wie es uns in den Glanzmagazinen mit den retuschierten und/oder mager gehungerten und/oder "schönheits"-operierten Models gezeigt wird.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Und um ihnen DAS klar zu machen, braucht es Einiges. Viele denke nämlich sehr sehr fest, dass das alles ihr eigener Wunsch ist. Dass sie sich nur so (normiert) wohlfühlen können.

      Wobei ich mich dann trotzdem immer fragen würde, warum ich mich nur so(normiert) wohlfühle?

      Weil ich mich mit ein paar Kilos mehr, einer anderen Haarfarbe, einem anderen Kleidungsstil, anderen Freunden etc. nicht wohlfühle?

      oder:

      Weil mir andere (die Außenwelt) sagen, dass ich mich so wohlfühlen sollte bzw. muss?

      Das auseinander zu halten finde ich schwierig. Ich selbst habe fast 17 Jahre gebraucht, um das einzusehen.:(
    • Sassy schrieb:

      Und um ihnen DAS klar zu machen, braucht es Einiges. Viele denke nämlich sehr sehr fest, dass das alles ihr eigener Wunsch ist. Dass sie sich nur so (normiert) wohlfühlen können.

      Wobei ich mich dann trotzdem immer fragen würde, warum ich mich nur so(normiert) wohlfühle?

      Weil ich mich mit ein paar Kilos mehr, einer anderen Haarfarbe, einem anderen Kleidungsstil, anderen Freunden etc. nicht wohlfühle?

      oder:

      Weil mir andere (die Außenwelt) sagen, dass ich mich so wohlfühlen sollte bzw. muss?

      Das auseinander zu halten finde ich schwierig. Ich selbst habe fast 17 Jahre gebraucht, um das einzusehen.:(


      Ist´doch auch kein Wunder, wenn an nur einmal daran denkt, dass wenn ein Mensch, der mehr wiegt, sagt, er fühle sich wohl - und vielleicht sogar, dass er sich auch noch leiden mag, gesagt bekommt, dass das gar nicht sein kann, denn alle Welt sagt doch, nur wer schlank ist ist glücklich, ist schön, ist erfolgreich... und so weiter.

      Sie passiert auf so vielen Ebenen, diese Gehirnwäsche, dass diese Leute es in vielen Fällen nicht einmal böse meinen, sondern wirklich glauben, was sie da von sich geben.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Sich mit Ernährung und Sport zu beschäftigen ist inzwischen ein Lifestyle geworden. Detoxdiät, Heilfasten, Ayuvedakuren, alle möglichen und unmölichen Yogavarianten.. Von überall wird man mit den neusten Gesundheits- und Ernährungstrends bombadiert. Was Heute als super gesund gilt, ist Morgen schon obsolet. 99% der Bevölkerung leiden plötzlich unter diversen Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Sich im Cafe nen' Soja Latte zu bestellen scheint wohl trendy zu sein. Dann gibt es den Gegenpol, die Udo Pollmer-Aktivisten, die natürlich kräftig dagegen halten. Hauptsache man macht sich interessant und hat was zum reden.

      Ich vermisse die Zeiten, wo man sich mit Bekannten bei einen Milchkaffee mit Zucker und Sahne (!) über Klamotten und Musik unterhalten konnte. Heute hört man so Sachen wie "Wusstest du eigentlich wie gesund Cranberries sind?", "Seit ich jeden Morgen auf einer geweihten Isomatte den Sonnenanbeter mit Blick richtung Westen tanze, bin ich so viel vitaler..", "Wenn man vor jeden Essen 2 Stunden Meditiert und in sich hinein hört, erkennt man viel klarer seine Bedürfnisse und muss nicht mehr so viel essen.."

      Sry, etwas überspitzt aber ich finde das inzwischen echt ziemlich anstrengend. ;)
      [CENTER][SIZE=2]Time has come for the crow to fly away.
      [SIZE=1](Avantasia - The Scarecrow)[/SIZE]
      [/SIZE][/CENTER]
    • Taborea schrieb:

      .....

      "Seit ich jeden Morgen auf einer geweihten Isomatte den Sonnenanbeter mit Blick richtung Westen tanze, bin ich so viel vitaler..",
      ..........



      :bruell:

      Danke!!!:)
      Du hast mir soeben einen lauten und herzhaften Lacher beschert! :daumen:

      Und Du hast mich daran erinnert, wie mir jemand erzählte, dass er in einer Yogastunde ernsthaft dazu aufgefordert wurde,
      "nun einmal ganz tief durch das Gesäß zu atmen..." :lol:

      Komisch, ich brauche dafür kein Yoga... oder sagen wir mal so:
      Das ausatmen schafft mein Gesäß des öfteren von ganz allein. :grins:
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Itsme schrieb:

      :bruell:


      Und Du hast mich daran erinnert, wie mir jemand erzählte, dass er in einer Yogastunde ernsthaft dazu aufgefordert wurde,
      "nun einmal ganz tief durch das Gesäß zu atmen..." :lol:

      Komisch, ich brauche dafür kein Yoga... oder sagen wir mal so:
      Das ausatmen schafft mein Gesäß des öfteren von ganz allein. :grins:


      :grins: Dank einem Medi schaff ich das auch super.

      LG Finchen
    • Abnehmen um dabei zu sein? Bei was??

      Immer wieder lese ich von der ominösen Gesellschaft - aber welche Gesellschaft soll dass sein? Die, die wegsieht wenn geprügelt wird, wenn Gewalt zur Tagesordnung avanciert oder die ihre Vorurteile lebt? Nicht nur in Bezug auf dass Dicksein finde ich es erschreckend dass Viele so vieles dafür geben einer Gesellschaft zu gefallen, welche sonst eigentlich nur da zu sein scheint, wenn es darum geht etwas zu kritisieren...

      Diäten als Modegag, um irgendwelchen recht kranken Idealen zu entsprechen - ich muss derzeit aus gesundheitlichen Gründen Diät leben, allerdings nicht um abzunehmen, sondern weil ich bestimmte Dinge einfach derzeit nicht vertrage. Und mir tut es manchmal in der Seele weh wenn ich an all die Leckereien denke auf welche ich derzeit verzichten muss! Genüsse sage ich euch! Genüsse! Und dass mir als Hobbykoch... *seufz*

      Wobei, ich glaube ja dass dieser ganze westliche Diätenwahnsinn - also die Modediät zwecks Abnehmen - irgendwo auch ein ganzes Stück weit aus den Resten religiöser Motivation entstammt:

      Genuss = Völlerei = Sünde & Verderben
      Fasten & Verzicht = Gut & Gottgefällig

      Im Asiatischen Raum sieht es da anders aus. Dort wird Nahrung als dass betrachtet was sie ist, eine Lebensgrundlage! Und wenn man bereits die Grundlagen des Lebens nicht genießen darf, wie soll man dann dass Leben an sich genießen?

      Ich denke dass ist eine Ursache dieses Irrsinns in unseren westlichen Gesellschaften...
    • Wo dieser Wahn nun wirklich seinen Anfang nahm, weiß ich nicht.
      Aber wenn man zurück schaut, so war es immer eine bestimmte Mode der oberen Gesellschafft, die versucht wurde zu kopieren. Und die untere Gesellschaft hat immer zu den sogenannten Oberen aufgeschaut und versucht so auszusehen wie sie.

      Heute ist es im Grunde nicht anders. Es sind Leute mit viel Geld die sagen wo es lang geht. Dass auch sie sich in der Geisel einiger Macher befinden, merken sie anscheinend nicht. Es ist en voque so oder so auszuschauen, also tut man alles dafür, so auszuschauen.
      Da dies in "Reinkultur" nur Leute können, die viel Geld haben, ist es für Menschen, die nicht solche materiellen Reichtümer haben, das Ziel wenigstens so auszusehen als hätten sie es.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • pollmer nennt es eine pseudoreligion.

      ich denke oft, dass diese diätgespräche, besonders auch unter frauen, so eine art beschwichtigungsritual darstellen.

      einerseits, neben dem dauerbrenner wetter, ein smalltalkthema, wo alle einer meinung sind, weil jeder (mindestens) ein paar kilo zuviel hat. deshalb auch die, in meinen augen, hilflose antwort "um dabei zu sein", wenn das geplappere einmal hinterfragt wird.

      andererseits um das konkurrenzdenken in schach zu halten, wenn die hübsche schlanke kollegin auch über ihren dicken hintern jammert, fördert das den zusammenhalt.

      und die werbung macht sich das ja dann auch gern zu nutze um aufgewässerte milchprodukte zu verkaufen, für die der verkäufer einstmals geteert und gefedert worden wäre. :D

      das läuft alles sicher unbewußt ab und nervt einen nur entsetzlich, wenn man wirklich ein gesundheitliches problem mit der folge adipositas hat und die üblichen erklärungsmuster einfach nicht greifen.
      Lieben Gruß

      Rita
    • Itsme schrieb:


      "Ja, aber man will doch dabei sein!"

      Nun stutzte ich, den ich schnallte gar nicht wirklich was sie da meinte und fragte deshalb: "Wobei sein?

      Wieder kurze Pause und dann kam sinngemäß dies:
      "Ja... bei allem! Man ist doch sonst gar nicht dabei!"

      Und dann nach nochmaligem Nachfragen kam dann so ungefähr dies heraus:
      Wenn man dick ist, oder auch nur einige Kilos mehr (mehr als wie viel???) wiegt, dann lebe man im Grunde nur am Rande, würde nicht wirklich am Leben teilnehmen..." und so weiter und so fort.


      Ich glaube, dass es im Grunde genommen vielen Dicken so geht. Viele fühlen sich wegen ihres Gewichts als Außenseiter. Und sie meinen, nur, wenn sie abnehmen, wird es ihnen endlich gut gehen. Nur dann werden sie hübsche Klamotten tragen dürfen, nur dann wird man sie beachten, nur dann wird man sie ohne Kichern akzeptieren, nur dann werden sie endlich ausgehen und ein etwas glamouröseres Leben haben dürfen.
      Ich glaube, Dicke leiden sehr darunter, dass sie weniger Aufmerksamkeit als andere bekommen. Sie werden tatsächlich weniger beachtet als Andere. Es ist so, dass ihnen den Eintritt in Szene-Clubs verwehrt wird. Wenn sie ins Restaurant gehen, werden sie manchmal komisch beäugt. Wenn sie Rockkonzerte besuchen, bekommen sie keinen Backstage-Pass. Wenn sie zu Tanzveranstaltungen gehen, fordert sie keiner auf. Sie sind die Einzigen, die einsam auf der Bank sitzen.
      Und so fühlen sie sich deprimiert, und trauen sich nicht mehr auszugehen, weil sie eh keiner schaut oder ansprechen wird, und weil sie so einsam nach Hause gehen, wie sie gegangen sind.
      Das kann Verbitterung, Depressionen, Vereinsamung bis vielleicht sogar Selbstmordgedanken auslösen.

      Jeder Mensch braucht Anerkennung und Beachtung. Und Dicke bekommen halt weniger bzw überhaupt nichts davon. Somit fühlen sich wie die Kinder, die bestraft in der Ecke stehen sollen. Aber sie werden nicht bestraft, weil sie was getan haben. Sie fühlen sich wegen ihrem Äußeren bestraft - obwohl sie gar nichts getan haben. Ist das nicht schlimm ?
    • Es mag sein, dass viele Dicke sich als Außenseiter fühlen, aber hier gilt wie überall: Es gibt immer zwei, einer der, der es tut, und einer, der es mit sich machen lässt.

      Ich persönlich bevorzuge ein Leben als Außenseiter, weil ich nicht sein will wie alle anderen. Allerdings ist das Dicksein dabei nur ein Aspekt, wahrscheinlich sogar der Geringste. Ich bin davon überzeugt, dass Außenseitertum den Charakter stärkt. Oft denke ich, wenn ich die bejubelten Vorher-/Nachher-Fotos in AC-Foren sehe: "Ja, nun! Vorher warst Du eine dicke Schönheit. Jetzt bist Du nichtssagender Mainstream." Wer will schon nichtssagender Mainstream sein? Ich nicht.

      Und was die Anerkennung betrifft, Bernadette. Wie steht es denn mit Deiner Anerkennung Dir selbst gegenüber? Da musst Du immer anfangen. Erst, wenn Du Dich selber schätzt und liebst, wirst Du die Anerkennung anderer finden. Ein weiterer Aspekt: Was für Anerkennung wünschst Du Dir denn? Ist Dein Dicksein bzw. ein eventuelles Nicht-Dicksein der einzige Aspekt, über den Du Anerkennung erwartest? Du bist doch viel mehr als Deine äußere Hülle. Was kannst Du? Wer bist Du? Gibt es nicht 1000 andere Dinge, über die man Anerkennung erhält? Ich persönlich definiere mich nur insoweit über mein Dicksein, als dass ich denke, dass es mir einen anderen Blickwinkel auf die Welt verschafft. Das war's dann aber auch schon.

      Ich war auch lange Single und habe erst mit 45 geheiratet. Natürlich kam mir auch immer wieder in den Sinn, dass es am Übergewicht liegt, aber heute weiß ich, dass es daran lag, dass ich nicht wusste, was ich wollte. In dem Moment, in dem ich das wusste, klappte es auch mit der Partnerschaft.

      Übergewicht als den Grund für alles, was im Leben nicht so recht läuft, her zu nehmen ist bequem. Anstatt Deine Energie in Deine Verbitterung zu investieren, solltest Du sie in die Ergründung der wahren Ursachen dafür stecken, dass Dein Leben vielleicht nicht den Gang geht, den Du Dir wünschst. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass Dir der Mut fehlt, Deine Wege zu gehen. Sei mal ehrlich zu Dir: Gehst Du Deine Wege oder denkst Du, hat doch sowieso keinen Sinn, ich bin ja schließlich dick? Und selbst wenn Du auf Grund dessen Rückschläge erlebst, wie schnell gibst Du auf? Und ist es wirklich immer das Dicksein, das zu diesen Rückschlägen führt?

      Ich glaube das nicht. Es ist meine Erfahrung, dass wir uns mehrheitlich diese Probleme ganz alleine machen, weshalb wir sie auch ganz alleine aus dem Weg räumen können.
      Aus organisatorischen Gründen bevorzuge ich die Kommunikation per eMail. Daher habe ich die Funktion "Konversationen" für mich abgeschaltet. Wenn Ihr mich erreichen wollt, haltet bitte die Maus in der linken Spalte auf meinen Namen und klickt dann auf den Briefumschlag im sich öffnenden Fenster.
    • Bernadette schrieb:


      Jeder Mensch braucht Anerkennung und Beachtung. Und Dicke bekommen halt weniger bzw überhaupt nichts davon. Somit fühlen sich wie die Kinder, die bestraft in der Ecke stehen sollen. Aber sie werden nicht bestraft, weil sie was getan haben. Sie fühlen sich wegen ihrem Äußeren bestraft - obwohl sie gar nichts getan haben. Ist das nicht schlimm ?


      Nein! Eine Cousine von mir ist sehr dick. Sie hat Mathematik studiert, hat dann die Karriereleiter in einem internationalen Versicherungskonzern im Schnellzugtempo durchlaufen (mit Fleiss und Ehrgeiz und Können) und war dann lange Zeit Vizepräsidentin. Heute hat sie eine eigene Versicherungsgesellschaft. Und sie ist nicht "nur dick", sie sieht einfach ganz toll aus. Kleidet sich super. Und sie hat auch erst mit fast 50 geheiratet, weil ihr die Karriere wichtiger war.
      Und ich nähe sehr gerne Patchwork und als ich letzthin das 1. Mal an einem Markt teilgenommen habe, bekam ich sehr viele Komplimente für meine Arbeit. Ich kriege Komplimente, wie mein Haus eingerichtet ist und letzthin hat mich eine Verkäuferin in einem Fachgeschäft angesprochen, weil sie mein Parfum so toll fand.

      Als dicker Mensch ist man nicht zwangläufig unglücklich, verbittert und wird auch nicht dauernd diskriminiert. Vieles hängt von Dir selber ab.

      LG Finchen
    • Ich liebe Zombiesplatterfilme und stelle mir im Alltag öfter mal vor, was ich tun würde, wenn JETZT die Zombies kämen. Und rede darüber.
      Nur um dann im nächsten Moment begeistert vor einem Heimatfilm zu sitzen und laut "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist?" mitzusingen und im Anschluss mit Freunden über die physikalischen Gleichungen auf dem Flipchart im Hintergrund der BigBangTheoryWG zu diskutieren.
      (beliebig fortsetzbar).

      Es gibt schon so einige Dinge in meinem Leben, die nicht unbedingt dem Mainstream entsprechen. Meine Figur ist da nur das sichtbare - nicht der Hauptaspekt.

      Es lebt sich ganz gut damit ;)
      "My body is a cage
      That keeps me from dancing with the one I love
      But my mind holds the key"

      Peter Gabriel