Wie kann ich aufhören zu essen?

    Hier schreiben engagierte Laien. Soweit gesundheitliche Fragen erörtert werden, ersetzen die Beiträge und Schilderungen persönlicher und subjektiver Erfahrungen der Autoren keineswegs eine eingehende ärztliche Untersuchung und die fachliche Beratung durch einen Arzt, Therapeuten oder Apotheker! Bitte wendet Euch bei gesundheitlichen Beschwerden in jedem Fall an den Arzt Eures Vertrauens.

    • Kommt auf die Uni an! Bei uns ist noch vorlesungsfreie Zeit.

      Der Hintergrund meiner Frage: Meine Anfaelle kamen oft in der Zeit, wo ich "nichts zu tun" hatte. D.h., es gab nichts, was wirklich absolut drigend notwendig waere, z.B. "morgen ist Pruefung" -- dann wird nicht gegessen, oder wenig.

      Wenn es allerdings heisst "naechste Woche ist Abgabetermin fuer die Hausarbeit", und sonst gibt es nichts zu tun, dann kommt eben der Essanfall. Bei mir war es so, dass ich die Angst vor der Anfertigung der Hausarbeit hatte (Angst vorm Misserfolg), und durch das Essanfall die Arbeit hinausgezoegert hatte. Oder ich habe mich so verrueckt gemacht wegen irgendeiner Aufgabe, dass ich unbedingt Betaeubung brauchte, sonst konnte ich nicht mehr.

      Oder wenn wirklich Ferien waren und es wirklich nichts zu tun gab, dann wusste ich nicht, was ich mit der Zeit anfangen soll, und es kamen traurige Gedanken: keine Freunde, kein Partner, oder die Erinnerungen an den Ex, oder ... was auch immer. Und dann brauchte ich wieder Betaeubung.

      Das habe ich damals aber nicht so gesehen, das merkt man nur nach Beobachtungen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Muminfrau ()

    • Nee, habe keine Semsterferien mehr... Aber Langeweile (also in dem Sinne, dass ich mal nichts zu tun habe) kenne ich als alleinerziehende Mama seit ich studiere nicht mehr... Also ich bin immer im Stress, vor allem mit meiner pefektionistischen Veranlagung und meinen überzogenen Erwartungen, alles einsen schreiben zu wollen...
      Muss aber sagen, wenn mal wirklich lange Ferien waren, ich mich etwas erholt habe, dann war es eher besser geworden... Weil ich da selbst ausgeglichener war...

      Ich habe heute nochmal mit meinem Psychologen gesprochen - also DEN Grund kann er mir auch nicht sagen... Aber er sieht es auch als einen Komplex von Kindheitserfahrungen, Erfahrungen mit meinem Exfreund und Stress...
      Ich soll halt weiter aufschreiben (weil es letztes mal geholfen hat) und darauf achten, was mich im Moment belastet (z.B. die Situation mit meinem Freund) und daran erstmal arbeiten...
    • Mami87 schrieb:

      Also ich bin immer im Stress, vor allem mit meiner pefektionistischen Veranlagung und meinen überzogenen Erwartungen, alles einsen schreiben zu wollen...
      Muss aber sagen, wenn mal wirklich lange Ferien waren, ich mich etwas erholt habe, dann war es eher besser geworden... Weil ich da selbst ausgeglichener war...


      Nachtigall, ick hör dir trapsen.

      Wieder so eine mit Perfektionsphantasien

      Geht nur mir das so? Langsam bekomme ich das Gefühl dass sich hier echt viele Perfektionisten tummeln. Menschen, die unglaublich große Ansprüche ans sich stellen, die sie anderen nie zumuten würden.....
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • Hallo Mami87,
      so langsam versteh ich ein bissl besser,warum du in deinem Eßproblem kein vorgründiges Problem siehst,es dich aber stark genug belastet,um hier in so einem Forum Hilfe zu suchen...

      Daß du deine Gefühle "wegißt" ist denk ich relativ klar.Und offensichtlich hast du so viele Gefühle,daß du so lange essen mußt,um sie unter Kontrolle zu bekommen,bis dir schlecht wird.
      Also auch da wieder : Kontrolle.Deckt sich mit deinem Perfektionismus.

      Ich seh das so : wenn du derzeit "einseitig" anfangen würdest,dein Eßverhalten zu ändern (und sei es mit Gewalt),dann würde es in irgendeine Richtung eskalieren.Wahrscheinlich emotional - und dann müßte wieder ne andere "Ersatzbefriedigung" her,denn "dich gehenlassen" erlaubst du dir ja nicht...

      Also blieben in meinen Augen derzeit drei Wege:
      - Du machst weiter wie bisher mit der Esserei und gehst stattdessen deine Emotionen mal analysieren und "katalysieren" und lernst,damit anders und fürsorglicher ("gesünder") umzugehen.Dann passiert das,was Muminfrau schon beschrieben hat : das Eßproblem kann sich mit der Zeit "von selber" lösen,wird leichter handlebar.

      - Du "verlagerst" in ne andere Ersatzbefriedigung,löst aber das Grundproblem nicht,und "bedienst" diese andere Ersatzbefriedigung,bis sie wiederum in ne "Abwärts-Spirale" führt,wie jetzt das Überessen.

      - Du machst weiter diese "Drehtür-Praktik",die du zur Zeit machst.Heißt : "Es soll sich was verändern,ohne daß ich was ändern muß"...
    • Mopsi schrieb:


      Du machst weiter wie bisher mit der Esserei und gehst stattdessen deine Emotionen mal analysieren und "katalysieren" und lernst,damit anders und fürsorglicher ("gesünder") umzugehen.Dann passiert das,was Muminfrau schon beschrieben hat : das Eßproblem kann sich mit der Zeit "von selber" lösen,wird leichter handlebar"


      ja, das versuche ich ja bereits... aber da ich das schon seit 5 Jahren versuche, habe ich langsam das Gefühl, es führt an kein Ende!
      Obwohl ich euch recht gebe - wenn, dann kann es nur so etwas werden...

      Perfektionismus und Essstörungen hängen ohnehin stark zusammen... Da man ja nicht ohne Grund perfektionistisch orientiert ist (meist ist dies Ausdruck einer grundlegenden Unsicherheit, über die man somit Kontrolle gewinnen will)...
    • Mami87 schrieb:

      ja, das versuche ich ja bereits... aber da ich das schon seit 5 Jahren versuche, habe ich langsam das Gefühl, es führt an kein Ende!


      Mut!!! Und Ausdauer! Es sind bloss 5 Jahre. Bei mir -- ich erinnere nochmals -- waren es mindestens 15. In Worten: fuenfzehn. Fuenf plus zehn.

      Ich moechte dich ganz ernsthaft ermutigen: Du bist auf dem richtigen Weg, und auch dieser kurze Abschnitt des Weges, den du hier in diesem Forum verbracht hast, gehoert dazu und hilft.

      Du kannst es dir wie einen Weg ueber eine unebene Landschaft vorstellen, der zu einem Berggipfel fuehrt: Manchmal geht es bergab, und du befindest dich in einem tiefen Tal mit Wald, und kannst den Gipfel nicht sehen. Dein Weg fuehrt aber trotzdem zum Gipfel.

      Ich finde, du machst im Moment schon sehr viel fuer dich. Wir koennen hier vielelicht ein bisschen helfen, und der Psychologe, und deine eigene Kraft.

      Vielelicht liesst du noch ein paar Buecher, und gehst evtl. (aber damit habe ich keine Erfahrungen) in eine Selbsthilfegruppe... Aber nichts ueberstuerzen!
    • Ich habe mich entschieden, meinen Weg in die und aus der ES schematisch aufzuschreiben, vielelicht hilft es.

      Mit 11 Jahren: erste Crash-Diaet
      Ab 12 Jahren: Esssucht mit mehreren Anfaellen in der Woche, keine Kontrolle, Selbsthass ohne Ende

      18 -- 26 J. : zwei gescheiterte Beziehungen, mehrere Diaeten und Fasten, angefangenes Studium, Geburt von meinem Sohn, allenerziehende Studentin, Esssucht (siehe oben), einige Psychotherapien, die nichts gebracht haben, stumpfes Ertragen und Leiden ohne Aussicht auf Besserung

      26 -- 29 J.: Esssucht wie oben, Studiumabschluss, erste Stelle, Mobbing, mein Exmann hat eine neue Familie und einen "neuen" Sohn, Leiden ohne Ende (zumindest kam es mir so vor), ein Forum zu Persoenlichkeitsentwicklung im Interent, der mir geholfen hat, mein Selbstbewusstsein aus dem Keller zumindest teilweise zu holen und neue Perspektiven im Leben zu sehen

      30 -- 31: endlich (nach 6 Jahren unfreiwilliger Abstinenz) eine neue Liebe, nach 3-4 Monaten vom Liebsten verlassen, neue tiefe Krise, Selbstbewusstsein wieder im Keller, noch eine (zum Glueck, letzte!) Crash-Diaet mit unliebsamen gesundheitlichen Folgen. Ich dachte, ich muss unbedingt abnehmen, damit ich einen Partner haben kann, denn der Ex kam u.a. nicht damit zurecht, dass ich nicht wie "Mainstream" ausshehe.

      32 -- 33: neue Arbeit, eine gelungene Psychotherapie, wobei ich der Therapeutin absolut verboten habe, mich auf Essstoerung anzusprechen. Grund: die Therapeutin ist sehr gut in Sachen Beziehungen, Emotionen, Familie, Persoenlichkeitsentwicklung usw, hat aber absolut keine Ahnung von Essstoerungen und hat versucht mir einzureden, ich muss Moehren essen und unbedingt abnehmen. Essanfaelle abends, nachdem Kind im Bett ist und ich mich dringend entspannen und "vergessen" muss.

      Ich habe mir damals zum ersten Mal gesagt: Na gut, wenn ich Essen zum Entspannen brauche, dann werde ich eben essen! So viel, wie ich brauche, denn ich bin es mir wert! Punkt.

      Mit der Zeit, dank der Therapie, werden Dinge, die ich vergessen und verdraengen muss, immer weniger, und damit auch die Mengen an Essen, die ich abends brauche.

      34- 36 (also bis jetzt): neues Selbstbewusstsein (zum grossen Teil durch Therapie und Weiterentwicklung), neue Beziehung, neue Einstellung zum Leben -- und ploetzlich waren die abendlichen Essanfaelle weg.
    • Puh... Ja, echt, wow...
      Der Anfang klingt ja ähnlich wie bei mir... (nur ohne Crash-Diät am Anfang)
      Vielleicht hast du recht, und es brauch auch bei mir, einfach nur noch mehr Zeit...
      Vielen Dank auf jeden Fall für all die ermutigenden Worte und das Zuhören(bzw. Lesen)..
    • Danke fuer Loorbeeren. ;)

      Mopsi schrieb:

      Komisch,bei mir hat das zeitlich fast dieselbe Reihenfolge gehabt wie bei dir...


      Aha, und bei Mami87 sieht es auch sehr aehnlich aus. Das spricht dafuer, dass eine Essstoerung eigentlich ein u.a. gesellschaftlich bedingtes Phaenomen ist, und gar nicht sooo individuell und besonders, wie es den Betroffenen manchmal vorkommt.
    • Was genau meinst du mit "gesellschaftlich bedingtem Phänomen"?
      Den Schlankheitswahn und die "uni-forme" Gesellschaft?

      Ich seh als gesellschaftlich bedingtes Phänomen nämlich auch die häufig mit Eßstörung verknüpften traumatischen Erlebnisse in Kindheit und Jugend.
      Und da fällt mir wiederum auf,daß so ne zeitliche Abfolge des "Verarbeitungsverlaufs" v.a. bei Leuten vorkommt,die sich nicht haben "pathologisieren" lassen und irgendwann es geschafft haben,ihr Leben trotz allem selber in die Hand zu nehmen...
    • Mopsi schrieb:

      Was genau meinst du mit "gesellschaftlich bedingtem Phänomen"?
      Den Schlankheitswahn und die "uni-forme" Gesellschaft?


      Wahrscheinlch habe ich gemeint, dass es eine nicht zu unterschaetzende Anzahl von Menschen gibt, die auf Probleme mit Essstoerungen reagieren, so wie andere auf ihre Probleme mit Alkohol, Depression, Aggression usw reagieren. Das nennt man wohl doch nicht "gesellschaftlich bedingt", aber mir ist dafuer kein Wort eingefallen.

      Ich meine, irgendwie muss man ja auf Probleme reagieren, und es gibt natuerlich konstruktive Reaktionen, aber wenn eine konstruktive Reaktion aud irgendeinem inneren oder aeusseren Grund nicht moeglich ist, dann reagiert man eben destruktiv, und zwar auf seine perosenliche, bestimmte Art und Weise.

      Mopsi schrieb:


      Und da fällt mir wiederum auf,daß so ne zeitliche Abfolge des "Verarbeitungsverlaufs" v.a. bei Leuten vorkommt,die sich nicht haben "pathologisieren" lassen und irgendwann es geschafft haben,ihr Leben trotz allem selber in die Hand zu nehmen...


      Man muss in jedem Fall sein Leben in die Hand nehmen, denn eine andere Art zu leben gibt es nicht. ;) Ich meine, was heisst schon "selbst". Es gibt immer Hilfe, ob in Gestalt von Menschen (Freunde, Aerzte, Leidgenossen), Buechern, oder (warum auch nicht?) goettlicher Eingebung. Ganz alleine kann man nichts schaffen, denke ich, man lebt ja nicht im Vakuum.

      Dabei denke ich, das Esssucht eigentlich eine der harmlosesten Suechte ist, die man sich vorstellen kann. Im Vergleich zur Magersucht, Bulimie, Alkoholismus... oder im Vergleich zu Depression. Wie du richtig sagst, bei Esssucht kann man oft ohne professionelle Hilfe weiter leben und irgendwann ist sie vielleicht weg. Man hat Kraft, es gibt keine oder wenig Abhaengigkeit von Substanzen, man behaelt einen klaren Zustand.

      Ich moechte die Esssucht nicht verharmlosen, es ist auf jeden Fall ein verzweifelter Zustand, aber ich bin irgendwie schon froh, dass ich keine Neigung zu Magersucht oder Alkoholismus habe.
    • Da bist du besser dran als ich,weil ich Süchte aller Art benutzt habe,nur um mein Innenleben stabilisiert zu bekommen...:rolleyes:
      Aber das krieg ich von anderen auch oft so mit,daß es den "reinen" Eßssüchtigen gar nicht so oft gibt.Blödes Wort,ich weiß!:-o

      Ich hab das so erlebt,wenn ich mich bei der Esserei mit Gewalt gezwungen habe,die "Norm" anderer zu übernehmen,dann eskalierten die Zustände in mir - und was anderes mußte her...
      Du hast das ja selbst oben so gut beschrieben,daß sich das Symptom Eßstörung erst wirklich legen kann,wenn der Auslöser dafür besser in Griff zu kriegen ist.Und ich habd a ein bissl länger dazu gebraucht,das von "Ersatz" getrennt zu bekommen...

      Mit "sein Leben selber in die Hand nehmen",das muß ich erklären,was ich meine:
      Ich bin immer noch einiges in Foren zum Thema Mißbrauch unterwegs.Und da fällt mir schon ne ganze Weile auf,daß es zwei deutliche Richtungen geht,mit Trauma aus der Kindheit umzugehen.
      Die einen lassen sich eben nicht pathologisieren und suchen sich - natürlich unter Mithilfe von außen,anders kann ichs mir auch nicht vorstellen,Sonst hätte man es ja längst alleine mal gemacht,sich aus den ganzen Sachen freizuarbeiten - ihre eigenen Wege,sind auch bereiter,da einiges an Müh und Arbeit an sich reinzustecken und "Risiken" einzugehen.Denn die Angstproblematik ist ja da überall dabei.

      Und dann gibt es die anderen,die dieses Pathologisieren eher benutzen,um weiterhin schön "bemuttert" werden zu können und eben nicht mal selber was in Verantwortung zu nehemn.
      Und die fangen dann erst an mit selber Verantwortung übernehmen,wenns die Umwelt endgültig satt hat,sie immer mitzuschleifen...Und das kann dauern...;)

      Ich schätze mal,daß das eben "charakterbedingt" ist...Kommt mir jedenfalls so vor,denn ich merke immer wieder,ich hatte und habe nen ordentlichen Trotz dabei - und bei denen merk ich da nicht so viel davon.
    • Mopsi schrieb:


      Und die fangen dann erst an mit selber Verantwortung übernehmen,wenns die Umwelt endgültig satt hat,sie immer mitzuschleifen...Und das kann dauern...;)

      Ich schätze mal,daß das eben "charakterbedingt" ist...


      Ja, das denke ich auch. Ich hatte schon immer das Gefuehl, dass sich keiner um mich kuemmern wuerde, und dass ich alles aus eigener Kraft schaffen muss. Und es hat sich auch keiner um mich gekuemmert, ich galt immer als stark und selbstaendig.

      Sowas ist aber nicht immer positiv. Ich bin dadurch z.B. sehr vereinsamt, und habe verlernt, ueberhaupt Hilfe anzunehmen. Es hat lange gedauert, bis ich das wieder halbwegs konnte, und das hat dann letztendlich zu einer entscheidender Verbesserung beigetragen.

      Und andererseits gibt es Menschen, um die man sich kuemmert, selbst wenn sie darum nicht bitten. Sie sind einfach so geschaffen, es war mir immer ein Raetsel, warum es so ist. Und interessanterweise kann auch das hinderlich sein, wie du oben schreibst.
    • Genau!Jedes Ding hat halt auch immer seine zwei Seiten...

      Mir gings übrigens genauso wie dir : Ich mußte auch erst wieder lernen,Hilfe anzunehmen oder überhaupt mal drum zu bitten.

      Jedes Extrem hats halt in sich...Mami87 macht da ja auch grad ihre Erfahrungen damit...
    • @Mami87: Du schreibst, dass du es in 5 Jahren nicht geschafft hast, deine Emotionen in den Griff zu kriegen.
      Erst mal ist das noch gar nicht so lange, wie schon Muminfrau schrieb. Und vielleicht hast du die ganze Zeit an den falschen Stellen "gegraben"? Es ist wahnsinnig schwer, erst die richtige Stelle zu finden, und dann ist es noch schwerer, daran zu arbeiten. Denn wenn es ein Pipifax-Problem wäre, müsste die Seele nicht auf Umwegen übers Essen reagieren.

      Der bereits angesprochene Perfektionismus (oder besser: ich will es allen recht machen, ich will von allen geliebt werden, wer Fehler macht ist minderwertig) ist einerseits persönlichkeitsbedingt, andererseits aber auch gesellschaftlich erzeugt: besonders an Frauen werden hohe Ansprüche gestellt. Sie sollen Karriere machen, studieren und (natürlich perfekte) Mutter sein, eine attraktive Geliebte, sportlich, eine (perfekte) Hausfrau usw usf. Die (irrealen) Vorbilder liefern Kino und Werbung en masse. Dazu muss eine Frau dem Partner "den Rücken frei halten", damit er Karriere machen, studieren, sich gesellschaftlich engagieren kann.... Wer sich diese Schuhe anzieht, hat schon verloren. Vermutlich sind ES auch aus diesem Grund hauptsächlich weiblich.

      Ich habe es an anderen Stellen schon erzählt: ich habe alle ES durch.
      (ungefähre Angaben, die Übergänge waren gleitend)
      18-24 Magersucht bis BMI 18, Depressionen, Versagensängste, Minderwertigkeitsgefühle, Studium geschmissen,
      mit 24 Therapie nach Suizidversuch. (Die Therapie hat mir nicht geholfen, das waren Menschen meines Umfeldes, die mich aus dem Loch geholt haben.)
      24-36 Bulimie, immer noch Minderwertigkeitsgefühle, Probleme im Job, Vergewaltigung durch einen Kollegen,
      36-47 Binge Eating, Zunahme bis BMI 34,
      Erfolg im Job, gnadenlose Selbstanalyse, neue Liebe,
      danach normales(?) Essverhalten mit gelegentlichen Fressanfällen, die ich ignoriere.

      Vergiss Diäten.
      Vergiss Fasten! Fasten ist auch nicht gesund, das ist ein Ammenmärchen, längst widerlegt! Das "gute Gefühl" kommt von den Endorphinen und der eigenen Erwartungshaltung (Stichwort Placeboeffekt). Durch Fasten wird der Stoffwechsel stark belastet, und es besteht die Gefahr, dass der Körper auf Energiesparmodus schaltet. Auch wenn es sich um 3 Tage handelt!
      Jojo wartet schon.

      Frag dich lieber:
      Was bringt mir das Essen?
      Was bringt es mir, dick zu sein/zu werden?
      Welche Vorteile habe ich durch dieses Verhalten?
      Was ist der Suchtgewinn?

      Vordergründig sind das blöde Fragen. Wer will schon dick sein?
      Aber an mir selber habe ich erfahren:
      Ich wollte (unbewusst!) nicht abnehmen.
      Ich wollte für meine Fähigkeiten geschätzt werden und nicht für mein Äußeres.
      Ich wollte nicht als hübsch aber dumm gelten, lieber als dick und cool.
      Ich brauchte das Gefühl, Raum einzunehmen, präsent, ge-wichtig zu sein.
      Ich wollte imposant und einschüchternd wirken.
      Ich wollte unattraktiv für Männer sein.
      Ich brauchte eine Ausrede, wenn mir etwas schiefging.
      Sobald ich ein paar Kilo abnahm, geriet ich in Panik und fraß und stand daneben und schaute mir entsetzt zu.

      Ich habe jetzt etliches abgenommen, seit ich das erkannt habe, aber mein Gewicht ist mir nicht mehr wichtig.

      Vielleicht hast du ganz andere Gründe als ich, um unbewusst an deinem Gewicht festzuhalten. Aber jede Sucht hat ihren Suchtgewinn. Wichtig ist, sich auch seehr unangenehme Fragen zu stellen. :cool2:
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)