Eigenverantwortung, Zwang etc. [aus Weight Watchers ...]

    Hier schreiben engagierte Laien. Soweit gesundheitliche Fragen erörtert werden, ersetzen die Beiträge und Schilderungen persönlicher und subjektiver Erfahrungen der Autoren keineswegs eine eingehende ärztliche Untersuchung und die fachliche Beratung durch einen Arzt, Therapeuten oder Apotheker! Bitte wendet Euch bei gesundheitlichen Beschwerden in jedem Fall an den Arzt Eures Vertrauens.

    • Sophie schrieb:

      Der Knackpunkt dabei ist halt, dass eben nicht jede/r alle Möglichkeiten hat. Sei es aufgrund von jugendlicher Unerfahrenheit, Abhängigkeit von Eltern/Experten/Arbeitgebern, Unwissenheit, Persönlichkeitsstruktur etc.
      In die Vergangenheit zu schauen und sagen "da hätte ich/hättest du eigenverantwortlich handeln müssen" bringt nichts. Wichtig ist die Erkenntnis: Jetzt habe ich mehr Informationen, Erfahrungen, Persönlichkeitsstärke etc., jetzt kann ich für die Zukunft mehr eigenverantwortlich im Rahmen meiner Möglichkeiten handeln.


      Es ist bereits im Verlauf dieses Threads sinngemäß so argumentiert worden. Ivy hat es vorgezogen, nicht oder nur ausweichend darauf einzugehen.

      bobi schrieb:

      Was ich mir durchaus vorstellen könnte ist aber, das Ivy sich möglicherweise, evtl. auch unbewusst, selbst die Schuld und Verantwortung für ihr Übergewicht gibt. Und daher heftig reagiert wenn wir hier davon schreiben, das Diäten/Arbeitgeber/Ärzte schuld an unserem Übergewicht sind, obwohl es meistens - wie schon erörtert - eher um Ursache und nicht um Schuld geht.
      Ja, genau so meinte ich das.

      Müsli schrieb:

      Ich habe schon verstanden, dass es Euch eher um die Ursache, als um die Schuld ging.
      Richtig, den Begriff Schuld hat Ivy in die Diskussion gebracht, niemand sonst.

      Aber es geht nicht um Rechtfertigung, sondern um das Erkennen von Ursachen, und reglementierte Ernährungsformen sind nun mal bei den meisten von uns die Ursache für unser Übergewicht. Nicht mehr und nicht weniger wurde das so u. a. im Ursprungsthread über WW geschrieben.

      Aber welche Alternative würdest du denn als Begründung anbieten, wenn es Diäten nicht sein sollen?

      Aber ich wage zu bezweifeln dass ich schlank wäre, auch wenn Diäten „funktionieren“ würden und es keinen Jojo- Effekt gäbe.
      Ich bin sogar sicher, dass ich auch dann nicht schlank wäre. ;) Aber ich bin ebenso sicher, dass ich niemals so dick geworden wäre ohne meine sämtlichen Abnehmversuche. Und ja, in gewisser Weise bin ich auch selber Schuld: Weil ich lange nicht einsehen wollte, dass das Körpergewicht eine individuelle Angelegenheit ist und Manipulationsversuche (übrigens in jede Richtung) nur das Gegenteil bewirken. Hier schließt sich der Kreis zu dem Zitat von Sophie.

      Das Problem, dass ich mit Ivys Aussage habe, ist, dass sie auf mich absolut wirkt: Wer Diäten macht ist einzig und alleine selber schuld und hat einen Mangel an Eigenverantwortung. Und wir wissen hier eben, dass es so in dieser Form nicht stimmt.
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    • Lunix schrieb:


      Das Problem, dass ich mit Ivys Aussage habe, ist, dass sie auf mich absolut wirkt: Wer Diäten macht ist einzig und alleine selber schuld und hat einen Mangel an Eigenverantwortung. Und wir wissen hier eben, dass es so in dieser Form nicht stimmt.


      Ich gehe hier sogar noch weiter. Ich behaupte mal frechweg, dass der Mensch ein soziales Tier ist. Aufgrunddessen ist es, um in dieser Gesellschaft leben zu können, notwendig Bewertungen und Vorstellungen anderer anzunehmen und teilweise auf das eigene Leben zu übertragen. Das man in erster Linie Bewertungen aus dem familiären und sozialen Umfeld und Expertenkreisen annimmt und versucht sich diesen anzupassen (natürlich auch abzugrenzen) ist eine vollkommen normale Form der Sozialisation.

      Ich habe früher die Vorstellungen meiner Familie und meiner Kinderärztin, meines Hausarztes und den (fast) allgemein gesellschaftlichen Konsens übernommen, dass dicksein ungesund ist und mich ästhetisch nicht mehr ansprechend macht.

      Meine Versuche mich körperlich diesem Bild anzupassen sind mißlungen und führten zum genauen Gegenteil, ich wurde dicker.

      Irgendwann habe ich meine Bewertungsmaßstäbe teilweise geändert und versuche nun mit meinem Übergewicht halbwegs gesund zu leben, Spaß am Leben zu haben und mich für mich und mein heutiges, näheres soziales Umfeld attraktiv zu gestalten ohne abzunehmen.

      Heute sage ich, schuld, im Sinne von verantwortlich, an meinem Dickwerden waren meine Eltern und die mir "aufgezwungenen" Diäten. Ich war als kleines Kind nicht in der Lage mich gegen die Vorstellungen meines Umfeldes abzugrenzen und als ich alt genug war, war kein Rückweg mehr möglich.

      Aber ich wehre mich ganz entschieden dagegen ein Opfer gewesen zu sein und ich werde sicher niemals eines werden. Niemals war ich passiv, niemals hatte ich eine Opferhaltung und ich habe immer eigen(und fremd-) verantwortlicher gehandelt, als es in meiner Altersklasse üblich war. Vielleicht waren meine Handlungen falsch oder ich habe aus den falschen Gründen den falschen Menschen vertraut, das aber ist etwas ganz anderes als nicht für sich selbst verantwortlich zu sein.
    • babelfish schrieb:

      Vielleicht waren meine Handlungen falsch oder ich habe aus den falschen Gründen den falschen Menschen vertraut, das aber ist etwas ganz anderes als nicht für sich selbst verantwortlich zu sein.
      Ich halte das für eine ganz wichtige Aussage.

      Bei mir persönlich ist es so, dass ich eine durchaus gute Beziehung habe zu falschen Entscheidungen, die ich im Leben getroffen habe, und zu Fehlern, die ich gemacht habe. Sie haben mich durchweg weitergebracht. Dasselbe gilt für schlechte Erfahrungen, die ich gemacht habe. Die Sinnhaftigkeit nicht jeden Unglücks hat sich mir sofort erschlossen. Manchmal hat es Jahre gedauert, bis mir klar wurde, wofür das alles gut war.
      Aus organisatorischen Gründen bevorzuge ich die Kommunikation per eMail. Daher habe ich die Funktion "Konversationen" für mich abgeschaltet. Wenn Ihr mich erreichen wollt, haltet bitte die Maus in der linken Spalte auf meinen Namen und klickt dann auf den Briefumschlag im sich öffnenden Fenster.
    • Lunix schrieb:

      Ich zitiere mal aus diesem Thread

      Sieht mir nicht so sehr nach vollendeter Selbstbestimmung aus.

      Ivy, kann es sein, dass du immer noch so abhängig von Fremdbewertungen bist, dass du dir die Schuld für dein Übergewicht bzw. deine Ess-Störung gibst und das jetzt auf uns überträgst? Kollektive "Schuld" ist ja bekanntlich leichter zu ertragen als individuelle.




      @ Lunix
      Die Schuld an meinem Übergewicht gebe ich niemandem – weder mir selbst, noch meinen Eltern oder sonst wem.
      Als ich mich mit der Entstehung meines Übergewichts beschäftigte, wollte ich die Zusammenhänge zwischen der Eßstörung und meiner Biografie verstehen und das ist mir gelungen. Ich bin mir sicher, dass Schuldzuweisungen gegen mich oder andere diesen Verstehensprozess verhindert oder zumindest erheblich erschwert hätten.
      Ich übertrage keine Schuld auf euch. Dass du krampfhaft eine Verbindung zwischen dieser Diskussion und meiner Äußerung in dem anderen Thread herzustellen versuchst, zeigt mir, dass du mein von dir zitiertes Statement nicht im Geringsten verstanden hast.
      Schau doch lieber mal bei dir, warum du dich durch meine Äußerungen so angegriffen fühlst – bei sich selbst schauen ist der erste Schritt zur Eigenverantwortung und kann einem ganz neue Sichtweisen eröffnen.

      @ Müsli
      Ich freue mich, dass es hier vereinzelt auch User gibt, die beide Seiten sehen und bereit sind das Thema aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

      @ alle
      Vor ein paar Tagen hatte ich ja schon angemerkt, dass ich das Schreiben hier im Forum reduzieren oder einstellen werde, weil ich doch in vielen, vielen Punkten – damit meine ich auch andere Themen aus anderen Threads – eine komplett andere Überzeugung habe.
      Sicher, ich könnte meine Meinung dazu schreiben und eine andere Perspektive aufzeigen, aber ich habe besseres zu tun und freue mich darauf diese Themen in der persönlichen Kommunikation aufzugreifen – mit Menschen, die mir etwas bedeuten. In so einem Forum fehlen mir auf Dauer die Stimme, Gestik und Mimik meines Gegenübers – eben alles, was Kommunikation erst lebendig macht.
      Euch wünsche ich noch viele spannende, kontroverse und harmonische Threads – alles Gute!

      Ivy

      P.S.: können die Admins bitte meinen Account löschen???
    • Ivy schrieb:

      P.S.: können die Admins bitte meinen Account löschen???
      Dem Wunsch nach Accountlöschung kommen wir gerne nach, aber nur, wenn er per Email oder PN an ein Mitglied des Teams ausgesprochen wird.
      Siehe hier.
      [SIZE=1][CENTER]Accepting oneself does not preclude
      an attempt to become better.
      — Mary Flannery O'Connor

      You must learn from the mistakes of others.
      You can't possibly live long enough to make them all yourself.
      — Sam Levenson
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    • Müsli schrieb:


      Wenn ich die Diäten etc. für mein Übergewicht verantwortlich mache, so kann es passieren, dass dies als Rechtfertigung aufgefasst wird.
      Sich frei von aller Fremdbestimmung zu sehen bedeutet für mich auch, sich nicht rechtfertigen zu müssen.


      Lunix schrieb:



      Aber es geht nicht um Rechtfertigung, sondern um das Erkennen von Ursachen, und reglementierte Ernährungsformen sind nun mal bei den meisten von uns die Ursache für unser Übergewicht. Nicht mehr und nicht weniger wurde das so u. a. im Ursprungsthread über WW geschrieben.



      Genau. Die Suche nach der Ursache ist gerade dann wichtig, wenn man eigenverantwortlich handeln will. Nur so kann ich steuernd eingreifen, künftiges Verhalten zumindest etwas freier von Fremdbestimmung gestalten.