Was muss eigentlich noch alles passieren?????

    Hier schreiben engagierte Laien. Soweit gesundheitliche Fragen erörtert werden, ersetzen die Beiträge und Schilderungen persönlicher und subjektiver Erfahrungen der Autoren keineswegs eine eingehende ärztliche Untersuchung und die fachliche Beratung durch einen Arzt, Therapeuten oder Apotheker! Bitte wendet Euch bei gesundheitlichen Beschwerden in jedem Fall an den Arzt Eures Vertrauens.

    • Was muss eigentlich noch alles passieren?????

      Heute habe ich erfahren, dass ein ehemaliger Klassenkamerad von mir, ein schweren Autounfall hatte und in Lebensgefahr schwebt.Zwei andere sind gestorben, die mit im Auto saßen.

      Dazu muss ich sagen, dass ich diesen Klassenkameraden überhaupt nicht mochte, weil er mich früher gemobbt hat.Irgendwann(Jahre später) richtete er mir über meine Freundin aus, dass es ihm leid tut, was er alles getan hat.

      Jetzt wo ich das erfahren habe, bin ich irgendwie geschockt. In der letzten Zeit sind nämlich einige Leute verstorben, die ich mal kannte oder die Freunde kannten.

      Mir ist jetzt aufgefallen, dass niemand in meinem unmittelbaren Umfeld gestorben ist. Mit anderen Worten ich kenne das Gefühl nicht, dass ein Mensch aus dem engeren Kreis stirbt.

      Ich erzähle euch doch immer davon wie unwohl ich mich fühle,bla bla bla.... und ich frage mich gerade ernsthaft: Was muss eigentlich noch alles passieren, dass ich mein Leben in die Hand nehme? Was muss eigentlich noch passieren, dass ich begreife, dass ich NICHT in einer ausweglosen Situation bin?

      Muss erst irgendwas schlimmes passieren, dass man wirklich weiß, dass das Leben viel zu kurz ist, als das man es immer mit negativen Gedanken überflutet und es nicht schätzt? Ich habe das Gefühl, ich gehöre zu diesen Kandidaten.

      Ich würde gerne von euch wissen, was ihr darüber denkt.

      Gibt es Menschen, die ihr Leben erst zu schätzen wissen KÖNNEN, wenn irgendwas schlimmes passiert. Oder liegt das an jedem selbst?

      Man hört ja immer wieder von Leuten, die schwer krank waren, und nachdem sie die Krankheit besiegt haben ein anderer Mensch werden.

      Ich möchte nicht das das bei mir passiert....Ich fürchte nur das es bei mir darauf hinaus läuft.Ich hatte schon zu viele Rückfälle in Selbstmitleid und Selbsthass.
    • Ach, Du Liebe,

      Jeder, der ehrlich ist, kennt diese schockartigen Anfälle von Selbstschau, die besonders bei solchen, wie von Dir angesprochenen Ereignissen uns überfallen...

      Als ich jung ( 27) war, hatte ich eine ( vom Arzt vermutete Eierstockschwangerschaft ... bis zum dritten Monat ( damals war " Abtreibung" noch verboten und Ultraschall gab es nicht), dachte ich nicht weiter darüber nach ... hatte ja meine Kinder, menen Haushalt und mein Studium ..
      Als ich eines Abends bügelte, bekam ich grauenvolle Schmerzen - ins Krankenhaus - sofort operiert ( Abortus) ...

      Immer noch dachte ich mir nicht viel dabei...

      Als aber der operierende Arzt am nächsten Morgen bei der Visite mir sagte,dass ich gerade noch rechtzeitig ins Spital gekommen sei, denn eine oder zwei Stunden später wäre ich innerlich verblutet , wurde ich im Bett ohnmächtig ...
      na ja: das ist wirklich ein Wendepunkt in meinem Leben gewesen ..
      Ich war vorher - genau so wie Du, mondschein, oft unzufrieden , war weder mit mir noch mit der Welt eins ... habe mit Mann und Kindern oft sehr grundlos gemeckert ...

      Aber - ganz ohne langen willensmäßigen Entschluss dazu, ward ich von Stunde an sehr viel ruhiger, dem Leben dankbarer, dass ich es leben darf...
      lg
      Marianne
    • @Ryana:
      Ich gaube, bei den meisten Menschen ist es so, dass sie erst "einen Schuss vor den Bug" brauchen, um wach zu werden. Man lebt so vor sich hin, alles ist irgendwie selbstverständlich, und wenn man immer relativ gut und sicher aufgewachsen ist (im Vergleich zu Flüchtlingskindern, oder Menschen in der Dritten Welt - Haiti, Bangla Desh..) kommen einem relativ geringe Kümmernisse gewaltig vor. Für die Holländer ist schon das Sauerland "Boah, Berge!", ein Südtiroler hält das Sauerland für Hügelchen...

      Wenn so ein äußerer Anlass einen dazu bringt, über seine Werte und Einstellungen nachzudenken, sollte man die Gelegenheit nutzen. Die Buddhisten glauben, dass jeder vom Leben die Lektionen gestellt bekommt, die er in diesem Leben lernen muss. Wenn er vor der Aufgabe die Augen verschließt, kommt dasselbe Thema immer wieder, immer härter.
      Man kann zu dieser Auffassung stehen wie man will - ich teile sie nicht unbedingt in allen Einzelheiten - aber etwas ist schon dran.

      1998 um den Dreh hatte ich eine schwere Angina Pectoris. Ich war felsenfest überzeugt, jetzt muss ich sterben. Ich habe mich damals einfach hingegeben, so nach dem Motto "Wenn es denn so sein soll, dann ist es eben OK so." Ich bin nicht gestorben, aber diese Minuten der Todesangst haben mein Leben total verändert. Ich war vorher ein echter Feigling, Duckmäuser, Angsthase. Danach hatte ich vor fast nichts mehr Angst. Klar fürchte ich mich vor schlimmen Schmerzen, aber all der Kleinkram, vor dem sich andere in die Hose machen vor Angst (die Meinung der Nachbarn, der Chef, mächtige Männer, beruflicher Nicht-Aufstieg,...) ist irgendwie nebensächlich geworden. Ich habe meine Werte, meine Vorstellungen eines glücklichen Lebens, und daran halte ich mich.

      Ich arbeite immer noch an mir selbst, zum Beispiel habe ich im letzten Jahr ein altes Trauma aufgearbeitet, das ich weit weg geschoben hatte. Als dieser Stein auf der Seele zerbrochen war, habe ich einen gewaltigen Energieschub festgestellt, der mich auch beruflich weiter gebracht hat.

      Deine Rückfälle von Selbstmitleid und Selbsthass, wie du schreibst, sind erst mal nichts Schlechtes. Schlecht wäre, wenn du darin dauerhaft versumpfen würdest. Aus deinen Schilderungen ist zu entnehmen, dass du es ja auch wirklich nicht leicht hast. So banal sind deine Kümmernisse nun wirklich nicht! Wenn du nicht untergehen willst, bist du halt gezwungen, das Beste aus deiner Situation zu machen.
      Ein Todesfall gibt immer wieder Anlass zu überlegen: Bin ich auf dem rechten Weg? (Ob ich schon angekommen bin, ist Nebensache.) Was ist mir aus tiefstem Herzen wichtig? Tue ich genug dafür?
      Bei Bedarf muss dann korrigiert werden.

      Am wichtigsten ist, dass man sich selbst treu bleibt. Was andere gerne hätten, oder was "man" tun oder sein muss, ist egal. Dann drücken auch die vielen kleinen Steine auf der Seele nicht mehr so arg.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Ich mag das Sprichwort "Der Weg ist das Ziel"
      und interpretiere es für mich so:

      Ich befinde mich auf einem Lern-Weg.
      Zwar habe ich immer auch ein Ziel vor Augen, aber manchmal führt der Weg mich über viele Umwege. Manchmal verirre ich mich auch. Manchmal stolpere ich über Steine die im Wege liegen, manchmal falle ich richtig hart auf die Schnauze. Manchmal tut es richtig weh.
      Das wichtigste ist es, wenn ich auf Umwege gerate, oder mich verirre, den richtigen Weg, der mich an mein Ziel führt, wieder zu finden, denn jeder Meter weiter ist ein Stück weiter ans Ziel und jeder Meter birgt Erfahrungen und Dinge, die ich lernen kann. Und wenn ich falle, dass ich wieder aufstehe und nicht liegen bleibe.

      Aber ich bin kein Roboter ohne jedes Gefühl. Manchmal muss ich auch meine Wunden lecken, manchmal muss ich verschnaufen und vor allem, mich nicht für jeden kleinen Abweicher vom Weg bestrafen.
      Es motiviert viel mehr, mich für gut gegangene Schritte zu loben, als mich für jeden kleinen Schritt bei dem ich aus der Bahn geriet, zu strafen.


      Zu Deiner folgenden Frage mondschein24:

      Gibt es Menschen, die ihr Leben erst zu schätzen wissen KÖNNEN, wenn irgendwas schlimmes passiert. Oder liegt das an jedem selbst?

      Zunächst glaube ich, dass es bei jungen Menschen ganz normal ist, fröhlich vor sich hin zu leben. Zumindest bei den meisten.
      Je älter man wird, desto mehr solcher schlimmen Erfahrungen, wie Du sie beschreibst, macht man und desto mehr wird einem die Endlichkeit seiner Existenz bewusst. Und je mehr sie einem bewusst wird, desto mehr schätzt man jeden Tag, den man leben darf.
      Wenn diese Tage dann auch noch mit schönen Dingen angefüllt sein dürfen, wie einem schönen Gespräch, der Umarmung eines lieben Menschen, einer Arbeit, die einem besonders gut gelungen ist, dem Anblick eines schönen Sonnenaufgangs, dem schönen Bummel durch einen Park, oder was es sonst noch an schönen Momenten im Leben gibt, dann ist die Dankbarkeit noch größer.
      Und trotzdem vergisst man dies manchmal. Obwohl einem die Kostbarkeit des Lebens bewusst ist, mault man manchmal wegen Kleinigkeiten vor sich hin - ich tue das jedenfalls manchmal.
      Dann liest man etwas schlimmes, oder man sieht einen Bericht im Fernsehen, oder im Umfeld, oder noch schrecklicher, im engen Kreis passiert etwas Schlimmes... und da ist es wieder ganz deutlich:
      Das Bewusstsein, dass das Leben unendlich kostbar ist. Das man jeden Augenblick bewusst erleben und leben sollte. Dass man sich all der vielen kleinen Dinge, die das Leben schön machen, wirklich erfreuen sollte.

      Für mich kann ich sagen, dass mir dies, je älter ich werde, immer besser gelingt.
      Der Weg - der Lebensweg ist schon ein sehr sehr spannender Weg.
      Und einer, auf dem das Lernen niemals aufhört.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Irgendwie passt das gut mit diesem Thema zusammen.
      Aus organisatorischen Gründen bevorzuge ich die Kommunikation per eMail. Daher habe ich die Funktion "Konversationen" für mich abgeschaltet. Wenn Ihr mich erreichen wollt, haltet bitte die Maus in der linken Spalte auf meinen Namen und klickt dann auf den Briefumschlag im sich öffnenden Fenster.
    • @Isme
      Wunderschöner Post - hätte es nicht besser schreiben können.

      Ich empfinde das Leben als ein langer und stetiger Lebens- und
      Lernprozess.

      Dabei habe ich Bilder im Kopf, die einen langen Weg durch Täler, über
      Gipfel mit Stürmen und Sonne, saftigen Wiesen und kahlen Steppen malen.
      Und zwischendurch ereilen mich - wenn auch selten - Lawinen und Erdbeben.
      Von außen betrachtet, bin ich über nicht viele sonnenbeschienene Gipfel
      gegangen. Jedoch gelingt es mir mittlerweile durch Erfahrung und vielleicht
      auch durch das Alter täglich, meine kleinen grünen Hügel zu besteigen und
      die kleinen Schönheiten auch unter grauen Wolken zu bestaunen. Meine
      bisherige Erfahrung ist die, je steiniger und holpriger der Weg wird und je
      mehr ich mich augenscheinlich verirre, desto demütiger werde ich dem
      Leben und meinem eigenen Weg gegenüber. Ich habe nicht immer den für
      mich guten Weg gefunden. Dafür fand ich andere, auf denen ich Neues und
      Interessantes entdeckte.
      Jedoch, die Lawinen und Erdbeben kommen, je weiter das Leben fortschreitet.
      Es muss nicht immer dazu führen, alles komplett auf den Kopf zu stellen.
      Aber es kann sein, dass über einen sehr langen Zeitraum die Beben so
      gewaltig sind, dass ein Wandel eintritt, ohne ihn bewusst gewollt oder
      herbei geführt zu haben.

      Ich kann es sehr gut mit einem Vulkan vergleichen. Ein kleiner Ausbruch
      verändert, wird aber mit der Zeit die ursprüngliche Natur wieder zulassen.
      Ein bombastischer Ausbruch wird alles um sich für immer verändern und
      NEUE WEGE formen ohne dass sie geplant, gewollt oder hätten herbei
      geführt werden können. Danach schwimmst du erst mal in Schutt und
      Geröll im völliger Unkenntis dessen, was nun kommt. Bist vielleicht
      orientierungslos, ohne Schutz und Idee.
      Und irgendwann beginnt ein Pflänzchen zu wachsen. Keine Ahnung, was es
      einmal werden wird oder wo es her kam. Aber wenn man es zulässt, wird
      es eine wunderschöne Pflanze, ein Baum...

      Ich kann es nicht anders beschreiben aber genau das passiert mir gerade.
      Den Weg, der vor mir liegt, hätte ich nie erwartet oder bewusst gewählt.
      Aber er ist jetzt da, ich stehe am Anfang und nehme ihn an. Es ist für mich
      sehr spannend, diese "neue Welt" zu entdecken. Vielleicht finde ich ja ein
      echtes sonniges Hügelchen, auf dem mein "Pflänzchen" gut wachsen kann
      :)
    • Ich kann mich an mehrere kleine Schluesselerlebnisse erinenrn, die meisten davon waren traurig oder aergerlich, die mich voran gebracht haben. Auch einige Beziehungen und Freundschaften, einige davon bestehen noch immer, andere sind laengst vorbei.

      Ich denke, dass sich diejenige Leute als gluecklich schaetzen sollten, die aus Dingen, die so im Leben passieren, lernen. Das tun wir hier alle, und das ist das Wichtigste. Es gibt, wie Itsme sagt, keinen "endgueltigen Glueckzustand", in dem man absolut mit sich und seiner Umgebung zufrieden ist. Und das ist auch gut so. Absolutes Glueck bedeutet Stillstand, Nirvana. Und ehrlich gesagt, da moechte ich einfach nicht hin, ich bin viel zu viel am Leben und an Menschen interessiert.

      Mondschein, mir ist etwas aufgefallen: dieser Klassenkamerad hat was wirklich feines gemacht, indem er sich bei dir entschuldigte. Das passiert sehr selten, udn das kannst du als ein sehr positives Erlebnis sehen, sowohl fuer dich als auch fuer ihn, wo auch immer er jetzt sein mag.
    • Ich hatte mein einschneidendes Erlebnis im Juni 1998.
      Genauer gesagt direkt an meinem Geburtstag. An dem ich eigentlich nach Hamburg zu meiner Freundin fahren wollte... Nur ist etwas dazwischen gekommen, so dass ich kurzfristig abgesagt habe. An besagtem Mittwoch erfuhr ich von einer Freundin, dass es einen ganz schlimmen Unfall auf der Bahnstrecke Hannover - Hamburg gegeben hätte.

      Es war der ICE, in dem ich drin gesessen hätte - wenn ich denn zu meiner Freundin gefahren wäre!

      Noch heute kann ich mir weder Bilder von dem Unglück anschauen noch länger darüber reden. Zu intensiv sind diese Gedanken, dass ich mir sage: DU hättest - da drin - gesessen! Und ich hab keine Ahnung, ob ich da lebend raus gekommen wär...

      *tief Luft hol + wieder auspust*

      Das Leben ist zu kurz, um nicht zu versuchen, das Beste draus zu machen. Wir haben nur dieses eine - auch wenn ich an Wiedergeburt glaube, aber das ist ein anderes Thema. Ich habe damals auch mehr geplant, mehr "im Voraus gedacht". Ist nicht mehr! Ich nehm jeden Tag, wie er kommt + versuch, das Beste draus zu machen. Denn dies Eschede-Unglück war nicht das letzte Mal, dass ich kurz davor war, das Zeitliche zu segnen. Erst letzten Winter wäre ich fast von einer vom Dach fallenden Eis-Schnee-Schicht erschlagen worden... Die sauste mit einem Knall vom Dach und schlug direkt hinter mir auf den Bürgersteig. Der Schock kam erst zehn Minuten später, als ich zu Hause war. Knie fingen schlagartig an zu zittern, mir wurde kotzübel (sorry!) und ich musste mich hinsetzen, weil ich dachte, ich kipp jeden Moment um.

      Es kann jeden von uns jeden Augenblick treffen. In diesem Sinne: Cheerio + Carpe Diem!

      *Glas heb + in Runde prost*
    • Die Fähigkeit, dass eigene Leben als sehr wertvoll einzuschätzen, hat nach meiner Erfahrung ganz viel mit dem Bewußtsein , dem Gefühl der eigenen Verletzlichkeit zu tun. Was knapper wird, wird wertvoller.

      Schlimme Erfahrungen, wie z.B. ein schwerer Verkehrsunfall, die schwere Krankheit des besten und einzigen Freundes haben mich emotional immer wieder so richtig durchgeschüttelt. Das war alles sehr unangenehm .... hat sich einfach Sch.... angefühlt. Aber diese Erlebnisse haben dazu mehrfach beigetragen, dass ich etwas für mich Entscheidendes verändern konnte; was ich jahrelang erfoglos versucht hatte.

      Ich glaube, dass diese wirklich schmerzlichen Erfahrungen dazu beitragen, das reine Kopf-Wissen ( z.B. wenn ich meine Ernährung nicht erheblich gesünder gestalte, dann werde ich ernsthaft krank) eine Etage tiefer rutschen zu lassen... aus dem Wissen wird eine Gewissheit, die mit echtem Gefühl verbunden ist.... und das hat bei mir erstaunliche Veränderungen bewirkt.

      I