Kriegsenkel

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    • Ich hatte diese Woche Gelegenheit, das Buch Kriegsenkel von Sabine Bode zu lesen. Es ist das Nachfolgebuch zum Buch Die vergessene Generation, das sich den Kriegskindern widmet.

      Wie wahrscheinlich viele von Euch habe auch ich im Laufe meines Lebens eine Menge Selbstfindungsbücher gelesen, bzw., wenn ich ehrlich bin, habe ich die meisten zu lesen angefangen, weil ich mich in ihnen einfach nicht wiederfand und deshalb keine weitere Zeit damit verschwenden wollte.

      Das Buch Kriegsenkel hatte ich zu Weihnachten von jemandem bekommen, mit dem ich gerne philosophische Gespräche zu historischen und gesellschaftspolitischen Themen führe. Mir wurde das Buch nicht als Selbstfindungsbuch geschenkt, sondern als interessanter Beitrag zu diesen Gesprächen.

      Dennoch entpuppte es sich für mich als Selbstfindungsbuch.

      Keine der 14 Geschichten, in denen Kriegsenkel ihre persönlichen Beziehungen zu ihren Eltern schildern, ist meine Geschichte, aber ich konnte in fast jedem Kapitel einen oder mehrere Sätze dick unterstreichen und habe das auch getan. Dabei ging es bei mir gar nicht so sehr um mein Verhältnis zu meinen Eltern. Eher hat mich das Buch veranlasst, mein Leben und vor allem meine Krisen, die ich im Laufe der Jahrzehnte immer mal wieder hatte, zu überdenken und in den Kontext von mir sehr früh vermittelter Kriegsangst zu stellen. Die (weltpolitisch motivierten) angsteinflößenden Situationen, an die ich mich genau erinnern kann, habe ich anderen schon oft geschildert, aber so, als habe ich sie in einem Film gesehen. Jetzt habe ich aber mal versucht, sie mir aus der Sicht einer Dreijährigen anzuschauen.

      Ich kann es kaum glauben, aber nach der Lektüre dieses Buches fühle ich mich viel freier, weil ich mich selbst besser verstehe.

      Viele von Euch gehören der Generation der Kriegsenkel an. Solltet Ihr Euer Selbstverständnis noch nicht gefunden haben oder sollten Euch noch einzelne oder auch viele Puzzleteile fehlen, so könnte ich mir gut vorstellen, dass dieses Buch Euch noch offene Fragen an Euch und Euer Dasein beantwortet.

      Ich bin dem Schenker dieses Buches jedenfalls extrem dankbar.
      Aus organisatorischen Gründen bevorzuge ich die Kommunikation per eMail. Daher habe ich die Funktion "Konversationen" für mich abgeschaltet. Wenn Ihr mich erreichen wollt, haltet bitte die Maus in der linken Spalte auf meinen Namen und klickt dann auf den Briefumschlag im sich öffnenden Fenster.
    • Martina schrieb:


      Dennoch entpuppte es sich für mich als Selbstfindungsbuch.


      Danke für den Tipp Martina. Für mich, 1949 geboren,ist "Die vergessene Generation" ein ganz hervorragendes und wichtiges Buch, das generationenübergreifend alle Leser anspricht und -für mich - eines der aufwühlendsten Bücher, die ich zu dem Thema gelesen habe. Irgendwie führte es mich zu mir selber und macht vieles verständlicher.

      Für mich war es ein Anlass, mich noch mehr mit der Vergangenheit meiner Familie zu beschäftigen, nachdem mich das Buch "Kriegskinder" von Hilke Lorenz schon dazu gebracht hatte, in die Heimat meines Vaters, nach Danzig und Ostpreussen zu reisen, waraus eine der wichtigsten Reisen meines Lebens wurde.

      Und nun werde ich die Kriegsenkel bestellen.
      [FONT="Comic Sans MS"][SIZE="2"][COLOR="Blue"]Viele Grüße
      Pamina
      [/COLOR][/SIZE][/FONT]

      [FONT="Comic Sans MS"]Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. (Antoine de Saint-Exypery)[/FONT]
    • Das ist auch ein Thema mit dem ich mich schon lange beschäftige. "Kriegskinder" habe ich auch gelesen. Vor einer Woche dann ein kleines Büchlein aus der Reihe "Abendrot" von Gisela Dua "Verlorene Heimat".

      Eigentlich ist dies ein Thema, das auf die Seiten der "Heimatvertriebenen" gehört. Da es aber unglaublich in unser Leben eingegriffen und bestimmt hat, gehört es auch hierhin.

      Meine Familie ist doppelt belastet. Mein Vater kam aus Ostpreußen/Breslau und wurde vertrieben, meine Mutter aus dem Sudetenland/Kommotau. Ich bin mit den Geschichten aus der alten Heimat, der Vertreibung, mit den vielen schlimmen Begleitumständen, die diese Vertreibung nach sich zog, aufgewachsen. Mein Opa, meine Oma mütterlicherseits (meine Oma väterlicherseits wurde von den Russen erschossen) habe ich in Erinnerung, dass sie unendlich viel von "Daheim" gesprochen haben.

      Meine Mutter wird dieses Jahr 70. Sie war 5 als sie ihr Elternhaus innerhalb 10 Minuten verlassen mußte. Mein Opa war damals in russischer Gefangenschaft. So mußte sie mit Mutter und älteren Bruder auf die Flucht. Ein Trauma - über das sie bis heute nicht weggekommen ist...und je älter sie wird, umso mehr lastet das alles auf ihrer Seele. Sie hat ihre Heimat nie wieder gesehen, die Familie war größtenteils zerissen. Mein Vater starb sehr früh - deshalb habe ich von ihm nicht erlebt, wie er mit seiner Geschichte umgegangen ist.

      Klar ist, dass all diese Geschichten sich natürlich auch auf die nachfolgende Generation ausgewirkt hat - auf meine Schwester weniger, auf mich mehr - da ich mich viel mehr mit all dem beschäftige.
    • Hallo Martina und die anderen Betroffenen!
      Das ist ein Super-Treffer !

      Ich habe mich selber damit schon sehr beschäftigt! Und Ursachen meines Lebens, Erlebens und Erleidens auch in dem letzten und sogar im ersten Weltkrieg gefunden und vermutet! Und nun lese ich "plötzlich" diese Wahnsinns-Bestätigung!
      Ein hohes Lob und ich werde mir diese Litertaur besorgen!

      Mein Großvater war Soldat im ersten Weltkrieg. Er erzählte mir immer von seinen sieben (!) schweren Verwundungen.
      Meine Oma hatte 9 Kinder und bekam das "Mutterkreuz" unter Hitler. Sie war eine starke Frau! Vertreibung aus der Heimat, mein Vater war da 14 und musste den Vater ersetzen, er hatte nie eine Jugend gehabt.
      Eine Flucht über 1,5 Jahre lang, aus Schlesien über Tschechien, Gefangenenlager, Zerbombung, böse Verwandte, nichts mehr als die Sachen am Leib, so viele Tote gesehen, Schwester an Thypus gestorben - weil sie anderen im Krankenhaus half, Bruder schwerst verletzt - er war so ein "strahlender Volksheld" und endete so schmächlich im Feldlazarett!

      Meine Mutter kommt auch aus Schlesien, Oma war von Mann verlassen worden, weil er schon mit einer anderen verheiratet war und den Krieg ausnutzte, um zu verschwinden. Oma wurde ausgegrenzt mit ihrem unehelichen "Balg"!!
      Dass da meine Eltern geprägt waren, wen wundert es eigentlich?
      Da war soviel Leid und Elend gewesen!
      Und meine Vater war und ist total misstrauisch gegen alles und jeden, aber ein Kämpfer. Für uns tat er alles, aber Fehler konnte er nie zugeben. Aber seine Art der "Verzeihung" war, wenn er mir stumm die Hand drückte!

      Und ich war auch sehr isoliert worden. Meine Eltern wollten mich vor allen "Unbillen" beschützen - aber das war dann das "Zuviel" des Guten! Ich arbeite das auch in der Psychotherapie auf!!

      Also - nochmals großes Lob zu dieser Bekanntmachung - der Krieg wirkt so tatsächlich immer noch nach!
      Wie furchtbar ist das und noch viel mehr zu ächten - und wie wichtig die "Nachsorge" ist. Daher darf die Menschheit nicht aufhören, solche Dinge klarzumachen und weiter zu helfen, daraus zu lernen und weiter zu geben!!
      Und nicht nur akut zu helfen, wie bei Katastrophen so wie jetzt Haiti, sondern auch lange danach. Dass die Menschen wieder "menschenwürdig" leben und das Krieg nie (!) gut ist!!

      Alles Liebe - Ryana

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von kampfzwerg () aus folgendem Grund: Text angepasst

    • Die 'Kriegskinder' und auch 'Die vergessene Generation' bedeuten meiner Mutter ' (Jahrgang 1948) sehr viel, und auch ich selbst merke, dass mich der familiäre biographische Hintergrund von Flucht und Vertreibung noch geprägt hat. In meiner Familie mütterlicherseits, die aus Pommern stammt, gibt es alle Variationen: meiner Großmutter ist ein 'klassischer' Flüchtling, mein Großvater und einer meiner Urgroßväter waren Kriegsgefangene, in der britischen Besatzungszone aus der Gefangenschaft entlassen, meine Urgroßmutter ist 'Heimatverbriebene', und hat Besatzung, Vergewaltigung etc. erlebt. Beide Großeltern haben ihren ersten Ehepartner im Krieg verloren und sich erst 'im Westen' kennengelernt. Ich bin mit Geschichten aus der 'alten Heimat' aufgewachsen, unter anderem, weil meine Urgroßmutter in sehr hohem Alter starb, als ich 18 war.

      Ich werde mir die 'Kriegsenke'l mal besorgen. Vielen Dank für den Tip.:)
    • In mir - Jahrgang 1963 - steckt auch so viel von dieser Problematik, dass ich es nicht wage, das Thema anzurühren und schon gar nicht, so ein Buch zu lesen. Schon Berichte im TV kann ich nicht sehen - sie berühren mich so unendlich, obwohl ich die Zeit logischerweise nie erlebt habe ...

      Aber meine Mutter hat ihre Traumata (Krieg, Vertreibung - und vermutlich viel unausgesprochenes) an mich weitergegeben ... hat viel erzählt, vermutlich aus Angst, dass es vergessen wird.

      Seit ich denken kann, wurde ich damit gefüttert - anfangs habe ich es zugelassen, irgendwann habe ich mich gewehrt. Meine Eltern haben vor mir Redeverbot, was den Krieg und die Zeit betrifft. Ich will das nicht mehr hören, es belastet mich.

      Für meine Eltern ist es auch nicht gut - je älter sie werden, desto mehr wollen sie darüber reden ... aber ich will es nicht. Es tut mir nicht gut. Es belastet mich. Und es IHRE Vergangenheit, IHRE Probleme - nicht MEINE!

      Trotzdem - das Problem ist da, auch wenn man es nicht anrührt. Vermutlich sollte ich mich doch mehr damit beschäftigen .... !?
      Lieber Gruß von ..... Andra .... :)
    • Deine Eltern tun mir leid.

      Es ist nicht nur ihre Geschichte - es ist tatsächlich auch Deine Geschichte - alles andere ist meiner Ansicht nach Verdrängung.

      So gut wie jeder Mensch möchte wissen, wo er her kommt, wer seine Vorfahren sind - ja und auch wenn möglich, wo und wie diese Vorfahren gelebt haben.

      Die Geschichte der Vertreibung ist ganz klar auch die Geschichte von uns, den Nachkommen der Kriegskindergeneration.

      Dieses Trauma das unsere Eltern und Großeltern erlebt haben wurde nie bearbeitet - damals - bis heute gab es keinerlei Hilfen, das erlebte zu verarbeiten - heutige Opfer erhalten psychologische Hilfe - damals ging das Leben einfach weiter - bis heute.

      Wenn nicht Dir, wem sollen Deine Eltern denn ihre Erfahrungen weitertragen? Wenn Dich schon die Erzählungen belasten, kannst Du nachvollziehen, wie dieses Erlebte die Generation belastet, die es erlebt hat?!

      Ich höre meiner Mutter zu, wenn sie erzählt, ich versuche nachzufragen, Interesse und Mitgefühl zu zeigen - all das ist nicht vorgespielt sondern mein Bedürfnis. Als Kind habe ich die Geschichten schon gehört - aus einer anderen Welt - je älter ich werde, umso mehr kann ich verstehen, was unsere Familien durchlitten haben. Ich fände es sehr grausam, meiner Mutter den Mund zu verbieten.

      In ihren Erzählungen leben ja auch die Orte ihrer Kindheit wieder auf, Orte die sie geliebt hat, die es heute so nicht mehr gibt. Besonders bewußt wird mir diese Leere, wenn ich an meine Orte der Kindheit zurückkehre, sei es, nur an einem Haus vorbeizufahren, in dem ich einmal gewohnt habe, sei es die Erinnerungen die mir andere Orte vermitteln, an denen ich als Kind kurze glückliche Momente hatte. All das wurde unseren Vorfahren genommen. Wie wenig ist es da, wenigstens zuzuhören, damit diese Orte wieder für Momente in Gedanken auferstehen können.

      All das erlebte Leid was die Vertreibung mit sich brachte, benötigt ein Ventil nach draussen -

      Wiegesagt - es ist auch Deine Geschichte!
    • Meine Eltern - bzw. gerade mein Mutter - hat mir jahrelang von ihren Erlebnissen erzählt. Sie wollte, dass ihre Vergangenheit in meinem Bewusstsein weiterlebt. Sie hat mich damit - auch wenn sie es nicht wollte - belastet.

      Ich habe es geschafft, mich davon frei zu machen. Es ist die Geschichte meiner Familie - aber ich habe jetzt die Gegenwart und ein anderes Leben. Ich bin froh, dass ich diese Einsicht geschafft habe - sie holt mich aus einem Loch heraus.

      Ich liebe meine Eltern und will nur ihr Bestes - aber ich kann mich dafür nicht aufopfern. Das würden sie auch nicht wollen. Ich bin kein Psychologe, der ihr Trauma aufarbeiten kann .. aber ich bin so einfühlsam veranlagt, dass mir das Leid selbst körperlich weh tut und mich kaputt macht. Das ist ein Erbe, das an mir klebt - und es ist ein Weg mich davon zu befreien.

      Wenn das bei deinen Eltern und dir anders läuft, ist das deine Sache und deine Geschicht - manche Situationen kann man eben nicht vergleichen und schon gar nicht von sich auf andere schließen ... Du bist anders als ich - du magst das ertragen können. Ich kann es nicht - und es ist völlig in Ordnung, dazu stehen zu können.

      Ich verdränge nichts - ich reibe nur nicht ständig an alten Wunden herum! Und das ist - für mich - einfach der beste Weg. Ich habe in meinem Alltag, in meiner Gegenwart, genug Sorgen - ich bin froh, wenn ich das Kriegsgeschehen nicht mehr mit mir rumschleppen muss!

      Meine Eltern verstehen das. Sie wollen mein Bestes und sie wollen mich nicht belasten. Nachdem sie erkannt haben, dass das so ist, können sie damit umgehen.

      Ich achte auf mich! Ich weiß nicht, was daran verkehrt sein soll.
      Lieber Gruß von ..... Andra .... :)
    • Andra1963 schrieb:


      Ich achte auf mich! Ich weiß nicht, was daran verkehrt sein soll.


      Verkehrt oder nicht verkehrt ist hier gar nicht die Frage. Wenn du aber hier schreibst, dass

      Andra1963 schrieb:

      Meine Eltern haben vor mir Redeverbot, was den Krieg und die Zeit betrifft. Ich will das nicht mehr hören, es belastet mich.

      klingt das vielleicht härter als beabsichtigt, trotzdem bleibt mir erst einmal die Spucke weg...

      Es ist vielleicht kurzfristig angenehmer und bequemer, sich nicht mit dem Schicksal der Eltern belasten zu wollen, aber trotzdem ist es kein fremdes Schicksal, das man einfach ausblenden kann.

      Denn silentsount hat Recht, es ist tatsächlich auch DEINE Geschichte. Viel von dem, was deine Eltern an Erziehung und Werten an Dich weitergegeben haben, ist auf ihre persönliche Geschichte und auf ihre eigenen Probleme zurückzuführen. Das hat Dich mit Sicherheit (mit-)geprägt. Wenn du davon jetzt nix mehr hören magst, kann dir das später einmal bei der Aufarbeitung deiner eigenen Probleme fehlen.

      Vielleicht hast du Glück und kommst nie in eine Situation, in der das nötig wäre. Das wünsche ich dir sogar.

      Andra1963 schrieb:


      Für meine Eltern ist es auch nicht gut - je älter sie werden, desto mehr wollen sie darüber reden ... Es belastet mich.

      Allerdings klingt das ganz danach, als könnte irgendwann doch einmal der Tag kommen, an dem Du mehr wissen willst oder musst - und vielleicht niemand mehr da ist, den man fragen könnte!
    • Hallo? Nochmal: ich bin 47 Jahre alt und habe etliche Jahre zugehört und weiß einiges!!!

      Es ist ein Teil des Aufarbeitens meiner Probleme, dass ich auch mal NEIN sagen muss!! NEIN zur 100. Wiederholung eines Bericht irgendeines Kriegserlebnisses, das ich schon auswendig kenne!

      Ja, ich habe meinen Eltern zu verstehen gegeben, dass ich das nicht mehr hören möchte - ich finde, dass das möglich ist. Eltern-Kind-Beziehung ist nicht einseitig - ich kann auch meine Wünsche äußern und erwarten, dass sie respektiert werden.

      Hätte ich früher aufgehört, alles zu schlucken, dann wäre ich vermutlich gar nicht so dick geworden!
      Lieber Gruß von ..... Andra .... :)
    • Meine Mutter hat zeitlebens über ihre schlimmsten Vertreibungserlebnisse geschwiegen - und ist wohl auch daran zugrunde gegangen.

      Ich habe die verschwiegenen Erinnerungen, die als Familiengeheimnis wie eine böse Wolke dennoch existierten, erst lange nach ihrem Tod als junge Erwachsene erfahren, und ja, das Leid meiner Familie und speziell das meiner Mutter hat mich förmlich überschwemmt. Ich habe es ein Stück weit nacherlitten, nacherleiden müssen ... und zwar, DAMIT in der kommenden Generation die Chance ergriffen werden und ein Stück Heilung stattfinden kann; so sehe ich es. Solange das Böse in der Form eines Geheimnisses lastete, bestand diese Chance nicht.
      Diese Dinge können einfach nicht verdrängt werden - ich finde es entsetzlich, dass es die betroffenen Frauen aus Scham heraus völlig allein gelassen mit sich herumtrugen - sondern müssen durch Aufdeckung und wenn es sein muss, erneutem Durchleiden bewältigt werden. Trotzdem würde ich mir kein Urteil darüber erlauben, wenn das jemand für sich abwehrt.

      Britt
    • Bei uns war/ist es ja kein Geheimnis! Meine Mutter hat immer viel darüber geredet - und das war sicher gut. Aber bei mir ist nun mal das Ende der Belastbarkeit erreicht - es gibt nicht mehr darüber zu sagen, ich möchte nicht immer und immer wieder gedanklich und gefühlsmäßig eintauchen in diese grauenvollen Bilder. Es muss ein Ende haben - für mich. Ich habe die Chance - denn ich habe es nicht erlebt.

      Meine Eltern haben die Chance nicht - aber das ist nicht meine Schuld - und es ist nicht meine Aufgabe, diese Last zu übernehmen. Meine Eltern sehen das genauso und erwarten es auch nicht von mir.
      Lieber Gruß von ..... Andra .... :)
    • Andra1963 schrieb:

      Hallo? Nochmal: ich bin 47 Jahre alt und habe etliche Jahre zugehört und weiß einiges!!!


      Wenn meine Großeltern früher von Krieg erzählt haben, dann nur in einer kindgerechten Version, in der entscheidende Momente und Wahrheiten fehlten. Leider sind sie früh gestorben und ich bin jetzt mit meinen Fragen allein.

      Vielleicht fehlt mir deshalb das Verständnis dafür, dass man der Kriegsgeneration ein generelles "Redeverbot" erteilt. Partiell mag das gerechtfertigt sein, z.B. wenn jemand die Zeit unbelehrbar glorifiziert - aber darum scheint es hier nicht zu gehen...

      Bitte versteh das nicht als persönliche Kritik, weder kann noch möchte ich irgendwen beurteilen.

      Aber wie immer kommt es auf den persönlichen Standpunkt an: Was für den einen nervende Wiederholungen sind, ist für den nächsten ein wichtiges Mosaiksteinchen auf dem Weg. Ein richtig oder falsch kann es da nicht geben, das wird jede/r mit sich selbst ausmachen müssen.
    • Als Kind habe ich die Geschichten der Heimat von meinen Großeltern mütterlicherseits immer wieder gehört. Die Großeltern väterlicherseits habe ich nie kennengelernt. Meine Großmutter wurde im Krieg erschossen, mein Großvater hat sich Jahre später im Wald erhängt, da war mein Vater (der leider sehr früh gestorben ist) selber noch ein Jugendlicher.

      Meine Familie ist doppelt belastet - s. Beitrag oben.

      Mein Großvater mütterlicherseits erzählte oft von seiner Heimat, wie er lebte und arbeitete, meine Großmutter von Haus und Hof und ihrer Mutter - ganz selten von dem Kriegsgeschehen. Mein Großvater aber konnte nicht aufhören auch von dem Kriegsgeschehen zu erzählen, von seiner Zeit in Russland in Gefangenschaft. Schade, dass wir das alles niemals aufgeschrieben haben.

      Als Kind habe ich bei den Kriegserlebnissen oft gar nicht mehr richtig hingehört, alles was mit dem Zuhause zu tun hatte, war für mich aber immer sehr spannend.

      Meine Mutter hat erst jetzt im Alter angefangen wirklich über vieles zu reden. Ihr ganzes Erwachsenenleben hat sie es mit sich herumgetragen, und nur selten erzählt. Heute mit fast 70 redet sie endlich und ich höre ihr wirklich gerne zu - weil ich das Gefühl habe, dass es ihr gut tut, reden zu können. Meine Schwester mag die Geschichten sich auch nicht so gerne anhören.

      Was können unsere und alle folgenden Generationen froh sein, dass uns so vieles erspart geblieben ist. Hoffentlich bleibt es so für uns und unsere Kinder und Enkelkinder!!

      "Redeverbot" hört sich einfach unglaublich hart an.

      PS. Mein Opa hat sehr viel vom Erzgebirge und Riesengebirge erzählt. In seiner Heimat, (er hatte noch einen alten österreichischen Pass) war er Sattler und zog von Hof zu Hof um für die Bauern Kummete, Pferdesättel und Wagengeschiere zu fertigen. Mein allerliebstes Buch seit meiner Kindheit bis zum heutigen Tag ist "Rübezahl" Herr des Riesengebirges. In diesem Buch finde ich in den Geschichten irgendwie die Heimat meiner Familien wieder.
    • Hakt euch doch nicht so an meinem - vielleicht etwas übertriebenem - Ausdruck "Redeverbot" fest ... natürlich fahre ich meinen Eltern nicht über den Mund, wenn sie davon erzählen. Ich habe es ihnen erklärt, warum es mich belastet - und ich signalisiere (auch unbewusst) Unbehagen, wenn das Thema darauf kommt.

      Es geht ja auch nicht nur um irgendwelche einzelne Ereignisse, die man wie im Film oder in Büchern zur Kenntnis nimmt. Es ist die Geschichte meiner Familie - da habt ihr schon recht - deshalb steckt sie in mir und wird auch einen Teil von mir erlebt: verlorene Heimat, verlorene Identität, Angst, Neuanfang unter schweren Bedingungen ....
      Lieber Gruß von ..... Andra .... :)
    • Ich finde es aunglaublich stark, wenn es Menschen gibt, die ihre Grenzen so gut zu wahren wissen. Es ist furchtbar und furchtbar schwer, wenn man ein Bedürfnis einer geliebten Person befriedigen könnte, aber weiß, dass man selbst dabei zu kurz kommt oder zu Grunde geht.
      Das macht ja das Bedürfnis nicht weg und auch nicht den Wunsch, für die Person da zu sein.

      Diese Grenze zu setzen - von mir hast du Hochachtung.
      [Body] Shaming doesn’t make people thin, or healthy. It just makes them hurt.
      [SIZE=1](Miss Rosie, Blogger)[/SIZE]
    • Ich finde es ebenfalls sehr wichtig, seine Grenzen zu kennen und diese auch zu schützen.
      Allerdings hast du in deinem ersten posting auch das hier geschrieben:

      Andra1963 schrieb:

      Trotzdem - das Problem ist da, auch wenn man es nicht anrührt. Vermutlich sollte ich mich doch mehr damit beschäftigen .... !?

      Und das verstehe ich schon auch als Frage an die anderen hier, die dir dazu ihre Ansichten zurückgemeldet haben.
      Ich kann mir gut vorstellen, wie belastend die Erinnerungen und Erlebnisse deiner Eltern für dich sind und waren. Allerdings denke ich auch, du hast vollkommen recht damit, wenn du sagst, dass diese Themen ja auch dann im Raum stehen wenn man nicht darüber spricht und das ist vermutlich der Knackpunkt. Ich weiß nicht, wie alt deine Eltern sind, aber möglicher Weise wäre es hilfreich für sie, sich mit anderen auszutauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es gibt wohl teilweise sogar spezielle Gesprächskreise und auch in kirchlichen Angeboten für diese Generation wird viel über die Kriegserlebnisse gesprochen.

      Du sagst auch, dass es überhaupt nicht deine Aufgabe ist und sein kann, gegenüber deinen Eltern Wiedergutmachung zu leisten oder ihnen die Belastung zu nehmen. Wenn du dich allerdings selbst so stark belastet fühlst durch ihre Berichte, wäre es vielleicht ebenfalls hilfreich, dir Unterstützung zu suchen.
      [CENTER]★ [SIZE=1]I am fat. And I have this radical idea that I am allowed to exist.[/SIZE] ★
      [SIZE=1]by Fat Grrrl A[SIZE=1]ctivism[/SIZE][/SIZE]
      [/CENTER]
    • Ich möchte noch einmal auf dieses wichtige Thema zurückkommen.

      Gestern hatte ich bei einer Veranstaltung ein interessantes Gespräch mit einer Psychotherapeutin, die auch Familienaufstellungen macht. Wir kamen u.a. auch auf das Thema dieses Threads. Sie bestätigte mir, dass sehr, sehr viele Menschen mit diesen verschütteten Kriegstraumata ihrer Vorfahren durchs Leben gehen. Es ist ein wirklich großes Thema.

      Inzwischen sind mehr als zwei Jahre ins Land gegangen, seit ich das Buch gelesen habe, und ich kann sagen, dass ich meine Angst- und Panikstörung seitdem los bin. Das Schlimmste daran war für mich immer, dass ich sie mir nicht erklären konnte. Ich hatte Angst und wusste nicht weshalb.

      Natürlich bin ich nun kein komplett angstfreier Mensch. In bedrohlichen oder vermeintlich bedrohlichen Situationen spüre ich sie immer noch hin und wieder, aber Angst an sich ist ja nichts Falsches. Sie hat mich aber nicht mehr im Griff. Sie kommt, ich schaue sie an und sie geht schnell wieder.

      Die Lektüre dieses Buches hat mein Leben nachhaltig verändert.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Martina () aus folgendem Grund: Buchstabendreher

    • Dieses Buch steht bei mir noch auf der Wunschliste und ich muss es jetzt mal wirklich kaufen.

      Meiner Mutter (Jahrgang 40) habe ich "die vergessene Generation" geschenkt und es hat bei ihr viel ausgelöst, auch viel Tränen. Sie sagt auch, in ihrer Generation spricht man nicht darüber, kann sich aber nicht erklären warum. Vielleicht ist es einfacher mit den Kindern darüber zu reden? Ich weiss es nicht.

      Meiner Mutter Nachkriegstrauma ist vor allem der erlebte Hunger. Seit ich auf der Welt bin dreht sich alles ums Essen. Gerade ist sie wieder hier zu Besuch und es ist für mich erlebter Terror. Es macht mir Angst wie ihre Gedanken ums Essen kreisen, nach all diesen Jahrzehnten. Essensplanung für die nächsten 3 Tage, morgens früh wo ich gar nicht klar denken kann. Der Kühlschrank platzt. Wenn wir auf den Markt gehen ist sie wie auf Drogen, mit einem stieren Blick auf die Käseauslage. Unnötig zu sagen dass sie eine Esstörung hat, die sie an meine (ältere) Schwester weitergegeben hat, diese wiederum an ihre Kinder, Ausgang ungewiss.
      Im Moment macht sie wieder mal auf Kohlehydratarm, ich kann nur den Kopf schütteln. Meine Ansage, nicht immer nur die Symptome zu bekämpfen stoßen auf taube Ohren.

      Ich will mich nicht davon terrorisieren lassen, ich kann Andras alte Beiträge gut nachempfinden. Man steckt mit drin und kann nix dran ändern ausser als stetig seine Grenzen zu verteidigen. Ich finds sehr mühsam.
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • Beim Zappen landete ich unlängst im Kölner Treff. Dort war Beate Felten-Leidel zu Gast, die das Buch "Hasenherz und Sorgenketten - Mein Leben mit der Angst" geschrieben hat. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber aus dem Gespräch im Kölner Treff ging hervor, dass auch bei ihr das Kriegstrauma ihres Vaters eine Rolle gespielt hat.
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    • Ich muss sagen, dass Nazizeit und Weltkrieg auch mein Leben beeinflusst haben, immer noch, und sehr tief.

      Von beiden Eltern habe ich beide Extreme dieser Epoche mitbekommen.

      Mein Opa väterlicherseits war überzeugter Nazi, Mitglied der Waffen-SS, Scharfschütze an der Ostfront. Seine Kriegsgeschichten fand ich als Kind schon abscheulich, wie er sich mit Verbrechen an der Bevölkerung brüstete. Andererseits fand ich es bizarr bis anrührend, dass er aus einem ausgebrannten ukrainischen Dorf einen überlebenden Kettenhund mitgenommen hat bis ins Lazarett und Heimaturlaub... Mein Vater wurde als 14jähriger mit Mutter und 3 kleinen Schwestern aus Schlesien vertrieben und hatte diesen Hund immer dabei. Mein Vater konnte Akkordeon spielen (das Instrument hat meine Schwester noch, Wahnsinn, dass er das schwere Teil durch halb Europa geschleppt hat) und hat sich damit auf der Flucht Essen und Geld verdient. Er musste mit vorgehaltener Waffe den Russen ihre Volkslieder vorspielen. Ich habe als Kind nicht verstanden, warum er sich partout weigerte, für mich diese schöne Musik zu spielen, jetzt ist mir das klar: die Musik hat ihm Angst gemacht.

      Auf der anderen Seite war die Mutter meiner Mutter eine Halbsinti mit Vorfahren aus Russland und Polen, bis Italien. Mein Opa war litauischer Abstammung, aber dem "arischen" Idealbild entsprechend. (Ein schöner blonder Mann, und meine Oma war eine schöne dunkle Frau.) Er war Kommunist, und hatte das "Glück", an Staublunge zu sterben, bevor die Nazis auf ihn aufmerksam wurden. Meine Oma kam nur deshalb mit dem Leben davon, weil sie in der Rüstung zwangsarbeiten konnte und gut befreundet war mit dem "Zigeunerbeauftragten" von der Polizei, und weil von ihren 9 Kindern zwei Söhne für den Führer starben. Einer kam mit 17 Jahren auf der "Bismarck" um, und in dem Dokumentarfilm, der vor ein paar Jahren gesendet wurde, war er kurz im Bild (der Junge, der im Stehen Kaffee trinkt). Ich habe ihn wiedererkannt, weil meine Mutter ein Foto von ihm hat. Alle anderen Verwandten meiner Oma (Mutter und 12? Geschwister - meine Oma war das 13. Kind, ob sie noch jüngere Geschwister hatte, weiß ich nicht) wurden von den Nazis ermordet. Ich weiß nur von einer älteren Schwester den Vornamen: Clara oder Klara. Auf einem Foto zeigte mir meine Mutter ihre "Tante Klara", eine Femme fatale im 20er-Jahre-Outfit.
      Es wurde mütterlicherseits nie von dieser Zeit gesprochen, außer, dass meine Mutter über die Bombenangriffe aufs Ruhrgebiet erzählte, und wie sie mit 12 alleine ihre kleinen Geschwister in den Kohlenkeller brachte, und oben brannte das Haus. Als nach 9/11 die Amis gegen den Irak flogen, kam mal ein Bericht mit Filmaufnahmen von den Bombern. Das Geräusch aus dem Fernseher hat meine (sonst so taffe und unbeugsame) Mutter total in Panik gebracht, sie hat nur noch dagesessen und geschlottert. Ich habe mein Leben noch nie solche Angst gesehen.
      Meine Mutter machte nur so vage Andeutungen, dass sie mit 10 aus der Schule musste, "wegen der Rasse", und ich dachte früher immer, dass sie irgendwie jüdisch wäre, weil sie auch kein Schweine- oder Pferdefleisch gegessen hat. Erst als meine Oma tot war, erfuhr ich aus den Papieren, dass sie eine Zigeunerin gewesen war. Dieses Schweigen aus Grauen kennt man ja auch von den jüdischen Holocaust-Opfern. Meine Mutter macht bei dem Thema heute noch dicht, und ich dränge sie nicht, weil sie das so quält.

      Das finde ich so schade! Ich bin fast so unwissend, als wäre ich adoptiert. Ich wüsste gerne mehr über meine Wurzeln, aber es ist alles zerstört, tot! Vergast, verbrannt, erschlagen. Ich habe in Namenslisten von KZs gesucht, aber ich kenne ja noch nicht mal die Namen meiner Onkel und Tanten.
      Das macht mich alles wütend und traurig. Irgendwie haben die Nazis auf die Art auch mir mein Leben genommen.

      Aber es hat mich geprägt. Meine Mutter schweigt, aber sie hat sich immer gegen Rassismus und Ausgrenzung von Schwulen oder Behinderten vehement eingesetzt. Einmal hätte sie mit Mitte 60 fast eine Schlägerei in der Fußgängerzone angefangen, als Passanten einen Roma-Bettler angepöbelt haben. Schmerz in Zorn umzuwandeln, und daraus Kraft zum Kämpfen zu ziehen, das habe ich von ihr gelernt.

      Viel Text, aber es musste raus.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Hi,

      danke für die Anregung, das Buch endlich in die Hand zu nehmen. Mir hat es meine Schwägerin geliehen und es liegt im Stapel der zu lesenden Bücher (da liegen furchtbar viele...).
      Ich werde es nach oben holen - ob in meinem privaten Leben oder im beruflichen, mir kommt das Thema immer wieder unter und ich finde die Auswirkungen auf uns Kriegsenkel immer wieder faszinierend. Der Blickwinkel auf den Krieg, auf die Ängste unserer Großeltern und Eltern erklärt soviel. Dennoch wird es immer nur ganz am Rande - oder bei meinen Coachees mit großem Erstaunen und Faszination gesehen.

      In jedem Fall, danke für den Motivationshinweis (-:

      Gisela
    • Schwups, jetzt hole ich diesen Thread mal wieder nach oben.

      Endlich habe ich das Buch gelesen. Ich gebe zu - es war mir vorher zu teuer (eBook).
      Oh Mann. Die einzelnen Geschichten treffen nicht 1zu1 auf mich zu aber der Grundtenor stimmt. Der ist vor allem geprägt von "Ich Ich Ich" seitens meiner Mutter. Für mich fühlt sich das seit jeher so an: Du bist toll aber du bist nicht wichtig. Die Beschreibungen davon, das "Baby schreien zu lassen" und das Gefühl des Verlassenseins und emotional einfach nicht gehört zu werden. Und das Parenting der eigenen Mutter. Ja ja ja, verflucht. Und ich denke darüber nach ob meine Schlafstörungen was mit dem vererbten Trauma zu tun haben.
      Man möchte sich so gerne herausstehlen aus den eignen Verstrickungen aber leider geht das nicht. Ich habe dieses Thema so satt. Ich werde keine Nachforschungen stellen. Das war deren Krieg, nicht meiner. Ich will einfach damit in Ruhe gelassen werden und mein eigenes Leben führen.
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • Einige Sachen habe ich mitbekommen, ich hatte als Kind Angst vor Sirenen und vor roten Backsteinhäusern.
      Erst viel später erzählte mir meine Mutter, dass sie mit 2 Jahren genau in einem solchen Haus gewohnt hat und ausgebombt wurden.
      Das heißt: Nicht einmal sie hat das bewußt mitbekommen,
      aber es auf mich übertragen.

      ich habe auch gelesen, dass Kriegserlebnisse in Demenz wieder hochkommen, und Pfleger viel damit zu tun haben, in diesem Buch:
      "Wo gehts denn hier nach Königsberg? - Wie Kriegstraumata im Alter wirken" von Udo Baer.
      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken