Formulierungen - Wie seht Ihr das?

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    • Formulierungen - Wie seht Ihr das?

      Manchmal liest oder hört man Sätze wie:
      Sie ist dick, ist/hat aber trotzdem hübsch / zufrieden / glücklich in ihrer Bezeihung / ein fröhlicher Mensch / beruflich Erfolgreich / ein hübsches Gesicht / eine nette Ausstrahlung... etc.

      Geht es nur mir allein so, dass ich das "trotzdem" in solchen Sätzen störend - nein ehrlich gesagt, falsch finde?
      Wie würde viele Menschen wohl schauen, oder über einen solchen Satz stolpern, stünde in einem solchen Satz statt "dick" "schlank"?
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Geht mir genauso. Mich stört dieses "trotzdem" auch. So wie es da formuliert ist, impliziert es für mich, sie ist dick - hat also eine negative Eigenschaft, mit der man ja eigentlich nicht glücklich/hübsch/nett/erfolgreich etc. sein kann. Und daher muß herausgehoben werden, daß ein Mensch, der so etwas negatives hat - oh Wunder - auch noch etwas positives haben kann. *argh*

      Ist vielleicht etwas hergeholt jetzt, aber wenn so ein Satz z.B. hieße: "sie ist Ausländerin, aber dennoch sehr nett" oder "sie ist eine Frau, aber dennoch beruflich erfolgreich" würde jeder gleich brüllen, wie rassistisch/sexistisch, diese Aussage wäre. Aber bei der Aussage "dick" schreit niemand auf, weil "dick" ja offensichtlich etwas öffentlich sanktioniert schlimmes ist. :mad:
      Wer nicht mit dem zufrieden ist, was er hat,
      der wäre auch nicht mit dem zufrieden, was er haben möchte. (Berthold Auerbach)
    • ...und dabei sind solche Sätze meistens ja auch noch nett gemeint.
      Das erinnert mich irgendwie an Lübke, der in einer Rede die Menschen mit: "Meine Damen und Herren, liebe Neger..." begrüßt haben soll. Durchaus nicht böse gemeint, aber vollkommen daneben.

      Und würde man, wie gesagt, solche Sätze (wie oben) über schlanke Menschen sagen, würden sie sicherlich als Beleidigung empfunden werden.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Wir kennen das ja gut, dass wir uns ständig beweisen müssen. Alles, was gesellschaftlich als negativ angesehen wird, führt eben zu solchen Verdrehungen. Und das nicht nur in einer Beziehung.

      Denn wer dick ist, muss ständig "beweisen", dass er trotzdem intelligent, erfolgreich, glücklich etc. ist (die Prekariatsshows bei den Privaten tun ein Übriges, denn dort sind Dicke immer erfolglos, deprimiert, ungepflegt, dumm ... und zwar nur, weil sie dick sind!).

      Wer alt ist, muss ständig "beweisen", dass er nicht spießig ist, nicht konservativ und verknöchert, nicht in der Vergangenheit stehen geblieben - und dass er vor allem dieses und jenes und das auch "noch kann".

      Wer allein lebt oder gar allein erziehend, muss ständig "beweisen", dass er nicht traurig und vereinsamt zu Hause hockt und sich grämt, weil er keinen abkriegt, sondern, ja, durchaus auch ein erfülltes und glückliches Leben führen kann.

      Die Welt ist voller Klischees, und es ist anstrengend, ständig dagegen anzustinken.

      Das würde heute vielleicht auch Herrn Lübke so gehen, denn seine Wilhelmine mag ihm zwar einige Fallstricke in seine Reden geschrieben haben - und er mag auch selbst die eine oder andere Anekdote geliefert haben -, aber zumindest für die berühmte "Neger"-Äußerung gibt es keinen Beweis - siehe hier.
    • Ich spe(c)kuliere jetzt mal wild, dass sich Dein Gedankengang, Itsme, auf diesen Surftipp bezieht.

      Im Prinzip stimme ich Euch zu. Aber in diesem Fall sehe ich das ein bisschen anders. Ich glaube nicht, dass das in irgendeiner Weise abwertend gemeint ist, sondern, dass da ein Kontrapunkt gesetzt werden sollte zu dem, was man sonst so liest und hört. Und das ist ja letztlich auch Ziel und Sinn unserer Seiten: einen Kontrapunkt setzen!

      Ich finde, dass in dieser Überschrift eine Portion Trotz steckt (... wie der Name schon sagt ... :D ) und an dieser Stelle finde ich das auch berechtigt.
      Aus organisatorischen Gründen bevorzuge ich die Kommunikation per eMail. Daher habe ich die Funktion "Konversationen" für mich abgeschaltet. Wenn Ihr mich erreichen wollt, haltet bitte die Maus in der linken Spalte auf meinen Namen und klickt dann auf den Briefumschlag im sich öffnenden Fenster.
    • Ach so - darauf bin ich zumindest gar nicht gekommen. Ich hatte das jetzt nicht in dem Zusammenhang gesehen, sondern "einfach so".

      Dass die über uns geschrieben haben, finde ich prima. Und in dem Zusammenhang geht auch die Überschrift in Ordnung, finde ich - eben gerade weil ständig in den Medien suggeriert wird, wir müssten alle kreuzunglücklich sein.

      Ansonsten - siehe oben.
    • Gutes Argument

      Neulich wurde ich so mehr oder minder von einer Kollegin "angemacht" auf die Weise, die jeder mit Übergewicht kennt: wenn Du disziplinerter wärst, dann könntest Du ja auch schlank sein, ich habe es ja auch geschafft (sie war als 15jährige mal moppelig und hat dann abgenommen) ect.

      Da habe ich eine solche Formulierung benutzt (ich war wütend und es war vielleicht nicht ganz nett): "Ich bin dick, aber ich habe alles das, was Du möchtest: einen netten gutaussehenden Mann, zwei tolle Kinder, Haus, Job, Hobby und bin glücklich und zufrieden. Das mußt du erstmal schaffen!":teufel:

      Dazu muß man sagen, sie ist extrem hübsch, sehr schlank und seit Jahren auf der Suche nach Mr. Right, aber es will keiner hängenbleiben.

      Man kann solche Formulierungen vielleicht auch umgekehrt sehen, als Kompliment.

      Gytha
    • Also, das kommt fuer mich, wie bei allem, auf den Kontext an.

      Um bei "Dick und trotzdem gluecklich" zu bleiben. Ich persoenlich bin nicht gluecklich darueber, dass ich dick bin. Und wenn ich das aendern koennte, wuerde ich das. Aber ich bin gluecklich, trotz des Dickseins. Und das finde ich positiv.

      Natuerlich kann so eine Aeusserung auch Teil eines Klischees sein und dann manchmal vielleicht auch frustierend oder gar beleidigend, je nachdem, wer es wie sagt. Definiert werden moechte niemand ueber sein Gewicht.

      Aber ich selbst habe auch schon Sachen gesagt wie: "Sie sieht gut aus fuer ihr Alter." Oder aehnliches. Und damit meinte ich bestimmt nicht, dass ich normalerweise aeltere Leute haesslich finde mit dieser speziellen Ausnahme.

      Wie immer entscheidet die individuelle Situation, wie etwas aufgenommen wird, aber wenn man das verallgemeinert, steht man auch in der Gefahr, in allem, was gesagt wird, einen Angriff oder eine Diskriminierung zu sehen. Wenn das der Fall waere, haette ich mich auch haeufiger der Diskriminierung anderer schuldig gemacht.
    • Melosine,

      ich weiß nicht, ob das stimmt, aber in der Äußerung "sie sieht gut aus für ihr Alter" lese ich, dass damit gemeint ist, dass sie jünger aussieht als sie ist. Heutzutage ist jung auszusehen ja genauso ein Ziel, wie unbedingt schlank sein zu wollen. Nur wird das eine - nämlich älter zu werden und auch so auszusehen, wahrscheinlich eher als ein natürlicher Prozess angesehen, als die Tatsache, dass es figürlich unterschiedliche Menschen gibt.
      Andererseit wird beides - jünger auszusehen und schlank zu sein - als ein besonderer Erfolg angesehen und bei beidem sind vielen Menschen bekanntlich alle Mittel dazu recht.
      Natürlich gibt es ebenfalls bei beidem genetische Voraussetzungen und manche sehen eben einfach jünger aus, ohne groß etwas dafür zu tun. So wie manche eben schlank sind, ohne große etwas dafür zu tun. Nur - wer es nicht ist, oder wer nicht jung/jünger aussieht, der hat nach Meinung vieler halt etwas falsch gemacht / hat selber schuld.

      Ob ich selber mit meiner Figür glücklich bin oder nicht, oder ob man mir per se nicht eingesteht es zu sein, sind für mich zwei paar Schuhe.
      Und wenn man einem dicken Menschen darüber hinaus auch sonst kaum etwas zutraut, (Erfolg, zufriedene Partnerschaft, Intelligenz, etc.) und sich wundert, wenn dieser es doch kann/ist und das mit einem "trotzdem" in einem Satz ausdrückt, dann ist das für mich eine Diskriminierung.
      Wenn jemand dies ironisch meint/schreibt, wie das, was Martina meint, ist es wieder etwas anderes. Der will ja die, die dieses "trotzdem" ernstaft/erstaunt meint, auf die Schippe nehmen, ihn eines Besseren belehren.

      @ Martina
      Ich meinte nicht speziell die Überschrift. Diese hat jedoch den Denkanstoss gegeben.

      Was ich meine sind solche Begebenheiten wie soeben im Urlaub wieder erlebt:
      Wir lernten ein nettes Ehepaar kennen, mit dem wir uns Abends des öfteren an einem bestimmten Platz (Raucher treffen sich immer irgendwie) trafen und uns nett unterhielten. Diese fragten eines Abends, ob wir schon ein bestimmtes, neu angereistes, jüngeres Paar bemerkt hätten und in diesem Zusammenhang fiel von der Frau der Satz:
      ...ein jüngeres Paar, so um die 30, beide korpulent, aber sehr nett....
      An dieser Stelle steht für mich das "aber" für "trotzdem" denn es beinhaltet für mich das Gleiche.
      "Korpulent, aber nett..."
      Versteht Ihr, was ich meine?
      Erstaunlich, das Dicke nette Menschen sein können???
      Mich ärgert so etwas einfach. Es ist so unüberlegt, verletzend und doof, solche Sätze zu sagen.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Itsme schrieb:

      Melosine,

      ich weiß nicht, ob das stimmt, aber in der Äußerung "sie sieht gut aus für ihr Alter" lese ich, dass damit gemeint ist, dass sie jünger aussieht als sie ist. Heutzutage ist jung auszusehen ja genauso ein Ziel, wie unbedingt schlank sein zu wollen. Nur wird das eine - nämlich älter zu werden und auch so auszusehen, wahrscheinlich eher als ein natürlicher Prozess angesehen, als die Tatsache, dass es figürlich unterschiedliche Menschen gibt.
      Andererseit wird beides - jünger auszusehen und schlank zu sein - als ein besonderer Erfolg angesehen und bei beidem sind vielen Menschen bekanntlich alle Mittel dazu recht.
      Natürlich gibt es ebenfalls bei beidem genetische Voraussetzungen und manche sehen eben einfach jünger aus, ohne groß etwas dafür zu tun. So wie manche eben schlank sind, ohne große etwas dafür zu tun. Nur - wer es nicht ist, oder wer nicht jung/jünger aussieht, der hat nach Meinung vieler halt etwas falsch gemacht / hat selber schuld.


      Wie ich geschrieben hatte, war das meine persoenliche Aussage ueber jemanden, und ich weiss, dass ich das in keiner Weise als "gut gemacht" bewerte oder damit sage, alle anderen sind schuld, dass sie nicht juenger aussehen. Ich meine, das hatte ich auch klargemacht.

      Itsme schrieb:

      Ob ich selber mit meiner Figür glücklich bin oder nicht, oder ob man mir per se nicht eingesteht es zu sein, sind für mich zwei paar Schuhe.


      Absolut, deswegen hab ich auch nur von mir persoenlich gesprochen, und nicht von jemand anderem. Und ich sage ueber mich und niemand anders: Ich bin dick und trotzdem gluecklich.

      Itsme schrieb:

      Und wenn man einem dicken Menschen darüber hinaus auch sonst kaum etwas zutraut, (Erfolg, zufriedene Partnerschaft, Intelligenz, etc.) und sich wundert, wenn dieser es doch kann/ist und das mit einem "trotzdem" in einem Satz ausdrückt, dann ist das für mich eine Diskriminierung.


      Stimmt auch. Und von sich wundern, dass jemand trotz Dicksein gluecklich sein kann, war bei mir auch nicht die Rede.

      Wie gesagt, kommt es auch ein bisschen auf Zusammenhang an. Aber ich will mich nicht wiederholen. ;)

      Itsme schrieb:

      Wenn jemand dies ironisch meint/schreibt, wie das, was Martina meint, ist es wieder etwas anderes. Der will ja die, die dieses "trotzdem" ernstaft/erstaunt meint, auf die Schippe nehmen, ihn eines Besseren belehren.


      Ich meine das nicht ironisch, wenn ich ueber mich sage, dass ich dick und trotzdem gluecklich bin. Denn es gab Zeiten, da war ich ungluecklich, weil ich dick war.

      Und wer was wie wann meint, kann man ja dann individuell versuchen, zu beurteilen.


      Itsme schrieb:

      ...ein jüngeres Paar, so um die 30, beide korpulent, aber sehr nett....
      An dieser Stelle steht für mich das "aber" für "trotzdem" denn es beinhaltet für mich das Gleiche.
      "Korpulent, aber nett..."
      Versteht Ihr, was ich meine?
      Erstaunlich, das Dicke nette Menschen sein können???
      Mich ärgert so etwas einfach. Es ist so unüberlegt, verletzend und doof, solche Sätze zu sagen.


      Seh ich ganz genauso. Das ist nicht richtig. Wenn man sich davon verletzt fuehlt, kann man das bestimmt auch hoeflich sagen.
    • Itsme schrieb:

      Es ist so unüberlegt

      Ja, ich glaube, vor allem das!

      Ich bin auch nicht davor gefeit, Dinge zu sagen wie, "der/die ist alt, aber echt (noch) fit ... oder sieht gut aus" ... "der/die sitzt im Rollstuhl, hat aber meistens gute Laune und kommt gut mit dem Leben klar" oder Ähnliches. Allerdings achte ich schon darauf, denke ich, dass derjenige es nicht unbedingt hört, wenn ich sowas sage. Ansonsten kann ich mich Melosine nur anschließen: Wer sich in einem solchen Moment von einer solchen Unüberlegtheit verletzt fühlt, sollte es sagen.
    • Pandora schrieb:

      So denke ich auch. Itsme, hast Du das Ehepaar mal darauf angesprochen, daß diese Äußerung Dich geärgert hat?



      Nein, habe ich nicht. Ich dachte in diesem Moment nur, ach, es ist eine kurze Urlaubsbekanntschaft, was solls.
      Aber ich hätte es tun sollen. Freundlich, höflich, aber bestimmt. Ich glaube, viele Menschen denken einfach nicht darüber nach, was sie da sagen. Das Denken "Dick ist hässlich, faul, dumm..." ist wahrscheinlich unbewusst schon so fest in ihrem denken, dass sie das gar nicht merken. Ich glaube auch, dass sie es nicht bewusst böse meinen. Aber wenn nie jemand auf so etwas hinweist, wird ihnen sicher auch nie bewusst, was sie da sagen. Deshalb habe ich mir vorgenommen, in Zukunft sofort auf solche Sätze zu reagieren. Vielleicht sensibilisiert dies dann doch ein wenig.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Itsme schrieb:

      Deshalb habe ich mir vorgenommen, in Zukunft sofort auf solche Sätze zu reagieren. Vielleicht sensibilisiert dies dann doch ein wenig.
      Das wird es sicher. Ich denke auch, dass die meisten einfach unbedacht etwas sagen und eigentlich was nettes meinen, dass einfach falsch ankommt. Vielleicht bringt eine einfache Gegenfrage, z.B. "Trotzdem? Wieso trotzdem?" solche Menschen zum Nachdenken, und sie lassen künftig das "trotzdem" weg.
      [CENTER]Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.
      [SIZE=1](Søren Aabye Kierkegaard)[/SIZE]
      [/CENTER]
    • dick ist, zumindestens wollen wir das so sehen, ein adjektiv, wie jedes andere.

      ich weiß und bin überhaupt nicht böse, dass ich gewöhnlich als "sie wissen schon, die blade betreuerin", beschrieben werde. denn lieb, nett, rüchtig usw sin in unserm team ja alle ;)

      aber in den köpfen der menschen ist dick inzwischen so eine "böse" aussage, dass viele meinen, eine relativierende aussage, wie eben dieses "korpulent, aber trotzdem sehr nett", daraus machen zu müssen.

      darüber mach ich mir keine gedanken mehr. mein gegenüber will mir vermutlich nicht auf sonderlichen umwegen mitteilen, dass er verwundert ist, dass dicke menschen nett sind, und wenn, ist es mit auch egal.
      Lieben Gruß

      Rita
    • Rita schrieb:

      aber in den köpfen der menschen ist dick inzwischen so eine "böse" aussage, dass viele meinen, eine relativierende aussage, wie eben dieses "korpulent, aber trotzdem sehr nett", daraus machen zu müssen.


      Das trifft den Nagel ziemlich genau auf den Kopf (denke ich)! :bigdaum:
    • Mir ging grad so durch den Kopf, daß ich Menschen (gleichen oder ähnlichen Körpergewichts) je nach Zusammenhang usw. ganz unterschiedlich wahrnehme und auch " ... einordne".
      Es gibt etliche "dicke" Menschen, die ich erstmal gar nicht als "dick" ... ansehe (obwohl sie das sind). Kommt es nicht auch auf andere "Erkennungsmerkmale" an???

      Interessant ist das bei den Äußerungen meiner Kinder zu beobachten (bei anderen Müttern, Lehrerinnen, Erzieherinnen usw.) .
      Eine Mutter o.ä. wird einfach nur als "na, Du weißt schon ... die Dickere" tituliert, eine andere, gleichen Gewichts, wird als "die Große" oder "die Blonde" oder "die Nette", "die Gemeine" tituliert.
      Ich habe meine große Tochter (11) gefragt, warum die eine nur "die Dicke" heißt, während eine andere, genauso Gewichtete, nicht so heißt. Sie meinte irritiert, die andere sei ja schließlich "gaaaanz anders" :eek: :confused:.
      Meine superschlanke Freundin (der ich das schilderte) meinte, ihr ginge es genauso: manche Menschen wirkten einfach "dick" (quasi unabhängig vom realen Körpergewicht), manche wirkten beim ersten Eindruck in viele, ganz andere Richtungen ... (obwohl real genauso dick). Und sie würde nicht denken "obwohl sie dick ist, ist sie nett" - das hinge doch von ganz anderen Faktoren ab ... .
      Wir beide zusammen haben eine gemeinsame, sehr dicke, Freundin, die wir noch nach zwei Jahrzehnten nicht als "dick" abgespeichert haben und die quasi nie so rüberkommt ... , sie wird als "Platinblonde", "der bunte Vogel", oder gar "die Aufgetaktelte" :D bezeichnet, aber quasi nie als "die Dicke".
      :confused::confused::confused:
    • Itsme schrieb:


      Wie würde viele Menschen wohl schauen, oder über einen solchen Satz stolpern, stünde in einem solchen Satz statt "dick" "schlank"?


      Nur sehr wenige würden darüber stolpern.

      Diese dämlichen Sätze gibt es nämlich ebenso in der Variante "schlank":



      "Sie ist ganz klein und zierlich, weiß sich aber trotzdem durchzusetzen." ;)


      "Sie ist superschlank und sieht aus wie ein Model ... sie ist aber trotzdem total sympathisch und sehr nett." ;)


      "Sie ist gertenschlank, aber sie isst trotzdem ganz normal" :rolleyes:



      Klar sind solche Aussagen dumm ... drücken aber nicht zwingend aus, dass das Gegenüber deshalb grundsätzlich Schlechtes von dicken / dünnen / grossen Menschen denkt. Sowas sagt sich schnell mal dahin ... ich finde das verdient - wenn überhaupt eine Reaktion - dann allerhöchstens eine leicht ironische Nachfrage ... so in die Richtung: Was? Dick und nett .. ja gibt´s das denn wirklich? ;) Wirklich ernsthaft jemanden darauf anzusprechen, wie er das gemeint habe, oder ihm gar sagen, dass man sich darüber geärgert hat wirkt glaube ich eher peinlich und wenig souverän.
    • Fräulein Wunder schrieb:


      Wirklich ernsthaft jemanden darauf anzusprechen, wie er das gemeint habe, oder ihm gar sagen, dass man sich darüber geärgert hat wirkt glaube ich eher peinlich und wenig souverän.



      Wenn mich etwas wirklich ärgert, wäre es mir wurst, ob ich souverän wirke, sondern würde dies ehrlich sagen. Und ich denke nicht, dass es mir peinlich sein muss, wenn andere blöde Sätze von sich geben.
      Aber wie das im Leben so ist, der eine geht damit so um, der andere so und das finde ich absolut okay.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Itsme ()

    • Itsme schrieb:

      Und ich denke nicht, dass es mir peinlich sein muss, wenn andere blöde Sätze von sich geben.


      Nee - das muss Dir wirklich nicht peinlich sein ... habe ich allerdings auch nicht behauptet. ;)
      Ich kann es ja etwas ausführlicher formulieren, vielleicht wird dann klarer was ich meine:




      Ich finde es ein bisschen hoch gegriffen solche Bemerkungen als handfeste Diskriminierung zu bezeichnen - ich weiß nicht, ob man sich da selbst nicht einfach Probleme schafft, die vielleicht gar keine sind.

      Wenn jemand sagt: "dick aber nett" ist das unhöflich und von all den Aussagen am ehesten eine Beleidigung, aber ob er damit sagen will "Dicke sind per se nicht nett", ob er mich damit diskriminiert ... halte ich für sehr fraglich.

      "Dick aber ein hübsches Gesicht" ist natürlich auch nicht schön (das ist übrigens auch der einzige von Deinen Sätzen, den ich überhaupt jemals schon wirklich geäußert gehört habe) - allerdings ... kann ich dem anderen wirklich vorschreiben, dass er dicke Körper schön finden muss? Soll ich da wirklich eingreifen und mit säuerlich verkniffenen Lippen zu erwidern: "Auch dicke Körper können wunderschön sein" ? Na ja, ich weiß nicht ... ich nehme mir auch die Freiheit zu sagen, dass ich Brad Pitts Gesicht sehr markant und ausdrucksstark finde, sein Körper für meinen Geschmack aber viel zu muskulös ist und total künstlich wirkt. Ist halt Geschmackssache.

      Die Sätze: "Sie ist sehr dick, aber trotzdem beruflich sehr erfolgreich / ein fröhlicher Mensch / glücklich in ihrer Beziehung" sind dann m.E. nochmal ganz andere Fälle.
      Zu allen drei Aussagen kann man in jedem beliebigen Dicken Forum mindestens 10 lange Threads finden ... das sind ja nun Themen, die Dicke wirklich beschäftigen, das kann man doch nicht leugnen. Ob zu Recht oder zu Unrecht ist die andere Frage, aber Aussagen wie: "Ich finde keinen Job / Freund und bin so deprimiert weil ich so dick bin" sind nun wirklich keine Seltenheit. Klar mögen das doofe Vorurteile sein, aber schon solche, die auf einer gewissen - zumindest gefühlten - Realität aufbauen.
      Ehrlich gesagt, bin ich manchmal selbst überrascht, dass ich es beruflich immer relativ leicht hatte. Wenn man bedenkt, dass mir in über 10 Jahren in meiner Branche tatsächlich nur 2 (in Worten: zwei) andere dicke Menschen begegnet sind, ist das wohl nachvollziehbar.
      Und: ehrlich gesagt, habe ich es bei der Partnersuche nicht immer nur super-easy gehabt. Das liegt nicht nur an meinem Charakter :grins:, sondern auch an meiner Figur ... die Auswahl wird deutlich kleiner, wenn man so breit wie hoch ist ;) da beißt doch die Maus keinen Faden ab ... meine grosse Liebe habe ich ja nun trotzdem gefunden. Huch -da ist es ja wieder, dieses "trotzdem" ;)
      Auch hinter dem Zustand: "Dick und glücklich" steckt doch oft eine Menge Arbeit, oder nicht? Wieviele hier haben jahre - ja vielleicht jahrzehntelang einem schlanken Ideal hinterhergejagt? Wenn man wirklich aus vollem Herzen sagt: "Ich bin dick und glücklich", dann geht dem doch erfahrungsgemäß meinst ein langer Entwicklungsprozess voraus.



      Ich glaube, die meisten Menschen wollen in diesen Fällen (gute Beziehung, erfolgreich im Beruf, glücklich im Leben) mit dem "trotzdem" einfach ausdrücken, dass sie sich bewusst sind, dass demjenigen diese bestimmte Sache vielleicht schwerer gefallen ist als anderen ... und nicht dass sie Dicken grundsätzlich kein sonniges Gemüt und Erfolg in Job und Beziehung zutrauen.



      Wenn man nun hergeht und Leute relativ humorlos verbessert, dann sagt man damit - glaube ich - mehr über sich selbst aus, als über das Gegenüber. Ich glaube man gibt damit einfach nur eine gewisse Überempfindlichkeit preis und verrät welch böse Gedanken man hinter den Aussagen des Anderen vermutet. Gedanken die es bei vielen gar nicht gibt und die man nur hineininterpretiert.

      Ich denke man kann nicht von jedem erwarten, dass er sich mit dem Thema so allumfassend befasst hat wie man selbst. Ich weiß ja über Themen die mich nicht direkt betreffen auch nicht alles was es zu wissen gibt.

      Jetzt eine strenge dicke Political Correctness vom anderen zu erwarten fände ich total übertrieben. Im besten Fall strahlt man das Glück ja aus. ;)

      Das nur zur Erklärung. Im Prinzip hast Du natürlich recht, wie man im einzelnen damit umgeht, bleibt einem selbst überlassen - andererseits war ja die Frage: "Wie seht ihr das?" ;)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fräulein Wunder ()