War ich ein dickes Kind?

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    Hier schreiben engagierte Laien. Soweit gesundheitliche Fragen erörtert werden, ersetzen die Beiträge und Schilderungen persönlicher und subjektiver Erfahrungen der Autoren keineswegs eine eingehende ärztliche Untersuchung und die fachliche Beratung durch einen Arzt, Therapeuten oder Apotheker! Bitte wendet Euch bei gesundheitlichen Beschwerden in jedem Fall an den Arzt Eures Vertrauens.

    • War ich ein dickes Kind?

      In meiner Erinnerung war ich immer ein dickes Kind. Schon im Kindergarten - mit knapp 4 - bekam ich einen Heulkrampf, weil die Erzieherung mich zu einer zweiten Scheibe Brot überreden wollte - ich darf doch nur eines essen (dabei waren das halbe Scheiben, aber "ein Stück" bleibt nun mal "ein Stück"). Ich musste immer selbstgeschneiderte Kleidung tragen, weil es in meiner Größe nichts gab. Ich war einfach nur das dicke Kind, das von den großen Jungs nach der Schule verhauen wurde (einfach nur, weil ich dick war) und dem man in der Schule "dicke fette Arschbulette" hinterher rief.

      Und dann dieses Foto von mir:

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      Da bin ich 10 Jahre alt, hatte gerade die 4.Klasse hinter mir. Aber bin ich wirklich eine "dicke fette Arschbulette"? Verdammt, ich könnte heulen, wenn ich diese Bilder heute sehe (habe heute mal wieder in meinem virtuellen Fotoalbum geblättert). Warum sollte ich unbedingt so superschlank werden, wie die anderen Mädchen? Warum zierlich und zerbrechlich sein? Warum hätte meine Mutter lieber ein magersüchtiges, als ein dickes Kind gehabt? Und warum in aller Welt bin ich dann ab 12 wirklich dick geworden (60 kg in 6 Jahrne zugenommen)?

      Kirstin, zur Zeit mal wieder alles andere als selbstbewusst und selbstsicher.

      P.S.: Im September des selben Jahres, in dem dieses Foto entstand (das war in den Sommerferien) musste ich übrigens zum ersten Mal stationär zum Abnehmen in die Klinik.
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    • Mich macht das immer dermaßen wütend, wenn ich so etwas lese. :mad: Die Erfahrungen, die du schon im Kindergarten gemacht hast, sind ja wohl der Hammer.
      Warum hätte meine Mutter lieber ein magersüchtiges, als ein dickes Kind gehabt?
      Vielleicht aus einer völlig gestörten Wahrnehmung heraus? Kirstin, auf diesem Bild da oben sehe ich alles andere als ein dickes Kind. Auf meinem Einschulungsfoto habe ich ungefähr die gleiche Figur wie du da oben. Und ich frage mich, was wohl aus uns geworden wäre (rein körperlich gesehen), wenn unsere Eltern uns nicht in diese Diäten- und Hungerspirale gebracht hätten? Vielleicht wären wir tatsächlich nicht so superschlank, aber ich wette, so dick wie heute wären wir auch nicht. :(

      Klar, jetzt können wir es nicht mehr ändern, sondern nur versuchen, es besser zu machen. Mein Stiefsohn (10) bekommt auch ein bißchen Hüftspeck seit einiger Zeit. Aber mein Mann und ich werden einen Teufel tun, ihm vorzuschreiben, wie viel er zu essen hat oder seinen Naschkram streng rationieren. Er macht Karate, spielt Fußball (beides im Verein) und ist bei gutem Wetter seine ganze Freizeit mit seinen Freunden auf dem Fahrrad unterwegs. Für uns gibt es da keinen Grund zur Besorgnis.
    • Und ich frage mich, was wohl aus uns geworden wäre (rein körperlich gesehen), wenn unsere Eltern uns nicht in diese Diäten- und Hungerspirale gebracht hätten?


      Diese Frage stellt sich mir auch. In meiner Erinnerung bin ich "schon immer" dick. In der Grundschulzeit galt ich allgemein als Dicke. Nicht nur bei meinen Eltern, sondern auch bei Lehrern, MitschülerInnen und in der Verwandschaft. Selbst mein Kinderarzt (selber mit einem Prachtbauch ausgestattet) riet meinen Eltern zur Vorsicht, dass nicht nicht "von der Kugel zur Tonne" würde.
      In der 3. Klasse machte ich dann die erste Diät - drei Monate lang.
      Die erste von vielen, und alle erfolglos.

      Meiner Therapeutin brachte ich kürzlich Photos aus meiner Kindheit und Jugend mit, etwa ein Photo alle zwei Jahre.
      Schon beim raussuchen der Photos ist mir der eklatante Unterschied zwischen erinnertem und dokumentiertem Aussehen ins Auge gesprungen.
      Ich bin tatsächlich erst in der Pubertät dick geworden-wie meine Therapeutin bestätigte. In meiner Kindheit war ich ein bewegungsfreudiges,gesundes, aktives Kind, dem (warum auch immer) beigebracht wurde: Du bist dick. Du isst zuviel.
      Und ich habe es gelernt: Ich bin dick und ich esse zuviel.

      Ich bin mir ziehmlich sicher, dass ich heute ein wesentlich entspannteres Verhältnis zum Essen haben könnte, wenn ich mich nicht immer heimlich hätte sattessen müssen. Aber auch rein physiologisch ist meine Zunahme in der Pubertät nach der x-ten Diät (über Brigitte und FdH bis zur "wir essen nur Grillhänchen und Käse"-Diät etc) wenig verwunderlich.
    • Ja, bei mir lief es ganz ähnlich ab. Meine Mutter hatte Angst, dass ich dick werden könnte. Und damals (vor 30 Jahren) gab es beim Kinderarzt Listen, wieviel Kind wiegen darf bei welchem Alter und welcher Größe und ich lag halt immer darüber. Und da meiner Mutter immer Vorwürfe gemacht wurden, sie würde mir zu viel zu essen geben, bekam ich immer weniger. Naja, nicht so, dass ich verhungert wäre, aber alles wurde rationiert:

      1 Brot, 1 Kartoffel, kein Süßes, keine Sahne zu den Erdbeeren, keine Soße (insbesondere war es eine Todsünde, die Kartoffeln in der Soße zu zerdrücken, denn Soße macht dick!) Wurst durfte niemals über das Brot rüber hängen oder gar das komplette Brot bedecken, es musste immer Margarine (Butter war selbstredend verboten) zu sehen sein

      Ich bekam auch bis ich knapp 11 war kein Taschengeld - aus Angst, ich könnte es in Kalorien umsetzen. So habe ich damals angefangen, zu klauen. Als das rauskam, wurde ich zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben von meinem Vater geschlagen und bekam seitdem dann doch Taschengeld.

      Ich war immer nur zu dick, zu dick, zu dick. Dabei war ich fast den ganzen Tag an der frischen Luft, habe am liebsten auf einem alten Schuttplatz gespielt (da konnte man herrlich klettern und sich verstecken), bin mit einem Schulfreund mit dem Rad durch die Auenwälder Leipzigs gefahren und mit einer Freundin auf Rollschuhen durch die Innenstadt. Mit 12 habe ich mich im Schwimmverein angemeldet und bin von da an einmal in der Woche zum Training gegangen.

      Und dann? Im Alter von 12 Jahren ist eine Menge passiert und ich weiß nicht, was genau der Auslöser für meine Essstörung war. Die Geburt meiner Schwester? Umzug und Schulwechsel? Die 6 Wochen in Weißbach (Hatte ich hier auch schon mal beschrieben)?

      Ich habe immer heimlich gegessen. Vor allem Krapfen (mjam), Kaugummi und eine Vitamin(?)paste aus der Drogerie, die sich "Vitalon" oder so nannte und die es in Tuben gab. Dieses Zeug habe ich geliebt. Was genau es war, weiß ich nicht. Eine Freundin hatte es mal mit mir gekauft, wir haben damit Astronautennahrung gespielt und seitdem war ich regelrecht "süchtig" danach.

      Naja, wie heißt es so schön: Die Vergangenheit kann man nicht mehr ändern. Aber wütend darf ich sein, wütend und traurig. Oder?

      Kirstin, der immer wieder die Worte ihrer Mutter im Ohr klingen: "Gib mir später nie die Schuld dafür, dass Du zu dick bist."
    • ach ja. diese geschichten - inklusive meiner eigenen - sind einfach zu traurig. meine mutter will mir heute noch das essen rationieren (ich bin 42). und sie streitet ab, selbst ein gestörtes essverhalten zu haben. alles was im verdacht steht, zu viele kalorien zu haben, muss auf irgendeine weise gebüßt werden. sei es durch weglassen der nächsten mahlzeit, sei es durch sofortigen sport, sei es durch karottentage (meine mutter isst dann nur gedünstete karotten, die ich zwar gerne mag, aber nicht andauernd)...
      es ist so ärgerlich.
      ich hab meine mutter gterade vier tage besucht und wir waren in den bergen und es war wunderschön. einmal haben wir eine kurze wanderung zu einer quelle gemacht, uns dort ins gras gelegt und friedlich vor uns hingedöst. und dann kam, was seitens meiner mutter immer kommen muss. sie fragte: und wieviel von den zehn kilo hast du noch herunten?

      vorgeschichte: ich habe seit jahresbeginn ca. 12 kilo abgenommen, einfach, weil ich keine essanfälle mehr hatte und mich auch mehr bewege.
      sogar eine verkäuferin in der bäckerei hat mich darauf angesprochen, weil die wusste, dass ich auch mit lungenentzündung im krankenhaus gewesen war.

      und meine mutter sieht erstens nicht, dass ich 12 kilo weniger habe, weil für sie alles zu dick ist. auch sie selbst ist - obwohl sie untergewichtig ist! - zu dick. damit meine mutter eine veränderung erst bemerken würde, müsste ich mindestens 70 kilo abnehmen. und dann würde sie sagen: brav, und so weitermachen (ich wiederhole: ich bin 42), denn es wäre auch dann noch nicht genug.
      zweitens bezieht sie die 12 kilo ausschließlich auf die lungenentzündung. ich hab schon ein bisschen wegen der krankheit allein abgenommen, hauptsächlich jedoch weil ich auch im krankenhaus regelmäßig und normal gegessen habe (hausmannskost, vollwertkost gemischt).

      ich finde das alles nur traurig und gestört, aber ich will nichts mehr damit zu tun haben.
      bei einem heurigenbesuch, zu dem meine tante (schwester meiner mutter) und ihr mann uns eingeladen hatten, stöhnte meine mutter auf, als mein onkel aufstriche und gebäck brachte. als ob er den kopf von satan persönlich serviert hätte. meine tante und meinen onkel hat das auch schwer irritiert. und dann nahm sie ein stück gebäck und brach es ganz selbstverständlich in zwei hälften und gab eine mir (damit ich mir kein ganzes gebäck nehme!!!). mein onkel, der das beobachtet hatte, gab mir daraufhin von jedem der gebäckstücke, die er an diesem abend aß die hälfte. ich hab mich zerkugelt.

      ich empfinde diese ganze maßregelei seitens verwandter, bekannter etc. als ziemlich gestört. es steckt da so ein diffuser hass dahinter.
    • Es geht mir ähnlich, ich weiß genau, daß ich mich schon als Grundschülerin "dick" gefühlt habe bzw. daß es mir gesagt wurde (nicht nur einmal!). Da ich schon mit 9 aufs Gymnasium kam, muß ich also noch jünger gewesen sein als du, Kirstin, als ich bereits mit dem Etikett "dick" rumlief.

      Wenn ich mir heute alte Fotos ansehe, schüttel ich nur mit dem Kopf! Ich war vor der Pubertät höchstens ansatzweise ein ganz klein wenig pummelig, aber selbst das nur, wenn man sehr genau hinschaut, und keinesfalls dick. Und trotzdem bekam ich schon mit zehn, elf Jahren die ersten Dehnungsstreifen am Bauch.

      Mit 16/17 fühlte ich mich dann schon nicht mehr dick, sondern einfach nur noch fett. Furchtbar fett. Selbst das belegen die alten Fotos nicht - wenn ich mir die wenigen Fotos aus der Zeit ansehe, trug ich damals schätzungsweise Kleidergröße 44, war also "gut beieinander", aber doch nicht fett!
    • War ich ein dickes Kind? Ja und nein. Ich habe als Kind viel Cortison bekommen, weil ich Asthma hatte und habe, dazu viele Allergien. Nach jedem Cortison-Schub war ich pummelig. Aber dann auch wieder nicht, wenn ich gesünder war.

      Aber ich habe mich als dickes Kind gefühlt, habe auch solche Etiketten bekommen, war schnell "die Dicke". Als ich ganz klein war, wollte ich nie was essen, was meine Eltern zu diversen Tricks veranlasste, mir Nahrung einzuflößen (das berühmte Löffelchen für Oma war auch dabei). Sie haben jedoch immer eher liebevoll mit mir und über mich gesprochen. Die Etiketten bekam ich von Nachbarn, Spiel- und Schulkameraden.

      Diesbezügliche Probleme mit meinen Eltern fingen erst in meiner Pubertät an, da hatte ich dann plötzlich, wie meine Mutter kundtat, "ganz schön dicke Schenkel" oder sollte "nicht sovel essen". Meine Onkels nannten mich "Kalorienbomber", weil ich schon mit 14 recht gut und weiblich entwickelt war.

      Irgendwie konnte offensichtlich keiner gut mit dem Thema Körper und v.a. "geschlechtsreifen" Körper umgehen. Ich entwickelte schnell ein "Iiii-Bah" Gefühl in Bezug auf meinen Körper und schob es aufs Dicksein, so wie alle anderen.

      Es hat mich viel Zeit, Nerven, Therapie und Tränen gekostet, bis ich meinen Körper als was Schönes, Natürliches und Wertvolles empfinden konnte.
      Ich empfinde das als eine recht typische Mädchensozialisation, meine Freundinnen kennen es alles ähnlich.

      Wenn ich heute so kleine pummelige Mädchen sehe, finde ich die doch eher süß und oft sehr hübsch. Auch Teenager, die eine Speckschicht haben, sind mir näher als zaundürre Mädels. Ich habe auch mal im Urlaub eine Mutter mit einem leicht pummeligen Mädchen (ca. 9/10 Jahre alt) kennengelernt, wo das Thema fast täglich einmal aufkam und die Kleine ganz selbstbewusst verkündete: "meine Mama hat gesagt, ich bin schön, egal was ich wiege. Und ich mach keine Diät wie meine Freundinnen, weil ich das blöd finde!"
      Sie war so lebhaft und selbstbewusst, das hat mir gefallen. Es kann also auch anders gehen.

      Und heute müssen wir wohl selbst das (vermeintlich) dicke kleine Kind in uns lieben. Ich meine, das lohnt sich!

      eau_de_vie
    • Ich erinnere mich an einige "kleine" Geschichten aus meiner Kindheit. Ich war im Kindergarten der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHFK) in Leipzig. Aus diesem suchte die DHFK (die unter diesem Namen auch als Sportverband auftrat, Kristin Otto, sechsfache Olympiasiegerin 1988 beispielsweise schwamm dort) ihren Nachwuchs aus. Als wir im letzten Kindergartenjahr waren, wurden Schwimmtalente gesucht. Wir mussten vom Startblock aus ins tiefe Wasser springen (konnten alle nicht schwimmen), wo ein Schwimmmeister eine Stange hin hielt, an der wir uns nach dem Auftauchen festhalten sollten und zum Rand gezogen wurden. Vor dem Ganzen ging es noch auf die Waage.
      Der Kommentar zu meinem Auftritt lautete: Sehr mutig, aber zu dick.

      Eine andere Geschichte passierte beim Kinderarzt, ich war sieben Jahre alt und in der zweiten Klasse, kurz nach den Halbjahreszeugnissen. Eine Kinderärztin wollte mir aufzeigen, dass man, wenn man zu dick ist, nicht erfolgreich in der Schule ist (O-Ton der Ärztin zu meiner Mutter: "Kommt das Kind denn in der Schule überhaupt mit?"). Zu diesem Zweck fragte sie mich, was denn meine Sportnote sei. Dumm für sie: Ich hatte in diesem Halbjahr meine einzige 1 im Zeugnis im Fach Sport, die ich in 12 Jahren Schule je hatte.

      Und wenn ich mir parallel Fotos aus der Zeit anschaue - ein normales bis leicht pummeliges Kind. Sicher, ich war nie zierlich, aber vielleicht habe ich auch nicht die Veranlagung, zierlich zu sein. Meine Schwester - die als Kind einen ähnlichen Körperbau hatte, wie ich, schafft es nur mit extrem viel Disziplin und dem Weglassen des Abendessens, einigermaßen schlank zu bleiben. Und auch sie hat mittlerweile einige Pölsterchen rund um die Hüften. Aber im Gegensatz zu mir bekommt sie nie irgendwas zu hören. Auch mein Bruder, der auch mittlerweile ein hübsches Bäuchlein hat, bekommt nie was zu hören. Und ich? An meinem letzten Geburtstag gab es mittags Kohlrouladen. Ich tat etwas, was ich, seit ich erwachsen bin, mit viel Genuss tue: Kartoffeln in der Soße zerdrücken, bis ich ein schönes Kartoffel-Soßen-Mus habe. Weil ich das als Kind nie durfte. Als alle anderen mit ihrer zweiten Portion schon fertig waren, war ich gerade mit meiner ersten Portion fertig und tat mir eine zweite auf. Als ich (endlich) damit fertig war, schaut mich meine Oma an und hält mir auf einmal einen Vortrag, dass ich auf keinen Fall die Kartoffeln in der Soße zerdrücken dürfe, weil das erstens dick mache und man dann zweitens viel zu schnell äße. "Aber Omi, ich war die langsamste von allen." "Ja, aber Du hast noch eine zweite Portion genommen. Wenn Du langsamer gegessen hättest, und das hättest Du, wenn du die Kartoffeln nicht zerdrückt hättest, weil Du dann mehr hättest kauen müssen, wärest du eher satt gewesen und hättest keine zweite Portion gebraucht."

      *heul* Ich bin 33. Aber für meine Familie in Sachen Essen noch immer ein kleines Kind. Ich bin das Kind, das seine Eltern hintergangen hat und heimlich gegessen hat, das Kind, das sich nicht an die "es gibt nur eine Portion, nur eine Kartoffel, nur eine Scheibe Brot"-Regel hält, das dick ist, obwohl meine Eltern und Großeltern doch nun wirklich alles unternommen haben, damit dies nicht passiert, das Kind, das perfekt sein sollte, aber nie war, das Kind, das einfach nur von seinen Eltern geliebt werden wollte, wie es war, das Kind, das glaubte, sich immer mit dem kleinen Bruder messen zu müssen und besser sein zu müssen, damit die Eltern es lieben, das Kind, das dick wurde, obwohl dick sein doch verboten war, das Kind, das dick war, ohne wirklich dick zu sein. "Du bist so ein intelligentes Mädchen. Aber wenn Du was zu essen siehst, setzt Dein Verstand aus."

      Kirstin
    • Huhu,

      ich bin ja noch nicht so lange hier...

      Kirstin, ich kenne das auch so ähnlich aus meiner Kindheit (ich bin auch essgestört aus solchen Gründen). Ich konnte es meinen Eltern nie Recht machen, bzw. wurden nur schlechte Leistungen gerügt (bzw. wurde das als reine Boshaftigkeit meinerseits angesehen), jedoch gute Leistungen für selbstverständlich genommen. Ich war als Kind auch eher pummelig, aber nicht übermäßig dick. Diese Reglementierungen bzgl Essen kenne ich auch sehr gut, was bei mir darin uferte, daß ich heimlich gegessen habe (und heute auch noch tue. ZB habe ich letzte Woche zum allerersten Mal in meinem Leben alleine in einem BäckerCafe was gegessen, anstatt alles mit heim zu nehmen und das alleine zu verdrücken)

      Aber, jetzt bist Du kein Kind mehr, Du kannst tun und lassen was Du willst, kannst lange wegbleiben, die Nächte durchfeiern, faul sein, kannst Dir eine zweite Scheibe Brot nehmen, wenn Du willst, Deine Zimmerwände von mir aus pink streichen, lass Dir von Deinen Eltern/Verwandschaft nicht Dein Leben JETZT versauen. Ich kenne das von mir auch, daß es mir schwer gefallen ist, die Don'ts aus meiner Kindheit, die mir nie eingeleuchtet sind, (sowas banales wie zB auf dem Tisch sitzen zB, oder andere noch viel dümmere Dinge), einfach zu tun, aber ich habe so viele Dinge dann trotzdem getan, oder gerade wegen dieser Verbote. Natürlich musste ich dann in manchen Fällen auch die Verantwortung für mein Tun übernehmen, und ich habe in meinem Leben auch schon viele Fehler gemacht, aber ich bereue nichts davon. Kirstin, willst Du Dein Leben lang das Kind bleiben und Dich von Deinen Älteren in Hinblick aufs Essen tyrannisieren lassen? Damit ist Dir nicht geholfen. Oder willst Du weiterhin einfach das schlechte Bild, was Deine Eltern von Dir vermutlich im Bezug aufs Essen haben, bestätigen?

      Du bist vermutlich auch wütend, und wünscht Dir, daß es in Deiner Kindheit alles anders gelaufen wäre, weil Du dann heute nicht solche Probleme hättest. Ich habe auch schon oft vor Wut gekocht und habe diese Wut anstatt sie in positive, aktive Energien umzuwandeln, stumpf in mich gefressen (im warsten Sinne des Wortes). Aber es war nunmal so wie es war, man kann heute nichts mehr daran ändern, was damals passiert ist, aber wohl an dem, was heute ist. Ich weiss auch, daß das nicht von jetzt auf gleich geht, aber ein Versuch ist es für mich immer wieder wert, auch wenn ich wirklich nicht von mir behaupten kann, frei von FA's zu sein.

      Grüße
      Rani
    • Da kann ich mich nahtlos einreihen. Besonders "würzig"- meine Mutter sagte mir immer: "von nichts kommt nichts, Menschen die Ausreden suchen, schieben es auf die Drüsen!"

      Heute habe ich die Diagnose erhalten: es kommt von der Schilddrüse.

      Auch ich schiebe einen mächtigen Brass vor mir her wenn sie mir heute mit 44 Jahren immer noch Vorhaltungen macht. Sitzt du schon wieder vor dem Computer? Hast du Sport getrieben? Und am Schluß wie üblich: Von nichts kommt nichts.

      Ich kann mir noch so oft vorsagen, ruhig bleiben, nichts sagen. Es kocht mir jedes Mal hoch. Was mich am meisten verletzt ist, daß sie eigentlich keine Ahnung hat wie ich lebe, da wir weit auseinander wohnen und sie weder irgendwie informiert ist noch sonst eine Grundlage dafür hat.

      Auch meine Fotos aus der Jugend sprechen eine ganz andere Sprache. Genau wie bei Euch war ich zwar gut beieinander, aber hatte auch "nur" Größe 42/44 mit ca. 17 Jahren. Ich glaube auch nicht daß es etwas nützen würde ihr zu sagen, daß sie daran mitschuld ist. Sie würde es weit von sich weisen, mit dem Hinweis nur mein "bestes" gewollt zu haben.

      Auch ich habe ein Schwester die 3 Jahre älter ist und schon immer die aktivere, sportlichere, bessere von uns beiden war. Bei mir wurde immer angezweifelt ob ich etwas schaffe, zuende bringe, etc. Daraus habe ich meinen mangelnden Ehrgeiz entwickelt. Ich versuchte nie zu konkurrieren, sondern habe immer gleich im Vorfeld aufgegeben, bzw. bin gar nicht erst angetreten... weil ich halt immer nur die zweite, letzte war.

      Deshalb denke ich daß es nicht nur körperliche Auswirkungen hat sondern auch geistige. Erst in den letzten Jahren, mit Hilfe des Internets, mit Hilfe von Foren wie diesem hier und Foren wie einst Emma's Forum, kämpfe ich mich in winzig kleinen Stückchen aus meinem inneren Gefängnis. Dabei haben meine Verwandten keine Ahnung davon, weil ich mich aus Selbstschutz immer stark und unangreifbar gegeben habe.

      Wie es sich wohl anfühlen mag, wenn man seine inneren Komplexe einfach wegwerfen könnte.

      *schnips, die Tomate
    • Viele Eurer Erinnerungen könnten meine eigenen Erinnerungen sein......Was mich deshalb so sehr verblüfft, weil ich doch etliches älter bin als ihr....

      Als ich den Beitrag las, mit dem Kirstin den Thread eröffnet hat, ist mir eigenartigerweise eine meiner Mitschülerinnen eingefallen...ein kleines, zierliches Geschöpfchen. Sie hat uns damals irgendwie leid getan, weil ihre Mutter sie nicht erwachsen werden lassen wollte....sie mußte bis in die hohe Pubertät Kleinmädchensachen tragen (Söckchen, Lackschühchen, Hängerchen, gerade mal, dass die Mutter auf die damals beliebten "Rüschenpopohöschen" verzichtete....) - und das in einer Zeit, als Mädchen mit 13 Jahren Pumps, Kostümchen und Nylons, also Frauenmode trugen.

      Diese Erinnerung kommt immer wieder hoch und ich kaue die ganze Zeit darauf herum....Wir haben uns damals gedacht, dass diese Mutter durch ihre Maßnahme dafür sorgen wollte, dass sie selber nicht älter wirkte - Mutter eines kleinen Mädchens ist jünger als Mutter einer jungen Dame....Ich habe selbst erlebt, dass ich mit meinem kleinen Sohn an der Hand für jünger gehalten wurde als ich war (ich war 37, als er geboren wurde).Ein kleines, graziles Kind wirkt jünger als ein großes, kräftiges....

      Ich kann mich daran erinnern, dass mein Dad mich ganz o.k. fand, meine Mutter fand mich zu dick, ergo erste Gewichtsreduzierungsmaßnahme mit 10 Jahren unterstützt durch Appetithemmer, zu einer Zeit, wo mein Gewicht für meine Größe völlig in Ordnung war, ich war nur zu jung für mein Gewicht (diese vermaledeiten Gewichtstabellen auf den überall rumstehenden öffentlichen 10-Pfennigs-Waagen...).

      Obwohl ich einen deutlichen Zusammenhang zwischen den rigiden Eßvorschriften und elterlichen Omnipotenzideen à la "Ich schaffe mir mein Kind nach meinem Bilde, nach meinem Bilde schaffe ich es" sehe, geht mir der o.g. Ansatz der "vermeintlichen Verjüngung" nicht mehr aus dem kopf. Was meint Ihr dazu?


      stübbken
    • stübbken schrieb:

      Wir haben uns damals gedacht, dass diese Mutter durch ihre Maßnahme dafür sorgen wollte, dass sie selber nicht älter wirkte - Mutter eines kleinen Mädchens ist jünger als Mutter einer jungen Dame....
      Hmmm, ich könnte mir aber auch vorstellen, daß solche Mütter davor Angst haben, die Kontrolle (Macht?) über ihr Kind zu verlieren, wenn es heranwächst - und es deshalb "klein halten" möchten.

      @Tomate -
      Ich kann mir noch so oft vorsagen, ruhig bleiben, nichts sagen.
      Aber warum nicht? Bist du schon mal ausgeflippt, hast sie in die Schranken gewiesen, deine Grenzen gesetzt? Auf die eine oder andere Weise muß deine Mutter lernen, daß ihre Äußerungen dir nicht gut tun (ich unterstelle jetzt mal, daß sie es gut meint :rolleyes: ). Bei meiner hat es geholfen, als ich ihr klipp und klar gesagt habe, daß sie damit das Gegenteil von dem erreicht, was sie eigentlich möchte und daß mich diese Vorhaltungen krank machen, nicht schlank. Vielleicht ist es auch für dich einen Versuch wert?
    • Pandora schrieb:

      Auf die eine oder andere Weise muß deine Mutter lernen, daß ihre Äußerungen dir nicht gut tun (ich unterstelle jetzt mal, daß sie es gut meint :rolleyes: ). Bei meiner hat es geholfen, als ich ihr klipp und klar gesagt habe, daß sie damit das Gegenteil von dem erreicht, was sie eigentlich möchte und daß mich diese Vorhaltungen krank machen, nicht schlank. Vielleicht ist es auch für dich einen Versuch wert?


      ich bin bisher immer ausgeflippt, jetzt bleib ich ruhig, aber es wühlt mich innerlich trotzdem auf.
      die lösung, meiner mutter zu sagen, dass mich ihre bemerkungen einfach kränken, hilft mir irgendwie nicht, weil bei uns über seelische dinge nicht gesprochen wurde. und das liegt daran, dass meine mutter ein totaler panzer ist. aber ich merke grade beim lesen eurer posts, dass ich mit ihr auf jeden fall darüber reden muss. das problem ist einfach, dass sie selbst extrem essgestört ist, dass ihre meinungen so tief sitzen (und sie ist ja auch die "erfolgreiche" von uns beiden) und ich auch keine lust habe, ihr diese auszureden. aber es wird schwierig, ihr verständnis für mich zu sensibilisieren - auf dieser basis.
    • Lovely Rita schrieb:

      die lösung, meiner mutter zu sagen, dass mich ihre bemerkungen einfach kränken, hilft mir irgendwie nicht, weil bei uns über seelische dinge nicht gesprochen wurde.
      Bei uns auch nicht, Christine. Aber irgend jemand mußte halt mal den Anfang machen. ;) Und da sie von selbst nicht bereit war, meine Grenzen zu sehen oder zu akzeptieren, mußte ich ihr diese zeigen. Ich möchte nicht behaupten, daß wir zueinander ein völlig entspanntes Verhältnis haben, das ist bestimmt nicht der Fall, aber sie hält meine Grenzen jedenfalls so weit ein, daß ich damit leben kann. :)

      Ich finde es auch nicht unbedingt soo wichtig, daß meine Mutter sich nicht wirklich in mich hineinversetzen oder mich voll und ganz verstehen kann (welche Mutter kann das schon?). Viel wichtiger für mich war, daß das Gemäkel an meiner Figur aufhört, und das tat es.
    • Pandora schrieb:

      Aber irgend jemand mußte halt mal den Anfang machen. ;)


      was mich ja so wundert, ist, dass ich sofort einen kloß im hals hab, sobald ich daran denke, ihr das einmal ganz ruhig zu sagen - was ich meiner therapeutin ganz klar schildern kann, kriege ich nicht raus und ich frage mich, woran das liegt, dass ich diese schwelle nicht übergehe. es hat nichts mit "sich trauen" zu tun, ist aber eine andere art von feigheit. vielleicht weil ich meine mutter davor schützen will, sich mal ein bisschen zu schämen?
      naja, am donnerstag geh ich zur therapie.
      dass deine mutter nun nichts mehr sagt, finde ich angenehm. je mehr ich drüber nachdenke, umso wichtiger wird es mir, das für mich über die bühne zu bringen.
      ich schätze, ich werde ihr einen brief schreiben.
    • ohja das kenne ich zu genüge.meine eltern wollen mir auch immer vor schreiben was ich wann und wieviel zu essen habe (wohne noch zu hause)Ich arbeite in einem Versandlager muss viel und schwer tragen renne nur rum bin in der freizeit oft draußen und die meinen das ich noch Sport machen MUSS.Letztens waren wir einkaufen brauchte eine neue jeans und sie hällt mir eine jeans vor (2 nummern kleiner als ich habe) und brüllte nur durch den voll besetzten laden "also bei deiner Figur passt du da nie rein"




      Gruß


      Eure Cheermaus.
    • Oh ja, das mit dem Kloß im Hals kenne ich auch gut, Christine. :troest:
      Aber mit der Zeit wurde das immer besser. Ist vielleicht auch Übungssache? :nixweiss: Jedenfalls weiß ich, daß es nur das erste Mal so furchtbar gedrückt hat, weil ich ja überhaupt nicht einschätzen konnte, wie meine Mutter reagiert. Nun, mit einem einzigen Gespräch war das ja nicht getan, es gab schon noch Diskussionen. Als ich aber auf ihr "ich mein es ja nur gut mit dir" mal mit dem Spruch "gut gemeint ist oft schlecht getan" reagierte, hat sie es - so glaube ich - begriffen. ;)
    • Pandora schrieb:

      Hmmm, ich könnte mir aber auch vorstellen, daß solche Mütter davor Angst haben, die Kontrolle (Macht?) über ihr Kind zu verlieren, wenn es heranwächst - und es deshalb "klein halten" möchten.


      Ich hab da auch nochmal darüber nachgedacht, aber wenn es wirklich so gewesen ist, dann haben doch die Mütter anscheinend genau das erreicht? Daß einige hier trotz fortgeschrittenem Alter (also keine 20 mehr *rotwerd*) immer noch lange abhängig vom Urteil der Mutter sind und sich in ihrem Denken und Handeln noch stark von dem beeinflussen lassen, was in der Kindheit war. Ich meine, mich schockt meine Mutter heute auch noch manchmal, aber (zum Glück) wohne ich 200km weit weg von zuhause, und habe auch so nicht viel Kontakt zu meinen Eltern. Aber es stimmt ja auch, warum kann man anderen Leuten sagen: das war jetzt völlig daneben, was Du mir an den kopf wirfst, bei der Mutter geht das aber nicht ohne weiteres. Meine sagte damals zu meinem 1er Diplom nur: ach, haben die da nicht so große Ansprüche :eek:?? Im Nachinein denke ich, daß ja Mütter auch nur Menschen sind (daß Eltern fehlerfrei sind, denkt man als Kind ja nur und sucht die Fehler bei sich), bei meiner vermute ich, daß sie irgendwie auch neidisch ist, daß mir alle Bildungswege offenstanden, sie hingegen trotz excellenter schulischer Leistungen mit 15 arbeiten gehen musste, da ihre Eltern der Meinung waren, Frauen heiraten ja eh, was brauchen die da Abitur oder gar Studium.
    • Rani schrieb:

      Meine sagte damals zu meinem 1er Diplom nur: ach, haben die da nicht so große Ansprüche :eek:


      Mensch, das finde ich aber ganz schön hart.
      Ich kenne die Variante, dass, wenn ich eine 1,5 nach Hause brachte, ich nur gefragt wurde: "Und? Hats für ne 1 nicht gereicht?", hingegen über jede schlechte Note ein Drama veranstaltet wurde. Meine Ma sagte mal: "wenn du ne 5 in einer Mathearbeit hättest, würde ich mich den ganzen Tag nicht mehr vor die Tür trauen". Daran konnte sie sich Jahre später nicht mal mehr erinnern, als ich sie drauf ansprach. Korrekterweise entschuldigte sie sich dafür.

      Aber als Kind, da zieht man sich das doch rein. Was auch sonst. Und ebenso die Sprüche über Dick, Dünn, Schön, Häßlich, die ganze Palette eben. Und das sitzt dann erstmal ziemlich lange fest.

      Rani, erkennt deine Mutter denn inzwischen deine Leistung an, auch wenn sie noch so enttäuscht ist über ihre eigenen nicht vorhandenen Chancen? Würde mich interessieren.

      eau_de_vie
    • Rani schrieb:

      Ich hab da auch nochmal darüber nachgedacht, aber wenn es wirklich so gewesen ist, dann haben doch die Mütter anscheinend genau das erreicht?
      Ja, ich denke schon. Bei mir war es jedenfalls sehr lange der Fall, daß jegliche Kritik von meiner Mutter in mir erst Trotz und Wut, später Traurigkeit hervorgerufen hat. In manchen Situationen ist das noch immer so - Mütter können ja viel mehr kritisieren als nur die Figur. :rolleyes:
    • so...nun auch ich...

      Ich habe ja schon mal in einem anderen Thread darüber geschrieben, dass ich ebenfalls immer dachte, ein dickes Kind gewesen zu sein und dass meine Eltern mit mir im Alter von 10 oder 11 ebenfalls eine krankenhausbegleitete Diät gemacht haben. Ich denke, dass diese Diät mit Auslöser für meine Essstörung ist, dass ich da erst gelernt habe, überhaupt über Essen und Hunger etc. nachzudenken und dass ich da insbesondere erlernt habe, heimlich zu esssen und mit Lebensmittel zu klauen.

      Ich habe jetzt, beim Lesen dieses Threads lange gezögert, meine Bilder hier rein zu stellen, tue es jetzt aber doch.
      Warum? Ich weiß nicht genau, will ich Bestätigung, will ich Mitleid, oder nur andere Meinungen??? Ich kann es wirklich nicht genau sagen.

      [align=center] Das bin ich mit ca. 9 Jahren:
      [IMG:http://i81.photobucket.com/albums/j232/iko66/ca9Jahre.jpg]
      Danach kam die Diät. Etwa mit 12 entstand dieses Foto:
      [IMG:http://i81.photobucket.com/albums/j232/iko66/ca12Jahreneu.jpg]
      und schließlich dann mit 15:
      [IMG:http://i81.photobucket.com/albums/j232/iko66/14Jahreneu.jpg]

      [align=left]Was mich jetzt nur wundert: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mein Mutter abfällige Bemerkungen gemacht hätte...auch später nicht... Ich glaube also nicht, dass es in meinem Fall um Kontroll-Erhalt oder ähnliches ging. Aber warum dann? Warum diese vermaledeite Diät? Und kann es wirklich sein, dass ich deshalb dann ein Leben lang Figurprobleme habe?
      Boah! Das darüber Nachdenken alleine lässt soviel Wut und Verzweiflung in mir hochkommen, dass ich es gar nicht ausdrücken kann.

      @Rani: zum Thema Leistung und deren Anerkennung kann ich allerdings auch ein Liedchen singen.
      Kommentar zu meiner Abiturnote in Mathe (2+): Das kannst Du besser.
      Kommentar zu meiner Durchschnittsnote Abi (1,7): Das haben wir erwartet
      Als ich mein Studium erfolgreich und nach sehr vielen, mühsamen Prüfungen abgeschlossen hatte, hat mir von meinen Eltern keiner gratuliert, es war selbstverständlich.

      So, jetzt habe ich wieder eine Runde Euch was vorgeheult, obwohl ich eigentlich nur sagen wollte, dass es so eine Geschichte auch geben kann, ohne dass es Diskussionen mit den Eltern über die eigene Firgur gibt.

      Alles Liebe
      Jammer-Iko (<-- die ein wenig aus dem Gleichgewicht ist, jetzt)
      [/align]
      [/align]
    • dickes Kind

      Ich war auch ein dickes Kind. ich habe so im Alter von 7 jahren angefangen zuzunehmen, weil ich unheimlich gerne frische Kuhmilch hatte. zusätzlich ass ich auch gerne. diese Kombination wirkte sich dann ziemlich schnell auf meine Figur aus. dazu zu sagen ist, dass alle in meiner Familie schlank waren. im alter von 9 Jahren war ich schon ziemlich mollig und hatte ein kleines Doppelkinn. Auch meine weiblichen Formen entwickelten sich dadurch früh.
      Schnell war ich die dickste in der Schule, bekam Sprüche zu hören wie, du solltest weniger essen, sonst wirst du noch dicker. ich war die schlechteste im Sport und so wurde ich auch immer fauler und nahm dadurch natürlich auch immer mehr zu.
      Ich wollte es eigentlich die wahrhaben, wenn ich heute Fotos von der Zeit anschaue, muss ich zugeben, ich war schon ganz schön dick.wenn es um den Kleidereinkauf ging, war mir alles immer zu eng.
      Als ich dann in die Oberstufe kam, hatte ich das ganze ein wenig ausgewachsen, war aber immer noch etwas kräftig.
      Heute bin ich 34 Jahre alt, schlank und mache unheimlich gerne Sport.
      Ich glaube es hängt ein wenig damit zusammen, dass ich allen beweisen will, dass ich nicht mehr das dicke unsportliche Kind bin.
    • iko66 schrieb:

      I[align=center][align=left]Kommentar zu meiner Abiturnote in Mathe (2+): Das kannst Du besser.
      Kommentar zu meiner Durchschnittsnote Abi (1,7): Das haben wir erwartet
      Als ich mein Studium erfolgreich und nach sehr vielen, mühsamen Prüfungen abgeschlossen hatte, hat mir von meinen Eltern keiner gratuliert, es war selbstverständlich.

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      War bei mir fast genauso. Eine 2 in Latein - dann gabs Prügel, weil keine 1. Eine 1,3 im Abi - versagt. Ich war ein hochbegabtes Kind, habe mir mit 2 das Lesen beigebracht und konnte mit 3 Bücher für Erwachsene lesen. Die Erwartungshaltung war dementsprechend. Aber man kann und will nicht ständig das Klassengenie sein.
      Diät halten als Kind musste ich allerdings nicht. Eher das Gegenteil - es musste alles gegessen werden, was auf den Tisch kam, und ich hab mich soo vor dem Fettrand am Eisbein geekelt! Wenn ich nicht alles aufgegessen hatte, gab es Hiebe mit dem Gürtel. Ich zucke heute noch zusammen, wenn mein Mann den Gürtel aus der Hose zieht!:eek:
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Ein interessanter Thread, und der Grund, warum ich mich nach einiger Zeit stillen Mitlesens jetzt doch mal angemeldet habe - ich muss unbedingt auch meinen Senf dazugeben.

      Ich beschäftige mich jetzt seit einiger Zeit - genauer gesagt, seitdem ich das Blaue Forum kenne, durch das ich auf dieses hier gestoßen bin - mit den tieferliegenden Gründen meines Übergewichts. Dabei habe ich viele Parallelen gefunden, aber auch einige Gegensätze.

      Ich war, soweit ich zurückdenken kann, immer schon dick.
      Ich bin damit die einzige in meiner Familie, der es so geht, alle anderen sind schlank und sportlich.
      Selbst als kleines Kind bin ich bereits zu unseren älteren Nachbarn (eine Art Großeltern für mich) gegangen und habe um Süßigkeiten gebettelt - ich war damals also anscheinend schon "angefixt".

      Und im Gegensatz zu vielen hier in diesem Thread muss ich über mich sagen, dass ich auch immer schon viel Übergewicht hatte; das kann ich auf den Kindheitsfotos sehen, und es wurde mir auch immer gesagt.
      Ich war mit 12 zur Abspeckkur in einer Klinik (ein Horror-trip, man hat mich sogar noch 2 Wochen länger dabehalten, weil ich nicht so abnahm, wie ich sollte), und selbst dort haben sich die Betreuerinnen entsetzt angesehen (wenn ich zurückdenke, empfinde ich es zumindest so), als sie mich gewogen haben. Ich habe damals ungefähr 85kg gewogen, war normal groß für mein Alter.
      Meine Hosen musste meine Mutter mir selbst nähen, normale Kinderkleidung passte mir nicht. Ich kann mich daran erinnern, dass ich später als Teenager in der ersten UP-Filiale in unserer Kleinstadt Kleidung in Größe 42 aufwärts gekauft habe. Ich hatte eine Jeans, ich glaube Größe 48, und nur diese eine Jeans, weil mir sonst nichts passte. Meine Mitschüler haben sich schon lustig darüber gemacht, dass ich immer nur diese eine Jeans anhatte.

      Verantwortlich für mein starkes Übergewicht war und bin anscheinend ich selbst und mein Süßigkeitenkonsum. Doch seit ich mich in den Foren ein wenig eingelesen habe, habe ich für mich auch erkannt, dass meine Eltern durchaus auch Verantwortung tragen bzw. trugen, denn ich habe auch eine ziemliche Diätkarriere durchlaufen müssen, und sähe heute vielleicht anders aus, wenn dem nicht so gewesen wäre.

      Im Gegensatz zu vielen anderen BeitragsschreiberInnen hier muss ich allerdings sagen, dass meine Eltern mich doch liebevoll behandelt haben, Leistungen anerkannt haben und mich unterstützten. Ich habe immer noch ein gutes Verhältnis zu ihnen.
      Dieses "nicht schlechte" Verhältnis führt manchmal schon dazu, dass ich über mich selbst denke "Mann mann mann, du bist also doch komplett allein Schuld an deinem Übergewicht, viele andere haben psychische Gründe dafür, ihnen wurde übel mitgespielt, aber du hast doch so liebe Eltern, also ist es wohl bei dir nur der armselige Grund, dass du soviel frisst, weil es dir schmeckt, und dass du einfach nur strunzfaul bist!"

      Durch diesen Thread bin ich aber auch ins Nachdenken gekommen, und mir fallen dann eigentlich doch viele Bemerkungen ein, die meine Eltern über mein Gewicht gemacht haben (meine Umwelt, die mich sehr stark gehänselt hat, lasse ich jetzt mal weg) - zwar überhaupt nicht gehässig, sondern besorgt, aber trotzdem wurde mir immer zu verstehen gegeben, dass ich ja nicht richtig war, so dick wie ich war.

      Ich frage mich allerdings trotzdem schon, ob ich ein Sonderfall bin, was mit mir los ist, warum ich seit frühester Kindheit so dick bin und damit die einzige in meiner Familie, und ob es vielleicht tatsächlich einzig und allein an mir liegt... Meine Eltern haben mich natürlich zum Arzt geschleppt, es wurde nichts gefunden. Aber wer weiß, vielleicht gibt es neue Erkenntnisse? Zum Arzt bin ich mit dem Problem Übergewicht seit Jahren nicht mehr gewesen, aus Angst vor den "Nehmen Sie endlich 90 kg ab und bleiben Sie Ihr Leben lang bei gedünsteten Möhren, sonst werden Sie in den nächsten 5 minuten sterben!!!"-Konsequenzen. Reale Angst? Vielleicht nicht, aber die Arzt-Phobie ist immer da.

      Sorry wenn der Beitrag sehr konfus ist, ich glaube, ich habe gerade komplett den roten Faden verloren, das sprudelte jetzt nur einfach aus mir heraus.
      Fazit vielleicht: ich habe keine teilweise so furchtbare Kindheit gehabt wie anscheinend einige in den Fore , habe aber trotzdem unter Bemerkungen und Diät-Bemühungen meiner Eltern gelitten. Wobei das Übergewicht bei mir anscheinend auch wirklich real war (ich hatte zuerst "nötig" da stehen, aber ob es wirklich nötig war, wäre eine zu lange Ausführung geworden:-o), denn so schlank wie das Mädchen auf iko66s Foto bin ich nie gewesen.