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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Über Nicht-Selbstakzeptanz als Lebensstil


iko66
24.10.2005, 08:46
Da Ikos Thread Sorry, aber schon wieder...Selbstakzeptanz, wie nur? (http://www.das-dicke-forum.de/forum/showthread.php?t=919) durch die Diskussion von Passagen des Beitrags der BlauenElise eine Wendung bekam, die er nicht verdient hat, haben wir den Thread geteilt, und bitten Euch, die Diskussion mit der BlauenElise hier fortzuführen.

Danke
Martina

BlaueElise
27.10.2005, 23:39
Hallo iko66,

bin ja noch relativ neu hier und erst am mich "einlesen", will aber dennoch -obwohl ich zeitlich jetzt nicht alles lesen konnte in dem Thread, Dir sagen, das Du nicht die einzige bist, die da shcon heulend vor einem Chatboard sass....allerdings hab ichs nie geschafft mich in Foren, die NICHT das Thema Essstörung haben, zu "outen" als tatsächlich sehr dick.

Ich finde es wirklich klasse und glaube es wird seelisch Dir sehr gut tun, wenn Du Dich mit dieser einen Frau vorerst triffst.

Ich bin sehr dick für meine Umgebung (120 kg cirka bei 1,74 m) und habe gemerkt, wenn man im Internet wo sagt, dass man dick ist, dann verstehen die meisten leider automatisch die berühmten paar Kilos über dem früheren "Normal-/Idealgewicht...ein höheres Gewicht erwarten die Chatter, aus welchen Gründen auch immer, irgendwie nie....Finde ich echt klasse, dass Du dort Dein Gewicht reingeschrieben hast.
Zu mir nur kurz: Bin 45, sweit 25 Jahren essgestört, war als Kind dünn bis dürr ohne Essstörung. Seit ich vond em Diät-Fress-Diätkreislauf mit relativ normalem Gewicht relativ raus bin und die Diäten aufgegeben habe und nur mehr binge ohne "Gegenmassnahmen" durch eingeschränkte Essphasen, nehme ich immer mehr zu und bin nun imadipösen BMI-Bereich. Ohne Essen / Überessen würde ich derzeit einfach meine ANDEREN Lebensprobleme und Lebensumstände nicht ertragen. Das ist mir durch mehrere Klinikaufenthalte und eine mehrjährige - wohl relativ erfolglose - Verhaltenstherapie völlig klar geworden bzw. war mir vor den Behandlungen schon klar, Von daher AKZEPTIERE ich derzeit, dass ich die Esssanfälle noch(!) brauche, um seelisch zu überleben.

Generell merke ich, je weniger ich mich gerade mit dem Thema Gewicht befasse, desto eher nehm ich immer ab....für den DERZEITIGEN Moment hab ich mich Gewicht als gegeben akzeptiert, aber gewöhnen dass ich die matronenhafte Frau da im Spiegel bin, das kann ich leider nicht. Mein Bild als Dicke im Spiegel ist und bleibt mir fremd, obwohl ich oft ganz bewusst mich lange darin angucke....

Ich fühl mich wie im falschen Körper. Als ob der dünne Körper mein "richtiger" wäre und nicht der Dicke, den ich derzeit mir "geschaffen" habe durch jahrelange Essexzesse. Was er in gewisser Weise wohl auch ist, denn wenn ich normal esse (mit normal meine ich ohne Essgelage+normale Mengen/Art der Lebensmittel) dann nehm ich sofort ab. War in der Klinik so, wo ich 2.500 Ksalorien essen musste und ist auch zuhause so, wenn ich mal Phasen ohne viele Essanfälle hab. Leider hab ich schwere Depressionen inzwischen und Sozialphobie, die es mir unmöglich macht, öfters als 2x pro Woche us dem Haus zu gehen. Alleine dadurch, und meine Schlafprobleme, komm ich natürlich wieder eher ins "Fressen" rein statt Essen....
Ich fand es daher nicht richtig, wenn hier wohl in einem anderen Thread jemand (Irina?)"angegriffen" wurde, weil sie ihr derzeitges Gewicht, auch wenn es nur 15 Kg wohl sind, NICHT akzeptieren kann und sihc vor allem nicht aus dme Haus traut! Wenn sie sich wegen des Gewichtes nicht raustraut und daher in Gefahr gerät auf lange Frist auch noch depressiv und sozialphob zu werden, dann ist es doch völlig egal, ob sie sich wegen 15 Kg zuviel nicht traut oder andere halt wegen 150 kg zuviel. Die "Angestgefühle" sind doch dieselben, egal wieviel man wiegt.

Ich hoffe, dass hier auch Leute schreiben "dürfen", die ihr Gewicht eben nicht akzeptieren können und daran leiden und mit Ihrer Essstörung nicht klar kommen und sich austauschen möchten. Nicht jede/r hat ja die Möglichkeit zu Ärzten zu gehen,wenn er/sie z.B. auf dem Land wohnt...

Selbstakzeptanz heisst für mich NICHT, dass ich akzeptiere dass ich in meiner Essstörung bleibe! Denn dies würde es doch bedeuten bei jemandem der "nur" wegen einer Essstörung dick geworden ist / dick bleibt....ich denke da ist ein grosser Unterschied zu jemandem, der seinen Lebensinhalt nur mehr darin sieht, sein EIGNES Erleben auf andere Dicke zu übertragen - für essgestörte Dicke ist das Leiden eben NICHT vorbei wenn man das derzeitige Gewicht und die bereits durch das Gewicht entstandenen körperlichen Beschwerden akzeptiert. Ich glaube , es ist anders für jemanden, der schon seit Kindheit dick ist und vielleicht gehäselt wurde und dann keinerlei Toleranz(!) gegenüber ANDEREN Ansichten zur eigenen Figur hier zulässt. Leider ist das in vielen Dicken-Foren so, hab ich den Eindruck. Ich persönlich bin z.B. obwohl ich nun doch schon 10 Jahre sehr dick bin, noch niemals, auch nie von Jugendlichen, in irgendeiner Form verbal verspottet, angegriffen oder verunglimpft worden wegen meines Gewichts/Aussehens! Mich belastet mein Gewicht DENNOCH - stoffwechseltechnischund seelisch, und ich akzeptiere es derzeit als "das kleinere Übel" (das grössere wäre, gar nicht mehr aus der Depression rauszukommen und deswegen zu ANDEREN(!) Suchtstoffen zu greifen).

Für mich persönlich, und ich spreche hier wirklich nur für mich, ist es völlig klar, dass ich durch mein Essen und Beibehalten des Übergewichts unbewusst mich selbst zerstöre, meinen Körper UND meine Lebensmöglichkeiten (Beruf, etc). Ich kann auch dieses "es kommt nicht ausfs Aussehen an" bei der Stellensuche nicht mehr hören - es kommt sogar EXTREM drauf an, nicht aus dem "Rahmen" zu fallen, zumindest in Büroberufen wie meinem, mit Kunden- und Besucherkontakten!
Also nehme ich mir durch mein Gewicht auch beruflich einiges...vielleicht mit unbewusster heimlicher "Absicht", weil ich mir aus ANDEREN Gründen (= durch Bossing und früher in der Kindheit Misshandlungen zerstörtes Selbstwergefühl bzw. das Gefühl keinen "hochrangigen" gutbezahlten Job/Karriere zu "verdienen" weil ich nicht "gut genug" bin) meine frühere Tätigkeit nicht mehr zutraue und dieses für normalgewichtige Manager monströse Gewicht verhindert natürlich prima, dass mich einer einstellt und ich "erspar" mir durch mein Übergewicht also diese Verletzungen eines Scheiterns....

Ach, jetrzt ist der Beitrag doch sehr lang gewordne, sorry, dass er sicher etwas schwer zu lesen ist, eine Folge meiner Depressionen und vor allem des kompletten Rückzugs in die wohnung ist auch, dass es mir immer schwerer fällt, mich zu KONZENTRIEREN beim Reden oder halt hier schreiben.

Mich hat auch der Thread von Ruberta sehr aufgewühlt, der anfangs in ihrem Thread für mein Empfinden sehr wenig Verständnis für ihre Entscheidung pro Magen-OP entgegengebracht wurde von einigen, obwohl sie deutlich auf die Schmerzproblematik hinwies...ich denke, das Entscheidende ist der eigene Leidensdruck. Der kann gleich(!) grosss ein, ob jemand nun 15 oder 115 kilos zuviel hat.....
Bei mir ist es so, dass so Extremfälle von Essstörung und Gewicht wie Ruberta, wenn ich das so lese, mich das manchmal aufrüttelt udn tatsächlich zu einer Verhaltensänderung für gewisse Zeit bringt, weil ich dann mir denke "Will ich DAS wirklich auch noch in Kauf nehmen, nur um nicht auf die "Überlebenskrücke" (Über-)Essen verzichten zu müssen! am Schluss des Threads von Ruberta war ich z.B. ganz ruhig innerlich und jegliche Gelüste auf ein Essgelage gestern, als ich es las, waren vollkommen WEG.

Ich empfinde mein Gewicht und mein Essverhalten auch als "Selbstmord auf Raten" und als eine gewisse Art von "Selbstverstümmelung" (nein, ich bin NICHT Borderline und schnippel nicht an mir rum und hab auch keine Gelpste dea drauf, aber vom Prinzip ist es halt eigentlich dasselbe...).

Im Prinzip ist es sogar egal, ob man nun Hungern oder Überessen als "Mittel" nutzt, um sich SEELISCH besser zu fühlen und um mit belastenden Situationen fertig zu werden...

Blaue Elise

Rubensweib
28.10.2005, 09:36
Ich kann auch dieses "es kommt nicht ausfs Aussehen an" bei der Stellensuche nicht mehr hören - es kommt sogar EXTREM drauf an, nicht aus dem "Rahmen" zu fallen, zumindest in Büroberufen wie meinem, mit Kunden- und Besucherkontakten!

Liebe BlaueElise!

Es mag sein, das DU diese Erfahrung gemacht hast, aber diese Erfahrung habe ICH nicht gemacht. Bei MIR kam es auf KÖNNEN an. Und wie ich "rüberkomme", d. h. wie meine Ausstrahlung ist. Genau wie auch im ganz normalen Leben ist hier extrem wichtig, was Du von Dir selbst hältst!

Wenn Du bei einem persönlichen Bewerbungsgespräch Deinen "Ansprechpartner" (Personalchef oder Abteilungsleiter oder wer auch immer) einfach "überrollst" mit gutgelauntem, selbstsicheren, fröhlichem, offenen Verhalten (nicht übertrieben natürlich) und er dann noch feststellt, dass Du Ahnung hast, dann geh ich jede Wette ein, das Du die besten Chancen hast auf den Job! Wichtig ist nur, wie DU Dich "anbietest".

Aber Du schreibst ja selbst auch:

vielleicht mit unbewusster heimlicher "Absicht", weil ich mir aus ANDEREN Gründen (= durch Bossing und früher in der Kindheit Misshandlungen zerstörtes Selbstwergefühl bzw. das Gefühl keinen "hochrangigen" gutbezahlten Job/Karriere zu "verdienen" weil ich nicht "gut genug" bin) meine frühere Tätigkeit nicht mehr zutraue und dieses für normalgewichtige Manager monströse Gewicht verhindert natürlich prima, dass mich einer einstellt und ich "erspar" mir durch mein Übergewicht also diese Verletzungen eines Scheiterns....

Wenn Du selbst meinst, das Du nicht gut genug bist für den Job, dann vermittelst Du das Deinem Gegenüber. Und dann glaubt der das! Wieso soll ein anderer Mensch eine bessere Meinung von Dir haben, als Du selbst?

Ich habe übrigens einen Bürojob. Ich bin Sekretärin. Und ich habe mich schon des öfteren beworben. Und jedes dieser Gespräche ist positiv gewesen. Jedes Mal bin ich zu dem Ziel gekommen, wo ich hinwollte.
Ok. Einmal hats nicht geklappt http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/biggrin.gif die wollten mich, aber für einen anderen Bereich, als den, den ich wollte. Und das wollte ich dann nicht. http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/smile.gif


Selbstakzeptanz heisst für mich NICHT, dass ich akzeptiere dass ich in meiner Essstörung bleibe!

Äh - hat das hier jemand behauptet? http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/gruebel.gif
Ich persönlich kenne eigentlich gar keine Menschen, die eine Essstörung haben und darin bleiben wollen.

Selbstakzeptanz bedeutet, das man sich selbst erstmal so akzeptiert wie man ist. Das heißt aber ja nicht, das Du so bleiben mußt.
Siehe auch Martinas Signatur: Sich als dicken Menschen zu lieben und zu akzeptieren, bedeutet nicht, es toll zu finden, dick zu sein.

Ich sehe das Ganze so: Erst wenn Du Dich selbst so akzeptierst wie Du bist, als ein einzigartiger MENSCH, dann erst hast Du die Chance etwas an Dir zu verändern.
Vorher bist Du nämlich nicht mit Dir im Reinen und alles was Du machen würdest wäre unausgegoren und hätte keine Aussicht auf Erfolg.

:) Rubensweib

frauvonheute
28.10.2005, 09:42
Selbstakzeptanz heisst für mich NICHT, dass ich akzeptiere dass ich in meiner Essstörung bleibe! Denn dies würde es doch bedeuten bei jemandem der "nur" wegen einer Essstörung dick geworden ist / dick bleibt....ich denke da ist ein grosser Unterschied zu jemandem, der seinen Lebensinhalt nur mehr darin sieht, sein EIGNES Erleben auf andere Dicke zu übertragen - für essgestörte Dicke ist das Leiden eben NICHT vorbei wenn man das derzeitige Gewicht und die bereits durch das Gewicht entstandenen körperlichen Beschwerden akzeptiert. Ich glaube , es ist anders für jemanden, der schon seit Kindheit dick ist und vielleicht gehäselt wurde und dann keinerlei Toleranz(!) gegenüber ANDEREN Ansichten zur eigenen Figur hier zulässt. Ich habe es jetzt bestimmt 7 x gelesen und verstehe es immer noch nicht. Kannst du mir vielleicht genauer erklären, Elise, was du hier meinst?

Danke
Babs

Sophonisbe
28.10.2005, 10:25
Das mag nun mit Iko nicht mehr viel zu tun haben (entschuldige bitte!), aber: Ich hoffe, dass hier auch Leute schreiben "dürfen", die ihr Gewicht eben nicht akzeptieren können Solange Du mich meines akzeptieren lässt, sehe ich darin kein Problem.

Selbstakzeptanz heisst für mich NICHT, dass ich akzeptiere dass ich in meiner Essstörung bleibe! Das Ziel ist Gesundung. Niemand hat je etwas anderes behauptet.

Selbstakzeptanz könnte in Deinem Fall heißen, akzeptieren, dass Du diese Esstörung hast und gerade auch noch brauchst, und dass Du Dich, weil Du eine Esstörung und Übergewicht hast, nicht minderwertig fühlen musst. Darum geht es nämlich eigentlich: Sich nicht minderwertig zu fühlen. Kein Mensch verlangt von Dir, dass Du Übergewicht toll findest und behalten musst.

ich denke da ist ein grosser Unterschied zu jemandem, der seinen Lebensinhalt nur mehr darin sieht, sein EIGNES Erleben auf andere Dicke zu übertragen ... und dann keinerlei Toleranz(!) gegenüber ANDEREN Ansichten zur eigenen Figur hier zulässt. Leider ist das in vielen Dicken-Foren so, hab ich den Eindruck. ... Hm. Schade, dass Du schlechte Erfahrungen gemacht hast. Aber ich kann mir nicht helfen, ich empfinde derlei als Unterstellung und überlege gerade, ob ich mich angegriffen fühlen soll.

Ich empfinde mein Gewicht und mein Essverhalten auch als "Selbstmord auf Raten" und als eine gewisse Art von "Selbstverstümmelung" Ein gewagter Vergleich, wie ich finde. Aber wie gesagt, solange Du nicht willst, dass ich das für mich auch so sehen muss...

simsalabine
28.10.2005, 10:47
...
Hm. Schade, dass Du schlechte Erfahrungen gemacht hast. Aber ich kann mir nicht helfen, ich empfinde derlei als Unterstellung und überlege gerade, ob ich mich angegriffen fühlen soll...

Genau das hatte ich auch überlegt. Irgendwie habe ich das Gefühl, es soll mir unterstellt werden, daß ich andere Menschen, die sich zu dick finden, nicht toleriere...
Aber vielleicht habe ich da auch was falsch verstanden

Yvonne
28.10.2005, 11:19
....ich denke da ist ein grosser Unterschied zu jemandem, der seinen Lebensinhalt nur mehr darin sieht, sein EIGNES Erleben auf andere Dicke zu übertragen - für essgestörte Dicke ist das Leiden eben NICHT vorbei wenn man das derzeitige Gewicht und die bereits durch das Gewicht entstandenen körperlichen Beschwerden akzeptiert.

Ich habe zu diesem Thema folgene ganz persönliche Meinung...
Ich akzeptiere meinen Körper als einen Teil von mir. Er ist ein Teil, der mit vielen anderen, MICH bildet. Und nur weil ich mit einem Teil von mir nicht einverstanden bin, muss ich mich noch lange nicht akzeptieren.

Diesen Teil, meinen Körper, mag ich nicht besonderes, aber ich habe auch aktzeptiert, dass ich ihn nicht von heute auf morgen ändern kann.

Ich glaube , es ist anders für jemanden, der schon seit Kindheit dick ist und vielleicht gehäselt wurde und dann keinerlei Toleranz(!) gegenüber ANDEREN Ansichten zur eigenen Figur hier zulässt. Leider ist das in vielen Dicken-Foren so, hab ich den Eindruck.

Hmm, ich habe meine Meinung zu meiner Figur... siehe oben...
Andere haben andere Meinungen, mein Freund mag meinen Körper, meine Eltern sind nicht so begeistert und es gibt auch bestimmt Leute, die mich total häßlich finde.
Und ich finde eins wichtig... Meine Meinung ist die die für mich zählt.... Ich werde mir von niemanden erzählen lassen, dass ich häßlich bin... ich bin nicht schön, aber ich bin auch nicht häßlich...
Und von dieser Meinung werde ich mich auch nicht abbringen lassen.
Und ich werde auch keinem Menschen sagen, was er von seiner Figur zuhalten hat.
Ein kleines Beispiel, eine Bekannte von mir, hat sich letztens zu einen Walking Kurs angemeldet, weil sie abnehmen wollte. Diese Bekannte hat wenn überhaupt 4 Kilo zuviel, aber für sie persönlich ist das viel zu viel. Und auch wenn ich das nicht nachvollziehen kann, ich werde ihr nicht sagen, dass sie spinnt.


Ich empfinde mein Gewicht und mein Essverhalten auch als "Selbstmord auf Raten" und als eine gewisse Art von "Selbstverstümmelung" (nein, ich bin NICHT Borderline und schnippel nicht an mir rum und hab auch keine Gelpste dea drauf, aber vom Prinzip ist es halt eigentlich dasselbe...).

Das finde ich sehr krass formuliert, aber auch das ist deine Meinung und ich werde nicht versuchen, dich vom Gegenteil zu überzeugen, auch wenn ich anderer Meinung bin.

frauvonheute
28.10.2005, 11:33
Genau das hatte ich auch überlegt. Irgendwie habe ich das Gefühl, es soll mir unterstellt werden, daß ich andere Menschen, die sich zu dick finden, nicht toleriere...
Aber vielleicht habe ich da auch was falsch verstanden Ach Sopho, ach Simsalabine, wenn ich euch nicht hätte! Irgendetwas hat mir auch beim Lesen des Textes ein komisches Gefühl im Magen verursacht, deshalb meine Bitte um Erklärung.

Ich bin gespannt...

Babs

Koala
28.10.2005, 11:48
Es mag sein, das DU diese Erfahrung gemacht hast, aber diese Erfahrung habe ICH nicht gemacht. Bei MIR kam es auf KÖNNEN an. Und wie ich "rüberkomme", d. h. wie meine Ausstrahlung ist. Genau wie auch im ganz normalen Leben ist hier extrem wichtig, was Du von Dir selbst hältst!

Wenn Du bei einem persönlichen Bewerbungsgespräch Deinen "Ansprechpartner" (Personalchef oder Abteilungsleiter oder wer auch immer) einfach "überrollst" mit gutgelauntem, selbstsicheren, fröhlichem, offenen Verhalten (nicht übertrieben natürlich) und er dann noch feststellt, dass Du Ahnung hast, dann geh ich jede Wette ein, das Du die besten Chancen hast auf den Job! Wichtig ist nur, wie DU Dich "anbietest".

Da kann ich aus eigener Erfahrung Rubensweib 100% zustimmen. Ich habe mich innerbetrieblich auf eine Chefarztsekretärinnenstelle beworben und dachte auch immer die nehmen mich nie so wie ich aussehe. Aber ich habe einfach versucht ich selber zu sein und einigermaßen Selbstbewusst rüberzukommen und siehe da es hat funktioniert. Es kommt ganz auf Dein Auftreten an. Ich arbeitete auch im Sekretariat der Verwaltungsleitung. Vielleicht nuschelten einige darüber und wunderten sich das ich so eine Stelle habe, die durchaus auch Repräsentativ ist. Aber ich habe denen einfach mal Neid unterstellt. Im Job kann ich da komischerweise viel selbstbewusster sein als im Privatleben. Verstehe ich selber nicht. Vielleicht liegt es daran das ich da schon oft meinen Mann bzw. Frau stehen musste und es geschafft habe und darauf bin ich stolz. Und das gibt auch Kraft für weitere Taten. Man darf sich nicht selber schlechter machen als man ist. Mir wurde mal eine Stelle in einer Abteilung angeboten in der nur sehr schlanke Frauen arbeiteten. Und da ich bei dem Gespräch mit dem Chef zu zögerlich auf dieses Angebot einging bekam ich letztendlich die Stelle nicht. Und zögerlich war ich nur weil ich so erstaunt war. Ich in dieser Abteilung, das passt doch gar nicht. Das kann nicht sein, das habe ich bestimmt falsch verstanden. Und so zog diese Chance an mir vorbei und das nur weil ich so viel Vorurteile hatten. Das ärgert mich heute noch.

Liebe Iko eigentlich geht es hier ja um Dich und Dein fehlendes Selbstbewusstsein. Aber da bin ich leider nicht die richtige Ansprechpartnerin. Denn da bin ich ganz genauso wie Du. Mir wären im selben Augenblick die Tränen gekommen. Und auch ich hätte bzw. habe sie schon so oft versteckt. Ich weis eigentlich gar nicht warum. Mein Mann hat in dieser Beziehung viel Verständnis. Und zu diesem Treffen würde ich wahrscheinlich auch nicht gehen. Aber das musst Du ganz alleine wissen. Das Mädchen hat sich wahrscheinlich gar nichts böses dabei gedacht aber es tut halt in dem Moment so weh. Ich will Dir nur sagen das ich Dich soooo gut verstehen kann. Und Deine Magenschmerzen kommen wahrscheinlich schon von der ganzen Problematik. Sind sie denn inzwischen besser geworden? Ich frage mich auch immer wann ich endlich so viel Selbstbewusstein habe um über solche Dinge zu stehen. Manchmal klappt es so gut das ich selber erschrocken bin und manchmal bin ich ein kleines häufchen Elend. Und das mit dem Witze machen über sich selber kenne ich auch zu gut. Jeder denkt ich bin so unheimlich Taff und komme so gut klar mit meinem Gewicht das ich darum schon beneidet worden bin. Wenn die alle wüssten wie es in mir drin aussieht. Aber wie Du schon sagtest man will nach Außen nicht als verletzlich erscheinen und darum spielt man dieses Spiel. Das ist bestimmt nicht der richtige Weg. So viel weis ich auch. Und darum kann ich Dir da auch keine Ratschläge geben. Ich will Dir nur sagen das ich Dich sehr gut verstehe und Du bist bestimmt nicht alleine mit Deinen Problem. Oh je, ist das lang geworden, wollte ich eigentlich gar nicht. Jetzt höre ich lieber schnell auf bevor noch ein Roman daraus wird.

Liebe Grüße vom

Koala

Martina
28.10.2005, 22:14
Hallo BlaueElise,

es tut mir leid, dass es Dir nicht gut geht. Ich habe den Eindruck, dass Du Deine Situation glasklar vor Dir siehst, was sicherlich eine sehr gute Voraussetzung zur Genesung ist.Ich fand es daher nicht richtig, wenn hier wohl in einem anderen Thread jemand (Irina?)"angegriffen" wurde, weil sie ihr derzeitges Gewicht, auch wenn es nur 15 Kg wohl sind, NICHT akzeptieren kann und sihc vor allem nicht aus dme Haus traut! Wenn sie sich wegen des Gewichtes nicht raustraut und daher in Gefahr gerät auf lange Frist auch noch depressiv und sozialphob zu werden, dann ist es doch völlig egal, ob sie sich wegen 15 Kg zuviel nicht traut oder andere halt wegen 150 kg zuviel. Die "Angestgefühle" sind doch dieselben, egal wieviel man wiegt.Da stimme ich Dir soweit zu. Allerdings ging es in dem Thread ja, wenn ich es recht erinnere, weniger darum, ob man sich mit 15 kg zuviel oder mit 150 kg zuviel gleich oder unterschiedlich fühlt. Ich glaube auch nicht, dass man darüber eine allgemeingültige Aussage treffen kann. Ich persönlich fühle mich heute mit über 100 kg Übergewicht deutlich besser als mit 15 kg Übergewicht in der Pubertät. Aber natürlich kann man nicht vergleichen, wenn man nicht weiß, wie es ist, … wirklich dick zu sein … älter zu sein … sein Leben in trockenen Tüchern zu wissen usw.. Keiner hat Irina ihr Unwohlsein abgesprochen. Es ging namentlich darum, wie sie dem begegnet. Zudem gab es eine gewisse, ich nenne es mal, Inkonsistenz zwischen den Fotos, die sie eingestellt hat, und ihrer „drohenden Sozialphobie“. Wie ich Deiner obigen Lebensgeschichte entnehmen darf, ist ja wohl auch für Dich sonnenklar, dass Gewichtsreduktion Gewichtsprobleme nicht löst, sondern schafft. Daher ist es doch nur konsequent, Irina zum Friedensschluss mit ihrem Körper zu raten, alles dafür zu tun, dass er so bleibt, wie er ist, und ihn zu pflegen und zu hegen. So und nur so werden Essstörungen und massives Übergewicht verhindert.Ich hoffe, dass hier auch Leute schreiben "dürfen", die ihr Gewicht eben nicht akzeptieren können und daran leiden und mit Ihrer Essstörung nicht klar kommen und sich austauschen möchten. Nicht jede/r hat ja die Möglichkeit zu Ärzten zu gehen,wenn er/sie z.B. auf dem Land wohnt...Natürlich! Dafür ist das Forum doch da. Allerdings bist Du am falschen Ort, wenn Du Zustimmung zu dieser Haltung erwartest. Unser Ziel wird immer sein, ein friedvolles Miteinander zwischen Körper und Seele als erstrebenswert zu vermitteln.

Nur dadurch, dass wir ein eigenes Forum eröffnet haben, hat sich unsere Haltung zu diesem Thema nicht geändert. Eher ist das Gegenteil der Fall: Hier können wir unsere Einstellung viel nachhaltiger vertreten, denn hier sind wir zu Hause und können so handeln, wie wir es für richtig halten. Wir brauchen keine diplomatischen Rücksichten zu nehmen.Selbstakzeptanz heisst für mich NICHT, dass ich akzeptiere dass ich in meiner Essstörung bleibe!Vielleicht habe ich es ja überlesen, aber steht das hier irgendwo? Es wäre doch wohl etwas absurd, ein Unterforum zum Thema Essstörungen zu haben, wenn es nicht auch Unterstützung bei der Überwindung derselben anbieten würde. Und in letzter Zeit wurden ja doch einige „Erfolgsstories“ berichtet.ich denke da ist ein grosser Unterschied zu jemandem, der seinen Lebensinhalt nur mehr darin sieht, sein EIGNES Erleben auf andere Dicke zu übertragenDas nehme ich jetzt mal im Namen des Teams persönlich. Wir sind 12 Leute mit 12 Geschichten, mit mehr oder weniger ausgeprägten Essstörungen (ich persönlich glaube ja inzwischen, dass es überhaupt keine nicht essgestörten Menschen gibt; auch die meisten Schlanken haben da haarsträubende Defizite). Wir erzählen hier unsere Geschichten, eben 12 sehr unterschiedliche Geschichten, d.h. es gibt da schon mal 12 eigene Erleben. Und dann kommen noch die der User dazu. Es sind also etliche. Ganz sicher ist es nicht unser „Lebensinhalt“, auf Euch unsere Geschichten zu übertragen. Betrachte es doch bitte als einen Service, den wir anbieten und der vor allen Dingen ein Ziel hat: Mut zu machen! Kein Mensch ist gezwungen, diesen Service anzunehmen.

Um für mich persönlich zu sprechen: Das Forum ist für mich ein Hobby (was das Gestalterische betrifft) und mein derzeitiger karitativer Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenleben. Es ist ein Teil meines Lebens, aber bei Weitem nicht der Wichtigste. Mein Lebensinhalt besteht aus noch einer ganzen Reihe von anderen Dingen, z.B. einer sehr interessanten und erfüllenden Arbeit, einem superlieben Partner, meinen Freunden, schwimmen zu gehen, Cabrio zu fahren, Bücher zu lesen usw., usw..für essgestörte Dicke ist das Leiden eben NICHT vorbei wenn man das derzeitige Gewicht und die bereits durch das Gewicht entstandenen körperlichen Beschwerden akzeptiert.Tja, was soll ich sagen: Glaubst Du, für einen nicht Essgestörten oder einen Menschen, dem es gelungen ist, dauerhaft abzunehmen, wäre das Leiden endgültig vorbei? Ganz sicher nicht. Es ist täglich eine neue Aufgabe, sich fit zu halten, so wie es für Menschen, die stark abgenommen haben, eine Herausforderung werden kann, ihre Hautlappen zu akzeptieren und vor allen Dingen gesund zu erhalten. Das Thema verlässt einen nie. Dennoch ist es definitiv gesünder, ihm positiv zu begegnen, als mit destruktiven Gedanken und/oder Taten. ). Ich kann auch dieses "es kommt nicht ausfs Aussehen an" bei der Stellensuche nicht mehr hören - es kommt sogar EXTREM drauf an, nicht aus dem "Rahmen" zu fallen, zumindest in Büroberufen wie meinem, mit Kunden- und Besucherkontakten!Wie viele andere hier kann ich das ÜBERHAUPT nicht bestätigen. Ich habe mit einem Gewicht um die 100 kg Hotelfachfrau gelernt und dann 7 Jahre bei einer Veranstaltungsagentur gearbeitet, wo ich u.a. die Tagungssekretariate großer Veranstaltungen wie z.B. des Deutschen Marketing-Tages geführt habe. Danach war ich 13 Jahre lang Chefsekretärin in einer der weltweit führenden Beratungsfirmen. Eingestellt wurde ich mit einem Gewicht von 156 kg. Vor zwei Jahren habe ich den Job mit damals über 180 kg hingeworfen und bin 500 km weit weg gezogen, um im Alter von 45 Jahren zu heiraten. Ich wurde verantwortungslos geschimpft. Ich habe mir ein ruhiges Jahr gegönnt. Dann habe ich exakt eine Bewerbung geschrieben. Heute bin ich Chefsekretärin in einem kleinen aufstrebenden Industriebetrieb. Ich weiß heute, dass ich die Stelle bekommen habe, weil ich eine überdurchschnittlich gut gestaltete Bewerbungsmappe hatte und weil ich vom Profil her sehr gut zu den Aufgaben passte. Ich verdiene in der tiefsten Provinz unwesentlich weniger als in Düsseldorf.

Mein Mann, auch 150 kg schwer und beruflich erfolgreich, traf diese Woche in einer anderen Firma einen Vertriebsmenschen, der 180 kg wog. Er war adrett gekleidet. Hose mit Gürtel, Hemd, Krawatte. Man kam ins Gespräch und mein Mann fragte ihn, ob das Gewicht für ihn in irgendeiner Weise ein berufliches Hindernis sei. Nein, antwortete der, man wolle seine Fähigkeiten. Dann müsse man mit seinem Gewicht leben.

Ich kenne eine ganze Reihe der Menschen, die hier in diesem Forum schreiben, persönlich und weiß daher, dass die überwiegende Mehrheit in sehr guten, anspruchsvollen Jobs arbeitet. Und die, die arbeitslos sind, haben zumeist Pech, weil sie z.B. Berufe haben, die im Moment einfach nicht gefragt sind.

Diese Problematik auf das Gewicht zu schieben, halte ich selbst bei nüchternster und realistischster Betrachtungsweise für eine bequeme Ausrede. Da glaube ich schon eher, dass es so ist, wie Du es hier beschreibst: vielleicht mit unbewusster heimlicher "Absicht", weil ich mir aus ANDEREN Gründen (= durch Bossing und früher in der Kindheit Misshandlungen zerstörtes Selbstwergefühl bzw. das Gefühl keinen "hochrangigen" gutbezahlten Job/Karriere zu "verdienen" weil ich nicht "gut genug" bin) meine frühere Tätigkeit nicht mehr zutraue und […] und ich "erspar" mir durch mein Übergewicht also diese Verletzungen eines Scheiterns.... Für mich persönlich, und ich spreche hier wirklich nur für mich, ist es völlig klar, dass ich durch mein Essen und Beibehalten des Übergewichts unbewusst mich selbst zerstöre, meinen Körper UND meine Lebensmöglichkeiten (Beruf, etc). Für die 12 Inhaber dieses Forums war das ähnlich. Nur haben wir erkannt, dass wir uns mit dem permanenten Wunsch nach einem schlanken Körper selbst zerstört haben. Es ist immer besser, ein Problem positiv zu lösen als durch negative Gedankengänge. Mich hat auch der Thread von Ruberta sehr aufgewühlt, der anfangs in ihrem Thread für mein Empfinden sehr wenig Verständnis für ihre Entscheidung pro Magen-OP entgegengebracht wurde von einigen, obwohl sie deutlich auf die Schmerzproblematik hinwiesIch persönlich kenne Silke seit bestimmt fünf Jahren aus verschiedenen Foren. Silke wusste ganz genau, was in diesem Forum zu ihrer Entscheidung geschrieben werden würde. Und ich bin fast sicher, dass sie das auch so wollte. Manchmal hilft es auch, eine Entscheidung zu überprüfen, indem man sich Kontrapositionen stellt, die einen zwingen, diese Entscheidung von ungewohnten Standpunkten aus zu betrachten.

Auch wenn wir uns von Herzen gewünscht hätten, man hätte ihr die Möglichkeit gegeben, ihre Probleme auf andere Weise zu lösen, so begleiten sie doch unsere Gedanken und auch die Taten einzelner User, auch aus dem Team des Forums. Man muss eine Entscheidung nicht mit Pauken und Trompeten gutheißen, um einen Menschen auf einem schwierigen Weg zu begleiten. Das wäre verlogen und dumm. Und ich bin sicher, dass Silke das genauso sieht.

Ich hatte selber gerade sechs Monate höllischer Schmerzen im Knie hinter mir, als Silke ihren Thread begann. Mir wurde auf konventionelle Weise geholfen. Ich habe mir sehr gewünscht, das würde Silke auch ermöglicht. Das war nicht so. Nun ist es anders. Aber die guten Gedanken für Silke sind deshalb kein bisschen weniger intensiv geworden.Ich glaube , es ist anders für jemanden, der schon seit Kindheit dick ist und vielleicht gehäselt wurde und dann keinerlei Toleranz(!) gegenüber ANDEREN Ansichten zur eigenen Figur hier zulässt. Leider ist das in vielen Dicken-Foren so, hab ich den Eindruck.Ganz zum Schluss, liebe BlaueElise, möchte ich noch auf diesen Einwurf von Dir eingehen. Warum so scheinheilig? Du kennst das Team dieses Forums sehr genau und Du kennst auch unsere Einstellung zum Thema. Daran hat sich, wie oben schon ausgeführt, durch das neue Forum nichts geändert, im Gegenteil, hier können wir unseren Standpunkt wesentlich stärker vertreten. Auch viele der User hier sind dieselben. Rascha würde Dir hier und heute noch immer dieselben Antworten auf Deine Ausführungen zum Thema „Insula“ schreiben wie im blauen Forum. Warum also nicht Butter bei die Fische? Wir empfinden Deinen Beitrag vor diesem Hintergrund eigentlich nur als Provokation und möchten Dich bitten, derlei in Zukunft zu unterlassen. Ansonsten könnte dies schneller ein Ex-Forum für Dich sein, als Du gucken kannst.


Martina

Kugelfischchen
29.10.2005, 20:23
:wink1: Hallo allerseits!

Nun bin ich freigeschaltet und kann meinen Senf auch ablassen. Ich freue mich hier zu sein, auch weil mir der eine oder andere Nick sehr bekannt vorkommt.
Ich fühl mich wie im falschen Körper. Als ob der dünne Körper mein "richtiger" wäre und nicht der Dicke, den ich derzeit mir "geschaffen" habe durch jahrelange Essexzesse.
Ich kann sehr gut nachempfinden, wie es ist, sich wie im falschen Körper zu fühlen, und wie schwer es ist, den eigenen als den richtigen zu akzeptieren. Aber genau darum geht es aus meiner Sicht beim Thema Selbstakzeptanz. Der Satz, den ich jetzt schreibe, geht mir wirklich nicht leicht von den Fingern, aber ich glaube, dass ich mich in genau dem Körper befinde, der im Moment für mich richtig ist.

Auch ich habe mir einen Körper geschaffen, der nach gesellschaftlichen Gesichtspunkten alles andere als normal ist, und den wenige Menschen als schön bezeichnen würden. Aber die Tatsache, dass ich ihn habe, obwohl ich ihn beim besten Willen nicht schön finde, hat Gründe. Diese Gründe ergeben sich aus meiner Geschichte.
Selbstakzeptanz heisst für mich NICHT, dass ich akzeptiere dass ich in meiner Essstörung bleibe! Denn dies würde es doch bedeuten bei jemandem der "nur" wegen einer Essstörung dick geworden ist / dick bleibt....
Für mich heisst Selbstakzeptanz, dass ich meine Geschichte als gegeben annehme und akzeptiere, dass ich darauf nicht anders als mit einer Essstörung reagieren konnte. Denn meine Essstörung ist Folge von Ereignissen. Und Folge meiner (lange nicht erkannten) Essstörung ist ein massives Übergewicht. Natürlich möchte ich nicht mein Leben lang essgestört bleiben. Für mich ist aber für das Arbeiten an einer Verbesserung meiner Essstörung eine Akzeptanz meiner aktuellen Situation Voraussetzung.
...für essgestörte Dicke ist das Leiden eben NICHT vorbei wenn man das derzeitige Gewicht und die bereits durch das Gewicht entstandenen körperlichen Beschwerden akzeptiert. Ich glaube , es ist anders für jemanden, der schon seit Kindheit dick ist und vielleicht gehäselt wurde und dann keinerlei Toleranz(!) gegenüber ANDEREN Ansichten zur eigenen Figur hier zulässt.
Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Ich bin seit meiner Kindheit übergewichtig und wurde auch viel gehänselt. Mein Übergewicht stammt aus einer Essstörung, die ich damals unerkannt entwickelt habe, und die mich immer noch begleitet, weil ich erst seit gut 2 Jahren weiss, dass es eine ist. Trotzdem kann ich sehr wohl akzeptieren, dass jeder Mensch seinen Körper anders wahrnimmt. Ich tue mich schwer mit der Selbstakzeptanz, auch wenn ich mehr Zeit hatte, mich an mein Gewicht zu gewöhnen.

Aber vielleicht betrachte ich meine Essstörung und eine mögliche Gesundung auch anders als du. Die Gesundung von einer Essstörung hat für mich nicht in erster Linie etwas mit Abnehmen zu tun. Das Abnehmen stellt u.U. eine Folge der Gesundung dar. Für mich steht im Vordergrund, dass ich lerne, Essen nicht zu missbrauchen, um mich besser zu fühlen. Und zu akzeptieren, dass es einen oder mehrere Gründe gibt, warum ich essgestört bin.

LG Kugelfischchen

Sally
30.10.2005, 09:25
Für mich heisst Selbstakzeptanz, dass ich meine Geschichte als gegeben annehme und akzeptiere, dass ich darauf nicht anders als mit einer Essstörung reagieren konnte. Denn meine Essstörung ist Folge von Ereignissen. Und Folge meiner (lange nicht erkannten) Essstörung ist ein massives Übergewicht. Natürlich möchte ich nicht mein Leben lang essgestört bleiben. Für mich ist aber für das Arbeiten an einer Verbesserung meiner Essstörung eine Akzeptanz meiner aktuellen Situation Voraussetzung.

Die Gesundung von einer Essstörung hat für mich nicht in erster Linie etwas mit Abnehmen zu tun. Das Abnehmen stellt u.U. eine Folge der Gesundung dar. Für mich steht im Vordergrund, dass ich lerne, Essen nicht zu missbrauchen, um mich besser zu fühlen. Und zu akzeptieren, dass es einen oder mehrere Gründe gibt, warum ich essgestört bin.

Das ist sehr sehr klug be- und geschrieben. Treffender kann man nicht zusammenfassen, was auch ich in den letzten Jahren gelernt habe. Ich bin noch lange nicht am Ziel, aber ich sehe Licht am Ende des Tunnels. :)

Auch ich war schon ein dickes Kind, das viel gehänselt wurde, aber ich habe deshalb nie Schwierigkeiten gehabt, einen anderen Umgang mit dem eigenen Körper zu akzeptieren. Meine engste und beste Freundin, die ich seit 26 Jahren kenne, ist 1,75 m groß und wiegt immer so um die 52 kg - sie ist einfach so, ohne dafür oder dagegen etwas zu tun. Sie hat eine völlig andere Beziehung zu ihrem Körper als ich zu meinem - und sieht im übrigen auch meinen Körper völlig anders als ich, nämlich als rund und weich und schön. Das eine hat also mit dem anderen nicht zwingend etwas zu tun.

Vor ein paar Jahren noch, als ich noch bis obenhin voller Selbsthass gesteckt habe, war es mir unendlich peinlich, mit anderen Dicken gesehen zu werden. Wie hätte ich die Körperform bei anderen akzeptieren können, die ich an mir selbst so hasste? Heute ist das anders. Zwar bin ich, wie gesagt, noch nicht am Ziel, aber meine Haltung zu anderen Dicken hat sich proportional zur Haltung zu mir selbst verändert. Schon allein aufgrund dieser Erfahrung erscheint es mir unglaubwürdig, dass ein von einer Essstörung "Gesundeter" keine Dicken mehr um sich herum erträgt. Da steckt zwischen den Zeilen eher das Gegenteil, sprich keine Spur von Gesundung, sondern der verzweifelte Versuch, eine innere Verbesserung zu erreichen, indem man äußerlich vermeintlich "bessere" Bedingungen herstellt.

Sophonisbe
30.10.2005, 17:03
Mal nebenbei bemerkt: Was für eine ungemein treffende Titelgebung!

Ansonsten bin ich zur Zeit ungemein friedfertig gesinnt. Und finde, dass, wer diese Nicht-Selbstakzeptanz als Lebensstil praktiziert und kultiviert und sich als diesbezüglich argumentationsresistent erweist, dies ruhig so halten möge. Das mag jetzt sehr egoistisch klingen... Ist es vielleicht auch. Aber ich, ganz persönlich, fühle mich nicht mehr auf den Plan gerufen, wenn mir jemand von seiner Nicht-Selbstakzeptanz erzählt. (Oder mir in glühenden Farben von seiner Gesundung berichtet, während er mir ganz unbeabsichtigt noch so manches Problemfeld in der Beziehung zu sich selbst offenbart.) Solange ich nicht zum selben Selbsthass geführt werden soll, sehe ich mich da nicht zuständig. Bei allem Respekt vor denen, die derlei nicht mit ansehen mögen.

Soweit das Wort zum Sonntag. Gruß, Sopho

Martina
30.10.2005, 17:24
Mal nebenbei bemerkt: Was für eine ungemein treffende Titelgebung! Die ist von mir. Ich musste den Threadableger ja nach Teilung des Threads umbenennen.

Im Übrigen: Diese Art von Resignation, die aus dem Posting lugt, liebe Sopho, befällt das Mod-Team auch ab und an, und wie ich den Eindruck hatte, auch noch ein paar andere User, aber ich halte es nicht für den richtigen Weg, solche Postings zu ignorieren. Dann brauchen wir nämlich dieses Forum nicht mehr. Da draußen sitzen Tausende von stillen Lesern und brauchen solche Einwände, damit es bei ihnen vielleicht auch mal Klick macht.

Liebe Grüße
Martina

iko66
30.10.2005, 17:39
Also, wenn auch einige sagen, dieser Thread hätte nicht viel mit meinem zu tun, hier noch noch mal ein paar Worte dazu.

Eigentlich gibt es den Beiträgen meiner Vorschreiberinnen nur wenig hinzuzufügen, außer vielleicht das:

Für mich persönlich, und ich spreche hier wirklich nur für mich, ist es völlig klar, dass ich durch mein Essen und Beibehalten des Übergewichts unbewusst mich selbst zerstöre, meinen Körper UND meine Lebensmöglichkeiten (Beruf, etc). Ich kann auch dieses "es kommt nicht ausfs Aussehen an" bei der Stellensuche nicht mehr hören - es kommt sogar EXTREM drauf an, nicht aus dem "Rahmen" zu fallen, zumindest in Büroberufen wie meinem, mit Kunden- und Besucherkontakten!

Wie schon an anderer Stelle erörtert kann ich die Theorie, dass es sich bei Esssucht oder Adipositas um eine Erscheinungsform der Selbstzerstörung handelt, überhaupt nicht teilen. Ich komme mehr und mehr zur Überzeugung, dass es, zumindest bei mir, um einen Schutzmechanismus geht und nicht um eine Äußerung von Autoaggression. Aber das mag jeder für sich selber herausfinden und definieren.

Zu der Frage, inwieweit die Köperfülle einen Einfluss auf die Veragbe von Stellen hat, möchte ich nur sagen, dass ich, die ich nun wirklich nicht vor Selbstakzeptanz strotze (wie man an meinem Ur-Thread unschwer erkennen kann http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/smile.gif ), niemals, nicht ein einziges Mal in meiner Vergangenheit die Situation hatte, dass ich eine Stelle wegen meiner Figur nicht bekommen hätte.
Um es noch drastischer auszudrücken: Ich bin im Leben noch nicht auf diese Idee gekommen! Niemals hatte ich auf der beruflich-professionellen Ebene die Vorstellung, dass mein Gewicht eine Rolle spielt...solche demütigenden Ereignisse suchten mich immer nur im privaten und Freizeitbereich heim!

Das mag nun daran liegen, dass die Menschen im professionellen Bereich weniger auf solche "Unzulänglichkeiten" eingehen (aber auch hier hat man es mit Menschen zu tun, und ich weiß ja von Berichten anderer, dass auch hier solche Demütigungen auftauchen), es könnte aber auch daran liegen, dass es mir im professionellen Bereich eher gleichgültig ist, und ich damit alleine schon durch mein Auftreten gar nicht die Idee aufkommen lasse, man könne mir wegen meines Gewichtes an die Karre fahren.

Und dieser letzte Gedanke wäre dann wiederum ein ausgezeichnetes Plädoyer für die Selbstakzeptanz!
Wenn dem nämlich so wäre, dann bliebe für mich nur noch der Schritt übrig: das Selbstwertgefühl das ich auf der professionellen Ebene habe, auch auf den privaten Bereich auszudehnen....weiß der Henker, warum mir das so schwer fällt http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/wink.gif.
Und für die, die bei der Stellensuche Probleme haben, bliebe die Aufgabe, ihre Slelbstakzeptanz entsprechend aufzubauen, bzw. sich auch klar über die Motivation für ihre Bewerbung zu werden.

In diesem Sinne hat gerade der Beitrag der blauen Elise mich gedanklich weitergebracht, wenn auch vielleicht nicht in dem Sinne, der evtl. von ihr beabsichtigt war.

Danke für das Auslösen diesen Gedankens und liebe Grüße
Iko

Sophonisbe
30.10.2005, 17:46
Resigniert? Da ist mein erster Impuls doch gleich mal Empörung - und dann ein kurzes Innehalten - und dann Einsicht: Sie hat mal wieder Recht. *brumm*

Aber keine Sorge, "Ignorieren" kriege ich eh nicht hin. Ich finde bloß, ich sollte mich bei möglichen Antworten nicht so derart verausgaben wie etwa damals bei Herrn Pepe oder jüngst bei Solitude. Und derlei nicht mehr ganz so persönlich nehmen. Also eher Gelassenheit statt Ignoranz.

Aber das ist eine andere Baustelle. Fürwahr.

Gruß, Sopho

Koala
31.10.2005, 20:15
das Selbstwertgefühl das ich auf der professionellen Ebene habe, auch auf den privaten Bereich auszudehnen....weiß der Henker, warum mir das so schwer fällt http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/wink.gif.Iko
Liebe Iko,

Ganz genauso ist es bei mir. Da sprichst Du mir aus tiefster Seele. Wenn Du weist wie es funktioniert dann lass mich doch bitte daran Teilhaben.

Liebe Grüße vom
Koala

PS Dein Gedicht find ich wunderbar

Embrace
03.11.2005, 10:19
Ich habe in deinen Zeilen förmlich die Verzweifelung gespürt, in der du dich zur Zeit befindest!
Erstmal fühle dich umarmt und getröstet!

Selbstakzeptanz ist zu erlernen und ich glaube schon, daß du das schaffen wirst! Die Selbstakzeptanz erlernst du in kleinen Schritten. Ich möchte dir beschreiben, wie meine ersten Schritte aussahen. Vielleicht kannst du was damit anfangen, oder als Anregung nutzen, in abgewandelter Form, die für dich besser zutrifft.

Während meiner Hoch-zeit der Esssucht, als mir immer wieder suggeriert wurde, ich sei "Schuld" an meinem unförmigen Aussehen und ich könne durch Disziplin (und was auch immer für einen Quatsch) mein Über-Gewicht loswerden um attraktiver zu sein, begann ich das Gesagte aus einen anderen Blickwinkel zu betrachten.

Ich behauptete, ich sei die schönste Frau von Hildesheim (meine Kinder haben lange Zeit vor mir daran geglaubt!)!!! Nachdem ich mir das immer und immer wieder wie ein Mantra "vorgebetet" habe, wurde ich zwar nicht plötzlich zum Covergirl, nein, aber ich bekam ein neues Selbstverständnis!

Das hat sich auch auf meine Umwelt übertragen! Solange ich mich ausschließlich über mein Gewicht deffinierte, waren die Reaktionen meiner Umwelt auch dementsprechend negativ. Ich glaube das lag vor allem daran, weil ich mich ständig wegen des Gewichtes schämte und mit einem Dauerschuldgefühl herumlief.

Mein Thema Nummer eins war nicht mehr mein Gewicht, sondern die Behauptung, ich sei die schönste Frau...Meine Freundinnen haben in dieser Zeit mit mir das Lachen geübt! Endlich konnte ich aufhören, das Leben so schwer zu nehmen!
Plötzlich war Raum für andere Themen.

Der zweite Schritt war das Entfernen der Personenwaage aus meinem Haushalt! Natürlich am Anfang mit sehr schlechtem Gewissen, ich verlor ja jetzt jegliche Kontrolle!
Im Großen und Ganzen schwankt mein Gewicht heutzutage um ca.5 Kilo.(Vorausgesetzt ich bin mit mir im Einklang!) und damit kann ich gut leben!

Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, das sich mein Gewicht von selbst regulliert. Ich wiege soviel wie ich wiege, und damit BASTA, sag ich mir!
Ich habe nicht mehr den Anspruch eine Modelfigur zu erlangen!

Im nachhinein fand ich meinen Anspruch denn doch ziemlich albern, ich erwarte ja auch nicht von mir auf einmal 20 Zentimeter kleiner zu werden (ich messe 1,82m)!

Und schließlich hat mir DER Gelassenheitsspruch Sicherheit gegeben. Ich nehme an du kennst ihn, ich schreibe ihn aber für alle Fälle mal auf:

*Fremdzitat entfernt*

Ich wünsche dir alles, was du für dich brauchst, um dich besser zu fühlen!

Sei herzlichst umarmt,
Embrace