PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Grenzen setzen


Darcy
22.06.2005, 11:47
Zur Zeit habe ich ziemliche Schwierigkeiten, meinen Vater in seine Grenzen zu verweisen - hatte ich früher auch schon, was wiederum (unter anderem) mit zu meiner ES geführt hat.
Eine Zeit lang ging es gut - wenn ich es mir so recht überlege war das vor allem die Zeit, in der ich noch in meiner Beziehung lebte.

Nun bin ich ja seit knapp 3 Monaten wieder Single und habe mich in diesem meinem Singleleben auch ganz gut eingerichtet. Ich fühle mich wieder viel besser, ich treffe meine eigenen Entscheidungen, gehe wieder unter Leute (*winke* an den Chiemgaustammtisch ;) ) - kurz und gut, ich vermisse gar keine Beziehung und bin auch nicht auf der Suche nach einem Mann.

Nun kommt mein Vater ins Spiel:
Egal was das eigentliche Thema ist - er verbindet alles mit Partnersuche.
Als ich mir eine neue Arbeit suchen mußte, wollte er, dass ich unbedingt in eine Klinik gehe - nicht, weil mir das gefallen könnte, sondern weil ich da größere Chancen hätte, einen Mann kennenzulernen (ist zugegebenermaßen in der Psychiatrie nicht so möglich *g*).
Gehe ich aus, fragt er, ob Männer dabei wären - sage ich nein, meint er, dann bräuchte ich doch nicht auszugehen. Sage ich ja, kommt als nächste Frage, ob ich mich für den/die beteiligten Männer interessieren würde (interessieren im Sinne von "Partnerschaft vorstellen") - wenn ich verneine, meint er, ich würde damit nur meine Zeit verschwenden und solle lieber was unternehmen, wo ich einen Partner kennenlerne.

Ich habe ihn schon mehrfach darauf hingewiesen, dass es (zumindest momentan) NICHT in meinem Interesse liegt, eine neue Partnerschaft einzugehen und Männer "aufzureißen" - irgendwie scheint das nicht bei ihm anzukommen.
Wieso er nun plötzlich so darauf fixiert ist, mich "unter die Haube" zu bringen weiß ich nicht.

Habt Ihr vielleicht eine Idee, wie ich mich da abgrenzen kann und ihm klarmachen kann, dass es zum einen ausschließlich MEINE Sache ist und zum anderen ich gar kein Interesse habe?

Darcy

Rascha
22.06.2005, 11:58
Sage es ihm endlich einmal ganz klar und deutlich, daß es dein Leben ist, nicht seins, und daß du gerne auf ihn zurückkommen wirst, wenn du einen Ratschlag suchst.

Wenn du ihm das nicht so leicht "ins Gesicht" sagen kannst, dann schreibe deine Gedanken auf und schicke sie ihm als Brief.

Pandora
22.06.2005, 11:59
Huhu, Darcy! :wink1: Ich habe ihn schon mehrfach darauf hingewiesen, dass es (zumindest momentan) NICHT in meinem Interesse liegt, eine neue Partnerschaft einzugehen und Männer "aufzureißen" - irgendwie scheint das nicht bei ihm anzukommen.
Wie weist du ihn darauf hin? Und wie reagiert er darauf? Mit Ablehnung, ignoriert er deine Hinweise oder was sagt er?

Im Abgrenzen bin ich auch leider noch nicht so gut, aber vielleicht fällt mir noch das ein oder andere aus dem Selbstsicherheitstraining ein, deshalb die genauere Nachfrage.:cool3:

Dralle Deern
22.06.2005, 12:07
Habt Ihr vielleicht eine Idee, wie ich mich da abgrenzen kann und ihm klarmachen kann, dass es zum einen ausschließlich MEINE Sache ist und zum anderen ich gar kein Interesse habe? Vor kurzem habe ich an einen Brief an meinen Vater in etwa folgendes geschrieben: Als meine Mutter in dem Alter war, in dem ich jetzt bin, hatte sie bereits 4 Kinder. Sicher bist der Meinung, sie war damals reif genug, nicht nur ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, sondern auch noch die Verantwortung für ihre Kinder zu tragen. Denkst du nicht, dass ich dasselbe Recht auf meine eigenen Entscheidungen habe? Ich möchte dich bitten, in mir das zu sehen, was ich bin: eine Frau von xx Jahren, die zufälligerweise deine Tochter ist.

Ob eine ähnliche Aussage auf deine Situation angepasst, für dich hilfreich ist, weiß ich nicht. Jedenfalls hat es in meinem Fall geklappt.

Wieso er nun plötzlich so darauf fixiert ist, mich "unter die Haube" zu bringen weiß ich nicht. Vielleicht glaubt er, eine Frau könne nur mit einem Mann an ihrer Seite glücklich sein? ;)

Ryfka
22.06.2005, 12:09
Dein Vater ist ja auch aus einer anderen Generation, denen wurden noch ganz andere Werte vermittelt (oder auch nicht) und die haben ein anderes denken.

Leider bekommen viele Menschen den Wandel nicht mit und verharren in ihren Meinungen.

Toleriere seine Meinung und tue was DU für richtig hälst!
Und drei Monate "Single" is ja nix...ne (sehr schlanke) Freundin von mir krebst (eigene Angaben) schon seit 7 Jahren durch "die Singlewelt".

Ich kann mir aber auch vorstellen, dass er nur nicht möchte, dass seine Tochter unter die "Räder kommt"

Wenn Dich seine "Kommentare" stören, dann suche ein Gespräch mit ihm, wo Du ihm aber klar machst, dass dies das einzige Gespräch über dieses Thema mit ihm sein wird, dass Du seinen Standpunkt zwar verstehen kannst und auch akzeptierst, aber Du für Dich deine eigenen Wünsche und Ziele hast und sich aber auch in den letzten 20/30 Jahren einiges geändert hat, auch was die "Stellung der Frau in der Gesellschaft" angeht.
Frauen benötigen heute nicht unbedingt einen Mann um gut zu leben!
Und er weiss ja sicher auch, dass Du vor relativ kurzer Zeit erst eine Beziehung beendet hast und nun erstmal eine gewisse Zeit für Dich brauchst.
Wäre die Beziehung für Dich optimal gewesen, dann würde sie ja immer noch bestehen.

Sophonisbe
22.06.2005, 12:13
Wieso er nun plötzlich so darauf fixiert ist, mich "unter die Haube" zu bringen weiß ich nicht.

Das weiß ich natürlich auch nicht - aber es erinnert mich an den Vater einer Freundin meiner Mutter. Diese Freundin ließ sich nach fast 20 Jahren Ehe scheiden, und ihr Vater reagierte darauf, indem er sagte: "Na, dann bin ja jetzt wohl wieder *ich* für Dich verantwortlich." - Der Gedanke, der da recht offenkundig dahintersteckte, war, dass eine Frau, auch wenn sie die Grenze zur Volljährigkeit schon lange überschritten hat, nicht für sich selbst verantwortlich sein könne und dass sie immer einen Vormund männlichen Geschlechts brauche. Erst den Vater, dann den Ehemann.

Natürlich hat dieser Vater auch recht eifrig versucht, sich dieser seiner eingebildeten Verantwortung wieder zu entledigen, was so weit ging, dass er für seine Tochter Verabredungen traf. Diese konnte sich dem nur durch Kontaktabbruch entziehen.

Natürlich ist es auch möglich, dass Dein Vater Dich einfach gern glücklich sähe und dass es für ihn einfach nicht denk- und vorstellbar ist, dass man außerhalb einer Beziehung durchaus auch glücklich sein kann. Wie man ihm das klarmachen könnte? Darcy, leider: Ich weiß es nicht.

hestia
22.06.2005, 12:13
Kann ich mich Ryfka nur anschließen. Wollte auch sowas in der Richtung schreiben, war aber nicht schnell genug :flirt:

Weiß dein Vater das "Männer und Beziehungen" dein wunder Punkt sind? Und ich gehe einfach mal davon aus, dass das dein wunder Punkt ist, weil dich die Sticheleien deines Vaters ja treffen. Meistens treffen Worte von Menschen nur dann, wenn man selber an sich oder einer Entscheidung zweifelt. Und manchmal zielen andere Menschen unbewusst auf diese wunde Stelle. Ist nur so ein Gedanke von mir. Wenn ich völlig falsch liege, überlese mich einfach :rolleyes:

Darcy
22.06.2005, 12:33
Mh - erstmal danke für Eure zahlreichen Antworten.

Also ich denke schon, dass ich mich klar ausdrücke - kommt also so ein Spruch wie "Wenn da kein Mann dabei ist, mit dem "es" klappen könnte, dann brauchst Du doch da nicht mehr hingehen" - dann sage ich deutlich darauf: "Du, ich bin da gar nicht dran interessiert, einen Mann als Partner kennenzulernen, für mich war es einfach gut, mich mit netten Menschen zu treffen" - ist das irgendwie nicht zu verstehen?
Wenn er sagt, ich solle einen Mann kennenlernen und wieder eine Beziehung eingehen, sage ich deutlich: "Ich möchte momentan keine Beziehung und mir gefällt mein Leben so, wie es gerade ist" - ich meine, welchen Teil davon kann man nicht verstehen? :eek:

Und drei Monate "Single" is ja nix...ne (sehr schlanke) Freundin von mir krebst (eigene Angaben) schon seit 7 Jahren durch "die Singlewelt".

Ähm *räusper* - auch wenn's vielleicht arrogant klingt glaube ich nicht, dass ich deshalb immer noch Single bin, weil ich dick bin. Auch wenn ich sehr schlank oder sogar dürr wäre, wäre ich jetzt Single - einfach weil ICH keinen Partner WILL.

Und nee - Männer und Beziehungen sind nicht mein wunder Punkt.
Ich mag Männer - aber ich möchte im Moment keine Beziehung (was ja nicht ausschließt, dass ich mich mal mit Männern treffe), aber eine Beziehung wäre mir zur Zeit einfach zu anstrengend und ich hab keine Lust mich dadurch einzuschränken.

Dieser Gedanke, dass mein Vater (vielleicht auch unbewußt) Angst hat, nun wieder für mich verantwortlich sein zu müssen - da könnte was dran sein.
Sicher weiß er eigentlich, dass ich für mich selbst sorgen kann und gut klar komme, aber unterbewußt ist es ja sicher so, dass Kinder für ihre Eltern ein Leben lang Kinder bleiben - und ich denke, dass mein Vater als frischer Rentner nun grad anfängt sein eigenes Leben zu genießen frei von Arbeitsstreß und eben auch möglichst frei von Verantwortung.

Aber ich hab mir fest vorgenommen, beim nächsten "Sticheln" nochmal ganz deutlich klarzumachen, dass ich meine eigenen Entscheidungen treffe.

Darcy

MissSilver
22.06.2005, 12:45
Dazu möchte ich mich nun auch noch melden.

Zu meinem 30. Geburtstag hat mir mein Vater eine ganz schön teure Kontaktanzeige in einer Tageszeitung geschenkt (noch dazu von ihm formuliert, blond, blaue Augen *seufz*). Er dachte wohl, er müsse mich nun endgültig auf den "Markt" werfen. Gebracht hat es nichts, da ich erst geheiratet habe als ich schon 43 "jung" war, und mein Vater hat es nicht mal mehr erlebt.

Eltern sind halt so, ich habe ihm damals lieb gedankt (obwohl ich mich innerlich gewunden habe). Einge der Antworten waren (für mich) sogar eher erheiternd.

Vielleicht wird es besser, wenn Du versuchst, es von der humorvollen Seite zu sehen? Ich stelle immer wieder fest, die anderen ändern sich nicht, aber meine Blickweise.

toni
22.06.2005, 12:51
eigentlich sind solche Grenzüberschreitungen ja eine Spezialität von Frauen. Wenigstens kenne ich das so. Die erste Frage ist häufig " OK, Du bist nicht verheiratet, aber hast Du dann wenigsten einen Freund?"
Man ist einfach für die Umwelt nicht komplett, ohne Anhang und bist Du nicht auf der Suche, stimmt ganz bestimmt irgend etwas nicht mit Dir.
Meine Mutter und meine Schwester haben sogar schon Heiratsanzeigen für mich aufgegeben. Hinter meinem Rücken. Haben zu Familienfeiern irgendwelche Typen eingeladen, die eventuell für mich in Frage kommen könnten. Mein Schwager hat mir einen absolut ätzenden Arbeitskollegen auf den Hals gehetz, den ich dann nur mit Mühe los wurde.
Erst ein höllischer Familienkrach mit meiner Drohung, erst wieder an Familienzusammenkünften teilzunehmen, wenn ich einen passenden Anhang gefunden habe, hat diesem Spuk ein Ende gesetzt.
Jetzt bin ich offiziell wieder mit Anhang, allerdings kenn ich den schon aus Kindertagen und ist natürlich meiner Familie auch vertraut. Jetzt jammert meine Mutter, weil wir getrennt wohnen, ER die ganze Woche macht, was er will. ER mich ganz bestimmt nicht heiratet. ER schon immer Schwierigkeiten mit der Treue hatte.
Dass auch ich meine liebgewonne und hart erkämpfte Unabhängigkeit geniesse und nicht im Traum daran denke nochmals zu heiraten und dass das Thema Treue in unserem Alter echt kein Thema mehr ist, nein das will und kann Sie nicht begreifen.
Darcy, such Dir einen klasse Freundeskreis und mache was DU willst und sei Dir bewusst, dass Du kein Kind mehr bist.

so long
toni

Darcy
22.06.2005, 13:13
eigentlich sind solche Grenzüberschreitungen ja eine Spezialität von Frauen.
Na ja, meine Mutter überschreitet immer die Grenze betreffs Gewicht/Abnehmen blabla :genervt:
Meine Mutter und meine Schwester haben sogar schon Heiratsanzeigen für mich aufgegeben. Hinter meinem Rücken. Haben zu Familienfeiern irgendwelche Typen eingeladen, die eventuell für mich in Frage kommen könnten. Mein Schwager hat mir einen absolut ätzenden Arbeitskollegen auf den Hals gehetz, den ich dann nur mit Mühe los wurde.
Erst ein höllischer Familienkrach mit meiner Drohung, erst wieder an Familienzusammenkünften teilzunehmen, wenn ich einen passenden Anhang gefunden habe, hat diesem Spuk ein Ende gesetzt.
Boah - also ich glaub, wenn das so krass wäre, dann würd ich noch ganz anders zurückschießen.
Das Problem, weshalb ich so schlecht Grenzen setzen kann, ist ja auch, dass mein Vater es ja "gut meint" (ich weiß, gut meinen ist nicht gleich gut).
Ich möcht halt, dass er mich und meine Art zu leben, versteht und respektiert, und mich nicht weiter mit seinen Sticheleien nervt.
Darcy, such Dir einen klasse Freundeskreis und mache was DU willst und sei Dir bewusst, dass Du kein Kind mehr bist.
Bin ich ja grad dabei, mir 'nen Freundeskreis aufzubauen - aber das mit dem "kein Kind mehr sein" - ich geb's ja zu, manchmal wär ich gern auch mal einfach nur "klein", aber da ich weiß, welchen Preis das kosten würde, verzichte ich drauf.

Darcy

Sally
22.06.2005, 13:36
ich geb's ja zu, manchmal wär ich gern auch mal einfach nur "klein",

Ich glaube, dieses Gefühl hat jede/r mal ... schon allein deswegen, weil es ja bei so ziemlich jedem was gibt, was er zu Hause nicht bekommen hat und doch so gerne noch bekäme. Aber du hast es schon erkannt ... es ist gefährlich.

Solche Nachfragen kenne ich auch nur von meiner Mutter. Mein Vater hat meine Entscheidungen immer respektiert. Aber Mama hörte nie auf zu sticheln ... und wenn dann mal ein Mann in meiner Nähe auszumachen war, kam immer gleich der Hinweis "halt dir den!". Als wäre es ein Hund ...:genervt:

Ich habe immer wieder dagegengehalten und irgendwann war einfach Ruhe.
Und seit mein Kind auf der Welt ist, erst recht. Da hat sie fast sowas wie "Frauenpower-Solidarität" mit mir entwickelt. Manchmal denke ich, es ging ihr mehr um das Enkelkind als um den Mann. Könnte ich sogar verstehen.

Also, ich kann nur raten ... steter Tropfen höhlt den Stein. Immer wieder abgrenzen, klare Ansagen machen. Irgendwann muss er es akzeptieren.

Sophonisbe
22.06.2005, 14:01
Man ist einfach für die Umwelt nicht komplett, ohne Anhang und bist Du nicht auf der Suche, stimmt ganz bestimmt irgend etwas nicht mit Dir.

Wenn Du Single bist, musst Du Dich dabei wenigstens schrecklich fühlen und auf der Suche sein... Genauso, wie Du Dich wenigstens schrecklich fühlen und Diät halten musst, wenn Du dick bist. Suchende Singles und diätierende Dicke haben zumindest noch die Chance auf herablassendes Mitleid und gönnerhafte Duldung. Aber wehe Dir, Du lässt erkennen, dass Du Dich dick oder allein oder gar noch dick *und* allein glücklich fühlst und nichts an Deinem Leben ändern möchtest. ...

Warum ist das so?

Gruß, Sopho

Steffi
22.06.2005, 14:06
Liebe Sopho,

mir schwant da dunkel das wir da schon seit längerem auf der Suche nach einer Antwort sind oder???

Mir ist aber immer noch keine Erleuchtung gekommen. :nixweiss:

Gruß
Steffi

Sally
22.06.2005, 14:15
Ach Sopho ...

... da hast du ja den Finger mittenrein gelegt.

Aber weißt du was? Es ist immer so, wenn Menschen nicht mit dem konform gehen, was "man" tut.

Wenn ich sage, ich bin dick, allein und glücklich, ernte ich bestenfalls Mitleid (na ja, sie versucht sich halt schönzureden, dass sie keinen abgekriegt hat).

Wenn meine Freundin (seit sieben Jahren geschieden - schlank, und sehr attraktiv, eine "Traumfrau") sagt, sie sei allein und glücklich, erntet sie schiefe Blicke, die Bände sprechen. Sie sagt immer, "die müssen denken, muss die Alte ein Rad abheben, dass die doch keiner haben will".

Wenn du sagst, du bist kinderlos und glücklich, kriegst du gesagt, das könne nicht sein.

Wenn du mit 45 immer noch kein Eigenheim hast und sagst, dass du das auch gar nicht willst, wirst du bedauert, weil du ja so arm bist und den Miethaien ausgeliefert.

Was sagt uns das?

Ich persönlich denke, viele Menschen sind hin und wieder unsicher in ihren Entscheidungen. Es mag sogar viele geben, die getan haben, was "man" so tut, weil "man" es eben tut. Und müssen es dann immer wieder rechtfertigen. Auch vor sich selbst.

Der einzige Trost - das ist die Erfahrung, die ich persönlich gemacht habe - ist die Tatsache, dass man mit dem eigenen Älterwerden solchen Dingen gegenüber souveräner wird. Dass man seinen Platz im Leben findet, sich selbst kennt und seine eigenen Lebensvorstellungen immer besser nach außen transportieren und notfalls auch verteidigen kann.

toni
22.06.2005, 14:48
Aber wehe Dir, Du lässt erkennen, dass Du Dich dick oder allein oder gar noch dick *und* allein glücklich fühlst und nichts an Deinem Leben ändern möchtest. ...

Warum ist das so?


Ich habe eine 16jährige Ehe hinter mir und einige Beziehungskisten die dann auch längerfristig waren. Ich kenne also, die Höhenflüge am Anfang und auch das oftmals bittere Ende. Ich kenne aber auch die Versuche eine Partnerschaft glücklich zu gestalten. 'D.h. das Anpassen an den Partner. Die eigenen Bedürfnisse hintenan zu stellen. Dieses ständige Selbstbelügen, das man ja damit zufrieden ist. Das ist ein Thema, damit wurden schon Bücher gefüllt.
Dann kenn ich auch den Versuch alles hinter mir zu lassen und mit mir selbst zu leben. Nach dem Elternhaus in eine Ehe und dann sofort anschliessende andere Partnerschaften. Dann das Abenteuer mit mir selbst zu leben, mein Leben so zu gestalten wie ich es will. Es ist nicht so einfach wie es hier geschrieben wird. Oh nein, viele viele Rückfälle und Sehnsucht nach den altgewohnten sind zu bewältigen. Bis ich mich selbst kennengelernt und auch mit mir allein gerne gelebt habe, war ein langer Prozess. Jetzt kann ich mir nichts anderes mehr vorstellen und bin nur traurig, dass ich das nicht viel früher kapiert habe.
Ich denke wir sprengen alle gesellschafliche Konventionen indem wir uns für die Akzeptanz unseres Dickseins und dem freiwillig gewählten Alleinleben entschieden haben. Wir sind FREI und somit suspekt.
Wenn ich eine schwarze Stunde habe, denke ich " ich seid doch alle neidisch".

lieben Gruß
toni

Mario.P
22.06.2005, 15:40
Hallo!

Wenn ich eine schwarze Stunde habe, denke ich " ich seid doch alle neidisch".

Auf was?

Mario:gurke:

hestia
22.06.2005, 15:53
Auf die Freiheit so zu leben wie man es für persönlich für richtig hält und nicht so zu leben, wie die Gesellschaft es von einem erwartet. Einfach mehr Freiheit zu haben, weil man sich den gesellschaftlichen Dogmen entzieht und sein eigener Herr oder eigene Frau über sein Leben ist.

Darauf sind jede Menge Leute neidisch.

Mario.P
22.06.2005, 16:10
Erfordert Gesellschaft in der Regel nicht zumindest einen minimalistischen Grundkonsens damit sie "funktionieren" kann?

Mario

MissSilver
22.06.2005, 16:21
Erfordert Gesellschaft in der Regel nicht zumindest einen minimalistischen Grundkonsens damit sie "funktionieren" kann?

Mario

Und wer bestimmt diese Regeln? Welche davon treffen für Dich zu?

toni
22.06.2005, 16:24
Erfordert Gesellschaft in der Regel nicht zumindest einen minimalistischen Grundkonsens damit sie "funktionieren" kann?

Mario
Aber ja doch. Dem wird ja auch nachgekommen. Die Mehrheit lebt ja in einer Partnerschaft und gibt sich zumindest nach aussen hin zufrieden. Wieviele es dann wirklich sind, ist wohl sehr schwer festzustellen. Denn eine Erfahrung habe ich gemacht: Es wird nirgends soviel gelogen wie auf diesem Gebiet.
Wo es Regeln gibt, gibt es auch Ausnahmen und die hat die Gesellschaft gefälligst zu akzeptieren.

toni

Darcy
22.06.2005, 16:47
Ich frag mich ja grad, ob der "minimalistische Grundkonsenz der Gesellschaft" schon dadurch zerstört wird, dass ich als dicke Frau Single bleiben will.

Wenn die Gesellschaft auf dermaßen schwachen Beinen steht - na dann gute Nacht :eek:

Meine bewußte Entscheidung für ein "Sololeben" heißt doch nicht automatisch, dass ich ansonsten meinen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben verweigere.
Ich gehe (Vollzeit in einem sozialen Beruf) arbeiten, ich ziehe meinen Sohn (alleine und ohne finanzielle Unterstützung) groß, ich leiste ehrenamtliche Arbeit im Tierschutz, ich habe hohe moralische Grundsätze - wieviel darf's denn noch sein?
Im Gegenzug nehme ich mir aber auch das Recht heraus, "die Gesellschaft" nicht zu fragen, ob ich allein oder in einer Beziehung lebe.
Dann stellt sich ja auch noch die Frage, wer eigentlich "die Gesellschaft" überhaupt ist?
Ist "die Gesellschaft" die frustrierte Hausfrau, die sich von ihrem Ehegatten das Leben finanzieren läßt und nebenbei mit ihrem Lover verkehrt, weil sie ihren Mann körperlich verabscheut, aber auf die Kohle nicht verzichten will?
Ist "die Gesellschaft" der Macker, der jeden Tag ein anderes "Hühnchen" aus der Disco abschleppt und dann fallen läßt?

Sorry, aber ICH bin AUCH "die Gesellschaft" - also kann ich auch entscheiden, was ich mit meinem Leben anfange. Immerhin füge ich ja niemandem Schaden zu, oder? Ich rege höchstens vielleicht den einen oder die andere zum Nachdenken an, ob es wirklich so erstrebenswert ist, in einer unglücklichen Beziehung auszuharren - aber das ist nicht mein Problem :cool:

Darcy

PS: Was mir beim Nachdenken so aufgefallen ist - ich war ja schonmal nach meiner gescheiterten Ehe Single (2 Jahre lang), aber da kam von meinem Vater nix in Richtung Männersuche ...

Sally
22.06.2005, 18:05
Erfordert Gesellschaft in der Regel nicht zumindest einen minimalistischen Grundkonsens damit sie "funktionieren" kann?

Selbstverständlich. Aber die Frage hat für mich nichts mit dem hier diskutierten Thema zu tun.

Der Grundkonsens besteht in den Regeln und Gesetzen, die wir uns gegeben haben. Und Verstöße dagegen werden aus gutem Grund geahndet.

In welcher Form ich jedoch mein eigenes Leben gestalte, muss mir selbst überlassen bleiben. Das individuelle "Streben nach Glück" ist nicht umsonst beispielsweise in der amerikanischen Verfassung festgeschrieben. Welchen Beruf ich ausübe, wie ich wohne, ob ich einen Partner habe oder nicht, Kinder habe oder nicht, muss ich frei entscheiden können. Mit allen Konsequenzen, versteht sich - so oder so.

Sophonisbe
22.06.2005, 18:13
Erfordert Gesellschaft in der Regel nicht zumindest einen minimalistischen Grundkonsens damit sie "funktionieren" kann?

Durchaus. Ein solcher Grundkonsens muss allerdings inhaltlich definiert werden und kann sich bisweilen auch durchaus ändern. "Die bestehenden Gesetze sind einzuhalten" gehört auch für mich eher zu diesem unabdingbaren Grundkonsens wie "Es sind feste Beziehungen anzustreben".

Gruß, Sopho (die findet, dass die Sokratische Methode schon mit mehr Erfolg angewandt wurde ;) )

Johnny B. Goode
22.06.2005, 18:50
Für mich ist...Erfordert Gesellschaft in der Regel nicht zumindest einen minimalistischen Grundkonsens damit sie "funktionieren" kann?
...ein klarer Fall für die Frage: Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Wenn man in einer Beziehung lebt, so ist man mit dieser Lebensform natürlich ebenso Teil der Gesellschaft, wie jeder andere auch. Allerdings sind die sozialen Strukturen der Gesellschaft in ihrer Gänze nur bedingt vergleichbar mit den hauptsächlich emotionalen Strukturen in einer Partnerschaft. Insofern ist diese Frage tatsächlich am Thema vorbei gestellt.


Gruß :)

R.v.G.

Sophonisbe
22.06.2005, 19:19
*flüstert mal zu Roland* Ich schätze, dass Mario meint, dass es gar nicht angehen kann, wenn jemand sich die Freiheit nimmt, so zu leben wie man es für persönlich für richtig hält und nicht so zu leben, wie die Gesellschaft es von einem erwartet. oder sich gar den gesellschaftlichen Dogmen entzieht und sein eigener Herr/ seine eigene Herrin über sein Leben ist. Weil ja dann die Gesellschaft ihres Grundkonsenses verlustig geht und nicht mehr funktioniert.

Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es erstens die Gesellschaft keineswegs gefährdet, wenn dicke Single-Frauen glücklich sind, und dass zweitens auch die Querdenker und Aussteiger und Nonkonformisten eine gesellschaftliche Aufgabe und Funktion haben. Nämlich die, die Gesellschaft zum Hinterfragen ihrer eigenen Regeln zu zwingen und sie so voran zu bringen. (Von der unangenehmen Variante des Nonkonformismus aus Prinzip, gern noch mit der Attitüde, das Querdenken für sich gepachtet zu haben, sehe ich jetzt mal ab.)

Gruß, Nonkonformismus-Sopho

Puhbärchen
23.06.2005, 07:38
Hallo Darcy!

von Darcy: Was mir beim Nachdenken so aufgefallen ist - ich war ja schonmal nach meiner gescheiterten Ehe Single (2 Jahre lang), aber da kam von meinem Vater nix in Richtung Männersuche ...

Vielleicht hat er dir da eine "Beziehungspause" gegönnt, weil du verheiratet warst?! ;)

Ich glaube das ist einfach ein Problem der "älteren Generation". Früher musste man heiraten, musste ein Häusle bauen und dann musste auch schon das erste Kind kommen. Am besten noch in dieser Reihenfolge.
Das wurde einfach so vorausgesetzt.

Dieses Denken bekommt man einfach nicht aus den Köpfen der Leute. Wobei ich es bei der "älteren Generation" noch einigermaßen verstehen kann, aber den "Jüngeren" dürfte doch wohl nicht entgangen sein, das man heute auch anders leben kann (Frau als Single oder sogar alleinerziehend!). Und da wundere ich mich oft, das auch da immer gefragt wird, ob man denn nun endlich wieder jemanden hat?!

Als ich vor meiner jetzigen Beziehung eine etwa 4 jährige Beziehungspause eingelegt habe (man stelle sich vor, ganz freiwillig :-D, hätte genug Gelegenheiten gehabt ) wurde ich zum Glück von meinen Eltern verschont mit solchen Fragen. Lediglich meine Oma hat mich jedes Mal gefragt, ob ich denn nicht wieder nen Freund hätte. Und komischerweise meine beiden Brüder? :confused:

Ich denke, das hat aber auch was mit Toleranz zu tun. Manche Menschen können halt so nicht leben und dann denken sie, nur weil sie es nicht können, dann kann das natürlich x, y, und z auch nicht!

Liebe Grüße, Tina :)

P.S. Liebe Darcy, genieße dein Singleleben und das du wieder frei Entscheidungen treffen kannst, ohne auf einen Partner Rücksicht nehmen zu müssen. Baue dir in Ruhe einen Freundeskreis auf, den Anfang hast du ja schon gemacht mit dem Stammtisch ;) und ich glaube dein Sohn findet es auch ganz klasse, mal was mit dir allein zu unternehmen und dich nicht teilen zu müssen. Und wann du wieder bereit bist für eine Beziehung, das musst du ganz allein entscheiden und irgendwann wird es auch dein Paps verstehen.

Angua
23.06.2005, 09:15
Auf die Freiheit so zu leben wie man es für persönlich für richtig hält und nicht so zu leben, wie die Gesellschaft es von einem erwartet. Einfach mehr Freiheit zu haben, weil man sich den gesellschaftlichen Dogmen entzieht und sein eigener Herr oder eigene Frau über sein Leben ist.

Der Neid bezieht sich dann aber nicht auf das Singledasein, sondern auf Eure vermeindliche Freiheit, von der Ihr auch nicht mehr oder weniger habt als alle anderen Menschen auch.
Denn es gibt genau so viele Paare, die sich ihre Beziehung schön reden wie Singles, die sich ihr Alleinsein schön reden.

Beides kann der Idealzustand sein, aber keines von beiden ist das alleinseligmachende Allheilmittel für jeden.

Ich freue mich sehr für die, die hier glücklich allein leben. Ich freue mich für die, die glücklich in einer Beziehung leben und einige mich mit mir selbst darauf;), daß es egal ist, wie der Umbau ist, wenn man zufreiden und möglicherweise glücklich lebt?

Letztlich ist doch nur wieder eine Frage des Akzeptanz. Ich habe keine Problem mit Singles und keine mit Menschen in einer Beziehung, warum sollte ich auch?
Nur, und da stimme ich zu, den umgekehrten Fall finde ich bisweilen sehr anstrengend, nämlich Leute, die in Beziehung leben und hartnäckig daran festhalten und deshalb singles quasi beleidigend abwerten oder Leute, die knallunglücklich sind als Single und deshalb versuchen, meine Beziehung oder Beziehungen grundsätzlich abzuwerten und schlechtzureden. (Denen pflege ich dann zu sagen, daß sie offensichtlich noch keine gute Beziehung hatten, sonst wären sie nicht Single!;)

Liebe Grüße
Angua, die ein unglücklicher Single wäre

Darcy
23.06.2005, 09:31
Moin zusammen :)

Natürlich gibt es auch glückliche Beziehungen und Menschen, die in solchen leben. Und das finde ich immer sehr schön. Hab z.B. einen Arbeitskollegen, der mit seiner Frau und (demnächst, wir warten jeden Tag auf das neue Baby) sechs Kindern glücklich zusammenlebt. Und so manches Mal hab ich mich bei dem Gedanken ertappt, dass ich am liebsten in dieser Familie leben würde.

ABER: Ich habe auch inzwischen rausgefunden, dass das für MICH nicht gutgehen würde. Womit es auch immer zusammenhängt - ich kann schlecht Grenzen setzen, auch und gerade in Beziehungen und noch viel weniger wenn ich jemanden liebe. Dann gebe ich alles und noch mehr - und verliere mich dabei selbst. Solange es in der Beziehung passt und ich auch Liebe zurückbekomme, mag das ja in Ordnung sein, sich so sehr einzubringen (wobei ich auch daran inzwischen zweifle), aber spätestens in dem Moment, wo diese völlige Hingabe vom Partner ausgenutzt wird, hab ich ein Problem.

Der andere Punkt ist, dass ich sehr gut allein leben kann und mich mit mir wohlfühle. Einsamkeitsgefühle kommen nur sehr selten auf, zugegebenermaßen bin ich gern mit mir allein (liegt vielleicht auch daran, dass ich im Beruf ständig mit Menschen zu tun habe und mich auf deren Probleme und Bedürfnisse konzentrieren muß).

Für MICH ist es, denke ich, die bessere Lebensform, Single zu bleiben - was nicht bedeutet, dass ich ins Kloster gehen würde.
Wenn Partnerschaft, dann würde ich es inzwischen als optimal empfinden, dass jeder seine eigene Wohnung behält und man sich mal hier, mal da trifft.

Darcy - die Freiheitsliebende :cool2:

Sophonisbe
23.06.2005, 09:54
Der Neid bezieht sich dann aber nicht auf das Singledasein, sondern auf Eure vermeindliche Freiheit, von der Ihr auch nicht mehr oder weniger habt als alle anderen Menschen auch.
Denn es gibt genau so viele Paare, die sich ihre Beziehung schön reden wie Singles, die sich ihr Alleinsein schön reden.

Da hast Du zweifelsohne Recht, liebe Angua. Ich denke jedoch nicht, dass die "Freiheit", die man als Single genießt, beneidet wird, sondern dass das von Hestia etwas allgemeiner gesprochen war. Dass also derjenige beneidet wird, der von gesellschaftlichen Konventionen unabhängig sein Leben führt. Und das muss sich gar nicht unbedingt auch "Partner oder nicht Partner" beziehen. Vielleicht kennt auch der "Bürohengst" Neidgefühle auf die bohemienhafte Künstlerexistenz. Zum Beispiel.

Aber ich habe da mal noch eine andere Frage: Warum sind wir eigentlich alle so selbstverständlich davon ausgegangen, dass feste Partnerschaft bzw. Familie das "Konventionelle" sind? Denn wenn ich mich nicht täusche, dann leben immer weniger Menschen in festen, lebenslang haltenden Partnerschaften. Es scheint sich da einiges geändert zu haben. Nur die Konvention nicht. Warum?

Sally
23.06.2005, 09:55
Mensch, Darcy.

Was du alles über mich weißt ...:boah:

Ich staune, wie überaus treffend du meine Befindlichkeit beschrieben hast und wie ich mich selbst in Beziehungen und im Leben einordne.

Schön zu wissen, dass da draußen noch jemand ist, der genauso tickt.

Sally
(die auch gern alleine lebt, es aber nicht für die für alle ultimative Lebensform hält ... um Himmelswillen ;) )

Sally
23.06.2005, 09:59
Ich denke jedoch nicht, dass die "Freiheit", die man als Single genießt, beneidet wird

Doch, das denke ich schon. Wie oft habe ich (früher, als ich noch ganz und gar Single war, sprich ohne Kind) von Familienmüttern gehört, wie sehr sie mich darum beneiden, dass niemand an mir zerrt, dass ich meine Zeit frei einteilen kann, schlafen kann, wann ich will, krank sein kann, wenn ich krank bin usw.

Ich denke, das spielt schon eine große Rolle.

Chiyele
23.06.2005, 10:10
Ich denke,daß eine Partnerschaft u.a.nur glücklich sein kann, wenn jeder einen sehr großen Freiraum hat und viel allein oder mit Freunden unternimmt.

Ich kenne viele Paare,die trifft man nur noch gemeinsam an.Da kann man mit einem der beiden kaum ein Gespräch führen, ohne daß der andere mithört oder zumindest alles erzählt bekommt.:fluester: Alles wird gemeinsam gemacht , abends gemeinsam auf der Couch gesessen, nachts im gleichen Bett geschlafen....

Ich brauche viel Alleingang in meiner Partnerschaft.Wir leben zusammen, unternehmen jedoch nur einmal in der Woche was mit den Kindern zusammen, ansonsten hat jeder seinen Freundeskreis und seine Interessen.In den Urlaub fahre ich zur Hälfte mit einer Freundin und zur Hälfte mit meinem Mann.So bleibt die Neugier aufeinander erhalten und der andere als Partner interessant. Und ich genieße die wenigen gemeinsamen Stunden.:flirt:
Ich glaube übrigends auch, wie Toni,daß in Sachen Partnerschaft viel "vorgespielt"wird an Harmonie und Verliebtheit, was in Wirklichkeit in den eigenen 4 Wänden ganz anders ist.

Zum Thema Grenzen setzen: Meiner Meinung nach ist es sehr schwierig ,den richtigen Partner zu finden.Wenn es jemand ist,der durch seinen Charakter die Weiterentwicklung des anderen blockiert, ist ungeheurer Energieaufwand nötig, dieses Problem-wie auch immer- zu lösen.
Und niemand, auch nicht die Familie hat ein Recht ,sich in diese Entscheidung einzumischen.

Chiyele

Angua
23.06.2005, 11:22
Ich denke,daß eine Partnerschaft u.a.nur glücklich sein kann, wenn jeder einen sehr großen Freiraum hat und viel allein oder mit Freunden unternimmt.
[ ... ]
Ich brauche viel Alleingang in meiner Partnerschaft.


Hallo,

sorry, Darcy, daß das hier so grundsätzlich wird, sag, wenn es Dich stört!

Chiyele, bitte erkenne an, daß DEINE Partnerschaft nur glücklich sein kann, wenn die obigen Punkte erfüllt sind.
Ich lebe seit 11 Jahren in einer Partnerschaft, die von großer Nähe und dem ständigen Austausch der Eindrücke usw. gekennzeichnet ist.
Mein Partner erfüllt zugleich die Funktion des mit Abstand besten Freundes, den ich mir vorstellen kann und umgekehrt ist es genauso. Ein Tag, an dem wir nicht wenigstens eine Stunde zusammen reden über alles (nicht nur wichtiges;) ) ist einfach ein verlorener Tag. Für uns beide ist die Zeit des Tages, die wir zusammen sind, die mit Abstand "wertvollste" Zeit. Auch unsere Kinder sind "zweitrangig" hinter dem Partner, denn wenn wir uns nicht vernünftig austauschen können, können wir unsere Zeit nicht vernünftig mit den Kindern verbringen.
Wir beide kennen jeweils keinen anderen Menschen, der die Dinge grundlegend so ähnlich beurteilt, und dessen Meinung uns so viel bedeutet. Dabei sind wir beide ganz unterschiedlich, eigentlich völlig unterschiedlich.

Aber ich sehe auch die seit 13 Jahren gut funktionierende "Nebenbei"-Ehe meiner Freundin, die eben so lebt wie Du mit Deinem Partner. Sie würde durchdrehen, wenn sie unsere Nähe ertragen müßte, und ich würde durchdrehen, wenn ich so wenig gemeinsames mit meinem Partner machen würde/kommunizieren würde.

Also bin ich für Akzeptanz jeder Lebensform, so denn alle damit zufrieden sind, und hoffe, daß andere genau so denken und fühlen.
Liebe Grüße
Angua

Darcy
23.06.2005, 11:33
sorry, Darcy, daß das hier so grundsätzlich wird, sag, wenn es Dich stört!

Nein, bitte - es stört mich absolut gar nicht.
Ich finde es sehr interessant, wie sich diese Diskussion entwickelt hat und habe auch für mich selbst durch diese Diskussion und die unterschiedlichen Sichtweisen viel Neues herausgefunden. Also bitte unbedingt weitermachen :daumen:

Liebe Grüße, Darcy

Sally
23.06.2005, 11:41
Also, ich könnte in einer Partnerschaft (wenn überhaupt) wohl auch nur so leben wie Chiyele, um mich nicht völlig zu verlieren. Aber ich kenne auch Paare wie Angua und ihren Mann - und finde auch das völlig ok (auch wenn es für Außenstehende nicht immer so ganz einfach sein mag, mit dem ständigen Auftritt im Doppel umzugehen, vor allem, wenn man nur mit einem der beiden befreundet ist).

Wie Angua schon ganz richtig schreibt - die gegenseitigen verschiedenen Lebensformen anzunehmen und sein zu lassen ... das sollte das Ziel sein. :holy:

Sophonisbe
23.06.2005, 13:08
Also bin ich für Akzeptanz jeder Lebensform, so denn alle damit zufrieden sind, und hoffe, daß andere genau so denken und fühlen.

Oh weh, ich hoffe, darüber müssen wir nicht ernsthaft diskutieren...

Was den Neid angeht: Ich denke es ist völlig normal, sich zuzeiten genau dasjenige zu wünschen, was man nicht hat. Die Familienfrau die Freiheit, mal ganz unbehelligt und spontan zu tun, worauf sie Lust hat, die Singlefrau die Geborgenheit und Sicherheit einer Partnerschaft.

Ich glaube aber auch, dass diese Wünsche idealisiert sind. Das Singleleben ist kein spannendes Abenteuer, welches jeden Tag tausende neuer Möglichkeiten bietet. Und das Familienleben ist nichts, wo man vor allen Erschütterungen des Lebens bewahrt und gesichert ist.

Deswegen auch meine Zweifel an der "Freiheit des Singledaseins". :)

toni
23.06.2005, 13:26
Mein Partner erfüllt zugleich die Funktion des mit Abstand besten Freundes, den ich mir vorstellen kann und umgekehrt ist es genauso. Ein Tag, an dem wir nicht wenigstens eine Stunde zusammen reden über alles (nicht nur wichtiges;) ) ist einfach ein verlorener Tag. Für uns beide ist die Zeit des Tages, die wir zusammen sind, die mit Abstand "wertvollste" Zeit. Auch unsere Kinder sind "zweitrangig" hinter dem Partner, denn wenn wir uns nicht vernünftig austauschen können, können wir unsere Zeit nicht vernünftig mit den Kindern verbringen.
Wir beide kennen jeweils keinen anderen Menschen, der die Dinge grundlegend so ähnlich beurteilt, und dessen Meinung uns so viel bedeutet. Dabei sind wir beide ganz unterschiedlich, eigentlich völlig unterschiedlich.


Angua und 'Chiyele, Ihr wisst aber schon, dass Ihr damit auf einer Insel der Glückseligen lebt!
Denn meine persönliche Erfahrung und meine Beobachtungen im Bekanntenkreis ist eben doch nicht so ideal.
Bei Gesprächen mit Freundinnen und Bekannten irritiert mich häufig, dass jede Aussage, jede Meinung mit dem Zusatz "Mein Mann, Schatzi o.ä. meint auch, das dieses oder jenes so oder so ist" oder gleich der Spruch " Nein, nein so ist das nicht, denn mein Mann meint...."
Ich habe einmal eine Kollegin darauf angesprochen, bei der es mir besonders auffiel und mit der ich mich sehr gut verstehe. Sie meinte darauf, dass Sie eben mit ihrem Mann eine verschmolzene Einheit bildet. Muss man wirklich seine Persönlichkeit so weit aufgeben, damit eine Partnerschaft funktioniert? Das sind eigentlich Kleinigkeiten, wie das Flunkern, um sich ein bisschen Freiraum zu verschaffen. Oder die Bitte "hör mal, das muss mein Mann jetzt nicht unbedingt wissen, weisst Du, er mag das nicht besonders gerne".und, und,und...Alles Bagatellen , aber eben wie Sache mit der berühmten Zahnpastatube, - ich will das alles nicht mehr.
Allerdings: Gerade jetzt bei diesen schönen Sommernächten, die zärtliche Berührung, bei der Grippe die Hühnersuppe am Bett... Aaach Mist:ueberleg:

ach ja
toni

Pandora
23.06.2005, 13:35
:offtopic: Sehr netter Avatar, Toni. :grins:

Chiyele
23.06.2005, 14:01
@Angua

Ich habe mein Statement begonnen mit "Ich denke" und somit ist doch eigentlich klar,daß es hier um meine subjektive Einstellung zur Partnerschaft ist.Es ist auch keine "Nebenbei-Ehe", das hat für mich einen abwertenden Beigeschmack, sondern meine Ehe mit dem Mann ,den ich liebe und mit dem ich hervorragend kommuniziere (schließt mein Lebensstil das etwa aus???)

Aber ich erwarte nicht,daß er sämtliche Bedürfnisse von mir (nach Freundschaft, Bemutterung, Unterhaltung) erfüllt, sondern einfach mein Mann ist.

Es gibt nichts,das ich ihm nicht erzählen würde, aber die Frage ist, ob er alles so gut versteht und ob nicht bisweilen der Rat einer lieben Freundin hilfreicher ist.
Gegenseitiges Vertrauen und Treue ist auch für uns eine Grundbedingung.

Ich finde auch schön,wenn Menschen so verschmelzen können, aber ich würde mich selbst verlieren.

Liebe Grüße
Chiyele

toni
23.06.2005, 14:08
:offtopic: Sehr netter Avatar, Toni. :grins:
Gell, so ein Avatar soll ja die Persönlichkeit unterstreichen:rolleyes: und wurde ich doch irgendwann mal forenmässig liebenvoll mit einer Bulldogge verglichen (keine Ahnung wer das wohl war) ;) Aber eine Bulldogge wollte ich Euch dann doch nicht zumuten.
lieber wäre mir zwar sowas wie Deiner oder z. B. Sophos jungfräuliche Rose.....
na ja, ausserdem bin ich mit so einem Herzensbrecher aufgewachsen und hatte auch später so einen unvergesslichen Wegbegleiter.

toni:)

Darcy
23.06.2005, 14:21
bei der Grippe die Hühnersuppe am Bett Tja - schön wär's, aber aus eigener (zugegebenermaßen mit zwei Beziehungen nicht wirklich repräsentativer) Erfahrung weiß ich, dass eine Beziehung kein Garant dafür ist, dass frau dann auch wirklich die Hühnersuppe bekommt.
Ich zumindest habe bisher die Erfahrung machen müssen, dass Männer mit Krankheit im allgemeinen und Krankheit der Partnerin im Besonderen nicht umgehen können und am liebsten damit gar nichts zu tun haben wollen.
Im Gegensatz dazu sind sie aber bei eigener Krankheit sehr froh, eine ausgebildete Krankenschwester zur freien Verfügung zu haben.

Der Vorteil am Singledasein ist in diesem Fall dann der, dass man von vornherein weiß, dass man im Krankheitsfalle allein dasteht und nicht in einer Situation, wo's einem eh schon besch*ssen geht, damit konfrontiert wird, dass der Partner eine "Krankheitsphobie" hat.

Maxima
23.06.2005, 14:56
und nicht in einer Situation, wo's einem eh schon besch*ssen geht, damit konfrontiert wird, dass der Partner eine "Krankheitsphobie" hat.

Das muß nicht immer so sein! Mein jetziger Mann beduddelt mich da soo liebevoll!

Allerdings verlangt er dann auch "hingebungsvolle" Pflege, wenn er mal schwer erkrankt ist - zum Beispiel Grippe.... :grins:

Die hätten Dir bei Deiner Berufsausbildung aber auch wirklich beibringen sollen, dass die selben Erkrankungen bei den Männern immer viiiiiiel schwerer ausfallen. ;)

LG Ina-Maike

Rubensweib
23.06.2005, 20:15
Der andere Punkt ist, dass ich sehr gut allein leben kann und mich mit mir wohlfühle. Einsamkeitsgefühle kommen nur sehr selten auf, zugegebenermaßen bin ich gern mit mir allein (liegt vielleicht auch daran, dass ich im Beruf ständig mit Menschen zu tun habe und mich auf deren Probleme und Bedürfnisse konzentrieren muß).

Für MICH ist es, denke ich, die bessere Lebensform, Single zu bleiben - was nicht bedeutet, dass ich ins Kloster gehen würde.
Wenn Partnerschaft, dann würde ich es inzwischen als optimal empfinden, dass jeder seine eigene Wohnung behält und man sich mal hier, mal da trifft.

Darcy - die Freiheitsliebende :cool2:

So gehts mir auch. Ich glaube ich bin zulange Single, als das ich mich in meinem hohen Alter :holy: noch an einen anderen Menschen rund um die Uhr um mich rum gewöhnen könnte.
Mit Sicherheit ist da auch ein gutes Stück Egoismus dabei, aber so ist das halt.

Aber - da ich ja auch ziemlich flexibel bin, laß ich mich im eventuellen Falle eines Falles auch gerne vom Gegenteil überzeugen. :flirt: