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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Diaetlos Gluecklich (von Nicolai Worm)


Muminfrau
16.07.2010, 16:17
Ich habe hier bisher keine Rezension zudiesem Buch gefunden, was mich ein bisschen gewundert hat, bei so einem "griffigen" Titel. Aber vielleicht habe ich eine uebersehen?

Nicolai Worm ist hier mehrmals erwaehnt worden als Ernaehrungswissenschaftler und Autor der Logi-Methode, die eine Art Diaet ist (Verzicht auf Kohlhydrate), auch wenn er stets Anderes behauptet. Deswegen habe ich bewusst nach einem Logi-freien Buch von ihm gesucht, und habe dieses auch gefunden.

Das Buch hat mir viele wichtige Informationen zum Nachdenken geliefert, hat aber auch einen unangenehmen Nachgeschmack hinterlassen.

Positives und Interessantes:

- Worm geht explizit drauf ein, dass Diaeten die Lebenserwartung verringern (im Vergleich zu Menschen, die ohne Diaeten einfach nur dick sind). Er zitiert entsprechende Studien.

- Auch Herzinfarkt und Schlaganfallrisiko wird durch Diaeten erhoeht. Diese Vermutung hatte ich schon laenger und war froh, sie in einem Bch zu lesen.

- Fettarmes Essen fuehrt nicht zur langfristigen Gewichtsreduktion. Naja, eigentlich fuehrt keine Diaet zum langfristigen Erfolg, hoechstens 2-3 Jahre, wenn nicht weniger.

- Fettreduzierte Kost, und insbesondere industrielle "light" Produkte machen dick, auch Suessstoff ist nicht gesund UND macht dick, weil der normale Hungergefuehl mit diesen Produkten nicht gestillt werden kann, und man muss mehr davon essen, um irgendwie satt zu werden.


Negatives:

- Worm behauptet, Menschen werden dick, weil sie sich zu wenig bewegen und zu viele Kohlhydrate essen. Er reduzuert also Dicksein auf Kalorienverbrauch. Er sagt zwar, dass man mit Sport nicht abnehmen kann, sagt aber auch ein paar Seiten spaeter dass man mit Sport sein Gewicht "halten" kann. Dabei hat er selber sein Gwicht nicht "gehalten", sondern offensichtlich reduziert. Fragt sich nur, wie?! Die Antwort ist, natuerlich, "Logi", aber darauf geht er im Buch ja zum Glueck nicht ein.

- Es gibt viele Seitenhiebe auf Muetter, dei ihre kinder vor der Glotze "parken". Impizit wird wohl gemeint, dass das zum Dicksein beitraegt. ich finde es eine dumme Aussage, die auch noch jemanden kommt, der (so viel ich verstanden habe) selber keine Kinder hat. Solche Leute braucht man gerade als Ratgeber in Erziehungsfragen. ;)

- Er preist die sogenannte "mediterrane" Ernaehrung an, also die Ernaehrungsweise, auf der Logi basiert. Nun, wenn "mediterran" mit Italien verbunden sein soll, dann sehe ich nicht ein, dass da wenige Kohlhydrate gegessen werden. Wenn er Frankreich meint, kann ich zwar nichts dazu sagen, weil ich mich mit Franzoesischer Kueche nicht auskenne, aber auch das scheint mir etwas verdaechtig.

- Ausserdem plaediert Worm dafuer, dass man mit Genuss und nur bei richtigem Hunger isst, ohne irgendwie darauf einzugehen, wie das zu gewaehrleisten sei.

- Der Autor reitet darauf herum, dass die Deutschen zu dick seien, und nennt Franzosen und Italiener als Bespiele der schlanken Nationen. Das finde ich Unsinn. Er gibt auch keine Statistiken an, die belegen, dass die Deutschen zu dick sind.

- Worm haelt an der "fuenf am Tag"-Empfehlung fest, nach der man fuenf mal am Tag Obst und Gemuese essen sollte. Es ist aber mittlerweile bekannt, dass diese Empfehlung wissenschftlich gesehen absolut nicht belegt ist.

- Illustrationen im Buch sind nicht wirklich meine Sache, sie sind oefters mal eklig. Aber das ist nun wirklich Geschmackssache.

Fazit: Im Buch gibt es viele interessante Erkenntnisse, die auch noch mit zitierten wissenschaftlichen Veroeffentlichungen belegt werden. Trotzdem bleibt die Sichtweise des Autors begrenzt, denn er plaediert dafuer, dass man sein Gewicht mit Bewegung und bestimmter Ernaehrung "halten" muss. Ich sehe es nicht so und empfehle als begleitende Lektuere das Buch von Gunter Frank "Lizenz zum Essen", das zwar weniger wissenschaftliche Artkel zitiert, dafuer aber auf eine vernuenftige Weise mit Dick- und Duennsein umgeht.

totalegal
16.07.2010, 17:06
- Er preist die sogenannte "mediterrane" Ernaehrung an, also die Ernaehrungsweise, auf der Logi basiert. Nun, wenn "mediterran" mit Italien verbunden sein soll, dann sehe ich nicht ein, dass da wenige Kohlhydrate gegessen werden. Wenn er Frankreich meint, kann ich zwar nichts dazu sagen, weil ich mich mit Franzoesischer Kueche nicht auskenne, aber auch das scheint mir etwas verdaechtig.

In Frankreich gibt es zu jeder Mahlzeit Brot (Kohlenhydrate!:eek:) und die traditionelle griechische Küche ist lauwarm und im Öl ersäuft.


@ Mumin
Sehe ich das richtig, es kann laut Buch nur der Nicht-Dicke glücklich sein? Ist da definiert, wann Mensch dick ist?

Brit
16.07.2010, 17:13
Die Logi-Ernährung ist nicht kohlenhydratFREI, sondern lediglich kohlenhydratREDUZIERT, wenn ich darauf aufmerksam machen darf?

Es kann auch Weißbrot gegessen werden, nur eben wenig, Vollkornbrot ist täglich - bis zu zwei Scheiben - erlaubt! Nudeln (möglichst Vollkorn), Kartoffeln, auch Vollreis, alles in kleineren Mengen möglich. Wenn einige der Logi-Köstler die Kohlenhydrate sämtlich weglassen, entspricht das nicht den Empfehlungen.

Entgegen anders lautender Meldungen essen die Italienier übrigens nicht Riesenmengen Pasta, die Portionen sind eher klein. Auch die Franzosen haben wenig Kartoffeln auf dem Teller; es gab im Urlaub dort letztens eine HALBE bei einer Mahlzeit! Brot verzehren sie in der Regel auch nur ein, zwei kleine Scheibchen zum Essen.

Und Worm behauptet meines Wissens nicht, dass nur dünne Menschen glücklich sein können, er sagte allerdings von sich, er könne dick nicht glücklich sein.

Muminfrau
16.07.2010, 17:18
@totalegal: Worm sagt definitiv nicht, dass nur duenne Menschen gluecklich sein koennen. Er geht aufs Gleucklichsein eigentlich gar nicht ein, soviel ich mich erinnern kann.

Ich betrachte sein Buch als eine Quelle nuetzlicher und interessanter Fakten aus der Wissenschaft, aber nicht als eine Anleitung zum Schlankwerden oder zum Gluecklichwerden. Dazu gibt es andere Buecher. ;)

@Brit: ja, du hast Recht, Logi ist kohlhydratreduziert, es ist aber trotzdem eine Einschraenkung, die nicht fuer jeden gut ist und passt.

Und ja, Italiener essen keine Riesenmengen Pasta, das stimmt auch, soviel ich sehen konnte. Trotzdem finde ich die "mediterrane" Ernaehrung genauso wenig begruendet wie "fettarm", "zuckerarm" usw. Weiss jemand vielleicht, ob es zu "mediterran" irgendwelche Studien gibt? Ich kenne keine...

totalegal
16.07.2010, 17:53
Weiss jemand vielleicht, ob es zu "mediterran" irgendwelche Studien gibt? Ich kenne keine...
Das Problem ist, dass "mediterran" nicht eindeutig definiert ist. Es ist ein Schlagwort und bezeichnet Essen, dass das Gegenteil von Schweinebraten_mit_Knödeln_und Frankfurter_Kranz ist.
Du wirst eher Studien zu Olivenöl finden, aber die meisten wohl nicht seriös.
Ich glaube, Pollmer hat was dazu geschrieben. Ich könnte es nochmal nachlesen, wenn es dir nicht zu eilig ist.:)

totalegal
16.07.2010, 18:10
Die Logi-Ernährung ist nicht kohlenhydratFREI, sondern lediglich kohlenhydratREDUZIERT, wenn ich darauf aufmerksam machen darf?

Es kann auch Weißbrot gegessen werden, nur eben wenig, Vollkornbrot ist täglich - bis zu zwei Scheiben - erlaubt!
Hm, ja, deswegen liebe ich Diätbücher. Weizenmehl Typ 405 ("Kuchenmehl") hat 71 g Kohlenhydrate pro 100 g; Typ 550 (was zum Brotbacken benutzt wird) hat 68/100 g und Vollkorn (egal ob Roggen oder Weizen) hat 61 g.

Auch die Franzosen haben wenig Kartoffeln auf dem Teller; es gab im Urlaub dort letztens eine HALBE bei einer Mahlzeit! Brot verzehren sie in der Regel auch nur ein, zwei kleine Scheibchen zum Essen.
Eierteigwaren gekocht 28 g Kohlenhydrate/100 g; Pellkartoffeln gegart 17 g.


Was mich bei diesem Vollkornhype immer stört, ist der fehlende Hinweis, dass nicht jeder Mensch Vollkorn problemlos verdauen kann.

Brit
16.07.2010, 18:57
Was ist Deiner Meinung nach genau der Widerspruch zwischen "kohlenhydratreduziert" und höchstens 2 Scheiben Vollkornbrot am Tag?

Die Empfehlung, Vollkorn zu bevorzugen, lautet übrigens nicht deshalb so, weil Vollkorn weniger Kohlenhydrate enthält, sondern weil es eine geringere Blutzuckerreaktion als Weißmehl hervorruft. Der eigentliche Sinn der Logi-Ernährung ist ja nicht die Gewichtsreduktion, sondern Menschen mit metabolischem Syndrom und Inuslinresistenz möglichst gesund zu ernähren.

Lunix
16.07.2010, 19:36
Es kann auch Weißbrot gegessen werden, nur eben wenig, Vollkornbrot ist täglich - bis zu zwei Scheiben - erlaubt! Nudeln (möglichst Vollkorn), Kartoffeln, auch Vollreis, alles in kleineren Mengen möglich.

Oh, danke danke, großer Meister. Da nimmt mir wieder mal jemand sowohl das Denken als auch das Empfinden ab und sagt mir detailliert, was ich an KH zu mir nehmen darf. Und mit Diät hat diese Reglementierung natürlich so was von nichts zu tun! :rolleyes:

Sally
16.07.2010, 19:43
Erlaubt und verboten. Möglich und nicht möglich. Das sind genau die Dinge, die bei essgestörten Menschen sofort zu aber so was von heftigen Problemen führen. Also genau das, was man gar nicht braucht.

Und von Vollkornprodukten krieg ich Sodbrennen. Schon lange.

Die viel gepriesene "mediterrane" Ernährungsweise kennt übrigens überhaupt kein Vollkorn. In nahezu keinem anderen europäischen Land gibt es einen derartigen Vollkorn-Hype wie in Deutschland. Versuch mal, in Italien, Spanien oder Griechenland ein Vollkornbrot zu kaufen. Ein hoffnungsloses Unterfangen. Stattdessen gibt's Weißbrot in rauhen Mengen und zu jeder Mahlzeit. Ganz zu schweigen vom heißgeliebten Baguette, ohne das kein Franzose überlebt.

Ich glaube, dass all jene, die "Ernährungsumstellungen" - welcher Art auch immer - propagieren, noch immer nicht mal ansatzweise verstanden haben, wie Essgestörte ticken.

Brit
16.07.2010, 19:56
Nur zur nochmaligen Verdeutlichung:
Der eigentliche Sinn der Logi-Ernährung ist nicht die Gewichtsreduktion, sondern Menschen mit metabolischem Syndrom und Inuslinresistenz möglichst gesund zu ernähren.

Und bevor ich hier nun in eine "Verteidigung" von Logi hineingerate - ist mir ehrlich gesagt schnurz, wie diese Ernährung ankommt, nur sollte es schon den Tatsachen entsprechen - mach ich für mein Teil hier einen Punkt.

Rita
16.07.2010, 20:05
Nur zur nochmaligen Verdeutlichung:
Der eigentliche Sinn der Logi-Ernährung ist nicht die Gewichtsreduktion, sondern Menschen mit metabolischem Syndrom und Inuslinresistenz möglichst gesund zu ernähren.



genau. und dafür ist es auch gut geeignet. leider wird eine mode-diät daraus gemacht.

wer sich über logi informieren und austauschen will. einfach nach logi-forum googeln.

Andra1963
16.07.2010, 20:56
"Glücklich und schlank" ist ein frühes Werk von N. Worm. Die LOGI-Methode baute darauf auf, war quasi eine Weiterentwicklung.

Ich ernähre mich schon lange weitestgehend danach. Es geht mir gut damit. KHs zu reduzieren ist sicherlich sinnvoll .... einfach deshalb, weil wir oft viel zuviel davon essen (Brötchen, Kuchen, Nudeln, Reis usw.). Da kann es nicht schaden, da mal ein Auge drauf zu werfen - und es ggf. einzuschränken. Das heißt NICHT, dass man keine KHs mehr essen "darf", schließlich sind auch im Obst genug davon. Aber man muss nicht zwingend die "Sättigungsbeilagen" mitessen ... nur Fleisch/Fisch/Eier/Gemüse plus Gemüse schmeckt auch.

Abgenommen habe ich damit nicht wesentlich - aber ich kann mein Gewicht ganz gut damit halten.

Hummelchen
16.07.2010, 21:53
Und ich kann mein Gewicht nur halten, wenn ich mich kohlenhydratreich ernähre. Ich esse kein Fleisch und nur von Gemüse; Quark und Tofu werde ich nicht satt.

Ich halte solche Ernährungsvorschriften schlicht weg für Dummfug (und bei einer Essstörung total daneben). Jeder Mensch sollte davon unabhängig herausfinden, was ihm gut tut - und das ist eben nicht bei allen gleich.

Übrigens geht auch dick und glücklich:girl:

Andra1963
17.07.2010, 09:19
Um herauszufinden, was einem gut tut, kann es aber nicht schaden, sich zu informieren - gerade weil es in Bezug auf Ernährung solche festzementierten Weisheiten gibt.

Eine davon - noch aus meiner Kindheit und nicht erst aus WW-Zeiten - ist eben "fett macht fett" .... und dass man lieber dick Brot und wenig Wurst nehmen soll .... usw. Oft hinterfragt man das gar nicht - und wenn man dann mal so eine Buch liest, dann überdenkt man doch einiges und probiert einiges aus.

Wenn es nicht zu einem passt, dann kann man es ja lassen - es wird ja niemand gezwungen, das ist immer noch die eigene Entscheidung. Aber vielleicht tut es einem auch gut - und dann bleibt man dabei. Mir hat LOGI jedenfalls nicht nur einige AHA-Erkenntnisse beschert - sondern meinem Gedärm auch ganz viel Ruhe!

Keine Diät mehr zu machen heißt ja nicht, dass man sich mit dem, was man isst, nicht mehr auseinandersetzen darf.

Muminfrau
17.07.2010, 09:21
Erlaubt und verboten. Möglich und nicht möglich. Das sind genau die Dinge, die bei essgestörten Menschen sofort zu aber so was von heftigen Problemen führen. Also genau das, was man gar nicht braucht.

[...]

Ich glaube, dass all jene, die "Ernährungsumstellungen" - welcher Art auch immer - propagieren, noch immer nicht mal ansatzweise verstanden haben, wie Essgestörte ticken.

Eben. Danke fuer diese klugen Worte. :)

Habe gestern von meinem (sehr vernuenftigen) Arzt eine empfehlung zur Ernaehrungsberaterin bekommen, die mit Tradizionellen Chinesischen Medizin (TCM) arbeitet. Das war seine Reaktion darauf, dass ich gemeint habe, mein Bauch waere ganz gross und ob man da was machen koennte.

Habe ihm gesagt, dass ich auf das Wort "Ernaehrungsberatung" allergisch bin und absolut nicht mit Verboten beim Essen umgehen kann. Er meinte, die Frau verhaengt keine Verbote. Hm... ich weiss nicht... vielelicht rufe ich da mal an...

Brit
17.07.2010, 11:30
Zu TCM habe ich mal einen Lehrgang absolviert.

Die Einschränkungen, die es von einem verlangt, sind nicht von schlechten Eltern. Das geht von Kaffee völlig weglassen bis hin zum Bevorzugen ganz bestimmter Nahrungsmittel ... für mich wärs deshalb nix. Ich müsste mich zu sehr kontrollieren.

Martina
18.07.2010, 09:50
Um herauszufinden, was einem gut tut, kann es aber nicht schaden, sich zu informierenIch empfinde das allzu extensive Informieren eher als kontraproduktiv. Je mehr man zum Thema Ernährung "weiß", desto weniger blickt man durch. Die einzelnen Empfehlungen widersprechen sich doch meist diametral. Mich hat das nur durcheinander gebracht.

Wenn man herausfinden will, was einem gut tut, braucht man nur in sich hineinzuhorchen. Bei mir kommt dabei auch eine kohlehydratlastige Ernährung raus und ich fahre gut damit. Meine Gewichtsprobleme sind meiner Schilddrüsenstörung und Radikaldiäten geschuldet. Seitdem ich auf die Diäten verzichte und die Restschilddrüse richtig eingestellt ist, halte ich mein Gewicht mühelos. Leider nehme ich nicht leicht ab. Am besten übrigens bei Megastress. Allerdings kann man auch mit hohem Gewicht ein gewisses Level an Fitness haben. Mein derzeitiger Stress zwingt mich, ziemlich viel in der Gegend rumzulaufen und hat mir - mal wieder - gezeigt, dass Bewegung alles ist ... um sich gut zu fühlen. Abnehmen tut man davon nicht unbedingt.

Andra1963
18.07.2010, 10:39
... ich schrieb aber weiter, dass man ja schon in jungen Jahren ernährungsmäßig geprägt wurde - z.B. dass "Fett fett macht" ... und "trocken Brot macht Wangen rot" ... und dass man mit Hilfe solcher Infos mal einiges hinterfragt und anderes ausprobiert.

Jeder Stoffwechsel ist anders, der eine verträgt viele KHs, der andere nicht. Das muss man wissen und es an sich ausprobieren. Nix anderes habe ich geschrieben - und ich weiß nicht, was daran "kontraproduktiv" sein soll.

Martina
18.07.2010, 12:45
... ich schrieb aber weiter, dass man ja schon in jungen Jahren ernährungsmäßig geprägt wurde - z.B. dass "Fett fett macht" ... und "trocken Brot macht Wangen rot" ... und dass man mit Hilfe solcher Infos mal einiges hinterfragt und anderes ausprobiert.Das trifft auf mich persönlich nicht zu. Ich habe eine ernährungstechnisch vollkommen unbelastete Kindheit. Das Drama begann erst mit 13 und wurde nicht von meinen Eltern initiiert.Jeder Stoffwechsel ist anders, der eine verträgt viele KHs, der andere nicht. Das muss man wissen und es an sich ausprobieren. Nix anderes habe ich geschrieben - und ich weiß nicht, was daran "kontraproduktiv" sein soll.Ich habe geschrieben, dass mich die intensive Information zu Ernährungsfragen ziemlich durcheinander gebracht hat (kann man auch an vielen Stellen hier im Forum nachlesen). Für mich war sie kontraproduktiv. Ich komme besser mit meiner Ernährung zurecht, seitdem ich auf meinen Körper höre und ihm das gebe, was er will ... egal, ob irgendwer das nun gesund oder ungesund findet.

Beispiele: So lecker und vielleicht auch gesund ein Glas O-Saft zum Frühstück ist, ich bekomme heftige Kopfschmerzen davon. Also lasse ich es. So sinnvoll an heißen Tagen eine Apfelschorle sein kann, ich bekomme Durchfall davon. Also lasse ich es. So sehr Logi auf Eiweiß setzen mag, ich ekle mich häufig vor Fleisch. Also lasse ich es, wenn es mich ekelt. Im Gegenzug trinke ich ein Glas Limonade, wenn mir an heißen Tagen das Wasser einfach nicht mehr schmeckt und es mich nach etwas Geschmack schmachtet. Überhaupt esse ich alles, worauf ich Schmacht habe. Bei mir ist das eher eine kräftige Gemüsesuppe als Süßigkeiten. Aber wenn es mal etwas Süßes ist, dann esse ich das auch. Ich habe festgestellt, dass das schmachtorientierte Essen eine prima Sache ist. Ich glaube, dass man damit eben immer genau das dem Körper gibt, was er will und braucht. Und damit geht's dem Körper dann auch gut. Heißhungerattacken kenne ich nicht.

Brit
18.07.2010, 14:16
Ich habe festgestellt, dass das schmachtorientierte Essen eine prima Sache ist. Ich glaube, dass man damit eben immer genau das dem Körper gibt, was er will und braucht. Und damit geht's dem Körper dann auch gut

Geneen Roth vertrat auch lange diese Ansicht. Sie schrieb aber in ihrem wohl letzten ins Deutsche übersetzte Buch, dass sie sich mit ihrem über lange Jahre rein appetitorientierten Essen keinen Gefallen tat: Sie hat heute Osteoporose und schiebt diese darauf. Offenbar kann der Körper doch "falsche Meldungen" schicken; ich selbst dachte früher auch, auf den Körper "hören" zu können, hab mich so sehr lange viel zu kohlenhydratlastig ernährt und die Quittung dafür dann erhalten.

Eiweiß als körpereigener Stoff ist für mich heute der wichtigste Baustein für Zellen, Organe, Muskeln und Knochen; würde ich kein Fleisch und keinen Fisch mögen, würde ich mir das Eiweiß über andere Nahrungsmittel verschaffen - z. B. über Milchprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte und etwas Soja vielleicht. Kohlenhydrate bekommen wir ja, wie hier schon gesagt, mit Gemüse und Obst ausreichend.

Ich will damit selbstverständlich niemandem etwas einreden oder gar aufdrängen, natürlich sollte die Art der Ernährung jeder für sich selbst entscheiden.

Martina
18.07.2010, 14:38
Geneen Roth vertrat auch lange diese Ansicht. Sie schrieb in ihrem wohl letzten ins Deutsche übersetzte Buch, dass sie sich mit ihrem über lange Jahre rein appetitorientierten Essen keinen Gefallen tat: Sie hat heute Osteoporose und schiebt diese darauf. Offenbar kann der Körper auch "falsche Meldungen" schicken; ich verlass mich nicht mehr drauf; ich hab mich sehr lange viel zu kohlenhydratlastig ernährt und die Quittung dafür auch erhalten.Du möchtest mir also sagen, es ist gesünder, Dinge zu essen, vor denen man sich ekelt oder die einem körperliche Probleme verursachen (ich bekomme übrigens von reinem Vollkornbrot auch übelstes Sodbrennen) als das zu essen, wonach der Körper verlangt?

Außerdem "schiebt" sie es darauf. Das ist als Beweis nicht besonders tauglich.

Da mein Körper eine recht große Bandbreite an Verlangen hat und das zu einer sehr gemischten Ernährung führt, in der alles drin ist, mache ich mir da überhaupt keine Sorgen. Ich bin mit meinem hohen Gewicht und dieser Ernährung heute deutlich gesünder als ich es in der Zeit, in der ich konsequent Diät gehalten habe, jemals war. Und ich fühle mich gut damit. Das alleine ist wichtig.Eiweiß ist für mich heute der wichtigste Baustein für Zellen, Organe, Muskeln und Knochen; würde ich kein Fleisch und keinen Fisch mögen, würde ich mir das Eiweiß über andere Nahrungsmittel verschaffen - z. B. über Milchprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte - und etwas Soja vielleicht.Wer sagt denn, dass ich das nicht tue? Ich esse z.B. mit Begeisterung täglich Naturjoghurt. Vor Fleisch ekle ich mich zuweilen. Sowohl bei Fleisch als auch bei Fisch habe ich zudem erhebliche moralische Bedenken. Und auch Soja ist so ein Thema, mal abgesehen davon, dass ich das ebenfalls eklig finde.Kohlenhydrate bekommen wir ja auch, wie hier schon gesagt, mit Gemüse und Obst ausreichend.Ja, aber trotzdem würde ich einen Gemüse- oder Getreidebratling einer Frikadelle jederzeit vorziehen.

Außerdem gibt es hier auch einen Bezug zu der Angst vorm Essen. Ich habe es immer als Stress empfunden, Dinge essen zu sollen, die ich fies finde, die mir aber von irgendeiner Ernährungsform vorgeschrieben werden. Ich erinnere mich sehr gut, wie ich bei meiner ersten Diät mit 15 nach dem "Genuss" einer Frikadelle nach Brigitte-Diät-Rezept ausgiebig spucken musste.

Brit
18.07.2010, 14:43
Nein, ich möchte natürlich nicht sagen, dass man etwas essen soll, wovor man sich ekelt - würde ich selbst niemals! Ich schreibe doch oben ganz klar, wenn ich Fleisch und Fisch nicht mögen würde, dann würde ich es anders ausgleichen. Und dass ich das niemandem aufdrängen will, habe ich auch geschrieben. Soja finde ich übrigens ebenfalls eklig, ich erwähnte es nur als zusätzliche Möglichkeit, das Essen eiweißreicher zu gestalten.

Warum bloß komme ich so an, als ob das was ich schreibe, angriffslustig gemeint ist? Es ist irgendwie zum Verzweifeln. Ich meine es gut, und immer wieder werde ich missverstanden. Es macht keinen Spaß. Vielleicht kann jemand das Rätsel für mich lösen: Klinge ich vielleicht fies, rechthaberisch, besserwisserisch?

Boewi
18.07.2010, 15:11
Warum bloß komme ich so an, als ob das was ich schreibe, angriffslustig gemeint ist? Es ist irgendwie zum Verzweifeln. Ich meine es gut, und immer wieder werde ich missverstanden.

Das hängt hauptsächlich mit zwei Problemen zusammen: zum Einen sind die Ausdrucksmöglichkeiten hier etwas eingeschränkter als im täglichen Leben. Hier gibt es kein Mienenspiel, kein Schulterzucken, keine Gestik, keine Modulation der Stimme etc..., sondern ausschließlich und allein das geschriebene Wort. Smilys sind zwar eine Hilfe, aber mehr auch nicht.
Es kann daher leicht passieren, dass man missverstanden wird, vor allem wenn man sich notgedrungen hier kürzer fassen muss, als man es vielleicht in einem Gespräch sonst tun würde.

Zum Anderen hat jeder einzelne von uns andere Werte, Erfahrungen und Vorstellungen. Jeder von uns liest die Beiträge durch seine ganz eigene und private Brille. Wenn man schon hundertmal die selben Fragen beantwortet oder die ewig gleichen Vorurteile gehört hat, reagiert man eher genervt als jemand, der sich zum ersten oder zweiten Mal mit einer Frage beschäftigt oder darüber nachdenkt. Vielleicht hat jemand gerade eigene Probleme und Erfahrungen, die vielleicht unterschwellig, also ohne dass man sich dessen bewusst ist, bei der Beantwortung einer Frage mit einfließen.

Sicher ist es kein böser Wille und niemand unterstellt dir einen bösen Willen, aber Missverständnisse können hier sehr leicht passieren. In beiden Richtungen!

Andra1963
18.07.2010, 15:13
@Brit ... nein, für mich klingst du - rein subjektiv - nicht so!

Was das "schmachtorientierte" Essen betrifft - so kann ich für mich sagen: SCHÖN WÄRE ES!!

Ich habe es probiert ... aber mein Körper schmachtet eindeutig zu oft nach Currywurst und Pizza ... und wenn ich da nicht energisch gegensteuere, dann nehme ich stetig zu.

Brit
18.07.2010, 16:44
Danke Euch beiden für Eure Antworten; sie beruhigen mich wirklich, da ich inzwischen schon echte Zweifel an meiner Schreibweise bekommen hatte. :-o

Ja, es stimmt, die fehlende Gestik und Mimik lassen manches wohl ganz anders erscheinen, als es von Mensch zu Mensch 'rüberkäme. Ich bin "in echt" ein ganz umgängliches Wesen, und es ist schade, dass man Missverständnisse nicht persönlich ausräumen kann - geschweige denn, dass sie dann gar nicht entstehen würden, davon gehe ich auch aus.

Hummelchen
19.07.2010, 09:48
Ich meine es gut, und immer wieder werde ich missverstanden.

Gut gemeint ist halt nicht immer auch wirklich gut;)

Ich finde nicht, dass deine Beiträge angriffslustig sind. Aber so ein bisschen belehrend kommt das schon für mich rüber...

Vielleicht bin ich auch einfach nur allergisch gegen solche Ernährungsempfehlungen. Und ich stimme Martina hundertprozentig zu, dass der Körper eigentlich ganz gut weiß, was er braucht. Wenn es ihn nur nach Currywurst und Pizza lechzt - dann stimmt da was nicht (physisch oder psychisch).

Ich denke, dass jeder für sich selbst herausfinden muss, was ihm gut tut und womit er am besten zurecht kommt. Und wenn ich für mich herausgefunden hätte, dass das eiweißlastige Ernährung ist würde ich mich trotzdem davor hüten, das anderen Menschen zu empfehlen.

Zumal eine eiweißreiche Ernährung sofern dieses Eiweiß aus Fleisch und Fisch bezogen wird, einige ethische Fragen aufwirft.

Lea
19.07.2010, 10:06
Zumal eine eiweißreiche Ernährung sofern dieses Eiweiß aus Fleisch und Fisch bezogen wird, einige ethische Fragen aufwirft.
... und auch gesundheitlich nicht ohne weiteres bzw. für alle und jeden unbedenklich ist (Belastung der Nieren, Harnsäureproblematik etc.).

Generelle Empfehlungen kann man einfach beim Essen nicht geben - außer eben, herauszufinden, was einem individuell gut tut und bekommt. Das sehe ich wie Martina: Die Steuerung muss von innen kommen. Von außen (Ernährungspläne etc.) funktioniert das nicht. Selbst wenn die Steuerung "kaputt" ist, z. B. durch jahrelange Diäten (und daraus resultierendem extremem Schmacht nach "Verbotenem"), fände ich es sinnvoller, daran zu arbeiten, dass sie wieder irgendwann funktioniert, als sich wieder von Ernährungsempfehlungen (die ja auch immer gewissen Moden unterworfen sind!) leiten zu lassen.

Brit
19.07.2010, 10:53
Die Belastung der Nieren, Lea, wird immer wieder gegen eine eiweißbetonte Ernährung angeführt; dies ist sicherlich auch richtig bei vorbelasteten oder nicht mehr ganz gesunden Nieren; normalerweise verkraften die gesunden Nieren das aber. Ich ernähre mich ja seit Jahren so, und ich geb schon acht auf sie und lasse ziemlich engmaschig nachschauen, ob alles in Ordnung ist. Bisher ist alles okay. Mir bekamen die vielen Kohlenhydrate nicht, ich bekam eine Darmpilzbelastung und Unverträglichkeiten.

Sicher verträgt nicht jeder alles, und ich würde diese Art meiner Ernährung auch niemandem aufs Auge drücken wollen, der für sich nichts davon hält, warum auch? Gesunde Menschen können durchaus auch kohlenhydratreiches Essen verkraften, aber eben nicht alle. Wer von der Familie her, also durch genetischen Disposition zu Diabetes II neigt, hat da manchmal mehr Probleme und ist vielleicht dankbar für eine Alternative.

Sophie
19.07.2010, 10:53
Ja, es besteht wohl bei einigen, und auch bei mir, eine gewisse Allergie gegen aus tiefstem Herzen noch so gut gemeinte Ernährungsratschläge. Hier wird es wohl kaum jemand geben, der/die sich nicht intensivst mit verschiedensten Ernährungskonzepten beschäftigt hat, die gängigen Konzepte werden hier wohl jedem mehrfach bekannt sein.

Ich kriege beispielsweise immer allergische Pickel, wenn ich auch nur ansatzweise zu hören/lesen bekomme, dass ich auf meine Kohlehydratzufuhr achten soll. Ich ernähre mich äußerst kohlehydratlastig, an zweiter Stelle kommt Fett (Pflanzenöl), und von Eiweiß lasse ich in jeder Form möglichst die Finger (gelegentlich Bohnen, Linsen oder Tofu), weil ich sonst Probleme mit den Nieren bekomme. Ich kann mich tagelang ausschließlich von Vollkornbrot ernähren, und habe keinerlei Probleme damit. Nudeln, Reis, Weizen, Gerste, Kartoffeln, Brot, dazu Gemüse, das ist meine Ernährung. Ich bin damit sehr zufrieden, meine Blutwerte sind so gut, dass mein Arzt glaubt, die Werte wurden vertauscht. Und wenn ich Fressattacken habe, sind diese bei mir rein psychisch, und dann ziehe ich mir auch mal eine Tüte Kartoffelchips rein. Ist bei der Schwitzerei sowieso nicht verkehrt.

Nimms also nicht krumm, wenn hier ein paar gereizte Antworten kommen. Es ist tatsächlich so, wenn man dasselbe zum tausendsten Mal erklärt bekommt, nervt das ein wenig.

Brit
19.07.2010, 10:55
@ Hummelchen

Belehrend sollte es nicht sein, da geb ich Dir Recht; ich werd mal mehr drauf achten, nicht so rüberzukommen. Danke auch Dir für die Rückmeldung.

Die ethischen Fragen zur eiweißbetonten Ernährung kenne ich, darüber ließe sich lange diskutieren, aber ich will ja gar niemanden "bekehren", deshalb lohnen sich diese Diskuissionen nicht.

Mir lag einfach nur dran, bewusst zu machen, dass Logi nicht verdient hat, zur weiteren Modediät zu verkommen. Es ist eine alternative Ernährungsform für Menschen mit dem metabolischen Syndrom und Insulinresistenz; so ist es gedacht und so ist es für mich persönlich okay.

Hummelchen
19.07.2010, 12:21
Nimms also nicht krumm, wenn hier ein paar gereizte Antworten kommen. Es ist tatsächlich so, wenn man dasselbe zum tausendsten Mal erklärt bekommt, nervt das ein wenig.

:daumen:

Brit
19.07.2010, 12:52
Sophie,

I've understand. :cool: Und Deine Reaktion hätte früher meine sein können. ;)

Ich wäre übrigens von mir aus hier nie mit Erklärungen zu Logi eingestiegen; es hatte sich alles aus der Frage danach ergeben. Und hier bitte ICH um Verständnis: Es liegt MIR natürlich das am Herzen, was MIR gut getan hat, und "wes der Mund voll ist, des fließt das Herz über", steht schon in der Bibel :-p (Ähm, umgekehrt natürlich! Und hier sinds die Tasten.:grins:)

Aber versprochen: Ab jetzt kein Wort mehr über Ernährungsempfehlungen! :-D