Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der Preis für das neue Ich?
frauvonheute
14.09.2005, 12:03
Eigentlich könnte alles perfekt sein.
Ich habe einen Partner, der mich liebt.
Ich habe ein starkes soziales Umfeld.
Ich habe eine Arbeit, die mich immer mehr in Anspruch nimmt und zufrieden stellt.
Ich habe ein ausgefülltes Privatleben und Hobbies, denen ich nachgehen kann.
Ich bin im großen und ganzen gesund.
Da ist diese Essstörung, von der ich mich löse.
Und genau hier beginnt das Problem.
In den 22 Jahren meiner akuten Esssucht habe ich mich recht wenig mit Ernährung und Gewichtskontrolle auseinander gesetzt. Ich fühlte, dass etwas in meinem Kopf nicht stimmte, aber ich lebte – im Bezug auf mein Gewicht – einfach so vor mich hin. Ich ging raus und aus, wechselte Jobs, suchte Veränderungen in allen Bereichen. Es gab kaum Dinge, von denen mich mein Gewicht abhielt.
Jetzt, heute, in diesem Moment ist die Unzufriedenheit da.
Ich habe immer mehr Angst vor Folgeerkrankungen.
Ich fühle mich hässlich und hasse meinen Magenspeck.
Ich renne morgens und abends auf die Waage.
Ich lasse mir von 200 g mehr den Tag verderben.
Ich fühle mich toll, wenn ich 200 g weniger habe.
Mein Verstand sagt ganz klar: „Hör auf mit dem Druck, der bringt dich nicht weiter. Ganz im Gegenteil: Er stoppt dich in all deinen Bemühungen.“ und ich habe ja bereits festgestellt, dass ich abnehme, wenn ich aufhöre, mir zu viele Gedanken zu machen.
Leider klappt das nur sehr selten.
Wie komme ich aus diesem Teufelskreis raus? Wieso bin ich so weit gekommen, um nun ständig über Gewicht und Ernährung nachzudenken und mich mit mir selbst nicht mehr wohl zu fühlen? Wie stelle ich es ab, dass dieses Thema plötzlich mein Denken beherrscht oder ist es eine Phase, durch die ich gehen muss....die jeder Essgestörte auf dem Wege der Besserung kennt?
Ist das der Preis, den ich für das neue Ich bezahlen muss? Ein gewichtskontrolliertes Leben und Gedanken, die nur um die Themen Ernährung, Waage, Gesundheit kreisen???? Was ist aus der natürlichen Akzeptanz meines Dickseins geworden?
Wie komme ich bloß wieder ins Gleichgewicht?
Langsam frage ich mich, ob ich nicht einfach so bleiben sollte wie ich bin.
Wenn nur die Knie und Füße nicht schmerzen würden........ :seufz:
Babs
Langsam frage ich mich, ob ich nicht einfach so bleiben sollte wie ich bin.
Wenn nur die Knie und Füße nicht schmerzen würden........ :seufz:
Babs
Bei Dir sind es die Knie und die Füsse, bei mir ist es der Rücken.
Ich kann bei dem Thema Essstörung nicht mitreden, da ich defentiv keine habe, aber ich weiss, dass ich mit 10 bis 15 Kilo weniger bei weitem keine solchen Schmerzen hätte. Ich habe jetzt während meines Urlaubs 6 Kilo abgenommen, einfach so, d.h. ich saß nicht den ganzen Tag am Schreibtisch und habe mich einfach etwas mehr bewegt. Jetzt habe ich innerhalb von 2 Wochen wieder 3 Kilo zugelegt. Ich weiss dass ich meine 90Kilos wieder erreichen werde. Seltsam ist nur, dass ich diese 90Kilogrenze nie überschreite.
Ich meine, dass die Waage ein Kontrollinstrument ist, dass uns Menschen mit Gewichtsproblemen, versklavt.
Das beste wäre wirklich, nur einmal im -Vierteljahr auf die Waage zu steigen. Entferne sie doch ganz einfach aus Deiner Wohnung, stell sie bei Freunden oder Familie unter und gehe vierteljährlich zum wiegen dahin. Ich habe meine Waage auch so verstaut, so dass ich sie nicht ständig im Auge habe, denn auch ich neige dazu, mir Gedanken über 1Kilo mehr oder weniger Gedanken zu machen.
Lassen wir uns doch nicht 100 grammmässig das Leben vermiesen.
LG
toni
Oh, Babs... http://www.cosgan.de/images/midi/traurig/a020.gif Ich renne morgens und abends auf die Waage.
Ich lasse mir von 200 g mehr den Tag verderben.
Ich fühle mich toll, wenn ich 200 g weniger habe.
Warum tust du dir das nur an? http://www.cosgan.de/images/midi/traurig/a065.gif Es hat doch absolut keinen Sinn, dein Wohlbefinden von irgendwelchen Zahlen abhängig zu machen, und das weißt du auch. Schmeiß das Ding aus dem Fenster, du brauchst diese Kontrolle nicht! Wieso bin ich so weit gekommen, um nun ständig über Gewicht und Ernährung nachzudenken und mich mit mir selbst nicht mehr wohl zu fühlen? Ich rate mal drauf los, ok? ;)
Weil du denkst, daß ein Leben ohne Eßsucht und ein schlanker Körper unbedingt zusammengehören?
Weil du dir - sollte es denn für dich so sein - absolut keine Pause gönnst, das in adäquater Zeit zu erreichen, sondern alles sofort schaffen mußt?
Weil deine Therapeutin dich zum Abnehmen quasi "angepiekst" hat und du als Perfektionistin das so gar nicht auf dir sitzen lassen willst?
Weil du - wie wir alle - dieser täglichen Gehirnwäsche durch Industrie, Medien und Marionetten ausgesetzt bist?
Einen schnellen Weg da raus... ich wage zu behaupten, daß es den nicht gibt. Auch das ständige Wiegen ist doch eine Folge der Eßstörung, finde ich. Nur auf die Gefühle satt und hungrig zu achten, das ist nur scheinbar so einfach und doch in Wirklichkeit so schwierig. So diffus. Da ist es "sicherer", es der Waage zu überlassen, wie man sich gerade bewertet. Wie komme ich bloß wieder ins Gleichgewicht? Indem du dir ins Gedächtnis rufst, was du - äußerlich wie innerlich - für ein bildschöner, interessanter Mensch bist und die Waage um Himmels Willen entsorgst oder bei Ebay verscherbelst, das Ding muß weg.
Oje, hört sich das einfach an. Ich weiß ja selber, daß es so simpel nicht ist. http://www.cosgan.de/images/midi/konfus/c085.gif
Aber ich nehm dich einfach mal in den Arm, falls du mit meinem Geschreibsel nichts anfangen kannst, ja? http://www.cosgan.de/images/midi/liebe/a060.gif
Mein Verstand sagt ganz klar: „Hör auf mit dem Druck, der bringt dich nicht weiter. Ganz im Gegenteil: Er stoppt dich in all deinen Bemühungen.“ und ich habe ja bereits festgestellt, dass ich abnehme, wenn ich aufhöre, mir zu viele Gedanken zu machen.
Langsam frage ich mich, ob ich nicht einfach so bleiben sollte wie ich bin.
ich hab den eindruck den ausweg aus deinem dilemma hast du selber schon beschrieben.
und das
Wenn nur die Knie und Füße nicht schmerzen würden........ :seufz:
würde ich einmal ganz vom gewicht abkoppeln. muskeltraining (ev. unterwasser) und die richtigen schuhe...
das bringt was, auch wenn das gewicht gleich bleibt.
Es ist schon so viel kluges gesagt worden - also nur noch eine Anmerkung:
Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass ich sehr starke Rückenprobleme habe und auch schon vor Jahren hatte. Immer sagten die Ärzte "wenn sie abnehmen, dann wird auch der Rücken besser". Ich habe mit ganz viel Mühe in drei Jahren ca 40 Kilo abgenommen - aber der Rücken wurde überhaupt nicht besser :mad: . Natürlich war es nicht genug, was ich abgenommen hatte - ich wog immer noch über 100 Kilo. Aber auch mit Bewegung und weiterhin sehr kontrolliertem Essen nahm ich einfach nichts mehr ab und nach einer Zeit des Stillstand auf der Waage nahm ich mit 1400 Kalorien kontinuierlich zu. Also war der Rat der Ärzte "weniger Kalorien" und das habe ich dann versucht - und bekam Fressanfälle (die ich vorher nicht hatte) und dachte ununterbrochen nur noch an ESSEN. Mittlerweile habe ich nicht nur die 40 Kilo wieder drauf, sondern auch noch gleich ein paar mehr.
Das soll jetzt nicht bedeuten, dass es für die Knochen gut ist, wenn sie zu sehr belastet werden...aber diese Gewaltmaßnahmen, die man mit zuviel Druck durchführt, sind eben sehr gefährlich. Für meine Gesundheit wäre es sicher besser gewesen, wenn mir die Ärzte mit gut 100 Kilo geholfen hätten, das zu halten. Selbst wenn ich dann ein paar Kilo zugelegt hätte - ich bin mir sicher, dass es nicht fast 150 wären!
Und noch was zu Deinem Dilemma: ich denke es gibt zwei Typen:
- die einen motiviert es, wenn sie sich hässlich finden und ablehnen, sie ändern dann ihr Leben
- die anderen (zu denen ich auch gehöre) essen erst recht, wenn sie sich hassen, um dieses Gefühl 'weg zu essen'. Wenn Du auch zu der Sorte Mensch gehörst, dann ist es vielleicht eher ein Ansatz, wenn Du versuchst Deinem Körper etwas Gutes zu tun: mit gesundem Essen und Bewegung, die Dir Spaß macht.
mellow
Meine liebe, liebe Babs,Eigentlich könnte alles perfekt sein.
Ich habe einen Partner, der mich liebt.
Ich habe ein starkes soziales Umfeld.
Ich habe eine Arbeit, die mich immer mehr in Anspruch nimmt und zufrieden stellt.
Ich habe ein ausgefülltes Privatleben und Hobbies, denen ich nachgehen kann.
Ich bin im großen und ganzen gesund.
Da ist diese Essstörung, von der ich mich löse.
Ja, ja, ja, ja , ja!!!!
Liebe Babs freu Dich doch erst mal über diese wundervollen Lebensumstände!
Lass mich versuchen, meine Antwort mit ein paar Zitaten einer sehr, sehr klugen Frau, die ich kenne zu bereichern. Und genau hier beginnt das Problem.
In den 22 Jahren meiner akuten Esssucht habe ich mich recht wenig mit Ernährung und Gewichtskontrolle auseinander gesetzt. Ich fühlte, dass etwas in meinem Kopf nicht stimmte, aber ich lebte – im Bezug auf mein Gewicht – einfach so vor mich hin. Ich ging raus und aus, wechselte Jobs, suchte Veränderungen in allen Bereichen. Es gab kaum Dinge, von denen mich mein Gewicht abhielt.
Jetzt, heute, in diesem Moment ist die Unzufriedenheit da.
Ich habe immer mehr Angst vor Folgeerkrankungen.
Ich fühle mich hässlich und hasse meinen Magenspeck.
Ich renne morgens und abends auf die Waage.
Ich lasse mir von 200 g mehr den Tag verderben.
Ich fühle mich toll, wenn ich 200 g weniger habe. Ein erster Schritt war für mich, dass ich mir keine Gedanken mehr ums Essen mache und nur dafür sorge, mich zu stabilisieren. [...]
Und ich habe aufgehört mit dem schlechten Gewissen. Und warum zum Teufel fängst Du jetzt plötzlich mit einem anderen schlechten Gewissen an? Brauchst Du ein „Ersatz“-schlechtes Gewissen?Mein Verstand sagt ganz klar: „Hör auf mit dem Druck, der bringt dich nicht weiter. Ganz im Gegenteil: Er stoppt dich in all deinen Bemühungen.“ und ich habe ja bereits festgestellt, dass ich abnehme, wenn ich aufhöre, mir zu viele Gedanken zu machen.
Leider klappt das nur sehr selten. Vor knapp 3 Wochen waren wir ja kollektiv zu der Erkenntnis gekommen, dass mein „rot“ die Ungeduld sein könnte...Oder ist es wieder mal die Ungeduld die Dich treibt, muss es für Dein helles Köpfchen alles einfach viel, viel schneller gehen?Ist das der Preis, den ich für das neue Ich bezahlen muss? Ein gewichtskontrolliertes Leben und Gedanken, die nur um die Themen Ernährung, Waage, Gesundheit kreisen????Nein! Das sollte bestimmt nicht der Preis sein, Babs!Was ist aus der natürlichen Akzeptanz meines Dickseins geworden?
Wie komme ich bloß wieder ins Gleichgewicht?Hier, liebe Babs kann ich nur Vermutungen anstellen: eine vage Idee die mir kam (bloß nicht gekränkt sein, wenn’s nicht stimmt, bitte):
Könnte es sein, dass die vermeintliche natürliche Selbstakzeptanz in gewisser Weise auch von Resignation bestimmt war? Im Sinne von: Ich schaffe es (währen der akuten ES) ja eh’ nicht abzunehmen? Könnte es sein, dass Dein - wie wir nun ja alle wissen ungeduldiger - Geist einfach jetzt eine Chance wittert, und deshalb alle Selbstakzeptanz über den Haufen werfen will um nun endlich schnell, schnell abzunehmen?Langsam frage ich mich, ob ich nicht einfach so bleiben sollte wie ich bin.Selbstverständlich solltest Du, denn Du bist ein intelligentes, herzliches, geliebtes, wunderschönes Wesen!
Ist das nicht ein Grund zum Feiern?Mein Ich ist nicht mehr so gestört, ich sehe so viel klarer. Heute kann ich meine Gefühle äußern. Und wenn ich meine Gefühle nicht mehr runterschlucken muss, muss ich auch nicht mehr essen.Eben! Und wenn dem so ist, dann wird die sehr, sehr kluge Frau auch abnehmen, vielleicht nur nicht so schnell, wie ihr Verstand sich bewegen kann.Wie komme ich aus diesem Teufelskreis raus? Wieso bin ich so weit gekommen, um nun ständig über Gewicht und Ernährung nachzudenken und mich mit mir selbst nicht mehr wohl zu fühlen? Wie stelle ich es ab, dass dieses Thema plötzlich mein Denken beherrscht oder ist es eine Phase, durch die ich gehen muss....die jeder Essgestörte auf dem Wege der Besserung kennt?. [...]zeigen, dass es sich wirklich lohnt zu kämpfen!
Es ist unglaublich und ich hätte nie gedacht, dass es geht, aber
ich kann mein Essen kontrollieren!!! [...]
Ich kann so frei essen wie noch nie in meinem Leben, denke nicht nach über Sünden oder Kalorien, mir fehlt nichts, ich hungere nie[...], habe ‚einfach’ nur mein Essverhalten geändert. Ich esse, wenn ich körperlich hungrig bin manchmal überesse ich auch noch, weil ich nicht glauben kann, dass mir diese normale Portion da vor mir reicht, aber ich esse nicht mehr mehr, als mein Körper braucht[...] Stattdessen „spiele“ ich mit dem Essen und probiere mich aus. Ein unglaubliches Gefühl.....Und sieh mal...die sehr, sehr kluge Frau hat es schon mal gemacht...einfach ihr Essverhalten geändert ohne ihr Denken über sich selber zu verändern.
Und wenn ich glaube, eines hier und in meinem Leben über Ernährung verstanden zu haben, dann ist es die Tatsache, dass bei diesem Essverhalten, sich das Gewicht von selbst auf einem Normalwert einpendelt.
Und dann war da noch das:Im Urlaub habe ich gemerkt, wie sehr ich feste Strukturen brauche, um mein Essverhalten problemlos zu kontrollieren. Die ersten drei Urlaubstage fielen mir extrem schwer und ich wünschte mir sogar eine Waage herbei (aaargh, wie entsetzlich!).
Sieh mal einer an...was die sehr, sehr kluge Frau da noch von Waagen hält...
Dann begriff ich, was das Problem war.
Wenn ich arbeite, richte ich mich nach meinem Rhythmus. [...]Wir aßen also, wenn ich Hunger hatte und er aß dann dementsprechend mehr.
Nachdem wir das beschlossen hatten, lief es problemlos und obwohl ich mich überhaupt nicht um meine Ernährung gekümmert habe, hat der Urlaub mir nur 1,5 kg mehr gebracht. [...]Jetzt bin ich wieder im Büro und ehrlich gesagt doch recht froh, wieder meine festen Strukturen zu haben.Nur 1,5 kg! Cool!!!
Könnte es vielleicht sein, dass die sehr, sehr kluge Frau nach ihrem Urlaub ihren eigenen Rhythmus einfach noch nicht wiedergefunden hat? Dass sie ihn nur mit etwas Geduld noch mal suchen muss? Sie weiß nämlich wie es geht!!
Liebe Babs, sei nett zu Dir! Das habe ich Dich schon mal gebeten.
Ich hoffe, dass Dich mein etwas lockerer Schreibstil nicht verärgert hat, sondern dass Du meine Bewunderung und Zuneigung daraus erkennen kannst.
Lass Dich von Deiner Ungeduld nicht ins Bockshorn jagen und verliere nicht den Mut!!!
(Und schicke mir die Zitate meiner heutigen Worte, wenn ich in ungewisser Zukunft vielleicht hier auftauche und heule, weil es mir auch nicht schnell genug geht )
Ganz, ganz liebe und herzliche Grüße von
Iko <--- die sich jetzt schon auf den Spiegel freut und sich auch vor ihm fürchtet, den ihr die sehr, sehr kluge Frau eines Tages vor die Nase halten wird
frauvonheute
15.09.2005, 09:01
Ihr seid unbezahlbar!!!
Ich habe meine Waage auch so verstaut, so dass ich sie nicht ständig im Auge habe, denn auch ich neige dazu, mir Gedanken über 1 Kilo mehr oder weniger Gedanken zu machen.und
Schmeiß das Ding aus dem Fenster, du brauchst diese Kontrolle nicht!Die Waage ist beseitigt. Ich habe meinen Freund gestern gebeten, sie auf den Schrank zu stellen, damit ich nicht rankomme.
Wie fühle ich mich jetzt?
Es ist total krank, aber ich empfinde so etwas wie Schadenfreude der Waage gegenüber (als ob sie das jucken würde...). Es hat so was von „Nase lang machen“. „Ätschibätschi, du hast keine Macht mehr über mich. Du kannst mich mal gern haben!“
Weil du denkst, daß ein Leben ohne Eßsucht und ein schlanker Körper unbedingt zusammengehören?
Nicht schlanker Körper, aber nicht mehr so dicker Körper. Ja, ich denke, dass für mich die Essstörung erst komplett beendet ist, wenn ich mich in meinem Körper vollkommen wohl fühle. Und davon bin ich einige Kilos entfernt.
Weil du dir - sollte es denn für dich so sein - absolut keine Pause gönnst, das in adäquater Zeit zu erreichen, sondern alles sofort schaffen mußt?
Ja, ich denke, da ist was Wahres dran.
Weil deine Therapeutin dich zum Abnehmen quasi "angepiekst" hat und du als Perfektionistin das so gar nicht auf dir sitzen lassen willst?
Hierzu finde ich Mellows Statement sehr gut:
Und noch was zu Deinem Dilemma: ich denke es gibt zwei Typen:
- die einen motiviert es, wenn sie sich hässlich finden und ablehnen, sie ändern dann ihr Leben
- die anderen (zu denen ich auch gehöre) essen erst recht, wenn sie sich hassen, um dieses Gefühl 'weg zu essen'. Wenn Du auch zu der Sorte Mensch gehörst, dann ist es vielleicht eher ein Ansatz, wenn Du versuchst Deinem Körper etwas Gutes zu tun: mit gesundem Essen und Bewegung, die Dir Spaß macht. Ich denke, ich gehöre zur zweiten Fraktion. Dadurch, dass ich das Essen aber nicht mehr als Ersatz nehme(n kann), kann ich diese Gefühle nicht einfach wegessen.
Abnehmen ist für mich Druck, Druck ist Zwang und Zwang ist für mich widersetzen. Also muss ich lernen, das Ganze „spielerischer“ zu sehen.
Weil du - wie wir alle - dieser täglichen Gehirnwäsche durch Industrie, Medien und Marionetten ausgesetzt bist?
Ja, das sicherlich auch. Mich hat es vorher nur nie gejuckt.
Aber ich nehm dich einfach mal in den Arm, falls du mit meinem Geschreibsel nichts anfangen kannst, ja? Ich kann mit deinem Geschreibsel sehr viel anfangen, Micha. Aber ich freu mich auch sehr über die Umarmung :)
Und warum zum Teufel fängst Du jetzt plötzlich mit einem anderen schlechten Gewissen an? Brauchst Du ein „Ersatz“-schlechtes Gewissen? Ich weiss es nicht, Iko. Vielleicht traue ich mich einfach noch nicht, meinen Empfindungen zu trauen.
Könnte es sein, dass die vermeintliche natürliche Selbstakzeptanz in gewisser Weise auch von Resignation bestimmt war? Im Sinne von: Ich schaffe es (währen der akuten ES) ja eh’ nicht abzunehmen? Könnte es sein, dass Dein - wie wir nun ja alle wissen ungeduldiger - Geist einfach jetzt eine Chance wittert, und deshalb alle Selbstakzeptanz über den Haufen werfen will um nun endlich schnell, schnell abzunehmen? Hmmm..... auch hier muss ich sagen, dass ich das nicht weiss. Liegt es an meiner Ungeduld? Vielleicht ist es so, dass ich mich nur rundherum geheilt fühlen kann, wenn das Fett schwindet. Vielleicht bin ich enttäuscht, weil sich in 2 Jahren Therapie so vieles geändert hat, aber nur in meinem Kopf und nicht an meinem Körper. Zu Beginn der Therapie dachte ich, dass sich mein Ich verändert und ich parallel dazu abnehme. Ich dachte, dass ich in ~ 3 Jahren geistig und körperlich gesund sein würde. Jetzt sind 2,5 Jahre um. Mein Geist ist sicherlich um einiges gesünder als früher, aber der Körper fühlt sich beschissen an wie nie zuvor. Es ist, als hätte ich früher meinen Körper, aber nicht meine Seele akzeptieren können. Und jetzt ist es, als könne ich meine Seele, aber nicht mehr meinen Körper akzeptieren. Ja, das trifft es.
Könnte es vielleicht sein, dass die sehr, sehr kluge Frau nach ihrem Urlaub ihren eigenen Rhythmus einfach noch nicht wiedergefunden hat? Dass sie ihn nur mit etwas Geduld noch mal suchen muss? Sie weiß nämlich wie es geht!! Da ist sicherlich was dran. Erst jetzt komm ich langsam wieder „auf Spur“.
Es gibt auch immer wieder Erlebnisse, die mich froh stimmen. Beispiel: Ich habe mir am Samstag eine Tüte Chips geholt. Heute ist Donnerstag und sie ist immer noch nicht alle. Früher wäre sie noch am Samstag "gestorben".
Oder: Ich kaufe nur noch Dinge, die mir schmecken. Keine Lightprodukte ohne Geschmack etc. Und die Ernährung damit funktioniert. Ich habe keine "Uah, das will ich jetzt unbedingt haben"-Anfälle mehr. Sich nichts mehr zu verbieten ist genau der richtige Weg.
Dennoch fühle ich mich zerrissen.
(Und schicke mir die Zitate meiner heutigen Worte, wenn ich in ungewisser Zukunft vielleicht hier auftauche und heule, weil es mir auch nicht schnell genug geht ) Das werde ich gerne tun. Ich danke dir von Herzen für den Spiegel!
Babs,
die sich gerade nicht wie eine kluge Frau fühlt
Solitude
16.09.2005, 02:36
Liebe Babs,
ich komme ja nun vielleicht aus einer ganz anderen Ecke, möchte dir aber gerne dazu schreiben wie meine Erfahrungen der letzten Zeit so sind:
Meine Waage hat lange Zeit keine Rolle gespielt. Als ich meine Esssucht mit Hilfe von Therapie anging auch noch nicht.
Als gesundheitliche Probleme dazu kamen und ich gefragt wurde was ich wiege habe ich mich das erste Mal wieder drauf gestellt und es waren noch 5 kg mehr als ich dachte und ich war knapp 5 kg von meinem absoluten Höchststand entfernt.
Dann kam die Zeit mit den Überlegungen Hüft- und Knie-OP. Die Odysee von einem Arzt zum nächsten. Eigentlich schon Termin zur Arthroskopie...dann Panik und abgesagt.
Mein Bauchgefühl war richtig, es war die richtige Entscheidung.
Ich habe mit Schwimmen und Muskelaufbau-Übungen und dem Verlust einiger Kilos in 2 Monaten soviel erreicht, dass ich fast schmerzfrei bin:) .
Ich benutze meine Waage inzwischen täglich - allerdings weiß ich, dass Gewichtsschwankungen völlig normal sind und 1 Kilo rauf oder runter wirft mich nicht vom Hocker...Ich führe ein kleines Büchlein, in dem ich notiere, wann ich Sport gemacht habe und wie lange, ob ich genug geschlafen habe (auch zu wenig Schlaf führt zu Gewichtsveränderungen) und eben auch das Gewicht.
Für mich ist es eine Dokumentation, ob das gesetzte Ziel ca. 2-3 kg monatlich zu verlieren funktioniert.
Allerdings setzt mich auch ein Gewichtsstillstand nicht unter Druck. Ich halte die Dokumentation aus und sie ist auch nur für mich, nicht für andere zur Begutachtung.
Ich betrachte das als Zeichen der Gesundung von meiner Essstörung, dass ich so damit umgehen kann und meine Therapeutin unterstützt und begleitet mich dabei (ich mache eine kognitive Verhaltenstherapie).
Wie ich an anderer Stelle schon schrieb ist es für mich einzig und allein ein "mentales Bereitsein" für die Veränderung.
Ohne die Therapie hätte ich das nie geschafft. Die Entlastung, die ich dort erfahren habe, die Tatsache, dass mir jemand geholfen hat zu erkennen, woher Ängste und schlechtes Selbstwertgefühl und auch Misstrauen kamen hat mir wahnsinnig geholfen.
Ich habe jetzt einen Ort, an dem ich mit meinen Problemen Raum habe und ich muss sie nicht mehr "runterschlucken". Und ich will mich nicht länger mit Essen selbst mißhandeln, sondern mir nur noch Gutes tun. Weil ich das nämlich verdient habe. Nur das Beste:girl: .
Liebe Babs, ich denke einfach, dass bei dir Seele und Körper nicht Schritt miteinander halten konnten. Du hast soviel aufgearbeitet und hast soviel richtig umgesetzt...und jetzt rennst du mit Ungeduld um, was vielleicht eher spielerisch, locker flockig umgesetzt werden sollte.
Jeder hat da seinen eigenen Weg. Mein Weg ist für mich richtig und kann für einen anderen ganz verkehrt sein.
Wie iko schon so schön herausgeschrieben hat...die Antworten hast du schon selber parat.
Ich denke, du mußt nur dein eigenes Tempo und deinen ureigenen Weg finden.
Was aber glaube ich für alle gemeinsam gilt, ist seinem eigenen Rhythmus zu folgen. Für mich ist es auch sehr schlecht, wenn mich etwas aus dem Takt bringt...weshalb sich im Moment alles und jeder nach mir und meinem Rhythmus richten muss.
Insofern war deine Entscheidung im Urlaub goldrichtig, dass dein Freund sich nach deinen Essenszeiten gerichtet hat.
Ich weiß nicht, ob das bei mir je wieder keine Rolle spielen wird...aber wenn ist es auch kein Problem.
Du entscheidest das Tempo...aber nicht im Kopf intellektuell sondern mental
- und wenn du soweit bist, bist du soweit...:five:
Liebe Grüße, Solitude
Ach, liebe Babs, ich verstehe dich ja SO gut!
Ich habe ja nie eine Therapie gemacht, hatte auch keinen Namen für das, was ich heute Essstörung nenne. Trotzdem war mir natürlich klar, dass mein Essverhalten nicht "normal" war und ich habe oft darunter gelitten, mich nicht "im Griff" zu haben - allerdings hatte es auch manchmal etwas Tröstliches: "Ich bin zwar nicht dünn, aber ich kann wenigstens essen was ich will!" Als ich mich dann irgendwann von der Esssucht loszulösen versuchte, kehrte sich dieser Gedanke ins Gegenteil: "Wenn ich nicht mehr essen kann was ich will, dann möchte ich wenigstens dünn sein!" Deshalb, ich habe es in anderen Threads ja schon angedeutet, habe ich eine jahrelange 1000-kcal-Diät durchgezogen. Mein Leben lang habe ich gewusst, dass eine Diät genau das Richtige sein würde, ich nur zu schwach dazu sei, und ich wertete den lang ersehnten Gewichtsverlust als Gesundung. Mittlerweile ist mir klar, dass diese Diät nur eine Verlagerung der Essstörung war, denn ich beschäftigte mich immernoch ständig mit (nicht) Essen, (nicht) Essen, (nicht) Essen...
Heute, fast fünf Jahre später, bin ich fast wieder auf meinem alten Gewicht. Immerhin ist nichts dazugekommen! Und langsam löse ich mich von den Zwängen, die das Essen für mich mein Leben lang bedeutet haben. Ich ernähre mich gesund und bewege mich viel - trotzdem nehme ich nicht ab. Woran das liegt, weiß ich nicht, aber momentan ist das nicht wichtig, denn ich bin so leistungsfähig und erfolgreich wie noch nie zuvor. Ich habe das Gefühl, mein Kopf ist endlich frei für die relevanten Dinge des Lebens. Das bedeutet nicht, dass ich nicht gerne schlank(er) wäre und auch nicht, dass ich meine Vergangenheit schon vollständig aufgearbeitet habe, aber es ist immerhin ein Anfang.
Ich weiß jetzt gar nicht, was ich dir raten kann und ob dieser Beitrag so besonders sinnig ist. Mir fehlen zu diesem Thema oft die richtige Worte... :nixweiss:
Ach egal, ich schick's jetzt einfach ab!
Solitude
17.09.2005, 02:07
Ich ernähre mich gesund und bewege mich viel - trotzdem nehme ich nicht ab. Woran das liegt, weiß ich nicht, aber momentan ist das nicht wichtig, denn ich bin so leistungsfähig und erfolgreich wie noch nie zuvor. Ich habe das Gefühl, mein Kopf ist endlich frei für die relevanten Dinge des Lebens.
Hohes Gewicht mag mit 25 noch ein zu vernachlässigendes Thema sein…in 25 Jahren kann das ganz anders sein.
Ich wünschte mir heute mir wäre schon vor 20 Jahren das eine oder andere bewusst gewesen…dann wäre ich heute manche gesundheitliche Sorge los.
Und Gesundheit gehört zu den relevantesten Dingen im Leben, es gibt nichts Wichtigeres. Ohne das ist alles andere nichts wert.
Das betrifft physische und psychische Gesundheit, beides Dinge um die ich mich viel zu lange viel zu wenig gekümmert habe.
Ich erinnere mich noch wie ich noch vor 5 Jahren mit stolz geschwellter Brust verkündet habe wie gut meine Blutwerte doch seien, kaum Cholesterin und auch keine erhöhten Zuckerwerte. Ich habe jedem, der es hören wollte (oder auch nicht) erzählt, dass ich topfit sei und dass das Gewicht keine Rolle spiele.
Nun ja – erstens kommt es anders und zweitens als man meint…
Wahrscheinlich mache ich mich mit solchen Bemerkungen nicht gerade beliebt hier – ich weiß genau, dass ich so was vor Jahren auch nicht gerne gelesen hätte.
Trotzdem möchte ich so gerne Mut machen. Mut machen, einen anderen Weg zu gehen.
Ich habe den ganzen Kühlschrank voll mit Sachen, an denen ich mich bis zum Abwinken satt essen kann bis ich nicht mehr Papp sagen kann. Ich zähle keine Kalorien, esse alle paar Stunden wenn ich Hunger habe, beachte mein Hunger- und Sattgefühl, versuche 8 Std. zu schlafen, ausreichend zu trinken (ca. 3 l täglich) und mindestens 3-4 x wöchentlich 1 Std. zu Schwimmen oder Radzufahren. Zucker und Süßstoff machen hungrig - also habe ich den Zuckerkonsum sehr stark zurückgefahren.
Das ist für mich die einzige Einschränkung gewesen, die mir vielleicht 4 Wochen zu schaffen gemacht hat.
Ich denke sogar, es ist eine Art „Entzug“ gewesen.
Und die Einschränkung mit der ich bereit bin für den Rest meines Lebens zu leben (ähnlich wie ein Alkoholkranker keinen Alkohol mehr anrührt, wenn er „trocken“ ist).
Die (für mich) ungewohnte sportliche Betätigung hat den angenehmen Nebeneffekt, dass ich ganz ohne Antidepressiva Serotoninausschüttungen habe und mich echt besser fühle…
Für die unter uns, die nicht an einer Stoffwechselkrankheit oder anderen Erkrankungen leiden, die eine Gewichtsveränderung unmöglich machen ist es zumindest ein gangbarer Weg und vielleicht doch eine Überlegung wert.
Altersweise und diätfreie Grüße,
Soli
AndreaMei
18.09.2005, 12:01
Ist das der Preis, den ich für das neue Ich bezahlen muss? Ein gewichtskontrolliertes Leben und Gedanken, die nur um die Themen Ernährung, Waage, Gesundheit kreisen???? Was ist aus der natürlichen Akzeptanz meines Dickseins geworden?
Hallo Babs,
meiner Erfahrung nach ist dies kein Zustand, der nicht veränderbar ist. Es ist eher die Zeit gekommen, sich auch hiermit auseinanderzusetzen.
Genau das Problem hatte ich auch bis vor kurzem. Ich war soweit im Reinen mit mir (jedenfalls im Großen und Ganzen). Auch dass ich mit meinem Essverhalten nicht abgenommen hatte, war total o.k., denn ich habe auch nicht zugenommen und weiter keine körperlichen Beschwerden.
Irgendwann habe ich dann aber doch mal 1kg abgenommen, und dann brach es irgendwie aus: ich habe mich oft gewogen, was ich vorher nicht tat, ich habe wieder angefangen, WW-Punkte zu zählen, und habe dadurch gemerkt, dass eben doch noch nicht alles gut ist, wie ich dachte bzw. mir vorgemacht habe. Es war jedenfalls ein Riesenstress.
Dann habe ich angefangen, mich zu fragen, warum es auf einmal so schnell gehen soll. Was treibt mich? Woran liegt es, dass ich der Waage wieder einen so großen Stellenwert gebe? Was hat sich auf einmal geändert?
Ja, es war viel Ungeduld bei mir. Sinngemäß: nun habe ich so viel geschafft, da sollte das doch eigentlich von selbst gehen - und habe vergessen, dass der Weg bis jetzt auch nicht von selbst ging und sehr lange gedauert hat (etwa acht Jahre).
Am 01. Juli ist meine Waage offiziell ausgezogen. ;)
Ich finde gerade nicht mehr, wer das geschrieben hat, aber ich meine auch, dass Du Deine körperlichen Beschwerden auch losgelöst von Deinem Gewicht betrachten könntest. Was würde eine schlanke Person gegen die Beschwerden tun (ich denke da gerade an eine Freundin von mir, die auch Probleme mit ihren Knien hat und sehr wenig wiegt).
Ich wünsche Dir alles Gute
Andrea :)
Wahrscheinlich mache ich mich mit solchen Bemerkungen nicht gerade beliebt hier – ich weiß genau, dass ich so was vor Jahren auch nicht gerne gelesen hätte.
Hallo Solitude,
tatsächlich habe ich mich über dein Posting ein bisschen geärgert – allerdings nicht, weil mir nicht schmeckt, was du generell sagst, sondern weil du implizierst, dass ich meine "Probleme" verdrängen würde…
Vielleicht hast du mich ja missverstanden? Ich empfinde körperliche Gesundheit auch als sehr wichtig, deswegen achte ich auf eine gesunde Ernährung und genügend Bewegung. Nun habe ich davon bisher nicht nennenswert abgenommen – ich schätze mal, weil mein ruinierter Stoffwechsel sich erst erholen muss. Was soll ich also tun?
Zudem habe ich nun mal eine Essstörung. Sie ist nicht mehr akut, wofür ich sehr dankbar bin, aber bei zu viel Druck in Richtung Gewichtsverlust reagiere ich immer noch recht zwanghaft (Kalorienzählen, Sport bis zur totalen Erschöpfung etc.). Was soll ich also tun?
Kann es nicht sein, dass der "Weg", von dem du immer wieder schreibst, ganz einfach DEIN Weg ist, dass man ihn nicht auf jede x-beliebige Person übertragen kann? Ich bin von der Esssucht losgekommen, habe den Diätzwang und den Hass auf meinen Körper abgeschüttelt, gehe liebevoll mit mir selbst um und fühle mich endlich psychisch und physisch gesund. Das ist MEIN Weg und auf den bin ich stolz.
Sorry, Babs, ich wollte deinen Thread nicht so unterbrechen, aber das musste ich noch loswerden.
Sophonisbe
19.09.2005, 13:08
Ich erinnere mich noch wie ich noch vor 5 Jahren mit stolz geschwellter Brust verkündet habe wie gut meine Blutwerte doch seien, kaum Cholesterin und auch keine erhöhten Zuckerwerte. Ich habe jedem, der es hören wollte (oder auch nicht) erzählt, dass ich topfit sei und dass das Gewicht keine Rolle spiele.
Nun ja – erstens kommt es anders und zweitens als man meint…
Wahrscheinlich mache ich mich mit solchen Bemerkungen nicht gerade beliebt hier – ich weiß genau, dass ich so was vor Jahren auch nicht gerne gelesen hätte.
Trotzdem möchte ich so gerne Mut machen. Mut machen, einen anderen Weg zu gehen.
Also, Solitude, ich weiß nicht... irgendwie sitzt mir das quer. Auch, wenn ich gar nicht direkt angesprochen wurde. Das liegt zum einen daran, dass sich alles in mir sträubt, sobald ich ein irgendwie geartetes "Ernährungskonzept" vorgestellt bekomme. Das Sträuben wiederum resultiert daraus, dass ich mit (wie und auf welche Weise auch immer) kontrollierter und reglementierter Ernährung schon genug schlechte Erfahrungen für ein ganzes Leben gemacht habe. Deswegen muss man mir auch keinerlei "Mut machen", diesem Weg zu folgen. Ich bin nicht im Mindesten mutlos, nur weil ich hinter meiner Ernährung kein Programm und keine Philosophie stehen habe.
Desweiteren glaube ich da einige implizierte Unterstellungen herauszuhören, die mir nicht schmecken wollen. Zum Beispiel so ein "Ihr wollt ja nur die Wahrheit nicht hören". Oder das "Wer sich gesund fühlt, obwohl er dick ist, der macht sich was vor."
Es kann sein, dass ich andere Dinge höre, als Du gesagt hast. Kommunikation ist eine schwierige Sache. Trotzdem kann ich mein Befremden nicht unterdrücken.
@ Babs: Vielleicht ist es ja völlig daneben, aber ein bisschen bekannt kommt mir die Sache schon vor. Die Erfahrung, dass so ein Körper seine eigenen Gesetzlichkeiten hat und sich bisweile überhaupt nicht davon beeindrucken lässt, was ich will, will, WILL!, die war für mich ziemlich erschreckend. Wenn Du auch so eine bist, die im Grunde der Meinung ist, dass ein Körper dem Geist zu gehorchen habe, dann könnte es vielleicht hilfreich sein, diese Vorstellung in Frage zu stellen. Was ich mir außerdem hilfreich vorstellen könnte, wären Entspannungstechniken. Autogenes Training zum Beispiel. Die Idee dahinter ist, dass eine entspanntere Herangehensweise den kleinen Kontrollfreak, der immer irgendetwas unbedingt will, ausschalten kann und Dir ein bisschen den Krampf nehmen könnte.
Solitude
19.09.2005, 14:24
Also, missionieren wollte ich nicht und unterstellen wollte ich auch nichts.
Ich habe immer gesagt, es ist „mein Weg“ und der ist für mich richtig und kann für einen anderen ganz falsch sein. Ich dachte da hätte ich mich klar ausgedrückt…
Meine Ernährungsumstellung hat auch nichts mit einer „Philosophie“ zu tun, ich propagiere ebenso keine Diät. Alles was ich tue und getan habe ist, meine Essstörung mit therapeutischer Hilfe anzugehen und konnte danach als zweiten Schritt meine Lebensgewohnheiten ändern.
Und selbstverständlich haben ebenso dünne, schlanke und dicke Menschen Arthrose, Bluthochdruck, Diabetes etc.
Ich habe nie behauptet, dass nur dicke Menschen diese Krankheiten bekommen, ebenso wenig habe ich behauptet, dass dicke Menschen automatisch krank werden nur weil sie dick sind.
Was ich allerdings für unumstößliche Fakten halte ist dies:
- WENN man Arthrose und Gelenkbeschwerden hat ist jedes Kilogramm
mehr an Körpergewicht sehr schlecht. Beinmuskelaufbautraining ist gut und
richtig – zusätzlicher Gewichtsverlust sehr hilfreich.
- WENN man Bluthochdruck hat bedeutet Gewichtsverlust eine Senkung des
Bluthochdrucks ohne Medikamente. Habe ich am eigenen Leib sowohl in der
positiven als auch in der negativen Bilanz erlebt.
Und wenn man die Möglichkeit hat, sprich wenn man nicht an Stoffwechselstörungen oder anderen Erkrankungen leidet, die das ohnehin ausschließen Gewicht zu verlieren, muss es doch auch in einem Forum für dicke Selbstakzeptanz erlaubt sein, darüber zu sprechen, dass es unter Umständen besser ist ein gesundes Wohlfühlgewicht anzusteuern.
Mit anderen Worten: meiner bescheidenen Meinung nach ist die Esssucht eine Krankheit, die massive Folgeerkrankungen nach sich ziehen KANN und dass sollte man nicht verschweigen und diese Krankheit nicht verharmlosen und alles dafür tun, sie zu überwinden.
Und wenn man die Möglichkeit hat, sprich wenn man nicht an Stoffwechselstörungen oder anderen Erkrankungen leidet, die das ohnehin ausschließen Gewicht zu verlieren, muss es doch auch in einem Forum für dicke Selbstakzeptanz erlaubt sein, darüber zu sprechen, dass es unter Umständen besser ist ein gesundes Wohlfühlgewicht anzusteuern Soli, mir ist nicht ganz klar, welche Unterschiede du zwischen Stoffwechselkrankheiten und einer Eßstörung machst? Zwischen den Zeilen kommt dein Beitrag für mich so rüber, daß jemand, der an einer Eßstörung erkrankt ist, "leichter" dieses Wohlfühlgewicht erreichen könnte als der/die Stoffwechselerkrankte. Ist das so? Wenn ja, warum? Wenn nein...hab ich nix gesagt. :cool3:
Soli, mir ist nicht ganz klar, welche Unterschiede du zwischen Stoffwechselkrankheiten und einer Eßstörung machst? Zwischen den Zeilen kommt dein Beitrag für mich so rüber, daß jemand, der an einer Eßstörung erkrankt ist, "leichter" dieses Wohlfühlgewicht erreichen könnte als der/die Stoffwechselerkrankte. Ist das so? Wenn ja, warum? Wenn nein...hab ich nix gesagt. :cool3:
Also, ich persönlich würde das so sehen.
Stoffwechselerkrankung (d.h. Gewicht ist in erster Linie aufgrund einer Erkrankung des Hormonsystems gleich welcher Art entstanden): Aufgrund hormoneller Schwankungen oder Unstimmigkeiten oder durch massive Diäten ist der Stoffwechsel so massiv gestört, dass keine Normalität herbeigeführt werden kann. Soll heißen: Egal, wie viel oder wenig ich esse, mein Gewicht wird davon nicht beeinträchtigt. Ich selbst habe eine Schranke von 12 kg. Bis dahin nehme ich super ab, dann ist Schluss, mehr geht nicht. Auch wenn ich dann exzessiv Sport betreibe und nichts mehr essen täte - das Gewicht hält.
Reine Ess-Störung (d.h. Gewicht wurde ausschließlich durch Nahrungsaufnahme erarbeitet) Nach "Heilung" der psychischen Erkrankung kann durch eine gesunde Kost mit reduzierter Kalorienaufnahme (idealerweise nicht unter 1500 kcal) und regelmäßiger sportlicher Betätigung eine langsame Gewichtsabnahme problemlos erfolgen.
In meinem Fall (Hypophysenvorderlappentotalau sfall) spielen die Hormone eine sehr große Rolle, allerdings bin ich nicht davon dick geworden, aber schlank werde ich wohl auch nicht mehr. Eine reine Ernährungsumstellung mit Sport jedenfalls funktioniert bei mir nur bis 12 kg...
Kirstin
Und wenn man die Möglichkeit hat, sprich wenn man nicht an Stoffwechselstörungen oder anderen Erkrankungen leidet, die das ohnehin ausschließen Gewicht zu verlieren, muss es doch auch in einem Forum für dicke Selbstakzeptanz erlaubt sein, darüber zu sprechen, dass es unter Umständen besser ist ein gesundes Wohlfühlgewicht anzusteuern.
Natürlich ist das erlaubt - aber glaubst du nicht, dass das die meisten (wenn nicht alle) von uns schon auf irgendeine Art und Weise versucht habe? Es ist toll, dass das bei dir funktioniert, andere haben vielleicht nicht dieses Glück.
Solitude
19.09.2005, 15:31
Also, ich persönlich würde das so sehen.
Stoffwechselerkrankung (d.h. Gewicht ist in erster Linie aufgrund einer Erkrankung des Hormonsystems gleich welcher Art entstanden): Aufgrund hormoneller Schwankungen oder Unstimmigkeiten oder durch massive Diäten ist der Stoffwechsel so massiv gestört, dass keine Normalität herbeigeführt werden kann. Soll heißen: Egal, wie viel oder wenig ich esse, mein Gewicht wird davon nicht beeinträchtigt.
Reine Ess-Störung (d.h. Gewicht wurde ausschließlich durch Nahrungsaufnahme erarbeitet) Nach "Heilung" der psychischen Erkrankung kann durch eine gesunde Kost mit reduzierter Kalorienaufnahme (idealerweise nicht unter 1500 kcal) und regelmäßiger sportlicher Betätigung eine langsame Gewichtsabnahme problemlos erfolgen.
Herzlichen Dank Kirstin...genau so hatte ich es gemeint!
@ Pandora...siehe oben. Besser als Kirstin könnte ich es auch nicht ausdrücken.
@ Murmel...also NICHTS liegt mir ferner als hier jemand eine lange Nase zu drehen und zu sagen: seht her ich bin so toll, ich habs geschafft und ihr seit alle Versager!!!
Ich wollte nur - und wie ich sehe offensichtlich sehr mißglückt sagen: hey...gebt nicht auf. Ich habe seit 30 Jahren eine Eßstörung und habe zig Anläufe gemacht sie zu überwinden und habe schon lange nicht mehr daran geglaubt, das es geht.
Wenn ihr meine Beiträge von vor 2 Monaten anschaut dann wißt ihr das...
Und ich wollte sagen, es KANN funktioneren.
Und ein kleines bißchen wollte ich vielleicht auch, dass sich jemand mit mir freut und sagt, dass ich das gut mache:holy:
Reine Ess-Störung (d.h. Gewicht wurde ausschließlich durch Nahrungsaufnahme erarbeitet) Nach "Heilung" der psychischen Erkrankung kann durch eine gesunde Kost mit reduzierter Kalorienaufnahme (idealerweise nicht unter 1500 kcal) und regelmäßiger sportlicher Betätigung eine langsame Gewichtsabnahme problemlos erfolgen.
Boah! :schwede:
Euch ist aber schon klar, daß Reduktionskost gerade bei Eßsucht äußerst kontraproduktiv ist? Daß diese auch oft einer der Auslöser für die ES überhaupt ist? Auch wenn es sich nicht um 800 oder 1000, sondern um 1500 oder wieviel Kalorien auch immer handelt, ist es doch Einschränkung / Reglementierung / Kontrolle.
Und ab wann sprechen wir eigentlich von einer "Heilung" der ES? Auch wenn ein Patient über längere Zeit hinweg stabil im Eßverhalten bleibt, sind Rückfälle in die alten Verhaltensmuster keine Seltenheit.
Nix für ungut, Mädels, aber das sehe ich komplett anders als ihr. :meinung:
frauvonheute
19.09.2005, 16:43
Hallo Mädels,
ich denke, jeder muss seinen eigenen Weg finden (wobei mir diese Sache mit dem Kalorienzählen „nach“ einer Essstörung auch etwas sauer aufstößt). Eure Antworten haben mich alles noch einmal überdenken lassen und für mich bedeutet der Kampf (und Sieg) gegen die Essstörung folgendes:
Ich erkenne, dass etwas nicht in Ordnung ist.
Ich suche mir professionelle Hilfe (eine Selbsthilfegruppe, wie z. B. dieses Forum parallel dazu, wäre optimal).
Ich arbeite an meiner Ich-Störung, erkenne, wofür ich die Essstörung benötige und lerne neue Verhaltensweisen.
Je stabiler ich psychisch werde, desto mehr kann ich auf meinen Körper und seine Bedürfnisse hören.
Dann arbeite ich an der Gewichtsabnahme. Dies möchte ich aber nicht durch Kalorien- oder (Fett)Punkte zählen machen. Ich möchte mich so ernähren, wie mein Körper es braucht. Das bedeutet, dass ich zuerst feststelle, dass ich gar nicht so viel Nahrung brauche, wie ich immer dachte. Dann stelle ich meine Ernährung um. Nicht so viel Süßes, mehr Obst und Gemüse, weniger Fette, aber keine Verbote oder "Sündengedanken". Ich möchte lernen, wie man "normal" isst, ohne Essen zu meinem Lebensinhalt zu machen (weder als Esssüchtige, noch als Abnehmfanatiker).
Gleichzeitig treibe ich Sport (ich gehe jetzt z. B. vor der Arbeit schwimmen und im Fitness-Studio bin ich ja auch noch). Mein Sportziel ist es, dafür zu sorgen, dass mein Blutdruck weiterhin normal ist, dass meine Kondition gesteigert wird, dass mein Stoffwechsel/die Fettverbrennung begünstigt wird und ich mich rundum gut fühle.
Mein höchstpersönliches Ziel ist es, dass ich mich in meinem Körper gesund und wohlfühle. Mein Traum wären dafür so ca. 100 kg (nur so ein Gefühl, ist kein Muss).
Ich weiss nicht, ob mein Stoffwechsel ruiniert ist, aber da ich nie wirklich Diäten gemacht habe, sollte das okay sein.
Ja, ich glaube, so kann ich leben.
Das ist mein Weg und er fühlt sich gut an für mich.
Jetzt muss ich nur noch die Ungeduld in den Griff bekommen (übrigens, Sopho, Autogenes Training etc. habe ich probiert - ist aber nicht wirklich mein Ding. Ich kann mich allerdings beim Schwimmen herrlich entspannen).
Babs
Euch ist aber schon klar, daß Reduktionskost gerade bei Eßsucht äußerst kontraproduktiv ist? Daß diese auch oft einer der Auslöser für die ES überhaupt ist? Auch wenn es sich nicht um 800 oder 1000, sondern um 1500 oder wieviel Kalorien auch immer handelt, ist es doch Einschränkung / Reglementierung / Kontrolle.
Moooooooooooooooooment. Ich habe nirgendwo was von "höchstens" geschrieben, sondern nur, dass man jetzt nicht plötzlich die Superdiät (so wie ich sie vor 14 Jahren auf einer internistischen Station machen musste: 300 kcal am Tag, jeden zweiten Tag nur Flüssignahrung *buargs*, ich habe allerdings toll abgenommen: 40 kg in 9 Monaten, danach war ich psychisch und physisch ein Wrack, mein Bruder bezeichnete mich damals als die einzige dicke Magersüchtige, die er kennt, ich war bei 80 kg im Kopf irgendwie magersüchtig...) machen sollte, sondern mindestens 1500 kcal essen sollte. Wobei es hier nicht auf das Zählen von Kalorien ankommt. Ich glaube, das ist für mich auch der Grund, dass ich nicht mehr zu den Weight Watchers gehen kann. Selbst wenn ich 28 Points essen darf und das ja eigentlich recht viel ist, es ist eine Einschränkung und ich hänge dann den ganzen Tag da und traue mich nicht, irgendwas leckeres zu essen, weil das zu viele Points hat und ich dann vielleicht, wenn ich Hunger habe, statt einem Brot nur Gemüse essen darf. Aber wenn man es schafft, auf seinen Körper zu hören und ihm genau das zu geben, was er braucht (und vielleicht nicht nur das, worauf er gerade Lust hat) und dann auch noch Spaß an der Bewegung gewinnt, dann ist das ideal. Und ein nicht stoffwechselgestörter Organismus verliert dann ganz von allein und nicht übereilt soviele Pfunde, wie er für nötig empfindet. Und plötzlich hat man ein Gewicht erreicht, von dem man (wieder) sagen kann: Ja, damit fühle ich mich wohl.
Und ab wann sprechen wir eigentlich von einer "Heilung" der ES? Auch wenn ein Patient über längere Zeit hinweg stabil im Eßverhalten bleibt, sind Rückfälle in die alten Verhaltensmuster keine Seltenheit.
Tja, das ist für mich das Schwierigste. Auch wenn eine ES im gewissen Sinne eine Sucht ist, dann hat sie doch mit allen anderen Süchten eines nicht gemein: Man kann auf das Suchtmittel - das Essen - nicht verzichten. Insofern gibt es keine "trockenen" oder "cleanen" Ess-Süchtige. Man kann - dies ist meine Meinung - niemals vollständig geheilt werden, deswegen schrieb ich ja auch "geheilt". Es geht nur darum, wie gut ich mit der ES leben lerne, ob ich die ES kontrolliere oder sie mich. Sobald ich in der Lage bin, die ES im Schach zu halten, kann ich mich um Details kümmern und dann kann ich vielleicht auch abnehmen. Vorher bringt dies nix.
Kirstin
Sophonisbe
19.09.2005, 18:57
@ Soli: Nun, ich halte ein Missverständnis für möglich. Ich habe nur das "Mut machen wollen" in Kombination mit der Vorstellung Deiner Ernährungsphilosophie und in Kombination mit dem "Für die unter uns, die nicht an einer Stoffwechselkrankheit oder anderen Erkrankungen leiden, die eine Gewichtsveränderung unmöglich machen ist es zumindest ein gangbarer Weg und vielleicht doch eine Überlegung wert." als etwas anmaßend empfunden. Wie Murmel schon anmerkte: Du kannst davon ausgehen, dass ich bereits die eine oder andere Überlegung zum Thema angestellt habe. Aber ja, ich habe registriert, dass Du nur den für Dich, nicht den für "uns" gangbaren Weg beschrieben hast.
Für mich ist er definitiv nicht gangbar, denn mir geht es wie Pandora: Euch ist aber schon klar, daß Reduktionskost gerade bei Eßsucht äußerst kontraproduktiv ist? Daß diese auch oft einer der Auslöser für die ES überhaupt ist? Auch wenn es sich nicht um 800 oder 1000, sondern um 1500 oder wieviel Kalorien auch immer handelt, ist es doch Einschränkung / Reglementierung / Kontrolle. Und um diese Kontrolle als unzumutbar zu empfinden, brauche ich noch nicht einmal eine Esssucht. Zwanzig Jahre Diäterfahrung reichen da völlig aus. Weitere Reglementierungen, so gut kenne ich mich, würden mich mitten in eine Essstörung führen.
@ Babs: Na, die Hauptsache ist ja auch, dass Du entspannst. Gern auch beim Schwimmen. Es ging mir im Wesentlichen um das Phänomen des Loslassen könnens. :)
Solitude
19.09.2005, 22:04
Boah! :schwede:
Euch ist aber schon klar, daß Reduktionskost gerade bei Eßsucht äußerst kontraproduktiv ist? Daß diese auch oft einer der Auslöser für die ES überhaupt ist? Auch wenn es sich nicht um 800 oder 1000, sondern um 1500 oder wieviel Kalorien auch immer handelt, ist es doch Einschränkung / Reglementierung / Kontrolle.
Und ab wann sprechen wir eigentlich von einer "Heilung" der ES? Auch wenn ein Patient über längere Zeit hinweg stabil im Eßverhalten bleibt, sind Rückfälle in die alten Verhaltensmuster keine Seltenheit.
Nix für ungut, Mädels, aber das sehe ich komplett anders als ihr. :meinung:
Also um das klarzustellen, ich zähle weder Punkte noch Kalorien...ich esse mich satt und habe keinen Schimmer wieviel points oder kalorien das sind.
Darauf reagiere ich wie viele hier mega-allergisch und empfinde das als Beschränkung, die ich nicht möchte.
Eine Heilung von der ES gibt es nicht. Ich bezeichne mich als "trockene" Esssüchtige solange ich mich entspannt satt essen kann...es keine verbotenen Lebensmittel gibt (also ich esse auch mal Zucker oder Kuchen:rolleyes: )
nur hat sich mein Essverhalten insgesamt geändert und ist mehr auf Dinge fokussiert die mir gut tun...
Was die Rückfälle angeht stimme ich dir zu. Ich habe zwei für mich sehr belastende Situationen in den letzten Monaten zu meistern gehabt und bin sehr, sehr glücklich, dass das keinen Rückfall ausgelöst hat.
Aber wie ein trockener Alkoholiker weiß ich natürlich um die Gefahr eines Rückfalls. Ich wäre auch nie so arrogant zu behaupten, dass das nicht vorkommen kann. Allerdings bin ich sehr zuversichtlich, dass ich es packe...
Solitude
19.09.2005, 22:10
für mich bedeutet der Kampf (und Sieg) gegen die Essstörung folgendes:
Ich erkenne, dass etwas nicht in Ordnung ist.
Ich suche mir professionelle Hilfe (eine Selbsthilfegruppe, wie z. B. dieses Forum parallel dazu, wäre optimal).
Ich arbeite an meiner Ich-Störung, erkenne, wofür ich die Essstörung benötige und lerne neue Verhaltensweisen.
Je stabiler ich psychisch werde, desto mehr kann ich auf meinen Körper und seine Bedürfnisse hören.
Dann arbeite ich an der Gewichtsabnahme. Dies möchte ich aber nicht durch Kalorien- oder (Fett)Punkte zählen machen. Ich möchte mich so ernähren, wie mein Körper es braucht. Das bedeutet, dass ich zuerst feststelle, dass ich gar nicht so viel Nahrung brauche, wie ich immer dachte. Dann stelle ich meine Ernährung um. Nicht so viel Süßes, mehr Obst und Gemüse, weniger Fette, aber keine Verbote oder "Sündengedanken". Ich möchte lernen, wie man "normal" isst, ohne Essen zu meinem Lebensinhalt zu machen (weder als Esssüchtige, noch als Abnehmfanatiker).
Gleichzeitig treibe ich Sport (ich gehe jetzt z. B. vor der Arbeit schwimmen und im Fitness-Studio bin ich ja auch noch). Mein Sportziel ist es, dafür zu sorgen, dass mein Blutdruck weiterhin normal ist, dass meine Kondition gesteigert wird, dass mein Stoffwechsel/die Fettverbrennung begünstigt wird und ich mich rundum gut fühle.
Mein höchstpersönliches Ziel ist es, dass ich mich in meinem Körper gesund und wohlfühle. Mein Traum wären dafür so ca. 100 kg (nur so ein Gefühl, ist kein Muss).
Das ist mein Weg und er fühlt sich gut an für mich.
Babs
Tja was soll ich sagen...dein Weg ist auch mein Weg...nur im Gegensatz zu dir kannst du das in diesem Forum wohl so rüberbringen, dass es positiv aufgenommen wird.
Danke in jedem Fall für die Beschreibung:applaus:
Soil, die jetzt hofft, dass alles was missverstanden wurde ausgeräunmt ist:rolleyes:
Soli, die jetzt hofft, dass alles was missverstanden wurde ausgeräunmt isthttp://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/rolleyes.gif :bigjaja: Das sind sie, Soli, danke.
frauvonheute
20.09.2005, 08:29
Eine Heilung von der ES gibt es nicht. Ich bezeichne mich als "trockene" Esssüchtige solange ich mich entspannt satt essen kann...es keine verbotenen Lebensmittel gibt (also ich esse auch mal Zucker oder Kuchen )
nur hat sich mein Essverhalten insgesamt geändert und ist mehr auf Dinge fokussiert die mir gut tun..Das ist etwas, das ich nicht glauben kann und will!
Vielleicht bin ich zu naiv, vielleicht nehme ich meine Krankheit nicht ernst genug, vielleicht bin ich zu idealistisch, aber für mich gibt es eine Heilung.
Wenn ich am Ziel meines Weges angekommen bin, ist die Essstörung für mich „gegessen“. Wenn ich daran nicht glauben würde, warum sollte ich dann weiter kämpfen?
Babs
Das ist etwas, das ich nicht glauben kann und will!
Vielleicht bin ich zu naiv, vielleicht nehme ich meine Krankheit nicht ernst genug, vielleicht bin ich zu idealistisch, aber für mich gibt es eine Heilung.
Wenn ich am Ziel meines Weges angekommen bin, ist die Essstörung für mich „gegessen“. Wenn ich daran nicht glauben würde, warum sollte ich dann weiter kämpfen?
Babs
Als nicht ES Betroffene lese ich hier mit viel Interesse und Anteilnahme mit. Besonders Deine Schilderungen des täglichen Kampfes gegen diese Krankheit rühren mich an.
Nun lass mich einfach mal rekapitulieren und sehen wir mal ob ich Deine Schilderungen richtig verstanden habe.
Du hast mittels einer Therapie die Ursachen Deiner Krankheit herausgefunden und konntest einen Weg beschreiten, den Kampf dagegen aufzunehmen. Das heisst aber doch auch, dass Du jetzt die Kraft und Möglichkeit hast, die Nahrungsaufnahme nicht mehr als etwas Negatives sondern die Lebensqualität Erhöhendes anzusehen.
Gleichzeitig versucht Du doch auch Dein Gewicht im Auge zu behalten. Sollte man hier vielleicht nicht von Kontrolle, sondern von einer Art "besonderen Bewusstseins" sprechen?
Ich bin Diabetikerin und deshalb auch gezwungen, täglich mit diesem "Bewusstsein" umzugehen. Anfangs war das für mich ein fast nicht zu bewältigendes Problem. Jetzt gehört es zu meinem Leben und belastet mich nicht mehr. Ich kontrolliere mein Gewicht, denn es gehört einfach zum Umgang mit meiner Krankheit. 90 Kilo und nicht mehr. Ich muss keine Medikamente einnehmen und die Spritzen, so hoffe ich, bleiben mir erspart.
Ich sehe das nicht als Kampf und auch nicht direkt als Kontrolle und Einschränkung, aber ein lebenslanges besonderes "Bewusstsein"
LG
toni
Sophonisbe
20.09.2005, 10:31
Also, Toni, ich schätze mal, gegen ein "besonderes Bewusstsein" hat auch keiner was. Auch nicht dagegen, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Oder sich ein bisschen zu bewegen. Noch nicht mal dagegn, sich ein bisschen mit gesunder Ernährung zu befassen. Es geht ja nicht darum, gedankenloses "Reindreschen" zu favorisieren. Im Gegenteil.
Es ist nur so, dass ich (und ich kann nur von mir sprechen) keine Lust habe, mir Abnahmeziele zu stecken und Ernährungstagebücher zu führen. Und dass ich dieses Verfahren bei einer Esstörung, so wenig Ahnung ich davon habe, für ausgesprochen gefährlich halte - egal, ob man es nun "Kontrolle" tauft oder "besonderes Bewusstsein."
Ich denke mir nämlich, es geht (für die Essgestörten wie für die nicht Essgestörten unter uns) darum, zu einem normalen Umgang mit Essen zu finden. Sich den ganzen Tag über damit zu beschäftigen und sich selbst dahingehend zu beobachten halte ich da für kontraproduktiv. Meine Meinung. Wenn es für andere, Soli beispielsweise, funktioniert und sie ihr Leben so verbringen kann und möchte, dann hat sie meinen Segen. Nur für mich wäre das das Falscheste, was ich mir vorstellen kann. Deswegen auch meine vehemente Abwehr. Sorry, Soli.
Super formuliert, Sopho,
Du sprichst mir aus der Seele.
Für mich als Essgestörte ist es einfach unmöglich, das Essen kontrollieren zu wollen/müssen, das würde mich direkt in den nächsten Anfall führen.
Und dabei spielt es keine Rolle, ob ich als Kontrollkriterium Kalorien, Punkte, "Gesundheitswert" oder was anderes nehme - es funktioniert einfach nicht.
Mein Ziel ist es, irgendwann total auf meinen Körper hören zu können - ich weiß, dass er das Richtige in der richtigen Menge verlangen würde. Was mir dabei logisch erscheint ist, dass der Körper sich leichter tut, wenn ich ihm möglichst natürliche, unverarbeitete Lebensmittel zur Wahl stelle, da er durch "Chemiekram" allzuleicht getäuscht werden könnte.
Darcy - die durch beruflichen Megastreß mal wieder "abgerutscht" ist :(
Hallo Sopho,
genau an dem Punkt bin ich mittlerweile auch. Ich möchte mich nicht mehr permanent kontrollieren und beobachten.
Noch viel weniger als das ich das Gefühl habe das es meinem Körper umso besser geht je weniger ich über das Thema Essen nachdenke.
Gruß
Steffi
Wenn ich am Ziel meines Weges angekommen bin, ist die Essstörung für mich „gegessen“. Wenn ich daran nicht glauben würde, warum sollte ich dann weiter kämpfen?
Babs, ich glaube fest an eine Heilung von der Essstörung! Meine Essanfälle sind seit Jahren spurlos verschwunden, weil ich einen anderen Weg gefunden habe, mit meinen Gefühlen zurecht zu kommen. Und ich glaube auch daran, dass ich es irgendwann schaffen werde, ganz zwanglos und unbeschwert mit dem Thema Essen umzugehen - wenn es erstmal so weit ist, verschwindet vielleicht auch ein paar Pfunde ganz von alleine. Übrigens lohnt es sich meiner Meinung nach immer, weiter zu kämpfen, denn auch wenn es total ausgelutscht ist: Der Weg ist das Ziel...
Hallo Babs,
Murmel hat vollkommen recht. Es lohnt sich immer zu kämpfen. Vielleicht sieht das Ergebnis (oder auch der Weg) nicht immer so aus wie Du es Dir vorher vorgestellt hast aber das heißt ja nicht das es deswegen schlechter ist. Du weißt das ich in meinem Leben viel kämpfen mußte. Es hat sich gelohnt auch wenn ich am Anfang nicht wußte wo der Weg mich hinführt.
Lieben Gruß
Steffi
frauvonheute
20.09.2005, 14:26
Noch viel weniger als das ich das Gefühl habe das es meinem Körper umso besser geht je weniger ich über das Thema Essen nachdenke.
:daumen:
Genau diese Erfahrung habe ich auch gemacht und sie gibt mir das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.
Babs, ich glaube fest an eine Heilung von der Essstörung! Dann sind wir ja schon zu zweit ;)
Babs
Solitude
20.09.2005, 18:51
Das ist etwas, das ich nicht glauben kann und will!
Vielleicht bin ich zu naiv, vielleicht nehme ich meine Krankheit nicht ernst genug, vielleicht bin ich zu idealistisch, aber für mich gibt es eine Heilung.
Wenn ich am Ziel meines Weges angekommen bin, ist die Essstörung für mich „gegessen“. Wenn ich daran nicht glauben würde, warum sollte ich dann weiter kämpfen?
Babs
Ach herrje:batsch: ... ich glaube ich sollte dringend mal einen Kommunikationskurs belegen. So oft wie ich hier missverstanden werde...
Aaalso...was ich meinte: ein Alkoholiker ist ein Leben lang alkoholkrank, d.h. er kann keinen Tropfen Alkohol mehr anrühren, ohne rückfällig zu werden.
Natürlich kann er aber ein Leben lang "trocken" sein ohne dauernd darüber nachdenken zu müssen.
Ein Eßsüchtiger ist für mich auch sein Leben lang eßsüchtig. Natürlich kann ich mein Leben nach der Eßsucht auch "trocken" leben ohne dauernd über Essen nachzudenken. DAS ist ja gerade das Kriterium. Ich überlege heute gar nicht mehr ob ich dies oder das essen darf. Ich esse was ich möchte, gehe essen und bestelle was ich mag.
Was ich weiß ist, dass ich nicht mehr wochenlang Berge von Pralinen und Milch in mich reinschütten könnte (nur als Beispiel).
Da ich das aber auch nicht mehr zur Kompensation von irgendwelchem Frust/Problemen/was auch immer brauche, ist das auch überhaupt kein Problem. Ich hätte dazu auch ohnehin KEIN BEDÜRFNIS mehr...
Aber ich denke, dass ich als Ex-Eßsüchtige ebenso bewußt damit umgehen werde wie ich auch ein Ex-Raucher bin und nie mehr zum Nichtraucher werde. was mir aber auch völlig schnuppe ist, da ich keinen Bock mehr auf Rauchen habe...
Ich hoffe nun wurde klarer, was ich meinte...
Soli
Solitude
20.09.2005, 18:57
Für mich als Essgestörte ist es einfach unmöglich, das Essen kontrollieren zu wollen/müssen, das würde mich direkt in den nächsten Anfall führen.
Und dabei spielt es keine Rolle, ob ich als Kontrollkriterium Kalorien, Punkte, "Gesundheitswert" oder was anderes nehme - es funktioniert einfach nicht.
DAS ist genau der Punkt...als Noch-Eßsüchige kannst du das nicht, konnte ich auch nicht...
Mein Ziel ist es, irgendwann total auf meinen Körper hören zu können - ich weiß, dass er das Richtige in der richtigen Menge verlangen würde.
Genauso ist es auch, der Körper reguliert das von selbst - wenn der Hunger und Sättigigungsmechanismus noch funktionieren und der Stoffwechsel auch. In dem Moment wo du andere Möglichkeiten hast, mit deinen Gefühlen umzugehen, deine hinter der Eßsucht stehenden Probleme angegangen bist, ist dein Körper dein bester Ratgeber und sagt dir von alleine, auf was du Lust hast und in welchen Mengen und was dir bekommt.
Darcy - die durch beruflichen Megastreß mal wieder "abgerutscht" ist :(
Mönsch, das tut mir leid...dir mal einen Knuddler schicke, wenn ich darf :knuddel2:
Soli
Solitude
20.09.2005, 19:07
Es ist nur so, dass ich (und ich kann nur von mir sprechen) keine Lust habe, mir Abnahmeziele zu stecken und Ernährungstagebücher zu führen. Und dass ich dieses Verfahren bei einer Esstörung, so wenig Ahnung ich davon habe, für ausgesprochen gefährlich halte - egal, ob man es nun "Kontrolle" tauft oder "besonderes Bewusstsein."
Ich denke mir nämlich, es geht (für die Essgestörten wie für die nicht Essgestörten unter uns) darum, zu einem normalen Umgang mit Essen zu finden. Sich den ganzen Tag über damit zu beschäftigen und sich selbst dahingehend zu beobachten halte ich da für kontraproduktiv. Meine Meinung. Wenn es für andere, Soli beispielsweise, funktioniert und sie ihr Leben so verbringen kann und möchte, dann hat sie meinen Segen. Nur für mich wäre das das Falscheste, was ich mir vorstellen kann. Deswegen auch meine vehemente Abwehr. Sorry, Soli.
Auch hier muss an meinem mangelhaften Kommunikationsvermögen liegen, dass du mich so missverstehst.
Ich habe einen normalen, sehr natürlichen Umgang mit dem Essen gefunden und höre sehr auf die Bedürfnisse meines Körpers, der mir sagt, was er braucht.
Ich beschäftige mich eben NICHT den ganzen Tag damit - höchstens abends und nachts, wenn ich hier schreibe:-D
Ich führe auch kein Ernährungstagebuch, sondern halte manche Dinge fest, weil ich dabei manches über meinen Körper gelernt habe...z.B. dass er es sehr schätzt ausreichend Schlaf zu haben...
Je sicherer ich im Umgang mit mir und meinem Körper werde desto weniger werde ich diese Hilfsmitel brauchen.
Da sie mir - im Gegensatz zu dir - auch keine Angst machen, kann ich sie durchaus benutzen.
Ich vertraue hier mehr auf meine Therapeutin, die seit über 30 Jahren mit Suchtkranken (Eßgestörten und anderen) arbeitet und meinen Umgang mit dem Essen im allgemeinen und auch das Nutzen von Hilfsmitteln nicht für kontraproduktiv hält.
Aber ich kann sehr gut damit leben, dass du eine andere Meinung hast und es liegt mir völlig fern, hier irgendjemand überzeugen zu wollen.
Soli
Solitude
20.09.2005, 19:21
Noch eine Entschuldigung an babs da lasse, dass ich deinen thread so in Beschlag genommen habe:holy:
Soli
vBulletin® v3.8.4, Copyright ©2000-2012, Jelsoft Enterprises Ltd.