Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Pro Sieben ~ Wunder-OP
Stricknadel
05.06.2010, 12:45
Hallöchen
Ich stöber immer wieder mal in diesem Forum und hab mich nun dazu durchgerungen mich zu registrieren und hoffe darauf das ich nett aufgenommen werde :)
Ich habe gestern bei "We are family" eine Folge gesehen bei der es um zwei übergewichtige Schwestern geht und darum, wie eine der beiden eine Magen-Operation genehmigt bekommt und dadurch "alles wieder gut wird"...
Ich finde das diese Folge mehr einer Werbeaktion gleichkommt - wer sich nicht damit auseinander gesetzt hat zu dem Thema kann den Eindruck bekommen das durch so eine "Zauber-Op" all seine Probleme sich in Luft auflösen, superschön und schlank wird und es keine Risiken gibt. Nur einmal wird erwähnt das bei Operationen mit extrem übergewichtigen Menschen es risikoreicher ist aber ansonsten wird diese Operation angepriesen. Finde ich etwas rücksichtslos von Pro Sieben.
Zu sehen ist die Folge hier: http://www.prosieben.de/tv/we-are-family-lebt-deutschland/video/ganze-folge/24350-04-juni-faul-und-fettgefressen-1.1752069/
LG
Stricknadel
Hallo,
und ein herzliches Willkommen an Dich!
Solche Sendungen sind vom Tonfall her - der sich hier schon aus dem unsäglichen Titel ergibt - in Teilen menschenverachtend und unsympathisch, da bin ich ganz Deiner Meinung. Und als regelrechte, verdeckte Werbeträger für OPs präsentieren sich inzwischen immer mehr Sendungen, auch in bezug auf Schönheitschirurgie nimmt es bereits inflationäre Ausmaße an.
Leider ändert man nichts dran, man kann für sich bestenfalls herausziehen, was man selbst wohl nicht machen möchte - oder die Sendungen ignorieren; leider haben sie etwas wider Willen Faszinierendes; mir fällt es auch nicht leicht, wenn auf derartige Titel stoße, sie bewusst links liegen zu lassen :(
Liebe Grüße
Brit
gabriele
05.06.2010, 15:07
als menschenverachtend würde ich es nicht bezeichnen. Es wird ja keiner dazu gezwungen so etwas zu machen. Oder liege ich da falsch? menschenverachtend würde ich eher bezeichnen, wie solche Menschen in der Realität auf der Straße gehänselt und gegredelt werden.
Was mich allerdings bei diesem Film fasziniert, ist, dass die Operierte nach einigen Monaten und 50 kg weniger die Diabetes-Medikamente nicht mehr braucht!
@ Gabriele
Menschenverachtend finde ich den Titel und einige Satzformulierungen - ich schrieb deshalb ja "in Teilen" ...
gabriele
05.06.2010, 15:14
@ Brit ok, entschuldigung das habe ich dann falsch verstanden.
Macht nichts, Gabriele; ich finde es auch wichtig, solche Dinge zu klären. Allzu leicht entstehen Missverständnisse im Web.
Ich habe die sendung auch gesehen, erschreckend wand ich das die zwei mädels in dem Beitrag "die Kalorienbomben" genannt wurden
Ja, das meinte ich unter anderem mit "menschenverachtend", aber es gab noch einiges mehr. Der süffisante Tonfall der weiblichen Off-Stimme in so mancher Passage tat ein übriges. :(
Zum Beitrag selbst: Mal die ganzen Unsägichkeiten und tendenziellen Einfärbungen abgezogen, war er schon erschreckend. Man konnte sehr gut die Abwärtsspirale: Langeweile/Sinnlosigkeit - Ausgleichsversuche durch stimulierendes Essen - Resignation - mehr Sinnlosikeit/Langeweile usw. - sehen. Mir taten die beiden Frauen und auch die über lange Zeit sehr hilflose Mutter leid.
Dass sich dieses Verhalten selbständig gemacht hatte und es sich bei den jungen Frauen um eine krankhafte Essstörung (eindeutige Esssucht) - vor allem bei der jüngeren - handelte, lag auf der Hand, meine ich: Wer isst denn mit 100 Kilo zuviel mit klarem Denken und voller Entscheidungsfreiheit fast nur Frittiertes? Und ich hab echte Zweifel, ob die operierte Frau auf Dauer mit dem "fast nichts" essen, wie sie es nannte, klar kommt ...
Oder liege ich mit meinem Entsetzen über diese Fakten hier falsch, mal wieder aus der Sicht der nicht so arg Betroffenen?
Ich weiß von einer Folge dieser Serie, in der es auch um zwei Schwestern ging (ich weiß nicht, ob es explizit diese war), dass die Protagonistinnen von der Produktionsfirma genaue Vorgaben bekommen hatten, was sie vor OP hauptsächlich essen und wie toll sie das finden. Auch wurde der Kühlschrank entsprechend bestückt. Geht mal davon aus, dass in solchen Sendungen die Klischees, sofern sie nicht erfüllt werden, hergestellt werden.
Pfundsweib
06.06.2010, 15:26
:( Das, so finde ich, könnte man dann aber durchaus als menschenverachtend bezeichnen. Sicher wird niemand "gezwungen", sich vor der Kamera und dem Fernsehpublikum erniedrigen und vorführen zu lassen. Aber sicher gibt es Menschen, die sich von der Aufwandsentschädigung verlocken lassen, die Besserverdienern vielleicht gering erscheinen mag, für einen Hartz IV-Empfänger aber ein willkommenes Extrageld bedeuten kann. Darüberhinaus sind in den für solche Doku-Soaps verantwortlichen Redaktionen natürlich sehr eloquente Mitarbeiter am Werk, die mit Überredungs- und Überzeugungskunst und demagogischen Fähigkeiten etwas einfacher gestrickte Personen schnell in ihren Bann gezogen haben. Nicht selten hört man doch etwas naivere Mitmenschen vor laufender Kamera oder in einer Talkshow Sätze von sich geben wie z.B.: "Das darf aber meine Familie nicht erfahren!" oder "Mein Mann weiß nicht, dass ich einen Liebhaber habe!" Diese Ahnungslosigkeit (Dummheit ist so ein hartes Wort) wird doch vom Privatfernsehen seit Jahren mit Erfolg und äußerst manipulativ ausgenutzt und meist unter dem Deckmäntelchen der Gutmenschen, die der Menschheit ja nur helfen wollen - im beschriebenen Fall dem dicken Teil der selbigen. :(
Wir haben das selbst schon einmal erfahren. Ich schrieb es schon mal in einem früheren Thread:
Vor ein paar Jahren hatten wir mal eine Anfrage für eine Reportage (ich weiß nicht mehr, von welchem Sender; könnte SpiegelTV gewesen sein). Man wolle das typische Leben eines sehr dicken Menschen darstellen.
Ich bot mich an. Die Redakteurin fragte mich, wie ich so lebe. Ich beschrieb es ihr (ich stehe morgens auf, gehe zur Arbeit usw.). Am Ende des Gesprächs bedankte sie sich für meine Auskünfte, aber ich sei leider nicht geeignet. Mein Leben sei doch zu bürgerlich. Das sei nicht das, was sie sich vorgestellt habe.
Am Ende wurde dann ein fast bewegungsunfähiger Dicker gezeigt, der mit einem speziellen Krankenwagen zum Arzt chauffiert werden musste.
Dralle Deern
06.06.2010, 16:34
Vielleicht ist in diesem Zusammenhang auch der Link in diesem Thread (http://das-dicke-forum.de/forum/showthread.php?t=6260) interessant. Ich kann mir kaum vorstellen, dass gefakte Angaben und extra zurechtgeschnittene Szenen nur ein einziges Format betreffen.
Stricknadel
06.06.2010, 16:39
Das in solchen "real-doku-soap-trash-tv-sendungen" manipuliert wird sollte mitlerweile seid den Berichten über Frauentausch bekannt sein - doch ist Tatsache das diese Frauen stark Übergewichtig sind und auch die jüngste Operiert wurde. RTL hätte die beiden zwar klischeehafter und diskriminierender "ausgeschlachtet", doch hat Pro Sieben sich nicht wirklich die Mühe gemacht Klischees auszulassen. Das die beiden in diesem Teufelskreis aus essen, sich schämen und bewegungslosigkeit gefangen waren war offensichtlich, doch die Folge darauf hinzuführen das diese Wunder-Op alles wieder heileheile macht und man sich danach nie wieder anstrengen müsse (was natürlich Quatsch ist), um Gewicht zu verlieren und ein besseres, freieres Leben zu führen, finde ich bedenklich so kann man labile Menschen dazu verführen zu leichtsinnig sich einer Operation zu unterziehen.
Schlank und glücklich werden ohne sich anzustrengen? Auf zum nächsten Chirurgen!
Das Risiko das man auf dem Friedhof enden könnte nimmt man gerne in Kauf, wenn man es dafür seinen Mitmenschen recht machen kann (um mit der eigenen Figur Niemanden auf der Straße belästigen zu müssen) und "sex and the city like" einkaufen gehen zu können [/ironi off]
LG
Stricknadel
Schlank und glücklich werden ohne sich anzustrengen? Auf zum nächsten Chirurgen!
Das Risiko das man auf dem Friedhof enden könnte nimmt man gerne in Kauf, wenn man es dafür seinen Mitmenschen recht machen kann (um mit der eigenen Figur Niemanden auf der Straße belästigen zu müssen) und "sex and the city like" einkaufen gehen zu können
Ja, das ist das wirklich Erschreckendste an derartigen Sendungen - fast egal, ob über Dicke oder über "Hässliche", die natürlich nur den Segen der Chirurgen-Industrie brauchen, um "endlich glücklich" zu werden: Diese Oberflächlichkeit und unterstellende Alleswisserei der Fernseh-"Fach"-Leute!
Ich denke jetzt auch, der Bericht über die Beiden wurde noch kräftig eingefärbt ("Jetzt sagen sie mal vor der Kamera, dass Sie am liebsten Pommes und Pizza und Frittiertes essen"!) - würde jedenfalls sehr gut in die Handhabung, die mittlerweile krititsch durchdringt, passen.
Wie gut, dass sich die Sender anscheinend jetzt schon mal gegenseitig auf die Finger klopfen ...
Toastbrot
06.06.2010, 17:44
Das Klischeehafte ist schon echt zum Haare raufen. Grad am Anfang der Sendung, die Darstellung mit fetten Pommes mit Majo, die Kameraeinstellung immer schön von unten gefilmt, damit das Doppelkinn NOCH fetter aussieht... Mag sein, daß diese Sachen vorgegeben sind, schlimm genug.
Die Abnahme scheint aber fackt zu sein und da seh ich gleich schon ein riesen Problem. Das Mädel hat in 4 Monaten 40KG abgenommen. Das ist erstens viel zu viel (zu schnell) und zweitens ist sie auf direktem Weg ans andere Ende (ihrer) einer Eßstörung. Denn sie sagt, daß sie (und das nach 4 Monaten) lediglich EINE Scheibe Brot mit Käse am Tag ißt. http://www.cosgan.de/images/midi/konfus/g055.gif
Das ist aber so weder vorgesehen, noch ist es gesund. Klar hat man anfangs starke Einschränkungen beim Essen, aber wenn alles verheilt ist, soll man ja "normal" essen. Also 3 bis 5 Malzeiten, je nach dem. So versaut sie sich nicht nur ihren Grundumsatz, sondern ruiniert sich auch noch den Stoffwechsel.
Schade fand ich, daß man nicht mehr von der OP gesehen hat - das interessiert mich persönlich sehr! Leider habe ich kein Film von meiner OP, habe damals aber auch gar nicht daran gedacht danach zu fragen :rolleyes:.
Toastbrot
Pfundsweib
06.06.2010, 18:03
:( Es ist wirklich grundsätzlich furchtbar, wenn auf Kosten der Einschaltquoten mit dem Schicksal von Menschen, die in jedweder Form nicht der Norm entsprechen, Schindluder getrieben wird. Vor ca. eineinhalb Jahren gab es bei "we are family" einen Bericht über eine junge, gesunde, unternehmungslustige und hübsche Frau, verheiratet, vier Kinder, Beruf, Haus, Garten und Haustiere, die stark übergewichtig war, aber in ihrem Umfeld (Familie, Nachbarn, Kollegen etc.) voll akzeptiert, be- und geliebt war.
Doch dann folgte mit Hilfe und Vermittlung des Senders eine OP mit einem Magenband, sie verlor unglaublich viel an Gewicht, bekam dann auch noch im Anschluß von der KK die OP zur Hautstraffung bzw. Entfernung der überschüssigen Haut bezahlt, und hatte nunmehr die "perfekte" Figur. Und sie, die vorher so angenommen wurde, wie sie war, fand nun auf einmal ihr bisheriges Umfeld nicht mehr "gut genug"! Sie strebte nach Höherem, wollte modeln, raus aus dem Reihenhäuschen im Grünen, weg von Ehemann und Familie, und vor allem, sie war eine "militante ehemalige Dicke"! Selten zuvor habe ich jemand so herabwürdigende, verletzende und unsachliche Äußerungen gegen korpulente Menschen sagen hören wie sie!
Das Ende vom Lied: Sie trennte sich von ihrem Ehemann und den Kindern, die Freunde waren ihr auch nicht mehr gut genug und sie glaubt nun, den Sinn des Lebens und ihre Erfüllung darin gefunden zu haben, dass sie in einer schicken kleinen Wohnung im Hochhaus lebt, mit ständig wechselnden Partnern. Nicht dass ich falsch verstanden werde: Wer sich dieses Lebensmodell zu eigen macht und damit glücklich ist, dem sei das unbenommen. Aber eben diese junge Frau wirkte in den Berichten über ihr "früheres" Leben weder unglücklich noch unausgeglichen oder unzufrieden. Doch dann wurde ihr - dank der OP - ein vermeintlich bessseres, glücklicheres und erfüllenderes Leben versprochen und ich hatte gegen Schluß zu starke Zweifel, ob sie das tatsächlich gefunden hatte. :(
Stricknadel
06.06.2010, 18:16
Was ich mich gefragt habe war.. wie bringt man mit "einer Scheibe Brot und Käse" und anderen snacks seinen Vitamin-, Mineralien- und Nährstoffhaushalt über Wasser. Muss man dann zusätzlich Pillchen schlucken um sich mit Vitaminen etc abzudecken?
Warum genemigt (hätte sie sicher auch) die Krankenkasse nicht lieber Kuren bei denen die Patientin über Monate unterstützt wird mit Ernährungslehre und den für ihr Gewicht passenden Sport? Das sie mit 200 Kg nicht wirklich stundenlang Joggen gehen kann leuchtet ein aber sich nur auf eine Operation die mit Risiken verbunden ist zu verlassen erscheint mir einfach zu leicht.
Ich kenne diese Spirale selber:
Zu Fett - sich nicht raustrauen - frustfressen - noch fetter sein - sich noch weniger raustrauen und sich bewegen - noch mehr frustfressen...
Es gelingt mir jetzt nach MONATEN die Ernährung so darauf hinzulenken das ich keine Heißhungerattacken auf die "guten" Glutamate und Kohlenhydrate habe. in diesen Monaten hat die jüngere Schwester halt mal eben 40 Kg abgenommen - doch ich frage mich was gesünder ist... was EINFACHER ist kann sich jeder denken.
Mein Vater meinte ich solle mir auch ein Magenband oder ähnliches anschaffen (mit 100kg ca) Das erste was ich mir dachte war "aha lieber tot als fett oder wie?"...
Schade fand ich, daß man nicht mehr von der OP gesehen hat - das interessiert mich persönlich sehr! Leider habe ich kein Film von meiner OP, habe damals aber auch gar nicht daran gedacht danach zu fragenHier wird eine Magenschlauch-OP ziemlich detailliert gezeigt (http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?ref=15284).
Einen ähnlichen Bericht wie oben von Pfundsweib geschildert, hab ich auch mal gesehen: Die Frau war nach einer Mega-Abnahme und hautstraffenden OPs nun mit einer "Model-Figur" gesegnet und wollte jetzt noch eine Gesichts-OP, um den letzten Schliff :rolleyes: zu erhalten; wahrscheinlich deshalb der Bericht, weil damit das Fernsehen die Gesichts-OP sponserte (war gleichzeitig ja noch Werbung für das spätere Model-Dasein. :rolleyes: )
Wie die Dame nun mit ihrer sekundierenden Familie umging, schrie allerdings zum Himmel. Mir tat wahrhaftig der sehr geduldige - aber auch resigniert wirkende - Ehemann leid. Sie erschien, sorry, wie ein eitler K***brocken. Gretchenfrage: Wurde sie so durch die OP oder lag das vielleicht vorher bereits in ihr? Brach nun heraus, was sich immer in ihr, schon in der dicken Frau, verbarg - und wäre das nicht sogar irgendwie verständlich? Schwierig, oder?
Toastbrot
06.06.2010, 19:54
Danke Martina :)
Pfundsweib
06.06.2010, 20:01
Gretchenfrage: Wurde sie so durch die OP oder lag das vielleicht vorher bereits in ihr? Brach nun heraus, was sich immer in ihr, schon in der dicken Frau, verbarg - und wäre das nicht sogar irgendwie verständlich? Schwierig, oder?
:( Genau das hab ich mich auch gefragt, ob da eventuell aus einer gewissen Resignation heraus wahre Gefühle gedeckelt und unterdrückt worden sind, die die Betroffene dann erst zugelassen hat, als ihr wirkliches Ich nach dem Gewichtsverlust zum Vorschein gebracht worden und ans Tageslicht getreten ist. Das wäre aber ja fatal, denn dann hätte sie jahrelang alle Menschen, die ihr wohlgesonnen und sie geliebt haben, für dumm verkauft und ein recht falsches Spiel getrieben. :(
Stricknadel
06.06.2010, 20:08
Würd eher sagen, diese Frauen die dann den "Höheflug" bekommen wollen auf einmal all das ausleben was sie durch das Übergewicht nicht ausleben durften wie eben das Modelln, schlank sich keine gedanken machen wenn man vor die Tür geht und eventuell mehr flirtende Blicke kassieren wenn man in der Stadt bummelt - das man da zur Diva mutieren kann kann ich nachvollziehen.
Pfundsweib
06.06.2010, 20:20
:( Also ich weiß nicht so recht, das ist dann aber traurig. Flirten kann man auch als Dicke ganz prima und leidenschaftlich, dafür muss man nicht schlank und rank sein. Die Möglichkeit zu Modeln gibt es ja inzwischen durchaus auch für Frauen mit ein paar Pfunden mehr auf den Rippen (falls das überhaupt als das Maß aller Dinge angesehen werden sollte, dass man eine so genannte Modelfigur hat) und als ich noch nicht schwerbehindert, aber auch keine Twiggy mehr war, bin ich mit großer Begeisterung in der Stadt bummeln gewesen.
Für mich grenzt das schon an eine Persönlichkeitsspaltung, wenn ich die Art, wie ich mein Leben plane und gestalte, wirklich nur noch von den Pfunden, die ich auf den Rippen habe, abhängig mache. Auch wenn dieser Spruch vielleicht zu oft bemüht wird, aber wahre Schönheit strahlt von innen heraus und wer als Mollige nicht mit sich im Reinen war, bei dem klappt das auch im schlanken Leben nicht. Dafür kenne ich in meinem Umfeld einige Beispiele, da bin ich, trotz Krankheit und Übergewicht, mit weitem Abstand die Fröhlichste, Glücklichste und Zufriedenste. ;)
Dralle Deern
06.06.2010, 20:37
:( Also ich weiß nicht so recht, das ist dann aber traurig. Flirten kann man auch als Dicke ganz prima und leidenschaftlich, dafür muss man nicht schlank und rank sein. Jetzt gebe ich Dir auch Recht. Vor ein paar Jahren hätte ich das nicht. Mit der üblichen Propaganda, die es schon seit Ewigkeiten gibt, hat man ein wunderbares Mittel gefunden, Menschen klein zu halten und ihnen Minderwertigkeitsgefühle einzureden. Man muss schon ein wirklich dickes Fell haben, um sich von allem, was einem so täglich vor die Füße geworfen wird, nicht niedermachen zu lassen.
Und damit meine ich keinesfalls irgendwelche Angriffe von Personen um einen herum, die ich so gut wie überhaupt nicht erlebe. Ich meine, dass es z.B. keinen Werbeblock gibt, bei dem nicht wenigstens ein Spot auf die "schlanke Linie" abzielt. Ich meine die dramatisch angewachsene Zahl an "Light-", "Diät-", "0,0001%-Fett"-Artikeln, durch die man sich im Supermarkt wühlen muss, um überhaupt brauchbare Nahrung zu finden. Ich meine die unzähligen Diätpulver und -tabletten, durch die man sich in einer Apotheke kämpfen muss, weil man ein Päckchen Kopfschmerztabletten kaufen will. Ich meine die zahllosen "Reportagen" auf nahezu allen Kanälen, die sich mit Dicksein bzw. dem Verhindern desselben beschäftigen. Und so weiter, und so fort.
Ständig soll einem eingeredet werden, dass man so, wie man ist, nicht gut genug ist. Und das alles nicht etwa mit dem Ziel, uns wirklich ein angenehmeres Leben zu bereiten, sondern lediglich, dass sich andere die Taschen füllen. Aber zu begreifen, dass alles rein aus Gewinnsucht passiert, ist u.U. ein langer, harter Weg.
Stricknadel
06.06.2010, 20:48
Freut mich zu hören! :) @ Pfundsweib
Ich musste diese Woche wegen Ämterbesuchen mal wieder vor die Tür. Und ich habe mich erstaunlich gut gefühlt und traute mich zum C&A und ging in die Übergrößenabteilung - dort wurde ich von einigen Mädchen (inclusiver dicken Mama) ausgelacht. Seit dem hab ich wieder sehr daran zu knabbern und denke mir oft wie das wäre wenn ich 45 kg wiegen würde. dann würde einfach keiner mehr lachen und ich würde mich schöner fühlen usw usw usw... das meinte ich damit das man dann zur Übertreibung neigt und sein altes leben hinter sich lassen will inclusive Freunde, Familie usw usw weil man ein neuer, schöner und "besserer" Mensch ist.
Richtig ist das nicht. Und du hast recht Pfundsweib wer unruhe in sich trägt der wird nach einer Abnahme auch nicht aufgeräumter in der Seele. Was dazu beiträgt die Kontrolle zu verlieren und sich in die neue vermeindlich bessere Identität zu verlaufen.
Mir fiel gerade noch der Satz einer Psychaterin ein, bei der ich war weil ich psychisch ziemlich am ende war/bin. Sie empfahl mir nach 15 Minuten ca. ein Magenband, dadurch würden sich einige meiner Probleme von selbst lösen und weil ich es "so" nicht mehr allein schaffen könne.
Ja ne, is klar... :mad::(
Pfundsweib
06.06.2010, 22:24
:) In dem Thread "100 Gründe fürs Übergewicht" habe ich ziemlich ausführlich über mein Krankheitsbild geschrieben und dabei auch die ein oder andere schlechte Erfahrung geschildert, die ich vor allem in diesem Bereich und von Fachpersonen ausgehend, machen musste.
Die Dinge, die mir im privaten Bereich schon widerfahren sind, habe ich außen vor gelassen, weil vermutlich dort OT. Natürlich bin ich auch nicht jeden Tag nur gut gelaunt und fröhlich, habe auch schlechtere Phasen oder bin extrem dünnhäutig. Aber wenn nun eine gute Fee käme, mir den Wunsch nach plötzlicher Gesundheit, einer schlanken Figur und einem damit vermeintlich besseren Leben erfüllen würde, dann wären die Letzten, die ich dann im Stich oder hinter mir lassen würden, meine Familie und meine Freunde.
Denn die stützen mich, die halten zu mir, die lieben mich so wie ich bin, akzeptieren mich mit all meinen Schwächen und Fehlern, wenden sich nicht von mir ab, weil ich nicht der Norm entspreche und pflegebedürftig bin und verzichten - wie z.B. mein Mann - damit selbst ein Stück weit auf Lebensqualität.
Und - auch wenn es unglaublich klingt - es gab, z.B. im geschäftlichen Bereich - schon Menschen, die ihm hinter vorgehaltener Hand geraten haben: Verlass' doch diese dicke, kranke Frau, die behindert Dich doch nur und ist ein Klotz am Bein!
Wir hatten übrigens gerade unseren 26. Hochzeitstag und meist sind es gerade diese Schönen, Reichen, Erfolgreichen, Schlanken, die einem dann den unerschütterlichen und bedingungslosen Zusammenhalt neiden. :)
Toastbrot
07.06.2010, 09:28
Seit dem hab ich wieder sehr daran zu knabbern und denke mir oft wie das wäre wenn ich 45 kg wiegen würde. dann würde einfach keiner mehr lachen und ich würde mich schöner fühlen usw usw usw..
Hallo Stricknadel
Im Prinzip weiß ich, was du sagen willst, aber auf die Realität bezogen, sieht das anders aus. Erstens mal haben Normalgewichtige genau so viele Probleme, wie Übergewichtige; vielleicht liegen sie nur auf einem anderen Schwerpunkt (das Wort paßt doch :-D).
Bezogen darauf, durch eine operative Maßnahme, viel Gewicht zu verlieren, kann ich dir den Zahn allerdings ziehen. Zwar ist nicht jede Haut gleich, aber wenn man sehr viel abnimmt, ist die Wahrscheinlichkjeit nachher eher wie ein japanischer Faltenhund auszusehen, groß :rolleyes:. Und wenn man sich damit nicht schon vor der OP richtig auseinandergesetzt hat, kann diese Sache viel Potential für neue "Abstürze" bergen...
Ich werde wohl leider auch nicht um Wiederherstellungs Ops rumkommen :-o. Wenig bis gar nicht aus optischen Gründen, sondern weil der Hautüberschuss mir jetzt schon Probleme bereitet. Und glaub mir...diese Ops machen mir richtig Angst. Im Gegensatz dazu ist die minimalinversive Magen Op ein Kindergeburtstag! Wenn ich alleine an die entstehende Wundfläche denke, wird mir ganz anders...:cool:
Was ich aber eigentlich sagen will. Probleme gibt es zu jeder Zeit und zu jedem Anlass. Ob man nun dick, dünn, groß, klein, grün oder gelb ist. Entscheidend ist, wie man damit umgeht und daß man sich selber nie aus den Augen verliert.
Samatha Jones, aus Sex and the City, sagte in dem ersten Film folgenden Satz zu Smith, von dem sie sich nach langer Beziehung trennt: "Ja, ich liebe dich noch, aber ich liebe mich mehr. Ich habe seit 49 Jahren eine Beziehung zu mir selber und das ist die, an der ich arbeiten muss."
...finde ich großartig
Toastbrot
Pfundsweib
07.06.2010, 10:19
Samatha Jones, aus Sex and the City, sagte in dem ersten Film folgenden Satz zu Smith, von dem sie sich nach langer Beziehung trennt: "Ja, ich liebe dich noch, aber ich liebe mich mehr. Ich habe seit 49 Jahren eine Beziehung zu mir selber und das ist die, an der ich arbeiten muss."
...finde ich großartig
Toastbrot
;) Hallo Toastbrot, bitte entschuldige, wenn ich Dir in dem Punkt vehement widerspreche. Mal abgesehen davon, dass ich mit den vier Chicas aus "Sex and the Chity" so gar nichts am Hut habe (aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung), so finde ich diese Aussage vor allem egoistisch, borniert und einseitig. Die Protagonistin macht es sich damit doch recht bequem, denn die Kunst einer langjährigen Beziehung, in der beide Partner nicht zu kurz kommen, liegt nicht darin, dass jeder an sich denkt, sondern dass man auch kompromissbereit ist und eher einen Schritt aufeinander zugeht, als nur an sich selbst zu denken und eine langjährige Beziehung deshalb zu beenden. Ebenso wenig sollte man aber z.B. nur abnehmen oder sich solch einer OP unterziehen, weil dies der Partner so wünscht. Gemeinsam an einem Strang ziehen, das ist wohl das Geheimnis, sonst folgt auf glückliche Zweisamkeit schnell Einsamkeit. Will auch heißen, dass man durchaus an sich selbst denken und mit sich im Reinen sein soll, aber doch nicht auf Kosten der Partnerschaft. Wie würde "frau" wohl im umgekehrten Fall reagieren, wenn ihr der Partner diesen Satz bei der Trennung um die Ohren hauen würde?? ;)
Hummelchen
07.06.2010, 11:32
;) Hallo Toastbrot, bitte entschuldige, wenn ich Dir in dem Punkt vehement widerspreche. Mal abgesehen davon, dass ich mit den vier Chicas aus "Sex and the Chity" so gar nichts am Hut habe (aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung), so finde ich diese Aussage vor allem egoistisch, borniert und einseitig. ;)
Ich habe mit "Sex and the City" auch nichts am Hut - und dem was Du zu glücklichen Beziehungen gesagt hast stimme ich größtenteils zu. Obwohl ich finde, dass diese Kompromisse nur so weit gehen sollten, dass man sich nciht verbiegen oder verleugnen muss.
Trotzdem reicht Liebe manchmal nicht aus und es kann passieren, dass man sich selbst so entwickelt, dass es mit dem Partner nicht mehr passt. Ich spreche da aus Erfahrung...
Mal von Samantha abgesehen. Ich denke jeder hat seine Probleme, ob dicke, dünne, große, kleine Menschen. Niemand ist immer rund um glücklich und wer das behauptet lügt.
Aber ich denke schon, dass man sich bei einer starken äußerlichen Veränderung egal in welche Richtung und von welcher Art auch charakterlich verändert. Man bekommt einfach eine ganz andere Rückmeldung von der Außenwelt und niemanden lässt das kalt. An niemandem prallt alles ab. Da kann man noch so selbstbewusst sein. Ob das dann so stark in die andere Richtung geht, wie im Bsp. von Pfundsweib beschrieben hängt denke ich doch davon ab, ob "Anlagen" da waren oder nicht. Wenn jemand plötzlich vom lieben, warmherzigen, toleranten Menschen zu einer arroganten, intoleranten Kuh wird...dann finde ich das schon sehr krass, um es allein auf die Gewichtsabnahme zu schieben.
Ich habe auch mal sehr viel abgenommen. Sehr viel. Aber ich bin dadurch kein anderer Mensch geworden. Das sagt man ja leider oft "Du hast aber abgenommen, bist ein ganz anderer Mensch!" Als ob die Gewichtsabnahme in irgendeiner logischen Verbindung zum Mensch-sein stehen würde. Lächerlich.
Stricknadel
07.06.2010, 11:33
Bezogen darauf, durch eine operative Maßnahme, viel Gewicht zu verlieren, kann ich dir den Zahn allerdings ziehen. Zwar ist nicht jede Haut gleich, aber wenn man sehr viel abnimmt, ist die Wahrscheinlichkjeit nachher eher wie ein japanischer Faltenhund auszusehen, groß :rolleyes:. Und wenn man sich damit nicht schon vor der OP richtig auseinandergesetzt hat, kann diese Sache viel Potential für neue "Abstürze" bergen...
Toastbrot
Nene ich wollte es nicht so rüberbringen das ich auch gern eine Op hätte und ICH es mir leicht vorstelle - und das mit der Haut... Das Problem hab ich auch Besonders Busen und die verhasste Fettschürze macht mir zu schaffen. Vermutlich werde ich mich auch wegen einer Straffung informieren irgendwann... Was ich mit diesem Beispiel meinte war das sich die Betroffenen von dem alten Leben trennen, weil sie eben durch den massiven Gewichtsverlust sich einfach wie ein neuer Mensch fühlen und weniger Kilos = besserer, schönerer, erfolgreicher.
Hat auch viel mit "sich was vormachen" zutun. In meiner Familie/Verwandschaft gibt es einige Fälle von Übergewicht und wenn da mal einer es wieder durch ne Diät kurzzeitig geschafft hat abzunehmen dann muss man es auch immer ertragen wie die Person dann nicht nur angibt, sich wie eine Diva aufführt, nur noch darüber redet und auch vermeintlich nett gemeinte "willste nicht auch langsam mal..."-Abnehmtipps an die Backe geschmiert bekommt. Das sie aber nach dieser Diät wieder das Doppelte zunehmen verdrängen sie und werden dementsprechend auch wieder kleinlaut wenns so weit ist :rolleyes:
Ich glaube aber dieser leicht schizophrene Hauch wurde durch die Gesellschaft, Familie und Umwelt gefördert, Dort heist es: Wer Fett ist, ist Mensch 2. und 3. Klasse.
Hummelchen
07.06.2010, 11:43
Ich glaube aber dieser leicht schizophrene Hauch wurde durch die Gesellschaft, Familie und Umwelt gefördert, Dort heist es: Wer Fett ist, ist Mensch 2. und 3. Klasse.
Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob ich vielleicht in einer anderen Welt lebe. Denn das o.g. kann ich so nicht unterschreiben oder aus meinen Erfahrungen heraus bestätigen.
Ich will auf keinen Fall irgend etwas beschönigen und ich finde, dass dicke Menschen oft diskriminiert werden und viele Vorurteile im umlauf sind. Aber das nun der generelle Tenor (außer vielleicht im Privatfernsehen) ist, dass Dicke Menschen zweiter oder dritter Klasse sind erlebe ich so - Gott sei Dank - nicht. Weder in meiner Familie, am Arbeitsplatz, in meiner Freizeit noch anderswo. Ich frage mich gerade woran das liegen mag?
Stricknadel
07.06.2010, 12:04
Ich spreche nur aus meinen eigenen Erfahrungen die ich durch meine Umwelt, Mitmenschen und Familie gemacht habe - ich will das nicht verallgemeinern und alle über einen Kamm scheren. Ich habe ja auch insgeheim die Hoffnung das es woanders auf diesem Planeten nicht so ist wie in meinem Umfeld. Und das von Hummelchen zu lesen freut mich sehr und stärkt die Hoffnung darauf :)
Toastbrot
07.06.2010, 12:23
Ich finde die Aussage von Samatha (die Serie jetzt mal außenvorgelassen) in so fern richtig und gut und NICHT egoistisch, weil die wichtigste Beziehung, die man im Leben hat, nunmal die mit sich selber ist. Die Aussage meint ja nicht, daß man sich jetzt nur noch geil findet und ohne Rücksicht auf Verluste sein Leben auslebt. Das wäre das andere Extrem.
Frauen sind ja stark in die Richtung gedrängt worden bloß ja an andere zu denken, sich aufzugeben, gar nicht erst zu fragen, WER oder WAS sie eigentlich selber sind. Was IHRE Talente und Vorzüge sind und wohin sie sich entwickeln können, steht gar nicht zur Debatte. Nicht umsonst gibt es so viele Frauen mit Helfersyndrom und psychischen Problemen.
Klar bedeutet eine Beziehung arbeit von beiden, es bedeutet aber nicht, nur nach dem Anderen zu leben und ihm sein Leben schöner zu gestalten.
Ich bin der felsenfesten Meinung, wenn es einem selber gut geht und man bei sich ist, erst dann kann man auch gesund mit Anderen leben. Und Selbstliebe gehört entscheidend dazu.
Daß es die nicht beim Discounter um die Ecke gibt, ist klar. Ich tu mich da, genau wie andere, auch schwer, es ist nicht leicht. Ich habe das aber als Ziel definiert und versuche das nicht aus den Augen zu verlieren.
Toastbrot
Pfundsweib
07.06.2010, 13:06
:) @toastbrot: Mich wundert nicht nur der Inhalt des Zitates, sondern vor allem auch die Tatsache, dass die Aussage aus einem Hollywood-Schmachtfetzen für großartig erachtet wird, in dem es sich hauptsächlich um Oberflächlichkeiten und die ach so unvorstellbaren Probleme von vier kaufsüchtigen, teilweise leicht hysterischen und - wie würde es Hella von Sinnen ausdrücken - "magersüchtigen Frettchen" dreht.
Gerade hier in diesem Thread wird es doch in den meisten Posts zum Ausdruck gebracht, dass die von den Medien vorgegaukelte Scheinwelt, inklusive der Übertreibungen in möglicherweise ganz witzigen und unterhaltsamen Blockbustern, teilweise mit dafür verantwortlich sind und einige korpulente Menschen dazu antreiben, sich den Risiken einer OP auszusetzen, weil sie glauben, ihr Leben würde sich dann zum Besseren wenden.
Bestimmt mussten auch nicht erst Carrie+Co antreten, um die Frauenbewegung anzuschieben - die gab es schon zu einer Zeit, als deren Mütter noch Schülerinnen waren.
@Hummelchen: Wenn man sich vom Partner trennt, weil man/frau sich neu verliebt hat oder die Liebe nicht mehr auf fruchtbaren Boden fällt, dann macht es natürlich keinen Sinn, die Beziehung zwanghaft aufrecht zu erhalten und dabei die eigene Persönlichkeit zu leugnen, da stimme ich Dir zu. Aber einfach nur die Aussage: "Ich und die Beziehung zu mir sind jetzt der Nabel der Welt und deshalb verlasse ich Dich!" finde ich kleinkariert, aber es ist ja eh nur Kitsch à la Hollywood. :)
Mich wundert nicht nur der Inhalt des Zitates, sondern vor allem auch die Tatsache, dass die Aussage aus einem Hollywood-Schmachtfetzen für großartig erachtet wird, in dem es sich hauptsächlich um Oberflächlichkeiten und die ach so unvorstellbaren Probleme von vier kaufsüchtigen, teilweise leicht hysterischen und - wie würde es Hella von Sinnen ausdrücken - "magersüchtigen Frettchen" dreht.
Freut mich, dass noch andere das so sehen wie ich. ;)
Toastbrot
07.06.2010, 15:27
Deswegen wollte ich deutlich machen, nur den Satz als solches zu sehen und die Serie an sich außen vor zu lassen. Es geht mir bei der Bedeutung nicht um Samatha, oder die Serie. :)
Toastbrot
@Pfundsweib - ich denke, es geht mehr um die Aussage an sich (welche ich persönlich schon für richtig halte) - woher sie letztendlich kommt, ist sekundär. ;) Toastbrot hat es ja auch erklärt: Ich finde die Aussage von Samatha (die Serie jetzt mal außenvorgelassen) in so fern richtig und gut und NICHT egoistisch, weil die wichtigste Beziehung, die man im Leben hat, nunmal die mit sich selber ist.
Pfundsweib
07.06.2010, 16:11
@Pfundsweib - ich denke, es geht mehr um die Aussage an sich (welche ich persönlich schon für richtig halte) - woher sie letztendlich kommt, ist sekundär. ;) Toastbrot hat es ja auch erklärt:
:nixweiss: Okay, ich versteh zwar immer noch nicht so ganz, warum Toastbrot dann in ihrem ersten Post so dezidiert und explizit auf die Herkunft des Zitats und wer das wann zu wem gesagt hat, hingewiesen hat, aber sie wird ihre Gründe haben. Diese Einstellung - egal woher sie nun rührt - wird dann sicher keine unwesentliche Rolle spielen bei einer derzeitigen Scheidungsrate in Deutschland von über 50%. Ich denke mal, die Kunst, sich selbst zu lieben, anzunehmen und zu verwirklichen, muss nicht gleichbedeutend damit sein, dass Beziehungen daran scheitern. Es ist halt auch ein schmaler Grat von "sich selbst lieben" bis zur "Selbstverliebtheit", dem Narzissmus, deshalb bin und bleibe ich da etwas skeptisch, es sei mir verziehen! ;)
wollmaus
07.06.2010, 17:21
Ich würde gerne noch etwas zum Zusammenhang: "Abnahme und Persönlichkeitsveränderung" sagen.
Ich glaube zwar nicht, dass ein Mensch mit zig Kilos weniger plötzlich ein anderer Mensch ist, aber ich glaube, dass er Dinge nachholen möchte, die vorher nicht möglich waren. Wer vielleicht immer schon ein wenig egozentrisch war, sich aber immer zurückgenommen hat, weil er dachte, dass er das als dicker Mensch müsste, wird vielleicht erst einmal ziemlich egozentrisch - einfach mit dem Gefühl etwas nachholen zu müssen.
Ich habe diese Wandlung selbst an einer Frau miterlebt und war ziemlich erschrocken darüber.
Was ich meine ist, dass ich nicht glaube, dass ein Mensch plötzlich ihm völlig fremde Eigenschaften hat, dass bestimmte negative Eigenschaften niemals so gravierend zum Ausbruch gekommen wären.
Dralle Deern
07.06.2010, 17:33
:nixweiss: Okay, ich versteh zwar immer noch nicht so ganz, warum Toastbrot dann in ihrem ersten Post so dezidiert und explizit auf die Herkunft des Zitats und wer das wann zu wem gesagt hat, hingewiesen hat, aber sie wird ihre Gründe haben. Ja sicher, das macht man so, wenn man "fremde Ideen" nutzt - man erklärt, woher sie sind und verkauft sie nicht als seine eigenen. Hat im weitesten Sinne was mit Urheberrecht zu tun.
Und die Aussage an sich - unabhängig der Herkunft - finde ich auch nicht so grundverkehrt. Denn was immer auch im Leben passiert, muss man immer mit sich selbst klar kommen. Partner, Freunde, Familie, Arbeitgeber, etc. können kommen und gehen, aber sich selbst hat man bis zur letzten Minute. Das bedeutet ja keinesfalls, rücksichtslos durch die Welt zu gehen. Aber andere zu lieben und von diesen geliebt zu werden, setzt voraus, dass man sich selbst liebt.
Pfundsweib
07.06.2010, 17:52
;) @Dralle Deern: Mit Deiner Formulierung, dass man Andere erst dann lieben kann, wenn man sich selbst liebt, gehe ich ja auf jeden Fall auch konform. Aber was mir vor allem so negativ aufgestoßen ist war dies: Ja, ich liebe dich noch, aber ich liebe mich mehr Das ist es, was mir nicht gefällt, deshalb auch meine Anmerkungen zu Selbstverliebtheit und Narzissmus. ;)
Für mich ist das nur die logische Folgerung aus dem, was Dralle Deern schon geschrieben hat: Denn was immer auch im Leben passiert, muss man immer mit sich selbst klar kommen. Partner, Freunde, Familie, Arbeitgeber, etc. können kommen und gehen, aber sich selbst hat man bis zur letzten Minute.:)
Ja, ich liebe dich noch, aber ich liebe mich mehr
Ich finde den Spruch überhaupt nicht schlimm, schon gar nicht im von Toastbrot genannten Kontext.
Wer sagt denn, dass man sich selber nicht mehr lieben darf als einen anderen??? Natürlich sind die Grenzen zwischen gesundem und ungesundem Egoismus oft fließend - aber gerade bei den Mädchen wird heute noch oft versucht, eine gesunde Selbstliebe weg zu erziehen. Andere sind immer wichtiger als man selbst - wenn man das nur oft genug hört, glaubt man irgendwann selber daran. Vor diesem Hintergrund kann so ein Spruch geradezu eine enorm befreiende Wirkung haben.
Man muss sich nicht immer selbst verleugnen, nur um es anderen recht zu machen. Man darf/muss auch an sich selber denken! Das drückt der Spruch für mich aus.
Ich muss zugeben, dass ich den Spruch auch beim ersten Mal ziemlich egoistisch, sagen wir angehaucht fand.
Aber ich muss sagen, da ist was Wahres dran. Sicher müssen beide Seiten in einer Beziehung Kompromisse eingehen, die Schwächen eines anderen genauso akzeptieren lernen wie die Stärken. Ich finde nichts schlimmer als jemanden, der seinen Partner "umerziehen" will.
Man sollte jedoch mit den Zugeständnissen nicht so weit gehen, dass man seine charakterlichen Grundsätze, das was einen ausmacht völlig aufgeben muss, nur damit es dem anderen besser geht.
Grundsätzlich sollte man denke ich eh erstmal versuchen über Unstimmigkeiten zu reden, damit man ggf. etwas daran ändern kann.
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