Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schicksal einer Fettleibigen
- beschrieben in einem Artikel des "Spiegel" (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,697109,00.html).
Ich verstehe die Frau und ihre Nöte sehr gut. Nicht in diesem Ausmaß, aber in Teilen kenne ich diese Erfahrungen auch. Aber die Lösung dafür soll eine OP sein?
Im übrigen finde ich es unsäglich, wie schwarzweiß dieser Artikel geschrieben ist.
sombra_blanca
29.05.2010, 16:08
Der Artikel malt solche krassen Bilder, dass der letzte Satz in all seiner Schrecklichkeit dennoch wie eine Verbesserung wirkt. Gefährlich.
*kopfschüttel*
Ja. Und die eskalierende Beschreibung ihrer Not über zwei Seiten hinweg führt zu der (scheinbar? tatsächlich?) einzig möglichen Lösung, sodass man am Schluss denkt, "aaaah - Gott sei Dank gibt es eine solche OP". Fatal, das.
babelfish
29.05.2010, 17:43
Dieser Artikel ist mir übel aufgestoßen, wie so manches was der Spiegel in den letzten Jahren publiziert hat.
Ich habe auch einen Leserbrief hingeschrieben, weil ich bestimmte Dinge unmöglich finde, zB. solche Worte wie Freßtüte, fressen an sich, die kritiklose Gutheißung von 500kcal. Diäten, u.ä.
Aber die allergrößte Frechheit fand ich über ein schwer mißbrauchtes Kind zu schreiben, was geholfen hätte wäre mehr Gemüse- und das noch vor der Nennung von therapeutischer Hilfe. So als wäre dick sein schlimmer, als sexuell mißbraucht worden zu sein. Unglaublich!
Und richtig schlimm finde ich, dass mir das auch hätte passieren können. Es gab Zeiten in meinem Leben, da habe ich heimlich (nicht nur Süßes) gegessen, weil ich zu Hause auch jeden Bissen abgezählt bekam und ich immer hungrig war und ich hätte alles mit mir machen lassen, nur damit meine Eltern nichts davon erfahren.
Ich kann nur von Glück reden, dass mir nie Pädophile oder sonstwie Gestörte über den Weg gelaufen sind und irgendwann andere Menschen in mein Leben getreten sind, mit denen ich essen konnte, ohne mich zu Tode zu schämen, lange hats gedauert.....
und zum Glück gibt es dieses Forum, sonst hätte ich vielleicht auch daran gedacht mich operieren zu lassen.
dicke Mama
29.05.2010, 18:26
Ich finde den Artikel auch gefährlich, er suggeriert ja regelrecht, dass mit einer OP alle Probleme weg sind. Dabei ist ja bei dieser Frau Alles schiefgegangen, was nur schief gehen kann. Diese schweren psychischen Probleme, an denen ja hauptsächlich auch ihre Eltern schuld sind, gehen doch nicht durch weniger Gewicht weg. Wenn das alles so leicht sei. Ich verstehe die Ärzte nicht, jemand der andere psychische Probleme hat empfehlen sie doch auch keine OP, so nach dem Motto, ach sie sind depressiv, wir nehmen ihnen ein Stück vom Gehirn weg, dann wird das wieder. Hallo, wo leben wir denn.:mad:
Man kann ja Sexualstraftätern, insbesondere Pädophilen ihr bestes Stück abnschneiden, dann sind sie geheilt.:ironie:
Fisch4Fun
30.05.2010, 01:44
Spiegel Online hat endlich den Grund gefunden:
"Aber meist verbirgt sich hinter den Speckmassen ein Schicksal, das aus dem Esser einen Stopfer macht."
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,697109,00.html
Da es das Thema bereits gab, habe ich die Beiträge zusammengeschoben.
Der Artikel hat mich sehr betroffen gemacht. Ich fand ihn gar nicht mal so sehr gefärbt, konnte gut zwischen den Zeilen lesen.
Es war wie eine kurzgefasste Lebensgeschichte und der letzte Satz war echt schlimm. Die arme Frau.
Ich werde mir als Konsequenz angewöhnen, noch sensibler mit scheinbar anders-seienden Leuten umzugehen, denn am schlimmsten fand ich die Bemerkungen, die z.B. die Kinder, der Bruder, die Ärztin usw. gemacht haben, einfach, weil sie keine Ahnung hatten, was mit dem Mädel wirklich los ist. Sowas steht mir ab sofort immer vor Augen.
Hoffentlich findet sie unser Forum.
Toastbrot
02.06.2010, 15:12
"Das Einzige, was diese Op bewirkt ist, daß Sie Gewicht verlieren - nicht mehr und nicht weniger."
Das hat mein Therapeut zu mir gesagt und ich geben ihm Recht. Andere Probleme sind davon NICHT betroffen, es kommen evtl sogar weitere dazu, wenn einem der Gewichtsverlust seelische Probleme beschert.
Im besten Fall kommen positive Gefühle und ein besseres Selbstbewußtsein herraus. Aber auch das muss man sich erarbeiten - es kommt nicht automatisch.
So bleiben dieser Frau diese grundliegenden Probleme auch nach eine OP. Solch schreckliche Erlebnisse lassen sich nicht mit einem Skalpell "herausschneiden".
Toastbrot
Also ist es wirklich so, Toastbrot, dass die unbewältigten Themen sich nach einer oder gerade durch eine Magen-OP nach vorn drängen können?
Ich stelle es mir echt schwierig vor, wenn man vorher sehr viel gegessen hat, dessen plötzlich beraubt zu sein - was dann alles nach oben schwemmt ... spätestens wenn die neue Figur Alltag geworden ist. Das ist dann wohl genau der kritische Zeitpunkt, wo sich der Magenoperierte austricksen kann - mit Cola, Eis, Pudding ... Obwohl es autoaggressiv ist, das zu tun, meinem Empfinden nach, eindeutig.
Toastbrot
02.06.2010, 19:16
Ja, ich denke, daß das durchaus passieren kann. Grad wenn man ohne Hilfe da steht.
Dazu passen zum Beispiel Personen, die nie in der Lage waren Grenzen zu ziehen. Vielleicht weil schon die Eltern keine akzeptiert haben und jeder einfach drübergerannt ist. Dann kann eine Fettschicht ja auch eine Art Mauer oder Zaun sein.
Und wenn die plötzlich dahinschmilzt (und grad wenn die Op Entscheidung nicht selber getroffen wurde, sondern sich diese Personen von Angehörigen und von Ärzten dazu haben überreden lassen (bzw läuft das dann ja eher unter dem Motto: Sie müssen sich dringend operieren lassen, sonst leben sie nur noch 2 Jahre. Nach der Op werden sie endlich schlank und gesund)), dann ist das ja quarsi so, als würden diese Personen plötzlich nackt vor den Leuten stehen.
Deshalb ist vielleicht auch die Suizidrate in den USA im ersten Jahr nach einer OP außergewöhnlich hoch. Denn da ist eine Therapie keine Kassenleistung und die wenigsten haben die Kohle dafür.
Toastbrot
babelfish
02.06.2010, 19:17
Also ist es wirklich so, Toastbrot, dass die unbewältigten Themen sich nach einer oder gerade durch eine Magen-OP nach vorn drängen können?
Ich glaube das Schlimmste wird es sein, wenn jemand mit solch massiven Problemen plötzlich schlank ist und merkt, dass sein Leben nach der Abnahme genauso besch... ist wie vorher.
gabriele
02.06.2010, 19:19
Ich glaube das Schlimmste wird es sein, wenn jemand mit solch massiven Problemen plötzlich schlank ist und merkt, dass sein Leben nach der Abnahme genauso besch... ist wie vorher.
aber es wird bestimmt auch einiges besser sein.
Ja, es wird einiges besser sein und einen gewissen Ausgleich bieten; die Suizidrate, die Toastbrot anspricht, scheint aber aufzuzeigen, dass die Nachteile überwiegen und einen förmlich überrennen können ... Meine Güte, das ist ja heftig.
gabriele
02.06.2010, 20:25
was meinst du jetzt mit heftig, Brit?
was meinst du jetzt mit heftig, Brit?Das mit der Suizidrate nach den OPs, Gabriele.
babelfish
02.06.2010, 22:14
aber es wird bestimmt auch einiges besser sein.
Dann hat man aber auch keinen Grund sich umzubringen.
Was ich meinte war das klassische Verschieben seines Lebens auf schlanke Zeiten.
Wenn ich schlank bin, dann bekomme ich funktionierende Beziehungen, einen besseren Job, Freunde, meine Familie liebt mich, ich kann besser auf Menschen zu gehen. Ich bin etwas wert.
Und dann ist man schlank und merkt, dass all diese Dinge rein gar nichts mit dem Übergewicht zu tun hatten. Man fühlt sich immer noch klein dumm und häßlich und die Männer kommen trotzdem nicht angerannt, die große romantische Liebe ist ein Märchen.
Man sieht immer noch doof aus in Miniröcken und der Job ist der gleiche geblieben, mit lästernden Kollegen und doofem Chef.
Nur jetzt hat man nichts mehr, worauf man es schieben kann und daran zerbricht so mancher Mensch.
Schneckennudel
03.06.2010, 13:38
die große romantische Liebe ist ein Märchen.
Mit deinem Posting hast du recht, aber mit dieser Aussage nimmst du mir jede Illusion. :bigheul:
gabriele
03.06.2010, 13:51
meine Illusion hast du mir auch genommen,babelfish.:bigheul:
Dralle Deern
03.06.2010, 13:53
die große romantische Liebe ist ein Märchen. Mit deinem Posting hast du recht, aber mit dieser Aussage nimmst du mir jede Illusion. :bigheul:
Wieso? Dieser Aussage ging doch etwas voraus, nämlich:
Wenn ich schlank bin, dann ...
Ich stehe ebenso auf dem Standpunkt, dass ich als schlanke Frau nicht mehr, und vor allem nichts besseres erreichen kann, als als dicke. Um bei dem Thema "Beziehung" zu bleiben: Wenn mich ein Mann als Dicke ablehnt, dann lehnt er mich ab. Mit diesem will ich dann aber auch dann nichts zu tun haben, wenn er plötzlich angekatzt kommt, wenn ich schlank bin. Entweder jemandem gefällt das Gesamtpaket, das ich bin, oder nicht. Sicher hat jeder seine eigenen - auch optischen - Vorlieben, das geht mir nicht anders. Aber genauso wenig, wie ich von einem Mann verlangen würde zu wachsen, damit er in mein Beutschema passt, würde ich mich für einen Mann nicht verändern wollen. Mal davon abgesehen, dass es in punkto Gewicht eben auch nicht so einfach ist, deswegen auch mein Vergleich mit der Körpergröße.
Schneckennudel
03.06.2010, 14:20
@Dralle Deern: Ich geb dir auch 100%ig recht. Aber babelfish hat doch gesagt, wenn man schlank ist, stellt man fest, dass der tolle Mann auch nicht kommt und dass die große romantische Liebe ein Märchen ist. Oder hab ich das so falsch verstanden? Ich würd ja gern noch weiter warten ... ;)
Dralle Deern
03.06.2010, 14:30
Ich habe Babelfisch so verstanden, dass die "große Liebe" nicht nur schlanke trifft und wenn man diese zu dicken Zeiten nicht gefunden hat, sie nicht notwendigerweise zu schlanken finden muss, bzw. dass das Schlanksein nicht die Voraussetzung dafür ist, jemandes Traumfrau zu werden.
Natürlich gibt es Berichte von Leuten, die nach einer Gewichtsreduktion ihren Partner gefunden haben. Aber ich sehe darin keine Kausalität. Ebenso könnte man eine logische Konsequenz daraus ziehen, dass man nach dem Kauf eines neuen Autos oder eines sonstigen Ereignisses seine Liebe gefunden hat. Immer geschieht etwas nach etwas anderem und selten haben diese Situationen etwas miteinander zu tun.
Und ob die große romantische Liebe per se ein Märchen ist, liegt immer an der jeweiligen Sicht, aus der jemand eine solche Aussage trifft ;)
babelfish
03.06.2010, 15:20
@Dralle Deern: Ich geb dir auch 100%ig recht. Aber babelfish hat doch gesagt, wenn man schlank ist, stellt man fest, dass der tolle Mann auch nicht kommt und dass die große romantische Liebe ein Märchen ist.
Nein das habe ich nicht gemeint. Was ich meinte ist das Menschen, die eine unrealistische Vorstellung von Liebe und Beziehung haben enttäuscht werden.
Manche Menschen mit vermeintlichen oder tatsächlichen körperlichen "Mängeln", bilden sich ein, dass nach der Nasen-,Brust-, oder Magen-OP plötzlich die Männer/ Frauen Schlange stehen und den ganzen Tag nix besseres zu tun haben als Rosen und Brillianten überreichend, Liebesverse zu schmieden und ihre Angebetete in ferne exotische Länder verbringen, wo alles gut wird.
Die Variante für Männer schreibe doch bitte ein Mann auf.
Es wird also sozusagen das naheliegende Glück, z.B. eine gute Beziehung nicht in Betracht gezogen, weil man sich für nicht hinreichend hält, oder noch perfider, viele glauben, dass das was sie haben nicht gut genug wäre, weil es nicht der Märchenprinz (Traumjob, Traumwohnung, Traumkleidung) ist (und weil man dick oder dunkelhaarig oder mit kleinen sekundären und primären Geschlechtsteilen sowas richtig Gutes ja nicht bekommen kann).
Dann wird alle Energie, die man hat nicht etwa zur Lösung seiner Probleme verwendet, z.B eine Fortbildung für einen besseren Job, oder eine Näherin für das Traumkleid suchen, oder andere Menschen ansprechen um seine Schüchternheit zu überwinden. Nein, das wäre viel zu einfach.
Schlank muss es sein, oder Doppel D-Körbchen oder neue Nase oder blonde Haare. Grad egal!
Und niemals nie würde ich behaupten es gäbe keine romantische Liebe. Nur manchmal ist einfach nur Liebe und keine Romantik und manchmal Romantik vom Falschen und manchmal nichts von allem.
Nur was man bekommt hängt ab von der eigenen Person, vom Glück, der Gelegenheit und der Fähigkeit zu lieben, zu streiten, Kompromisse zu schließen, füreinander dazu sein und durchzuhalten und von vielem mehr. Aber und das ganz definitif: Nicht vom Gewicht!
Und da sind wir bei der Suizidrate. Wenn ich mir immer eingeredet habe, alles wird besser, wenn... Was ist nach wenn?
Schneckennudel
03.06.2010, 15:50
Dann bin ich ja beruhigt. ;) Wart ich also einfach weiter ...
@babelfish + Dralle Deern: Ihr habt das sehr gut ausgedrückt. Ich denke auch nicht, dass irgendetwas im Leben davon abhängt, ob man schlank oder dick ist. Als Jugendliche hab ich mich mal runtergehungert und war schlank. Damals war ich so schüchtern und gehemmt, da geh ich jetzt mit gut dem Doppelten an Gewicht leichter durch's Leben.
Das Lebensglück hängt nicht vom Gewicht ab. Nicht von der neuen Nase, nicht mal vom D-Körbchen oder von den neuen Zähnen (für Männer nicht vom primären Geschlechtsmerkmal). Sondern:
Ob man daran GLAUBT. Ans Lebensglück überhaupt, ans Verdienen desselben, an die eigene Liebens-Würdigkeit oder auch, wenns DEN Kick gibt: AN die neuen Zähne, AN die persönliche, womöglich durch endliche Schlankheit erlangte Erscheinung (nein, das ist kein Widerspruch zu oben!), AN die Ausstrahlung, die alte, runde und schöne, oder die neue, flotte und sportliche ... Einfach an sich. Ans Schicksal. An einen gütigen Gott. Es ist der tiefinnere Glaube, der das Lebensglück bestimmt.
Ich bin davon überzeugt.
gabriele
03.06.2010, 19:50
dennoch hat man immer über Vorurteile zu kämpfen. Ein paar Pfunde zuviel sicher noch nicht. Aber wenn es erheblich mehr ist: man hat es schwerer im Leben. Das kann keiner abstreiten.
man hat es schwerer im Leben. Das kann keiner abstreiten.
Tu ich aber doch. Beweis: Meine Erfahrungen. Mein Leben.
Ich glaube nicht das man es schwerer hat.
Aber ich glaube die Probleme sind andere.
Und ich glaube auch wie schon geschrieben das das Glück,
das anhaltende - von innen kommt.
Selbst wenn mir jemand mal dumme Kommentare an den
Kopf knallt oder ich mal wütend, traurig, sauer bin über die Grenzen
die mein Körper mir setzt (übrigens nicht nur aus übergewichtigen Gründen), dann ändert das nichts an meiner Grundeinstellung zu mir und meinem Leben.
Das mit der Suizidrate kann ich mir vorstellen.
Hat mir erst vor kurzem eine Amtsärztin einen ACEingriff aufdrängen wollen und festgestellt mein Leben hätte doch so keine Qualität....
Klar, wenn ich das Glauben würde. Mich operieren lasse nur um diese mir wie ne baumelnde Möhre vorgehaltene Lebensqualität zu erreichen nur um festzustellen das es nach der OP einfach nicht getan ist....
viele verstehen vermutlich nicht mal das man an sich und seiner Einstellung auch "arbeiten" muss, ich glaube ich würde auch erstmal an ne ganz dicke Wand rennen.
Schlimm ist das.
babelfish
04.06.2010, 00:43
dennoch hat man immer über Vorurteile zu kämpfen. Ein paar Pfunde zuviel sicher noch nicht. Aber wenn es erheblich mehr ist: man hat es schwerer im Leben. Das kann keiner abstreiten.
Der Komparativ schwerer braucht eigentlich immer einen Vergleich. Schwerer als wer?
Meinst du die Dicken haben es schwerer als die Dünnen. Das halte ich für Quatsch. Es gibt unglückliche Dünne und unglückliche Dicke.
Oder meinst du vielleicht häßliche Dicke und attraktive Dünne. Da gibts auch in beiden Gruppen glückliche und unglückliche Menschen.
Meinst Du kranke, häßliche, charakterschwache, alte, dumme Dicke und wunderschöne, gesunde, junge, karitativ engagierte, charakterstarke, gut ausgebildete Dünne. Wär ein unfairer Vergleich und soviele gibt es davon vielleicht auch nicht, aber auch hier: Glückliche und Unglückliche.
Also was meinst Du?
Oder ist dieses Denken nicht auch eine Art Aufschieben? "Mir werden soviel Vorurteile entgegengebracht". Na und? Das geht jedem so.
Die schöne Frau schläft sich hoch. Die Dicke frisst zu viel. Die Dünne ist magersüchtig, die Blonde doof. Der Filmstar kann nicht treu sein. Professoren sind weltfremd. Chefs haben kein Herz. Hartzer sind ungebildet.
Die ganze Palette von Vorurteilen sehen wir alle jeden Tag. Manchmal als Opfer und manchmal als Täter. Und all das hat mit dick sein nichts zu tun.
@ babelfish
Deine kämpferische Haltung gefällt mir. :) Allzu oft wird das, was einem als feststehendes Handicap erscheint, vorgeschoben. Ich stehe immer mehr hinter: "Handeln, nicht beklagen, was vermeintlich nicht geht. Annehmen, was vermeintlich unannehmbar ist". Dann werden Hindernisse, die anscheinend so klar sind - muss ja so sein, ist doch Realität usw. - sehr häufig doch ganz klein.
Hummelchen
04.06.2010, 09:41
Ich war nicht immer dick - ich habe also einen Vergleich und ich kann nicht bestätigen, dass mein dickes Leben irgendwie "schwerer" ist oder im Umkehrschluss mein schlankes Leben irgendwie leichter oder besser war...
Ich liebe mein Leben und bin glücklich und würde nie mit irgend jemandem tauschen wollen.
Hummelchen
dennoch hat man immer über Vorurteile zu kämpfen. Ein paar Pfunde zuviel sicher noch nicht. Aber wenn es erheblich mehr ist: man hat es schwerer im Leben. Das kann keiner abstreiten.
Du hast insofern Recht, dass es stets und immer Vorurteile geben wird, mit denen man zu kämpfen haben wird.
Aber warum in aller Welt sollte man es als schwererer Mensch schwerer im Leben haben??? Das scheint mir bloß eins von vielen Vorurteilen zu sein.
Es kommt immer auf die eigene Einstellung an und auf den jeweiligen Einzelfall. Selbst wenn es Menschen geben sollte, auf die deine Wertung zutrifft, gibt es auch genug andere.
Unter uns: Manche Menschen haben mit ein paar Pfunden zuviel erheblich mehr Probleme als andere mit zig Kilo. Aber auch diese Feststellung kann man nicht unbesehen verallgemeinern...
Aber warum in aller Welt sollte man es als schwererer Mensch schwerer im Leben haben??? Das scheint mir bloß eins von vielen Vorurteilen zu sein.
In meinem ganz normalen Leben fühle ich mich fast immer wohl, anerkannt und da kann ich gut mit meinen Kilos leben. ABER, allein der Gedanke, ins Krankenhaus zu müssen, macht mir Angst und Bange, denn da wurde ich schon sehr abschätzend und wenig freundlich behandelt. Und dann empfinde ich für mich das "schwere" Leben als schwerer als normal. Krankenhaus ist ein Bereich,in dem all meine Sicherheit von dannen geht.
MissSilver
04.06.2010, 10:35
ABER, allein der Gedanke, ins Krankenhaus zu müssen, macht mir Angst und Bange, denn da wurde ich schon sehr abschätzend und wenig freundlich behandelt. Und dann empfinde ich für mich das "schwere" Leben als schwerer als normal. Krankenhaus ist ein Bereich,in dem all meine Sicherheit von dannen geht.
Denkst Du wirklich, andere (mir welchem Gewicht auch immer) Menschen werden im Krankenhaus/Arztpraxen überhaupt nicht abschätzend und wenig freundlich behandelt?
Ja, das denke ich. Leider. Auf Grund gemachter Erfahrungen, die natürlich nur mich betreffen.
Hummelchen
04.06.2010, 10:54
Denkst Du wirklich, andere (mir welchem Gewicht auch immer) Menschen werden im Krankenhaus/Arztpraxen überhaupt nicht abschätzend und wenig freundlich behandelt?
Ich bin in Arztpraxen (bis jetzt) noch nie aufgrund meines Übergewichts abschätzend/unfreundlich behandlet worden.
Im Krankenhaus (Uniklinik) habe ich schon unmögliche Behandlung erlebt (allerdings war ich da viel leichter) - zum Glück gibt es in meiner Stadt Alternativen und ich war mehrmals (zu Entbindungen und dreimal zur OP) hier in einem Diakonie KH, wo man sehr viel Wert auf den freundlichen Umgang mit Pat. legt.
Mag sein, dass man hin und wieder schlechte Behandlung erfährt, weil das Gegenüber Vorurteile gegen dicke Menschen hegt - aber Opfer von Vorurteilen kann jeder werden (Alte, Arme, Blonde, Behinderte; Kleine, Große)
Ich habe gemerkt, dass es oftmals ich selbst war, der sich das Leben schwer gemacht hat. Seit ich mich annehmen kann so wie ich bin habe ich so gut wie niemals irgendwelche Ressentiments zu spüren bekommen.
Möglich, dass der Eine oder Andere sein Leben mit Übergewicht als schwerer empfindet - das kann so sein, muss es aber nicht.
Was ich nicht mag sind diese Vorurteilsbehafteten Pauschalisisrungen.
babelfish
04.06.2010, 11:22
Ja, das denke ich. Leider. Auf Grund gemachter Erfahrungen, die natürlich nur mich betreffen.
Es tut mir leid, dass du schlechte Erfahrungen gemacht hast. Aber glaub mir, dünne Patienten werden auch oft wie der letzt Dreck behandelt.
Eine frühere Freundin von mir hatte eine Frühgeburt nach der 20.Woche (also das Kind als Kind erkennbar und theoretisch lebensfähig). Sie hat wohl den Tod ihres Kindes gespürt, war dann aber zwei Tage später erst beim Arzt, als Notfall im Krankenhaus. Völlig fertig, weil ein Kind ihr größter Wunsch war und sie schon zwei Fehlgeburten hatte.
Was sagt ihr bescheuerter Arzt direkt nach der Not-OP? Nicht etwa es tut mir leid Frau sowieso. Nein, der hat gesagt, so mager wie sie sind, mit so einem schmalen Becken bekommen sie nie ein Kind gesund auf die Welt (die ist halt nur 1,50m mit Hut und entsprechend klein und zierlich, aber wenn es danach ginge hätten wir keine Bevölkerungsexplosion in Asien).
Das nächste Mal essen sie mal was und das da (Kind in OP-Eimer) entsorgen wir mal schnell. Und das war nicht in den 50er Jahren, das ist noch keine 15 Jahre her.
OK, das ist der krasseste Fall den ich kenne, aber demütigende Situationen erleben Schlanke im Krankenhaus auch.
Die sehr gepflegte Krebbspatientin, gerade geduscht, der empfohlen wird sich doch mal zu waschen (Nach der Chemo stinkt man ziemlich).
Die Vierfach-Eltern, die vor Geburt ihres fünften Kindes ungefragt eine Sterilisation mit dem Kaiserschnitt angeboten bekommen und bei Ablehnung desselben einen langen Vortrag über Kinderreichtum und die Nähe zum asozial sein vorgetragen bekommen.
Die Älteren, mit denen der Arzt nicht mehr spricht, sondern die Behandlung nur noch den Kindern und Enkeln erklärt. Mit dem Hinweis das verstände sie ja in ihrem Alter doch nicht mehr (meiner Oma passiert).
Wichtig ist für mich, dass man sich so nicht behandeln läßt. Wenn ein Arzt oder eine Arzthelferin meint er/sie müsse von der Sachlichkeit weg und persönlich werden, muss ich leider sauer werden und ihn/sie je nach Stimmung sachlich oder unsachlich Stimmung zurechtweisen.
Für mich - und ich betone: Nur für mich! - gehört in diesen Bereich der Schrecklichkeiten auch die Frage an die Angehörigen eines gerade Verstorbenen, ob diesem Organe entnommen werden dürfen ... Die Ärzte, die dies müssen, finden das bestimmt auch nicht immer gut, nur werden sie mit derartigen Entwicklungen (wozu auch die Rentabilität des Wirtschaftsbetriebs Krankenhaus gehört) zur Kaltschnäuzigkeit regelrecht ja veranlasst.
Ich glaube nicht, dass schwergewichtigte Patienten grundsätzlich schlechter behandelt werden als dünne, nur insofern als sie mehr "Scherereien" machen für die Schwester und Pfleger, also die Pflege beschwerlicher ist für sie, das ist leider nicht auszuschließen; wenn dann noch Taktlosigkeit des Personals hinzukommt, kann es schlimm werden ... aber der Hauptgrund für schlechte Behandlung liegt meiner Meinung nach woanders.
Gerade alte Menschen merken das auch und werden, wie babelfish erwähnt, in Praxen und Krankenhäusern oft herablassend behandelt, wenn sie nicht - und das ist der springende Punkt - energisch um Respekt ersuchen, und den müssen sie erst einmal sich selbst erweisen. So ist es mit allen anderen Patienten, also auch dicken, ebenfalls: Der durchaus nach außen spürbare Respekt vor sich selbst bzw. die Eigenliebe bestimmen in den allermeisten Fällen den Respekt der anderen, zumindest mit.
Für mich - und ich betone: Nur für mich! - gehört in diesen Bereich der Schrecklichkeiten auch die Frage an die Angehörigen eines gerade Verstorbenen, ob diesem Organe entnommen werden dürfen
Das ist immer schrecklich für die Angehörigen, aber andererseits können durch diese Frage Leben gerettet werden. Deshalb hat diese Frage in meinen Augen nochmal eine ganz eigene Problematik.
MissSilver
04.06.2010, 16:29
Wenigsten kann so eine Frage in Österreich nicht vorkommen, weil wir hier diesbezüglich andere Gesetze haben, und wer nicht (ich weiß nicht mal wie) widerspricht, demjenigen dürfen Organe entnommen werden.
Das ist immer schrecklich für die Angehörigen, aber andererseits können durch diese Frage Leben gerettet werden. Deshalb hat diese Frage in meinen Augen nochmal eine ganz eigene Problematik.
Stimmt natürlich. Es ist eine ausgesprochen heikle Sache. Die von Miss Silver angesprochene andere Gesetzesregelung hat sich etwas für, aber auch etwas gegen sich: Wer es für sich nicht möchte - das Recht sollte ja bestehen bleiben - wie kann er sich wehren, dass nach seinem Hirntod nicht doch Eingriffe an ihm vorgenommen werden?
Aber ich glaube, das ist nun völlig off topic.
Nur ein kleines Scherflein noch dazu: Ich war 1995 (Myom-OP), 1998 (Entbindung) und 2006 (Hysterektomie) im Krankenhaus und bin von allen, wirklich allen Ärzten, Schwestern, Pflegern, Helfern etc. sehr freundlich behandelt worden. Auch das war in einem konfessionell geprägten Krankenhaus. Ich weiß nicht, ob das eine Rolle spielt, aber es war meine Erfahrung.
Dickmadam
08.03.2011, 14:10
Besonders bestürzt hat mich in dem Artikel die Worte der Ärztin: "Sie sollten weggesperrt werden." Das ist doch eine Unverschämtheit! Solche Ärzte sollten weggesperrt werden! Nach Magen-OP fragen, ob sie mal eine beantragt hat, das ist was anderes, oder fragen, wie es dazu kam. Aber gleich so harte Sätze wie "Ihnen sollte man den Mund zunähen" das ist ja schon eine abwertende Beleidigung!
Die Suizidrate ist vielleicht auch so hoch, weil mit weniger Nahrungsaufnahme der Blutzuckerspiegel sinkt, und es auch Dicke gibt, die keinen Diabetes haben. Wenn meiner zu niedrig ist, fange ich z. B. auch an zu heulen.
Und natürlich auch eine hohe Erwartungshaltung an das Abnehmen: "Wenn ich schlank bin, dann..." Und dann stellt man fest, dass eine Gewichtsveränderung kein Wunder bewirkt. Wenn man aber stattdessen sagt: "Dann kann ich mir die Schuhe zubinden" oder Ähnliches, also objektiv bleibt, dürfte man nicht zu sehr enttäuscht werden.
Besonders bestürzt hat mich in dem Artikel die Worte der Ärztin: "Sie sollten weggesperrt werden."
Ich bin kürzlich in einer TV-Doku (ZDF) gelandet. Darin ging es auch um die AC. Eine Protagonistin hatte sie hinter sich und befand sich nun bei einem Schönheitschirurgen zum wohl unvermeidlichen Haut Wegschnibbeln.
Dieser Chirurg sagte in die Kamera, das ganze Problem ließe sich ja ohne all diesen Aufwand und all diese Kosten ganz schlicht lösen, indem man die Dicken ganz einfach für ein paar Monate einsperrte und ihnen nichts zu essen gebe. Aber das sei ja leider in diesem Land nicht durchführbar und nicht opportun.
Er selbst sei selbstverständlich nie übergewichtig gewesen. Wenn er ein oder zwei Kilo zunähme, könne er die mit vermehrtem Sport und weniger essen umgehend wieder loswerden. Angesichts der Disziplinlosigkeit vieler Menschen müsse er nur den Kopf schütteln.
Elisabeth
08.03.2011, 19:14
Man stelle sich nur mal vor, wenn man einen Arzt, mit so einer Einstellung, in einer Notsituation braucht. Ich stelle mir das eh schon oft genug vor, das sind meine Tagesalbträume, die ich habe.
Was macht man dann in einer medizinischen Notsituation, wo man nur ein Häufchen Elend ist, und verbal in dem Moment nicht auftrumpfen kann??
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