PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wieder ein AC-Opfer


sunny73
19.02.2010, 11:37
Ja ich weiß, der EXPRESS ist nicht unbedingt _die_ gute Quelle, aber der Artikel hat mich mal wieder entsetzt. Bin relativ sprachlos.
Seit wann werden eigentlich OPs im Stehen gemacht?
Wenn der Patient zu schwer ist, sollte man doch wohl eine Alternative finden können, wenn es vorausgeplant ist.
Mal ganz abgesehen davon, dass ich, wie die meisten hier, nichts von diesen OPs halte, außer vielleicht Abstand.
Expressartikel vom 19.02.10
(http://www.express.de/regional/koeln/barbara--22---tod-nach-schlankheits-op/-/2856/1188434/-/index.html#)

Darcy
19.02.2010, 12:21
Das Gejammer von der Mutter, dass die Risiken nicht bekannt gewesen wären, ist doch Schwachsinn. Kein Mensch wird in Deutschland operiert, bevor nicht ein Aufklärungsgespräch stattgefunden hat und der Zettel mit allen Risiken unterschrieben wurde.
Und niemand kann heute mehr sagen bei den vielfältigen Informationsmöglichkeiten, dass er von nix gewusst hat.
Da muss man schon BILD- oder eben Expressleser sein und sich ganz bewusst doof stellen ...

Knallfrosch
19.02.2010, 12:53
"Und wie kann es sein, dass meine Tochter im Krankenhaus mit Bakterien angesteckt wurde?“

Na sowas! Das Risiko von nosokomialen oder iatrogenen Infektionen sollte sich doch mitlerweile herumgesprochen haben, nee:confused:?

Hummelchen
19.02.2010, 13:10
"Und wie kann es sein, dass meine Tochter im Krankenhaus mit Bakterien angesteckt wurde?“

Na sowas! Das Risiko von nosokomialen oder iatrogenen Infektionen sollte sich doch mitlerweile herumgesprochen haben, nee:confused:?

Das ist m. E. etwas ganz anderes als in dem o. g. Fall. Bei deiner Tochter hat es sich ja sicherlich um einen notwendigen Eingriff gehandelt.

Das ist bei eine AC- Eingriff eben fraglich. Leider werden hier die Risiken und möglichen Folgeschäden von den Patienten (bzw. den Angehörigen) gerne ignoriert...

gabriele
19.02.2010, 13:29
"Und wie kann es sein, dass meine Tochter im Krankenhaus mit Bakterien angesteckt wurde?“

Na sowas! Das Risiko von nosokomialen oder iatrogenen Infektionen sollte sich doch mitlerweile herumgesprochen haben, nee:confused:?

so etwas kommt leider sehr häufig vor. Meine Tante wurde im Krankenhaus mit Pilze angesteckt und ist daran gestorben.
Und das mit Bakterien hört man immer wieder, weil es in Krankenhäuser nicht sehr reinlich zugeht.

das ist jetzt am thema vorbei
zu obengenannten Them: finde ich sehr tragisch. man weiß nicht ob man Mitleid haben soll oder nicht. Jeder weiß, daß diese OP ein Risiko ist. Ich denke, da wird es bestimmt noch mehr Todesfälle davon geben. Uneinsichtige Menschen gibt es immer wieder.

babelfish
19.02.2010, 16:29
Das Gejammer von der Mutter, dass die Risiken nicht bekannt gewesen wären, ist doch Schwachsinn. Kein Mensch wird in Deutschland operiert, bevor nicht ein Aufklärungsgespräch stattgefunden hat und der Zettel mit allen Risiken unterschrieben wurde.
Und niemand kann heute mehr sagen bei den vielfältigen Informationsmöglichkeiten, dass er von nix gewusst hat.
Da muss man schon BILD- oder eben Expressleser sein und sich ganz bewusst doof stellen ...

Da muß ich dir ausnahmsweise mal widersprechen. Natürlich sollte über Risiken aufgeklärt werden, aber praktisch sieht das oft ganz anders aus.

Meine Mutter hatte vor zwei Jahren eine Augen-OP. Sie hat also nicht wirklich viel gesehen und mußte sich auf das verlassen, was der Arzt ihr erklärt hat.

Meine Mama ist nicht die Hellste, also wollte sie manche Dinge länger und genauer erklärt haben (z.B. ihr Risiko zu erblinden oder ihr Übergewicht und Anästhetika).

Der Arzt hat sich dazu aber nicht herablassen können, sondern sie angemotzt, dass er keine Zeit hätte jeden Furz zu erklären, wenn er sage die OP sei ungefährlich, dann sei das so.
Ausgesprochen zickig wurde er, als meine Mutter erst unterschreiben wollte wenn mein Vater ihr alles nochmal erklärt und vorgelesen habe.
Glücklicherweise ist meine Mutter ein starker Charakter und hat nicht klein beigegeben.

Ich kann mir schon vorstellen, dass im Beratungsgespräch vor Adipositaschirurgien Risiken als gering und Vorteile überhöht dargestellt werden. So nach dem Motto:
"Aber sie haben doch gar keine Wahl bei Ihrem Gewicht! "

sunny73
19.02.2010, 16:45
Da muss man schon BILD- oder eben Expressleser sein und sich ganz bewusst doof stellen ...
Der Zusammenhang ist dann aber mal wieder leicht an den Haaren herbeigezogen, meinst Du nicht auch?:grins:

Darcy
19.02.2010, 16:56
Da muß ich dir ausnahmsweise mal widersprechen. Natürlich sollte über Risiken aufgeklärt werden, aber praktisch sieht das oft ganz anders aus.

Praktisch kann einen aber niemand zwingen zu unterschreiben, bevor man nicht alles verstanden hat!
Das ist dann der kleine Punkt Eigenverantwortung, wo eben jeder wirklich genau hinhören sollte - aber ich befürchte, das ist bei den AC-Opfern eben nicht der Fall. Die hören die Heilsversprechen und verdrängen die Risiken, sicher auch, weil der Leidensdruck riesig ist. Aber man kann und darf sich eben danach nicht hinstellen und so tun als hätte man von nix gewusst, zumal solche OP's ja auch nicht von jetzt auf gleich gemacht werden. Meist steht doch vorher ein Kampf mit der Krankenkasse um Übernahme der Kosten an etc. - Zeit genug, sich auch unabhängig vom dran verdienenden Arzt zu informieren. Aber das muss man auch wollen, dazu muss man sich eben auch mit den unangenehmen Seiten konfrontieren und nicht nur die strahlende Bikinifigur vor sich sehen, die es eh nicht wird, wenn ich mir so Vorher-Nachher-Reportagen ansehe.

Darcy
19.02.2010, 16:56
Der Zusammenhang ist dann aber mal wieder leicht an den Haaren herbeigezogen, meinst Du nicht auch?:grins:
Nö, wieso?

sunny73
19.02.2010, 17:36
Weil Du mal wieder recht plakativ eine Behauptung aufstellst, die ich so nicht sehe.
Die geistige Aufnahmefähigkeit einer Person steht nicht zwingend mit der Art der konsumierten Medien in Zusammenhang. Jedenfalls meiner Meinung nach.
Schon klar, Du hast eine andere. Insofern: Schwamm drüber.

Ganz unabhängig davon kann es ja auch sein, dass wie bei vielen, über das medizinische Fachchinesisch des erläuternden Arztes hinweggehört wurde. Passiert sicherlich auch oft genug.

Darcy
19.02.2010, 17:42
Und wie schon weiter oben geschrieben: NIEMAND ist heute mehr gezwungen, sich rein auf die Äußerungen des dran verdienenden Chirurgen zu verlassen.
Wer das tut, ist selber schuld ... MEINE ureigene Meinung.

pamina
19.02.2010, 18:06
Und wie schon weiter oben geschrieben: NIEMAND ist heute mehr gezwungen, sich rein auf die Äußerungen des dran verdienenden Chirurgen zu verlassen.

Eben. Und wenn ich mir schon bei jeder Kleinigkeit auch das Internet zunutze mache, dann erst recht vor so einer OP. Jeder der wissen will, wird da auch jede Menge erfahren. Pro und Contra - und sich dann entscheiden.

Viele Grüße
pamina

Martina
19.02.2010, 18:25
Dieser Fall wurde vor einiger Zeit auch schon in einem einschlägigen AC-Forum diskutiert, in dem die Mutter sich zu Wort gemeldet hatte.

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich meine, Barbara war nicht dort aktiv, wohl aber in der Selbsthilfegruppe dieses Krankenhauses. Inwiefern sie dort neutrale Informationen erhalten hat, weiß ich nicht. Nach allem, was ich so mitgekriegt habe, wurden Selbsthilfegruppen gerade in diesem Segment als Marketinginstrument gezielt aufgebaut.

Barbaras Mutter wurde jedenfalls in diesem Forum von einigen Leuten massiv niedergemacht, weil sie die ganze Sache hinterfragt hat. Auch die AC-Anhängerschaft argumentiert damit, dass man genau weiß, auf welches Risiko man sich einlässt. Und die Hinterbliebenen haben das gefälligst hinzunehmen. Die Mutter hat dort auch juristische Schritte angekündigt, weshalb das Ganze dann entfernt wurde, weil man Angst hatte, das könnte in irgendeiner Form auf das Forum zurückfallen (das kann ich durchaus nachvollziehen). Ich fand es dennoch wirklich pietätslos, wie man mit ihr als trauernder Mutter umging. Allerdings bin ich da sicher kein Maßstab, denn ich könnte mich auch stundenlang darüber aufregen, dass ich in diesen Foren bei Todesfällen immer wieder lese, wie traurig die User es finden, dass es jemand auf dem Weg in ein gesundes Leben nicht geschafft hat. Die finden einen solch perversen Satz völlig normal.

Fräulein Wunder
19.02.2010, 18:51
(...) dass ich in diesen Foren bei Todesfällen immer wieder lese, wie traurig die User es finden, dass es jemand auf dem Weg in ein gesundes Leben nicht geschafft hat. Die finden einen solch perversen Satz völlig normal.

Da läuft es einem wirklich eiskalt den Rücken runter.

Martina
19.02.2010, 19:10
Ich war heute Nachmittag noch mal in dem Forum und habe festgestellt, dass die Diskussion offenbar wieder hochkocht. Macht Euch selbst ein Bild (http://www.adipositasverband-international.de/forum/thread.php?threadid=54073). Die Mutter postet unter dem Nick der Tochter (telepeters). Sie war also wohl doch dort angemeldet.

Hier ist noch ein weiterer Artikel (http://www.ksta.de/html/artikel/1264185865989.shtml) zu dem Thema. Offenbar liegt die Sterberate bei den Operationen bei 7,5 %.

Sally
19.02.2010, 19:31
Der Zynismus dort ist wirklich gruselig. Die ganze Diskussion trägt sektenartige Züge.

babelfish
19.02.2010, 20:13
Eben. Und wenn ich mir schon bei jeder Kleinigkeit auch das Internet zunutze mache, dann erst recht vor so einer OP. Jeder der wissen will, wird da auch jede Menge erfahren. Pro und Contra - und sich dann entscheiden.

Viele Grüße
pamina

Wie arrogant. Auch heutzutage hat nicht jeder Zugang zum Internet und wie gesagt, der Einschätzung des Arztes trauen die meisten Menschen eben mehr als der Statistik. Im Übrigen nicht nur die Bildzeitungsleser.

Mal abgesehen davon, dass auch Menschen mit wenig Bildung und wenig Möglichkeiten zur Information umfassend beraten werden müssen.

Wenn hier eine Mutter darüber klagt, dass ihre noch junge und vermutlich wenig lebenserfahrene Tochter sich zu einer OP entschließt, die sie das Leben kostete, dann finde ich es mehr als zynisch ihr "Gejammer" zu unterstellen. Vor allem weil die Mutter gegen die OP war.

Darcy
19.02.2010, 20:30
Die Tochter hatte aber den Zugang zum Internet! Sie war sogar in einem entsprechenden Forum angemeldet.
Fakt ist also, wenn sie gewollt hätte, hätte sie sich über die entsprechenden Risiken informieren können - und auf die OP verzichten müssen, wenn ihr die Risiken zu groß gewesen wären.
Fakt ist aber auch, dass sie es nicht getan hat und entweder die Risiken verdrängt oder eben ganz bewusst in Kauf genommen hat. Wie sicher die meisten Operierten hat sie wohl darauf gehofft, dass es bei ihr schon gutgehen wird. Ist es aber nicht - hätte auch jeden anderen treffen können.

Das Problem ist doch, dass niemand mehr sagen kann, er hätte von nix gewusst, wenn er sich operieren lässt - und deswegen hab ich auch kein Mitleid, wenn jemand sehenden Auges ins Verderben rennt. Ich mein, wenn jemand vom Dach springen will, obwohl er weiß, dass er sich dabei schwer verletzen kann, das Risiko aber verdrängt, weil es ja manchmal auch zufälligerweise glimpflich ausgeht, hab ich auch kein Mitleid, wenn der sich dann das Bein bricht.

sunny73
19.02.2010, 21:42
Und wie schon weiter oben geschrieben: NIEMAND ist heute mehr gezwungen, sich rein auf die Äußerungen des dran verdienenden Chirurgen zu verlassen.
Wer das tut, ist selber schuld ... MEINE ureigene Meinung.

Hab ich ja auch nix gegen gesagt, bin sogar Deiner Meinung. Mir missfiel lediglich der herbeigezerrte Zusammenhang zwischen oben genanntem und der Tatsache, ob jemand Boulevardblätter liest oder nicht.

...entweder die Risiken verdrängt oder eben ganz bewusst in Kauf genommen hat. Wie sicher die meisten Operierten hat sie wohl darauf gehofft, dass es bei ihr schon gutgehen wird. Ist es aber nicht - hätte auch jeden anderen treffen können....
Ich seh das ähnlich. Vermutlich war die Arme aber total im "Begeisterungswahn ihrer Heilung" begriffen, dass sie die Argumente weggewischt hat. Wir kennen das doch alle von den gehirngewaschenen braven Dicken, die endlich _ihr_ Allheilmittel fürs Dicksein gefunden zu haben glauben. Vielleicht lag hier der Fall ähnlich?


Ich habe mir den Thread im AC-Forum noch nicht angetan -danke für den Hinweis, Martina-, werde das aber vielleicht am Wochenende noch tun.

babelfish
19.02.2010, 22:19
Die Tochter hatte aber den Zugang zum Internet! Sie war sogar in einem entsprechenden Forum angemeldet.

Das ist mir auch klar. Lesen kann ich. Hier ging es mir aber darum aufzuzeigen, dass längst nicht jeder Internet hat oder mit den Informationen umgehen kann. Manchmal braucht man dafür schon eine gewisse medizinische Vorbildung und bloß weil du sie vielleicht hast mußt du nicht arrogant werden.


deswegen hab ich auch kein Mitleid, wenn jemand sehenden Auges ins Verderben rennt.

Das unterscheidet uns. Ich empfinde Mitleid mit Menschen die sich zu einem Schritt entschließen der falsch war. Und mein Mitleid gilt hier vor allem den Eltern, die mitansehen mußten wie ihr Kind sehenden Auges ins Unglück rennt, womit wir wieder beim Thema "Gejammer" wären. Im übrigen finde ich den Spruch immer noch voll daneben und weißt du was, ich hoffe es passiert nie in deinem Leben irgendetwas über das du in dieser Weise "jammern" mußt.

pamina
20.02.2010, 13:02
Wie arrogant..

Merkwürdige Ansicht. Wenn du das so meinst, bin ich halt arrogant. Aber wir alle leben auch mit den Medien. Und sich zu informieren, ehe man was auch immer machen möchte, halte ich allerdings für selbstverständlich.

Martina
20.02.2010, 19:03
Ich war heute Nachmittag noch mal in dem Forum und habe festgestellt, dass die Diskussion offenbar wieder hochkocht. Macht Euch selbst ein Bild (http://www.adipositasverband-international.de/forum/thread.php?threadid=54073). Die Mutter postet unter dem Nick der Tochter (telepeters). Die Diskussion nimmt in einem anderen Thread, der nur zu lesen ist, wenn man dort angemeldet ist, wieder denselben Verlauf, den sie schon einmal nahm. Den Eltern wird geraten, anstatt die Medien ins Spiel zu bringen, doch lieber mal darüber nachzudenken, welche Schuld sie an dem Übergewicht ihrer Tochter haben.

Außerdem verstehen die Leute überhaupt nicht, warum die Eltern das überhaupt in die Medien zerren. Sie meinen, sie würden das zur Trauerbewältigung machen und um nicht vorhandene Schuldige an den Pranger zu stellen. Mir stellt sich das aber eher so dar, dass sie einen Gegenpol zu der durchgängig enthusiastischen Berichterstattung über die AC setzen wollen.

Eine Hammeraussage ist, Barbara habe es nun gut und, was das Wichtigste sei, sie habe kein Übergewicht mehr. Das sei ja schließlich das gewesen, was sie gewollt hätte. :schrei1:

Auch wird die Reaktion und das Vorgehen der Eltern als Hass gegen diejenigen ausgelegt, die erfolgreich operiert wurden und nun glücklich sind.

Ich halte mich ja prinzipiell für jemanden, der weder einfach noch wirklich normal ist. Darauf bin auch stolz. Aber ich frage mich ernsthaft, wie die Gehirnwindungen von Leuten gestrickt sein müssen, die solche Argumente ersinnen. Das sind dann wirklich die Momente, wo ich mich frage, ob ich völlig aus dieser menschlichen Gesellschaft rauskippe oder was los ist. Oder mit anderen Worten: Wie krank muss man eigentlich sein ...?

babelfish
20.02.2010, 20:36
Merkwürdige Ansicht. Wenn du das so meinst, bin ich halt arrogant. Aber wir alle leben auch mit den Medien. Und sich zu informieren, ehe man was auch immer machen möchte, halte ich allerdings für selbstverständlich.
Wichtig war der Satz nach dem arrogant, der der erklärt warum Menschen trotz pro und contra Informationen manchmal einfach nicht logisch handeln.
Es gibt ganze Wissenschaften, die menschliche Handlungen erklären wollen, die nun mal nicht nur nach logischen Gesichtspunkten ablaufen. Deshalb bist du ein mensch und kein PC. Trotz Internet.

Martina
20.02.2010, 22:08
Noch ein Nachtrag zu meinem letzten Posting:

Man regt sich auch auf, dass das Thema von den Eltern in die "billige" Presse gezerrt wurde, auch weil die Redakteure keine Ahnung von Adipositas haben. Erstaunlich, in meinen Augen. Denn wenn es darum geht, Werbung für die Adipositaschirurgie zu machen, können die involvierten Medien nicht billig genug sein.

Sally
21.02.2010, 06:33
Ich halte mich ja prinzipiell für jemanden, der weder einfach noch wirklich normal ist. Darauf bin auch stolz. Aber ich frage mich ernsthaft, wie die Gehirnwindungen von Leuten gestrickt sein müssen, die solche Argumente ersinnen. Das sind dann wirklich die Momente, wo ich mich frage, ob ich völlig aus dieser menschlichen Gesellschaft rauskippe oder was los ist. Oder mit anderen Worten: Wie krank muss man eigentlich sein ...?
:five:

Ich denke im übrigen auch nicht, dass jede/r selbst schuld ist, der sich operieren lässt. Die Postings der Mutter lassen erkennen, dass sie kein Mensch ist, der hochkomplex denkt und großartig reflektiert durchs Leben geht. Wir haben doch schon oft gesehen, wie leicht Menschen zu verführen sind.

Für mich ist es beispielsweise auch schwer zu verstehen, wie viele Menschen offenbar tagtäglich auf Spams und Hoaxes reinfallen und sich sonstwas erhoffen, sich stattdessen aber das Konto leerräumen oder ihren PC in den Orkus schießen lassen. Es ist eben nicht jeder so klug, um alle Informationen, die die (virtuelle) Welt so bietet, aufzunehmen und seine Schlüsse draus zu ziehen.

Wie massiv ist an allen Ecken des Versprechen "werde dein Übergewicht mit einer OP los und endlich schlank und glücklich"?

Menschen sind verführbar. Und sie dann nach einem solchen Todesfall anzuprangern, weil sie nicht klug genug waren zu reflektieren und sich zu distanzieren, finde ich zynisch. Es ist eine sehr, sehr bittere Art, lernen zu müssen. Ich finde, man darf diese Mutter nicht verurteilen. Meine Mutter hat auch mal gedacht, sie tut mir - mit Unterstützung des Arztes - etwas Gutes, indem sie mich als Grundschulkind auf eine strenge Diät setzte. Glücklicherweise waren die Folgen nicht ganz so dramatisch, aber mir hat's auch gereicht. Heute weiß sie, dass es falsch war. Aber damals hat sie es einfach nicht besser gewusst.

Martina
21.02.2010, 09:24
Mein Zitat bezog sich aber nicht auf die Mutter, sondern auf die Denke der Menschen, die jetzt über sie herfallen. Was die Mutter betrifft, bin ich völlig Deiner Meinung.

Natürlich sind auch diejenigen, die nun so schräg argumentieren, ein Opfer von Verführung. Trotzdem fällt es mir schwer, darüber hinweg zu gehen. Darüber hinaus finde ich es heuchlerisch, weil sie eben die Medien, wo es nur geht, instrumentalisieren, um Werbung für diese tollen Operationen zu machen und dabei keineswegs auch nur ansatzweise so zimperlich sind wie wir, wenn es um die Auswahl der Medien geht.

Sally
21.02.2010, 09:38
Mein Zitat bezog sich aber nicht auf die Mutter, sondern auf die Denke der Menschen, die jetzt über sie herfallen.
Das weiß ich. Ich habe mich da ein wenig unklar ausgedrückt, sorry.

sunny73
21.02.2010, 09:59
Die Diskussion nimmt in einem anderen Thread, der nur zu lesen ist, wenn man dort angemeldet ist, wieder denselben Verlauf, den sie schon einmal nahm. Den Eltern wird geraten, anstatt die Medien ins Spiel zu bringen, doch lieber mal darüber nachzudenken, welche Schuld sie an dem Übergewicht ihrer Tochter haben.

....

Eine Hammeraussage ist, Barbara habe es nun gut und, was das Wichtigste sei, sie habe kein Übergewicht mehr. Das sei ja schließlich das gewesen, was sie gewollt hätte. :schrei1:

.....

Das sind dann wirklich die Momente, wo ich mich frage, ob ich völlig aus dieser menschlichen Gesellschaft rauskippe oder was los ist. Oder mit anderen Worten: Wie krank muss man eigentlich sein ...?

Mir fällt da eigentlich nur ein Adjektiv ein: abartig.

Itsme
21.02.2010, 10:57
Ich kann mich sunny73 nur anschließen.
Man kann kaum glauben, dass solche Worte geschrieben werden.
Umso wichtiger ist es, Klartext zu schreiben und zu sprechen.
Vielleicht und hoffentlich erreicht man ja doch immer wieder mal Menschen damit, die sich einer OP unterziehen wollen, ohne sich wirklich im klaren darüber zu sein, welche Risiken sie eingehen. Gut, dass dies hier getan wird.

Kimmie
21.02.2010, 17:41
Vermutlich war die Arme aber total im "Begeisterungswahn ihrer Heilung" begriffen, dass sie die Argumente weggewischt hat. Wir kennen das doch alle von den gehirngewaschenen braven Dicken, die endlich _ihr_ Allheilmittel fürs Dicksein gefunden zu haben glauben. Vielleicht lag hier der Fall ähnlich?

Vermute ich auch. Zudem bringt *jede* Operation, auch ein vermeintlicher Routineeingriff, enorme Risiken mit sich, gegen die sich Chirurg und Krankenhaus zuvor absichern. Entsprechende Unterschriften muss man eigentlich immer leisten. Insofern nehmen viele Patienten das wahrscheinlich auch vor einem AC-Eingriff in Kauf, ohne sich groß Gedanken zu machen. Besonders, wenn ihnen von Ärzten zur OP geraten wird, um dem "Adipositas-Tod" zu entkommen, halten sie die Risiken wahrscheinlich für angemessen, weil sie glauben, keine wirkliche Alternative zu haben.

Orien
22.02.2010, 02:47
Wobei mir schon ewig kein Arzt mehr begenet ist, des das anpreist wie warme Semmeln.

Die Spanne ist da eher von:

Jo, eine Möglichkeit. Manchmal die einzige, aber nicht unriskant.

über

hab mal was gelesen, wäre das nicht was? Kenne mich aber selber nicht aus.

bis zu

OMG bloß nicht.



Das war bis vor nicht all zu langer Zeit in meiner kleinen Welt noch anders. Scheint sich also auch in der Ärzteschaft durchaus rumgesprochen zu haben, dass das nicht DIE Lösung aller Probleme ist.


Und: Zumindest, wenn man es von der KK bezahlen lassen will, muss man vorher ein gewisses Programm durchlaufen. Im Zuge dessen wird man definitiv auch mit den Risiken konfrontiert (nicht nur Operation an sich, sondern auch Nachwirkungen, wieder-Zunahme gefahren etc.).

Dagegen kann man sich freilich verschließen. Kein Ding. Unterschätze nie die Macht der Verdrängung.

Aber das ist schlicht PP. Persönliches Pech.


Wie es sich bei Selbstzahlern verhält, weiß ich nicht.

Im aktuellen Fall war sie aber ja im Internet und in Fachforen aktiv. Wenn man da auch nur halbwegs mitliest, stößt man doch alle naselang auf Komplikationen, Nachwirkungen, teils krassen Komplikationsberichten etc.

Gilt selbes wie oben: Man kann sich dasgegne verschließen und es schön färben. Aber man hat die Info und ist letzendlich für sich selbst verantwortlich.

Darcy
22.02.2010, 05:18
Gilt selbes wie oben: Man kann sich dasgegne verschließen und es schön färben. Aber man hat die Info und ist letzendlich für sich selbst verantwortlich.

Das kann ich nur unterschreiben!
Aber Eigenverantwortung ist ja in der heutigen Zeit eher ein Fremdwort geworden.

sunny73
22.02.2010, 10:39
Aber Eigenverantwortung ist ja in der heutigen Zeit eher ein Fremdwort geworden.

Leider wahr. Wen wunderts. Einerseits werden wir immer mehr bevormundet -Rauchergesetz etc.-, andererseits versuchen auch ständig immer mehr Leute, die Verantwortung abzuschieben "der Arzt hat mir das nicht richtig erklärt", "wieso, die Lehrer müssen meine Kinder doch erziehen", "ich bin Opa, ich erziehe nicht, ich verwöhne nur" usw...

Itsme
22.02.2010, 15:09
Ich denke, selbst wenn eine Person alles hinterfragt und alles
alles erklärt bekommen hat, kann der Druck, der von außen da ist, so groß sein, dass sie alle Risiken auf sich nimmt. Der Wunsch kein vermeintlicher Außenseiter mehr zu sein, endlich dazu zu gehören, endlich den vermeintlichen Ansprüchen von außen zu genügen, kann nach jahrelangem Druck immens groß sein. Es ist bei aller kritischer Betrachtung dieses Themas trotzdem für mich verständlich, dass sich Menschen, die kein starkes Umfeld haben, welches sie davon abhält, oder Menschen, die vermeintlich aufgrund ihres Gewichtes ein sehr wenig selbstbewusstes und unglückliches Leben führen und hieraus keinen anderen Ausweg sehen, für einen solchen Weg entscheiden. Umso wichtiger, dass möglichst viele Menschen erkennen, dass Glück nichts mit den Kilos die man trägt, zu tun hat, bezw. nicht von ihnen abhängt.
Das Schlimmste jedoch ist, wenn dann ein solches Unglück wie oben beschrieben passiert, man die Mutter des Opfers dann dermaßen behandelt und solche Sätze wie den von Martina zitierten, schreibt. Das da nicht zumindest eine Rüge ausgesprochen wird, verstehe ich nicht, selbst wenn man total von der Richtigkeit eines solchen OP-Weges überzeugt ist.

Sally
22.02.2010, 15:27
Ehrlich? Hätte ich mit Anfang 20 das Gewicht gehabt, das ich heute habe, hätte ich mich vielleicht auch blenden und verführen lassen. Der Weg zu meiner heutigen Haltung war lang und steinig. Und er setzt Lebenserfahrung voraus. Nein, ich bleibe dabei: Ich mag diese junge Frau nicht verurteilen. Und schon gar nicht möchte ich sagen: selber schuld. Das sagen schließlich viele Menschen auch über uns. Man ist immer schnell dabei mit dem "selber schuld" und "keine Eigenverantwortung".

Darcy
22.02.2010, 16:15
Eigenverantwortung heißt doch nicht, dass sie sich nicht hätte operieren lassen dürfen - sondern nur, dass sie eben bei vollem Bewusstsein das Risiko eingeht, tot auf dem OP-Tisch zu bleiben. Wenn es ihr das Risiko wert ist/war, dann muss man das respektieren.
Dann kann aber niemand anschließend behaupten, sie hätte es nicht wissen können, was passieren kann. Sondern man muss klar sagen - sie war über alle Risiken informiert und ist trotzdem den Schritt gegangen. Ist dann aber kein Grund, sie als armes verblendetes Hascherl zu bedauern.

Ryana
22.02.2010, 16:44
Ich empfinde dies als eine extreme, traurige Tatsache was da passiert ist .
Auch wenn es in einer "umstrittenen Presse" steht wird wohl der Fakt , das sie an der Op gestorben ist, richtig sein .
Man kennt die einzelnen Gründe nicht, was alles im Einzelnen dazu geführt hat, aber trotzdem hat sie unser Mitgefühl verdient, dazu sind wir als Mitmenschen, die selber auch sich irren können, verpflichtet.

Dieses miese Thema mit der Schuld und dieser vermaledeiten "Selbstverantwortung" wird viel zu gerne und leichtfertig zitiert. Richtig, sie hat sich dafür entschieden,aber da steht viel enormer Druck dahinter und diese OP des Magens, wird von den Verfechtern allzu gerne in allen Regenbogenfarben als Erlösungsformel heruntergebetet.

Da läuft vielzufiel falsch in unserer Gesellschaft. Man kann sich so leicht herausreden: die war ja selbst verantwortlich, braucht uns nicht zu kümmern, ha, so - ist sie nun selbst Schuld an ihrem Tod!! Den hat sie dann auch verdient. Und die Eltern sollen aufhören zu heulen, wir anderen haben doch unser Urteil gesprochen.

Es ist heute so wahnsinnig kompliziert geworden ! Da blickt keiner mehr durch. Man braucht sich doch nur die Beipackzettel der Medikamente ansehen, da lacht einen der Tod und die Sieche von allen Seiten an. Wenn was passiert, keiner ist Schuld. Besonders nicht die Verantwortlichen, die sowas in die Welt setzen.

Wahrscheinlich hätten heute die Contergan - Kinder keine Chance mehr, ihre Rechte bei Grünwald durchzusetzen.

Aber warum spricht man von den "Verantwortlichen" ? Das kann niemals das Mädchen sein, was da verstarb.
Nur diese können sich nun immer rausreden. Deswegen werden falsche Beine abgeschnitten und raffen so viele Krankenhauskeime die Menschen dahin USW USF !!

Deswegen gingen Menschen den "Lehman Brothers" auf den Leim, man kann dann schnell sagen, die Oma,die da Geld anlegte, war eine raffgierige Spekulantin.

Es wird zuviel geschrieben und die Unterlagen sind überbordet mit allen möglichen, von Winkeladvokaten ausgedachten Fallen.

Und gerade wir, die wir als "Dicke" gebrandmarkt werden, sollten hier doch besonderes Verständnis walten lassen.

Das Mädchen ist ein Opfer, ein unnützer Tod, ein Mensch zuviel, der auf dem Scheiterhaufen des Schlankheitswahns und des "Allen Machbaren" geopfert wurde.

Ryana

Itsme
22.02.2010, 19:09
Ehrlich? Hätte ich mit Anfang 20 das Gewicht gehabt, das ich heute habe, hätte ich mich vielleicht auch blenden und verführen lassen. Der Weg zu meiner heutigen Haltung war lang und steinig. Und er setzt Lebenserfahrung voraus. Nein, ich bleibe dabei: Ich mag diese junge Frau nicht verurteilen. Und schon gar nicht möchte ich sagen: selber schuld. Das sagen schließlich viele Menschen auch über uns. Man ist immer schnell dabei mit dem "selber schuld" und "keine Eigenverantwortung".

Genau meine Meinung. :daumen:

Orien
22.02.2010, 19:31
Und schon gar nicht möchte ich sagen: selber schuld. Das sagen schließlich viele Menschen auch über uns. Man ist immer schnell dabei mit dem "selber schuld" und "keine Eigenverantwortung".

Was imho 2 völlig unterschiedliche Sachverhalte sind.

Eine AC-Operation entscheided man immer noch selbst. Da muss man zu einwilligen. Bewußt. Sich vorher drüber informieren (lassen) etc. etc.

Es ist ein leichtes, Vor- und Nachteile zu finden - also gerade, wenn man im Netz unterwegs ist. Da reicht schon einfache Googlesuche, um auf Bilder mit aufgeplatzten Bäuchen und Todesfallberichten zu stoßen.

Es ist klar, dass es eine Operation mit besonderen Risiken ist. Davon abgesehen, dass JEDE OP immer ein Risiko mit sich trägt. Gerade bei hohen Gewicht. Das ist kein Geheimnis. Niemand, der 180 Kilo wiegt und sich im Internet auf so Seiten rumtreibt und das ein oder andere Mal beim Arzt war kann das verborgen geblieben sein.

Hier geht es überhaupt nicht um eine Schuldzuweisung oder whatever. Eher im Gegenteil.

Ich verurteile niemanden, der sich einer AC-Operation unterzieht und niemanden, der es nicht tut.
Auch kann ich die Eltern verstehen und finde es gut, dass sie auch von diesem Fall weiterhin berichten und darauf aufmerskam machen wollen. Damit auch zukünftig sich noch Leuten, die nach Infos suchen, auch diese Seiten gezeigt werden.


Aber unterm Strich ist es was, was nunmal passiert. Immer passieren kann und immer wieder passieren wird.
Solange nicht wirklich stichfeste Beweise vorliegen, dass Ärzte falsch behandelt/beraten haben, sollte man eben auch mit Beschuldigungen in die Richtung vorsichtig sein.

Martina
23.02.2010, 22:59
Diejenige, die Barbaras Mutter am heftigsten für die Zeitungsberichterstattung kritisiert hatte, hat nun das Bild in der Öffentlichkeit wieder "gerade" gerückt:

http://www.leverkusener-anzeiger.ksta.de/html/artikel/1264185876681.shtml


:rolleyes: :rolleyes: :rolleyes: :rolleyes: :rolleyes:

Orien
23.02.2010, 23:19
Whooopeeeedooo :rolleyes:

Wobei meine liebste Passage nichts mit AC zu tun hat.
Aber bei über 200 Kilo muss man Bett mit Ziegelsteinen verstärken?
Meine Achtung vor meinem Ikea Meldal mit dem 10 Euro Rollatenrost, ebenfalls Ikea, steigt weiter :-D

Hauptsache in die Richtung auch das Bild wieder bestätigt, das viele haben.

Auch wenn es bei der Dame natürlich so der Fall sein kann. Möglich.

Itsme
24.02.2010, 07:39
Diejenige, die Barbaras Mutter am heftigsten für die Zeitungsberichterstattung kritisiert hatte, hat nun das Bild in der Öffentlichkeit wieder "gerade" gerückt:

http://www.leverkusener-anzeiger.ksta.de/html/artikel/1264185876681.shtml


:rolleyes: :rolleyes: :rolleyes: :rolleyes: :rolleyes:

Ich finde, der Satz „Mir war klar, dass ich dableiben kann.“ sagt viel darüber aus, wie ein eventuelles schreckliches Sterben nett umschrieben werden kann.

kampfzwerg
12.04.2010, 09:39
In der Zeitschrift Freizeit Revue war in Ausgabe Nr. 15 ein Artikel über den in diesem Thread diskutierten Fall. Bzw. sowohl den Fall "Barbara" als auch den Fall "Sabrina".
Eine Anwältin mit dem Arbeitsschwerpunkt "Patientenschutz", die u.a. diesen Fall betreut, sucht nach weiteren AC-Opfern und deren Geschichten. Falls jemand Interesse hat, die Anwältin zu kontaktieren, gibt das Moderatorenteam gerne per PN Internetlink und Anschrift weiter.

Wir möchten keinesfalls Werbung für eine Anwältin machen, zumal wir ihre Arbeit nicht beurteilen können. Es war uns jedoch wichtig, eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme zu bieten.