Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Auseinandersetzung mit den Eltern?
frauvonheute
15.06.2005, 08:58
Dann werde ich wohl mal die ernsten Themen eröffnen :rolleyes:
Wenn man davon ausgeht, dass der Grundstein für unsere Essstörungen in der Kindheit und in den meisten Fällen auch im Elternhaus gelegt wurde, stellt sich mir eine Frage: Kann man die Essstörung überwinden, ohne sich mit seinen Eltern auseinander zu setzen?
Dass dies nicht mehr möglich ist, wenn die Eltern bereits verstorben sind, ist klar. Aber was ist, wenn die Eltern noch leben? Muss ich mich (um meiner selbst Willen) mit ihnen auseinander setzten, sprich Gespräche führen oder kann ich das Thema auch still für mich aufarbeiten?
Wieso ich auf diese Überlegung komme: Ich habe ein sehr gestörtes Verhältnis zu meinem Vater. Gestern war ich enorm schlecht gelaunt und so richtig auf dem Kriegspfad und da er mich um einen Rückruf gebeten hatte, dachte ich mir: „So! Jetzt ruf ich ihn zurück. Und wenn er mir nur einmal doof kommt, sag ich ihm ein paar Takte dazu und leg dann einfach auf. Das geb ich mir nicht mehr.“ Ich war wirklich höllisch aufgebracht, hatte mir meine Worte auch schon zurecht gelegt. Ich rief ihn also an und was geschah? Er fragte mich, wie es mir ginge und als ich sagte: „Nicht so gut.“ nahm er mich ernst. Sonst habe/hatte ich immer das Gefühl, dass er nur eine immer glückliche, problemlose Tochter akzeptiert, aber gestern war es anders und letztendlich hatten wir ein tolles Gespräch, das fast eine Stunde dauerte. Als ich auflegte, war ich nahezu glücklich. Das letzte Mal gesehen hatten wir uns vor einiger Zeit, als wir 3 Stunden spazieren waren und auch danach fühlte ich mich gut. Und da wird mir wieder bewusst, wie gerne ich ein gutes, unbefangenes Verhältnis zu meinem Vater hätte. Aber sobald wir längere Zeit keinen Kontakt haben, steigt die Wut in mir wieder hoch.
Was denkt ihr? Werde ich jemals Ruhe finden und meinen Frieden mit ihm schließen können oder muss ich ihm irgendwann mal alles an den Kopf werfen? Ich weiss echt nicht, was hier der beste Weg ist...... Habt ihr Erfahrungen gemacht?
Babs,
die sich hier endlich wieder wie in einem geschützten Raum fühlt :)
MissSilver
15.06.2005, 09:15
Hallo Babs,
ich denke, daß es jeder für sich aufarbeiten muß. Egal, ob die Eltern noch leben oder nicht. Zumindest habe ich das in meiner Theraphie gelernt.
Noch habe ich ihnen nicht alles verziehen (mein Vater lebt auch nicht mehr), aber einen Teil, und es hat mit gut getan.
Eine meiner Erfahrungen, mein Therapeut bat mich, herauszufinden, warum eine gewisse Sache, so in meiner Kindheit abgelaufen war. Also fragte ich damals meinen Vater, er sagte erbost "da mußt Du Deine Mutter fragen" und 2 Tage später hatte er einen Herzinfarkt. Er behauptete, dieser sei meine Schuld, weil ich ihn sowas gefragt hätte.
Also habe ich ihn nicht mehr mit "solchen Fragen" belästigt. Und versucht, meinen Frieden mit ihm zu schließen. Ebenso wie mit meiner Mutter. Und das ohne die beiden. Was bringen denn jetzt noch Schuldzuweisungen?
Das ist halt mein persönlicher Weg.
frauvonheute
15.06.2005, 09:25
Was bringen denn jetzt noch Schuldzuweisungen?
Ich spreche auch nicht von Schuldzuweisungen. Es ist nur so, dass mein Vater z. B. nicht versteht, dass ich eine schwere Essstörung habe. Für ihn bin ich immer 'sein kleines, dickes Mädchen'. Und da frage ich mich: "Wäre es wichtig, dass er versteht, was ich habe und warum ich so dick geworden bin oder lasse ich es auf sich beruhen und versuche, alleine damit klarzukommen und mich dann über das 'kleine, dicke Mädchen' nicht mehr zu ärgern."
Ich möchte mit meinen Sorgen von ihm ernst genommen werden. Er hat aber ein großes Problem damit, mich so zu sehen, wie ich heute bin. Eine erwachsene Frau, die nicht mehr alles schluckt und immer das glückliche Kind spielt. Ich weiss nicht, was hier der richtige Weg ist.
Hmmm....iss wohl schwer zu erklären :(
Babs
Liebe Babs,
ein schwieriges Feld. Vielleicht schildere ich einfach mal meine Erfahrungen.
Bei mir ist vor allem meine Mutter der Knackpunkt in meiner Essstörung. Das ist mir zum ersten Mal richtig bewusst geworden, als ich 1990/91 zweimal in einer Stationären Therapie war. In dieser Zeit habe ich sehr viel geredet und sehr viel geschrieben. Auch an meine Eltern. Die waren damals Anfang 60.
Ich will dir auf keinen Fall den Mut nehmen, aber ... bei mir war es, geradeheraus gesagt, sinnlos. Zumindest was die Außenwirkung betrifft. Mein Vater, ein Mensch, der nie gewöhnt war, über Gefühle zu reden (und es auch zeitlebens nicht getan hat ... er ist 1995 gestorben), hat dazu geschwiegen. Meine Mutter war einfach nur hilflos. Ich dachte zuerst, das ist nur eine Anfangsreaktion, irgendwann kommen wir schon noch ins Gespräch. Dem war aber nicht so.
Heute, 15 Jahre nach diesen ersten Versuchen, ist mein Fazit: Ich habe wirklich alles versucht. Ich habe geredet und geschrieben, ich habe geweint und gebrüllt, ich war traurig, ich war aggressiv ... alles vergeblich. Meine Essstörung muss ich allein be- und verarbeiten. Oft bin ich darüber sehr, sehr wütend gewesen. Es ist, als renne ich gegen eine unsichtbare Mauer. Die einzige Reaktion, zu der meiner Mutter sich hin und wieder hinreißen ließ, war ein trotziges "ja, ich weiß, ich hab alles falsch gemacht". Damit kommt man natürlich auch nicht weiter. Und schon gar nicht ins Gespräch.
Aber weil ein Kind nie aufgibt, das von seinen Eltern haben zu wollen, was es nie bekommen hat (auch wider besseres "Erwachsenen"-Wissen), wage ich auch heute noch manchmal einen Versuch. Erst letztes Wochenende wieder, als meine Mutter zum Geburtstag meiner Tochter hier war. Aber die Mauer stand wieder sehr schnell. "Essstörung" - sowas gibt es in der Generation meiner Eltern nicht. Das muss ich immer wieder erkennen. Es geht einfach über den Horizont meiner Mutter sich vorzustellen, dass man nicht frei entscheiden kann, was man isst und was nicht.
Ein Stück weit habe ich ihr auch verziehen und meinen Frieden mit ihr gemacht. Sie kann auch nicht aus ihrer Haut. Und sie wird nicht ewig leben. Ich versuche, die Zeit, die wir jetzt miteinander verbringen, zu genießen.
Was kann ich dir raten? Im Grunde nur das: tu was du fühlst. Wenn dir nach Reden ist, rede. Wenn dir nach Heulen ist, heul. Wenn dir nach Brüllen ist, brüll. Es wird dir ein bisschen Luft verschaffen. Aber erwarte nicht zu viel. Es kann funktionieren, dass ihr ins Gespräch kommt - muss aber nicht. Das Gute daran ist aber, dass man wenigstens in dem Bewusstsein lebt, dass man es versucht hat. Denn wenn die Eltern erstmal gestorben sind, ist diese Möglichkeit weg.
Erwachsen werden, sich um sich selbst kümmern, die Essstörung überwinden, das kann man auch allein. Meistens muss man es sogar. Ich weiß nicht, ob es weniger schwierig wäre, wenn meine Eltern mitgezogen hätten. Vermutlich ja. So muss ich diesen Weg allein gehen. Aber ich gehe ihn. Und darauf bin ich auch ein bisschen stolz.
Liebe Babs,
die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Immer wieder. Und bis jetzt bin ich noch nicht zu einem wirklich zufriedenstellenden Ergebnis gelangt.:genervt:
Vielleicht ist es eine Mischung aus beidem? Ich habe das Problem ja mit meiner Mutter (Vater kannte ich nicht) und habe schon öfter mal versucht, über meine Kindheit und die Eßstörung mit ihr zu sprechen. Allerdings enden diese Gespräche ausnahmslos mit Vorwürfen meinerseits und Rechtfertigungen und Gegenvorwürfen ihrerseits. Weil mir die Themen sehr nahe gehen, kann ich dabei auch nicht wirklich cool bleiben, leider. Denn dadurch schafft es meine Mutter immer, mich in die Rolle des überempfindlichen, trotzigen Kindes zu drängen und am Ende habe ICH die Schuldgefühle, daß ich eine solch grausame Tochter war.
Trotzdem bin ich der Ansicht, daß ich meiner Mutter sagen muß, was meiner Meinung nach nicht gestimmt hat bei uns. Ich brauche das für mich, um einiges - wenigstens teilweise - "loszuwerden". Was wir dann beide daraus machen, ist wieder eine andere Geschichte und liegt in unserer eigenen Verantwortung, d.h. da ist dann jeder für sich. War das einigermaßen verständlich? :gruebel:
Aufarbeiten, denke ich, mußt du die Vergangenheit eher für dich. Aber du bist nicht allein dafür verantwortlich, wie euer Verhältnis heute aussieht. Daran müßt ihr beide arbeiten.:)
Liebe Grüße
Micha die jetzt erst mal 'nen Kaffee braucht :kaff:
Dralle Deern
15.06.2005, 09:53
Für mich persönlich würde es wohl nichts bringen, das Gespräch mit meinen Eltern zu suchen. Wir haben seit Jahren keinen Kontakt mehr, aus unterschiedlichen Gründen. Als ich meinem Vater vor einigen Wochen einen Brief schrieb und ihm meine Sicht der Dinge (wegen einer anderen Sache, meine Brechsucht kam gar nicht zur Sprache) ein bisschen nahelegen wollte, antwortete er mir und entschuldigte sich bei mir. Das freute mich zwar einerseits, andererseits aber habe ich mich nicht geöffnet, um eine Entschuldigung zu bekommen. Deshalb werde ich wohl mein eigentliches Hauptproblem nicht mit meinen Eltern besprechen können.
Ich spreche auch nicht von Schuldzuweisungen. Mir geht es auch nicht um Schuldzuweisungen, sondern einfach um das offene Gespräch, erklären, wer man ist, was man ist, warum man so ist. So sachlich wie möglich. Aber alleine die Erfahrung mit dem anderen Thema, das mich noch beschäftigt zeigt mir, dass mein Vater Schuldzuweisungen verstehen wird, auch wenn ich ihm keine Vorhaltungen machen möchte. Ohne es zu wollen, würde ich ihn in eine Verteidigungsposition bringen, aus der ich ihn wieder hervorholen müsste. Und ich fürchte, das wäre noch viel schwieriger für mich zu bewältigen, als die Situation, wie sie jetzt ist, anzunehmen und unter die Vergangenheit für mich ohne weitere Auseinandersetzung mit den Eltern einen Schlussstrich zu ziehen.
Wir haben seit Jahren keinen Kontakt mehr, aus unterschiedlichen Gründen.
Sowas macht mich immer wahnsinnig traurig ... genauso wenn ich höre, dass Geschwister keinen Kontakt mehr haben. Ich weiß, dass es manchmal der bessere Weg ist, den Kontakt abzubrechen ... auch um sich selbst zu "retten" ... aber traurig finde ich es doch. Es war doch mal eine Familie. Und ich habe trotz aller Verwerfungen immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Blut eben doch dicker ist als Wasser.
Geht da wirklich gar nichts mehr bei euch?
Dralle Deern
15.06.2005, 10:09
Geht da wirklich gar nichts mehr bei euch? Ich würde schon gerne wieder Kontakt aufnehmen, insbesondere da ich mir meiner eigenen Grenzen bewusst bin und auch klar abgesteckt habe, wer diese wie weit betreten darf.
frauvonheute
15.06.2005, 10:13
Danke für eure Gedanken und dir, Sally, für deinen langen Erfahrungsbericht.
Ich finde es interessant, dass die meisten von euch Probleme mit ihren Müttern haben/hatten. Meine Mutter ist – Gott sei Dank – seid 4 Jahren in Therapie und hat dort ebenso viel gelernt wie ich in meiner. Wir haben ein fantastisches Verhältnis und können über alles reden. Sie wünscht sich auch, dass ich mich mit meinem Vater verstehen würde, drängt mich aber nicht in diese Richtung.
Ich bin immer wieder am Überlegen, ob ich zu meinem Vater den Kontakt abbreche und ob es mir dann besser ging. Aber dann reden wir miteinander und nichts kommt so, wie ich es erwartet habe. Meine Therapeutin sagt immer „Wenn sie etwas bewegen, muss der Rest der Familie mitmachen. Oder sich zurück ziehen.“ Er hat sich nicht zurück gezogen, ganz im Gegenteil. Mein Vater sucht vermehrt Kontakt zu mir und dieser Spaziergang zusammen kam von ihm. Wir sind dort das erste Mal – soweit ich mich zurück erinnern kann – alleine unterwegs gewesen. Sonst war immer meine Mutter als „Puffer“ dabei. Ich hatte richtiggehend Angst vor dem Treffen, habe ihn dann aber todesmutig auf einige Dinge angesprochen und er hat toll reagiert.
Ist es an der Zeit, meine negativen Gefühle zu überarbeiten? Liegt es hauptsächlich an mir, dass ich mit ihm so ein Problem habe? Geht er vielleicht mittlerweile ganz offen auf mich zu, ich kann es aber noch nicht sehen und anerkennen? Muss ich ihn vom mir errichteten Sockel stürzen, um zu sehen, dass er nicht mehr angsteinflößend auf die erwachsene Babs wirkt? Ich weiss, dass ich ihm immer wieder – wie du, Micha – Kleinigkeiten „beibringen“ muss. Sonst lässt es mir keine Ruhe. Dafür muss er lernen, dass sein altes Bild von mir nicht mehr mit der heutigen Babs überein stimmt. Und da weiss ich nicht, inwieweit er dazu bereit ist. Aber ich muss wohl abwarten und mich weiter langsam vorarbeiten..... und das fällt mir so schwer :(
Babs
die gleich Therapie hat und jetzt schon weiss, was das Thema sein wird
Aber ich muss wohl abwarten und mich weiter langsam vorarbeiten..... und das fällt mir so schwer http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/frown.gif
Weißt du was? Mich erinnert das so sehr an mich und den Wunsch (oder fast schon Zwang:cool2: ), die Kontrolle zu haben. Oder anders gesagt, daß meine Mom so reagieren könnte, wie ich es mir seit meiner Kindheit so sehnlich wünsche. Er hat sich nicht zurück gezogen, ganz im Gegenteil. Mein Vater sucht vermehrt Kontakt zu mir und dieser Spaziergang zusammen kam von ihm. Wir sind dort das erste Mal – soweit ich mich zurück erinnern kann – alleine unterwegs gewesen. Sonst war immer meine Mutter als „Puffer“ dabei. Ich hatte richtiggehend Angst vor dem Treffen, habe ihn dann aber todesmutig auf einige Dinge angesprochen und er hat toll reagiert.
Das bringt mich auf einen Gedanken (vielleicht liege ich aber auch ganz und gar daneben:peinlich: ): Könnte es sein, daß die für dich neue Reaktion deines Vaters das ist, was dich eigentlich noch mehr ängstigt als das "normale" Verhältnis? Auch wenn das belastend war/ist, hast du doch lange Zeit gelernt, damit umzugehen und bist daran gewöhnt. Das Neue ist dagegen sehr verwirrend; und auch wenn es im Grunde ja sehr positiv ist, vielleicht auch ängstigend?
Darauf komme ich, weil ich in meinem Klinikaufenthalt vor 1 1/2 Jahren von meiner Mutter zum allerersten Mal umarmt wurde (jedenfalls seit ich denken kann). Und das war für mich sehr befremdlich. Ich wußte überhaupt nicht, wie ich mit dieser Situation umgehen sollte.:(
frauvonheute
15.06.2005, 10:29
Könnte es sein, daß die für dich neue Reaktion deines Vaters das ist, was dich eigentlich noch mehr ängstigt als das "normale" Verhältnis? Auch wenn das belastend war/ist, hast du doch lange Zeit gelernt, damit umzugehen und bist daran gewöhnt. Das Neue ist dagegen sehr verwirrend; und auch wenn es im Grunde ja sehr positiv ist, vielleicht auch ängstigend?
Oh Gott, ja, das könnte stimmen. Ich kenne die alten Muster, habe sie die letzten 30 Jahre gelebt. Der Kontakt zu meinem Vater lief immer nur über meine Mutter, wir haben kaum je direkt miteinander gesprochen und wenn, fühlte ich mich immer unwohl und irgendwie unterlegen.
Jetzt ist er plötzlich da. Immer noch nicht in großem Maße, aber es nimmt zu. Auf der einen Seite freu ich mich darüber, denn ich habe das erste Mal das Gefühl, dass er sich für mich interessiert. Auf der anderen Seite weiss ich nicht wirklich damit umzugehen. Ich traue ihm nicht. Ich habe nicht gelernt, frei mit ihm umzugehen und sein jetziges Verhalten als normales Verhalten zu werten. Das macht mir Angst. Ich bin jedes Mal angespannt, wenn ich ihn sehe und dann wird doch alles gut und ich frage mich, warum ich so angespannt war. Wo ich doch selbst bei ihm jetzt oft dagegen halte, wenn er etwas - in meinen Augen - Doofes von sich gibt.
Puh, Micha, da hast du mir was zu denken gegeben...... Ich bin grad ziemlich verwirrt...
Danke
Babs
Der Kontakt zu meinem Vater lief immer nur über meine Mutter, wir haben kaum je direkt miteinander gesprochen und wenn, fühlte ich mich immer unwohl und irgendwie unterlegen.
Jetzt ist er plötzlich da. Immer noch nicht in großem Maße, aber es nimmt zu. Auf der einen Seite freu ich mich darüber, denn ich habe das erste Mal das Gefühl, dass er sich für mich interessiert. Auf der anderen Seite weiss ich nicht wirklich damit umzugehen. ...
Ich habe nicht gelernt, frei mit ihm umzugehen und sein jetziges Verhalten als normales Verhalten zu werten. Das macht mir Angst. Ich bin jedes Mal angespannt, wenn ich ihn sehe und dann wird doch alles gut und ich frage mich, warum ich so angespannt war.
Sag ihm das. Was kann dir passieren?
Ich habe die Gelegenheit nie genutzt ... und erst nach dem Tod meines Vaters festgestellt, dass ich als erwachsene Frau nie mit ihm eine Zeit allein verbracht habe, nie einen Spaziergang gemacht, nie Essen gegangen, noch nicht mal ein Telefonat geführt, ohne dass meine Mutter aus dem Hintergrund dazwischenredete.
Deswegen: Nutze die Chance!
Ich bin sicher, es lohnt sich.
Delisine
15.06.2005, 10:55
Liebe Babs,
also ich schließe mich den meisten hier an, dass man wohl eher für sich alleine aufarbeiten sollte. Glücklich ist natürlich derjenige, der so ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern hat, dass auch eine gemeinsame Aufarbeitung möglich ist. Aber ich denke, das ist eher selten der Fall und auch nicht unbedingt notwendig.
Ich persönlich habe den Gedanken und den Wunsch aufgegeben, mit meinen Eltern irgendetwas zu klären, was meine Esssucht angeht.
Es hat ewig gedauert, bis ich überhaupt ein paar Dinge aus meiner Mutter heraus hatte, die für mich ziemlich entscheidend klingen für meine seit der Kindheit bestehende Esssucht.
Sie erzählte mir zum Beispiel, immer mit einem leichten Vorwurfston in der Stimme, dass ich schon als Baby alles Gesunde abgelehnt hätte. Ich mochte angeblich kaum einen Obstbrei und habe höchstens süßen Bananbrei gegessen. Alles andere hätte ich nicht angenommen. Was aus meiner Sicht völliger Blödsinn ist, denn ein Baby isst irgendwann das Angebotene... wenn der Hunger nur groß genug ist. Sie aber hat mir meinen Willen gelassen... als Baby, als Kleinkind und Kind. Außerdem gibt sie auch zu, dass ich ein anstrengendes Kind war und dass sie mich oft nur mit einem Stück Schokolade hatte ruhig stellen können.
Ich war ein schweres Baby, ein moppeliges Kleinkind und ich wurde ein dickes Kind. Und ich wurde recht bald damit konfrontiert, dass ich, so wie ich war, nicht in Ordnung war. Man schleppte mich zu Ärzten, zu den Weight Watchers, zur Akupunktur und sogar Belohnungen wurden mir angeboten fürs Abnehmen.
Nun ja...wenn all das was geholfen hätte, wäre ich wohl heute nicht hier unterwegs. :-o
Jedenfalls habe ich vor vielen, vielen Jahren versucht, sachlich mit meiner Mutter über die Zusammenhänge zu reden, die ihr Verhalten und mein Körpergewicht haben könnten. Aber mir wurde schnell klar, dass das nichts bringt. Sie fühlt sich sofort zutiefst angegriffen, obwohl ich betonte, dass ich nur nach Erklärungen für mich suche und es mir nicht um Schuldzuweisungen geht. Ich bin überzeugt, sie hat getan, was sie für das Beste für mich hielt.
Gespräche dieser Art endeten dann aber gerne in diesem Angriff von ihr: "Mag ja sein, dass ich nicht alles richtig gemacht habe. Aber du willst mich doch nicht etwa dafür verantwortlich machen, was du dir heute so alles in den Mund schiebst, oder? Niemand zwingt dich, zuviel zu essen, dafür bist du ganz allein verantwortlich." Ende der verbalen Ohrfeige. :mad:
Bei solchen Gesprächen kann ich nur verlieren. Nicht, weil meine Eltern die besseren Argumente hätten... sondern weil es mir danach nur schlechter geht als vorher.
An der Vergangenheit ändern können wir alle nichts mehr. Und ich denke nicht, dass meine Eltern einen Einfluss auf meine Heilung haben könnten.
Vorwürfe für die Vergangenheit mache ich ihnen nicht. Weil ich fest überzeugt bin, dass sie nach besten Wissen und Gewissen gehandelt haben. Wofür könnte ich ihnen also böse sein?
In dem Sinne habe ich also, um deine Frage abschließend zu beantworten, meinen Frieden mit ihnen geschlossen, ja!
Dir wünsche ich alles Gute auf deinem Weg der Aufarbeitung.
Deli
MissSilver
15.06.2005, 11:00
Wollte noch anmerken, daß das mit den Schuldzuweisungen so gemeint war, daß es wahrscheinlich nur ganz ganz wenige Eltern gibt, die ein solches Gespräch nicht gleich so empfinden. Und schon ist man wieder in der Rechtfertigungs-/Opferrolle.
Ihr habt das schon so schön erklärt. Genau so meinte ich es.
FrauSchmidt
15.06.2005, 14:03
ich habe zwar keine Essstörung, hoffe aber, hier trotzdem was posten zu dürfen ...
Ich habe mit meinen Eltern auch kein Glück. Meine Mutter ist emotional eher wie "Scotch on Ice" - unfähig, Gefühle zu zeigen (obwohl es deutlich besser geworden ist im Gegensatz zu früher. Aber vielleicht bin ich bloß "erwachsen" und nicht mehr ganz so abhängig von dem, was sie mir an Gefühl entgegenbringt - oder eben auch nicht), emotional recht verkümmert.
Mein Vater ist zwar ein sehr jovialer Typ aber absolut unfähig, irgendetwas auf die Reihe zu bekommen. Ich mag ihn - habe aber trotzdem seit 2 Jahren keinerlei Kontakt mehr zu ihm. Da sind Sachen gelaufen, die ich so einfach nicht mehr hinnehmen konnte und wollte. Für mich war es also (so rein vom wohlbefinden her) besser, den Kontakt abzubrechen. Ob das für immer so bleiben wird - keine Ahnung. Darum mache ich mir im Moment keinen Kopf.
Mit meiner Mutter habe ich mich arrangiert - ich kann sie eh nicht ändern. Ich habe mir oft gewünscht, sie wäre ganz "normal", würde mir Herzlichkeit und "sichtbare" Liebe entgegenbringen, aber das kann sie einfach nicht. Wir haben mal vor ein paar Jahren ein paar sehr gute Gespräche gehabt an dene ich ihr alles vor den Dez geknallt habe, was bei mir seelische Narben hinterlassen hat - seitdem geht es mir besser.
Ich habe meinen Frieden mit ihr und ihrer Art gemacht und seitdem Ko-Existieren wir ganz gut.
Für meinen Vater empfinde ich keinen Hass oder so - es ist nur so, das ich ohne ihn besser dran bin. Obwohl er mir manchmal fehlt, denn ich habe viele Charactereigenschaften von ihm *g* Aber dafür ist der Bruch (noch) zu heftig.
Ok - was ich eigentlich sagen will ist, das ich es mit mir alleine (und meinem Mann und meiner Chefin - die ist nämlich Verhaltenstherapeutin) ausgemacht habe. Ich komme nämlich auch aus Verhältnissen, die die Ein - oder Andere Störung durchaus begünstigen könnten. Das ich nicht in eine Drogensucht, Esssucht, Alkoholismus oder sonstiges gerutscht bin (und es gab dafür Tendenzen), dafür kann ich mir selbst auf die Schulter klopfen - und den paar Leuten, die sich als ich Kind war, um mich und meine Belange gekümmert haben. Und das waren nicht meine Eltern.
Meiner Meinung nach muß man (und kann es nur)es alleine packen!
Es ist hart. Es ist schmerzhaft. Aber es lohnt sich.
Ich bin eine sehr gefestigte Persönlichkeit und die letzten Jahre haben einiges dazu beigetragen.
Also - nie den Mut verlieren.
Hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt ... http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/rolleyes.gif
Ohhh ja, das Mutter-Thema...
Auch ich habe mich lange mit der Frage gequält, ob ich Geschehnisse in meiner Kindheit ansprechen soll, das ganze Verhältnis aufzurollen und ihr meine momentane Situation schildern soll.
Lange habe ich mich vor diesem Weg geträubt, dann wieder war ich mir sicher, dass ich ihn gehen muss...
Und irgendwann habe ich mich gefragt, was will ich denn wirklich, nicht, was erwarte ich von den Treffen sondern was will ich tief in meinem Herzen...
Zitat von Sally:
Aber weil ein Kind nie aufgibt, das von seinen Eltern haben zu wollen, was es nie bekommen hat (...)
Und da kam die Antwort: Ich will geliebt werden, bedingungslos, akzeptiert werden, einfach nur deshalb, weil es mich gibt...
Und der Teil in mir, der sich danach sehnt wie verrückt ist das kleine Kind in meinem Herzen und meiner Seele.
Das was ich wirklich will, ist nicht mehr zu bekommen, denn die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Ich hätte diese Liebe, Zuneigung und Stärkung damals gebraucht, als kleines, einsames und unsicheres Kind, das nur weniger sichere Anker hatte und nicht das bekommen hat, was ihm zustand und zusteht.
Heute kann ich als starke, erwachsene Frau dieses kleine Kind in den Arm nehmen und trösten, ihm eine sichere und liebevolle Heimat geben, ihm ein Nest bauen voller Wärme. Die Wärme meiner Mutter brauche ich nicht mehr.
Wie unser Verhätnis heute ist... total seltsam. Über Dinge, die tiefer gehen als die aktuelle Wetterlage, sprechen wir nicht, da habe ich auch kein Bedürfnis. Ab und zu setzt sie noch ihre Nadeln, sobald ich darauf aber nur leicht offensiv / patzig reagiere, rudert sie zurück, denn das wichtigste in unserer Familie war schon immer, "den Schein zu wahren". Keine Konflike, kein Streit, keine Fehler... das gibt es nicht.
Mittlerweile wohne ich mehrere 100 km von meinem Geburtsort entfernt, und es ist gut so. In den letzten Jahren hat sie begonnen, mich zu umarmen, wobei dies echt eine komische Umarmung ist, eher ein steifes "auf Distanz halten". Dann wird sie plötzlich weinerlich, weil ich nun doch so weit entfernt wohne.. die ganzen Jahre, als ich nur 20 km entfernt wohnte, hat sie mich immer nur im tross mit meiner ganzen Verwandtenschar zu Geburtstag besucht, ein offizieller Pflichttermin also, sonst außer diesem Termin kein einziges Mal.
Mein Herz sagt zu mir, dass sie nicht weint, weil ich weg bin, sondern sie weint, weil sie merkt, dass vieles in ihrem Leben schiefgelaufen ist und sie mir mittlerweile die Schuld nicht mehr dafür geben kann.
Das tut mir leid für sie, denn ich denke, für ein Umdenken ist es nie zu spät, sie könnte ihr Leben wirklich nochmal aufarbeiten, aber das ist nicht meine Sache sondern ganz persönlich ihre, und ich habe damit eigentlich nichts zu tun.
Das mag sich nun hart anhören, aber eigentlich empfinde ich es nicht so. Je älter ich werde, desto mehr löst sich die Verbitterung und desto mehr wünsche ich ihr, dass sie ihren "Lebensabend" glücklich und zufrieden verbringen kann. Ich weiss aber auch, dass sie da zuerst bei sich anfangen muss.
...tat gut, das mal niederzuschreiben *lächel*
Jesse
Rubensweib
15.06.2005, 20:44
Oh, man, Babs.... :boah:
wieder mal ein Volltreffer.... :keule1:
Mein Vater ist auch mein größter Knackpunkt. Das hat sich im Laufe meiner Therapie (bis jetzt) stark herauskristallisiert. Er hat mich nie akzeptiert so wie ich bin. Ich war (noch bis letztes Jahr) der Meinung, dass ich eine fantastische Erziehung genossen hab. Mittlerweile hat meine Therapeutin mir hin und wieder mal den Spiegel hingehalten und ich war schlicht entsetzt.
Beispiel: Ich hab in meiner Jugendzeit nie eine Zeit mitbekommen, wenn ich abends wegging. Es hieß immer: Komm nach Hause, wenn es vorbei ist. Ich musste immer meine eigenen Entscheidungen treffen. Es hieß: Das musst Du selbst wissen. Entscheide Du!
Damals fand ich das klasse. Sehr modern. In der Therapie bin ich dazu bewegt worden mal darüber nachzudenken, ob ich nicht auch mit allem alleine gelassen worden bin. Meine beiden jüngeren Brüder sind nämlich anders aufgewachsen. Die haben immer eine Zeit mitbekommen, wann sie zuhause sein sollten.
Oder: Mein Vater hat mir irgendwann (in meiner Teenie-Zeit) mal gesagt (ich stand wieder mal am Beginn einer Diät): Und wenn Du dann abgenommen hast, dann findest Du auch einen Freund. Das hat mir mehr als alles andere vermittelt, das ich, so wie ich bin, nicht liebenswert bin und hat dazu geführt, dass ich eigentlich nie eine wirklich richtige vernünftige Beziehung geführt hab. Weil ich ja nicht liebenswert bin. :(
In unserer Familie ist es nicht üblich Gefühle zu zeigen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich als Kind in den Arm genommen worden bin. Das meine Eltern sich geküsst haben, dass habe ich das erste Mal mit offenem Mund auf ihrer Silberhochzeit gesehen... :boah:
Ist das nicht furchtbar?
Ich mache mir immer klar, dass meine Eltern nur das Beste wollten - das glaube ich auch. Aber leider hat da so einiges nicht hingehauen. :nee:
Als mir so langsam klar wurde, das meine Eltern, speziell mein Vater wahrscheinlich die „Wurzel allen Übels“ (mir ist schon klar, das da auch noch andere Faktoren eine Rolle spielen) ist, kam die Panik.
Ich glaubte, ich muss mit ihm sprechen, alle Dinge aus der Welt schaffen, reden. Das war für mich ganz furchtbar. Weil ich mit meinem Vater nicht reden kann.
Wenn ich lese Babs, dass Du mit Deinem Vater spazieren gehst, krieg ich den Horror - wenn ich mit meinem Vater spazieren gehen würde, würden wir uns anschweigen - wir hätten uns nichts zu sagen...
Gottseidank hat meine Therapeutin mich beruhigt.
Ich MUß nicht mit meinen Eltern darüber reden. Wichtig ist, dass ich für mich selbst einen Weg finde, herauszufinden wo der Kasus Knaxus liegt und lerne damit umzugehen...
Ich KANN, wenn ich will und die Kraft habe, mit Ihnen reden, aber ich muss es nicht.
Damit geht’s mir besser. Und je weiter ich mit der Therapie komme, desto mehr kann ich mich mit dem Gedanken anfreunden, vielleicht eines Tages doch mit meinen beiden alten Herrschaften darüber zu reden.
Mit meiner Mutter nur viel, viel eher, als mit meinem Vater. Meine Mutter ist da zugänglicher. Mein Vater würde das als Quatsch und meine Einbildung abtun. Und ich merke, dass ich im Moment noch nicht die Kraft habe und das mir die Argumentation total entgleiten würde....
Aber vielleicht kommt das ja noch.... :-o
Ich hab versucht mit meinen Eltern zu reden als mir bewußt wurde, dass ich essgestört bin. Das war im letzten Sommer, nachdem ich dieses Forum entdeckte und damit auch diese "dunkle" Seite von mir.
Heraus kam, dass es meinen Eltern sehr weh tat, weil sie sich angegriffen fühlten, dass sie aber auch nicht alles verstehen bzw. nachvollziehen konnten, weil ich es auch nicht so gut erklären konnte.
Was ich für mich dabei erkannt habe: Meine Eltern haben es wirklich gut gemeint mit mir, ich bin mir sicher, dass sie mich lieben und mir nicht schaden wollen.
In vielen Dingen, die in meiner ganz frühen Kindheit falsch gelaufen sind (ich sag nur, bei jedem Weinen meinerseits als Baby wurde mir sofort eine Flasche in den Mund geschoben, bin ich als Kleinkind mal hingefallen, bekam ich zum Trost was Süßes), haben sie einfach aus Unsicherheit oder Unwissen falsch gehandelt.
Auch in späteren Jahren ist einiges falsch gelaufen, was ihnen nicht bewußt war, dass es falsch ist - sie sind halt auch "nur" Menschen und Menschen machen Fehler (einer dieser Fehler war z.B. dass sich meine Mutter immer zu dick fand und dauernd auf Diät war bzw. heimlich gegessen hat - ein Fehler, den ich leider genauso wiederholt hab in Anwesenheit meines Sohnes, den ich aber inzwischen versuche wieder gutzumachen - Diät kommt für mich nicht mehr in Frage).
Dann sind da noch andere Dinge, bei denen ich mich oft frage, ob vielleicht meine Wahrnehmung falsch ist oder meine Erinnerungen.
Es sind keine greifbaren Fakten, sondern unterschwellige Gefühle.
Z.B. das Gefühl gar nicht wirklich Teil der Familie zu sein, sondern ein fremdes (adoptiertes?) Kind. Das Gefühl ist rein sachlich gesehen Schwachsinn, ich bin das gemeinsame Kind meiner Eltern - aber es ist da, so lang ich mich zurückerinnern kann (und ich hab meine frühesten Erinnerungen im Alter von 2,5 Jahren!)
Ich weiß nicht, was ich gegen diese Gefühle machen soll/kann, aber ich weiß, dass es keinen Sinn hätte, mit meinen Eltern darüber zu reden - ich würde sie damit wahnsinnig verletzen.
Auch das Gefühl für meine Eltern nicht "genug erreicht zu haben" ist ständig da. Dabei weiß ich, dass meine Eltern sehr stolz auf mich sind, dass sie sich freuen, weil ich in meinem Beruf so engagiert bin - sie sagen das nicht nur zu mir, sondern auch gegenüber Bekannten/Verwandten.
Prinzipiell ist es also so, dass meine Gefühle irgendwie im Widerspruch zu den Fakten stehen, ich aber nicht weiß, wie ich das zusammenbekomme.
Während ich das so niederschreibe, denke ich, dass ich da grad 'nen Schlüssel zu meiner ES gefunden hab. Die Frage ist nun nur, wie ich diesen Schlüssel nutzen kann - aber das gehört dann wenn in einen eigenen Thread.
Also - langer Rede kurzer Sinn - nein, ich rede mit meinen Eltern nicht mehr über meine ES.
Darcy
Oh, Eltern...
Meine Erfahrungen sind äußerst durchwachsen.
Meine "Therapie" bestand daraus, jahrelang keinen Kontakt zu meinen Eltern zu haben, nachdem meine Kindheit nicht rosig war.
Zwischen 19 und 29 hatte ich keinen Kontakt, seit ein paar Jahren wieder mit meiner Mutter, aber keinen mit meinem Vater.
Mein Vater, puh, eine Geschichte mit vielen Schuldigen und viel Elend und Verletzungen.
Nachdem er meine Kindheit durch Cholerik und dergl. nicht nur körperlich zur Hölle machte, warf ich ihm später Mißbrauch vor - aus meiner damaligen Situation, ohne das ich konkrete Erinnerungen hatte, kam er als einziger Schuldiger in Frage, denn er war die große Haß- und Angstperson meiner Kindheit.
Nun weiß ich es besser, es waren 2 andere Personen, bei denen ich mittlerweile auch wieder konkrete Dinge weiß, aber damals war mein Vater die alles überschattende Person.
Allerdings war der Kontaktabbruch mit ihm nicht schwer, da er schon seit meiner Kindheit nicht mehr mit mir und meinen Geschwistern sprach, weil er und für völlig beschissene Menschen hielt, unglaublich, daß wir ausgerechnet seine Kinder sein sollten.
Nun habe ich mich vor 2 Jahren bei ihm brieflich für diesen Vorwurf des Mißbrauches entschuldigt. Von ihm kam keine direkte Reaktion, nur vorsichtig über meine Mutter (die beiden sind nach wie vor gut verheiratet), daß der Brief wohl nicht schlecht angekommen sei.
Mein Vater überschattet mich manchmal auch heute noch, das ist eine der Wunden, über die nie genug Haut wächst, damit sie nicht sofort aufreißt.
Mit meiner Mutter komme ich soweit zurecht, unsere Beziehung wird enger, allerdings sind wir sehr vorsichtig und reden nur über die vergangenheit, wenn wir beide sicher sind, uns nicht einfach sinnlos anzugreifen, denn wir beide möchten den Kontakt und es geht uns mit dem Kontakt besser als ohne.
Sorry, ich schreibe hier und schreibe, dabei war das nicht Thema, aber es mußte mal raus.
Mir geht es besser durch den Kontakt mit meiner Mutter, denn unter anderem ich bin nicht mehr nur auf meine eigene Erinnerung, die riesige Lücken von Jahren hat und völlig verzerrt ist, angewiesen.
Mit meinen Geschwistern besteht kein Kontakt, schade, ich würde gerne noch andere Versionen meiner Kindheit hören, die ich nun nie erfahren werden.
Was ich allerdings bei meinem Vater hoffe, will, fürchte? Ich weiß es selber nicht. Einerseits finde ich es unglaublich, wie er mit mir umging, was für Dinge er gemacht hat mit mir, andererseits habe ich auch ziemlich endgültig zurückgeschlagen. ABER: Kann man das gegeneinander aufwiegen? Oder ist nur unendlich mehr Leid getan worden?
Manchmal würde ich gerne ein wenig nach vorne schauen können.
Meine Kinder kennen und lieben ihre OMa, aber ich selber kann sie nicht besuchen, wenn ich komme, geht mein Vater für immer aus der Wohnung.
Ich verstehe das alles auch nicht.
Manchmal weiß ich nicht, woher ich den Mut habe, selber Kinder zu haben!
Liebe Grüße
Angua, die jetzt mal eine Runde heult
Sie erzählte mir zum Beispiel, immer mit einem leichten Vorwurfston in der Stimme, dass ich schon als Baby alles Gesunde abgelehnt hätte. ...
Sie aber hat mir meinen Willen gelassen... als Baby, als Kleinkind und Kind. Außerdem gibt sie auch zu, dass ich ein anstrengendes Kind war und dass sie mich oft nur mit einem Stück Schokolade hatte ruhig stellen können.
Ich war ein schweres Baby, ein moppeliges Kleinkind und ich wurde ein dickes Kind. Und ich wurde recht bald damit konfrontiert, dass ich, so wie ich war, nicht in Ordnung war. Man schleppte mich zu Ärzten, zu den Weight Watchers, zur Akupunktur und sogar Belohnungen wurden mir angeboten fürs Abnehmen.
...
Jedenfalls habe ich vor vielen, vielen Jahren versucht, sachlich mit meiner Mutter über die Zusammenhänge zu reden, die ihr Verhalten und mein Körpergewicht haben könnten. Aber mir wurde schnell klar, dass das nichts bringt. Sie fühlt sich sofort zutiefst angegriffen, obwohl ich betonte, dass ich nur nach Erklärungen für mich suche und es mir nicht um Schuldzuweisungen geht. Ich bin überzeugt, sie hat getan, was sie für das Beste für mich hielt.
Gespräche dieser Art endeten dann aber gerne in diesem Angriff von ihr: "Mag ja sein, dass ich nicht alles richtig gemacht habe. Aber du willst mich doch nicht etwa dafür verantwortlich machen, was du dir heute so alles in den Mund schiebst, oder? Niemand zwingt dich, zuviel zu essen, dafür bist du ganz allein verantwortlich." Ende der verbalen Ohrfeige. :mad:
Wieso warst du bei uns zu Hause? Damals gab es doch noch gar keine moderne Abhörtechnik ... *seufz*
Aber im Ernst:
Manchmal erschreckt es mich zutiefst, wie sehr sich die Geschichten ähneln.
Nur taucht dann irgendwann die Frage auf: Ich kann es nicht ungeschehen machen, also - was lerne ich daraus?
Gespräche dieser Art endeten dann aber gerne in diesem Angriff von ihr: "Mag ja sein, dass ich nicht alles richtig gemacht habe. Aber du willst mich doch nicht etwa dafür verantwortlich machen, was du dir heute so alles in den Mund schiebst, oder? Niemand zwingt dich, zuviel zu essen, dafür bist du ganz allein verantwortlich." Ende der verbalen Ohrfeige. :mad:
Oh je, den Spruch kenne ich auch, ich habe immer, seit ich 12 war, zu hören bekommen, daß ich nun selbst verantwortlich sei, und wenn ich meine, mich totfressen zu müssen, sei daß nicht Schuld meiner Mutter, denn ich bin ein eigenständiger Mensch.
Ja, na, mit 12, klar...
Liebe Grüße
Angua
Rubensweib
15.06.2005, 22:53
Nur taucht dann irgendwann die Frage auf: Ich kann es nicht ungeschehen machen, also - was lerne ich daraus?
Gute Frage! :gruebel:
Vielleicht - selbst nicht so zu werden wie unsere Eltern?
Die Fehler nicht zu wiederholen?
Unsere Kinder anders zu erziehen - der Kritik immer aufgeschlossen gegenüberzustehen?
Zu REDEN (nicht nur) mit den Kindern?
Ich denke das ist ein Anfang.
Ich für meinen Teil habe zwar keine Kinder, aber ich versuche meiner Freundin, die eine moppelige Tochter hat (mein Patenkind) zu vermitteln, was ich gerade in der Therapie lerne, was mir geschadet hat und was es in mir angerichtet hat. In der Hoffnung, dass sie diese Fehler nicht macht.
Bis jetzt bin ich ganz zufrieden.... :ja:
frauvonheute
16.06.2005, 09:18
Und da kam die Antwort: Ich will geliebt werden, bedingungslos, akzeptiert werden, einfach nur deshalb, weil es mich gibt...
Und der Teil in mir, der sich danach sehnt wie verrückt ist das kleine Kind in meinem Herzen und meiner Seele.
, denn das wichtigste in unserer Familie war schon immer, "den Schein zu wahren". Keine Konflike, kein Streit, keine Fehler...
Ich finde in dem, was du geschrieben hast, meine Worte, meine Gedanken, meine Erinnerungen :-o
Ich MUß nicht mit meinen Eltern darüber reden. Wichtig ist, dass ich für mich selbst einen Weg finde, herauszufinden wo der Kasus Knaxus liegt und lerne damit umzugehen...
Ich KANN, wenn ich will und die Kraft habe, mit Ihnen reden, aber ich muss es nicht.
Das kleine Kind in mir wünscht sich so sehr, auch zu seinem Papa einen guten Draht zu haben. Und die erwachsene Frau wünscht es sich vielleicht nicht ganz so verzweifelt, aber sie weiss, dass sie ihrem Vater so ähnlich ist und es so viel an ihm gibt, was sie interessiert.
Ich MUSS nicht mit meinem Vater ins Reine kommen, aber ich MÖCHTE.
Und wahrscheinlich sind wir auf einem sehr guten Weg. Wenn ich von euch lese, dass ihr teilweise gar keinen Kontakt zu Familienmitgliedern habt, bin ich erschüttert. Dann schaue ich mir meine Eltern an und denke: „Bei all dem Mist in meiner Kindheit, was habe ich dennoch für ein Glück, diese Eltern zu haben.“
Vielleicht - selbst nicht so zu werden wie unsere Eltern?
Die Fehler nicht zu wiederholen?
Unsere Kinder anders zu erziehen - der Kritik immer aufgeschlossen gegenüberzustehen?
Zu REDEN (nicht nur) mit den Kindern?
Ich denke das ist ein Anfang.
Gerade der Punkt „reden“ ist es! Ich lebe in keiner stummen Partnerschaft und ich würde mir auch keine stumme Familie für meine Kinder wünschen. Ich überlege oft, wie ich meine Kinder erziehen würde. Sicherlich würde ich auch genügend Fehler machen, aber es gäbe auch viele Dinge, die ich anders als meine Eltern machen würde. Ich möchte keine geduckten, von Angst zerfressenen Kinder. Ich möchte meinen Kindern so viel „Gesundheit“ wie möglich mit auf den Weg geben. Und dass ich das schaffe, dafür sorge ich zur Zeit.
Babs
die höllisch aufgewühlt ist
Ich möchte keine geduckten, von Angst zerfressenen Kinder. Ich möchte meinen Kindern so viel „Gesundheit“ wie möglich mit auf den Weg geben. Und dass ich das schaffe, dafür sorge ich zur Zeit.
Ich finde das so schwer.
Meine eigenen Muster aus meiner Kindheit sagen immerzu, ich solle einfach zuschlagen bei jedem Widerspruch und jeder vermeindlichen Frechheit.
Ich kämpfe so sehr dagegen an, meine Kinder zu schlagen, ich will das nicht.
Es ist bei meiner älteren Tochter passiert, aber ich habe die Notbremse gezogen und habe mich heute ziemlich unter Kontrolle.
Aber das kostet mich sooo viel Kraft und ich kann nie sicher sein, es einfach zutiefst überwunden zu haben. Immer sitzt es auf dem SPrung, mich einfach zu überrennen als angeblich einfache Lösung.
Es kostet mich so viel Kraft, so viel Aufmerksamkeit, soooo viel Lebensmut.
Ich will keine angstvollen Kinder, wie ich eines war, Kinder, die nur woanders einen Hauch Freiheit verspüren.
Nein, ich schlage meine Kinder nicht, meine kleine Tochter hat niemals auch nur einen Klaps bekommen, meine große auch lange schon nicht mehr, aber ich empfinde den Kampf dagegen als eine unglaubliche Bürde, die ich tragen muss, weil meine Eltern sich nicht unter Kontrolle hatten.
Huh, ich kann nicht mehr schreiben
frauvonheute
16.06.2005, 09:37
Ich finde das so schwer.
Meine eigenen Muster aus meiner Kindheit sagen immerzu, ich solle einfach zuschlagen bei jedem Widerspruch und jeder vermeindlichen Frechheit.
Und bei mir war es so, dass Widerspruch/Ärgernisse/Gefühlsausbrüche mit Schweigen bestraft wurde. Meine Mutter war Meisterin darin. Wenn ich etwas "verbrochen" hatte, sprach sie nicht mehr mit mir und wartete, bis ich "um gut' Wetter bat". Und mein Vater animierte mich sogar dazu. "Komm, geh zur Mama und entschuldige dich. Dann ist alles wieder gut." Was für eine Scheiße!!!! :mad:
Ich wünschte, ich könnte mehr schreiben, Angua, aber ich habe keine Erfahrungen mit Schlägen. DAS haben meine Eltern nicht getan und ich neige auch nicht zu Gewalt. Heute schreie ich, wenn mir was nicht passt...
Bist du in Therapie? Ach Mensch, ich fühl mich grad sehr unbeholfen :(, deshalb nur dies für dich: :troest:
Babs
Vielleicht - selbst nicht so zu werden wie unsere Eltern?
Die Fehler nicht zu wiederholen?
Unsere Kinder anders zu erziehen - der Kritik immer aufgeschlossen gegenüberzustehen?
Zu REDEN (nicht nur) mit den Kindern?
Ich denke das ist ein Anfang.
Ja, das ist natürlich die Aufgabe Nummer Eins.
Damit komme ich ganz gut klar, glaube ich.
Wir reden viel ... um so mehr, je größer mein Kind wird.
Eine schwierige Aufgabe finde ich den Umgang mit meiner Essstörung. Natürlich kriegt meine Tochter allmählich mit, dass da was nicht stimmt. Ich versuche so offen wie möglich damit umzugehen, merke aber auch, dass ich mich manchmal schäme ... ja, vor ihr, so klein wie sie ist (gerade 7 geworden). Es ist schwierig zu erklären, was mein Problem ist. Vor allem einem Kind ... wenn es schon Erwachsene oft nicht verstehen.
Das andere ist: Natürlich kann ich daraus etwas für meinen Umgang mit meinem Kind lernen. Kann ich aber auch noch was für mich selbst daraus lernen? Oder muss ich - wie andere hier auch schon aus leidvoller Erfahrung geschrieben haben - mein Leben lang vergeblich darauf warten, von meinen Eltern bzw. meiner Mutter einfach um meiner selbst geliebt zu werden?
Bisher habe ich offenbar noch nichts daraus gelernt, denn ich habe in Sachen Partnerschaft ein Leben lang erfolgreich verhindert, dass mich jemand um meiner selbst liebt.
Ich wünschte, ich könnte mehr schreiben, Angua, aber ich habe keine Erfahrungen mit Schlägen. DAS haben meine Eltern nicht getan und ich neige auch nicht zu Gewalt. Heute schreie ich, wenn mir was nicht passt...
Bist du in Therapie? Ach Mensch, ich fühl mich grad sehr unbeholfen :(, deshalb nur dies für dich: :troest:
DAnke!:)
Ich war in Therapie, habe aber nach einem Jahr aufgehört, weil es sich ausschließlich in Richtugn Therapeut bewegte und ich mich in seinem Schema letztlich gar nicht fand. Nichtsdestotrotz hat er viele kluge Sachen gesagt und viel Dinge, zwar in anderem Zusammenhang, die ich letztlich angenommen und auf meine Situation angewandt habe.
Aber eigentlich: Schweigen oder Schläge oder was auch immer: Verletzen tut das alles. Ich möchte gar nicht ermessen müssen, was schlimmer ist!
Dieses Schweigen kenne ich auch, weil meine Mutter mit diesem Schweigen den Ball an meinen schlagenden Vater, der abends kam, weiterreichte.
dabei aht mich das Schweigen schon zerschlagen.
Ich freue mich für Dich, daß Du einen Weg mit Deinen Kindern daraus findest, sie nicht mit dem selben Muster belastest! Was für ein fantastischer Erfolg!
@Sally:
Meine Tochter ist 6, und ich ahbe manchmal das Gefühl, sie sieht die Sachen klarer als viele Erwachsene, weil sie eben noch nicht vorurteilsgeprägt ist.
Sie sieht, daß ich sehr dick bin, es ist für sie auch manchmal ein Thema, aber insgesamt scheint sie zu begreifen, daß ich eben so viel esse, weil ich krank bin, auch wenn das keine Krankheit ist, die man eben sehen kann.
Sie selbst findet es einfach doof, wenn mich Leute blöd anmachen, und ich denke, da lernt sie vermutlich mehr über Toleranz, als ich ihr durch einfaches erklären jemals vermitteln könnte.
Ansonsten kennt sie, in Rahmen einer 6jährigen natürlich, meine Krankheit und einen kleinen Teil meiner Probleme. Ich finde es in allen Bereichen wesentlich, daß Kinder worte für ihr Erleben kennenlernen müssen, um sich damit auseinanderzusetzen.
Früpher oder später wird es ihr nämlich vermutlich geschehen, daß sie damit gehänselt wird, und dann ist es mir lieber, sie weiß, wovon sie spricht.
Liebe Grüße
Angua
Sie selbst findet es einfach doof, wenn mich Leute blöd anmachen, und ich denke, da lernt sie vermutlich mehr über Toleranz, als ich ihr durch einfaches erklären jemals vermitteln könnte.
Ja, das ist bei uns auch so. Ich wünsche mir manchmal, meine Mutter hätte so viel Rückgrat gehabt wie meine kleine Tochter heute, wenn es um diese Dinge geht. Denn meine Mutter hat sich immer nur für ihr dickes Kind geniert (das ist übrigens eines der wenigen Dinge, die sie in Gesprächen auch zugegeben hat). Meiner Tochter würde das im Traum nicht einfallen.
Ich habe von Anfang an versucht ihr mein Weltbild zu vermitteln: Beurteile niemals einen Menschen nach seiner Größe, seinem Gewicht, seiner Hautfarbe ... Bis jetzt scheint das auch ganz gut zu funktionieren.
Nur wenn sie mir - wie heute Morgen mal wieder - sagt, Mama, du wirst immer schöner ... dann frage ich mich manchmal was sie sieht ... und wünsche mir, ich könnte einmal mit ihren Augen sehen.
Ich denke, es ist sehr wichtig, gerade Mädchen in diesem Alter in dieser Beziehung zu stärken, denn der Terror geht jetzt bald los. Ich sehe, was für ein alles beherrschendes Thema für viele Mädchen in der Schule es jetzt schon ist, welche Kleider jemand anhat, welchen Schmuck etc. (das Prinzessinen-Syndrom sozusagen). Ich rechne damit, dass es bald losgeht mit dem Schlankheitswahn.
kampfzwerg
16.06.2005, 13:45
Denn meine Mutter hat sich immer nur für ihr dickes Kind geniert Früher habe ich das nicht verstanden, aber seit ein paar Jahren ist mir klar, dass meine Mutter mich auch gerne ein wenig "versteckt" hat, weil ich ihr als Begleitung nicht ganz recht war. Sie mochte es glaube ich nicht, dass Leute eventuell darüber redeten, dass sie was falsch macht, weil die Tochter so dick ist (und die andere nicht)... Als Lehrerin bzw. Lehrerehepaar in einer Kleinstadt steht man wahrscheinlich immer unter einer gewissen Beobachtung in dem, wie man mit den Kindern umgeht und was aus denen wird. Ich weiß, dass Nachbarinnen meine Mutter auf mein stets steigendes Gewicht ansprachen. Sie hat leider meistens nicht das Rückrad gehabt, mich zu verteidigen.
(das ist übrigens eines der wenigen Dinge, die sie in Gesprächen auch zugegeben hat) Darauf warte ich bis heute. Habe mehrfach versucht, sie auf die alten Situationen anzusprechen.
Hoffentlich gehe ich mit meinen Kindern später besser um und stehe zu ihnen mit allen "Fehlern".
Zitat von Rubensweib
Vielleicht - selbst nicht so zu werden wie unsere Eltern? Die Fehler nicht zu wiederholen? Unsere Kinder anders zu erziehen - der Kritik immer aufgeschlossen gegenüberzustehen? Zu REDEN (nicht nur) mit den Kindern?
Genau das strebe ich an.
Als Lehrerin bzw. Lehrerehepaar in einer Kleinstadt steht man wahrscheinlich immer unter einer gewissen Beobachtung in dem, wie man mit den Kindern umgeht und was aus denen wird. Ich weiß, dass Nachbarinnen meine Mutter auf mein stets steigendes Gewicht ansprachen. Sie hat leider meistens nicht das Rückrad gehabt, mich zu verteidigen.
Oh jemine!
Das reißt hier heute alles echt viel auf bei mir.
Meine Mutter hat mich immer "versteckt", weil sie Lehrerin ist und ihren Schülern gesunde Ernährung etc. rüberbringen wollte.
Ich durfte sie in der Stadt nicht grüßen, wenn Besuch da war nicht auftauchen und auch sonst möglichst nicht mit ihr in Erscheinung treten, wo die Gefahr bestand, daß Eltern der Schüler uns sehen. Ich war ihr ganz einfach peinlich, weil ich, obwohl völlig normalgewichtig als Kind und Jugendliche, für sie einfach völlig verfettet war.
Sie aht mich auch sonst verfolgt, "beschattet" geradezu, damit ich nicht heimlich "fresse" oder sonstwas zu "fressen" beschaffe.
Und am allerwichtigsten: Ich durfte mit NIEMANDEM jemals darüber reden. Darüber reden, ob intern oder noch viel viel schlimmer, mit "Fremden", war die schlimmste Todsünde, die ich begehen konnte. Es gab nichts, was schlimmere Folgen für mich haben konnte. Daher galt ich in der Familie auch von jeher als "die, für die man uns unter Hitler hingerichtet hätte!". Das jedenfalls war gewöhnlich das , was meine Mutter dazu sagte, seit ich 8 war.
Ich steige jetzt erstmal aus, ich sprenge diesen Thread, verzeiht mir bitte bitte, vor allem Du, Babs, daß ich das hier allen in DEINEN Thread schreibe!!!
Angua
frauvonheute
16.06.2005, 14:08
Ich steige jetzt erstmal aus, ich sprenge diesen Thread, verzeiht mir bitte bitte, vor allem Du, Babs, daß ich das hier allen in DEINEN Thread schreibe!!!
Da gibt es nichts zu verzeihen! Ich sehe diese Threads als Hilferufe und Gedankenanstöße. Und wenn sich jeder aus diesen Threads ein bisschen rausziehen kann, haben sie ihren Zweck erfüllt. Davon abgesehen, finde ich nicht, dass du am Thema vorbei bist, Angua. Mach dir also keinen Kopf. Deine Gedanken sind auch in diesem Thread gut aufgehoben.
Davon ab bin ich absolut entsetzt über das Verhalten deiner Mutter. Wieviel Selbstachtung/-liebe & -respekt kann man einem Menschen nehmen? Ein wehrloses Kind, das seine Mutter nicht mal grüßen darf. Das ist unfassbar!
Meine Mutter hat sich auch für mich geschämt, aber versteckt hat sie mich nicht. Äh....toller Satz...als ob "nur" schämen besser wäre.... :-o
Babs
Rubensweib
16.06.2005, 20:34
Es ist schwierig zu erklären, was mein Problem ist. Vor allem einem Kind ... wenn es schon Erwachsene oft nicht verstehen.
Dann würde ich ihr das genauso sagen. Kinder verstehen schon sehr viel, und wenn Du ihr erklärst, das das selbst für Erwachsene schwer ist, dann wird sie das - so wie ich Deine Tochter kenne :bigeye: - sicherlich akzeptieren!
Nur wenn sie mir - wie heute Morgen mal wieder - sagt, Mama, du wirst immer schöner ...
Siehst Du - sag ich doch - tolle Tochter! :daumen:
Angua - Du bist hier schon richtig, keine Sorge. Es ist so wie Babs schon geschrieben hat.
Das was Deine Mutter da mit Dir gemacht hat, war menschenverachtend. Ein hilfloses kleines Kind so zu behandeln, das ist für mich seelische Mißhandlung. Ich glaube Dir gerne, dass es unheimlich schwierig für Dich ist, Deine Kinder jetzt so zu erziehen, wie Du es Dir vorgenommen hast.
Ich bewundere Dich dafür, dass Du die Kraft aufbringst um aus diesem Kreislauf auszubrechen.
Wieviel Selbstachtung/-liebe & -respekt kann man einem Menschen nehmen?
Nehmen kann man das erst einem Menschen, der diese Dinge hat. Ein kleines Kind hat so etwas noch nicht. Und ihm so etwas vorzuenthalten finde ich ganz schlimm. Weil dieses Kind etwas gravierendes verpaßt, etwas das zu jedem Leben dazugehört! :girl:
Ich weiß wovon ich rede - ich hab nicht sooo furchtbar viel davon mitbekommen und das, was ich jetzt habe, ist hart erarbeitet..... :(
Oh mann, wenn ich das alles lese - Prügel oder Schweigen als Strafe, Verleugnen des Kindes in der Öffentlichkeit und so vieles mehr - dann frag ich mich wirklich, was bei mir eigentlich falsch gelaufen ist?
Oberflächlich betrachtet hatte ich eine schöne Kindheit. Wir lebten mit meinen Großeltern zusammen, ich wurde (bis auf ein einziges Mal, was aber eher eine Verzweiflungstat war und wofür ich absolut Verständnis hatte) nie geschlagen, ich wurde seltenst angeschrieen (höchstens zwei, drei mal), ich wurde nie mit Schweigen bestraft, mein Vater sang meinem Bruder und mir jeden Abend Lieder vor zum Einschlafen, wir konnten/sollten über alles reden, es gab auch Umarmungen oder Küßchen für uns Kinder ...
Und trotzdem passt da was nicht. Das Verrückte ist nur, dass ich es nicht benennen kann, sondern einfach ein unterschwelliges Gefühl da ist. Das Gefühl, einfach nicht zu dieser Familie dazuzugehören, sondern fremd zu sein.
Wenn ich nur wüßte, woher das kommt???
Ratlose Grüße,
Darcy
kampfzwerg
16.06.2005, 21:24
Und trotzdem passt da was nicht. Das Verrückte ist nur, dass ich es nicht benennen kann, sondern einfach ein unterschwelliges Gefühl da ist. Das Gefühl, einfach nicht zu dieser Familie dazuzugehören, sondern fremd zu sein.
Wenn ich nur wüßte, woher das kommt???
Ich konnte das alles auch ewig nicht benennen, würde auch nie soweit gehen, zu sagen, meine Kindheit sei nicht überwiegend glücklich gewesen. Was mir fehlte und wie ich das verdrängt habe lerne ich eigentlich erst in den letzten Jahren und verstärkt seit Beginn meiner Therapie.
Fühle mich immer noch oft fremd und habe in Gruppen oder in der Verwandtschaft das Gefühl, nicht dazuzugehören, auch wenn andere mir sagen, ich sei völlig integriert. Schon komisch, wie sehr Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung sich unterscheiden können. :(
Fühle mich immer noch oft fremd und habe in Gruppen oder in der Verwandtschaft das Gefühl, nicht dazuzugehören ...
Das kommt mir auch sehr bekannt vor. Bei meinen Eltern weniger - als Einzelkind hatte ich auch wenig Vergleichsmöglichkeiten -, aber in der Rest-Familie schon. Jetzt, wo ich diesen Satz lese, merke ich, wie sehr er mich trifft. Meine Konsequenz ist schon lange, Gruppen aus dem Weg zu gehen, soweit es möglich ist, um dieses Gefühl nicht zu haben.
Andererseits: Müssen wir alle Gruppen- und Familienmenschen sein? Gibt es nicht vielleicht auch Menschen, die lieber einen kleinen, überschaubaren Kreis aus, ja, auch Einzelpersonen um sich herum haben und eher Solisten sind ("Einzelgänger" klingt immer so negativ)? Das habe ich mich auch schon gefragt. Die Antwort fällt je nach Seelenlage unterschiedlich aus.
Schon komisch, wie sehr Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung sich unterscheiden können.
Meißelt diesen Satz in Stein. Ich weiß nicht, wie oft ich ihn schon gedacht habe.
kampfzwerg
16.06.2005, 22:51
Gibt es nicht vielleicht auch Menschen, die lieber einen kleinen, überschaubaren Kreis aus, ja, auch Einzelpersonen um sich herum haben und eher Solisten sind
Gibt es absolut! Zum Beispiel mich. Bin niemand, der gerne viel Zeit in großen Gruppen verbringt. Große Partys etc. sind mir fast immer zuwieder. Lieber nur mit einer anderen Person oder in ganz kleiner Gruppe was unternehmen - auch wenn's viele nicht verstehen.
Schon komisch, wie sehr Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung sich unterscheiden können.
Meißelt diesen Satz in Stein. Ich weiß nicht, wie oft ich ihn schon gedacht habe.
Ich laufe seit einiger Zeit mit einem Button auf meinem Rucksack rum, auf dem steht: "Ich bin eben so" - das passt irgendwie zu mir an guten Tagen und an schlechten erinnert er mich daran, dass ich eben so bin wie ich bin und ich mich für niemanden verbiegen sollte, selbst wenn meine Selbstwahrnehmung mir mal wieder nur Schlechtes über mich sagt.
Wie falsch meine Selbstwahrnehmung oft ist, habe ich u.a. in meiner Therapie deutlich vor Augen geführt bekommen. Das hatte ich an anderer Stelle schon mal berichtet, es passt aber gerade gut hierher und deswegen wiederhole ich es:
Ich musste Freunde und Familienangehörige bitten, mir einen Brief zu schreiben, in dem sie schreiben, was sie an mir mögen. Da waren tolle Sachen bei, von denen ich nie geglaubt hätte, dass andere das in mir sehen. Sogar meine Schwester, mit der ich nicht besonders gut klarkomme, schrieb sehr ausführlich und machte ihre Punkte an Beispielen fest. Leider gab's auch bittere Erfahrungen, weil meine Mutter mir sehr distanziert eine Art Zeugnis im Stil der 1. oder 2. Klasse ausstelle: "Sie hat..., sie kann..., sie macht..." und mein Vater es nur schaffte, 47 reichlich kühle Worte zu schreiben, von denen der erträglichste Satz "Sie ist unaufdringlich hilfsbereit" :eek: lautete.
Solche Briefe sollte man sich viel häufiger mal schreiben lassen. Irgendwie beschränkt man sich so oft auf die negativen Punkte, wenn man redet, aber die positiven Gedanken anderer über das, was ich bin und wer ich bin, kann ich nun immer dann aus meiner Mappe herausholen, wenn ich an mir selbst zweifle.
Dass ich eigentlich eher ein "Einzelkämpfer" bin, ist gar nicht so das Problem.
Es ist schwer zu erklären, vielleicht gehts mit einem Beispiel:
Ich mochte es nie (und mag es bis heute nicht), wenn meine Eltern mich fest umarmen - ich brauch da ein bissel Abstand. Andererseits weiß ich noch, dass ich als Kind sehr darunter gelitten habe, wenn mein Bruder bei meiner Mutter oder meinem Vater auf dem Schoß saß und geknuddelt wurde. Ich war furchtbar eifersüchtig und neidisch auf den Körperkontakt, den ich aber eigentlich gar nicht wirklich mag.
Noch heute ist es so, dass ich da (vor allem in Bezug auf Familienangehörige) Schwierigkeiten habe, Nähe zuzulassen - seltsamerweise ist das aber bei "Fremden", wie z.B. meinem Exfreund, aber auch bei einigen meiner Patienten oder Kollegen kein Problem. Es war überhaupt nicht schwer für mich, sie gestern beim Abschied zu umarmen - etwas was mich bei meinen Eltern schon etwas Überwindung kostet.
Der einzige, den ich aus meiner Familie stundenlang knuddeln kann (und der das nun leider nimmer mag, weil er schon "groß" ist) ist mein Sohn.
Ich hab keine Ahnung, woher diese komische Fremdheit kommt :confused:
frauvonheute
17.06.2005, 08:56
Fühle mich immer noch oft fremd und habe in Gruppen oder in der Verwandtschaft das Gefühl, nicht dazuzugehören, auch wenn andere mir sagen, ich sei völlig integriert. Schon komisch, wie sehr Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung sich unterscheiden können.
Hier kommt noch jemand, der diesen Satz noch vor 2 Jahren sofort unterschrieben hätte. Ich arbeitete zu dem Zeitpunkt in einer Firma, die nur aus 15 Leuten bestand. Zwangsläufig hat man da engeren Kontakt zu allen und dennoch fühlte ich mich immer fehl am Platze. Irgendwann besprach ich das mal mit einer Kollegin, die dann völlig überrascht war und sagte: „Wieso fühlst du dich so? Du bist doch völlig integriert.“
Auch Geburtstage verbrachte ich am liebsten mit maximal 3 Freunden. Oder mit nur einer Freundin, mit der ich dann ins Kino ging.
Ich hatte zwar Freunde, aber es waren auch alles Solisten (schöner Ausdruck, Sally).
Cliquen fand ich entsetzlich.
In meiner Therapie habe ich viel über dieses Verhalten gelernt: Ich habe Probleme mit mir selbst. Ich weiss nicht, wie ich ticke, wer ich bin und was ich will. Und wenn ich dann mal weiss, was ich will, weiss ich nicht, wie ich es durchsetzen kann. Ich habe Angst, dass man mich nicht mag. Dabei brauche ich Lob und Anerkennung zum Überleben. Wie soll ich bloß mit Menschen umgehen, die mich nicht mögen?
Dann kam die Therapie und mit ihr ging die Angst. Die Angst vor dem Leben, vor anderen Menschen. Die Angst davor, Entscheidungen treffen zu müssen oder auch mal anzuecken. Die Angst, sich auf andere Menschen einzulassen und sie mich kennen lernen zu lassen (nachdem ich mich endlich kennen gelernt hatte).
Als ich in meiner neuen Firma anfing (nach 6 Monaten in Therapie), fühlte ich mich auch erstmal nicht integriert. Alle waren super nett zu mir, dennoch hatte ich immer das Gefühl, draußen zu stehen. Erst mit der Zeit (und viel professioneller Hilfe) erkannte ich, dass niemand ein Problem mit mir hatte. Aber das war ein langer, angstvoller Weg.
Meine Therapeutin fragt in solchen Momenten: „Was ist das schlimmste, was Ihnen da passieren könnte?“ und kaum, dass ich weiss, was das schlimmste wäre, finde ich einen Weg raus aus dem Problem.
Heute habe ich einen wundervollen Freundeskreis. Wenn jemand etwas von mir erwartet, dass ich nicht zu geben bereit bin, lehne ich es ab. Ohne Angst, dass er/sie die Freundschaft daraufhin beendet.
Wenn es mit meinem Freund Probleme gibt, spreche ich sie an. Ohne Angst, dass er mich daraufhin verlässt.
Früher habe ich keine Parties feiern wollen, weil ich immer Angst hatte, dass es jemandem nicht gefallen könnte. Ich wollte es immer allen recht machen. Dieses Jahr habe ich meinen 31. Geburtstag groß gefeiert. Und es war fantastisch. Ich hatte nur Leute eingeladen, die mir am Herzen liegen und mir war klar, dass alle sich gut verstehen werden. Sie mögen mich, ich mag sie – warum sollen sie sich nicht auch untereinander verstehen? Ich habe diesen Geburtstag genossen wie noch nie einen Geburtstag zuvor.
Ich habe erfahren, dass Cliquen etwas sehr Schönes sein können. Denn sie bestehen aus einer Gruppe von Menschen, die mich auffangen können. Die gute und schlechte Momente mit mir teilen können und... wollen!
Sobald diese allumfassende, lähmende Angst weg ist, kommt die Freiheit, Entscheidungen zu treffen. Das ist am Anfang gruselig und schwierig. Aber Übung macht auch hier den Meister!
Und es ist ein wunderbares Gefühl, es nicht mehr allen recht machen zu müssen. Welch eine Freiheit! :)
Babs
Bei mir ist halt das Seltsame, dass ich mit Freunden oder Kollegen dieses "Fremdgefühl" nicht so habe.
Z.B. in meiner bisherigen Arbeitsstelle - da hab ich mich super wohlgefühlt mit meinen Kollegen, das war wie ein zweites Zuhause. Vor allem die eine Kollegin, die mochte ich wie eine große Schwester, wenn die zum Dienst kam, dann hab ich mich immer riesig gefreut :) .
Wenn ich dagegen zu meinen Eltern fahre, dann IMMER mit einem unguten Gefühl.
Wenn ich zu Familienfesten fahre, wo die ganze Family da ist (von denen ich etliche kaum kenne und nur alle paar Jahre mal sehe), dann fühle ich mich fremd, als wäre ich völlig außenstehend. Mag sein, dass es auch daran liegt, dass ich den Kontakt kaum pflege und von mir aus nicht aufrecht erhalte, aber mir ist einfach nicht danach. Dabei freuen die sich aber immer alle sehr, wenn sie mich sehen :eek:
Es geht wirklich von mir aus und ich denk auch nicht, dass es an meinem Gewicht liegt (außer von der Schwester meines Vaters, die aber eh 'ne Macke hat, kommen NIE irgendwelche Sprüche wegen meines Gewichtes).
Und ich hatte das schon als Kind - ich war wahnsinnig gehemmt, wenn die Verwandten zu Besuch kamen, verkroch mich am liebsten in meinem Zimmer - obwohl alle gern mit mir reden/knuddeln/spielen wollten.
Ich verstehs nicht, wieso ich da so auf Abstand gehe - nicht nur äußerlich, sondern auch im Inneren.
Bei "Nichtverwandten" hab ich dieses Problem gar nicht so - ich hab mich in meinen Beziehungen immer sehr weit öffnen können (vor allem in der letzten), ich kann mit Freunden sehr offen reden, auch über meine Probleme, es ist nur in der Familie, wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass DIE auch kein Problem damit hätten, mit mir über alles zu reden und dass sie mich wirklich alle mögen.
Nur ich hab diese blödsinnige Blockade :(
Darcy
Mmmmhm. Das ist wirklich komisch. Versteh ich gut, dass du dir darüber Gedanken machst.
Du hast geschrieben, dass du dich rückblickend an eine schöne Kindheit erinnern kannst. Aber in einem anderen Thread haben wir ja auch schon geschrieben, dass das so eine Sache ist mit den Erinnerungen. Auf die kann man sich nicht immer verlassen.
Ich habe auch ein großes Problem, meine Mutter zu umarmen. Sie ist mir körperlich unangenehm - wofür ich mich selbst oft genug hasse, aber ich kann es nun mal nicht ändern. Und das liegt für mich ganz klar an unserer gemeinsamen Geschichte.
Daraus schließe ich, dass es bei dir wohl doch vielleicht mal irgendwas in der Familie gegeben hat, was zu diesem Fremdheitsgefühl geführt hat. Sowas fällt doch nicht vom Himmel. Also, denke ich mir mal so in all meiner psychologischen Laienhaftigkeit. Vielleicht liege ich auch total daneben, aber ich kann mir halt nicht vorstellen, dass man sich "einfach so" so fühlt. Zumal du ja sagst, dass du mit anderen Menschen in der Beziehung kein Problem hast (das geht mir auch so, Umarmungen mit anderen machen mir keine Probleme ... und mit meinem Kind schon gar nicht, im Gegenteil).
Gibt es jemanden in deiner Familie, mit dem du darüber mal sprechen könntest? Und von dem du vielleicht auch erwarten könntest, dass er/sie dir weiterhilft? Da es dich doch offenbar immer wieder beschäftigt, wäre es vielleicht gut ein bisschen zu bohren.
Ich hab ja auch schon drüber nachgedacht, Sally, was die Erklärung dafür sein könnte.
Eingefallen sind mir zwei Möglichkeiten:
Zum Einen bin ich sehr früh, im Alter von 8 Wochen, in eine Kindertagesstätte gekommen, weil meine Eltern beide arbeiten mußten. Ich wurde morgens dort hingebracht und am späten Nachmittag wieder abgeholt. Vielleicht hat diese frühe Trennung die Bindung gestört?
Die andere Sache hängt mit der frühesten Erinnerung zusammen, die ich überhaupt habe.
In dieser Erinnerung ist es frühmorgens, ich bin gerade aufgewacht, aber nicht in meinem Bett, sondern auf dem gelben Ecksofa meiner Eltern im Wohnzimmer. Ich weiß noch, dass die Sonne schien, blauer Himmel war und vor dem Fenster die zartgrünen Birken sich im Wind bewegten. Und mitten im Zimmer stand ein knallroter Puppenwagen.
Aus Gesprächen mit meinen Eltern weiß ich, dass ich diesen Puppenwagen bekam, als mein Bruder geboren wurde, da war ich zweieinhalb Jahre alt.
Von meinen Großeltern weiß ich, dass ich, kurz bevor mein Bruder geboren wurde, für ca. ein halbes Jahr zu meinen Großeltern (damals wohnten wir noch nicht zusammen) gegeben wurde, weil es meiner Mutter gesundheitlich nicht gut ging. Zu Ostern, direkt nach der Geburt meines Bruders, war ich für ein paar Tage zu Hause, weil mein Vater Urlaub hatte - deshalb diese Erinnerung dass ich auf dem Sofa aufgewacht bin. Den Puppenwagen bekam ich als Geschenk, damit ich nicht eifersüchtig werde auf den kleinen Bruder.
Wie es vorher war, also wie mein Verhältnis zu meinen Eltern als Kleinkind war, weiß ich leider nicht - aber ich weiß, dass ich mich speziell wegen meines Bruders fremdfühlte. Mein Bruder war als Kind das Ebenbild meines Vaters (also als der ein Kind war), genauso blond und süß wie er. Ich dagegen war schon immer ziemlich dunkel, (angeblich) moppelig und sehr zurückhaltend, während mein Bruder ein kleiner Sunnyboy und sehr beliebt war.
Ich war lange Zeit sehr sehr eifersüchtig auf meinen Bruder, ich hab auch heute noch einige Minderwertigkeitsgefühle ihm gegenüber, obwohl ich ihn inzwischen sehr mag, aber leider sehr wenig Kontakt zu ihm habe (er ist beruflich ständig in der Weltgeschichte unterwegs und lebt in einer völlig anderen Gesellschaftsschicht als ich). Unser Kontakt beschränkt sich auf meist max. 1-2 Treffen pro Jahr bei unseren Eltern, da ich mich nicht traue, ihn in meine doch recht spartanisch eingerichtete Wohnung einzuladen.
Wenn ich das alles so niederschreibe, beginne ich zu ahnen, wo mein Problem liegt - kannst Du damit auch was anfangen, Sally?
Darcy
Hallo Ihr Lieben,
ausgelöst durch die Lektüre dieses Threads haben meine Gedanken angefangen zu wirbeln, weil ich einige Aspekte meiner Kindheit darin wiedererkannt habe. Und trotzdem bildet das alles in meinem Kopf einen derartigen Sumpf von Gefühlen und Fragen, dass ich diesen Thread jetzt nochmal aufleben lassen möchte.
Angefangen hat alles damit, dass ich mich über mein Essverhalten schon einige Jahre gewundert habe, aber es hat noch eine lange Weile gedauert, bis ich, ungefähr zu dem Zeitpunkt als ich mich hier registrierte, erkannte, dass ich wirklich eine ESSSTRÖRUNG habe. Bis jetzt bin ich immer noch damit beschäftigt, diese Tatsache zu akzeptieren und die Fähigkeit zu entwickeln das auch zu äußern, z. B. meinem Mann und meinem Therapeuten gegenüber.
Trotzdem habe ich bei allen Reflektionen (und das waren beileibe nicht wenig im Laufe meines Lebens!) Schwierigkeiten, den Finger auf die Ursachen zu legen, bzw. die Auslöser für meine Essattacken zu erkennen.
Was mir schon klar ist, ist dass die ganze Misere in meinem Elternhaus begonnen hat. Ich bin das jüngste von 6 Kindern, mit 10 Jahren Abstand zur Nächstälteren. Das bedeutet, ich bin bei sehr alten Eltern aufgewachsen, hatte zwar viele Geschwister, aber die waren alle schon außer Haus und erwachsen. Ich war immer schon ein dickes Kind, was darauf hindeutet, dass man mir falsches Essverhalten beigebracht hat. Genaue Erinnerungen habe ich allerdings nicht so recht daran, außer dass meiner Mutter auch dick war, worüber sich keiner aufregte, weil sie ja 6 Kinder bekommen hatte und das auch als Begründung angab.
Als 10jährige machten meine Eltern mit mir eine krankenhausbetreute „Zwangsdiät“. Es war wie WW für Kinder, mit blauen Quadraten für Eiweiß, runde rote Punkte für Fett und gelbe Dreiecke für Kohlenhydrate. Ich musste genau Buch führen und die richtige Anzahl von Quadraten, Punkten und Dreiecken pro Tag erreichen. Komisch ist, dass ich mich daran besser erinnere, als an alles andere. Aber es führte dazu, dass ich erstmals überhaupt über Essen nachdachte, leider jedoch im negativem Sinne, denn alles, was Spaß machte war verboten.
Als ich in der Grundschule war, bekam mein schwer herzkranker Vater eine Bypass OP, meine Mutter stand in dieser Zeit völlig neben sich und ich nehme an, dass sie sich nicht sonderlich um mich gekümmert hat. Jedenfalls fing ich an zu stehlen (und zu essen???), das Stehlen hat sich nach langer Zeit, mit ca. 13 wieder gegeben...das Essen nicht.
Im Verlauf seiner Herzkrankheit wurde mein Vater zum Tyrannen, weil er selber depressiv war und ständig Schmerzen hatte. Ich musste ständig auf der Hut sein, seinen Zorn nicht auf mich zu lenken. Wenn mir das gelang, dann konnte ich hören, wie er seine Launen meiner Mutter gegenüber herausschrie. Bei solchen Streitigkeiten fielen dann auch so Sätze wie: Dann muss Sie eben ins Internat,“ Mit „Sie“ war ich gemeint...
Heute denke ich, dass es für mich vielleicht nicht schlecht gewesen wäre, in ein Internat zu kommen, aber damals hatte ich schreckliche Angst davor und wenn meine Mutter anfing damit zu drohen, fing ich an zu weinen und zu flehen.
Mein Vater war vorher schon erzkonservativ und sehr streng gewesen, Ohrfeigen gab es zu genüge und er verstand es ausgezeichnet, seine Kinder unter Druck zu setzen und zu Höchstleistungen zu treiben.
Die Wahrnehmung emotionaler Bedürfnisse wurde systematisch unterdrückt. Herzliche Umarmungen von ihm, aber auch von unserer Mutter waren sehr, sehr selten. Genaugenommen kann ich mich nur an EINE Umarmung von meinem Vater erinnern, die wirklich Gefühle rübergebracht hat, wo ich mich sehr drüber gewundert habe und wahrscheinlich etwas befremdet war.
Der abendliche Gute-Nacht-Kuss war ein Ritual und ich musste meinen Vater auch küssen, wenn er zuvor enorm streng oder wütend mit mir gewesen war. Wenn wir Kinder weinen mussten, weil er böse war, dann herrschte er einen an: „Komm wieder, wenn Du vernünftig sprechen kannst!!“
Alles was heute als erinnertes Gefühl meiner Kindheit übrig ist, ist dass ich mich von meinem Vater vollkommen ungeliebt und unterdrückt fühlte, und seine Zuneigung eigentlich nur mit guten Leistungen (z.B. Noten) „verdienen“ konnte. Noch heute habe ich das Gefühl, Liebe „verdienen“ zu müssen. Außerdem fühlte ich mich von meiner Mutter und auch von meinen Geschwistern (die wirklich nichts dafür konnten, sie waren halt nur alle schon erwachsen und ausgezogen) im Stich gelassen.
Seither habe ich Probleme mit Gruppen, habe immer das Gefühl, da nicht reinzupassen. Kontakte zu neuen Menschen zu knüpfen, und sei es nur beispielsweise ein Termin bei einem neuen Krankengymnasten o.ä. fallen mir unendlich schwer.
Was haben nun diese Gefühle von alleingelassen-, ungeliebt- und unterdrückt-Sein mit meiner Esssucht zu tun? Warum kann ich auf Gedeih und Verderb nicht aufhören zu futtern? Aller Erkenntnis und allen Wissens zum Trotz? Was kann ich nur tun, wenn sich dieses Verhalten komplett meinem Intellekt und Willen entzieht???
Werde ich jemals diese ES überwinden? Wenn ja: Werde ich jemals normalgewichtig sein oder „nur“ ein Leben in „dicker Selbstakzeptanz“ führen?
Kann es eine Heilung ohne professionelle Therapie geben? Ich habe immer noch Angst über meine Esssucht mit meinem Therapeuten zu sprechen.
In meiner Therapie habe ich viel über dieses Verhalten gelernt: Ich habe Probleme mit mir selbst. Ich weiss nicht, wie ich ticke, wer ich bin und was ich will. Und wenn ich dann mal weiss, was ich will, weiss ich nicht, wie ich es durchsetzen kann. Ich habe Angst, dass man mich nicht mag. Dabei brauche ich Lob und Anerkennung zum Überleben. Wie soll ich bloß mit Menschen umgehen, die mich nicht mögen?
Dann kam die Therapie und mit ihr ging die Angst. Die Angst vor dem Leben, vor anderen Menschen. Die Angst davor, Entscheidungen treffen zu müssen oder auch mal anzuecken. Die Angst, sich auf andere Menschen einzulassen und sie mich kennen lernen zu lassen (nachdem ich mich endlich kennen gelernt hatte).
Babs: Diese Gefühle kenne ich auch. Ich kann mich selber nicht spüren, bemerke meine Bedürfnisse nur schwer und habe folglich auch Probleme, sie durchzusetzen. Was wurde in Deiner Therapie gemacht, dass die Angst verschwand?
Das ist, denke ich, alles sehr wirr, aber so sieht’s eben in meinem Kopf zur Zeit aus.
Ich habe gerade Therapie-Pause und da brodeln dann immer soviel Gedanken in meinem Hirn. Und wenn ich übernächste Woche wieder zur Therapie gehe, dann werde ich nicht wagen, dieses Problem anzusprechen. Warum? Was befürchte ich, wenn ich jemandem sage, dass ich mich beim Essen nicht normal verhalte? Ich weiß es nicht...es geht eben einfach nicht über meine Lippen.
Vielleicht - selbst nicht so zu werden wie unsere Eltern? Die Fehler nicht zu wiederholen? Unsere Kinder anders zu erziehen - der Kritik immer aufgeschlossen gegenüberzustehen? Zu REDEN (nicht nur) mit den Kindern?
Das finde ich einen wunderbaren Plan. Vielleicht ist auch mein Gefühl, genau das nicht erfüllen zu können der Grund dafür, dass ich keine Kinder habe. Ich wollte nie welche, weil ich dachte, ich kann und will das nicht...und jetzt, wo die biologische Uhr tickt, da denke ich manchmal darüber nach, ob diese Entscheidung wohl richtig war. Aber heute ist es wohl zu spät, daran noch etwas zu ändern...und was würde wohl mein Mann dazu sagen, wenn ich mich plötzlich anders entscheiden würde??
Verwirrte, ratlose und liebe Grüße an Euch alle,
iko
frauvonheute
21.07.2005, 10:58
Babs: Diese Gefühle kenne ich auch. Ich kann mich selber nicht spüren, bemerke meine Bedürfnisse nur schwer und habe folglich auch Probleme, sie durchzusetzen. Was wurde in Deiner Therapie gemacht, dass die Angst verschwand?
Ich habe geredet.
So banal das klingt, aber ich habe zum ersten Mal in meinem Leben ohne Vorbehalte einem Mensch alles von mir erzählen können. Von meinen Essattacken, meiner inneren Leere, der Wut in mir, von meiner Traurigkeit. Darüber, dass ich mich in Gruppen so oft als Sonderling fühlte, dass ich immer das Gefühl hatte, meine Gedanken nicht ordnen zu können, dass ich Angst davor hatte, nicht gemocht zu werden. Ich sprach über meine Kindheit, an die ich so wenige Erinnerungen habe, ich weinte, als mir bewusst wurde, wie viel mein Großvater mir bedeutet hatte und wie wenig Zeit ich mit ihm verbringen konnte, ich tobte, als meine Eltern sich letztes Jahr trennten und mich für ihre Zwecke benutzten...
Ich habe auch viele sehr schöne Moment in der Therapie gehabt. Nach den Tränen wegen meines Großvaters, kam das Lachen, als mir bewusst wurde, dass er den Grundstein für die Fröhlichkeit in mir legte, die heute noch so präsent ist. Ich lernte, meine Eltern zu verstehen und ihnen keine Schuld an meiner Esssucht zu geben. Dann verschwand das Bild der „dicken Frau“ und seitdem wurde ich nie wieder auf der Straße angemacht. Noch immer erlebe ich Augenblicke, in denen ich mich selbst überrasche. Wenn ich z. B. ganz spontan im Büro Widerworte gebe, weil ich mich ungerecht behandelt fühle. Dann weiche ich nicht mehr, sondern stehe zu meinen Bedürfnissen.
Ich fuhr mit meinen Gefühlen Achterbahn und kam so Schritt für Schritt wieder in Kontakt mit ihnen. Ich lernte, dass es okay ist zu weinen, wütend zu sein, seine Meinung zu sagen, nicht gemocht zu werden (denn ich mag doch schließlich auch nicht jeden). Ich erfuhr, dass mein Freund mich nicht automatisch verlässt, wenn ich ihn kritisiere oder dass ich im Büro gemobbt werde, nur weil ich meine Meinung sage. Meine Freundschaften veränderten sich, wurden irgendwie...tja...“erwachsener “...ich wurde authentisch.
In der Therapie lernte ich, dass ich meine Gefühle nicht mit Essen ersticken muss. Mein Ich ist nicht mehr so gestört, ich sehe so viel klarer. Heute kann ich meine Gefühle äußern. Und wenn ich meine Gefühle nicht mehr runterschlucken muss, muss ich auch nicht mehr essen.
So verschwand die Angst.
Ich habe gerade Therapie-Pause und da brodeln dann immer soviel Gedanken in meinem Hirn. Und wenn ich übernächste Woche wieder zur Therapie gehe, dann werde ich nicht wagen, dieses Problem anzusprechen. Warum? Was befürchte ich, wenn ich jemandem sage, dass ich mich beim Essen nicht normal verhalte? Ich weiß es nicht...es geht eben einfach nicht über meine Lippen.
Was für eine Therapie machst du denn? Geht es dabei nicht um deine Essstörung?
Aber ist denn ein Therapeut nicht genau der richtige Ansprechpartner? Wenn man es mal ganz pragmatisch betrachtet, ist ein Therapeut ein Mensch, der verdammt viel Geld dafür bekommt, sich um mich zu kümmern. Der sich meine gesamte Seelenwelt anhören muss und mir dabei helfen soll, mein Leben klar zu kriegen. Er hat nicht über mich zu urteilen und tut es im Normalfall auch nicht. Wenn du es so betrachtest, Iko, vielleicht kannst du das Thema Essverhalten dann ansprechen?!
Das finde ich einen wunderbaren Plan. Vielleicht ist auch mein Gefühl, genau das nicht erfüllen zu können der Grund dafür, dass ich keine Kinder habe. Ich wollte nie welche, weil ich dachte, ich kann und will das nicht...und jetzt, wie die biologische Uhr tickt, da denke ich manchmal darüber nach, ob diese Entscheidung wohl richtig war. Aber heute ist es wohl zu spät, daran noch etwas zu ändern..
Da geht es mir ähnlich, Iko. Ich habe immer gesagt, dass ich keine Kinder bekommen möchte, solange ich noch so psychisch krank bin. Wenn, dann möchte ich eine Mutter sein, die nicht ihr krankes Verhalten an ihre Kinder weiter gibt. Dann möchte ich eine stabile Frau sein, die Grenzen setzen, für Struktur sorgen und ein liebevolles Umfeld und Zuhause aufbauen kann. (Nein, ich meine damit nicht, dass ich bei der Erziehung keine Fehler machen werde – ich denke, ihr versteht mich schon ;)). Ob ich jemals das Gefühl haben werde, dass „jetzt“ der richtige Zeitpunkt ist, weiss ich nicht. Ich mache mir da aber auch keinen großen Kopf drum. Was sein soll, wird sein.
und was würde wohl mein Mann dazu sagen, wenn ich mich plötzlich anders entscheiden würde??
Frag ihn doch mal. Vielleicht wärst du überrascht von seiner Antwort....
Babs
Hallo Babs,
vielen Dank für die aufmunternden Worte und den Erfahrungsbericht. Ich freue mich für Dich, dass Du Deinen Weg so erfolgreich beschreitest...und hoffe, dass es mir auch irgendwann gelingen wird.
Ich habe geredet.
Was für eine Therapie machst du denn? Geht es dabei nicht um deine Essstörung?
Aber ist denn ein Therapeut nicht genau der richtige Ansprechpartner? Wenn man es mal ganz pragmatisch betrachtet, ist ein Therapeut ein Mensch, der verdammt viel Geld dafür bekommt, sich um mich zu kümmern. Der sich meine gesamte Seelenwelt anhören muss und mir dabei helfen soll, mein Leben klar zu kriegen. Er hat nicht über mich zu urteilen und tut es im Normalfall auch nicht. Wenn du es so betrachtest, Iko, vielleicht kannst du das Thema Essverhalten dann ansprechen?!
Nein, die Therapie habe ich angefangen, nachdem ich nach 3 Jahren Mobbing Depressionen bekam. Aber genaugenommen wollte ich die Therapie machen, um herauszufinden, was mich zu so einem geeigneten Mobbing-Opfer macht...und siehe da, ich glaube es hängt sogar nicht unwesentlich mit den Ursachen für meine ES zusammen.
Frag ihn doch mal. Vielleicht wärst du überrascht von seiner Antwort....
Auf alle Fälle wäre er erstmal überrascht über die Frage...http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/eek.gif
Ich hoffe, es löst nicht diesen Reflex aus : http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/flucht2.gif http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/biggrin.gif
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