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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : zu dick für polizei


elvae
09.05.2009, 18:37
huhu
hab ich heut im netz gefunden, führt dieses starre bmi.verbeamtungssystem ad absurdum :rolleyes:

http://www.derwesten.de/nachrichten/wr/westfalen/2009/5/8/news-119172611/detail.html

Fafner
09.05.2009, 20:09
Ich halte den BMI-Index ohnehin für selten dämlich. Von beinahe allen Seiten wird bestätigt, das dieser mir vorsicht zu geniessen ist. Trotzdem wird er von vielen Geistesakrobaten als das Maß aller Dinge rangezogen. Bescheuert.

S.T.

Sally
10.05.2009, 07:24
Es ist nicht nur die Polizei, es ist z.B. auch die Feuerwehr, die solche Maßstäbe anlegt.

Gestern Abend bin ich durch Zufall in einen TV-Beitrag gestolpert ("Hallo Deutschland", ZDF - die Sendung steht noch nicht online). Ein Feuerwehrmann mit 170 kg durfte da nur noch als Fahrer arbeiten, keine Atemschutztrainings, keinen Einsatz etc. mehr mitmachen. Er war sehr groß und wirkte dick, aber keineswegs bewegungsunfähig. Die Vorgabe seines Arbeitgebers waren 110 kg.

Man hat ihm das Programm des Krankenhauses Frankfurt-Sachsenhausen verordnet, sprich etliche Wochen nur Pulverdrinks und dann Ernährungs-"Erziehung" samt Bewegung.

Er hat in einem halben Jahr (!!) 60 kg abgenommen. Und natürlich herrschte am Ende des Beitrags eitel Sonnenschein bei Feuerwehr und Partnerin. Das Elend werden wir nicht zu sehen bekommen. :(

Ach ja, und gekostet hat der ganze Spaß 3000 Euro. Die Kasse hat's bezahlt. Die Frankfurter Abnehm-Marketing-Experten hat's sicher gefreut.

Lunix
10.05.2009, 11:11
Ich habe das bei "ZDF.reporter" gesehen und nur gedacht "das fängt ja gut an - mit Pülverchen!" Unter dem Titel Endlich Schlank! (http://reporter.zdf.de/ZDFde/inhalt/14/0,1872,1000046_idDispatch:8609 116,00.html?dr=1) wird der Wahnsinn heute um 18.00h ausführlicher gesendet. Dem einzigen Beitrag im entsprechenden Forum kann man eigentlich nichts mehr hinzufügen.

Darcy
10.05.2009, 11:24
Ich halte zwar auch nix von Pulverdiäten und ähnlichem Blödsinn, finde aber schon, dass man in Berufen, die absolute körperliche Fitness verlangen (und da zähle ich den des Feuerwehrmanns dazu), mit 170kg nicht mehr voll einsetzbar ist.
Auch ein Streifenpolizist muss in gewissen Situationen schnell rennen können, was natürlich nicht zwingend vom BMI abhängig ist, aber eben ab einer gewissen Gewichtsklasse nicht mehr wirklich funktioniert.
Statt der Bewertung nach BMI fände ich aber regelmäßige Leistungstests (ähnlich denen bei der Aufnahme auf die Polizeischule) geeigneter, um die "Schlaffis" rauszufischen.

Fafner
10.05.2009, 11:37
Das stimmt natürlich, die Fitness ist schließlich auch überlebenswichtig in solchen Berufen. Aber genau ist ja der Punkt, der Bewerber im Eingangsposting ist ja total sportlich und körperlich gut drauf, total durchtrainiert. Deshalb ist sein BMI ja so hoch.
Wie du selbst bereits eingeworfen hast, sollten zusätzlich noch weitere Kriterien eine Rolle spielen, um einen nicht von vorneherein (nur wegen einer fragwürdigen Maßeinheit) für einen solchen Beruf zu disqualifizieren.

S.T.

HummelHummel
10.05.2009, 17:08
das gilt leider nicht nur für Feuerwehrmänner oder Polizisten, sondern in Hamburg auch für Lehrer. Als eine meiner Freundinnen ihre Ausbildung machte, wurde ihr gleich gesagt, dass eine Verbeamtung nicht möglich wäre, da sie zu übergewichtig sei. Und das würde auch so bleiben, selbst wenn sie innerhalb der Ausbildung ca. 70kg abnehmen würde.( Begründung: Es sei absehbar, das sie öfters krank werden würde, als schlanke Lehrer.) Aber einer Anstellung als Angestellte stünde nix im Wege............. Noch Fragen???? Unnötig zu erwähnen, dass sie weniger krank ist, als manch schlanke/r Kollegin/Kollege.

Teddy
10.05.2009, 17:14
das gilt leider nicht nur für Feuerwehrmänner oder Polizisten, sondern in Hamburg auch für Lehrer. Als eine meiner Freundinnen ihre Ausbildung machte, wurde ihr gleich gesagt, dass eine Verbeamtung nicht möglich wäre, da sie zu übergewichtig sei. Und das würde auch so bleiben, selbst wenn sie innerhalb der Ausbildung ca. 70kg abnehmen würde.( Begründung: Es sei absehbar, das sie öfters krank werden würde, als schlanke Lehrer.) Aber einer Anstellung als Angestellte stünde nix im Wege............. Noch Fragen???? Unnötig zu erwähnen, dass sie weniger krank ist, als manch schlanke/r Kollegin/Kollege.

Das ist denn aber eine etwas neuere Regelung, wenn ich an die Bäuche meiner sehr geehrten Pauker denke:-D. Aber eine Frechheit sowas, heut zu Tage braucht man nichts im Kopf sondern nur noch in Muskeln und Brüsten... traurig aber wahr.:wand:

Grüße Mücke

Darcy
10.05.2009, 17:48
Die Diskussion über die Nichtverbeamtung dicker Lehrer hatten wir schon - aber ich finde, das kann man absolut nicht vergleichen.

Sally
11.05.2009, 08:25
Bei dem Beispiel, das ich gebracht habe, ging es nicht um die Frage, dass, sondern wie dieser Feuerwehrmann abgenommen hat.

Darin, dass jemand bei Feuerwehr oder Polizei körperlich fit sein sollte, sind wir uns absolut einig. Den Weg dorthin halte ich aber in diesem Fall für grundfalsch. Der Mann wird zum einen nur mit übermenschlichen (Hunger-) Kräften gegen den Jojo ankämpfen können, und zum anderen ist er nicht (mehr?) gesund. Als ich gestern abend in die Reportage reingezappt habe, bekam er gerade vom Betriebsarzt keine Freigabe für seinen Job, weil sein Belastungs-EKG Herzrhythmusstörungen aufwies. Kein Wunder bei der rasanten Abnahme. Und was hat er jetzt davon? Nein, das kann nicht der richtige Weg sein.

Sophie
17.06.2009, 08:16
Hab ich heute morgen gefunden:
http://www.dguv.de/inhalt/presse/hintergrund/feuerwehr/index.jsp (http://www.dguv.de/inhalt/presse/hintergrund/feuerwehr/index.jsp)
Da sieht man aber wieder mal, was Fakt ist, und was in den Medien verbreitet ist.
Wenn es um Menschenleben geht, muss man eben etwas pingeliger sein. Man kann sich gar nicht schlimm genug ausmalen, was passieren kann, wenn ein Feuerwehrmann einen klaustrophobischen Anfall bekommt oder aber wegen Übergewicht schlappmacht. Letzten Endes kommt es auf die individuelle Fitness an. Der BMI ist ein Hinweis, dass genauer hingesehen werden muss, mehr nicht.

Lunix
17.06.2009, 10:12
So sieht das schon ganz anders aus. Ich wundere mich nur etwas darüber, dass Blutuntersuchungen bei Feuerwehrleuten nicht schon längst Standard sind, selbstverständlich nicht nur für BMI-Limitüberschreiter. Interessant finde ich an dem Artikel noch, dass Fachkreise angeblich immer noch die Broca-Formel benutzen, aber das gemeine Volk sich am BMI orientieren soll. Und angesichts des letzten Satzes

Der BMI ist ein Richtwert, dessen Überschreitung auf eine Erkrankung hinweisen kann, aber nicht muss. frage ich mich, ob sich irgendwann mal die Erkenntnis durchsetzt, dass ein BMI im willkürlich angesetzten grünen Bereich auf eine blühende Gesundheit hinweisen kann, aber nicht muss.