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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wieder ein Opfer...


Roseanne
05.01.2008, 14:23
Da der thread geschlossen wurde zitiere ich mich hier kurz selbst:
Schön, dass Du heute lebst und es Dir bisher gut geht.
In einem Nachbar-Forum liegt seit Wochen eine Frau auf den Intensivstationen wechselnder Krankenhäuser weil ihr undichter Bypass zu Multiorganversagen geführt hat. Das wiederum brachte sie ins künstliche Koma, an die Dialyse und ganz aktuell wurde ihr der Kopf geöffnet weil das Hirnwasser nicht mehr abfliesst. Sie wird laut Aussage der Ärzte nie wieder ganz gesund werden.

Diese Frau ist inzwischen verstorben. Wir waren viele Jahre im gleichen Internetforum unterwegs. Sie war einen Tag jünger als ich. Und nun ist sie nicht mehr da. :(

Dralle Deern
05.01.2008, 14:43
Mir tut das so leid :( Ein Mensch, der als einzigen Ausweg aus dem "Dilemma Adipositas" eine OP sah, hat genau diese nicht überlebt. Ich könnte echt heulen, auch wenn ich diese Frau nicht kannte. Aber jedes Opfer ist eines zuviel, darüber können auch Statistiken über soundsoviel Prozent "Erfolgsquote" nicht hinwegtäuschen.

Ulrike
05.01.2008, 14:46
Oh nein, es ist doch so gekommen wie ich befürchtet habe..... ich las dort die ganzen Wochen schon mit (Roseanne du wirst sicher wissen wer ich dort bin)

Grüße

Ulrike

Itsme
05.01.2008, 15:17
Schrecklich ist mir ein zu banales Wort, aber mir fällt im Moment kein anderes ein.

Nach der Schließung des anderes Threads ging mir dieses Thema natürlich weiter im Kopf herum.
Würde auf dem Beipackzettel eines Medikamentes stehen,
das es relativ oft die Symptome nimmt,
manchmal zu großen, sogar lebensgefährlichen Komplikationen führt,
und es hier und da zu Todesfällen kommt,
würde man ein solches Medikament niemals nehmen. Ja, es käme gar nicht erst auf den Markt. Aber diese OP wird trotz solcher "Vorkommnisse" weiterhin empfohlen, als wenn man es einfach mal eben so, ganz leicht in Kauf nimmt.

Mir wird schlecht, wenn ich darüber nachdenke.

Debbymo
05.01.2008, 16:10
....das ist wirklich unglaublich und macht traurig...aber ist garnicht so selten.

Meine Freundin hatte sich vor ca 7-8 Jahren für AC entschieden, mit nachfolgenden grossen Komplikationen, wo ihr Leben an Messers Schneide hing.....da die Klammerung nicht gehalten hatte (.... das soll garnicht so selten vorkommen, wie sie bei einer Nachuntersuchung heraus gehört hatte).

Sie hatte es auch mir immer wieder empfohlen, doch diesen Schritt zu gehen.da sie wusste wie unglücklich ich mit meinem Gewicht oft bin und mit mir hadere...und um ein besseres lebenswerteres Leben zu haben .

Vor einiger Zeit erzählte sie , dass sie eigentlich wieder ins Kh müsse, da das Netz, (welches ihr damals nachträglich eingesetzt wurde, ) an der Magenschleimhaut fest gewachsen ist und Nährboden für ein Magengeschwür sein kann.
Mittlererweile glaubt auch sie nicht mehr daran, dass sich dadurch langfristig etwas am Gewicht verändert.

Martina
05.01.2008, 16:11
Ich sitze hier und weine Rotz und Wasser. Was ist das für eine Gesellschaft, die Menschen so verzweifeln lässt, dass sie sich das antun? Ich ertrage diesen Gedanken kaum.

Mein Gott, was tut mir dieser Mann leid! Genau wie die Eltern von der 22-Jährigen, die ihr die OP auch noch bezahlt haben.

Maxima
05.01.2008, 16:16
Was ist das für eine Gesellschaft, die Menschen so verzweifeln lässt, dass sie sich das antun? Das war auch das, was ich zuerst gedacht habe. :mad:

Roseanne
05.01.2008, 17:46
Ich befürchte es liegt in der Natur der Menschen immer wieder seltsame Schönheitsideale festzulegen, denen sich dann gebeugt wird, ganz egal was hinten für ein Rattenschwanz von Krankheiten dran hängt.

In Afrika sind es die Frauen mit den vielen Ringen um den Hals, denen, bei abnahme der Ringe, gleich das Genick brechen würde, oder weibliche Beschneidungen, die mit angeblichen religiösen Traditionen begründet werden.

Wieviele unnötige Schönheits-OPs werden weltweit jährlich gemacht und wieviele verpfuscht. Es reicht ja nicht abzunehmen und dünn zu sein. Hautlappen müssen entfernt werden, zig Wiederherstellungs-OPs und jede birgt ein Risiko nach dem andern.

Man muss schon eine starke Persönlichkeit sein und viel Rückhalt von anderen Menschen erfahren um heutzutage einigermassen glücklich als dicker Mensch in Deutschland zu leben.

Je "höher" man gesellschaftlich aufsteigt, desto dünner wird die Luft für eine dicke Frau.

Als ich vor Jahren im Krankenhaus lag und fast gestorben wäre, war der erste Mensch den ich beim aufwachen sah eine Krankenschwester die mich angeekelt und hasserfüllt anstarrte. Es war als könnte ich plötzlich Gedanken lesen.

Allein dieser Blick hat mich Jahre lang verfolgt.:rolleyes:

Und ich bin wirklich kein graues Mäuschen, oder überängstlich was den Umgang mit mir fremden Menschen angeht.

Manchmal fordert das Dicksein mir eine Stärke ab die ich an schlechten Tagen kaum aufbringen kann. Das ist sehr traurig. Andererseits ist das die Realität und entweder ich beuge mich und passe mich operativ an oder ich lebe mein Leben und lerne mich durchzusetzen und bestimmte Unverschämtheiten mit gleicher Münze heim zu zahlen.

Ich finde zweiteres ist zumindest ein lohnenswerter Versuch.

Brockenhexe
05.01.2008, 18:09
Ich habe es soeben in einem anderen Forum gelesen. Was diese Frau alles durchgemacht hat nach der OP, keine Besserung, alles nur verschlimmert. Es tut mir Leid, auch wenn ich sie nicht persönlich kannte. Wie furchtbar für die Familie und die Angehörigen und Freunde, die damit klarkommen müssen.

Die Brockenhexe

Sonnenkuss
05.01.2008, 18:10
Furchtbar.
Ich bete für alle Menschen, die mit sich unzufrieden sind, egal ob physisch oder psychisch, dass sie Kraft und Mut finden und sich nicht verstümmeln lassen, nur um passend zu werden.

mintypolo
05.01.2008, 19:02
:confused: Oh ne,

kann ich mir nur anschließen,Euren Meinungen.

Leider weiß ich nicht so genau, auf wen ...auser dieser Frau ihr Euch bezieht...hab da wohl was verpaßt.

Ich wieg 120 Kilo und weil ich auch noch ein blödes Ödemproblem habe, bin ich damit nicht glücklich....

Aber ich bin glücklich, weil ich mich nur noch an den medizinischen-körperlichen Handicaps störe, die das Gewicht mit sich bringt.

Das ist nichts gegen die jahrelangen psychologischen Krämpfe, die ich ausfocht...

Dafür bin ich ungemein dankbar,
Dafür- meinen Selbstwert nicht mehr von meinem Gewicht abhängig zu machen.
Und als ich das nicht mehr tat, ließ ich auch andere Menschen zu.
Heute habe ich einen Freund , der mich mag...jedes Gramm an mir und auch alle spinnerten Ideen.

Ich wünsche so sehr, daß alle anderen, die glauben, sie "paßten" nicht, weil sie zu dick,dünn, grün, ne zu lange Nase oder sonst was haben,erfahren und spüren lernen, daß sie genauso richtig und geliebt-wollt sind.

Mensch Leute, wollen wir alle gleich ausschauen.

Wieviel Todesopfer muß es noch geben....denke auch an all die Magersüchtigen,Bullemiker mit Tumor, oder an diese Schlangenhalsfrauen, denen man Messingringe von klein auf um den Hals knotet...wenn man die abnimmt,sterben sie..

Auf so einen kranken Scheiß kommen nur Menschen.

:schrei1:

Itsme
05.01.2008, 19:05
Wenn der Tod eines Menschen überhaupt einen Sinn haben kann, so hoffe ich, dass dieser Tod wenigstens endlich die dicken Menschen, die so etwas ins Auge fassen, warnd und von einer solchen OP Abstand nehmen lässt.

Wie lange dürfen solche OPs noch durchgeführt werden???

Francis
05.01.2008, 19:51
Schrecklich, daß sie so verzweifelt war, dieses hohe Risiko auf sich zu nehmen und dann diesen furchtbaren Preis dafür zu zahlen.
Sie ist keine Nummer, die nun irgendeine Statistik erhöht, sondern ein realer Mensch, um den jetzt die Hinterbliebenen weinen. Wenn ich dann an diese Ignoranten denke, die mit entsprechenden Posts einfach nur unser Forum aufmischen wollen oder Reportagen über das "heilbringende" Magenband, wie die, die ich gestern beim Zappen gestreift habe, senden lassen, könnte ich wirklich agressiv werden. :(

stübbken
05.01.2008, 20:14
Vor diesem Hintergrund ist die freundliche Zusprache einer Operierten an die noch auf ihre Op wartende :

" Auch Du wirst bald glücklich sein. Du musst nur dran glauben!".
(gefunden in einem AC-Forum)

einfach nur makaber....

stübbken

Martina
05.01.2008, 21:02
Leider weiß ich nicht so genau, auf wen ...auser dieser Frau ihr Euch bezieht...hab da wohl was verpaßt.Roseanne hat sich auf diesen Thread (http://www.das-dicke-forum.de/forum/showthread.php?t=4417) bezogen.

mintypolo
05.01.2008, 21:42
Roseanne hat sich auf diesen Thread (http://www.das-dicke-forum.de/forum/showthread.php?t=4417) bezogen.

Danke Martina, da hab ich ja was verpaßt...

Ne eigentlich nicht...sah erstes Posting von Ophelia ,"überlas" es...da es sich um OP drehte...las ich nicht weiter...

Ich gestehe, ich habe mich mit dem Thema Abnahme durch Op wenig auseinandergesetzte.
Einfach wiei es mir von vorneherein riskant und "nicht richtig" scheint.
Würde ich höchstens ab 200 kg auwärts in Erwägung ziehen -und dann würde ich das Op-Risiko wieder für zu hoch halten.

Kann ja jeder machen mit seinem Körper, was er will, aber man soll keine Werbung machen für etwas , was potentiell tödlich endet.

Ist so,wie wenn mir ein Raucher erzählt, rauchen sei gar nicht schlimm, weil er wüßte da den Opa von einem Onkel von einem Bekannten, der ist 89 und hat immer geraucht.

Ich weiß da alleine ein paar 100 Kehlkopf,Lungenkrebs und Herzinfarkt, Schlaganfallpatienten , die haben nur 27 Jahre geraucht-oder weniger-und
sind mir in meiner kurzen Arbeitszeit als Krankentante begegnent .
:baeh2:

Martina
05.01.2008, 23:14
"Auch Du wirst bald glücklich sein. Du musst nur dran glauben!".
(gefunden in einem AC-Forum)Ich habe im vergangenen Jahr mehrfach Anrufe von Freunden und Verwandten aus meiner Heimatstadt Solingen erhalten. Dort gibt es eine oder mehrere sehr aktive AC-SHG(s) (genau weiß ich das nicht; ich meine, ich hätte von zwei verschiedenen gehört), die dann auch immer wieder mit Ständen bei Selbsthilfe-Messen etc. vertreten sind.

Was mir da erzählt wurde, wie die OPs wie warme Semmeln angepriesen werden, hat mich glatt vom Stuhl geschmissen.

Eine Verwandte meinte zu mir, sie erinnere sich doch daran, dass ich mal gesagt hätte, wie gefährlich die OPs seien. Eingedenk dieser Erinnerung hatte sie an einem Stand nach Risiken und Nebenwirkungen gefragt. Und ihr war gesagt worden, da gäbe es keine. Das sei eine völlig unproblematische Operation. Die (schlanke) Frau war so was von empört. Ich konnte sie am Telefon kaum beruhigen.

Im Prinzip sind die SHGs ja okay. Eine der SHGs in Solingen ist wohl auch sportlich sehr aktiv. Das finde ich gut. Aber wenn die Gefahren der OPs so runtergespielt werden, dann hört meine Toleranz auf.

Martina

Meralu
06.01.2008, 08:12
Es ist wirklich schlimm zu lesen, was dieser armen Frau widerfahren ist.
Das ist es einfach nicht wert. Diesen Schritt gehen mit dem Bewusstsein,
das Leben aufs Spiel zu setzen, nur um "endlich wieder ein Leben zu haben".
(Wie man es so oft in den diversen Foren liest).

Ich bin eine relativ stille Leserin hier - und Ihr habt mir schon vieles
aufgezeigt in der ganzen Zeit, die ich bei Euch verbringe.
Was hab ich in den letzten Jahren immer wieder Diäten gemacht, mit
der Hoffnung, ein paar Pfunde zu verlieren. Hat ja auch geklappt,
bis es wieder vorbei war und schlußendlich das Gewicht höher war
als das Ausgangsgewicht.
Seit dem letzten 'Scheitern' meiner missglückten Versuche kam das
Gespräch, gelenkt von meinem Vater, immer wieder auf diese tollen
OP's. Er ist im pharmazeutischen Bereich tätigt, kennt insofern viele
Ärzte...und nun ja, er glaubt auch indem er Geräte an Ärzte verkauft
und mit jenen Kontakt hat, kann er urteilen und für gut befinden.
Seiner Meinung nach kommen meine Depressionen davon, dass
ich zu dick bin - und die Essstörung ist nur eine Ausrede für mein
Übergewicht...und wenn ich dünn wäre, hätte ich all diese Probleme
nicht. Nee, ist klar.

Ich bin seit März 2006 in Therapie (die ich unter ganz anderen
Voraussetzungen angetreten bin, zu meiner Schande) - und habe
es im Zuge dieser Therapie geschafft, mich wieder wahrzunehmen.
Für mich ist es ein Erfolg, wenn ich für mich Essen zubereite - mit
frischen Lebensmitteln, mir Gedanken darum mache, wie ich es mir
gutgehen lassen kann.
Für meinen Vater wirft sich hier nur die Frage auf "Und, seit Du
kochst, nimmst Du auch schön ab?"
Früher hätte ich das geschluckt.
Zum ersten Mal im Leben habe ich ihm Kontra gegeben.
Dass ich es satt habe, bei jedem unserer Treffen (wir sehen uns
aufgrund der Entfernung nur alle paar Monate) von oben nach
unten gescannt zu werden ob ich nun zu- oder abgenommen habe.
Dass es mir egal ist, ob ich abnehme - und dass ihm das bitte auch
egal zu sein hat, weil es verdammt nochmal mein Leben ist, dass ich
über 12 Jahre habe schlafen lassen. Dass ich all die neuen Gefühle
erst einmal lernen muss - geniessen lernen muss.
Insgeheim hat er wohl den Gedanken um diese Operationen noch
nicht aufgeben, aber für mich ein Teilerfolg: Er redet nicht mehr
über mein Gewicht, nicht direkt. Kleine Spitzen kommen immer noch,
aber er jammert dann mehr über seinen Bauch und hofft wohl,
dass ich darauf einsteige. Dem Gefallen tu ich ihm aber nicht.
Ob ich irgendwann in seiner Gegenwart ungehemmt essen kann,
wird die Zeit zeigen. Ich habe noch immer das Gefühl, er vergrätzt
mir jeden Bissen.

Was ich eigentlich sagen will - gerade dieses traurige Schicksal,
das ich heute hier lesen musste, bestärkt mich darin, dass mein
Weg zwar der langsamere ist, vielleicht auch der holprige unangenehme,
aber auf jeden Fall der sichere.
Denn ich bin gesund - und werde mich weder dickhungern (wie ich es
die letzten Jahrzehnte gemacht habe), noch krankoperieren lassen.
Kilos hin oder her, den Weg zu meiner Mitte werde ich finden,
denn darauf kommt es an.

Bitte entschuldigt den langen Text, aber das musste ich heute
einmal loswerden, gemeinsam mit einem DANKE für all die vielen
Threads, an denen ich teilhaben und lernen darf.

Tanja

Smutje
06.01.2008, 08:51
Hallo Tanja

dein langer Text ist gut und bringt es auf den Punkt. Ich habe mich ja auch mal beraten lassen wegen so einer OP , ich glaube es war 2000, die Risiken waren mir einfach zu hoch und mein Mann war auch dagegen. Viele von uns wollen etwas weniger auf die Waage bringen aber nicht so das wir unsere Gesundheit gefärden.

Gruß
Mechtild

Martina
06.01.2008, 08:54
Liebe Tanja,

ich habe mich über Dein Posting sehr gefreut. Es zeigt mir, dass es Menschen gibt, die verstehen, was wir hier erreichen wollen. Manchmal zweifele ich nämlich daran, dass das überhaupt jemanden erreicht. Ich weiß zwar, dass man zu unseren Gedanken zum Thema, die ja nahezu zu 100% quer laufen zu allem, was man heute für richtig hält, alles doppelt und dreifach erklären muss, aber manchmal denke ich, JETZT müsste es der Diskussionspartner doch nun eigentlich verstanden haben, und es ist immer noch nicht der Fall. Ich komme dann für mich zu dem Ergebnis, dass er es nicht verstehen will, obwohl ich manchmal denke, dass er es vielleicht auch nicht verstehen kann, weil er medialen Gehirnwäsche so erlegen ist, dass es keinen Raum mehr für diese Art von Gedanken gibt. Dabei erwarte ich ja noch nicht mal, dass jeder, der hier liest, diese Gedanken für sich umsetzt. Sie sind einfach nur ein Angebot, wie man das dicke Leben auch angehen kann. Ob man sich dafür oder dagegen entscheidet, ist mir letztlich egal, weil wirklich jeder seine eigenen Entscheidungen trifft und ich das auch respektiere. Aber mancher der hier kontra gibt, will uns gleichzeitig aufzeigen, dass das, was wir denken, krank und unnormal ist, und will uns dann auf "den richtigen Weg" zurückführen. Es wurde mir sogar schon mal vorgeworfen (nicht hier im Forum, aber in einer Korrespondenz außerhalb des Forums), dass es ja meine eigene Entscheidung sei, ins Unglück zu rennen, dass es aber verantwortungslos sei, dabei auch noch so und so viele Leute mitzunehmen. Ihr könnt mir glauben, so was bleibt mir nicht in den Kleidern sitzen.

Ich bin mal mehr und mal weniger genervt von dieser impertinenten Ignoranz, die einem da mitunter begegnet, aber Postings wie Dein Obiges, Tanja, und auch Mails, die mich von Lesern erreichen, die hier gar nicht registriert sind, versöhnen mich immer wieder. Sie zeigen mir, dass mein Weg, von dem ich hier völlig wertfrei erzähle, auch für andere eine Option ist, die sie glücklicher und zufriedener und damit letztlich auch gesünder gemacht hat. Und mir geht es weiß Gott nicht darum, andere zu missionieren. Ich will einfach nur zeigen: DIESE Möglichkeit gibt es auch ... neben all den anderen.

Deshalb danke ich Dir sehr für dieses Posting....und wenn ich dünn wäre, hätte ich all diese Probleme nichtWegen genau so einer Einstellung habe ich den Kontakt zu einem eigentlich sehr engen und guten Freund vollständig und für immer abgebrochen. Ich war es einfach satt, von seiner Frau Bücher wie "Meine Mutter, meine Pfunde" zu Weihnachten zu bekommen und mir eben den zitierten Spruch anzuhören.

Simi, die 38-jährige Frau, die vorgestern verstorben ist, stand übrigens trotz ihrer 170 kg voll im Leben. Sie hatte gerade einen Job begonnen, war, wie es den Eindruck machte, glücklich verheiratet und wusste offensichtlich sehr genau, was sie wollte. Außer Fersenspornen hatte sie keine "Folgeerkrankungen", wobei Fersensporne auch schlanke Menschen bekommen. Aber das ist natürlich in den Augen der Anhänger dieser Methoden kein Argument. In den Beileids-Threads trauen sie es sich meist nicht, aber spätestens, wenn in den nächsten Tagen der erste, dem die OP kurz bevorsteht, einen Angst-Thread eröffnet, wird jemand schreiben, dass es zwar sehr tragisch ist, dass sie gestorben ist, dass man aber nicht aus dem Auge verlieren darf, welch grauenhaftes Leben ihr bevorgestanden hätte, wenn sie sich nicht hätte operieren lassen. Ich beobachte das seit Jahren und habe das hier auch schon öfter angeprangert. Es läuft immer nach dem gleichen Muster ab. Es wäre ein Fortschritt, wenn das dieses Mal nicht geschehen würde. Ich bin sehr erfreut, dass es in dem Forum, in dem Roseanne schreibt, das kein AC-Forum ist, auch kritische Stimmen im Beileids-Thread gegeben hat.

Martina

Lovely Rita
06.01.2008, 13:06
Ich verabscheue diese miese Vermarktungsstrategie, selbstbetroffene und in manchen Fällen wohl auch gutgläubige Laien vor den Karren zu spannen, die wie eine Mischung aus Messias und Rattenfänger durchs Netz geistern. Halbgötter in Weiß (Professor X, Professor Y), die sich als Wohltäter generieren. Und worum geht es? Um Geld. Um einen Markt, den es zu beackern gilt und der sich optimal für diese Bewirtschaftung anbietet.

Die Zutaten:
Eine Gruppe, die isoliert und zur Außenseitergruppe gemacht wird.
Ächtung, als Mensch minderwertig zu sein.
Medizinische Bedrohungsszenarien, die so banal formuliert werden können, dass selbst der Dümmste sie wiedergeben kann.
MedizinerInnen, die nicht über ihren eingeschränkten Horizont des Durchführbaren hinausblicken.
Die Würze einer Freak-Show, die immer wieder gerne medial genutzt wird in Talk-Shows, Reality-Shows, Pop-Kultur.

Für die Profiteure die billigste Kampagne der Welt. Denn was kosten schon die Internetforen, die von den Jüngern geschupft werden. Dort passiert die Spaltung, die Trennung in Operierte und Nicht-Operierte. Und spätestens sobald man operiert ist, scheint es wie bei Vampiren zu laufen: es gilt neue Opfer zu finden, willkommen zu heißen, einzulullen, die „armen Dicken“ sind ja so dankbar. Weil man sich selbst beschädigt hat, müssen es auch andere tun. Es ist widerlich.

Wie ich schon mal schrieb, war die österreichische Internetpräsenz in öffentlichen Verkehrsmitteln plakatiert. Originellerweise firmiert die AC bei uns unter dem Namen „Fettsucht“. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Damit ist offiziell, dass eine Sucht durch Operation „therapiert“ wird. Für mich ist das so, als ob man einem Junkie die Hände abhackt, denn dann kann er sich sicher nie wieder einen Schuss setzen.

Niemand hier hat etwas dagegen, abzunehmen. Aber es ist a. vielen nicht möglich und b. nicht leicht möglich. Daher ist es ein guter gemeinsamer Nenner, prinzipiell einmal festzustellen, dass dicke Menschen nicht minderwertig sind und daher auch kein minderwertiges Leben führen müssen. Einschränkungen gibt es, ja, aber die gibt es für viele andere Bevölkerungsgruppen auch.

Ich habe lange gebraucht, mich selbst zu akzeptieren. Ich habe mich aber auch früher als Normalgewichtige nicht akzeptiert. Das tue ich erst, seit ich über die Auseinandersetzung mit meinem Dicksein entdecke, wer ich überhaupt bin. Und seit ich mich dadurch in kleinen Schritten entwickle. Mein neues Leben hat längst ohne AC begonnen.

Martina
06.01.2008, 13:24
Ich danke Dir, liebe Lovely Rita, für diese brillante Analyse einer Expertin für Worte und ihre Wirkung! Und einmal mehr: Möchtest Du Dein letztes Posting nicht für die Website aufbereiten?

biggi
06.01.2008, 13:27
Ich bin auch sehr, sehr betroffen


Seit einiger Zeit bin ich am überlegen, ob ich so einen Eingriff vornehmen lasse, aber ich habe mich eben dagegen entschlossen. Zu gross sind meine Ängste. Letzten August lag ich wegen einer perforierten Galle im künstlichem Koma und wurde über einen Tubus beatmet. Alle Organe waren am versagen. Es wurde überlegt, ob man mich an die Dialyse anschliessen sollte, da ich auch eine Blutvergiftung hatte. Meinem Lebensgefährten wurde keine Hoffnung gemacht, dass ich die Nacht überlebe.


Jetzt werde ich mich sicherlich nicht freiwillig unters Messer legen, nur damit ich für andere ins "Schema" passe. Es ist schon sehr traurig, dass man blöd angestarrt wird, sich dämliche Sprüche anhören muss, nur weil man übergewichtig ist. Ich nehme für mich und nicht für andere ab. Ende diesen Monats nehme ich an einer 1 jährigen Therapie teil. Das erste Gespräch habe ich am 29.1. und hoffe, dass ich dort bleiben darf, da ich einen BMI über 30 habe.

Martina
06.01.2008, 14:20
wenn in den nächsten Tagen der erste, dem die OP kurz bevorsteht, einen Angst-Thread eröffnet, wird jemand schreiben, dass es zwar sehr tragisch ist, dass sie gestorben ist, dass man aber nicht aus dem Auge verlieren darf, welch grauenhaftes Leben ihr bevorgestanden hätteDer Thread ist eröffnet.

Bisher kommt aber "nur" die abgeschwächte Antwort-Variante, die ich gerade in den letzten Tagen auch anderswo gelesen habe: Man soll sich vor Augen führen, wie viele Menschen an Adipositas sterben, über die aber nicht berichtet wird, und diese Zahlen (die ja infolge der Nichtveröffentlichung keiner kennt :rolleyes: ) ins Verhältnis zu den AC-Sterbefällen setzen.

Wir haben vorgestern mal nach den Todesziffern durch Adipositas gegoogelt und so gut wie nichts gefunden. Herzinfarkte und Schlaganfälle werden mit Adipositas in Verbindung gebracht. Inwieweit da aber die vielen schlanken Herzinfarkttoten herausgerechnet sind, ist keiner der Quellen zu entnehmen.

Ich will das nicht schönreden. Natürlich ist Adipositas ein Risikofaktor, aber es ist keineswegs so, dass die heraufbeschworenen drastischen Folgen jeden treffen. Und wie schon viele Male geschrieben: Auch wenn man nicht oder nicht gut abnehmen kann, kann man trotzdem eine Menge für seine Gesundheit tun.

Martina

Roseanne
06.01.2008, 14:28
Simi, die 38-jährige Frau, die vorgestern verstorben ist, stand übrigens trotz ihrer 170 kg voll im Leben. Sie hatte gerade einen Job begonnen, war, wie es den Eindruck machte, glücklich verheiratet und wusste offensichtlich sehr genau, was sie wollte. Außer Fersenspornen hatte sie keine "Folgeerkrankungen", wobei Fersensporne auch schlanke Menschen bekommen. Aber das ist natürlich in den Augen der Anhänger dieser Methoden kein Argument. In den Beileids-Threads trauen sie es sich meist nicht, aber spätestens, wenn in den nächsten Tagen der erste, dem die OP kurz bevorsteht, einen Angst-Thread eröffnet, wird jemand schreiben, dass es zwar sehr tragisch ist, dass sie gestorben ist, dass man aber nicht aus dem Auge verlieren darf, welch grauenhaftes Leben ihr bevorgestanden hätte, wenn sie sich nicht hätte operieren lassen.

Simi wäre, genau wie ich, im März erst 37 Jahre alt geworden...

Was den Rest angeht gebe ich Dir vollkommen recht. Momentan sind natürlich alle sehr betroffen, allerdings wird dann halt bald der/die nächste posten dass er/sie einen Bypass beantragt hat und man wird kräftig die Daumen drücken und kritische Stimmen werden mit dem Argument derhenige/diejenige habe sich sicher nicht leichtfertig für diesen Weg entschieden blablabla..., mundtot gemacht.:rolleyes:

Und doch wird dieser Tod vielleicht manche von diesem Weg abbringen. Dann war dieser sinnlose Akt letztendlich wenigstens nicht ganz umsonst.

mica
06.01.2008, 15:00
Die Nachricht hat mich auch sehr traurig gemacht obwohl ich sie schon seit einigen Wochen erwartet habe - der Verlauf bei Simi war einfach zu schlecht.

Ich kannte Simi auch nur aus den Foren, bin aber über eine Signatur von ihr gestolpert bei den "Pfundsweibern" die da lautete: Simi wartet auf ein neues, anderes Leben :-)

Das Leben das wir haben, findet heute hier und jetzt statt, nicht gestern und auch nicht morgen. Es findet statt ob wir dick, schlank, gesund, krank, hungrig, satt sind. Und es läuft uns weg, wenn wir es nicht leben in der Hoffnung auf eine Änderung mit Gewichtsabnahme. Probleme bleiben, die kann man nicht abnehmen. Erwartungen an das Leben mit geändertem Gewicht können nur schief gehen. Oder will jemand sich ernsthaft mit den Leuten abgeben, die uns heute nicht akzeptieren weil wir dick sind? Na danke.

Ihr alle hier habt mir vor meiner OP sehr geholfen. An das zuckersüße Rosa der AC-Foren habe ich eh nicht geglaubt. Und Ärzten aufgrund meiner medizinischen Vorgeschichte auch nur sehr eingeschränkt. Aufgrund Eurer Postings an Ruberta und auch an mich habe ich meine Motivation noch mal sehr genau überprüft, ob sie nicht doch "nur" der Wunsch nach einpassen in die Norm ist. Ob der Wunsch nach Schlankheit im Vordergrund steht. Der Wunsch nach einem anderen Leben ist es sicherlich gewesen. Allerdings standen da Schmerzmedikamente und eine nicht mehr mögliche Teilnahme am Leben im Vordergrund. Spondylarthrose haben auch schlanke Menschen.

Zeit meines Erwachsenenlebens bin ich dick. Damit bin ich geliebt worden und ich werde geliebt. Damit bin ich erfolgreich gewesen und bin es noch. Auf der Höhe meiner Kilos bin ich im Rolli als Aussendienstlerin erfolgreich gewesen.

Loveley Rita schrieb:

Eine Gruppe, die isoliert und zur Außenseitergruppe gemacht wird.
Ächtung, als Mensch minderwertig zu sein.
Warum glauben Menschen, mit weniger Kilos wären sie weniger Aussenseiter? Wenn das Selbstwertgefühl nicht stimmt ist es der nicht so modische Blazer, die nicht nicht so geschminkten Lippen die nicht in das Bild passen.



Medizinische Bedrohungsszenarien, die so banal formuliert werden können, dass selbst der Dümmste sie wiedergeben kann.
MedizinerInnen, die nicht über ihren eingeschränkten Horizont des Durchführbaren hinausblicken.
Die meisten Chirurgen sind (nur) sehr einseitig ausgebildete Spezialisten. Die blicken selten über Durchführbares heraus. Dummerweise werden sie von den meisten als Herrgötter in Weiß behandelt. Ganzheitliches Bild einer Person? Warum wenn es doch nur die Galle oder der Magen ist. Ich hatte sehr viel Glück mit meiner Chirurgin, sie hat mich wirklich gut aufgeklärt und mir alle Risiken geschildert. In epischer Breite.


Die Würze einer Freak-Show, die immer wieder gerne medial genutzt wird in Talk-Shows, Reality-Shows, Pop-Kultur.
Sind nicht die Freaks diejenigen die Menschen aufgrund von Äußerlichkeiten zum leichten Opfer machen?

Wieso sind Menschen so leichtgläubig, dass sie hoffen, wünschen mit weniger Kilos gäbe es mehr Glück? Ist es Naivität? Ist es Verzweiflung? Liegt es daran, dass der Glauben in der Welt immer weniger wird? Dass wir immer weniger bereit sind Verantwortung auch für den Nächsten zu übernehmen?

Mich macht es so wütend!!

Martina
06.01.2008, 15:08
Danke, mica. Auch an Dich die Frage: Hast Du nicht Lust, aus der Sicht einer Operierten einmal etwas für die Website dazu zu schreiben?

Mir ist natürlich klar, dass unsere Meinungsäußerungen eben nur Meinungsäußerungen sind, da wir uns nur theoretisch ein Urteil erlauben können. Deshalb fände ich es schön, wenn auch mal eine Operierte, die nicht in dem Verdacht steht, sich ein Urteil nicht erlauben zu können, etwas zu diesen Überlegungen für die Website schreibt.

Martina

Martina
06.01.2008, 20:44
Der Thread ist eröffnet.So, nun ist es raus: Es gab keine Alternative zu der OP. Allerdings wird auch klar, dass es nur zwei Möglichkeiten gab: Schlank zu werden oder immer dicker. Dazwischen gibt es offenbar keine Alternativen. Wenn man so denkt, dann ist das wahrscheinlich auch tatsächlich so.

Es wurde auch geschrieben, dass man merkt, wann der Moment für die OP gekommen ist und dass man dann darauf vorbereitet ist, dass man das Schicksal, das der OP folgt, hinnehmen muss.

Ich kommentiere das jetzt nicht. Ich möchte nicht ausfallend werden.

Martina

Roseanne
06.01.2008, 21:51
So, nun ist es raus: Es gab keine Alternative zu der OP. Allerdings wird auch klar, dass es nur zwei Möglichkeiten gab: Schlank zu werden oder immer dicker. Dazwischen gibt es offenbar keine Alternativen. Wenn man so denkt, dann ist das wahrscheinlich auch tatsächlich so.

Lächerlich. Das ist genau der Blödsinn der einem von Ärzten vorgerechnet wird, die aber nicht bedenken, dass man sich vor allem über die Jahre durch (zensiert)Diäten immer dicker gehungert hat.:rolleyes:

Die wenigsten Dicken wären so problematisch dick geworden wie sie u.U. irgendwann sind, wenn man sie hätte sein lassen wie sie waren, als sie noch 10 oder 20 Kilo zuviel auf den Rippen hatten.

Man kann m.M. nach jederzeit aus dem Abnehm-Zunehm Karussel aussteigen. Und dazu braucht es weder den Segen eines Wahrsagers im Arztkittel ("Mit spätestens 40 sind Sie tot!") noch die einer Selbsthilfegruppe. Man muss nur lernen sich selbst Gutes zu tun.

Martina
06.01.2008, 22:18
Du rennst meine offenen Türen ein. :bigjaja:

Angelique
06.01.2008, 22:35
ich habe mir noch nie Gedanken über AC gemacht, hat mich nie interessiert.
Ich bin entsetzt über das was ich hier lese. Eine Bekannte von mir wollte diese OP vor Jahren auch einmal und hatte auch die Genehmigung der KK. Aus jetziger Sicht meinerseits, hat sie es zum Glück doch nicht machen lassen.
Sie aber bereut, dass sie sich damals dann doch nicht getraut hat. Einfach aus Angst vor der Narkose.
Ihr wurden jetzt aus gesundheitlichen Gründen 10kg Bauch(Fettschürze) wegoperiert. Die Zusage der Kostenübernahme für die Magen OP wurde ihr im vergangenen Jahr nicht mehr gegeben. Zum Glück!
Angelique

Itsme
07.01.2008, 07:17
Es will mir gar nicht in den Kopf, dass der Einfluss von außen so stark werden kann, dass man sich sogar in Lebensgefahr begibt, um den Ansprüchen anderer Menschen - und infolge dessen, auch den Ansprüchen an sich selbst, zu genügen.

Ich habe bestimmt oft mit mir gehadert. Ich habe alle möglichen Diäten gemacht. Ich habe mich wirklich gequält. Ja, wie Martina es beschreibt, ich habe mich dick gehungert. Aber dieses Risiko wäre ich doch nie eingegangen. Vielleicht hatte ich aber auch einfach Glück, dass ich nicht solch einen massiven Druck von außen aushalten musste. Dass mein Umfeld mich nicht zur Seite geschoben hat. Oder dass ich durch mein Umfeld trotz allem noch recht stark blieb.

Ich finde das alles furchtbar traurig. Wie sehr muss in den Köpfen "Glück=Schlank-sein" manifestiert sein, wenn man keinen anderen Weg mehr für sich sieht.

Am liebsten würde ich es ganz laut heraus schreien:

Glück findet man in sich und überall, wenn man es wieder sehen lernt! Und dieses echte Glück hat überhaupt nichts mit den Pfunden zu tun, die ein Mensch mit sich trägt.

Nicht eine OP macht glücklich, sondern die positive Einstellung, die man zu sich und seinem Leben hat.

sombra_blanca
07.01.2008, 12:05
Es will mir gar nicht in den Kopf, dass der Einfluss von außen so stark werden kann, dass man sich sogar in Lebensgefahr begibt, um den Ansprüchen anderer Menschen - und infolge dessen, auch den Ansprüchen an sich selbst, zu genügen.
Nun, wenn die "Äußeren" vehement auftreten, hat man das Gefühl, dass sie recht haben.
Mein Arzt zum Beispiel, hat mir im Alter von 15 Jahren gesagt, dass ich höchstens 30 Jahre alt werden würde, dass ich niemals ein Kind bekommen, dafür aber Diabetes und Skelettprobleme und Plattfüße und wasweißich bekommen würde. Er sagte, dass ich offensichtlich nicht die vielzitierte Disziplin hätte und meine letzte Rettung die AC wäre. Er habe mit dem ehemaligen Vorsitzenden Adipositasgesellschaft gesprochen und ich müsse mich nur noch vorstellen, dann würde das problemlos in die Wege geleitet werden.

Ich hatte einen kurzen Moment lang eine Todes-Angst, hab mich dann auch zu dem Thema informiert, allerdings haben mich nicht einmal die Risikofaktoren, sondern dass man sich total einschränken musste, davon abgehalten.

So dämlich es sein mag, ich habe diesem Arzt vertraut und bin nicht einmal im Ansatz auf die Idee gekommen, dass er unrecht haben könnte, sondern ging jahrelang davon aus, dass ich nicht viel älter als 30 Jahre werden würde. Irgendwie spukt hier auch noch ein Thread von mir herum, der das thematisiert.

Wenn also jemand auf diese Art und Weise unter Druck gesetzt wird - ohne den sowieso existente gesellschaftlichen Druck -, wundert es mich nicht, dass man sich für einen solchen Schritt entscheidet. Wirklich nicht.

Itsme
07.01.2008, 13:25
Sind solche Ärzte noch Menschen???
Denken sie noch nach?
Haben sie noch Achtung vor dem Menschen, der da vor ihnen sitzt?
Haben sie noch Achtung vor dem Leben?

Wenn ich Dein State lese, muss ich das bezweifeln.
Ich muss entweder glauben, dass sie es wirklich nicht besser wissen, -
dass ihnen ein Menschenleben nicht viel wert ist,
oder dass sie nur an ihren Verdienst denken.

Welche der drei Möglichkeiten ich schlimmer finde, weiß ich nicht.

Sonnenkuss
07.01.2008, 16:52
Sind solche Ärzte noch Menschen???
Denken sie noch nach?
Haben sie noch Achtung vor dem Menschen, der da vor ihnen sitzt?
Haben sie noch Achtung vor dem Leben?

Wenn ich Dein State lese, muss ich das bezweifeln.
Ich muss entweder glauben, dass sie es wirklich nicht besser wissen, -
dass ihnen ein Menschenleben nicht viel wert ist,
oder dass sie nur an ihren Verdienst denken.

Welche der drei Möglichkeiten ich schlimmer finde, weiß ich nicht.
Na, na jetzt wird´s schon etwas sehr herb.

Natürlich sind das Menschen und ich denke schon, dass sie sich auch Gedanken machen. Sie sind halt nur keine Halbgötter und können sich auch irren, besonders gerne wenn der Geldbeutel lacht.
Auch solche Ärzte.
Sehr viele Menschen glauben einfach, dass ein Dicker nicht genauso glücklich und zufrieden sein kann wie ein Undicker.

Rita
07.01.2008, 17:04
die ärzte haben es nicht anders gelernt.

geht in eine x-beliebige buchhandlung, schlagt ein x-beliebiges lehrbuch der medizin auf und ihr werdet bei jeder 3. krankheit als risikofaktor übergewicht finden. das lernt jeder student, ohne viel zu hinterfragen, warum sollte er auch, wenn er nicht betroffen ist, das "weiß" jeder arzt.

ärzte leben in derselben medienlandschaft, sind derselben gehirnwäsche unterworfen. schlank ist fit und gesund.

und ihren patienten zu gesundheit zu verhelfen ist doch ihr job, um jeden preis, oder?:ironie:

Itsme
07.01.2008, 18:51
@ Soku

Ich finde meine Worte nicht herb.
Wenn ein Arzt einem 15-jährigen Mädchen sagt, dass es nicht älter als 30 Jahre alt wird und ihm als einzigen Ausweg eine OP nahe legt, ist das für mich unmenschlich. Ein junges Mädchen mit solchen Worten gehen zu lassen, sie dermaßen zu belasten, ist unverantwortlich.

Soku:
Sie sind halt nur keine Halbgötter und können sich auch irren, besonders gerne wenn der Geldbeutel lacht.

Sich "irren" weil der Geldbeutel lacht... das ist menschenverachtend.

Rita:
ärzte leben in derselben medienlandschaft, sind derselben gehirnwäsche unterworfen. schlank ist fit und gesund.

Aber sie müssten doch, zumindest, wenn sie nicht erst seit gestern praktizieren, irgendwann gemerkt haben, dass es kranke Menschen unter allen Gewichtsklassen gibt. Ebenso wie es fitte und gesunde Menschen unter allen Gewichtsklassen gibt. So blind können sie doch nicht sein.


Im Übrigen drücke ich mich wirklich zurückhaltend aus, wenn ich meine Gefühle bei diesem Thema berücksichtige.

Kimmie
07.01.2008, 19:02
Er sagte, dass ich offensichtlich nicht die vielzitierte Disziplin hätte und meine letzte Rettung die AC wäre. Er habe mit dem ehemaligen Vorsitzenden Adipositasgesellschaft gesprochen und ich müsse mich nur noch vorstellen, dann würde das problemlos in die Wege geleitet werden.


Dass ein Arzt ein fünfzehnjähriges Mädchen derart vehement in Richtung AC schubst, finde ich zumindest inkompetent und verantwortungslos. Auch dann, wenn er nicht (nur) aus finanziellen Gründen handelt.

mica
07.01.2008, 19:34
Als ich 15 war, hatte mein Vater in Hamburg einen Arzt zu dem ich auch geschickt wurde. Ich hatte so 75 Kilo. Der Gute stellte sofort fest, dass ich dringend abnehmen müsste und Sport treiben. Mal abgesehen davon, dass er die Unart hatte mich mit "Meisterin" anzureden.

Der Doc selber war schlank, sehr sportlich und joggte gerne um die Alster. Und mit 42 ist er bei dieser netten Beschäftigung tot umgefallen.

Ich hab daraus mitgenommen, dass man nicht jeden Blödsinn glauben sollte. Und schlank und sportlich nicht für's alt werden stehen muss.

Guenter Osterma
08.01.2008, 09:48
Der Doc selber war schlank, sehr sportlich und joggte gerne um die Alster. Und mit 42 ist er bei dieser netten Beschäftigung tot umgefallen.

(Advocatus-Diaboli-Modus an) Wer sagt denn, dass der 42 geworden wäre, wenn er 60 kg Übergewicht gehabt hätte? Vielleicht hätte ihn da der Herzinfarkt oder der Gehirnschlag mit 37 erwischt? (Advocatus-Diaboli-Modus aus)

Lunix
08.01.2008, 15:48
Der Doc selber war schlank, sehr sportlich und joggte gerne um die Alster. Und mit 42 ist er bei dieser netten Beschäftigung tot umgefallen.

Aber er ist eben nicht an den Folgen von Übergewicht gestorben, wie es bei einem dicken Jogger ganz bestimmt der Fall gewesen wäre. Und das ist doch die Hauptsache. :rolleyes:

Beauchamp
08.01.2008, 16:34
Ihr überseht, dass es die Angst zu Sterben ist, die manche der (extrem) Übergewichtigen dazu treibt sich operieren zu lassen.
Wir sind nicht alle hirnlose Dicke, die meinen nur schlank glücklich zu sein.

Aber wenns euch glücklich macht redet euch das nur weiter ein.

Lovely Rita
08.01.2008, 17:11
Ihr überseht, dass es die Angst zu Sterben ist, die manche der (extrem) Übergewichtigen dazu treibt sich operieren zu lassen.
Wir sind nicht alle hirnlose Dicke, die meinen nur schlank glücklich zu sein.

Aber wenns euch glücklich macht redet euch das nur weiter ein.

dein kommentar erübrigt eigentlich jedes forschen nach deinem gehirn. übrigens auch nach taktgefühl und benehmen.

Sonnenkuss
08.01.2008, 17:16
Ihr überseht, dass es die Angst zu Sterben ist, die manche der (extrem) Übergewichtigen dazu treibt sich operieren zu lassen.
Wir sind nicht alle hirnlose Dicke, die meinen nur schlank glücklich zu sein.

Aber wenns euch glücklich macht redet euch das nur weiter ein.
Ja, den Teufel mit dem Belzebub austreiben hat was.

Und Angst vorm Sterben, da gibts sicher andere gesündere Wege als die AC. Aber da muss man natürlich schon fähig sein, sich zu reflektieren und die anscheinend "einfache", eingeredete, angeratene Methode kritisch zu hinterfragen und zu überlegen, ob es das wert ist.

Martina
08.01.2008, 18:00
Na, na, na, Mädels, nicht so böse ...!

Ich habe übrigens auch Angst vorm Sterben ... oder sagen wir es mal so: Ich habe Angst vor dem Ungewissen, aber ich glaube, dass der Tod nichts Schlimmes ist. Ich habe meinen Vater sterben sehen. Das hat mir die Angst vor dem Tod genommen.

Aber die Angst, etwas zu verpassen ... das ist schon ein Problem. In unserem Bibelstudienkurs ist an Weihnachten eine alte Dame gestorben, die in der Gemeinde eine große Lücke hinterlassen hat, weil sie sehr lieb war und weil sie sich sehr engagiert hat. Es war ein sehr, sehr komisches Gefühl, gestern ihren leeren Platz zu sehen und zu wissen, dass sie nie wieder dort sitzen wird. Und mir gingen dann auch solche Dinge durch den Kopf, dass sie ja nun auch gar nicht mehr mitkriegt, wie das da im Studium mit uns weitergeht. Andererseits glaube ich fest daran, dass unsere Toten uns begleiten und daher wahrscheinlich schon doch wissen, wie die Dinge weitergehen.

Man ist nie und nirgends sicher vor dem Tod. Eine fast identische Geschichte, wie mica sie erzählt hat, kann auch ich beitragen. Bei mir war es ein Gyn, der mir mit Anfang 20 sagte, dass ich mit meinen damals 100 kg sowieso nicht schwanger werden könnte und daher auch nicht zu verhüten bräuchte. Und der sagte auch zu mir, ich solle doch mal ehrlich sein, ich wolle doch einen schlanken Mann, und den bekäme ich nur, wenn ich selber schlank wäre. Ich war ziemlich verblüfft, denn schon damals hatte ich ganz andere Maßstäbe an den Mann meiner Träume. Nun ja, er war, glaube ich, Mitte 40, als er tot umfiel.

Ich habe auch schon dicke Menschen jung sterben sehen. Einer ist bekanntlich in Düsseldorf während einer unserer Kleiderbörsen mit 39 tot umgefallen.

Würde ich heute sterben, wäre es okay. Wie gesagt, es würde mich fuchsen, vielleicht nicht zu erfahren, wie alles so weitergeht auf dieser Welt, aber ich habe in meinem Leben sehr, sehr viel geschenkt bekommen. Ich bin sehr zufrieden.

Ich wäre meinem Herrgott dankbar, wenn er mir noch viele schöne Jahre mit meinem Uwe schenken würde, weil unser Zusammenleben einfach schön, spannend, tiefgründig, aber auch ganz häufig enorm witzig ist. Aber ich kenne die Pläne meines Herrgotts nicht und werde mich wohl fügen müssen. Heraufbeschwören möchte ich es indes nicht. Ich habe meiner Mutter von Simis Tod erzählt und sie meinte zu mir, es sei nicht gut, dem lieben Gott ins Handwerk zu pfuschen.

Martina

Lovely Rita
08.01.2008, 18:59
ja, ich bin echt böse, wenn ich solche unverschämten sachen lese. dazu kommt dass ich in simis beileids-thread den satz gelesen habe sie hätte "den kampf gegen das übergewicht nun doch verloren".
wie verblendet oder doof muss man sein, um so zu formulieren? sogar noch ihren tod als niederlage gegen das böse-böse übergewicht zu interpretieren. dabei ist klar, dass sie aus dem leben rausoperiert worden ist.

ich habe nicht mehr und nicht weniger angst vor dem tod als jeder andere mensch, mein übergewicht spielt dabei keine rolle.

sombra_blanca
08.01.2008, 19:01
Ihr überseht, dass es die Angst zu Sterben ist, die manche der (extrem) Übergewichtigen dazu treibt sich operieren zu lassen.

Du irrst. Wenn du noch einmal genau liest, wirst du feststellen, dass ähnliches sehr wohl schon geschrieben wurde. Das kannst du z.B. in Post #29 und #33 nachlesen.

Francis
08.01.2008, 19:33
Ihr überseht, dass es die Angst zu Sterben ist, die manche der (extrem) Übergewichtigen dazu treibt sich operieren zu lassen.
Wir sind nicht alle hirnlose Dicke, die meinen nur schlank glücklich zu sein.

Aber wenns euch glücklich macht redet euch das nur weiter ein.

Du machst es Dir sehr einfach. Zudem ist Dein letzter Satz einer ernsthaften Diskussion nicht gerade zuträglich.

Es mag tatsächlich sein, daß eine OP für Einzelfälle die geradezu einzige gegebene Alternative ist. Dies ist in diesem Forum übrigens nie bestritten worden und wie bereits mehrfach erwähnt, sind in diesem Forum auch einige dieser Personen als aktive Mitglieder vertreten.

Dein Post klingt jedoch danach, daß die Angst zu sterben Leute wie selbstverständlich dazu bringt, mit der Operation ein derart hohes Risiko einzugehen, das ja nun nachweislich in einigen Fällen mit dem Leben bezahlt worden ist.
Sorry, aber für ein so ernstes Thema fehlt mir da die reflektierte Auseinandersetzung von Euch (wenn Du schon für mehrere sprichst).
Wie bezeichnest Du dann Fälle mit "Komplikationen" bis hin zu Todesfällen? Als Misgeschick oder die berühmten 10% Schwund?!?

Hier geht es nicht darum, Euch oder irgendjemandem etwas zu neiden oder zu verunglimpfen. Von mir aus könnt Ihr alle auf Modeschauen oder bei den olympischen Spielen auftreten. Hier geht es darum, durch Aufklärung und Aufzeigen der Risiken tragische Fälle wie den von Simi zu verhindern und mehr nicht.

Itsme
08.01.2008, 19:41
Ihr überseht, dass es die Angst zu Sterben ist, die manche der (extrem) Übergewichtigen dazu treibt sich operieren zu lassen.
Wir sind nicht alle hirnlose Dicke, die meinen nur schlank glücklich zu sein.

Aber wenns euch glücklich macht redet euch das nur weiter ein.

Hallo Beauchamp,

ja, ich glaube tatsächlich, dass viele so sehr bearbeitet wurden, dass sie Angst haben zu sterben, wenn sie nicht schlank werden.
Was für eine Alternative ist so eine OP jedoch? Wieso haben sie keine Angst vor den offensichtlich oft vorkommenden schlimmen Folgen, bis hin zum Tod?
Wenn man denn daran glaubt, dass man ohne eine OP sterben wird, dann frage ich mich:
Ist denn der Tod durch eine OP ein weniger schlimmer Tod?

Zu Deinem letzten Satz:
Ich finde das Wort "glücklich" innerhalb eines solchen Themas wirklich übelst daneben gegriffen. Ich glaube, egal, was auch immer hier geschrieben wurde, niemand ist glücklich, wenn über den unnötigen Tod einer jungen Frau gesprochen wird.

Sumpitt
09.01.2008, 08:41
Wenn in dem AC-Forum schon eine "Gedenkecke" eingeführt werden soll für all die Verstorbenen, dann sollte ein normaler Mensch spätestens dann anfangen sein Denkvermögen zu aktivieren.

Martina
09.01.2008, 08:52
In dem anderen gibt es die schon seit langem ... für mich auch so eine Abschreckung! In Selbsthilfeforen für Krankheiten, die wirklich unausweichlich in absehbarer Zeit mit dem Tod enden, ist das sicher eine schöne Sache, aber hier soll es doch genau um das Gegenteil gehen.

Man las in diesen Tagen auch mehrfach Äußerungen, die in etwa diesem Tenor entsprachen: Wenn ich mich für eine OP entscheide, dann weiß ich, dass sie den Tod bedeuten kann. Mir geht es aber so schlecht mit meinem Übergewicht, dass ich das in Kauf nehme.

Dabei kann ich die Menschen, die so etwas schreiben, in gewisser Weise verstehen. Allerdings zweifele ich immer mehr an dem ganzen System, das solche Aussagen hervorbringt. Es kann doch nicht sein, dass eine Gesellschaft Menschen sich so schlecht fühlen lässt, dass sie u.U. den Tod dem Leben vorziehen. Mich macht das einfach nur wütend.

Es tut mir auch wahnsinnig leid, dass nicht jeder so stark ist, dieser völlig verqueren Gesellschaft so wie ich den Stinkefinger zeigen zu können.

Martina

Itsme
09.01.2008, 09:16
Ich weiß, ich träume nur, aber ich stelle mir vor, dass ein großer Teil des Geldes, dass solche OPs kosten, in die Erforschung nach den Ursachen von Übergewicht gesteckt würden, um machbare Wege aus ihm zu finden.
Aber das ist nur ein Traum, denn dafür müsste erst einmal erkannt werden, dass man der Ursache auf den Grund gehen sollte und nicht an den Sympthomen herumdoktern.



Eine Gedenkecke in einem solchen Forum müsste doch nun wirklich der allerdeutlichste Hinweis darauf sein, das hier etwas ganz und gar nicht stimmt.
Es muss eine Art von "Gehirnwäsche" sein, wie hier irgendwo erwähnt, dass Betroffene blind dafür ist, zu erkennen, das hier ein falscher Weg eingeschlagen wird. Anders kann ich mir das einfach nicht erklären.

Beauchamp
09.01.2008, 09:45
Furchtbar.
Ich bete für alle Menschen, die mit sich unzufrieden sind, egal ob physisch oder psychisch, dass sie Kraft und Mut finden und sich nicht verstümmeln lassen, nur um passend zu werden.

Ihr schert nicht schon mal alle über einen Kamm nicht wahr :confused:

DAS meinte ich als ich sagte, dass wir Angst vor dem Sterben haben und nicht meinen, dass wir passend oder automatisch glücklich werden sein wollen.

Wie auch hier von Biggi:
Jetzt werde ich mich sicherlich nicht freiwillig unters Messer legen, nur damit ich für andere ins "Schema" passe

@Lovely Rita
über Taktgefühl, Gehirn oder Behnehmen brauche ich mit dir nach deinem Kommentar wohl nicht mehr sprechen :cool3:

@Sonnenkuss
wir hinterfragen und denken nach. Wir nehmen das Risiko in Kauf. Ich habe es in Kauf genommen. Meine Entscheidung!

von Roseanne:
Die wenigsten Dicken wären so problematisch dick geworden wie sie u.U. irgendwann sind, wenn man sie hätte sein lassen wie sie waren, als sie noch 10 oder 20 Kilo zuviel auf den Rippen hatten.

Man kann m.M. nach jederzeit aus dem Abnehm-Zunehm Karussel aussteigen. Und dazu braucht es weder den Segen eines Wahrsagers im Arztkittel ("Mit spätestens 40 sind Sie tot!") noch die einer Selbsthilfegruppe. Man muss nur lernen sich selbst Gutes zu tun.

Den ersten Teil kann ich blind unterschreiben.
Den zweiten Teil bezweifel ich leider. Ich habe es nicht geschafft, trotz zig anderer Maßnahmen als Diäten und OPs. Ich war auch in zig SHGen und Therapien. Scheint mir, dass es noch kein wirksames Mittel gibt.

Beauchamp
09.01.2008, 09:52
Man las in diesen Tagen auch mehrfach Äußerungen, die in etwa diesem Tenor entsprachen: Wenn ich mich für eine OP entscheide, dann weiß ich, dass sie den Tod bedeuten kann. Mir geht es aber so schlecht mit meinem Übergewicht, dass ich das in Kauf nehme.

Ja, so ist es. So wie ihr euch dafür entscheidet entweder so zu bleiben wie ihr seid oder andere Maßnahmen zu ergreifen.

Dabei kann ich die Menschen, die so etwas schreiben, in gewisser Weise verstehen. Allerdings zweifele ich immer mehr an dem ganzen System, das solche Aussagen hervorbringt. Es kann doch nicht sein, dass eine Gesellschaft Menschen sich so schlecht fühlen lässt, dass sie u.U. den Tod dem Leben vorziehen. Mich macht das einfach nur wütend.

Die "Gesellschaft" hat sicherlich auch ihren Anteil an dem psychischen Zustand vieler Dicker. Bei mir und vielen anderen ist es aber der ganz persönliche Leidensdruck, wie Schmerzen und Krankheiten (wie z.B. Diabetes, Arthrose etc) die uns zu der OP bringen.

Es tut mir auch wahnsinnig leid, dass nicht jeder so stark ist, dieser völlig verqueren Gesellschaft so wie ich den Stinkefinger zeigen zu können.

Martina

Daher plädiere ich immer noch, und auch hier im Forum, dass man sich solidarisieren sollte und nicht gegenseitig fertig machen. Wir wollen doch wohl alle nur zufrieden unser Leben leben, oder nicht?

Sonnenkuss
09.01.2008, 09:58
Jeder hat seine Intention, das ist mir schon klar. Jeder hat auch eine andere Leidensfähigkeit, egal ob die Äussere oder die eigenen Innere.
Ich würde mir auch eine Hakennase nicht operieren lassen, oder abstehende Ohren oder eine Busenstraffung in Betracht ziehen...
Weil ich mich anders definiere, äusserlich und innerlich.

Meine Oberfläche spiegelt trotz massiven Gewichts etwas, wovon mancher Andere nur träumen kann. Und das schafft keine OP.
Und darum ist genau für mich die AC absolut kein Mittel und ich bin sehr intolerant gegenüber den Heilsbringern, die auf die AC Bein und Stein schwören.
Weil der Charakter, der seelische, der geistige Mensch nicht operiert werden kann *gottseidank*. Die Menschen sind nach der OP die gleichen geblieben, mit all ihren Problemen und Nöten und Ängsten. Meinst du die hätten auf einmal keine Angst mehr vor dem Tod, wenn das vorher schon ihr Thema war. Nein. Da macht ihr euch in diesen Selbsthilfegruppen ganz schön was vor.
Die Wenigen, die es vielleicht wirklich schaffen sich zu reflektieren, die werden da genauso angemacht, wie eine Nichtzuüberzeugende wie ich.
Eigentlich sollten wir Schwestern im Geist sein.

Lovely Rita
09.01.2008, 10:44
Daher plädiere ich immer noch, und auch hier im Forum, dass man sich solidarisieren sollte und nicht gegenseitig fertig machen. Wir wollen doch wohl alle nur zufrieden unser Leben leben, oder nicht?


warum sollte ich mich mit leuten solidarisieren, die mein leben so schrecklich und nicht lebenswert empfinden, dass sie bereit sind, lieber zu sterben als SO zu leben?
und ja, wir wollen alle nur zufrieden unser leben leben. und nicht an den folgen einer ac-operation sterben.

aber habe ich von dir eigentlich jemals etwas positives zum glücklichen dicken leben gelesen? konstruktive, tröstende oder interessante inhalte? inspiration? oder ging es in deinen beiträgen nicht zu 90% um AC und zu 10% um das unglück, dick zu sein und nicht in den vorgegebenen rahmen zu passen?
und mit dir soll ich mich solidarisieren? wir haben nichts gemein. ich bin dick und ich finde das nicht super, großartig, toll, aber es ist so und ich will nicht mein leben verplempern, mir deshalb gewalt anzutun.

Lovely Rita
09.01.2008, 10:50
Allerdings zweifele ich immer mehr an dem ganzen System, das solche Aussagen hervorbringt. Es kann doch nicht sein, dass eine Gesellschaft Menschen sich so schlecht fühlen lässt, dass sie u.U. den Tod dem Leben vorziehen.

genau das ist der punkt. hier läuft ganz selbstverständlich die hexenjagd, an der alle vom hausmeister bis zum herrn professor beteiligt sind, und hier setzt das marketing an.

Darcy
09.01.2008, 10:52
DAS meinte ich als ich sagte, dass wir Angst vor dem Sterben haben

Ich verstehe ja, dass man Angst vor dem Sterben hat (die von diversen Ärzten dann auch noch massiv geschürt wird).
Was ich aber nicht nachvollziehen kann ist, dass man sich mit dieser Angst vor dem Sterben dem tödlichen Risiko einer so großen OP aussetzt.
Das passt für mich nicht zusammen.

Beauchamp
09.01.2008, 11:50
warum sollte ich mich mit leuten solidarisieren, die mein leben so schrecklich und nicht lebenswert empfinden, dass sie bereit sind, lieber zu sterben als SO zu leben?
und ja, wir wollen alle nur zufrieden unser leben leben. und nicht an den folgen einer ac-operation sterben.



Ich bleibe jetzt mal in der ich-form

1. Ich finde DEIN Leben nicht schrecklich und nicht lebenswert
2. Ich bin nicht bereit zu sterben, weil ich DEIN Leben schrecklich finde (was für ein Unsinn)
3. Ich bin ein anderer Mensch als du und habe wohl das Recht MEIN Leben zu beurteilen ob ich es schrecklich oder irgendwas finde.

Behaupte doch nicht so einen Quatsch. Ich beurteile hier niemandes Leben. Du schon.

Lovely Rita
09.01.2008, 14:16
Ich bleibe jetzt mal in der ich-form

1. Ich finde DEIN Leben nicht schrecklich und nicht lebenswert
2. Ich bin nicht bereit zu sterben, weil ich DEIN Leben schrecklich finde (was für ein Unsinn)
3. Ich bin ein anderer Mensch als du und habe wohl das Recht MEIN Leben zu beurteilen ob ich es schrecklich oder irgendwas finde.

Behaupte doch nicht so einen Quatsch. Ich beurteile hier niemandes Leben. Du schon.

falle in den spalt von silvretis auf 1.267.345 metros. willkommen auf meiner ignoreliste.

Martina
09.01.2008, 21:05
Ich mache jetzt hier mal zu.

Wir sind jetzt weit genug vom Ursprungsthema weg. Ich würde die Sache gerne mal wieder in die Sachlichkeit heben und hoffe, dass es allen gelingt, diese auch zu wahren.

Hier (http://www.das-dicke-forum.de/forum/showthread.php?t=4449) habe ich mal zusammengefasst, warum wir das Thema AC hier im Forum so diskutieren, wie wir es diskutieren möchten.