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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Magenbypass - und dann?


Sumpitt
24.07.2006, 10:59
Im Zuge diverser Diskussionen um das Für und Wider von Magenbypass-Operationen hier im Forum (und - zugegeben - auch durch die Berichte von
Ruberta), habe ich mir desöfteren die Frage gestellt:

Was passiert eigentlich, wenn der Operierte sein Wunschgewicht erreicht hat und er mit der Gewichtsreduzierung aufhören möchte?

Wird dann auf kalorienhaltigere Lebensmittel umgestellt? Verträgt der Körper diese Veränderung dann so ohne weiteres? Wie geht es weiter? :nixweiss:

Ich möchte mit meiner (vielleicht sogar naiven) Fragestellung gar nicht das Für und Wider der Operation zur Diskussion stellen, es geht mir vielmehr
darum um zu erfahren, wie die Nahrungsaufnahme bei Operierten jemals wieder in "normalen Bahnen" verlaufen kann.

Rita
24.07.2006, 11:29
gute frage.

nachdem ich jetzt gut 2 jahre in einschlägigen foren lese gibt es ein paar möglichkeiten.

* die abnahme stoppt bei noch übergewicht (die chirurgen, "versprechen" auch nur durchschnittlich eine abnahme auf 1/3 des übergewichts). ist auch logisch, weil, wie wir alle wissen, auch dicke nicht unbedingt zigtausende kalorien essen um ihr gewicht zu halten. und ein kaputter grundumsatz lässt sich nunmal chirurgisch nicht richten.

* es erfolgt eine abnahme auf ein pi mal daumen normalgewicht, der/die operierte möchte aber "mehr" und rutscht in bulemische oder anorektische zustände.

* die abnahme stoppt, die betroffenen sind mit dem erreichten zufrieden, alles ist gut (von den notwendigen haut-ops, dem permantenten frieren und dem immer noch fetten bild von sich selber abgesehen). solche berichte, die ich kenne, sind maximal 6jahre alt, was später folgt???)

* der/die betroffene nimmt immer weiter ab und verhungert buchstäblich (wird selten berichtet, passiert aber).

* es erfolgt eine gewaltige abnahme, aber irgendwann gehts wieder aufwärts (die chirurgen selbst sprechen von 10% "normaler" wieder zunahme). der drastisch verkeinerte magen erweitert sich mit der zeit wieder und fasst mehr als 1/2 brötchen, die schleimhaut des rest-dünndarms läuft zur höchstform auf, um jedes fünkchen energie uas der zugeführten nahrung zu quetschen, heißhunger, aufgrund der zwangsläufig erfolgenden mangelernährung... die psychologischen folgen sind absehbar..., in extremfall erfolgen re(re)operationen um den darm noch mehr zu verkürzen.

dazu muss man sagen, dass es beim sog. bypass auch noch etliche varianten gibt, die ich jetzt nicht auseinander dividiert habe.

Marlene
24.07.2006, 11:41
Hilfe....das hab ich alles nicht gewusst.:eek:

Also wenn ich damit nur 1/3 meines Übergewichts abnehmen könnte- bei mir wären das so um die 10-15 kilo und dann noch 10 % wieder zunehmen würde- sorry aber das kann ich auch so.:(
Und bei dieser Beschreibung von Rita bekommt der Begriff " neue Lebensqualität" echt ne andere Dimension.:(
Futzy ist übrigens heute wohl im Krankenhaus wenn ich das richtig erinnere. Mal Daumen drücken:daumen:

Rita
24.07.2006, 11:52
auf 1/3. also 2/3 abnahme. im durchschnitt.

das macht bei dem sehr hohen ausgangsgewicht von dem wir hier (hoffentlich) sprechen schon einiges aus. von zb über 100kg übergewicht auf nur 30 ist sicher ein unterschied. trotzdem. es bleibt beim "teufel mit dem belzebub" austreiben.

Maxima
24.07.2006, 12:59
[FONT=Verdana][COLOR=black]Was passiert eigentlich, wenn der Operierte sein Wunschgewicht erreicht hat und er mit der Gewichtsreduzierung aufhören möchte?

Das würde mich auch mal interessieren!

Ruberta
24.07.2006, 16:19
meines wissens nach verliert man (mit meinem "kleinen" bypass/RNY) max 75% des übergewichts.

wieviel es am ende wirklich ist hängt auch stark vom patienten ab.
durch sport udn ernährung hat man nach wie vor einen grossen einfluss auf das ergebnis und darauf ob und wo das gewicht schlussendlich gehalten wird.

das macht bei meinen damals über 200 kilo noch immer eine stolze summe, reicht in meinen augen jedoch völlig aus.

das bisher verlorene gewicht hat mein leben schon so dramatisch und positiv verändert.... ich wäre mit einem ergebnis von um/über 100 kilo völlig zufrieden!ausserdem bin ich realist und hatte nie zum ziel mein "normalgewicht" zu erreichen.;)

soweit ich informiert bin und wie ich es auch schon feststellen konnte, lässt die anfäglich rasante gewichtsabnahme irgendwann nach, weil der körper sich auf die veränderte situation eingestellt hat (etwas anderes habe ich persönlich, in meinem umfeld, noch nicht gehört)

am ende der abnahme nehmen manche operierte offensichtlich noch einmal etwas zu (warum das so ist, habe ich mich noch nicht informiert). bis zu 10%, wie schon beschrieben, können das offenbar sein.

mein damals über 2,5 liter grosser magen wurde operativ auf ungefähr 30 ml "verkleinert". dazu kam dass er nach der op noch sehr geschwollen und wenig flexibel ist. daher war die ersten wochen nach einen viertel brötchen schluss mit frühstück udn manche nahrungsmittel konnte ich, einige wochen, gar nicht zu mir nehmen (fleisch z.b.)

inzwischen kann ich ALLES essen und trinken. ausnahmslos.

an manchen tagen kann ich ein ganzes brötchen frühstücken und an anderen tage auch mal etwas weniger.
mein essverhalten hat sich in soweit verändert dass ich jetzt mehrere, kleine mahlzeiten zu mir nehme. damit komme ich wunderbar zurecht!

meine derzeitige ernährung sieht zur zeit wie folgt aus:
frühstück: bis zu einem brötchen mit butter, aufschnitt/käse und irgendein getränk.
zwischenmahlzeit: 1 banane, melone (verputze ich mit den kindern am tag z.z. eine grosse), joghurt oder sonstiges
mittag: kinderportion von dem was ich für alle koche
zwischenmahlzeit: obst, joghurt o.ä.
abendessen: 1 scheibe brot mit butter, belag und etwas gemischter salat dazu.
zur nacht: mein heissgeliebtes fruit2day ;)

gelegentlich nasche ich auch mal ein eis, oder was mir sonst so in den sinn kommt.

meine trinkmenge liegt am tag bei ca 3 litern. meist leitungswasser, gelegentlich aber auch säfte.

ich finde diese ernährung sehr "normal". ;)

was ich vorher gegessen habe und essen konnte war nicht "Normal".

ihr habt mal gefragt warum so viele menschen (inclusive mir) sagen sie haben kein hungergefühl.

im/am magen sitzen doch rezeptoren. diese reagieren auch über die füllmenge mit einem sättigungsgefühl.
wird das durch exessives essen jedoch immer wieder missachtet, dann dehnt sich der magen aus. ein normaler magen fasst ja max. 1.5 liter. wenn man wie ich einen über 2,5 liter magen hat, dann ist natürlich erst sehr viel später eine art sättigungsgefühl zu spüren, als im normalfall.

dazu kommt glaube ich eine psychische komponente. in meinen "schlimmsten" zeiten habe ich mich einfach nicht "gefühlt" ich habe nicht hingefühlt. erst schluss gemacht, wenn mir schon längst schlecht vom vielen essen war.

@rita
ich leide weder unter durchfällen, dumpings (es sei denn ich provoziere sie, ist mir einmal passiert), habe keinen haarausfall und friere nicht übermässig (unnormal).
meine blutwerte (vitamine etc) sind mir jüngst abgenommen worden udn trotz meiner extremen abnahme (im DREISTELLIGEN bereich!) ist alles im lot.

was allerdings stimmt ist, dass ich mich nach wie vor nicht realistisch sehe.
in einem laden greife ich nach wie vor zu anziehsachen, welche sich dann meist als zu gross rausstellen. dabei handelt es sich in der regel um mindestens eine kleidergrösse.

das finde ich aber auch nicht verwunderlich. bei einer so rasanten gewichtsabnahme kann es sicher passieren dass man sich da schnell verschätzt. im extremfall waren einmal 20 kilo im monat weg!
inzwischen pendelt sich die abnahme, bei mir, jedoch so bei 2 kilo im monat ein. abhängig davon, wieviel sport ich treibe.

ich hoffe ich konnte euch ein bild davon vermitteln wie ich mit meinem bypass heute lebe. *abgesehen von all den anderen veränderungen die mein "neues" leben mit sich gebracht hat*

liebe grüsse
Silke

Maxima
24.07.2006, 17:05
Liebe Silke,

danke für deine Erklärungen. Ich hatte immer angenommen, dass man mit solch einer OP dauerhaft so wenig zu sich nehmen kann, dass es garantiert nicht reichen würde, ein Gewicht - egal wie hoch - zu halten. Deshalb nehm ich wirklich an, dass ab einem bestimmten Punkr wirklich hochkonzentrierte Nahrung aufgenommen werden müßte, um einen totalen Verfall des Körpers zu verhindern.

Du siehst - ich habe keine Ahnung


Auf jeden Fall freut es mich sehr, dass du mit dir und dieser OP zufrieden bist!

Liebe Grüße

Ina-Maike

Rascha
24.07.2006, 17:16
Ist zwar ein wenig off topic, aber da du's erwähnt hast, Ruberta: Aufgrund deiner Empfehlung habe ich das fruit2day inzwischen probiert, sogar alle Sorten einmal.

Um ehrlich zu sein: Das haut mich wirklich nicht vom Hocker, sooo lecker finde ich's nicht ... nix für ungut. Da trinke ich lieber normalen Saft und esse ein Stück Obst.

Aber wenn's dir nach wie vor schmeckt, sei's dir natürlich von Herzen gegönnt.

Ruberta
24.07.2006, 17:50
noch etwas zum verständnis der "neuen" magengrösse:

die seit der op verbleibenen 30ml (ca. tischtennisballgrösse) weiten sich nach dem abschwellen und auch als natürliche folge der nahrungsaufnahme auf ca tennisballgrösse oder etwas mehr.

das reicht durchaus für die aufnahme in kinderportinengrösse aus.

liebe grüsse
Silke

Marlene
24.07.2006, 17:56
Silke, in welcher Zeit hast Du das abgenommen bitte und was ist mit deiner Haut, wenn ich das fragen darf?

Ruberta
24.07.2006, 18:41
meinen bypass habe ich am 28.10.05 bekommen.

meine haut hängt natürlich an mir, als hätte ich jemanden da raus geboxt ;)

das würde sie nach jeder abnahme in dieser grössenordnung auch tun. egal in welchem zeitraum sie passiert ist.

seit dezember letzten jahres treibe ich zudem auch regelmässig sport (bis zu 10 stunden die woche) um den meinen teil für eine evtl. rückbildung dazu zu tun.

im herbst nächsten jahres werde ich mich dann einem weiteren eingriff unterziehen, welcher eine entfernung der überschüssigen haut zur folge hat.
das bleibt bei soviel abnahme leider nicht aus und muss gemacht werden. inzwischen behindert mich zum beispiel meine fettschürze am bauch im wahrsten sinne.

die dreistellige summe ist im übrigen eine gesamtsumme. vor der op habe ich bereits 40 kg an gewicht so reduziert. auf "herkömmliche" art.

@rascha
kein problem! gott sei dank sind geschmäcker ja verschieden ;)
normalen saft und obst nehme ich ja auch nicht zu knapp zu mir.
das fruit2day ist eben ein "leckerchen" für mich :)

liebe grüsse
Silke

Sumpitt
24.07.2006, 18:43
Danke Silke, für die ausführlichen Informationen :flirt:

Wie man sieht, haben sich scheinbar doch einige andere auch schon die Frage nach dem "DANACH" gestellt ;).

Daß der Magenbypass Kinderportionen irgendwann zulassen würde, hätte ich echt nicht für möglich gehalten.

Ich gestehe, daß mir immernoch enorm mulmig bei dem Gedanken wird, was die OP für Auswirkungen hat. Es freut mich jedoch, wenn die OP jemanden so hilft wie Dir, Silke.

Marlene
24.07.2006, 20:03
Silke, Du hast eine grossartige Ausstrahlung!

Martina
24.07.2006, 20:56
im/am magen sitzen doch rezeptoren. diese reagieren auch über die füllmenge mit einem sättigungsgefühl.
wird das durch exessives essen jedoch immer wieder missachtet, dann dehnt sich der magen aus. ein normaler magen fasst ja max. 1.5 liter. wenn man wie ich einen über 2,5 liter magen hat, dann ist natürlich erst sehr viel später eine art sättigungsgefühl zu spüren, als im normalfall.
Hallo Silke,

mich würde mal interessieren, wie das denn jetzt bei Dir mit dem Hunger ist.

Ich habe 4-5 Stunden nach einer Mahlzeit Hunger und sollte diesen dann auch stillen, weil ich sonst unkonzentriert und grantig bin.* So nehme ich vier Mahlzeiten zu mir, zwei kleine mit Schnittchen/Obst/Salat und eine warme, größere Mahlzeit, die Letzte ist abends vor dem Schlafengehen mein Glas Rohmilch. Bei mir ist es so, dass ich, je größer der Hunger ist, umso weniger essen kann. Das Volumen von 2,5 Litern würde ich niemals essen können. Allerdings verspüre ich schon einen Unterschied, ob es sich um reichhaltigeres Essen handelt oder um etwas Leichtes, d.h. kann ich von grünem Salat zwei Müslischalen essen, schaffe ich nicht mehr als eine Müslischale Nudeln. Ich lasse mir bei der warmen Mahlzeit auch immer Platz für einen Nachtisch. Seitdem ich das konsequent so halte, habe ich keinerlei Bedürfnis nach Süßigkeiten mehr. (Zum Leidwesen von Uwe, der trotz Süßigkeiten viel leichter abnimmt als ich, sich die aber immer selbst besorgen muss :-D ; nicht, dass ich sie ihm vorenthalte, aber ich vergesse einfach regelmäßig, welche für ihn mitzubringen.)

Man hört ja immer wieder, dass Menschen ohne Sättigungsgefühl auch kein Hungergefühl kennen. Stellen sich Hunger- und Sättigungsgefühl denn mit der OP wieder ein?

Liebe Grüße
Martina

* Früher habe ich mich dafür geschämt, bis ich mal unangemeldet bei einer schlanken Freundin reingeschneit bin, die gerade ihr Abendessen kochte und mir rigoros mitteilte, ich könne gerne da bleiben, aber es sei jetzt ihre Essenszeit und sie sei unausstehlich, wenn sie die nicht einhielte. Das war eine wichtige Lektion für mich. Da ich schon gegessen hatte, habe ich gerne beim Essen zugeschaut.

Ruberta
24.07.2006, 21:24
hallöchen martina,

ich habe eben lange über deine frage nachgedacht und ich muss sagen, dass ich gar nicht weiss ob ich vor der op ein wirkliches hungergefühl hatte. :confused:

was ich weiss ist, dass ich manchmal regelrecht das essen vergessen habe. eher keinen hunger hatte, dann aber plötzlich nicht mehr ums essen umhin kam und dann unmengen gegessen habe.

das waren regelrechte "anfälle".

diese jedoch immer "heimlich". dann gingen zum beispiel 500g nudeln mit einem liter sosse plus einer ganzen packung scheiblettenkäse auf einmal in mich hinein udn ich konnte leider nie stoppen bevor nichta lles leer war.
nicht selten gab es danach eine ganze tafel schokolade, eine tüte chips und noch ne tüte weingummi als nachtisch. (zusammen)
hatte ich solche anwandlungen morgens, dann habe ich ohne weiteres ein ganzes toastbrot allein verspeist, inclusive einem ganzen stück butter, einem paket käse und einem paket wurst.

süssigkeiten hatte ich immer im haus. manchmal habe ich sie regelrecht gebunkert, an verschiedenen stellen, um heimlich mal eben ne tafel schokolade in mich zu stopfen und dann wieder zur familie zurück zu kehren und so zu tun als wäre nichts gewesen.

mit den geburten der kinder ging das natürlich immer schwieriger heimlich zu machen. soviel auf einmal zu essen kostete ja auch ein wenig zeit.
zu dieser zeit stieg der heimliche süssigkeiten konsum immens an.

dass ich kein sättigungsgefühl hatte erklärt sich einerseits durch die unmengen an nahrungsmitteln, welche ich auf einmal gegessen habe, zum anderen aber auch dadurch dass ich manchmal erst aufhören konnte, wenn mein magen übervoll war und ich erbrechen musste.

in der ersten zeit nach der op ging es bei mir auch manchmal noch schief.
ich habe manchmal über mein sättigungsgefühl, welches sich spätestens als druck in der magengegend bemerkbar machte, hinausgegessen udn die antwort meines körpers war dann das "rückwärtsessen". erst wenn das, was zuviel war, draussen war, dann ging es mir gut. manchmal handelte es sich nur um einen happen.

mit der zeit habe ich gelernt mehr auf mich und meinen körper zu hören. sowas ist mir seit monaten nicht mehr passiert.

die menge der nahrungsmittel, welche ich pro mahlzeit zu mir nehmen kann, variiert manchmal sehr stark und ist DEFINITIV davon abhängig was ich esse.
fast food möchte mein körper gar nicht mehr haben. da kann ich mal an einem burger abbeissen...das war es dann aber auch schon.
vollwertiges essen kann ich dagegen manchmal ganze portionen verdrücken. (mehr als eine kinderportion, aber keine unmenge ;) )

hunger habe ich in letzter zeit recht viel. das heisst ich habe immer wieder hunger, esse etwas und habe dann für ca 2-3 stunden ruhe, suche mir dann aber schon das nächste essen.
meist esse ich zwischendurch dann eben so sachen wie obst oder joghurt...wenn der kleine hunger kommt ;)

alles in allem hat sich aber viel mehr als mein hunger-/sättigungsgefühl verändert.
unterstützt durch meine therapie lerne ich immer mehr auf meinen körper zu hören. hinzufühlen, mich wahr zu nehmen.
eben auch beim thema essen, hunger und satt.

ich hoffe ich konnte deine frage halbwegs beantworten.

liebe grüsse
Silke

Martina
24.07.2006, 22:01
Ich glaube, dass es normal ist, dass man relativ unkontrolliert isst, wenn man lange nichts gegessen hat und großen Hunger hat. Das passiert mir zwar nicht so oft, aber wenn es passiert, dann habe ich selten die Geduld, eine richtige Mahlzeit zu kochen und verlege mich dann auch eher auf etwas Schnelles wie Toast mit Käse oder so. Hinterher ärgere ich mich dann, weil ich eben so lange mit dem Essen gewartet habe. Allerdings esse ich dann auch nicht mehr als sonst, nur eben unstrukturiert, also vielleicht etwas seltsame Zusammenstellungen und im Stehen oder so. Ich bin dann viel schneller satt, als wenn ich regelmäßig esse.

Ich lese immer wieder, dass das Essen für Essgestörte der Mittelpunkt des Lebens ist. Bei mir war das immer umgekehrt. Ich habe dem Essen nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Seit ich es zum Mittelpunkt meines Lebens gemacht habe, d.h. nicht das Essen an meinem restlichen Leben ausrichte, sondern mein restliches Leben am Essen, bin ich meinem Ideal von gesundem und genussvollem Essen sehr nahe gekommen. Eine Sache muss ich allerdings noch verbessern: Ich esse immer noch häufig zu schnell. Die Düsseldorfer Business-Hektik konnte ich noch nicht vollständig aus meiner Seele verbannen, aber jeden Tag geht es ein bisschen besser. Ich muss es mir halt immer noch täglich selbst erzählen, dass ich nun ein neues, viel schöneres Leben habe und es die Kühe auf der Weide nicht schert, ob ich nun inner halben Stunde oder inner Stunde wieder am Arbeitsplatz sitze. Irgendwann werde ich auch das verinnerlicht haben.

Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß bei Deinen neuen Erfahrungen.

Liebe Grüße
Martina