PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Regelmäßig essen - was für ein Kampf!


sombra_blanca
24.04.2006, 12:35
Der erste Schritt aus der Essstörung ist die Bewusstmachung, dass man eine hat.
Der zweite Schritt ist seine Muster zu durchbrechen - in meinem Fall regelmäßig angemessen viel/wenig essen.

Als ich noch bei meiner Mutter wohnte, war es ein stetiges Auf und Ab was die die Menge und die Art des Essens betraf, die ich zu mir genommen habe. Mal habe ich mich wochenlang nur von Brot ernährt, dann nur von Brot und Süßigkeiten, dann habe ich es mal geschafft, einmal am Tag warm zu essen und dann hab ich mal tagelang nichts gegessen.

Dann bin ich ausgezogen und mit viel Hilfe durch eine Freundin habe ich tatsächlich regelmäßig und ausgewogen gegessen.

Jetzt bin ich wieder mal auf mich allein gestellt und was passiert? Mein Essverhalten ist einfach nur durcheinander. Ich trinke mehr Kaffee als ich esse, habe keine Lust zu kochen und esse lieber Microwellenkram oder Brot ... oder aber nichts.

Klar, dass das dauerhaft nicht gut geht.

Also geht es wieder los mit der Bewusstmachung des Hungergefühls, dem regelmäßigen Essen, dem sich klar machen, dass es so nicht weitergehen kann...

Hat das auch mal ein Ende?


Wollt ich mal loswerden....

Liebe Grüße,

Sombra

Kirstin
24.04.2006, 12:42
Oh Sombra, Du sprichst mir so aus der Seele. Seit ich allein wohne, besteht mein Essverhalten aus eine Aneinanderreihung von Sünden. Mal esse ich nachmittags um 5 meine erste Mahlzeit, dann wieder versuche ich gar nichts zu essen, an manchen Tagen esse ich ununterbrochen - einen geregelten Tagesablauf in Sachen Essen kenne ich überhaupt nicht mehr. Und das Schlimme ist: Meine Thera setzt mich unter Druck. Entweder, ich esse normal, oder sie weigert sich, mich weiter zu behandeln. Entweder WW, oder sie streicht die Segel. Und es fällt mir so verdammt schwer, "vernünftig" zu essen. Dabei kann es so nicht weiter gehen. Auch wenn mir immer wieder Leute sagen, ich hätte abgenommen, meine Waage spricht ein anderes. Seit Anfang des Jahres sind schon wieder 5 kg drauf. Und ich weiß echt nicht mehr weiter...

Kirstin

Angelina
24.04.2006, 12:49
Jetzt bin ich wieder mal auf mich allein gestellt und was passiert? Mein Essverhalten ist einfach nur durcheinander. Ich trinke mehr Kaffee als ich esse, habe keine Lust zu kochen und esse lieber Microwellenkram oder Brot ... oder aber nichts.




Kenne ich alles sehr sehr gut...wobei ich mit dem Kaffeetrinken erst angefangen habe, seit ich meinen geliebten Senseo habe;)

Es hört sich so an, als lebtest du alleine zum ersten Mal.
Das war bei mir die Zeit, wo mein Essverhalten völlig außer Kontrolle geriet (mal abgesehen davon, dass ich Heimweh hatte und kreuzunglücklich in meiner Situation war).


Wäre es für dich vielleicht hilfreich, lieber in einer WG zu wohnen mit Freundinnen? Oder Eben in eine neue WG mit Leuten, die auch zusammen kochen und einkaufen?

Also das hat mir viel geholfen..einfach wei man vor allem am Wochenende zumindest eine Mahlzeit zusammen macht.
Teilweise habe ich es dann auch alleine geschafft mir etwas ausgewogenes zu kochen.
Und irgendwann schmeckt einem dann auch das frischgekochte einfach besser.
Nicht, dass ich keine Rückfälle hätte, aber es hat sich deutlich gebessert.

Nimm dir doch einfach vor wenigstens eine Mahlzeit am Tag regelmäßig einzunehmen, sei es nun Frühstück oder Mittagessen, einfach damit du zumindet einen Fixpunkt hast.

Liebe Grüße,

Angelina

CandyClown
24.04.2006, 15:12
Meine Thera setzt mich unter Druck. Entweder, ich esse normal, oder sie weigert sich, mich weiter zu behandeln. Entweder WW, oder sie streicht die Segel.

Und du meinst, das sie die richtige Thera ist?
Also sorry, aber unter Druck setzen lassen wäre für mich ein Grund die Thera zu wechseln.

Das nur mal nebenbei.

CandyClown

Darcy
24.04.2006, 15:47
Kommt mir irgendwie alles bekannt vor ...

Woran liegts denn, dass Ihr, also Sombra und Kirstin, das nicht hinbekommt?
Wir hatten so ein Thema ja schonmal - was ist denn aus den Vorschlägen geworden mit Frühstück und Brotzeit zur Arbeit mitnehmen?
Zumindest bei Kirstin kann ich mich erinnern, dass sie damals eigentlich recht zuversichtlich war.

Ich gebe zu, dass mir die regelmäßigen Mahlzeiten auch nicht grad leichtfallen, zumal ich auch noch im Schichtdienst arbeite und schon allein deshalb nie 'nen vernünftigen Rhythmus reinkriege.
Aber es gibt zwei Dinge, zu denen ich mich jeden Tag "zwinge":
Es gibt ein Frühstück und es gibt eine warme Mahlzeit am Tag. Die Uhrzeiten sind dabei erstmal egal - kann ich ja nicht festlegen, weil ich nicht immer zur selben Zeit daheim bin. Aber durch das Frühstück umgehe ich Heißhungerattacken am Vormittag und die warme Mahlzeit (in der Regel am späten Nachmittag oder Abend) erspart mir durch Heißhunger ausgelöste Freßanfälle.
Natürlich kann ich damit FA's, die seelisch/Streßbedingt sind, nicht verhindern, aber ich hab zumindest mal eine Basis für mein Essverhalten geschaffen.

Darcy

Kirstin
24.04.2006, 15:48
Ich weiß. Aber ich bin eh "austherapiert". Ich muss nun sowieso wohl oder übel zwei Jahre Therapiepause machen. Und danach würde ich - falls notwendig - eh lieber zu einem Analytiker gehen, als zu einer VerhaltenstherapeutIn. Ich sehe im Moment eh keinen Grund mehr, zu ihr zu gehen. Ist irgendwie so sinnlos geworden.

Kirstin

Kirstin
24.04.2006, 15:55
Aber es gibt zwei Dinge, zu denen ich mich jeden Tag "zwinge":
Es gibt ein Frühstück und es gibt eine warme Mahlzeit am Tag. ok, gefrühstückt habe ich heute, wenn auch am Arbeitsplatz (etwas, das meine Thera eigentlich nicht will). Aber heute Mittag... Ich bin in die Kantine und dann hat mich der Essensgeruch dermaßen angewidert, dass ich lieber eine halbe Stunde im Freien verbracht habe, als mir irgend ein Essen reinzuzwingen. Und daheim ist es so: Ich habe irgendwie Hunger und dann stehe ich vorm Kühlschrank und alles Essen ekelt mich. Ich schaue dann meine Vorräte an und auf nichts habe ich Lust. Ich mag einfach nicht mehr (richtig) essen oder gar kochen. Und ich nehme zu und zu und zu. Und so langsam aber sicher verlässt mich der Mut, dieses Thema überhaupt noch anzugehen. Ich habe immer im Hinterkopf: Wenn Du das alles nicht mehr aushälst, dann bringst Du Dich halt um. Ist auch nicht die wahre Lösung, ich weiß. Aber gegen diese Gedanken kann ich mich irgendwie nicht wehren.

Kirstin

Darcy
24.04.2006, 16:13
Dieses "dann bringst Du Dich halt um" finde ich furchtbar, Kirstin.

Klingt so nach - wozu soll ich was ändern? Ich lass es jetzt halt mal so laufen und schau mal, und wenns mich nervt, mach ich eben Schluß.

Das Problem, was ich mit Deiner Thera sehe ist, dass Du Dich nicht wirklich auf sie einlassen kannst und sie im Gegenzug nicht weiß, wie sie noch an Dich rankommen soll.
Ich hab zwar (leider) nicht so viel Therapieerfahrungen, mußte meine damals abbrechen, als ich Hamburg verließ, aber ich kenne das schon so, dass man auch gewisse Aufgaben gestellt bekommt, an denen man zwischen den Sitzungen arbeitet. Und wenn eine solche Aufgabe in die Richtung geht, an seinem Essverhalten zu arbeiten (ich glaub ja nicht, dass sie nun gleich erwartet, dass Du von heute auf morgen 5 regelmäßige Mahlzeiten pro Tag zu Dir nimmst), dann sollte zumindest der Versuch erkennbar sein ...

Was ekelt Dich denn an den Dingen im Kühlschrank so an? Kaufst Du Sachen, die zwar "gesund" sind, aber eigentlich nicht das sind, was Du willst?
Oder sind Dinge drin, die Du willst, die Dir aber ein schlechtes Gewissen machen, weil "ungesund"?
Ich versuch Dich nur zu verstehen ...

Der Geruch von Kantinenessen würde in mir übrigens auch Übelkeit auslösen - aber auch darüber hatten wir ja schonmal 'ne Diskussion (was man so mitnehmen könnte etc.).
Grad jetzt, wo's so schön warm wird, bietet es sich doch an, in der Mittagspause ein grünes Plätzchen aufzusuchen und dort eine Kleinigkeit zu essen - und ganz nebenbei die Frühlingsluft zu genießen.

sombra_blanca
24.04.2006, 16:28
Kirstin, I'm sorry, aber das sehe ich genauso wie Candy. Deine Therapeutin ist nicht deine Mutter und selbst die hätte nicht das Recht dich so zu behandeln.
Man macht eine Therapie, weil man Hilfe braucht und gerade bei Essstörungen ist das Thema Kontrolle extrem wichtig und immer wieder Thema. Da kann sie dich nicht so unter Druck setzen! Das ist m. E. kontraproduktiv.

Dass ich mich vom Essen angeekelt fühle, kenne ich auch nur allzu gut.
Es gibt Tage, an denen will ich einfach nichts essen, weil mich der Akt des Essens, der Geruch, die Verdauung - einfach alles anekelt.
Ich gehe auch manchmal so ungerne inkaufen, weil ich alles, was ich kaufen könnte, nur widerlich finde. Dann kauf ich halt nichts und esse eben auch nichts. Auch keine Lösung.
Deshalb habe ich mir angewöhnt, wenn ich wieder mal so einen Ekel habe, nicht einzukaufen und einfach auf meinen Bauch zu hören, wenn ich einkaufe. Ich achte auch darauf, nie nichts mehr zu Essen im Haus zu haben, damit ich eben nicht dazu gezwungen bin, etwas zu holen, wenn ich das gerade aus welchen Gründen auch immer nicht kann.




Angelina: Ja, ich lebe zum ersten Mal allein und das auch erst seit fast 3 Monaten. Jetzt wieder umzuziehen kommt für mich nicht in Frage, zu viel Stress udn außerdem "Lohnt" es sich nicht mehr, weil ich spätestens in einem Jahr sowieso wieder umziehen werde, nämlich an meinen Studienort.

Darcy: Ich bekomme ganz vieles nicht hin, was mir gut tun würde, weil ich in meinem Kopf immer noch den Gedanken habe "Das bist du nicht wert." Dumm, ich weiß, aber nichtsdestotrotz da.

Ich gebe mir zur Zeit sehr viel Mühe, ausreichend zu trinken und nach dem aufstehen etwas zu essen, aber dann hab ich mal wieder einen schlechten Tag oder ich gucke auf die Uhr und es ist irgendwie nicht mehr "morgens"... *seufz*

Ich gebe nicht auf. Und übe.


Und jetzt mach ich mir ersteinmal einen Kaffee.;)

Darcy
24.04.2006, 16:53
Ich gebe mir zur Zeit sehr viel Mühe, ausreichend zu trinken und nach dem aufstehen etwas zu essen, aber dann hab ich mal wieder einen schlechten Tag oder ich gucke auf die Uhr und es ist irgendwie nicht mehr "morgens"... *seufz*

Ich gebe nicht auf. Und übe.


Das ist doch schon mal ein guter Anfang, Sombra :)
Keiner sagt, man müsse von jetzt auf gleich perfekt sein.
Und wenn mal ein Tag nicht so doll läuft, dann fängt man am nächsten Morgen wieder von vorne an.

Ich hab letzte Woche, als mein Sohn nicht da war, auch kein einziges warmes Essen auf die Reihe gekriegt, aber das heißt doch nicht, dass ich nun so weitermache. Inzwischen steh ich wieder jeden Tag am Herd und mach irgendwas (und wenn's nur was kleines ist).
Das Wichtigste ist wirklich, sich nicht aufzugeben und sich immer wieder bewußt zu machen, dass man das wert ist.

Hat jetzt zwar nix mit dem Essen direkt zu tun, aber ich hab das Problem ja in der Arbeit, dass mir immer wieder eingeredet wird, ich bzw. meine Arbeit wäre nix wert (nicht nur auf mich bezogen, sondern bei allen Kollegen so praktiziert). Und wenns ganz schlimm ist, setz ich mich daheim mit meinen Zeugnissen hin und les mir schwarz auf weiß durch, dass ich gut bin, sogar sehr gut.
Manchmal muß man sich das auch mal selber klarmachen, dass man kein Dreck ist, sondern ein toller Mensch :cool2:

sombra_blanca
24.04.2006, 18:25
Manchmal muß man sich das auch mal selber klarmachen, dass man kein Dreck ist, sondern ein toller Mensch :cool2:
*unterschreib*:girl:

Sombra, die sich jetzt mal klarmacht, dass sie problemlos zwei Abiklausuren hinter sich gebracht hat

Rascha
24.04.2006, 18:51
Meine Thera setzt mich unter Druck. Entweder, ich esse normal, oder sie weigert sich, mich weiter zu behandeln. Entweder WW, oder sie streicht die Segel.

Deine Therapeutin hat wohl einen Sprung in der Schüssel! Ganz abgesehen davon, daß sie sich selbst ein Armutszeugnis ausstellt, sollte sie eigentlich wissen, daß WW für Eßgestörte schon mal gar nicht geeignet ist ...

Stöpsel
24.04.2006, 19:57
"wie schön", daß es anderen auch so geht :-o . das thema ist u.a. eines, welches mich zur zeit arg beschäftigt. in der klinik habe ich gelernt regelmäßig zu essen, alle 3-4 stunden und ich konnte dort auch mein lange verschollenes hunger/sättigungsgefühl wieder finden.
nach der klinik konnte ich das konzept gut weiterführen und es hat mir nicht nur weniger/keine eßa gebracht, sondern auch eine langsame und stetige gewichtsabnahme.

einige persönliche "crashs" haben mich im herbst (wieder einmal*grummel*) aus der bahn und auch aus dem neuen konzept gekegelt, was dazu führte, daß ich wieder viel weniger vital bin, weil ich einfach nicht mehr gesund esse, mir also wichtige stoffe fehlen. dadurch bin ich insgesamt wieder "träger" geworden, obwohl ich nicht wieder zugenommen habe, was einzig daran liegt, daß ich nicht durch hungern oder durch eine diät abgenommen habe, sondern weil ich insges. weniger gegessen habe, weil durch die regelmäßigkeit mein blutzucker gleich blieb und ich dadurch auch in kein hungerloch mehr fiel und so tatsächlich nur gegessen habe, bis ich satt war.

das fehlt mir jetzt enorm und ich weiß auch nicht so genau, wieso ich den dreh nicht wiederfinde. seit dem klinikaufenthalt weiß ich nun, was gut für mich ist und was mich weiter bringt - ich tu's aber nicht mehr http://www.cosgan.de/images/smilie/boese/a035.gif

regelmäßiges essen fällt mir, wie euch, extrem schwer - und warum das so ist, weiß ich nicht mal....:roll: eines weiß ich ganz sicher: (und das ist jetzt besonders an Kirstin gerichtet) es lohnt sich immer weiter zu machen, jeder schritt bringt einen weiter - und wenn es ein "holzweg" ist, weiß man das irgendwann und kann einen anderen einschlagen.

selbstachtung ist zur zeit ein ganz großes thema für mich und ich denke, da ist bei vielen der hund begraben. "immer nett und lieb und hilfsbereit" zu anderen sein - und die eigene seele ist eine wüste. da kann ja nix wachsen :-o
vielleicht ist mein "rausfliegen" auch ein hinweis für mich, wo ich mal als erstes hinschauen sollte.

ich habe mir jetzt fest vorgenommen wieder schwimmen zu gehen. nicht:"ich gehe jetzt zwei/drei mal die woche, dann und dann zum schwimmen", sondern ich habe mir vorgenommen morgen zu gehen. und dann such ich mir den nächsten tag - und den nächsten...


gruß Stöpsel

Francis
25.04.2006, 00:13
Dieser Thread zeigt mir wieder, daß ich nicht alleine bin. :applaus:
Ich habe wie Ihr inzwischen das Gefühl, dass mein Alltag in punkto Essen vollends eskaliert ist. Obwohl ich mir seit über einem Jahr stets vornehme, bewusst und damit etwas gesünder zu essen, schaffe ich es einfach nicht. Ich diesem Jahr kommt mir alles irgendwie noch schlimmer vor. Ich schlage mich so sehr mit Essattacken herum, kaufe mir wie nebenbei Süßes und esse auch wie nebenbei, so dass mir allein die Klamotten vom letzten Jahr nicht mal mehr im Entferntesten passen. :eek:
Am Sonntagabend habe ich dies im Auto mal alleine sitzend laut zu mir selbst gesagt und mir gleichzeitig alles andere vor Augen geführt, was ich im Moment nicht auf die Reihe bekomme. Als ich zu Hause ankam, war ich förmlich in Tränen aufgelöst.
Heute morgen endlich habe ich es endlich mal auf die Reihe bekommen, mich vor dem Dienst 5 Minuten auf den Stepper zu stellen (war angeblich nur bis 100 kg belastbar, hält mich aber trotzdem), um meinen Blutdruck etwas auf Touren zu bringen. Über Tag habe ich es dann mal tatsächlich geschafft, auf Süßes zu verzichten und etwas Gesundes gegessen (Brot mit Quark und Tomate + Basilikum).
Ich weiß, dass ich jetzt etwas vom Thema abgeschweift bin, aber mich hat dieser eine Tag heute abend ein wenig stolz gemacht .... :flirt:

Ich habe immer im Hinterkopf: Wenn Du das alles nicht mehr aushälst, dann bringst Du Dich halt um. Ist auch nicht die wahre Lösung, ich weiß. Aber gegen diese Gedanken kann ich mich irgendwie nicht wehren.

Kirstin


Liebe Kristin, diese „Einstellung“ kenne ich geradezu wortwörtlich auch. Es ist die berühmte „Hintertür“, die man sich gedanklich offen hält, wenn man mit allem nicht mehr zurecht kommt. Es denkt sich einfach und lässt ein paar Sorgen auf diese Alternative schieben. Die Umsetzung ist aber weitaus weniger „einfach“.
Ich bitte Dich Kristin, versuche von diesem Gedanken loszukommen. Das sind all Deine Sorgen nicht wert. Beachte mal Sombras tolle Signatur ... :daumen:
Ich weiß wovon ich rede. Neben dem bloßen Gedanken habe ich es in meiner Jugend mal versucht. Ich bin weiß Gott nicht stolz darauf, aber vielleicht dient es als Abschreckung für Dich ...
Ich bin seit frühester Jugend essgestört, hatte viel, viel Ärger und Streit zu Hause und meinte irgendwann, dass ich nicht weiter weiß. Auf einer Jugendfahrt in die Berge bot sich die erste Gelegenheit. Ich kam mit der Gruppe nicht zurecht (dicke Brillenträger waren nicht der Hit) und sah meine Gelegenheit, als ich auf einem Eisfeld ausrutschte. Ich unternahm nichts um mich festzuhalten. Ein Betreuer hielt mich dann am Kragen. Anschließend schrie er mich an.
Nachdem ich damit bereits mal daran „geschnuppert“ hatte, griff ich dann an einem Nachmittag der totalen Verzweiflung zu den Tabletten meines Vaters. Mein Bruder, mit dem ich mich nur gestritten hatte, fand mich sehr rechtzeitig, ließ mich übergeben (Arzthaushalt) und weinte, als alles vorbei war. Er hat bis heute diesen Nachmittag für sich behalten, wofür ich ihm sehr dankbar bin.
Ich habe darüber auch noch nie gesprochen und weine gerade selbst bei dem Gedanken daran, obwohl das nun ca. 20 Jahre her ist. Ich habe dann erst kapiert, was ich den Leuten angetan hätte, die mich mögen, also meine Familie und meine Freunde. Vielleicht hilft es Dir, diesen Gedanken endgültig aus Deinem Kopf zu verbannen.

Liebe Grüße,
Francis

alegria
10.08.2006, 18:32
Hallo Kristin,
vor zwei Jahren war ich auch "austherapiert" und damals hat man mir von den Krankenkasse bestätigt, dass man diese zwei Jahre nicht warten muss, wenn man sowohl Therapieform als auch Thera wechsele.
Würde ich mich vielleicht nochmal erkundigen.
Eine Thera, die einen unter Druck setzt, hat wohl wenig Ahnung von dem Druck, den Essgestörte sich eh selbst machen.
Dir alles Gute!
Liebe Grüße,
alegria

Herbstzeitlose
18.06.2011, 12:13
Hallo,- darf ich diesen Thread wieder aufleben lassen?
Zum ersten Mal lese ich, dass es mehr Menschen so geht wie mir!
Auch ich bekomme keine Struktur in meine Essgewohnheiten rein.
2003 war ich in einer sehr guten Klinik, aber da wusste man nicht so recht, depression oder Essstörung,- und ich selbst fand mich zwar zu dick,- aber essgestört???Ich hab doch gar nichts gessen,- na ja- keine Hauptmahlzeiten.
Ich hab mich von Zwischenmahlzeiten ernährt, Joghurt, Kuchen, Süssigkeiten, Obst,- hin und wieder warme Mahlzeiten, wenn ich meine Eltern besucht habe.
In der Klinik dann regelmäßige Mahlzeiten, keine Zwischenmahlzeiten- alles gut und schön.Da hab ich alles vorgesetzt bekommen.
Zu Hause bin ich allein,- da muss ich es mir selbst machen,- mach ich aber nicht.
Ich kauf die Lebensmittel ein- und schmeiss sie irgendwann wieder weg.Mein Kofferraum ist voll Lebensmittel- aber ich esse das Zeugs nicht- und wenn ich nur dran denke, wird mir schlecht!
Und trotzdem wiege ich bei 1.70 gute 95 kg!
Diäten usw. helfen nicht- weil ich ja gar nicht so weit komme- also ich bereite mir nichts zu- ich schaff das nicht und ich hab das auch noch keinem klarmachen können. Das versteht keiner, dass ich da eine granz große Sperre habe- und ich selbst darunter leide, aber es nicht ändern kann, wie mir scheint.
ich wollt das einfach mal loswerden, weil ich das in so einer Form noch nie ausgesprochen habe.
Ich danke fürs Lesen und Reagieren.

Pandora
18.06.2011, 15:41
Ich hab mich von Zwischenmahlzeiten ernährt, Joghurt, Kuchen, Süssigkeiten, Obst,- hin und wieder warme Mahlzeiten, wenn ich meine Eltern besucht habe.
In der Klinik dann regelmäßige Mahlzeiten, keine Zwischenmahlzeiten- alles gut und schön.Da hab ich alles vorgesetzt bekommen.
Zu Hause bin ich allein,- da muss ich es mir selbst machen,- mach ich aber nicht.
Ich kauf die Lebensmittel ein- und schmeiss sie irgendwann wieder weg.
Mir ging und geht es exakt genauso. Kochen ist mir ein Graus, geht höchstens mal für Besuch. :(
Ich versteh dich gut.

Herbstzeitlose
18.06.2011, 17:02
Mir ging und geht es exakt genauso. Kochen ist mir ein Graus, geht höchstens mal für Besuch. :(
Ich versteh dich gut.

Ich suche nach dem Grund- dann könnt ichs vielleicht verstehen. Es ist so schnell dahergesagt, du musst doch nur,- oder du brauchst doch nur........................... ...früher hab ich ja auch für die Familie gekocht- und selbst da hatte ich schon erhebliches Übergewiicht,- jetzt koch ich nicht mehr, ess am liebsten im Stehen- bloss nicht an einen Tisch setzen, weiss genau um meine ungesunde Ernährung, bekomm das andere aber nicht hin- es ist zum heulen.Und ich weiss eigentlich schon vorher, dass ich die Sachen im Einkaufswagen gar nicht essen werde- und trotzdem kaufe ich sie überzeugt ein!

Vielleicht,- wenn man den Teufelskreis unterbrechen könnte,- aber wie???

Muminfrau
18.06.2011, 18:59
Ich hatte dieses Problem sehr lange, obwohl ich einen 12-jaehringen Sohn habe, den ich schon immer regelmaessig und ausgewogen ernaehrt habe.

Mir hat letzendlich ein regelmaessiger Fruehstueck sehr geholfen. Ich achte ganz peinlich darauf, ausreichend zu fruehstuecken. Danach kann es zwar trotzdem an einigen Tagen passieren, dass ich mit dem Essen irgendwie durcheinander gerate, aber es passiert nicht so oft.

Ich denke, dieses "nicht regelmaessig essen koennen" hat sehr viel damit zu tun, dass man versucht, dem Essen nicht zu viel Bedeutung in seinem Leben zu geben. Und diesen Wunsch kann man allerdings nur dann entwickeln (denke ich), wenn man das Gefuehl hat, das Essen wuerde einem zu viel bedeuten.

Das klingt wahrscheinlich sehr wirr... Welche Bedeutung hat denn Essen fuer dich/euch?

Ich kann erst seitdem regelmaessig essen, seit ich mir klar gemacht habe, dass das Essen fuer mich wichtig ist. Es ist nicht egal, was man isst! Essen muss naehren, Spass machen, ein gutes Gefuehl verursachen, Essen muss gefallen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es jemanden gefallen koennte, den ganzen Tag nur Brot zu essen.

Meine drei Mahlzeiten am Tag sind mir seit einger Zeit sehr wichtig, und ich verbringen dann auch einige Zeit in der Woche damit, zu planen, was ich naechset Woche kochen wuerde. Ich schreibe es mir auf, mittlerweile gibt es mehrere Wochenplaene, die in einer Schublade liegen -- fuer den Fall, dass ich "vergessen" sollte, wie das geht. ;)

Als ich allerdings angefangen habe, solche Plaene zu machen, bin ich am Anfang fast verrueckt geworden. Ich habe sogar geheult. ;) Ich musste auch mehrere Anlaeufe machen, bevor der Plan endlich stand. Mittlerweile geht es aber viel besser, ich habe meine Routine gefunden.

Aska
18.06.2011, 19:16
Bei mir ist es so das ich eher "nebenher" meine Mahlzeiten einnehme. Ich habe keinen Küchentisch und auch keinen Esstisch. Der einzig gscheite Tisch is mein Schreibtisch.

Ich decke mir auch net den Tisch sondern mach mir mein Essen (morgens Müsli - mittags warm - abends Brot) in der Küche fertig und nehme es mit her. Das klappt mittlerweile sehr gut, da bei mir eh das Problem ist das ich nur schwer bewusst geniessen kann. So nehme ich die Nahrung auf, zeitgleich esse ich nicht zuviel (eher zu wenig, dafür krieg ich öfter "Schelte" von meinem Arzt) da ich halt nur das esse, was ich mir fertig gemacht habe.

Durch den recht festen Rythmus fängt mein Bauch netterweise auch an zu knurren, wenn die Zeit zu sehr überschritten ist und erinnert mich daran, das ich mal was essen sollte (äh ja ich sollte mir wohl mal Abendbrot machen hier knurrt jemand).

Es ist nicht grade das was einem von einem "Experten" empfohlen wird. Eher ist es ja oft so dass das nebenbei Essen verteufelt ist. Für mich ist es die einzige Möglichkeit regelmässig zu essen.

Auch habe ich keine Mikrowelle mehr seit mh sechs bis sieben Jahren ungefähr. So sind Fixessen ziemlich vom Speiseplan verbannt. Ich muss kochen (oder eben den Dampfgarer in Betrieb nehmen, derzeit bin ich aber tatsächlich mittags am Kochen). Oft mach ich auch mehr wie eine Portion und frier den Rest ein. Warmmachen geht auch aufm Herd.


Den Teufelskreis durchbrechen - nur wie.....

Vielleicht einfach mal überlegen warum es so ist. Wo der Grund liegt, dass das mit dem regelmässigen Essen nicht funktioniert.

Wie so vieles liegt der Grund bei mir in meiner Vergangenheit. Seit mir da so einiges klar geworden ist konnte ich auch die unsichtbaren nichtbekannten und dennoch präsenten Schranken umzuwerfen. Ich habe mir selber unbewusst das Essen verboten - etwas was mir 16 Jahre lang vorgelebt (und vorgeschrieben) wurde und das ich tief in mir verankert hatte.

Heute weiss ich aber das regelmässiges ausreichendes Essen wichtig ist für den Körper um richtig zu arbeiten und nicht nur zu funktioniern. Mittlerweile verbiete ich es mir auch nicht mehr mal eine Pizza zu essen, wenn ich Lust drauf habe (kann dir grad nicht sagen wann ich das letzte Mal ne Pizza hat *grübelnmuss*).

Nicht essen können hatte bei mir auch viel damit zu tun das ich zugesehen habe nur gesundes Essen daheim zu haben. Eben weil ich übergewichtig bin, eben weil man schief angeguckt wird, wenn man mal ne Pizza im Einkaufswagen hat, eben weil man blöde Kommentare bekommt wenn man nichts gesundes hat. Seit sich das geändert hat (bei mir durch meine Traumatherapie wo das Essen nicht behandelt wurde aber mit der Verarbeitung auch viele alte Muster durchbrochen wurden) und es mir mittlerweile egal ist, was die Mitmenschen denken, habe ich auch gelernt das zu essen, worauf ich Lust habe.

Herbstzeitlose
18.06.2011, 20:28
wie gesagt, ich war ja schon während der Ehe übergewichtig,- und mehr habe ich nicht zugelegt,- aber die Qualität des Essens hat sich verändert.
Seit meiner Trennung bzw. Scheidung lebe ich reduziert, in jeglicher Beziehung. Therapeuten sprachen davon, dass ich meinen Körper nicht achte und mich nicht nähre.
Ich habe lange Jahre überhaupt keine Möbel, Lampen, usw. gehabt. In der Küche nur die Küchenzeile- ganz bewusst. Ich habe mein Leben so reduziert, wie ich mich gefühlt habe.
Mittlerweile habe ich zumindest das Mobiliar aufgestockt, mein Selbstbewusstsein hat eine Kehrwende zum Positiven gemacht- aber das Essproblem ist geblieben.
Ich mag auch nicht ans Essen denken, dann wird mir übel, Küchendünste und Gerüche,- brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr. Und trotzdem esse ich, aber wie gesagt- eben nur Zwischenmahlzeiten.
In der Theorie bin ich super,- aber in der Praxis versage ich.
Das macht mich sehr traurig, weil ich das Gefühl habe, ich trete auf der Stelle seit Jahren!

Übrigens Aska, ich hatte während der ersten Zeit nur einen höhenverstellbaren Designertisch- sprich Bügelbrett- aber nicht einmal daran habe ich gegessen, sondern im Stehen, Gehen, Autofahren.................... ....

Muminfrau: ich mache mir auch Pläne, was ich kochen könnte,- aber ich tu es nicht,- das ist doch mein Problem. Ich müsste den Tag/das Leben strukturieren, aber ich tu es nicht!!!

Muminfrau
19.06.2011, 10:16
Mittlerweile habe ich zumindest das Mobiliar aufgestockt, mein Selbstbewusstsein hat eine Kehrwende zum Positiven gemacht-

Super! Ich gratuliere dir ganz herzlich zu dieser positiven Entwicklung, die du aus eigener Kraft geschafft hast. Du solltest stolz darauf sein und dich darueber freuen. Ich hoffe, dass du das tust! Wenn nicht, waere es an der Zeit, das mit deiner Therapeutin zu besprechen -- falls du eine Theraoie machst.


- aber das Essproblem ist geblieben.

Sei nicht so streng mit dir. Essprobleme sind leider sehr hartnaeckig.


Das macht mich sehr traurig, weil ich das Gefühl habe, ich trete auf der Stelle seit Jahren!

Das tust du nicht. Denn alles, was du unternimmst, ist ein kleiner Schritt zum Ziel. Ich benutze diesen Vergleich immer wieder gerne: Stell dir vor, du bist auf dem Weg zu einem Gipfel. Der Weg geht mal bergan, und mal bergauf, und manchmal verdecken hohe Baeume dein Ziel. Manchmal verlaeuft der Weg sogar in umgekehrte Richtung, weil es einige Hindernisse gibt, die man sonst nicht umgehen kann. Und trotzdem fuehrt der Weg zum Ziel, auch wenn du es aus deinem "lokalen Minimum" nicht sehen kannst.

Ich habe mich oft genug in einem lokalen Minimum befunden. Man fuehlt sich dann wie eine Fliegen, die immer wieder durchs geschlossene Fenster fliegen will, und immer wieder von einer unsichtbaren Wand abprallt.

Der Unterschied zwischen einer Fliege und einem Menschen ist allerdings offensichtlich! Wir koennen denken, fuehlen, Freunde haben, Therapien machen, und insgesamt unser Leben erfolgreich meistern. Wir koennen die Rueckschlaege verkraften und mit der Zeit weiser werden. :)

Muminfrau
19.06.2011, 10:34
Mein Kofferraum ist voll Lebensmittel- aber ich esse das Zeugs nicht- und wenn ich nur dran denke, wird mir schlecht!
Und trotzdem wiege ich bei 1.70 gute 95 kg!
Diäten usw. helfen nicht- weil ich ja gar nicht so weit komme- [...]

wie gesagt, ich war ja schon während der Ehe übergewichtig,- und mehr habe ich nicht zugelegt,- aber die Qualität des Essens hat sich verändert.


Ich verstehe nicht ganz, was dein Essverhalten mit deinem Uebergewicht zu tun hat. Kannst du das bitte erklaeren?

Wenn du nach einem Weg suchst abzunehmen, dann bist (a) in diesem Forum falsch und (b) tust deinem Essverhalten nichts Gutes.

Denn Diaeten und Gewichtssorgen koennen ein Essverhalten wie deins nur verstaerken.

Vielelicht solltest du uns deine Ziele besser erklaeren:

- Moechtest du dein Essverhalten aendern? -- Darueber diskutieren wir gerne.

- Moechtest du dein Essverhalten aendern UND dabei/dadurch abnehmen? -- Das finde ich ein sehr schwieriges Ziel, das meiner Meinung nach nicht zu erreichen ist.

Wenn du dich nur auf das Ziel "Essverhalten aendern" konzentrieren koenntest, waere es fuer dich viel leichter.

Du musst dir allerdings im Klarem sein, dass es passieren koennte, dass du durch eine postivie Aenderung zunimmst. Das ist mir z.B. passiert, ich bin aber trotzdem jetzt viel gluecklicher und zufriedener mit mir und mit der Welt.

IMHO: Ein gestoertes Essverhalten zerrt viel mehr an Nerven, Kraft und Gesundheit, als ein etwas hoeheres Gewicht.

Herbstzeitlose
19.06.2011, 12:19
Mir war es wichtig, mich über meine Situation mitteilen zu können und zwar den Leuten, die mich verstehen.
Bisher habe ich niemanden gefunden, der mir gesagt hat, du das kenn ich usw. Ich kam mir immer vor wie jemand mit Macke. Mein Therapeut hat sich immer auf meine Depression gestürzt,- und die Klinik hat "mein" Problem nicht gesehen.
Natürlich würde ich gerne weniger wiegen- ich suche aber nicht nach einer Diät, sondern nach einer Möglichkeit, mit Denken und Handeln zu unterbrechen, vielleicht den Gründen auch auf die Spur zu kommen, um mich besser zu verstehen.
Vielleicht fehlt es mir an Selbstakzeptanz,- bisher verurteile ich mich ja nur. ich bin mir der größte Richter- aber ich möchte mit mir in Frieden leben.
Ich kann es so schwer vermitteln!

Aska
19.06.2011, 13:52
Übrigens Aska, ich hatte während der ersten Zeit nur einen höhenverstellbaren Designertisch- sprich Bügelbrett- aber nicht einmal daran habe ich gegessen, sondern im Stehen, Gehen, Autofahren.................... ....

Auch damit bist du nicht alleine..... Ich hab früher (weiss net wielange, auf jeden Fall solange wie ich gearbeitet hatte) nur selten mich gemütlich hingesetzt und gegessen. Mein Frühstück war ne Semmel aufm Weg zur Arbeit, das Mittagessen zwischen Tür und Angel und das Abendbrot aufm Heimweg nochmal ne Semmel (oder irgendwas andres wenn überhaupt). Ich hatte einen Ess-Tisch damals aber der wurde nur benutzt, wenn ich Besuch hatte.

Leider ist es oft so das die meisten "Halbgötter in weiss" und Therapeuten erst das Gewicht sehen, dann das Gewicht, dann das Vorurteil und erst danach zuhören wo das eigentliche Problem ist. Und nicht nur die sogenannte "Fachwelt" auch Menschen in der Umgebung.

Zu sagen "Du isst zuviel iss einfach weniger" ist leicht gesagt. Aber dann zu hören das derjenige eher das Problem hat das er nicht regelmässig essen kann, nicht gemütlich am Tisch sitzen und das Essen geniessen kann ist für die meisten Menschen eine Ausrede.

Es ist für die Fachwelt einfacher eine Pille gegen Depressionen (als Beispiel) zu verschreiben als sich mit dem eigentlichen Problem -das zur Depression geführt hat- auseinander zu setzen.

Ich weiss selber leider nur zu gut das es leichter gesagt ist als getan. Aber versuche dich nicht unter Druck zu setzen, kleine Schritte zu machen. Es dauert lange, es gibt Rückschläge durchaus mal und es ist ein harter Weg. Aber es ist möglich :)

@Muminfrau:

Du musst dir allerdings im Klarem sein, dass es passieren koennte, dass du durch eine postivie Aenderung zunimmst. Das ist mir z.B. passiert, ich bin aber trotzdem jetzt viel gluecklicher und zufriedener mit mir und mit der Welt.

Das wiederrum ist für mich das erste mal das ich sowas höre. Ich meine das nicht im negativen Sinne sondern im positiven Sinne. Bin total überrascht das es auch anderen so geht! Auch ich habe -seit meinem Umzug hierher- etwas zugenommen ohne was an meinem Essverhalten im Sinne von mehr essen zu ändern. Auch ich fühle mich einfach wohl, bin glücklicher wie noch in Bayern und auch ruhiger geworden. Als mein Arzt mich letzt Jahr mal auf die Waage stellte (weil ich dachte meine ist kaputt :-o ) hab ich ihn verwirrt angeguckt und gesagt das ich es net verstehe. Er meinte nur "Geht es Ihnen denn sonst gut?" Und ich nur -nach kurzem nachdenken- "Ja mir geht es gut hier so gut wie wohl noch nie in meinem Leben. Ich fühle mich wie von irgendeinem einem Ballast befreit." - Obwohl ich zugenommen hatte, es war mir relativ egal. Es ist halt passiert.

Muminfrau
19.06.2011, 16:42
@Aska: Dann fuehle ich mich damit auch nicht mehr so allein. Es wird ja viel darueber geredet, dass ein geordnetes Essverhalten zu einer Gewichtsreduktion beitragen kann. Das habe ich fuer mich auch gehofft, und war erstmal total schockiert, als es anders geworden war.

Als ich mir diese Gewichtszunahme eingestehen musste, war ich ziemlich enttaeuscht. Das war auch die Zeit, zu der ich in diesem Forum auftauchte, weil mir schlagartig klar geworden war, dass ich eventuell nie mehr abnehmen werde. Ich habe damals alle Analysen durchgefuehrt (Blut, Endokrinologie, Frauenarzt) und es sieht so aus, dass hinter meiner Gewichtszunahme keine Krankheit steckt. Das ist natuerlich super, und mir ist nun klar geworden, dass ich lieber ein dicker Mensch bin, als ein essgestoerter.

Muminfrau
19.06.2011, 16:47
Mir war es wichtig, mich über meine Situation mitteilen zu können und zwar den Leuten, die mich verstehen.

Nun, hier hast du einige gefunden, das ist auch ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Was meinst du?

Ich frage trotzdem hartnaeckig nach: Machst du jetzt im Moment eine Therapie? Freust du dich ueber deine Erfolge, die du oben beschrieben hast?

aber ich möchte mit mir in Frieden leben.
Ich kann es so schwer vermitteln!

Ich finde, du kannst es sehr gut vermitteln. Das ist auch mein groesster Wunsch, ich habe ihn sogar vor Jahren so fuer mich so ausformuliert und aufgeschrieben. Es ist das schoenste, was ich mir vorstellen kann. Ich glaube, ich bin schon einen ziemlich weiten Weg zu diesem Ziel gegangen, auch wenn ich noch nicht am Ziel bin.

Herbstzeitlose
19.06.2011, 20:13
ich war jahrelang in ambulanter- als auch stationärer Therapie, aber eher wegen der Depression. Natürlich hat man mir irgendwann gesagt, ich wäre essgestört- und als Therapieziel dann Tisch und Stühle.
Und als braver Patient habe ich das auch gemacht- aber zu mehr ist es nicht gekommen.
Ich weiss, meine Essgewohnheiten sind ungesund, ich weiss, ich weiss,- aber ich komm nicht dagegen an.
Natürlich bin ich mit meinen Fortschritten nicht zufrieden, weil ich mit mir nicht zufrieden bin- ich möchte mich ausklammern aus meinem Leben- all die Jahre schon.
Ich bin auf der Suche nach dem Grund für mein Verhalten, denn es gab Zeiten, da war ich anders. Ich will nicht damit zufrieden sein, wie es jetzt ist- aber ich weiss nicht, wie ich mich dazu kriegen könnte, es anders zu machen.
Es heisst, ich sorge nicht für mich und nähre mich nicht- werd damit mal fertig!

Muminfrau
19.06.2011, 20:51
Wie geht es dir denn jetzt mit diesem Forum? Freust du dich, dass hier Menschen sind, die dich verstehen?

Leidest du jetzt, in diesem Moment, an einer Depression?

Ich sage es nochmals, denn du hast immer noch nicht geantwortet:


Mittlerweile habe ich zumindest das Mobiliar aufgestockt, mein Selbstbewusstsein hat eine Kehrwende zum Positiven gemacht

Ich gratuliere dir ganz herzlich zu deinen Erfolgen.

Ich habe dir zu deinen Erfolgen gratuliert. Leider hast du dich nicht bedankt.

Es ist nicht so, dass ich dein "Danke" brauche, und es ist kein Vorwurf. Aber es sagt mir jede Menge ueber dich aus (zumindest bilde ich es mir ein): Du beachtest deine Erfolge nicht. Du achtest nur darauf, was du (noch) nicht kannst. Das finde ich sehr schade.

Koenntest du vielleicht ein bisschen netter zu dir sein? :five:

Muminfrau
19.06.2011, 20:53
Natürlich bin ich mit meinen Fortschritten nicht zufrieden,

Bist du nicht damit zufrieden, dass du dir neues Moebel gekauft hast? Bist du nicht damit zufrieden, dass dein Selbstbewusstsein eine Kehrtwende gemacht hat?


Es heisst, ich sorge nicht für mich und nähre mich nicht- werd damit mal fertig!

Damit wird man nicht in Eile fertig! Gib dir Zeit. Ab wann moechtest du denn anfangen, einen regelmaessigen Fruehstueck zu essen? Wenn du z.B. heute anfangen wuerdest, an diesem Ziel zu arbeiten, wann koenntest du das schaffen? In zwei Monaten? In 12 Monaten? Waere das eine gute Geschwindigkeit fuer dich? (Ich z.B. finde 12 Monate ganz okay.)

Herbstzeitlose
19.06.2011, 21:06
Ich habe dir zu deinen Erfolgen gratuliert. Leider hast du dich nicht bedankt.

Es ist nicht so, dass ich dein "Danke" brauche, und es ist kein Vorwurf. Aber es sagt mir jede Menge ueber dich aus (zumindest bilde ich es mir ein): Du beachtest deine Erfolge nicht. Du achtest nur darauf, was du (noch) nicht kannst. Das finde ich sehr schade.

Koenntest du vielleicht ein bisschen netter zu dir sein? :five:

Entschuldige bitte, ich habe dich nicht verletzen wollen!!!Ich danke dir, dass du so offen mit mir sprichst.
Es fällt mir soooo schwer, nett zu mir sein, du glaubst es nicht,- und nett angesprochen oder gar gelobt zu werden, schrecklich, ich kann das nicht gut ab. Mir fällt es schwer, ein Kompliment entgegen zu nehmen und ich dreh es so lange, bis es eine Kritik gegen mich wird!

Muminfrau
19.06.2011, 21:17
Du hast mich nicht verletzt, aber wie gesagt, ich habe mir dadurch Gedanken ueber dich gemacht. Ich verstehe sehr gut, dass es fuer dich schwer ist, gut zu dir zu sein und ein Kompliment anzunehmen. Mir ging es noch vor 4 Jahren absolut genau so.

Es faellt mir auch heute noch etwas schwer, aber ich schaffe es mittlerweile, und sogar ziemlich oft! :)

Knallfrosch
20.06.2011, 11:17
Ich möche mich auch gerne einmischen. Ich habe keine Esstörung und ich bin ungefähr schlank. Ich esse nicht regelmässig. Wenn ich zu festen Uhrzeiten essen soll, dann werde ich dick. Warum? Ich will selbstbestimmt leben. Ich esse wenn ich will, weil ICH es will und keiner hat mir da reinzureden. Das ist mir sehr wichtig. Ich freue mich ein Hungergefühl wahrzunehmen und ich freue ich dann auf die Mahlzeit. Alles andere ist für mich Stress. Diese regelmässige Mahlzeit-Religion liegt bei mir in der selben Schublade wie die Brigitte Diät. Die Schublade hat die Beschriftung "Entmündigte Esser". Dieses gilt - wohlgemerkt - für mich.

Die selbe Einstellung habe ich dem sogenannten gesunde Essen gegenüber. Ich lasse mir nicht vorschreiben, was ich zu essen habe. Ich esse was ich will. Siehe da, ich ernhähre mich nicht ungesund, trotzdem ich mir keine Verbote auferlege. Ich betrachte Pommes mit Majo nicht als meinen Feind oder gar eine Sünde. Wenn ich mag, dann essse ich Pommes. Aber der Geschmack von frischen Zutaten (z.B. Spargel!) lassen sich für mich meistens nicht toppen.

Ich achte darauf, dass ich möglichst gutes Essen zu mir nehme. Ich versuche Industriekram zu vermeiden und würde im Zweifelsfall mein Erspartes in gutes Fleisch investieren statt in Möbel. Warum, weil ich meinen Körper liebe. Er tut mir seit Jahrzenten gute Dienste. Warum soll ich ihm Minderwertiges zufügen? Einem guten und teuren Auto würde ich auch kein Billig-Öl einfüllen. Und ausserdem, weil ich einfach gerne esse. Ich liebe es, mir Geschmäcker auf der Zunge zergehen zu lassen.

Ich sage das nur, um diese Thematik auch von einer anderen Stelle zu beleuchten. Ich glaube nicht daran das die regelmässige Mahlzeit die Antwort auf alle Ess-Probleme gibt. Ich würde mich darauf einfach nicht so fixieren.

Bei dir, Herbstzeitlose, kommt eine Grundstimmung für mich rüber, als ob du dich selbst für etwas bestrafst. Es scheint, als ob du dir selbst nicht liebevoll gegenüber stehst. Das empfinde ich öfter bei Menschen mit Esstörungen, jemand hier im Forum hat mal von selbstverletzendem Verhalten gesprochen. Fand ich eine gute Beschreibung.
Wenn dem so ist, dann ist es doch total egal, ob du vom Tisch oder vom Klodeckel ist, oder?

Das hört sich jetzt wahrscheinlich provkant und gefühlskalt an. Aber warum an den Symptomen rumdoktern, wenn die Grundkrankheit nicht kuriert wird?

Muminfrau
20.06.2011, 12:22
Ehmmm... ich wuerde sagen, ein normales Essverhalten funktioniert tatsaechlich so, wie Knallfrosch es beschreibt.

Andererseits hat mir das regelmaessige Essen schon sehr geholfen. Denn wenn man das Gefuehl fuer Hunger und Saettigung verloren hat, kann man dieses Gefuehl auch nicht mehr zur Regulation benutzen. Man muss andere Weichen stellen, um danach -- hoffentlich -- das natuerliche Essverhalten wieder zu erlangen.

Sophie
21.06.2011, 08:57
@Herbstzeitlose:
Was ist es denn, was dir das regelmäßige Essen und Kochen so verleidet?
Magst du die Schnippelei, Brutzelei und das ganze Gewerkel beim Kochen nicht?
Magst du nicht kochen, weil du das Gekochte nicht essen magst?
Warum vergammeln die Lebensmittel bei dir? Kaufst du "gesunde" Lebensmittel, die du aber gar nicht magst, oder kaufst du nach Gelüste und das Gelüste ist anschließend wieder weg?
Macht es dir alleine keinen Spaß zu kochen und zu essen?
Fühlst du dich so hassenswert, dass du dir gar nicht vorstellen kannst, ein Recht auf Genuss zu haben?
Kannst du dich nur nicht aufraffen? (Kommt bei Depressionen oft vor, dass man gerade noch Kraft hat, zu atmen und aufs Klo zu gehen, aber zu mehr nicht.)

Eine Idee, wenn du wirklich mehr oder weniger regelmäßig essen willst, wäre sogenanntes "Essen auf Rädern". Es gibt in allen größeren Städten Menüdienste, Avendis oder ähnliche, bei denen kann man täglich eine warme Mahlzeit bestellen, oft in verschiedenen Richtungen wie traditionell, vegetarisch etc. Die meisten bieten eine Probierwoche an. Ist zwar eher für Senioren gedacht, aber bei unserem großen Hausumbau, als wir keine Küche hatten, haben wir das eine Zeitlang genutzt und war nicht schlecht. Von den Kosten her ist das auch nicht wesentlich teurer als für eine oder zwei Personen zu kochen und die Hälfte wegzuwerfen.

Herbstzeitlose
23.06.2011, 10:24
@knallfrosch

Du redest nicht provokant! Seblstbestrafung, Selbstverletzung,- ich glaube, du bringst es irgendwie auf den Punkt. Ich könnt auch vom Klodeckel essen, aber es müsst schon meiner sein,- aber ich denke, genau das ist es.
Es war wohl schon während der letzten Familienzeit- und hat sich nur noch weiterentwickelt.
Während meiner Trennungsgedanken habe ich mit am Essenstisch gesessen,- und bin fast verhungert, weil ich nichts mehr gegessen habe. niemand hat das gemerkt- und nach der Trennung dann das Gegenteil.
Ich gehe einkaufen, kaufe für EinenPersonenhaushalt Mengen ein, Gesundes,- Leckeres, keinen Mist- aber zu Hause dann mag ich diesen Sch........ dann gar nicht essen. Sinnvoller wäre es bestimmt, 1kg Kirschen zu kaufen und die zu essen, statt dessen kauf ich einen Wagen ein.
Selbstzerstörerisch und verletzend dieses Verhalten- ja!

@sophie
ich hatte auch diese Idee und bin zu einem Mittagstisch gegangen, das ging 2-3x gut, danach bekam ich von den Gerüchen nur ein Würgen.
Ich kenne kein Hungergefühl, aber auch kein Sättigungsgefühl.Und da ich nun mal alleine lebe, müsste ich eben allein kochen und auch allein essen.Und mit dem Einkaufen- ich glaube eine Alibifunktion.

Schickt mich nicht zum Therapeuten, ich hatte das Jahrelang.Tabletten lehne ich mittlerweile ab, weil ich dann nicht mehr ich bin. Hört sich komisch an, ich weiss, aber vielleicht kann das der nachempfinden, der sich in ähnlicher Situation befindet. Sie dämpfen nicht nur Depression,- auch Gefühle- und ich empfinde mich nicht mehr als selbstbestimmend.

Muminfrau
23.06.2011, 10:27
Ich wiederhole mich nochmals, sorry, und bitte um eine Antwort, oder zumindest um deine Gedanken dazu:

Ab wann moechtest du denn anfangen, einen regelmaessigen Fruehstueck zu essen? Wenn du z.B. heute anfangen wuerdest, an diesem Ziel zu arbeiten, wann koenntest du das schaffen? In zwei Monaten? In 12 Monaten? Waere das eine gute Geschwindigkeit fuer dich? (Ich z.B. finde 12 Monate ganz okay.)

Und noch etwas: Was isst du eigentlich gerne? (Muss nicht unbedingt "gesundheitlich korrekt" sein!)

Muminfrau
23.06.2011, 10:30
Schickt mich nicht zum Therapeuten, ich hatte das Jahrelang.

Dann waren es keine passenden Therapeuten. Ich kenne mittlerweile sehr gut den Unterschied zwischen einem Therapeuten, der zu dir persoenlich passt, und einem, der eben nicht passt.

Wenn du das nicht moechtest, ist es auch ganz legitim und keiner moechte dich zum Therapueten "schicken". Ich moechte dir jedoch Mut machen: es gibt passende Therapeuten, und du koenntest vielelicht irgendwann einen finden, der wirklich hilft.

Ich schreibe dabei bewusst "passender" Therapeut, und nicht "guter" Therapeut, denn auch ein guter Therapeut passt nicht zu jedem Menschen. Therapie ist sehr individuell.

Falls du Englisch lesen kannst, moechte ich dir ein Buch empfehlen, das habe ich schon in einem anderen Thread besprochen und zitiere daraus:

"Richard O'Connor: "Undoing Depression: What Therapy Doesn't Teach You and Medication Can't Give You"

Richard O'Connor ist ein Therapeut, hatte depressive Mutter, die Selbstmord begangen hat, und war selbst depressiv, und ist es immer noch manchmal. Insoweit fand ich sein Buch sehr hilfreich, weil er nicht nur davon spricht, dass Depression "geheilt" werden soll, sondern davon, dass man mit depressiven Episoden manchmal eben leben muss, und wie man das macht, ohne sich etwas Schlimmes anzutun. Und wie man aus depressiven Episoden wieder rauskommt.

Er spricht auch darueber, dass die Therapie nicht immer hilft, und das liegt oefters mal an Therapeuten, und man muss sich einen passenden suchen, und wie man das macht. "

Herbstzeitlose
23.06.2011, 10:40
Ich habe es oft versucht,- wenigstens Frühstück, oder 1-2 Mahlzeiten pro Woche zu kochen- das ist zu viel, verstehst du es nicht?
Schlag dir doch mal ein Ei in die Pfanne und schau zu,...........................-ich tu es aber nicht.
Ich kaufe ein- und könnt den Kram schon zu Hause wieder wegschmeissen.

Natürlich esse ich, verhungere ich nicht,- Gesundes, viel Obst, Joghurt, früher viel Bananen, die mag ich nicht mehr,- lauter Zeugs, was sich gut schlucken lässt, Süßes, Kuchen, und was ich selbst nicht zubereiten muss.
Deckel auf und essen, bis es alle ist, Reste kenn ich nicht, Schokolade die ganze Tafel, Eis- die ganze Packung. Dann ist wieder Ruhe.

Kein Hunger, keine Sättigung, kein Maß

Ich kann kein ganzes Buch in englischer Sprache lesen, ich glaube, es überfordert mich. Mein Therapeut hatte sehr guten Zugang zu mir, wenn es auch sehr lange gedauert hatte, vielleicht gab es einfach zu viele Baustellen- und der eigentliche "schaden" wurde gar nicht entdeckt.

Muminfrau
23.06.2011, 10:48
Und immer noch nicht beantwortet, bitte sei mir nicht boese, ich verstehe wirklich sehr gut, wie es dir geht:

1) Was isst du gerne? Bitte aufzaehlen. Ich finde es sehr wichtig.

Ich habe schon Einiges rausgelesen: Kuchen, Obst, Joghurt, Eis? Was noch?

2) Wie viel Zeit gibst du dir, um regelmaessig ein Fruehstueck essen zu lernen? Dann koennen wir ja weiter besprechen, wie das gehen koennte.

Oder moechtest du dich lieber auf Mittagessen konzentrieren? Es wird schon gehen, es braucht nur Zeit und Geduld.

Herbstzeitlose
23.06.2011, 10:54
Zum Frühstück hole ich mir meistens belegte Brötchen und esse im "Betrieb".

Es gibt eigentlich nichts, was ich nicht mag.Bin ich bei meinen Eltern, esse ich alles, hab zwar auch dieses komische Gefühl, wenn ich das Essen rieche, esse aber trotzdem- und es schmeckt.

Ich gebe mir alle Zeit,- und ich suche nach einem Anker, ich will ja!

Vielleicht sind beide Aspekte, die von Knallfrosch- und deiner, gar nicht so verkehrt

nein,- alle Zeit,- das stimmt doch nicht

Muminfrau
23.06.2011, 11:24
Bin ich bei meinen Eltern, esse ich alles, hab zwar auch dieses komische Gefühl, wenn ich das Essen rieche, esse aber trotzdem- und es schmeckt.

Mir ging es noch vor 2 Jahren absolut genau so. Und jetzt ist es weg. Nicht "einfach so", es gab mehrere Veraenderungen, die aber alle irgendwie dazu gefuehrt haben, dass ich meine Beduerfnisse jetzt besser wahrnehmen kann, und auch besser verteidigen kann. Ich finde das sehr wichtig, und wuerde dir ja gerne helfen, das zu erreichen, nur kann ich als nicht-Profi da leider nicht viel tun.

Zum eigentlichen Problem:

1. Warum meinst du, du musstest unbedingt was Gekochtes essen? Du magst es doch offensichtlich im Moment gar nicht?

2. Was hindert dich daran, mit den Lebensmitteln, die du gerne isst, regelmaessig zu essen?

Ich koennte es mir so vorstellen:

Zum Fruehstuck belegtes Brot, zum Mittag Joghurt und Kuchen, zum Abendessen... was auch immer, Pizza oder so. Und zwischendurch alles, was dir so einfaellt, auch Schockolade. Es soll auch Leute geben, die zum Fruehstueck Eis essen. ;)

Damit wuerdest du regelmaessig essen koennen. Du koenntest dir Zeiten fuer deine drei Mahlzeiten am Tag einplanen, plus vielelicht noch sowas wie Kaffee oder Tee am Vormittag und am Nachmittag. Es sagt ja keiner, dass das regelmaessiges Essen unbedingt selbstgekocht sein muss.

Und dann koentest du trainieren, deinen Kuchen und Joghurt nicht im Stehen zu essen, sondern ganz normal am Tisch, mit Genuss und Aufmerksamkeit. Was haelst du davon?

Herbstzeitlose
23.06.2011, 12:30
@Muninfrau
ich glaube eher, dass mein Problem ist, dass ich wie und was und wo auch immer esse!Aber da hängt noch ein ganz langer Rattenschwanz dran.

Regelmäßige Zeiten einplanen,nur das kaufen was unbedingt benötigt, sich hinsetzen beim Essen,- ja- toll,- ich mach es aber nicht,- und ich habe ein Problem damit!

Gut,- vielleicht ganz gut der Gedanke, vielleicht mag ich jetzt gerade nicht warm essen,- vielleicht sollte ich es auch nicht überbewerten!

Aber ich bekomme keine Struktur da rein- ich lebe so seit 10 Jahren.

Es hört sich so locker an, aber für mich ist das ein Riesenproblem. Ich mag es mir nicht gutgehen lassen, mag nicht geniessen,sonst würde ich es ja tun.
Denk nicht, ich rede alles nieder- bei mir rauchts im Kopf, es knistert und qualmt!

Klangola
23.06.2011, 12:47
Im Jahr 2001 hatte ich, während meiner letzten Schwangerschaft, eine Depression. Auch da aß ich nicht mehr und niemand von den Personen am Tisch hat es gemerkt. Weder mein Mann, der jede 2. Woche, wenn er Spätschicht hatte, am Mittag da war, noch meine Schwiegereltern, die uns bei der Nebenerwerbslandwirtschaft helfen und bei uns essen. Nur diesen kleinen Aspekt meines Lebens, trage ich zum Thema bei. Und natürlich, wie es wieder ging. Meine Therapeutin sagte damals, ich solle mir einfach alles erlauben. Alleine geht es besser mit dem Essen? Bitteschön, alleine essen. Nur süße Dinge rutschen? Nur zu, dann eben das. Eine Mahlzeit fällt aus? Kein Problem. Auf den Körper vertrauen, dass er sich sein Recht holt. Wie du hab ich mir Gedanken gemacht, auch wegen des ungeborenen Kindes. Doch ich entspannte mich und plötzlich ging es wieder. Die lange Zeit von 10 Jahren sind natürlich besorgniserregend. Könntest du dich deinen Eltern anvertrauen und sie kochen für dich mit und du gibst ihnen Geld für Lebensmittel? Vielleicht besser, als gekaufte wegzuschmeißen, doch ich rede so leicht daher, es ist schwer.

Rita
23.06.2011, 13:13
kannst du es dir denn auf anderen ebenen deines lebens "gut gehen lassen"?

ich selber koche zwar relativ oft, aber bei weitem nicht täglich, habe aber keinerlei struktur, was meine mahlzeiten betrifft und nehme sie auch selten am tisch sitzend ein.

ich hab mir, weil man ja überall lesen und hören kann, wie wichtig struktur doch ist, eine zeit lang auch gedanken drüber gemacht, aber für mich beschlossen, dass ich halt einfach ein unregelmäßiges leben habe und da das bestehen auf regelmäßige mahlzeiten nur unnötigen stress bedeuten würde.

ich hab die besten erfahrungen damit gemacht mir selber zu sagen, "ich muss nicht", solange ich niemandem damit schade. und als zwar fix verbandelte, aber allein wohnende ohne kind, habe ich sehr viel freiheit diesbezüglich. warum soll ich die nicht nutzen?

ich muss nicht früh aufstehen, ich muss mein geschirr nicht gleich abwaschen, ich muss keine "gesunden" sachen essen, regelmäßig zum sport gehen, die liste ist lang. und wenn ich mir einfach erlaube nicht zu müssen, funktioniert mein haushalt viel besser, stehe ich vielleicht mit der sonne auf und gehe spazieren, habe ich all die energie, die ich darin verschwenden könnte mich selber zu maßregeln übrig, für dinge, die mir wichtig sind.

verfalle ich in die "du musst" und "du sollst" und "man macht das aber so", die meine kindheit bestimmt haben, kann ich in null koma nix in eine tiefe depression verfallen und dann kommt es dazu dass ich mich nicht mehr nähre, mir nichts gutes tun kann, mir wirklich schade.

vielleicht ein anderer blickwinkel für dich...

Herbstzeitlose
23.06.2011, 13:17
Es klingt absurd,- ich lebe allein,-und ich bin allein. Hier gibt es niemanden, den ich um Hilfe bitten könnte.Meine Familie lebt 400km entfernt.
Auch wir waren eine große Familie,- und keiner hat es mitbekommen. Ein Hilfeschrei, aber niemand hats gehört

Herbstzeitlose
23.06.2011, 13:23
[QUOTE=Rita;107676]kannst du es dir denn auf anderen ebenen deines lebens "gut gehen lassen"?

nein,- das kann ich nicht, bin total unstrukturiert, chaotisch!
ich lebe zwei Leben,- das eine, wenn ich arbeite, da bin ich taff, weiss um meine Qualitäten, werd anerkannt,- und dann fahr ich heim,-in mein anderes Leben.

Rita
23.06.2011, 13:30
auch das kenne ich von mir. ich bin in der arbeit super strukturiert und galt unter manchen kollegen fast schon als pedantisch.

für mich allein bin ich komplett anders.

ich sehe es inzwischen als ausgleich. ich werte keine seite mehr.

Herbstzeitlose
23.06.2011, 13:33
lebst du denn zu hause chaotisch?

ich leide darunter

Nordlicht
23.06.2011, 13:47
@Herbstzeitlose

Es sich gut gehen zu lassen und Chaos/fehlende Struktur schließen sich doch nicht gegenseitig aus... sag ich mal so. Ich hab auch wenig Struktur im Alltag außerhalb der Arbeit. Das ust für mich aber kein Grund es mir nicht gut gehen zu lassen. Es ist halt so, dass es mir gut geht bzw. ich es mir gut gehen lasse und mir dafür genau keine Struktur auferlege. Alle Ziele oder Vorgaben machen mich kribbelig, das kann ich einfach nicht. Also lass ich es sein und erledige die Dinge dann, wenn ich dazu in der Lage bin bzw. gerade Lust dazu habe. Manchmal ist das auch nicht optimal, mit den Konsequenzen lebe ich dann halt. Ich kann mich letzten Endes auch dazu entscheiden, etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt zu tun und mir etwas vorzunehmen und mich darauf festnageln zu lassen. Das geht aber nicht immer. Ich versuche, mich an so etwas langsam heranzuführen, und mache mir keine Vorwürfe, wenn es mal nicht klappt. Es geht mittlerweile etwas besser, ich bin aber weit davon entfernt, Ziele verbindlich formulieren und konkret in kleinen Schritten darauf hinarbeiten zu können. Genauso bin ich weit davon entfernt, regelmäßig zu essen. Allerdings mach ich mir wegen des Essens nciht noch zusätzlich Gedanken, sondern esse einfach das, wo ich gerade drauf Lust habe, und wennich gerade Zeit habe. Von zeit zu Zeit koche ich auch etwas, meist esse ich aber kalt. Was auch gut ist: wenn ich mir eine große Menge koche und diese portionsweise einfriere. Die kann ich dann in der Mikrowelle erhitzen, unkompliziert. Es läuft bei mir definitiv besser, wenn ich nicht alleine bin. Ansonsten ist es halt einfach so und ich lebe damit. Ich muss mir beim Essen keine Vorschriften machen also lass ich es. Und ich hab da absolut kein schlechtes Gewissen. Wenn ich was ändern wollte, würde ich es tun.

Ich sag mal ganz provokant: wenn du im Supermarkt sowieso nur Essen kaufst, was du hinterher wegschmeisst, geh am besten nicht mehr hin. Geh lieber zum Imbiss und hol dir ne schnelle Mahlzeit, die du sofort (im Stehen?) essen kannst. Teurer kommt dich das auf den Monat dann wohl auch nicht, wenn dir sonst die Sachen verderben. Oder gib das Essen, was du nicht essen magst, obwohl gerade gekauft, direkt an die Tafeln weiter, dann freut sich jemand anderes noch darüber und du musst es später nicht wegschmeißen. Mal so als Anregung.

Gruß
Dani

Herbstzeitlose
23.06.2011, 17:33
Mich machts auch kribbelig, wenn etwas von mir erwartet wird- und dann entzieh ich mich dem lieber wieder. Vielleicht aus Angst zu versagen, Erwartungen nicht zu erfüllen,- obwohl ich weiss, ich bin gut,- aber ich habe Horror davor.

Und meine Lebensform mit dem Essen und dem Chaos eine Selbstbestrafung- aber ich suche den >Frieden mit mir, es tut verdammt weh, so zu leben und aus diesem Kreislauf nicht ausbrechen zu können.

Es ist so schwer, das zu vermitteln.

Vielleicht ein Anfang, nicht kochen zu müssen. Vielleicht einen Versuch wert, nicht mehr diese Massen zu kaufen, aber all diese "Macken", wie eine Sucht, ich weiss es,- und trotzdem mach chs. Es tut mir nicht gut,- und ich machs trotzdem. Und wieder die Fragen, warum das eigentlich so ist.............

babelfish
23.06.2011, 17:50
@Muninfrau
Ich mag es mir nicht gutgehen lassen, mag nicht geniessen,sonst würde ich es ja tun.


Bezieht sich das jetzt aufs Essen? Also ich bin in jeglicher Hinsicht ein Chaot. Ich bin unordentlich, schlampig und kann weder zu bestimmten Uhrzeiten essen, noch auf die Toilette gehen, noch lieben, noch schlafen, eigentlich geht in meinem Privatleben wenig nach Plan (interessanterweise bin ich am Arbeitsplatz das genaue Gegenteil).

Eine ganze Zeitlang habe ich probiert Struktur in mein Leben zu bringen, bis ich eingesehen habe, dass ich bereits eine Struktur habe. Ich hasse Langeweile, ich will einfach mal eine Nacht durchlesen oder zwei Stunden Häppchen essen, meine Wohnung umdekorieren oder alles rausschmeißen und von vorne anfangen. Mal esse ich drei wochen lang täglich Feta, mal frühstücke ich, mal ein Jahr lang nicht. Das bin ich und mangelnde "Struktur" hat doch nichts damit zu tun das man es sich nicht gutgehen lassen will.

Muminfrau
23.06.2011, 18:34
Regelmäßige Zeiten einplanen,nur das kaufen was unbedingt benötigt, sich hinsetzen beim Essen,- ja- toll,- ich mach es aber nicht,- und ich habe ein Problem damit!

Wer hat denn gesagt, dass du das alles auf einmal machen musst?! Da wuerde mir auch der Kopf rauchen!

Ich finde uebrigens, Rita und Klangola haben es sehr gut geschrieben: Wenn es gerade nicht anders geht, dann solltest du es dir vielleicht erlauben.

Ich habe frueher auch viele Lebensmittel weggeschmissen, und ich habe mich geaergert und war frustriert. Jetzt hat es sich geaendert, aber erst als sich mein ganzes Leben und mein ganzes Selbstbild geaendert hat.

Naechstes Mal wenn du ins Supermarkt gehst und Einkaeufe machst, koenntest du dir vielleicht sagen: Okay, einen Teil davon werde ich wegwerfen. Das habe ich schon seit 10 Jahren so gemacht, und ich habe es ueberlebt. Also, werde ich es diese Woche auch so machen. Na und? Ich darf das!

Das Problem ist, dass du irgendetwas tun musst. Irgendetwas von den Dingen, die wir geschrieben haben, ausprobieren. Sonst kommen wir alle nicht weiter. Gibt es etwas, was du tun koenntest? Zumindest versuchen? Dann schreib es bitte hier auf, irgendein ganz kleines Schrittchen. Faellt dir was ein? Aber bitte nicht alles auf einmal.

Sophie
23.06.2011, 20:08
Mir ging es so ähnlich mit dem ungehörten Hilfeschrei. Ich habe mich fast zugrunde gerichtet, und dann wurde mir noch gesagt, "Toll, wie du abgenommen hast. Jetzt (!) siehst du richtig gut aus." Keine Frage nach meinem Befinden, ob man mir helfen kann, nix.

So wie ich Herbstzeitlose verstanden habe, ist die Strukturlosigkeit in ihrem Privatleben kein Charakterzug oder Bedürfnis oder eine kurze Phase, sondern sie leidet darunter, und zwar schon seit Jahren.
Ich bin kein Mediziner, aber für mich hört sich das nach einer mittelprächtigen Depression an. Die Kraft reicht gerade zum Arbeitengehen, aber nicht mehr, das Leben zu strukturieren und allem einen Sinn zu geben.

Es scheint so, als würde mit der Trennung (bzw. schon mit den Zerwürfnis vorher) der gesamte Lebensplan zunichte gemacht worden sein. Vielleicht gibt sie sich auch selber die Schuld an der Trennung?

Das zwanghafte Einkaufen ist in der Tat eine Art Sucht. Es ist ein angenehmes Gefühl, die schön angeordneten Waren zu sehen, "Beute" zu machen, sich etwas aneignen, aber das echte Bedürfnis dahinter ist ungestillt. Wenn man nach "Shoppingsucht" oder "Kaufsucht" googelt, findet man ein paar interessante Fakten darüber.

@Herbstzeitlose: Allein die Tatsache, dass du diesen Zustand nicht einfach roboterhaft bewusstlos erträgst, sondern dass du das Bedürfnis hast, etwas zu ändern, ist ein Anfang, aus dem Teufelskreis auszubrechen.
Man muss nicht täglich warm essen. Wenn du (noch) nicht kochen magst, lass es. Wie andere schrieben, geh einfach zum Imbiss oder besser, in ein gemütliches Cafe, oder eine schnucklige Pizzeria. Da ist der Tisch gedeckt, spülen musst du auch nicht, und viel teurer als wagenweise Lebensmittel wegschmeissen ist es auch nicht.
Du bist taff im Beruf? Hinter der Maske verschwindet vielleicht der verletzliche Teil von dir, so dass sich dir niemand nähern mag. Manchmal hilft es, sich bei guten Kollegen, oder falls vorhanden dem Betriebsarzt sich auszuheulen.
Bevor du daran gehst, zu kochen oder regelmäßig zu essen etc., halte ich es für sinnvoller, dass du dich selber wieder leiden kannst. Verschaff dir kleine Erfolgserlebnisse, die etwas länger halten als eine Mahlzeit.

Herbstzeitlose
23.06.2011, 20:28
Hallo Sophie,- ich danke dir für deine Zeilen, du hast mir in so vielem aus der Seele gesprochen, nur in einem Falle widerspreche ich dir- ich denke, es ist keine Kaufsucht, vielleicht will ich einfach nur vorspielen, ein normales Leben zu führen. Wem ist eigentlich egal,- hier kennt mich niemand,- vielleicht spiel ich mir das auch selber vor, ein Leben wie früher, als ich noch verantwortlich war für einen großen Haushalt.

Es ist eine gute Idee, einfach woanders essen zu gehen und sich damit keinen Druck mehr zu machen.Manchmal, wenn ich mich ganz einsam gefühlt habe, hab ich das auch schon gemacht. Nur so richtig abends, da mag ich dann nicht mehr allein unterwegs sein.

Aber du hast Recht, ich versuchs. Mir kullern den ganzen Tag schon die Tränen, über das, was ihr schreibt, darüber, dass sich jemand interessiert und dass ich mit meinem Kummer ernstgenommen werde.

Ich danke euch allen!

bigette
25.06.2011, 05:06
Mir kullern den ganzen Tag schon die Tränen, über das, was ihr schreibt, darüber, dass sich jemand interessiert und dass ich mit meinem Kummer ernstgenommen werde.


Fühl dich mal dolle gedrückt!!!

Ich bin auch nen Telizeit-Chaot (Job=Korinthenkacher, Freizeit/Zuhause=eher nen Schlamperl), ess auch eher unregelmässig...aber wie du an einigen Posts hier siehst, is doch Ordnung nicht alles....
Bist du vllt so an Ordnung/Regelmässigkeit aus deiner Familienzeit gewöhnt und dort so eingebunden gewesen, das dich jetzt deine (zuviel) "freie" Zeit und dass nicht mehr an Regelmässigkeiten gebunden zu sein, stört/fehlt?

Regelmäßige Zeiten einplanen,nur das kaufen was unbedingt benötigt, sich hinsetzen beim Essen,- ja- toll,- ich mach es aber nicht,- und ich habe ein Problem damit!
Da hat Muminfrau Recht... sowas Kann KEIN Mensch "mal eben" alles ändern, ein langer Weg beginnt mit einem kleinen Schritt und besteht dann aus vielen weiteren.

Ich mag es mir nicht gutgehen lassen, mag nicht geniessen,sonst würde ich es ja tun
Warum? Auch du bist, selbst wenn du nen 3. Knie am Kopp hättest, ein Mensch, der nur ein Leben hat und somit nur das Beste für sich verdient hat. Sei nicht so hart zu dir, du bist (nach lesen deiner Posts) so ein netter Mensch, versuch doch bitte dich mit dir selbst anzufreunden und dich nicht selbst als Feind zu sehen und klein zu halten, ob mit oder ohne Therapie.

Herbstzeitlose
25.06.2011, 12:07
puh- ein Wechselbad meiner Gefühle, einerseits freu ich mich riesig über eure mir zugewandten Antworten, zum anderen fang ich an zu heulen.

Eingebunden in der Familie war ich sehr sehr lange, aber seit 10 Jahren lebe ich so, wie ich eben lebe.

Ich danke all denen, die sich auch als Chaot outen, oder als Stehesser, oder oder. All die Zeit habe ich gedacht, ich wäre ein Exot mit meinen Macken.

Gestern bin ich das erste Mal nicht einkaufen gegangen, das war doch irgendwie komisch. Und auch heute werde ich es versuchen. Aber das Hamstersyndrom steckt in mir.

Es ist verdammt schwer, mir gehts nicht gut, aber gefrühstückt habe ich, sogar am Tisch.

Herbstzeitlose
25.06.2011, 12:12
Warum? Auch du bist, selbst wenn du nen 3. Knie am Kopp hättest, ein Mensch, der nur ein Leben hat und somit nur das Beste für sich verdient hat. Sei nicht so hart zu dir, du bist (nach lesen deiner Posts) so ein netter Mensch, versuch doch bitte dich mit dir selbst anzufreunden und dich nicht selbst als Feind zu sehen und klein zu halten, ob mit oder ohne Therapie.


Noch so eine schwere Herausforderung!

Rita
25.06.2011, 13:20
ich denke, teilzeitchaoten gibt es mehr als man glaubt. :-p

ich habe früher auch sehr darunter gelitten und mich geschämt. aber das hat es nicht besser gemacht, ganz im gegenteil.

babelfish
25.06.2011, 14:41
ich denke, teilzeitchaoten gibt es mehr als man glaubt. :-p

ich habe früher auch sehr darunter gelitten und mich geschämt. aber das hat es nicht besser gemacht, ganz im gegenteil.

Ganz genau, es ist nämlich überhaupt nicht wichtig, ob man ordentlich oder schlampig is(s)t. Wichtig ist, dass man weiß wer man ist und mit seinen Macken leben kann und individuelle Lösungen für seine individuellen Probleme findet.

Wobei mir immer noch nicht klar ist ob die Threaderstellerin jetzt wirklich lustfeindlich ist und sich nichts gönnen will, oder ob die Reduktion in ihrem Leben nicht eine ganz gute Lösung war um nicht im Chaos zu versinken. Für mich klingt dieses "innere Struktur kommt nur durch äußere Struktur" zu Stande und zum Essen muss man sich an den gedeckten Tisch setzen und natürlich nur regelmäßige gesunde selbst gekochte Mahlzeiten essen, nämlich immer sehr gekünstelt.

So ein Therapeutenspruch, genau wie ein Hausarzt vielleicht sagen würde: "3x die Woche Sport und 5 Portionen Gemüse müssen sein."
Manche Menschen brauchen aber täglich Sport oder gar keinen, 2 Mahlzeiten oder 10 Snacks. Manche brauchen vollgestopfte Zimmer mit Andenken an allen 4 Wänden und manche brauchen eine Futonrolle und nen Kleiderschrank. Die Entscheidung was man braucht trifft man selbst.

Also liebe Herbstzeitlose, wenn du glaubst weniger Möbel sind gut und du mit täglichem Restaurantbesuch oder Frühstücksbringedienst oder am Bügelbrett essen klar kommst, dann ist genau das dein normales Leben. Für mich klingt das was du beschrieben hast so, als würdest du dich verzeifelt bemühen ein Leben zu führen, dass nicht deines ist, in der irrigen Annahme ein anderes Verhalten wäre normaler als deins (wobei ich mich natürlich irren kann).

TB76SW
26.06.2011, 09:46
Hallo Herbstzeitlose,

puh! Ich kann förmlich sehen, wie Du durch Dein Leben taumelst, auf der Suche nach DEINER Goldenen Mitte, nach DIR SELBST.

Diese Phase habe ich zum Glück schon hinter mir. Es ist nicht schön wenn man mehr oder weniger durch sein Leben "torkelt", keine Ahnung hat wer man ist, wohin man will und -das Schlimmste von Allem- wenn man sich selbst nicht mehr FÜHLEN kann.

Kannst Du Dich vllt noch an Dinge erinnern, die Du früher mal gerne getan hast? Z. B. Spazieren gehen, Ski-Fahren, Wandern, bestimmte Arten von Büchern lesen, in der Sonne sitzen (egal wo), Reisen...etc. Egal was, hauptsache Du hast SCHÖNE Erinnerungen dran. Wenn es da was gibt, dann wiederhole es. Mach einen Wochenendtrip irgendwo hin, geh in den Stadtpark und lass Dir die Sonne ins Gesicht scheinen, gehe in der Natur spazieren und lass Deine Wut raus, schreie wenn Du willst, erzähle einem imaginären Freund was Du gerne erzählen willst (auch wenns Dich jetzt wundert, aber mir hats geholfen, als keiner für mich da sein wollte/konnte)

Tue nur noch Dinge, die Dir guttun. Schau Dich im Internet um. Dort habe ich meine beste Freundin gekennengelert. Vllt findest Du Forumsmitglieder aus Deiner Nähe, die gerne mal einen Kaffee trinken gehen mit Dir usw. usw.

Und vor allem: SEI WÜTEND!! :schrei1: Wütend darauf, dass Du Dich wg Exmann? Exfamilie? Einsamkeit? Arbeit? Essensverhalten? etc. soooo niedergeschlagen fühlst! Wütend dass es Dir nur deswegen schlecht geht! Warum? Wut ist ein sehr guter Antrieb etwas zu ändern.
Sag Dir selber, NEIN! Du erlaubst es NICHT, Dich nur wg Deiner Vergangenheit hängen zu lassen! Du erlaubst Deinem Exmann? Ex-Schwiegereltern?...etc NICHT, Dich SO runterzuziehen! DENEN ZEIGST DU ES!!!

Wenn Du das schaffst, hast Du genug Power um Dein Leben schöner zu gestalten. Die Sache mit dem Essen ist -in meinen Augen- nur ein Sympthom und nicht die Ursache an sich. Ich denke, langsam aber sicher würde sich das dann auch regeln.
Erlaube Dir aber trotzdem immer wieder mal einen Durchhänger. Das ist nur menschlich und hilft Dir auch, Deine Erfolge bis dahin zu erkennen.

Die Wut wird irgendwann verfliegen, weil Du dann merkst, dass Dein Leben schon seit einer Weile gar nicht mal so übel läuft.

All das dauert natürlich seine Zeit. Bei mir waren es 8 Jahre von Punkt Null an bis heute (guter Job, schöne Wohnung, lieber Lebenspartner). Eine recht lange Zeit, aber sie musste einfach sein, damit ich mir klar werden konnte was ich in meinem -neuen- Leben will und was nicht und wohin ich will usw.

Ich wünsche Dir die Stärke um den "Sprung ins kalte Wasser" zu wagen und die Kraft um Deinen Weg in DEIN neues Leben gehen zu können. Helfen können Dir Viele, sofern Du diese Hilfe annimmst. Aber GEHEN, musst Du Deinen Weg selbst.

Fühl Dich ganz dolle gedrückt und Alles Gute

GLG
Tanja

Herbstzeitlose
26.06.2011, 19:25
@babelfish
Die Reduktion erfolgte nicht, weil ich im Chaos versumpft bin, sondern weil ich mich in meinem Leben so reduziert habe, wie ich mich damals (?) gefühlt habe. Da gabs kein Chaos- weil ich nur eine leere 80m²Wohnung hatte, bis auf Matratze, Küchenzeile, Sofa, Bügeltisch!
Erst nach und nach habe ich meine Wohnung eingeräumt- und damit zog das Chaos bei mir ist.Es ist immer präsent- und es lähmt mich!

@TB
In mir ist keine Wut, nur Trauer. Es tut mir leid, ich kann nicht rumschreien oder wütend sein. Ich resümiere-und bin traurig und starr.
Traurig über meine verlorene Familie, über all meine Aktivitäten, die ich seitdem nicht mehr gemacht habe, aber auch traurig darüber, dass ich nicht in der LaGe bin, meinem Leben einen neuen Sinn zu geben.In mir ist immer ein großes Loch, gefüllt mit Traurigkeit und Selbstvorwürfen.
Natürlich habe ich einiges geschafft, auf das ich stolz sein könnte- bin ich aber nicht- und es nährt mich nicht.
Und immer und immer wieder ziehe ich mir den Schuh an, mach mich nieder. Es ist mir unmöglich, mit mir im Frieden zu leben.
Schon verrückt, wie man über geregelte Mahlzeiten zu diesem Thema kommt oder?
Deine/Eure Beiträge sind mir eine ganz große Hilfe, ich danke Euch allen!

Sophie
26.06.2011, 19:41
Traurig über meine verlorene Familie, über all meine Aktivitäten, die ich seitdem nicht mehr gemacht habe, aber auch traurig darüber, dass ich nicht in der LaGe bin, meinem Leben einen neuen Sinn zu geben.In mir ist immer ein großes Loch, gefüllt mit Traurigkeit und Selbstvorwürfen.

Tja. Essverhalten hat eben oft andere Hintergründe als das Essen an sich.
Deine Bemerkung, dem Leben keinen Sinn (mehr) geben zu können, hat mich hellhörig gemacht.

War denn deine Familie der Mittelpunkt deines Lebens? Hast du alles an den Bedürfnissen deiner Familie ausgerichtet? Hast du nur für die Familie gelebt? Ist das deine Vorstellung von einem "richtigen" Leben: die heile Familie um den Esstisch vereint?
Dann wundert mich nicht, dass du alleine essen grauenhaft findest. Es erinnert immer wieder daran, wie es nicht mehr ist.
Da ist so viel in Scherben gegangen. Erst findest du keine Hilfe in der Familie, als du sie brauchst, und dann zerbricht alles. Das macht mich jetzt sehr betroffen. Fühle dich mal in den Arm genommen.

Vielen Menschen geht es ähnlich. Es gibt Trennungen wie bei dir, oder die Kinder gehen aus dem Haus und die Eltern bleiben im leeren Nest zurück. Oder ein Partner stirbt. Viele Männer fallen in genauso ein tiefes schwarzes Loch, wenn sie in Rente gehen oder arbeitslos werden - bei ihnen war die Arbeit der Mittelpunkt, um den sich alles gedreht hat.

Ich weiß nicht, was für einen neuen Lebensmittelpunkt du finden kannst und wie. Vielleicht ist allein schon das Vorhaben, einen neuen Mittelpunkt zu finden, ein gutes Ziel, das dich wieder aufrichten kann?

babelfish
26.06.2011, 23:42
@babelfish
Die Reduktion erfolgte nicht, weil ich im Chaos versumpft bin, sondern weil ich mich in meinem Leben so reduziert habe, wie ich mich damals (?) gefühlt habe. Da gabs kein Chaos- weil ich nur eine leere 80m²Wohnung hatte, bis auf Matratze, Küchenzeile, Sofa, Bügeltisch!
Erst nach und nach habe ich meine Wohnung eingeräumt- und damit zog das Chaos bei mir ist.Es ist immer präsent- und es lähmt mich!


Ich habe ja auch nur die Theorie aufgestellt, dass die Reduktion dich vorm Versumpfen gerettet hat. Sozusagen wenig um sich herum, weil die Kraft nicht reicht für mehr. Das allein bedeutet für mich aber nicht, dass du quasi lustfeindlich wärst, sondern nur, dass du einen Weg gefunden hast mit deinem Gefühl klar zu kommen.

Herbstzeitlose
27.06.2011, 10:24
Du hast Recht, zu dem Zeitpunkt hatte ich wirklich nur die Kraft, regelmäßig und "ordentlich" zur Arbeit zu gehen und nicht noch zusätzlich eine Wohnung in Ordnung zu halten.
Das war u. a. ein Therapiepunkt, nur,- nun habe ich eine Wohnung mit Inventar,- und die "Probleme" sind dadurch nicht gelöst.
Ich gehe immer noch gerne "regelmäßig und ordentlich" zur Arbeit,- aber alles andere ist geblieben- trotz möblierter Wohnung.
Chaos im Kopf, Ernährung, Bewegung,- Hobbys.
Natürlich weiss ich, dass andere auch Chaos haben,- aber für mich bedeutet das Rückzug aus dem Leben,- aus allen Bereichen,- und ich leide darunter und frage mich, was ich machen kann, um aus diesem Schlamassel rauszukommen.

Gerade gestern erst habe ich gehört.................dann musst du eben diäten und dich mehr bewegen....................... ....diese Sprüche, dahergelabert, wie ich sie hasse.

Aber eines ist wirklich absolut beruhigend, was ich hier mitgenommen habe- ich muss nicht mehr einkaufen um zu kochen.Ich mache mir keinen Druck mehr, was kochen zu müssen,- weil ichs ja sowieso nicht tu.#

Auch da wieder koch dir doch einfach bisschen Gemüse, Kartoffeln,fertig, Das macht nicht viel Arbeit uswusw. Das weiss ich auch,- und selbst nicht viel Arbeit ist mir persönlich aber zu viel, weil ich DAS nicht mal schaffe.

Ich möchte um Verständnis bitten, ich möchte nicht jammern, ich lese wirklich jeden Beitrag und lass ihn mir zu Herzen gehen.
Als wenn man einen Schalter umlegen könnte,- so ab heute Sport und Diät,- wenn das soooo einfach wäre,- ich hätt schon längst das Licht angeknippst.

Knallfrosch
27.06.2011, 11:36
Liebe Herbstzeitlose,

im Verlauf dieses Threads bekomme ich den Eindruck, dass du viele einzelne Baustellen hast (oder Nebenkriegschauplätze), so wie das Essen, die Ordnung, mangelnde Selbstliebe etc. Ich habe den Eindruck dass diese Baustellen Symptome sind und auf ein größeres Problem hinweisen, das du in deinen Beiträgen ausgelassen hast. Etwas was du vermeidest. Lieber machst du dir einen Kopp über dein Essverhalten. Stellvertreterkrieg? Das ist natürlich total legitim und ich möchte an dieser Stelle keinen Seelenstrip verlangen. Ich glaube halt dass es doch irgendwie müssig ist, an den Nebenkriegschauplätzen zu kämpfen, statt das Grundproblem anzugehen. Aber das bin nur ich.

Jetzt hast du mehrmals Ist-Zustände geschildert. Ich bin im Chaos, ich habe ein Problem mit dem regelmässigen Essen, ich will mir nicht Gutes tun. Da du Therapie machst, vermute ich mal dass du dich auch mit den Gründen dieser Ist-Zustände beschäftigst, die hast du hier nämlich ausgelassen. Warum willst du dir nichts gutes tun? Mir ist das nämlich sehr fern, aber das nur nebenher und ausserdem siehe oben.

Okay. Dann nehmen wir diese Ist-Zustände einfach mal als Status Quo und lassen es mal so stehen. Rita hat doch etwas ganz tolles gesagt, nämlich "ich muss nicht".
Ich finde diese drei Worte ganz magisch. Du musst nicht ordentlich sein, du musst nicht regelmässig essen, einkaufen oder kochen. Du musst nicht einmal dich selber lieben, wenn es jetzt halt nicht geht. Halt doch mal inne und sag die drei Worte. Was passiert dann?

Herbstzeitlose
27.06.2011, 12:22
Ich finde diese Worte auch magisch- und ich bin ruhiger geworden, nein, ich muss nicht-
vorhin hatte ich es geschrieben, wie sehr mich das entlastet und dass ich ruhiger geworden bin mit meinen Gedanken.

Du hast Recht, ich werde und muss hier keinen Seelenstripptease ablegen. Ich bin sehr lange therapeutisch begleitet worden, aber ich bin irgendwann an einen Punkt angekommen, wo es nicht weiterging,- wo ich das Gefühl hatte, jetzt wird alles nur konserviert.
Ich habe mich lange mit meiner Verganenheit beschäftigt- aber das alleine löst nicht die Probleme. Es ging nicht weiter voran- und ich alleine stoß aber auch immer wieder an meine Grenzen und mir wird bewusst, dass ich es so nicht will- wobei wir wieder beim "Hebel umschalten" wären.

Und wer hat nicht Nebenkriegsschauplätze in seinem Leben?

Ich suche für mich nach Lösungen,- nach Hilfe- und durch den Austausch hier, kommt Licht in Mein "Gedankenchaos". Das hoffe ich, habe ich auch mehrfach zum Ausdruck gebracht.

Vielleicht habe ich dich missverstanden, aber ich laufe wirklich nicht mit Scheuklappen hier durch den Thread.

Knallfrosch
27.06.2011, 12:42
Das wollte ich gar nicht unterstellen, Herbstzeitlose. Ich glaube nur dass du ggfs zuviel von einem Thread / einem Forum erhoffst. Wir können nur unserere Eindrücke schildern aber halt nicht all deine Probleme lösen. :)
Du hörst dich so an, als ob dir ganz allgemein die innere Ruhe fehlt und das können wir doch nicht liefern.

Erzähl doch mal, was dir eigentlich Spaß macht, das haben die anderen auch schon gefragt.

Rita
27.06.2011, 13:32
wenn für mich "mir etwas gutes tun" bedeuten würde , das zu tun, was die anderen für etwas gutes für mich halten (diäten und sporteln :eek:), dann würde ich mir auch nix gutes tun "wollen".

was das wohnen betrifft noch 2 dinge.

ich habe mir, nach langem inneren kampf, für etliche jahre eine putzfrau gegönnt, obwohl ich finanziell eigentlich am limit war. das war "mein luxus".

das hat mir den druck genommen, dass ich ja "muss" und war ein bissl seelenstreicheln, weil ich mich umsorgt fühlen konnte, wenn meine perle sich irgenwelche extraarbeiten fand, die sie in den verbleibenden minuten machen konnte, nachdem die basisarbeiten erledigt waren, auf die ich nie verfallen wäre.

leider ist sie viel zu früh plötzlich verstorben und ich habe momentan keine putzfrau, aber ich hab gemerkt, dass dieses intermezzo mein verhältis zum thema ordnung und putzen deutlich entkrampft hat. schon der gedanke, dass ich diese arbeiten völlig legitim jederzeit delegieren kann, macht mich innerlich locker.

und

ich habe eine wohnung in der ich mich nicht wohlfühle, und nie wohlfühlen werde, weil sie mit meiner vergangenheit belastet ist. sobald ich es finanziell stemmen kann, eine deutlich höhere miete für weniger wohnfläche zu zahlen und einen umzug zu finanzieren, wo ich nicht räumen und schleppen muss, bin ich hier weg.

die belastung dieser wohnung führt allerdings auch dazu, dass ich es nicht schaffe es mir hier "schön" zu machen, es ist funktionell, aber ich stecke keine liebe hinein. ich höre auch " dann mach doch einmal neue böden rein und das badezimmer neu, und es gibt für kleines geld nette neue möbel...", das weiß ich alles, aber ich will und werde das nicht in dieser wohnung umsetzen. schon der gedanke daran führt zu purer erschöpfung.

beides hätte ich vor etlichen jahren für mich noch als pure faulheit zutiefst verurteilt. heute find ich es logisch. der mensch ändert sich.

Herbstzeitlose
27.06.2011, 13:40
Ich bin ein bisschen betroffen,- natürlich habe ich mir etwas erhofft. In erster Linie, dass ich überhaupt mal in dieser Form ausdrücken kann, was mich belastet.
da kam ein Baustein zum anderen dazu- und wenn sich auch nicht damit mein Problem gelöst hat, aber es hat sich gelockert.
manchmal erkennt man dann erst, dass vielleicht das eine mit dem anderen verknüpft ist,- oder dass man dieses oder jene Gefühl nicht alleine durchlebt und dass es da irgendwo jemanden gibt, der Anteil nimmt und der sagt, ich drück dich mal.
Ich erwarte hier weder ein Patenrezept noch Therapie.
Vielleicht habe ich es dann falsch rübergebracht, entschuldigt bitte!!!

Herbstzeitlose
27.06.2011, 14:11
@Rita
Meine Wohnung ist absolut nicht mit Vergangenheit belastet- und ich fühle mich hier trotzdem nicht zu Hause.
Vielleicht ist das Wirklich die Frage nach der (verlorenen) Identität- wer bin ich und wo will ich hin, was ist mir wichtig, was nicht.
Meine Wohnung bezeichne ich als Wohnung- und nicht als mein Zuhause.

Deine Idee mit der Putzfrau finde ich gut,auch wenn ich selbst auch kein Krösus bin aber es würde vielleicht auch eine Menge Stress nehmen.

Natürlich könnte man vieles, aber ich kann es nicht- zumindest nicht immer.Natürlich könnte ich mein Mittag auch im Stehen,- aber ich tu es nicht, natürlich könnte ich mit meine Hobbys wieder beginnen, kann ich aber nicht, natürlich könnte ich mein Rad aus dem Keller holen, kann ich aber nicht.

Ich habe alle Freiheiten, aber ich nutze sie nicht.Und meine Verpflichtungen habe ich jetzt nur mir gegenüber, hätte also alle Zeit der Welt, oder alle Möglichkeiten,- aber ich nehme dieses kostbare Geschenk nicht an.Gibs den anderen, mach andere glücklich, aber lass mich damit in Ruhe. Ich will nichts,- und ich fordere nichts,- ich will keinen Platz- ich will keinen Raum, ich will einfach nur meine Ruhe, Rollos runter, Tür abschliessen,- ich will nicht, dass jemand Forderungen stellt, oder Ansprüche erhebt.

Rita
27.06.2011, 14:18
du weißt doch was du willst. du willst deine ruhe :).

also los, sperr die tür zu, roll die rollos runter, stell das telefon und die türglocke ab, roll dich in deinem bett/sessel zusammen und gönn dir die ruhe.

was um himmels willen sollte dagegen sprechen?

Knallfrosch
27.06.2011, 14:19
Erzähl doch mal, was dir eigentlich Spaß macht, das haben die anderen auch schon gefragt.

:)

babelfish
27.06.2011, 17:16
du weißt doch was du willst. du willst deine ruhe :).

also los, sperr die tür zu, roll die rollos runter, stell das telefon und die türglocke ab, roll dich in deinem bett/sessel zusammen und gönn dir die ruhe.

was um himmels willen sollte dagegen sprechen?

Es ist auch Freiheit, die Freiheit und die Gelegenheiten nicht zu nutzen. Daher schließe ich mich Rita an, faulenze soviel du willst, leg dich auf die Couch leg die Füße hoch und bestell dir ne Pizza und wenn du irgendwann willst, dann kannst du immer noch kochen, putzen, regelmäßig essen und hinterher das Fahrrad aus dem Keller holen.

Klangola
27.06.2011, 18:26
Du hast mich zum Nachdenken gebracht. Auch ich lebe quasi nur für meine Familie. Sicher bin ich immer zu Hause, weil wir ja diese Nebenerwerbslandwirtschaft haben. Mein Mann geht zur Arbeit und ich bin es, die sich um alles kümmert, wenn er nicht da ist. Kochen ist zwar meine Leidenschaft, doch die Bequemlichkeit, die sonst noch biete, findet meine Familie gut. Sie müssen hinterher nicht helfen, in der Küche wieder klar Schiff zu machen. Auch die Wäsche, die Sauberkeit im Haus und der Ertrag im Garten sind meins. Aus deinen Worten lese ich, dass du das auch alles gemacht hast. Nun denke ich, ich müsste mir auch was für mich selbst suchen.

Du suchst noch immer, weil es dir vor 10 Jahren den Boden unter den Füßen weggerissen hast. Meine Frage an dich, was hättest du vorbeugend tun können? Das könnte mir bei meinen Überlegungen helfen, die mir durch den Kopf gehen, weil ich mich ja auch so engagiere für die Lieben. Nichts dauert ewig, denke ich und wenn du es nicht anmaßend findest, mir auf die Sprünge zu helfen, indem du dich zurückerinnerst und überlegst, was du heute anders machen würdest, dann antworte kurz.

Deine Klangola

Muminfrau
27.06.2011, 19:26
Aber eines ist wirklich absolut beruhigend, was ich hier mitgenommen habe- ich muss nicht mehr einkaufen um zu kochen.Ich mache mir keinen Druck mehr, was kochen zu müssen,- weil ichs ja sowieso nicht tu.

Super! :daumen: Da bewegt sich doch was! Ich freue mich fuer dich. :)

Herbstzeitlose
27.06.2011, 21:28
Super! :daumen: Da bewegt sich doch was! Ich freue mich fuer dich. :)

Das sehe ich auch so, lieben Dank zu Dir

Liebe Klangola,-
ich wüsste nicht, was ich dir raten könnte.Wenn du bis jetzt alles gerne für deine Familie gemacht hast, ist es doch toll- ein bisschen mehr Mithilfe würde ich an Deiner Stelle schon einfordern, damit deine Arbeit nicht zur Selbstverständlichkeit wird.
Mit der Landwirtschaft und der Versorgung der Familie wirst du voll und ganz ausgelastet sein- vergiss nicht dir Freiräume und Nieschen zu schaffen.
Ich war einfach nicht selbstbewusst damals, hab mich immer mehr an die Wand drücken lassen, bis mir die Luft um Leben wegblieb.Und das letzte bisschen Selbstvertrauen wurde mir genommen. Das würde ich anders machen, könnte ich die Zeit noch einmal zurückdrehen. Mir meinen Wert in der Familie zu schaffen.Das hat viel mit Achtung aber auch mitToleranz auf allen Seiten zu tun- und dabei spielt es, so denke ich, keine Rolle ob du nun ausser Haus oder im Haus "beschäftigt" bist.
Ich wünsche mir, du weisst, was ich dir damit sagen möchte

Klangola
28.06.2011, 07:47
Ja, ich weiß, was du mir sagen willst. Denn es ist genau das, was ich mir schon die ganze Zeit selber denke. Es von dir bestätigt zu kriegen, tut mir gut, denn ich bin jemand, der denkt "das ist jetzt egoistisch von dir" und im gleichen Augenblick doch innerlich trotzig das Gegenteil denkt. Nun werde ich verstärkt darauf achten, dass ich für mich sorge, denn du rätst mir auch dazu, indem du sagst, das würdest du anders machen, wenn du die Zeit zurückdrehen könntest. Danke für deine Worte, Herbstzeitlose.:five:

Herbstzeitlose
28.06.2011, 23:25
Auch ich bedanke mich bei dir, dass du mich um Rat gefragt hast und dass du dich mit meinem Thema auseinandersetzt.
Mir haben die vielen Antworten geholfen, mich nicht alleine damit zu fühlen und zu resignieren.
Vielleicht löst sich ja doch eines Tages mein Knoten!

Herbstzeitlose
30.06.2011, 13:51
Heute nun muss ich wirklich einkaufen gehen- und ich habe Schiss davor- denn mein Urlaub ist vorbei, die Vorräte sind aufgebraucht, das Wochenende steht vor der Tür, ich brauch was für den Hunger, für den Notfall, für mal zum Gemütlichmachen, mal was für Gesundes kochen,- und und und.

Ich hab Angst vor zu viel, vor zu wenig, und für eine Einkaufsliste hätte ich auch jede Menge Gegenargumente.

Manno, mir fällt das verdammt schwer

Muminfrau
30.06.2011, 14:55
ich brauch was für den Hunger, für den Notfall, für mal zum Gemütlichmachen, mal was für Gesundes kochen,- und und und.

Du verlangst wieder zu viel von dir. Ich dachte, du wolltest, zumindest voruebergehend, nicht kochen? Du weisst doch, dass es nicht klappen wird, oder?

Und wie waere es damit, dass du dir erlaubst, zu viel einzukaufen und die Lebensmittel danach wegzuwerfen?

Mir ging es einige Zeit so mit Joghurt: Eigentlich mag ich Bio-Naturjoghurt, und es ist auch die einizge Joghurt-Sorte, die ich uebrhaupt mag. Nur, jedes Mal wo ich "gesund" essen wollte und mir welchen gekauft habe, stand er dann 3-4 Wochen im Kuehlschrank, und wurde dann entweder weggegworfen, oder gegessen, aber nur, weil es so "sein muss".

Seit einger Zeit habe ich mir verboten, Joghurt zu kaufen. Gesund oder ungesund, lecker oder nicht -- ich ess das Zeug sowieso nicht! Also, Schluss damit! Es war wirklich sehr befreiend. ;)

Nachtrag: Vor der "Joghurt-Verbotsphase" gab es eine Phase, wo ich Joghurt gekauft habe und weggerworfen habe. Das war erlaubt. Dann habe ich gemerkt, dass ich ihn wirklich imemr wegwerfe, udn danach akm der Verbot. Manchmal muss man eben ausprobieren!

Knallfrosch
30.06.2011, 15:06
Genau. Vergiss nicht Herbstzeitlose, dass "normale" Leute auch Essen wegschmeissen. Bei mir klappt es nicht ohne Wegschmeissen weil ich gerne eine Variabilität an Sachen zur Auswahl habe. Daher bin ich froh, nen Kompost zu haben. Es tut immer mal wieder weh, Essen wegzuschmeissen aber ich will doch nicht statt dessen über meinen Körper entsorgen, nä.

Sophie
30.06.2011, 19:33
... ich brauch was für den Hunger, für den Notfall, für mal zum Gemütlichmachen, mal was für Gesundes kochen,- und und und.r
Warum denn alles auf einmal? Oder warum sind das alles unterschiedliche Sachen?
Und was ist ein Notfall?
Ich könnte mir denken, dass man es sich auch mit etwas Gesundem gemütlich machen kann, und gegen Hunger ist sowieso alles gleich gut geeignet.
Für den Notfall eine Packung Nudeln, das reicht im Notfall. Und muss etwas Gesundes dabei sein?
Verlang nicht zuviel auf einmal von dir. Ich denke, am Wochenende kannst du dich auf das "Gemütlichmachen" beschränken. Gemütlich macht auch satt. Und Gesund kann warten.
Du musst nicht!

Herbstzeitlose
01.07.2011, 09:24
Ich wollt damit nur zum Ausdruck bringen, was wieder für ein Chaos in meinem Kopf ist, dass ich das Gefühl habe dieses oder jenes unbedingt zu brauchen, und ich für mich nicht hinbekomme, was dabei für mich wirklich wichtig bzw. gebraucht wird.
Es ist für mich wie........................... ......Koffer packen für den Urlaub. Sonst habe ich keine Probleme mit dem, was ich anziehen könnte, aber da kann ich mich dann nicht entschliessen und hau das Auto letztendlich voll, weil ja reichlich Platz vorhanden ist.
So gehts auch mit dem Einkaufen, ich kann mich nicht so richtig entscheiden und dadurch wird der Einkaufswagen voll wie ein Container.
Ich bewundere immer die jungen Leute, die sich einen kleinen Karton holen und da ihren Einkauf reinpacken.

Klangola
01.07.2011, 10:34
Der Vergleich mit dem Koffer packen für den Urlaub ist gut. Immer denkt man, man steht im Ausland mit lauter ungünstigen Sachen da und das Wetter ist ja auch nicht überall gleichbleibend. Für den Einkauf im Supermarkt gilt eine ähnliche Überlegung, bei mir vor allem am Wochenende und wegen der Vielzahl der Geschmäcker meiner Lieben. Sonntags sind die Läden nun mal zu und man möchte gewappnet sein.

Hast du ein Tiefkühlfach, das wäre ein Tipp von mir, nämlich solche Leckereien wie Pizza oder Pastafertiggerichte da rein zu packen. Falls dir sowas schmeckt. Einfach damit mal nichts verdirbt, das magst du ja nicht so gern.;)

Herbstzeitlose
01.07.2011, 10:44
Keine Ausrede- ich habe nur ein kleines Fächlein,- und ja,- davon habe ich die letzten Tage profitiert.

Ich gehe schon nicht mehr in große Läden, sondern habe einen kleinen um die Ecke.Da ist die Versuchung nicht ganz so groß, in die alten Familienzeiten zurückzufallen, wo man eben für einen großen Haushalt einkaufen musste.

Ich glaube, ich kann mich nie zufrieden geben und kritisiere und verurteile mich ständig, für mein Essverhalten, Chaos, Einkaufsgewohnheiten.

Statt mich nun zu freuen, dass ich zumindest gefrühstückt habe, kritisiere ich, gegessen ja- aber nicht am Tisch, nichts zum Kochen eingekauft, auf Tiefkühl zurückgegriffen, wie ungesund,- immer und immer wieder die Krtitk, die ich mir zusetze.

Muminfrau
01.07.2011, 13:30
Statt mich nun zu freuen, dass ich zumindest gefrühstückt habe, kritisiere ich, gegessen ja- aber nicht am Tisch, nichts zum Kochen eingekauft, auf Tiefkühl zurückgegriffen, wie ungesund,- immer und immer wieder die Krtitk, die ich mir zusetze.

Ich moechte dir vorschlagen, dass du nicht "entweder oder", sondern "und" benutzt. Ich meine, in Gedanken. z.B.:

- Ich freue mich, dass ich gefruehstueckt habe, das habe ich gut gemacht!

- Und parallel zur dieser Freude laufen noch andere Filme in meinem Kopf, z.B. dass ich nicht am Tisch gegessen habe, und auch nicht "Gesundes"

Das sind Emotionen, du kannst sie nicht abschlaten, und solltest auch nicht. Du kannst aber auswaehlen, welchen Film du guckst.

Du kannst die Freude auswaehlen und sagen: Ich habe diese Freude gemerkt. Auch wenn Kritik parallel dazu laeuft, ist es ein ganz anderer Film, den kannst du spaeter noch gucken.

Und, ganz nebenbei, warum machst du nicht eine Einkaufsliste? Faellt es dir schwer?

totalegal
01.07.2011, 17:40
Sonntags sind die Läden nun mal zu und man möchte gewappnet sein.
Die Tankstellen haben auf.
Wenn ich das richtig verstanden habe, hat Herbstzeitlose ein Auto und bräuchte lediglich einen Plan der Tankstellen- oder Kiosk-Öffnungszeiten. Es ist natürlich sehr teuer dort, aber wenn man alternativ zuviel einkauft und es dann wegwirft, macht das keinen Unterschied.
Einkaufen für Notfälle fällt dann schon mal weg.

totalegal
01.07.2011, 17:45
Und, ganz nebenbei, warum machst du nicht eine Einkaufsliste? Faellt es dir schwer?
Soll ich (Niemalskocher) dir eine machen?:teufel:
Ist nicht ganz ernst gemeint, du würdest dich schrecklich ungesund ernähren. Mit viel Schokolade.

Sophie
01.07.2011, 19:08
Idee: delegieren.
Ich weiß nicht, wie deine wirtschaftliche Situation aussieht, aber du könntest eine Putzfrau kommen lassen, die einmal in der Woche saubermacht und gegen ein Extrageld einmal die Woche einkaufen geht oder einen Einkaufszettel ausarbeitet. Du gibst das Budget und bestimmte Rahmenbedingungen vor (bevorzugte Geschmacksrichtung, "ich mag nicht gerne kochen"), und sie kauft danach ein. Vielleicht hat jemand Außenstehendes eher den Blick dafür, was in einem 1-Personen-Haushalt an Bedarf besteht.
Oder auf der Internetseite hausfrau.de. Vielleicht gibt es da Tipps für Einkaufslisten.

Nordlicht
01.07.2011, 23:10
Hmja... Einkaufsliste ist gut - wenn man sich dran hält! :-D Was mir immer schwer fällt. Aber wenn man es sich leisten kann, gibt es dafür noch eine Lösung: Onilneshopping. Da muss man nicht in den Supermarkt, kann alles in Ruhe angucken, wieder verwerfen, neu anfangen, und schlußendlich bestellen.

Wie viel man wirklich braucht hängt doch auch mit davon ab, was man so alles isst und mag. Es ist eine Sache zu sagen: ich kauf mir jetzt 7 Frosta-Gerichte, für jeden Tag eins! Aber eine andere Sache, lose oder in bestimmten Mengen abgepackte Ware einzukaufen. Wenn man allerdings eh nicht kocht, kann man sich größtenteils wieder auf Fertiges beschränken und hats wieder einfacher, nech? ;)

Davonab: jeder hat wohl nen kleinen Tick. Der eine kauft Schuhe, die nächste Handtaschen... ich hab lange Zeit nicht an Duschgels vorbeigehen können. Mittlerweile hab ich nen Riesenvorrat an Duschgel und nutze ihn nicht. Ich weiß nur nicht, was ich damit anfangen soll, zum Wegwerfen ist das eigentlich zu schade. Deos sind auch dabei. Ich hab einfach gekauft, weils toll gerochen hat, ohne Nutzen. Ich nehme an, sowas muss ab und zu mal sein :-D Zum Glück bin ich mittlerweile davon abgekommen neue zu kaufen, seitdem es bei mir Aufnahmestopp gibt (von mir selbst verordnet).

Für mich persönlich ist der beste Weg, nicht zu viel zu kaufen: ich weiß vorher, was ich will - ich hole die Sachen zielstrebig und mit Scheuklappen vor den Augen aus dem Supermarkt - ich reite mit meinen Trophäen heim. ;) Auf die Art und Weise hat es Monate gedauert, bis ich alle Abteilungen des örtlichen Supermarktes kannte, aber mein Geldbeutel wurde mit meist sinnvoleren Dingen strapaziert...

Gruß
Dani

Herbstzeitlose
03.07.2011, 17:50
Ich könnte dir aus meiner Sammlung entweder Olivenölseifen zum Tausch anbieten oder Deos :-)

Also einkaufen bedeutet für mich auch, mich "freiwillig" unter Menschen zu begeben, abgesehen natürlich von meinem Job,- wo ich ausschliesslich mit Menschen zu tun habe,- aber " zu Hause"- da kapsel ich mich von der Aussenwelt ab, manchmal tagelang.
Und wenn ich dann einsehe mal rauszumüssen, dann eben einkaufen,- und dann kauf ich ein wie ein Hamster.
Übrigens war ich gestern einkaufen, zwar schon deutlich weniger als sonst, aber immer noch reichlich- bis zum Ende der Woche müßte ich nicht mehr los.

Mal sehen, wie lang diese Einsicht anhält und wann ich mir den ersten Druck wieder mache.

Ich wünsche Euch einen guten Start in die Woche!

Klangola
08.07.2011, 15:59
Das Wochenende ist da. Lass es nicht in Stress ausarten, liebe Herbstzeitlose. Wenn du nach dem Einkauf zu viel heimbringst, dann verdamme dich nicht selbst, schließlich sollst du relaxen, damit du am Montag wieder fit bist. Es gibt schlimmere Sünden als Hamsterkäufe zu tätigen. Und zum Thema Ordnung noch ein Spruch von meiner Freundin: "Bei mir kann man vom Fußboden essen, da findet man immer was!":-D

Herbstzeitlose
08.07.2011, 18:25
:-D wenns nur nicht so ernst wäre

danke- woher hast du gewusst, dass ich hier schon wieder amok laufe? ja-der einkauf ist dran, brauchen tu ich fast nichts- aber essen könnt ich wie ein scheunendrescher- es ist irgendwie nie das richtige im haus.

deine freundin is(s)t echt genial! eines tages erschlägt mich noch mal mein chaos oder ich muss dem rettungsdienst vorher die koordinaten von mir durchgeben, damit er mich in meiner wohnung überhaupt findet.

ich hoffe weiterhin auf so eine nette wegbegleitung von dir- herzliche grüße

Sophie
09.07.2011, 12:12
Was wäre denn das Richtige? Hast du bestimmte Vorstellungen von einem Essen und verbietest dir das dann, weil es "böses Essen" ist?

Oder weißt du gar nicht genau, was du willst?
Wenn du nur so ein vages Gefühl hast von "das befriedigt mich nicht", dann suchst du vielleicht in der falschen Richtung. So in der Art:
Schokolade hat mich nicht befriedigt, also versuche ich Wurst.
Wurst hat mich nicht befriedigt, also versuche ich Nudeln.
Nudeln haben ....
Du suchst aber nur beim Essen. Kann es sein, dass du eine irgendandere Sehnsucht hast, dir das aber irgendwie nicht selber zugestehen möchtest und deinen Wunsch nach Befriedigung aufs Essen überträgst? Falls das so ist, wirst du nie "das Richtige" da haben, selbst wenn du im Tengelmann campierst.
Ich habe mal gelesen "Ich aß die Schokolade,weil ich umarmt werden wollte. Aber Schokolade kann mich nicht umarmen."

Und was ist das für ein "Chaos" in deiner Wohnung? Ist es unaufgeräumt, zugemüllt, vollgestopft oder wie soll ich mir das vorstellen?
Ich bin zuhause ja auch so eine Schlamperliese. Da türmt sich die benutzte Wäsche der ganzen Woche auf meinem Sessel im Schlafzimmer, und gespült wird einmal in der Woche, oder wenn es anfängt zu riechen...
Eine kleine Hilfe ist mir das Einteilen: Montags wird die Küche aufgeräumt, Dienstags der Flur, Samstags das Badezimmer....
Es muss nicht alles perfekt picobello sein. Für den Anfang reicht es aus, alles was auf dem Boden liegt wegzuräumen. Dann sieht es schon viel ordentlicher aus. Auf der Seite von simplify your life (googlen) findet man viele Ordnungstipps, von denen der eine oder andere ganz brauchbar ist.

Wichtig ist jedenfalls, dass du wieder Mut und Kraft bekommst, dann klappt der Rest fast von alleine.

Herbstzeitlose
09.07.2011, 13:04
@Sophie

so ganz verkehrt liegst du nicht, Sophie!
Nur muss ich diesen Zustand akzeptieren, dass da eben niemand ist, der mich dieses oder jenes oder mit dem ich zusammen.
Vielleicht bin ich wirklich auf der Suche nach dem, was mir guttut oder einfach auf der Suche nach mir selbst.
Mein Chaos könnt ich beschreiben, wie du es getan hast. Ich seh alles, raff mich auf, steh auf- und setz mich wieder hin, einmal umdrehen und die Kraft dafür ist vorbei.
Meine Tochter sagt mir immer, 30 Minuten- und das Chaos ist beseitigt- aber für mich erscheint es nicht zu bewältigen.
Vielleicht liegt es auch daran, dass ich hier keinen Besuch bekomme, Familie lebt zu weit weg, Freunde oder Bekannte habe ich keine in dieser Stadt.
Wenn ich dann mal das Bedürfnis nach Kommunikation habe, gehe ich einkaufen,- aber das lauert dann das nächste Problem.

Was ich bisher wirklich geschafft habe, keine Mengen mehr einzukaufen, die dann doch im Müll landen. Aber es erfordert jede Menge Selbstdisziplin,- denn schon wenn ich daran denke, was ich noch brauche, kann ich keine Entscheidung treffen.Manchmal gehe ich dann lieber gar nicht einkaufen und futter mich durch die Reste durch, ansonsten gibts den Bahnhof, den Türken um die Ecke, das Cafe.

Aber ich bin nicht glücklich darüber!!! Nur dass mit dem Einkauf, das macht mich schon mal stolz, dass ich nur so viel eingekauft habe, dass ich am Ende der Woche nichts weggeschmissen habe.

Sophie
09.07.2011, 19:46
"In 30 Minuten beseitigt" ist aber kein wirkliches Chaos. Unter "Chaos" stelle ich mir Schlimmeres vor. Dir fehlt wirklich nur die Kraft, überhaupt anzufangen. Eine Einteilung in kleine Etappen (Sonntag abend wird gespült. Samstag wird das Klo geputzt. Oder was so an Aufgaben anliegt.) hilft manchmal sehr, wenn man das Gefühl hat, alles wächst einem über den Kopf.
Ich habe allerdings eher den Verdacht, dass du eine kleine Depression hast. Du solltest damit zum Arzt gehen. Dass dir damals die Medikamente nicht bekommen sind, lag vielleicht daran, dass es nicht die richtigen waren. Es ist auch wichtig, dem Arzt genau zu schildern, was du fühlst. Wenn du sagst "ich habe Chaos im Kopf, ich bin durcheinander." wird er dir etwas Dämpfendes verschreiben, das wäre aber total verkehrt.
Da du dich nicht aufraffen kannst, mutlos und kraftlos bist, brauchst du eher stimmungsaufhellende Medikamente. Und keine Angst, die machen nicht abhängig. Du brauchst aber eine "Starthilfe", um aus dem schwarzen Loch rauszukommen. Dann findest du auch die Kraft, neue Wege zu gehen.

Wie lange wohnst du in diesem Ort? Ist es eine kleine oder größere Stadt? Um unter Leute zu kommen, muss man ja nicht nur einkaufen gehen. (Ich bin als junge Frau viel mit dem Zug gefahren, einfach so aus Spaß. Da hat man auch manchmal nette Gespräche geführt.) Oder geh in die Stadtbücherei. Man kann über Bücher ein Gespräch anfangen oder nur still an einem Tisch sitzen und lesen und die anderen Leute beobachten.

Muminfrau
09.07.2011, 20:10
Meine Tochter sagt mir immer, 30 Minuten- und das Chaos ist beseitigt

Jo, genau das sagt auch meine Mutter immer. ;) Es gibt einfach Menschen, denen das Aufraeumen leicht faellt. Und es gibt Menschen, die damit total ueberfordert sind. Ich habe zwar keinen Chaos, aber ich habe auch nicht so viel Zeugs. Ich kann aber sehr gut verstehen, was du fuehlst.

Der Grund fuer diese Ueberforderung koennte der Perfektionismus sein. Man moechte sofort alles "richtig" machen. Dabei ist Aufraeumen ein Prozess (zuindest fuer mich), und es dauert eben nicht 30 Minuten!

Herbstzeitlose
23.07.2011, 12:46
Also so einiges von dem, was Ihr mir mit auf den Weg gegeben habt, habe ich beherzigt!
Besonders aufbauend war wirklich der Satz, du musst nicht,- und so habe ich es gehalten.
Mit dem Einkaufen bzw. hamstern klappt es wesentlich besser- ich habe kaum etwas weggeworfen und auch mal was aus den Vorräten verbraucht- und ich habe gekocht- heute:applaus:
Mein Wohnungschaos ist fast beseitigt, bis auf das Schlafzimmer- aber da sag ich mir eben auch, ich kann, aber ich muss nicht aufräumen!Ich spüre ein bisschen mehr Leben in mir- und habe heute sogar gemerkt, als ich satt war.

Mir gehts heute gut- und ich freu mich über meine kleinen (Fort)schritte

Muminfrau
24.07.2011, 03:12
Hey, das sind doch riesige Fortschritte, wenn du deine ersten Beitraege leisst. :applaus::daumen:

Herbstzeitlose
24.07.2011, 10:14
Hey, das sind doch riesige Fortschritte, wenn du deine ersten Beitraege leisst. :applaus::daumen:

Ich danke Dir- du bist sehr geduldig gewesen und hartnäckig. Mir ging es damals nicht gut, das stimmt.
Mir haben die vielen Gedankenanstöße sehr geholfen,- auch,- ob ich wirklich Hunger habe oder ob da nicht was anderes hintersteckt.

Vielleicht muss man nicht für alles eine Erklärung finden, vielleicht kostet die Suche danach zu viel Kraft- und doch wüsste ich den Grund gerne für meine Einbrüche und die damit verbundene Lähmung.

Aber heute freue ich mich erstmal über meinen kleinen Erfolg und wäre nicht böse, wenn weitere folgen würden.

Knallfrosch
02.08.2011, 16:03
Hallo Herbstzeitlose,

ich hab nochmal in deinen Tröt gestöbert und dann mal überlegt, was man so im Hause haben sollte (für Notfälle und als Basics). Hier meine Liste für eine Person, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und nur für Lebensmittel. Passt auch für Selbtversorger-Urlaub.

Kaffee! :cool:
Milch
Zwiebel
Knoblauch
Eier
Bisschen Gemüse (zB. auch Tiefkühlgemüse)
Dosentomaten
Dose Linsensuppe oder irgendwas was schnell geht und gut (!) schmeckt
Reis
Nudeln
Olivenöl
Pfeffer, Salz und Zucker

Ich greife im Notfall gerne auf die Eier zurück und mach einfach ein Omlett mit Gemüse