Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : minimal invasive Schlüsselloch - Chirurgie In memoriam Bodo H. Hauser
biggerman
17.01.2006, 20:26
In memoriam Bodo H. Hauser
Wie sich jetzt herausgestellt hat, ist der von mir sehr geschätzte Journalist Bodo H. Hauser an den Folgen einer minimal - invasiven der sogenannten "Schlüsselloch-Operation" gestorben. Er ist nach Zeitungsmeldungen innerlich verblutet. Verblutet aufgrund einer Op Technik, die gerade auch in der Adipositaschirurgie als "komplikationslos" propagiert wird.
Trau, schau, wem.
Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Bodo_H._Hauser) schreibt dazu: *Fremdzitat entfernt* Weiß man, welcher Art die Darm-OP war?
Martina
biggerman
17.01.2006, 23:02
Ich will da nicht raten, es stand aber zu lesen, d. minimal invasiv eine Verdickung am Darm entfernt werden sollte.
allerdings stand an anderer Stelle, die Blutung sei in einem der "Löcher" entstanden und unbemerkt der Bauchraum voll Blut gelaufen.
Lovely Rita
17.01.2006, 23:16
Ich will da nicht raten, es stand aber zu lesen, d. minimal invasiv eine Verdickung am Darm entfernt werden sollte.
allerdings stand an anderer Stelle, die Blutung sei in einem der "Löcher" entstanden und unbemerkt der Bauchraum voll Blut gelaufen.
was heißt das?
meinem onkel wurden im rahmen einer darmspiegelung neulich zysten weggeschnippelt.
ist das derselbe vorgang?
Verblutet aufgrund einer Op Technik, die gerade auch in der Adipositaschirurgie als "komplikationslos" propagiert wird.
Trau, schau, wem.
Ich hoffe, ich trete mit meiner Antwort nun niemand auf den Schlips oder so.
Natürlich finde ich es auch fatal, wenn ein Mensch gerade bei einer Routine-Operation stirbt. Sollte man deshalb die ganze Methode in Frage stellen?
Zumal es sich bei Herrn Hauser - leider - um einen Behandlungsfehler des (in meinen Augen entweder unfähigen oder überlasteten) Arztes handelte.
Eine Operation birgt immer ein Risiko, ob nun konventionell oder minimal invasiv.
Aber es ist doch mal so, daß bei dieser Operationstechnik weniger Gewebe zerstört wird, weniger Verwachsungen entstehen, der gesamte Organismus weniger belastet wird (kleinerer Schnitt = kleinerer Blutverlust, weniger Schmerzen als bei großen Schnitten).
Wirklich bedauerlich, wenn trotzdem Menschen zu Schaden kommen...aber leider nie auszuschließen.
Zumal es sich bei Herrn Hauser - leider - um einen Behandlungsfehler des (in meinen Augen entweder unfähigen oder überlasteten) Arztes handelte.
Sehe ich genau so. AC ist prinzipiell eine fragwürdige Sache, die Technik ist da zunächst einmal zweitrangig.
*Fremdzitat entfernt*
Interessant finde ich, wie relativ schnell es doch zu einer Form von Gerechtigkeit kommt, sobald das Ärzteopfer ein Promi ist. Otto Normalverbraucher kämpft bisweilen Jahrzehnte in solchen Fällen, Erfolg ungewiss.
was heißt das?
meinem onkel wurden im rahmen einer darmspiegelung neulich zysten weggeschnippelt.
ist das derselbe vorgang?
Nein, das sind zwei verschiedene Sachen. Bei der Darmspiegelung und Entfernung von Zysten wird über den After ein Endoskop eingeführt. Es wird hier vorher immer der Gerinnungswert des Patienten bestimmt, damit man hier entsprechend reagieren kann. Bei Zystenentfernung kann wohl auch mal was passieren, allerdings wird hier schnell festgestellt, ob eine Blutung nicht stoppen will.
Bei der Schlüssellochtechnik werden in die Bauchdecke 2 oder mehr winzige Schnitte gemacht, durch die der Arzt dann arbeitet.
Lovely Rita
18.01.2006, 14:15
danke dir für die erklärung, na_ich :)
Letztlich schrillen bei mir immer die Alarmglocken, wenn ich diese Bezeichnung "Routine-Eingriff" höre. Ich habe bislang 2 sogenannte Routine-OP's hinter mir und bei beiden gab es extreme Komplikationen. Der von Ärzten so gerne verwendete Begriff "Routine-OP" versetzt mich eher in Angst und Schrecken, als daß er mich in irgendeiner Form beruhigen würde.
Interessant finde ich, wie relativ schnell es doch zu einer Form von Gerechtigkeit kommt, sobald das Ärzteopfer ein Promi ist. Otto Normalverbraucher kämpft bisweilen Jahrzehnte in solchen Fällen, Erfolg ungewiss.
Genau das fand ich auch so erstaunlich. Die Sachlage ist klar und der Arzt wurde sofort suspendiert. Wäre soetwas bei einem Patienten ohne Promi-Status passiert, dann würde der Arzt ersteinmal munter weiter praktizieren bis in der letzten Instanz (und Jahre weiter) ein Urteil verkündet wird.
Verblutet aufgrund einer Op Technik, die gerade auch in der Adipositaschirurgie als "komplikationslos" propagiert wird.
Trau, schau, wem. Also, Fehler sind menschlich. Ich denke nicht, dass er aufgrund der OP-Methode gestorben ist, sondern weil der OP-Arzt "gschlampert" hat. Das hätte diesem genauso bei einem Bauchschnitt o.ä. passieren können. Ich bin vor 2 Jahren auch minimalinvasiv im Bauchraum operiert worden - übrigens, um Folgen einer konventionellen OP zu korrigieren. Und das Heilen der zwei Schnitte (Bauchnabel + Bauchfalte) ging wesentlich schneller und komplikationsloser über die Bühne, als das Heilen des Bauchschnittes 12 Jahre zuvor. Diesen tragischen Fall auf die OP-Methode zurückzuführen, halte ich für falsch. Sicher ist aber, dass im Vergleich zur offenen OP der minimalinvasive Eingriff schonender und sicherer ist.
Kirstin
P.S.: Angenommen, jemand ist von einer Schlange gebissen worden. Das Gift wirkt sicher tödlich. Es gibt zwei Medikamente, die gegen diese Art Schlange eingesetzt werden. Das eine heilt 85% aller Patienten, das andere führt bei 12% aller Patienten zum Tod. Für welches Medikament würdet Ihr Euch entscheiden?
frauvonheute
18.01.2006, 15:29
Angenommen, jemand ist von einer Schlange gebissen worden. Das Gift wirkt sicher tödlich. Es gibt zwei Medikamente, die gegen diese Art Schlange eingesetzt werden. Das eine heilt 85% aller Patienten, das andere führt bei 12% aller Patienten zum Tod. Für welches Medikament würdet Ihr Euch entscheiden? Letzteres, da höhere Überlebenschance?!
Babs
Letzteres, da höhere Überlebenschance?!
Babs Richtig. Die meisten Menschen aber rechnen nicht, sondern lesen nur. Das eine Medikament heilt, das andere tötet. Also entscheiden sie sich für das Medikament, das weniger Menschen helfen kann. Kleiner mathematischer oder vielmehr in der Statistik gebräuchlicher Trick. Nach dem Motto: Wie erreiche ich, dass die Menschen meine Fragen so beantworten, wie ich das will und für meine Studie brauche...
Kirstin
biggerman
18.01.2006, 22:07
und was bedeutet d. nun in bezug auf AC, konservativ oder minimal -invasiv???
Im übrigen beinhaltet jedes Medikament und jede OP Risiken und Nebenwirkungen, nur wird d. leider allzuoft verdrängt.
Soigneuse
18.01.2006, 22:55
und was bedeutet d. nun in bezug auf AC, konservativ oder minimal -invasiv???
Ich sehe in diesem Fall den Zusammenhang zur AC einfach nicht *sorry*.
Als ich meinen Sohn vor 16 Jahren per Notkaiserschnitt zur Welt brachte, hätte es mir im Übrigen genauso gehen können, wie Bodo Hauser. Die Narbe war so schlampig genäht worden, dass ich innere Blutungen hatte. Es hat 10 Tage gedauert, bis ein Oberarzt auf die Idee kam, das zu überprüfen. Bis dahin hatte ich eine Odyssee von Verständnislosigkeit (Bauchschmerzen, unglaublich schlechte Eisenwerte etc.), Medikamentenbeigaben, Bluttransfusionen (2 l) hinter mir. Ich bin nur aufgrund der Bluttransfusionen diesem Schicksal entgangen. Bis man bei der Ultraschalluntersuchung aufgrund der Intervention des Oberarztes eine große Menge Flüssigkeit unter meiner Bauchdecke festgestellt hat und diese am nächsten Tag (wiederum mit konventioneller Methode) entfernt und die Narbe neu vernäht hat.
Auweia, lange Rede kurzer Sinn: Nur weil "das Krankenhaus" bei mir besser reagiert hat als bei Bodo Hauser, habe ich überlebt und er nicht.
Ich bin gegen AC, egal auf welchem Weg. Ich sehe aber auch keine allzu großen Unterschiede zwischen konventionell und minimal-inversiv beim OP-Risiko.
Im übrigen beinhaltet jedes Medikament und jede OP Risiken und Nebenwirkungen, nur wird d. leider allzuoft verdrängt.
Diese Risiken spreche ich auch keineswegs ab, das hatte ich ja geschrieben. Nur wenn ich z.B. bei einer Knie-Operation die Wahl zwischen zwei kleinen und einem Riesenschnitt habe, da wähle ich doch lieber ersteres.
Und das schreib ich jetzt nicht einfach so, denn ich kenne beides. Das rechte Knie hat nur die kleinen Arthroskopie-Narben, während das linke eine knapp 15 cm lange (leider damals unvermeidbare) Narbe "ziert"...abgesehn von der kosmetischen Seite hatte ich am linken Knie zwei Nach-OP´s aufgrund von Verwachsungen.
Ich kann verstehn, wenn man selbst mit einer Operationsmethode schlechte Erfahrungen gemacht hat und aufgrund dessen dieser Methode sehr skeptisch gegenüber steht. Aber ich finde, daß man das nicht pauschalisieren kann.
und was bedeutet d. nun in bezug auf AC, konservativ oder minimal -invasiv??? Das bedeutet, dass jede Methode Vor- und Nachteile hat. Aber auch, dass man nicht anhand der "Todesfälle", sondern anhand der Erfolgsquote rechnen sollte. Die Frage ist also, was ist letztlich erfolgreicher: konservative Methoden oder minimal-invasive Methoden. Und ich denke, dass man nicht aufgrund eines (zugegebenermaßen prominenten) Todesfalles eine Methode komplett verteufeln sollte. Hier sollte es nicht um absolute Zahlen, sondern um relative Zahlen gehen. Die minimalinvasive Therapie ist schonender für den Patienten, die Liegezeit wird signifikant verkürzt, die Heilung verläuft schneller und mit wesentlich weniger Komplikationen. Und aus meiner eigenen Erfahrung (zwei OPs im Bauchraum, eine konservativ, eine minimalinvasiv) würde ich immer wieder die minimalinvasive Therapie wählen.
Abgesehen davon: AC kommt für mich nicht in die Tüte...
Kirstin
befasst sich die Sendung "Menschen bei Maischberger" mit dem Thema.
http://www.daserste.de/maischberger/
Um AC wird es da wohl nicht unbedingt gehen, aber interessant ist das bestimmt trotzdem.
Genau das fand ich auch so erstaunlich. Die Sachlage ist klar und der Arzt wurde sofort suspendiert. Wäre soetwas bei einem Patienten ohne Promi-Status passiert, dann würde der Arzt ersteinmal munter weiter praktizieren bis in der letzten Instanz (und Jahre weiter) ein Urteil verkündet wird.
Ich habe die Sendung gesehen. Dort war der Sohn eines Mannes, der in der selben Klinik vom gleichen Arzt operiert wurde (vor vier Jahren, glaube ich) und an der selben Komplikation bzw. Schlamperei gestorben ist. Damals ist besagter Arzt noch befördert worden!
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