Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie man 11 Euro spart
Es gibt ein neues Buch von einem Mann namens Mathias Jung.
Titel: ÜberGewicht. Der Kampf mit dem eigenen Körper.
Ganz frisch veröffentlicht als kleines gebundenes Buch im emu-verlag und zu haben für 11 Euro.
Ich habe es mir bei amazon gekauft und dort heute folgende Bewertung geschrieben:
Das schlechteste Buch zum Thema, das ich kenne – rausgeworfenes Geld!
Seit vor über 20 Jahren Susie Orbachs „Anti-Diät-Buch“ erschienen ist, habe ich mich durch mehr oder minder die komplette Literatur zu diesem Thema gelesen – und bin immer noch neugierig auf Neuerscheinungen, auf neue Erkenntnisse, Erfahrungen und Wege anderer. Also habe ich mir auch dieses Buch gekauft. Nicht zuletzt wegen des Untertitels, der eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema erwarten ließ.
Was für eine Enttäuschung!!
Matthias Jung ist ausgewiesen Psychotherapeut und Philosoph. Gerade von einem solchen Menschen hätte ich weiß Gott mehr erwartet als eine Ansammlung von Platitüden, Halb- und Unwahrheiten. Und die werden dann auch noch im plump-vertraulichen Duz-Ton dargeboten.
Von Essstörungen hat der Mann keinen blassen Dunst. Von den vielfältigen und komplexen Ursachen von Übergewicht und Adipositas schon gar nicht. Wie sonst könnte er sich schon auf den ersten Seiten dazu versteigen zu behaupten, Schilddrüsenerkrankungen, Stoffwechselstörungen und genetische Disposition seien „Mogelpackungen“ und „Ausflüchte“. Die Spatzen der Wissenschaft pfeifen es von allen Dächern, dass es zu einem sehr hohen Maß eine Frage der Gene ist, ob man dick wird oder nicht. Es sei denn, man entscheidet sich für ein an jedem Tag extrem asketisches Leben. Und zwar von Anfang an und bis zum Ende. Es gibt dicke und dünne Menschen, so wie es kleine und große, schwarze und weiße gibt? Papperlapapp.
Die Tatsache, dass – auch das ist längst wissenschaftlich belegt - viele Dicke durch jahre- und jahrzehntelanges Diäten ihren Grundumsatz so heruntergefahren haben, dass sie auch von 800 oder 1000 Kalorien täglich nicht mehr abnehmen, verweist der Autor ins Reich der Märchen und unterstellt diesen Menschen, sie schwindelten uns was vor, äßen in der Öffentlichkeit Salat und zu Hause dann wieder Fast Food, Chips und Torten. Solche Klischees haben bestenfalls das Niveau unserer größten deutschen Tageszeitung mit den vier Buchstaben.
„Wir Essgestörte“ – so versucht Herr Jung eine gemeinsame Ebene herzustellen, wo keine ist. Offensichtlich hat der Mann mal eine Krise gehabt, ein wenig frustgefressen und dann wieder abgenommen. Kommt in den besten Familien vor. Manifeste Essstörungen über viele Jahre, häufig Jahrzehnte hinweg sind was anderes, das wissen sowohl Betroffene als auch Therapeuten nur zu gut. Essstörungen sind eine Krankheit, der man kaum beikommt, wenn man zum einen empfiehlt, man möge sich vor dem Spiegel nackt betrachten und sich seiner Hässlichkeit versichern, und den Menschen zum anderen mitgibt, sie müssten sich nur vollwertig ernähren, dann würde alles wie von Zauberhand gut. Abgesehen davon, dass die sogenannte Vollwerternährung keineswegs unumstritten ist, ist es genauso ein Irrglaube, dass man davon abnimmt, wie es ein Irrglaube ist, alle Dicken würden sich mehr oder minder von Fast Food und Chips ernähren. Und alle Schwulen lieben ABBA, und alle Schwarzen können ganz toll tanzen, gell?
Weiter geht’s mit der beliebten Schlagzeile: Deutschland wird immer dicker.
Panik! Weltuntergang!
Der "Spiegel" hat 2000 zu den ersten gehört, die vor einer "Generation XXL" gewarnt haben. Laut der dort verwendeten Grafik hatte sich die Zahl der übergewichtigen Kinder von 1975 bis 1995 verdoppelt. Unter der Grafik war kleingedruckt zu lesen, die Studie sei (ausschließlich) in Halle und Jena durchgeführt worden, und zwar aufgrund einer "in Frankreich üblichen Definition von Übergewicht".
Diese französische Definition stammt aus den fünfziger bis siebziger Jahren, erfasste also auch noch die aus naheliegenden Gründen wesentlich schlankere Nachkriegsgeneration.
Und was war eigentlich mit dem Rest von Deutschland?
Erst 2001 wurde eine für Deutschland gültige Definition von kindlichem Übergewicht vorgestellt. Dann hat man nochmal gerechnet. Plötzlich waren nicht mehr 20-30 Prozent der Kinder übergewichtig, sondern nur noch 7-8. Allerdings waren diese Zahlen viel zu wenig spektakulär, um groß veröffentlicht werden zu können.
Aber schließlich ist jeder Dicke einer zuviel. Mathias Jung hält uns deshalb nochmal mahnend vor, welche bösen Krankheiten (natürlich alle) Dicken (und nur die) bekommen, wie sie damit der Gemeinschaft auf der Tasche liegen und der Volkswirtschaft schaden. Nach dem Motto: Ein bisschen (mehr) schlechtes Gewissen schadet nie.
Aber es kommt noch dicker – mit waschechten Beleidigungen: „Dummheit und Fehlinformation“ seien die größten Probleme beim „Übergewichtsproblem“, schwadroniert da der Autor. Ungeachtet der Tatsache, dass Heerscharen dicker Menschen – vor allem, wenn sie jahrzehntelange Diätkarrieren hinter sich haben – längst zu Ernährungsexperten geworden sind, die sehr genau Bescheid wissen. Und ungeachtet der Tatsache, dass ein steigender Bevölkerungsanteil mit Migrantenhintergrund auch einen steigenden Anteil dickerer Menschen bedeutet. Das nicht etwa deshalb, weil diese Menschen alle so dumm sind, sondern weil verschiedene Völker verschiedene Physiognomien haben. Das ist nicht neu, aber im Zeitalter des globalen Magerkeitswahns offenbar nicht länger hinzunehmen. Erstaunlicherweise stellen Wissenschaftler in Experimenten mit Schulkindern fest, dass gerade die Migrantenkinder noch die am besten ausgeprägten Geschmacksnerven haben, weil in ihren Familien häufig traditionell, sprich mit natürlichen Zutaten gekocht wird. Nix Chips, nix Fertiggerichte und Fast Food.
Fast überflüssig zu erwähnen, dass die therapeutische Binsenweisheit der dringend notwendigen Selbstakzeptanz bzw. Selbstliebe hier keine Chance hat. Eigentlich ist sie aller (erfolgreicher) Therapie Anfang. Hier aber soll der Selbsthass motivieren, die Erkenntnis, wie unförmig und wenig schön man doch aussieht. Selbst ein liebender Partner wird nur als „Ausflucht“ abgetan.
Fazit: Ein Buch, mit dem ich etwas tun werde, was ich - aus Respekt vor dem Medium an sich – nur in absoluten Ausnahmefällen tue: Ich werde es in die Mülltonne werfen. Schade um die 11 Euro.
Sally,
wäre diese toll ausformulierte Rezension nicht was für Amazon?
kampfzwerg
12.01.2006, 15:14
Sally,
wäre diese toll ausformulierte Rezension nicht was für Amazon?
Genau DAS hat sie doch getan.
Es dauert aber immer eine Weile, bis die Rezensionen dort erscheinen. Außerdem kommt nicht immer alles rein, wenn ich mich recht an die dortige Politik erinnere.
frauvonheute
12.01.2006, 15:15
*Murmel Brille reich*
Ich habe es mir bei amazon gekauft und dort heute folgende Bewertung geschrieben:
;)
Babs
frauvonheute
12.01.2006, 15:15
Genau DAS hat sie doch getan.
Es dauert aber immer eine Weile, bis die Rezensionen dort erscheinen. Außerdem kommt nicht immer alles rein, wenn ich mich recht an die dortige Politik erinnere. Kampfzwerg und frauvonheute, die Forumspolizei :-D
:five:
Babs
Ups, da oben steht's ja... :-o
Ja, äh, dann also einfach nur ein Lob: Tolle Rezension!
frauvonheute
12.01.2006, 15:19
Tolle Rezension! Und da stimm ich Murmel uneingeschränkt zu. Ich finde es toll, Sally, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen sehr ausführlichen Text zu schreiben. Ich kaufe bei Amazon oft anhand der Rezensionen und dieses Buch wäre bei mir jetzt definitiv aus dem Rennen.
Babs
Tolle Rezensin, Sally, danke!
Mir schwillt alleine schon der Kamm, wenn ich deine Zusammenfassung des Buches lese.
Leider weitverbreitete Ansichten, wie wir ja alle immer wieder zu spüren bekommen.
Welcher Arzt wird sich dieses Buch nun wieder als Leitfaden nehmen?
(...) und unterstellt diesen Menschen, sie schwindelten uns was vor, äßen in der Öffentlichkeit Salat und zu Hause dann wieder Fast Food, Chips und Torten.
Das ist genau die Art von Vorurteil, die mir immer wieder bei Ärzten begegnet ist.
Welcher Arzt wird sich dieses Buch nun wieder als Leitfaden nehmen?
Bingo!
Erstens machen Vorurteile das Leben derjenigen leichter, die dann was zum draufhauen haben und zweitens lassen sie sich besser vermarkten als differenzierte Wahrheiten, weil man da nicht so fürchterlich viel denken muss. Daher wird sich das Buch wohl gut verkaufen.
Ich hoffe auch sehr, Sally, dass deine Rezension zumindest auszugsweise bei Amazon erscheint, die einzige, die bisher dort steht, ist völlig irreführend.
Soigneuse
12.01.2006, 20:07
http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/applaus.gif Liebe Sally,
deine Rezension ist absolute Klasse. Ich bewundere wieder einmal deine Wortgewandtheit und Fähigkeit, Themen absolut auf den Punkt zu bringen.
Ich kenne die Rezensionspolitik bei Amazon nicht, befürchte allerdings, dass dein Text nur in stark gekürzter Form veröffentlich wird (wenn überhaupt). Ich habe bisher noch keine so lange Rezension dort gesehen.
Erstens machen Vorurteile das Leben derjenigen leichter, die dann was zum draufhauen haben und zweitens lassen sie sich besser vermarkten als differenzierte Wahrheiten, weil man da nicht so fürchterlich viel denken muss. Daher wird sich das Buch wohl gut verkaufen.
Damit hast du, Lunix, mit Sicherheit den Nagel auf den Kopf getroffen. Offenbar bedient dieses Buch mit Bravour jedes in unserer Gesellschaft gängige Dickenvorurteil und wird somit Wasser auf den Mühlen all derer sein, nach denen Dicksein ausschließlich auf einen Mangel an Disziplin und Sich-selbst-belügen zurückzuführen ist. http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/mad.gif
dramaqueen
12.01.2006, 20:09
Toll, dass du dir die Mühe gemacht hast, eine so umfassende Rezension zu schreiben! :applaus:
Außerdem vielen Dank! Ich hatte eigentlich vorgehabt, mir dieses Buch zu kaufen, da auch ich den Untertitel recht vielversprechend gefunden hatte...
Das kann ich mir jetzt ja zum Glück (er)sparen.
lg,
dramaqueen
Um einen von mir sehr geschätzten Menschen zu zitieren: vielen Dank für die vielen Lobe, Löber, Lobs... wie heißt denn da der
Plural? Das scheint mir zu sein wie bei der Post, bei Jesus und beim
Durchfall ... es gibt keinen.:)
Ich habe bei amazon durchaus schon so lange Rezis gelesen ... kommt immer drauf an. Die Textmaske gab an, bis 1000 Worte ... und hat den Text komplett so angenommen. Schaumermal.
Ansonsten habe ich das Ganze in Nullkommanix in die Tasten gehauen. Musste einfach sein wegen allzuviel Wut. So wie andere mal an den Punchigball müssen oder in den Squash-Court, muss ich halt die Wut verbal rauslassen. Tät' mich dafür einer bezahlen, wär's fein.
Ich hoffe, das Machwerk verschwindet im Orkus ... der Verlag ist eher klein und hat sicher nicht viel Werbebudget. Das einzig Blöde ist, dass man das Buch als ersten ("besten") Treffer kriegt, wenn man bei amazon das (ganz bestimmt sehr gängige) Stichwort "Übergewicht" eingibt.
Danke, Sally, für die Warnung und die ausführliche Rezension.:applaus: Hoffentlich veröffentlicht Amazon sie, damit auch andere nicht auf diesen irreführenden Titel hereinfallen.
Viele Grüße,
Kimmie
Ich möchte mich hier mal dran hängen. Meinem Mann wurde von seinem Hausarzt das Buch
"Fett weg für faule Säcke - Abnehmen nach dem Orgien-Prinzip"
von Dr. Michael Despeghel-Schöne
empfohlen. Ich habe angefangen, dieses Buch, das natürlich im Vergleich zu allen anderen Abnehm-Ratgebern das Nonplusultra sein soll, zu lesen und habe es irgendwann weggelegt. Ich bin auch noch ziemlich unentschlossen, ob ich es weiterlese.man möge sich vor dem Spiegel nackt betrachten und sich seiner Hässlichkeit versichernAuch Herr Dr. Despeghel-Schöne gibt solch einen Tipp: Man soll sich vor den Spiegel stellen und auf und ab hüpfen. Alles, was sich dann bewegt (außer der weiblichen Brust) ist überflüssig und muss weg. Toll! Das ist vielleicht für denjenigen hilfreich, der 10 kg abnehmen will. Aber abgesehen davon, dass solche Tipps für WIRKLICH Übergewichtige eher kontraproduktiv sind, ist wohl auch eine Diskussion darüber erlaubt, ob ein Sixpack tatsächlich das Nonplusultra der Schönheitsideale ist.
Ansonsten ein Buch voller Binsenweisheiten. Ich merke immer wieder, dass ich mir die Lektüre solcher Bücher sparen sollte: Es steht nie etwas Neues drin und vieles, was drin steht, ist nach meiner Auffassung schlicht falsch und damit gefährlich.
Ich lasse es Euch wissen, sollte ich mich entschließen, das Buch fertig zu lesen.
Martina
Lovely Rita
15.01.2006, 17:37
Dr. Michael Despeghel-Schöne
Der Name kam mir jetzt gleich bekannt vor.
Ich hab von ihm ein anderes Buch gelesen und das fand ich recht in Ordnung.
"Fitness für faule Säcke"
da geht es um den Aufbau einer Kondition und zwar gewichtsunabhängig.
Einige Tipps sind da - rein was die Erstellung eines individuellen Konditionsaufbaus betrifft - recht in Ordnung.
Allerdings ist "Fit mit hermann Maier" da auch hilfreich. Wenn man einzig und allein die Absicht hat, seine Kondition aufzubauen, ist dieses Buch recht nützlich.
ich habe erstmals gecheckt, in welchem Pulsbereich ich wirklich effizient Ausdauer trainiere (nicht so hoch wie geglaubt) und habe so erstmals eine spürbare steigerung geschafft.
Bücher zum Abnehmen les ich keine mehr, es nervt einfach.
Lieber konzentriere ich mich auf meine persönliche Geschichte.
Buchtitel mit "faulen Säcken" sind ein Trend, es gibt auch "Gärtnern für Faule Säcke" etc.
kampfzwerg
15.01.2006, 17:43
"Fett weg für faule Säcke - Abnehmen nach dem Orgien-Prinzip" von Dr. Michael Despeghel-SchöneAha, der lässt einen also eine Vor-dem-Spiegel-hüpf "Orgie" veranstalten, damit man sieht, was alles weg muss. Sehr nette unausgegorene Idee. *kopfkratz*
Sonst soll man sich doch immer vor den Spiegel stellen, sich genau angucken und so lange weiter auf sich starren, bis man sich schön findet oder Teile seines Körpers besser akzeptieren kann. Postuleren so viele andere angeblich tolle Ratgeber in der Form. Jetzt kommt Mr. D.-Schöne und will, dass man sich vom eigenen Anblick im Spiegel zutiefst entsetzt nochmal zusätzlich runterziehen lässt?
Worin bestehen denn eigentlich die "Orgien" oder das Orgien-Prinzip? Haben wir einen Trend verschlafen, den es nun endlich bewusst zu ignorieren gilt?
Aber abgesehen davon, dass solche Tipps für WIRKLICH Übergewichtige eher kontraproduktiv sind, ist wohl auch eine Diskussion darüber erlaubt, ob ein Sixpack tatsächlich das Nonplusultra der Schönheitsideale ist.
Beim Betrachten eines Fotos, auf dem ein ebensolches Sixpack abgebildet war, ist mir mal folgender Gedanke gekommen:
"Der Typ hat mehr Bauchfalten als ich, aber bei ihm gilt das als schön, einfach weil es Muskeln und keine Fettpolster sind, eigentlich seltsam."
eau_de_vie
20.01.2006, 13:33
Buchtitel mit "faulen Säcken" sind ein Trend, es gibt auch "Gärtnern für Faule Säcke" etc.
Na toll, da hat sich der Werbestratege an sich ja mal wieder was ausgedacht, so à la 'pack den Menschen da, wo er seine Schwäche nicht mehr leugnen kann und trotzdem was erreichen MUSS'. (Denn: Dicksein geht ja gar nicht und ein scheußlicher Garten - was sollen bloß die Nachbarn denken - sorry, ich krieg das gerade ziemlich in den falschen Hals, das alles...:krank:
Ich sach' ma': Wegwerftipps für faule Säcke: gar nicht erst kaufen....:mad:
Was für blöde Bücher und welch klasse Rezension!
Gruß
eau_de_vie
PS: By the way, Martina - wie findet denn dein Mann das Buch? Hat er schon gehopft und hupft er noch? (Was für ein Blödsinn - *knurr*)
Soigneuse
20.01.2006, 21:49
Ich hab' noch mal bei Amazon reingeschaut. Wenn ich nicht ganz blöd und blind bin, dann ist Sally's Rezension nicht mal ansatzweise veröffentlicht worden.
Echt schade:mad:
Nein, sie ist bisher nicht veröffentlicht worden. Vielleicht haben die gerade Rezensionsschwemme oder Redakteursmangel. Ich habe heute mal per Mail nachgehakt. Antwort soll es angeblich binnen 24 Stunden geben. Ich bin gespannt.
kikischatz
22.01.2006, 20:45
Vielen, Vielen Dank Sally,
diese deine Rezension bedeutet mir sehr viel, auch wenn ich das Buch noch nicht gelesen habe aber leider befürchten muss, es irgendwann geschenkt zu bekommen.
Einer meiner besten Freunde hat nämlich die Bruker-Ausbildung, also diese Vollwertbiologischessenundalle swirdgut oder auchaidsheilenwirmitvollwertig erernährung Ausbildung bei der GGB (Gesellschaft für Gesundheitsberatung) gemacht. Er arbeitet aber nicht hauptberuflich als Ernährungsberater ;) Naja und zur GGB gehört eben auch Mathias Jung und noch letzte Woche wollte mich besagter Freund zu einer Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer mit vollwertiger Ernährung und Vorträgen vom Jung überreden *schlapplach* :applaus: aber ich fahre natürlich mit meinen Mann in Urlaub!!!
Der EMU Verlag gehört übrigens auch zur GGB :)
Versteht mich nicht falsch, ich habe diesen GGB Freund sowas von lieb, aber seine Ernährungsgeschichten muss man einfach manchmal ausklammern. Er hat damit seine Sonnenallergie in den Griff bekommen (als echter Sonnenanbeter hat er darunter sehr gelitten) und ist seitdem total davon überzeugt.
Lieben Gruß und danke für deinen ausführlichen Text
Kiki
Ja, diese ganze Bruker-Philosophie scheint auch bei dem Buch durch die Seiten. Was herauskommt, ist aber echt hanebüchen.
Auch mich verstehe keiner falsch: Wenn jemand (wie zum Beispiel der Freund mit der Sonnenallergie) durch eine bestimmte Ernährungsform gesund, glücklich, was auch immer wird und sich damit wohlfühlt, möge er es gern machen! Nur wenn es in missionarischen (Über-) Eifer ausartet, dann ist Schluss mit lustig.
Ich freue mich, liebe Kiki, dass dir meine Gedanken so viel bedeuten.
Auch wenn man nur einen einzigen Menschen mit sowas erreicht, ist schon viel gewonnen, finde ich.
Amazon hat mir übrigens geantwortet, dass es ungefähr 14 Tage dauert, bis eine Rezension - die alle geforderten Kriterien erfüllt - eingestellt wird.
Ab übermorgen darf ich also hoffen. :cool2:
Shopgirl
29.01.2006, 00:59
Also, ich schreibe bei Amazon auch mehr oder weniger regelmäßig Rezensionen und die sind spätestens 2 Tage später veröffentlicht.
Eventuell ist sie nicht durch den Amazon-Filter gekommen, aber das kannst Du sehen wenn Du Dich einloggst und auf "Mein Konto" klickst.
Da müßte es dann weiter unten einen Link namens "Meine Seite @ amazon" geben.
Da hast Du dann einen Überblick über Deine veröffentlichten Rezensionen und auch einen Link zu den "privaten" (den nicht veröffentlichten).
Mich würde es wirklich interessieren, ob Amazon sie wirklich nicht veröffentlichen will.
14 Tage hat das bei mir definitiv noch nie gedauert.
... wenn Du Dich einloggst und auf "Mein Konto" klickst.
Da müßte es dann weiter unten einen Link namens "Meine Seite @ amazon" geben. Gibt es bei mir nicht.
Ich habe die Rezension jetzt noch einmal eingestellt. Sie ist auch in der Eingabemaske bestätigt worden.
Shopgirl
29.01.2006, 15:47
Dann hast Du sie wahrscheinlich veröffentlicht und warst nicht eingeloggt??
Dann kann man das wohl auch nicht nachsehen.
Nochmal einstellen ist eine gute Idee, ich habs auch schon erlebt,dass Rezensionen weder privat noch veröffentlicht aufgetaucht sind, die sind dann wohl irgendwo im Daten-Nirvana verschwunden.
... ist drin. (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3891891148/qid=1138787081/sr=2-1/ref=sr_2_11_1/028-2511473-0174153)
dramaqueen
01.02.2006, 16:21
:applaus:super! Habe sie gleich mal als hilfreich bewertet! :grins:
me too. Und die andere als eher nicht hilfreich. Da lese ich dieses "Jeder kann es schaffen, man muss nur wollen" raus.
Kirstin
Ich habe ebenfalls eine hilfreiche Bewertung abgegeben! Das ist es mir wert..
Steph
Also, auf der Amazon-Seite wirkt die Rezension irgendwie noch imposanter, finde ich - und die Gegenmeinung fast schon dümmlich.
Ehrensache, dass ich auch abgestimmt habe.
Also, auf der Amazon-Seite wirkt die Rezension irgendwie noch imposanter, finde ich - und die Gegenmeinung fast schon dümmlich.
Stimmt, vor allem, dass das Buch einen "geradewegs zum gesunden Normalgewicht" führen würde.:-D
Nützlich wirken allein die dort zitierten Fragen, die sich die Leser stellen sollen, um herauszufinden, ob sie mit Essen etwas kompensieren. Aber ein gutes Buch über Essstörungen dürfte auf keinen Fall die Plattheiten enthalten, die Sally erwähnt.
Natürlich habe ich auch abgestimmt.:daumen:
Rapunzel
26.11.2007, 20:52
Daß man sich vor den Spiegeln stellen soll und sich klar machen wie häßlich man doch ist, kann ja wohl echt nicht angehen. Das würde bei mir genau das Gegenteil bewirken. Das erinnert mich auch an die Taktiken meiner Mutter, die immer denkt sie muß mir täglich sagen wie furchterregend ich aussehe, damit ich´s endlich begreife und abnehme. Wie sehr mir das weh tunt ist ihr dabei egal, denn sie "meint es ja nur gut". BLAAAA!
Ich bin bei weight watchers seit 2 Monaten und dort bringen die Frauen manchmal Photos mit wie sie noch im letzten Jahr aussahen und dann geht das Gekreische los . "Jetzt bist Du viel hübscher! NEEEEEEE, wie sahst DU denn aus!" SO als sei man mit mehr Kilos ein Monster oder so. Ich hab dann immer das Gefühl ich müsse die Frauen auf den Photos (sozusagen das "dicke Ich") in Schutz nehmen.
Ich bin es echt so was von leid nur nach dem Gewicht beurteilt zu werden.
Ich find weight watchers eigentlich gut als Programm aber daß das "dick sein" so unheimlich stark verteufelt wird, als sei es ganz was schlimmes und als sähe man total monströs aus, das geht mir echt auf den nicht vorhandenen Sack.
Daß man sich vor den Spiegeln stellen soll und sich klar machen wie häßlich man doch ist, kann ja wohl echt nicht angehen. Das würde bei mir genau das Gegenteil bewirken.
Tut es auch und widerspricht allem, was ich darüber weiß.
Genau das Gegenteil sollte man nämlich tun, wenn man auf diese Weise etwas tun möchte. Sich nämlich vor einen Spiegel stellen und sich auf all das konzentrieren, was man an seinem Körper mag. Auch sich klar machen, was für ein Wunderwerk der eigene Körper ist und was er jeden Tag leistet. Da kann man gedanklich (wenn man will) mit den Händen anfangen und sich vorstellen, wie es wäre, wenn sie nicht so funktionierten, wie sie es täglich für uns tun.
So geht es mit dem ganzen Körper weiter.
Eines der Ziele dieser Übung ist es, sich mit seinem Körper "auszusöhnen", ihn schätzen und lieben zu lernen, wenn man (aus welchem Grund auch immer) so eine Art Hass oder eine Abneigung zu ihm aufgebaut hat.
Ein nächstes Ziel ist es, durch das kennenlernen dieses einmaligen Wunderwerkes, zu lernen, diesen Körper pfleglich und voller Respekt zu behandeln, denn etwas, was man für einen unbezahlbaren Schatz hält, behandelt man automatisch mit Vorsicht und viel Aufmerksamkeit.
Dies ist natürlich nur eine winzige Zusammenfassung dessen, was ich über Spiegel/Körper - Übungen weiß.
Seinen Körper vor dem Spiegel zu betrachten uns sich einzutrichtern, dass er hässlich wäre, bewirkt genau das Gegenteil von dem, was ich beschrieben habe.
Etwas, was man sowieso hässlich findet, (nicht liebt) braucht man nicht sorgsam zu behandeln, braucht man nicht zu pflegen. Was soll eine solche "Therapie" an positivem bringen?
Ich habe selten etwas so destruktives gehört.
Stadtmadl
27.11.2007, 18:35
Wenn es funktionieren würde, dass man per "mein Gott, bist Du häßlich" abnehmen würde, dann hätten es einige von uns Dank ihren Müttern/Familien wahrscheinlich ohne Mühe auf Kleidergröße 32 gebracht.
Dass das genau nicht funktioniert, kann man/frau mit entsprechender Vorgeschichte wohl an sich selbst jeweils am besten sehen.
Rapunzel
28.11.2007, 22:05
Warum verstehen das Mütter eigentlich nicht? Ich mein, meine hört mit dem beleidigen nicht auf, auch wenn ich ihr sage, sie tut mir damit weh. Aber sie ist der festen Überzeugung, man müsse mir ständig sagen wie schreckliche ich aussehe und dann würd ich irgendwann abnehmen.
Oder wollen Mütter unterbewußt gar nicht daß man schlanker wird und sagen deswegen so schlimme Sachen? Die Beleidigungen bewirken ja eher daß man aus Frust noch mehr zunimmt.
Mal abgesehen davon, bin ich ja als Erwachsene unabhängig von dem was meine Mutter sagt, aber interessieren würd mich das schon.
Lisa,
wenn man mal davon ausgeht, dass sie es positiv meint, denkt sie vielleicht tatsächlich, sie hilft Dir letztendlich damit.
Leider ist sie da, (wie viele) auf dem absoluten Holzweg!
Und leider können wir das Handeln und Denken anderer Menschen nur bedingt beeinflussen.
Aber Dein eigenes Handeln und Denken hast Du in der Hand.
Das Wichtigste ist, dass Du selber Dich annimmst. Dein Körper ist ein Wunderwerk. Egal wie dick oder dünn Du bist. Und was ich schon eine Million mal in Gesprächen (und so weiter) gesagt/geschrieben habe, wiederhole ich gern:
Dich gibt es nur einmal.
Du bist einmalig! Ein unschätzbar wertvolles Unikat. Du bist wert geliebt und sehr gut behandelt zu werden.
Und daran ändern keine blöden Sprüche und keine dummen (wenn auch gut gemeinten) Ermahnungen etwas.
Engelchen
29.11.2007, 18:19
Warum verstehen das Mütter eigentlich nicht? Ich mein, meine hört mit dem beleidigen nicht auf, auch wenn ich ihr sage, sie tut mir damit weh. Aber sie ist der festen Überzeugung, man müsse mir ständig sagen wie schreckliche ich aussehe und dann würd ich irgendwann abnehmen.
Oder wollen Mütter unterbewußt gar nicht daß man schlanker wird und sagen deswegen so schlimme Sachen? Die Beleidigungen bewirken ja eher daß man aus Frust noch mehr zunimmt.
Mal abgesehen davon, bin ich ja als Erwachsene unabhängig von dem was meine Mutter sagt, aber interessieren würd mich das schon.
@Lisa
Das erste was mir zu deinem Text einfiel war "Projektion".
Kann sein, kann nicht sein.
Vielleicht ist deine Mutter mit sich und Ihrem Leben dermaßen unzufrieden und will es aber nicht sehen/nicht auf sich schauen, daß sie sich dich als Opfer gesucht hat.
Sie projiziert Ihren Frust auf dich, und da du für sie ein gutes Opfer bist, nölt sie ständig an dir rum.
Du als Opfer hast ein schlechtes Gewissen darüber, weil du selber denkst, daß du nicht in Ordnung bist.
Wie Itsme schon schreibt, du bist einzigartig und bist es wert geliebt zu werden. Vor allen erst einmal von dir selber. Dann kann dich keiner mehr verletzen.
Und wenn ich mal als Engel zu dir sprechen darf. Der Chef/die Chefin lieben uns eh, so wie wir sind. Bedingungslos. :holy:
Liebe Grüße
Engelchen
Rapunzel
30.11.2007, 19:04
Ich hab seit dem Abitur ca. 60 Kilo zugenommen. Selbst als ich dünn war, hat meine Mutter mich als dick schlecht gemacht und nur rumkritisiert. Ich glaube schon daß mein extremes zunehmen mit dieser Kritik zu tun hat. Vielleicht war´s ne Art Revolution von mir aus, gegen den Willen meiner Mutter dick zu werden. In den ersten 20 Kilo steckte bestimmt eine gewisse Auflehungshaltung dazwischen. Ich mein, wenn meine Mutter tatsächlich hätte "helfen" wollen, müsste sie doch gemerkt haben daß es sich durch ihre Bösartigkeiten nur verschlechtert.
Naja, im Prinzip ist es auch "egal", weil ich bin ja jetzt Erwachsen. Aber wenn ich meine Mutter treffe und sie ständig auf mir rumhackt, obwohl ich sie bitte es nicht zu tun, dann geht´s mir unheimlich schlecht. Erwachsen hin oder her.
Manchmal denke ich auch, daß ich jetzt so dick bin, weil ich dem Bild was meine Mutter immer von mir hatte (superfett) endlich entspreche. Quasi, daß ich vielleicht dachte daß wenn meine Mutter mich schon als dick beschmipft, es einfacher sei als wirklich DIcke damit zu leben als als schlanke die ständig als dick beschimpft wird. Jetzt hat meine Mutter wenigstens "Recht" wenn sie sagt ich sei dick.
Liebe Lisa,
ich glaube, erwachsen hin oder her, wenn einem nahestehende Menschen weh tun, ist man dafür empfänglich.
Das erste, was man wahrscheinlich wird tun müssen, ist sich davor zu schützen.
Wie?
Ehrlich gesagt, ein Patentrezept habe ich da auch nicht, aber ich erinnere mich an einige Posts hier, dass verschiedene Menschen das geschafft haben. Sicher ist es trotz aller Verletzungen sehr schmerzhaft und sicher auch nicht einfach. Gerade, wenn es die Mutter ist. Aber was nützt es? Wenn sie Dich dermaßen und permanent verletzt und Du ihr immer wieder deutlich gezeigt und gesagt hast, das es Dich verletzt, dann kannst Du Dich selber eben nur schützen, indem Du emotionalen und vielleicht auch räumlichen Abstand von ihr nimmst. Vielleicht wäre das noch ein letzter Versuch, wenn Du ihr dies klar machst und sie fragst, ob sie das denn will?
Menschen, egal wer, die einen dauernd nur herunter ziehen, braucht keiner. Das Leben ist auch ohne sie schon schwer genug. Umgebe Dich lieber mit Menschen, die es gut mit Dir meinen und Dich lieben und mögen, so wie Du bist.
Menschen, die nur auf Äußerlichkeiten schauen, (ganz egal wie auch immer das Äußere ist) die sind in meinen Augen absolut oberflächlich und kleingeistig.
Sie (Deine Mutter) wirst Du wahrscheinlich nicht ändern können, aber Dich, oder Deine Einstellung zu Dir, - falls Du die abwertenden Sprüche Deine Mutter verinnerlicht haben solltest, - kannst Du ändern.
Alles Liebe für Dich.
Frederike
02.12.2007, 16:10
Für die 11 Euro kann man sich besser 2 Maxi Menues bei McDonalds kaufen...das sehe ich auch so!
Frederike
02.12.2007, 16:50
"Der Typ hat mehr Bauchfalten als ich, aber bei ihm gilt das als schön, einfach weil es Muskeln und keine Fettpolster sind, eigentlich seltsam."
Man kann sich auch alles schönreden...ich gehe gerne zu McDonalds und esse viel und fettig,aber ich gebe zu,dass ich scheisse aussehe!
Essen kann jeder...aber den inneren Schweinehund zu überwinden und mal zumindest ein wenig Sport zu treiben,schaffen die wenigesten!
Ich bin wie ihr einfach nur faul...
LG Frederieke
Stadtmadl
04.12.2007, 23:01
Hallo Lisa,
ich kann Engelchen und itsme nur zustimmen: Deine Mutter meint nicht Dich und am besten wäre es, soviel Abstand wie möglich zwischen Dich und sie zu bringen. Ein damaliger Freund von mir ist in den 80er Jahren wegen seiner Mutter nach Australien ausgewandert und dort auf eine Insel im pazifischen Ozean gezogen, zu der nur 1x pro Woch ein Postschiff fuhr. Und selbst das war ihm immernoch ein bißchen zu viel Erreichbarkeit, wie ich aus seinen Briefen wusste. Irgenwann ist er dann in Amerika verschwunden, ohne zu hause ein Adresse zu hinterlassen. Leider habe ich ihn irgendwann auch aus den Augen verloren, aber ich konnte ihn schon damals gut verstehen.
Aber zu Dir:
Warum verstehen das Mütter eigentlich nicht? Ich mein, meine hört mit dem beleidigen nicht auf, auch wenn ich ihr sage, sie tut mir damit weh. Aber sie ist der festen Überzeugung, man müsse mir ständig sagen wie schreckliche ich aussehe und dann würd ich irgendwann abnehmen. Mal abgesehen davon, bin ich ja als Erwachsene unabhängig von dem was meine Mutter sagt, aber interessieren würd mich das schon.
Warum hört sie nicht auf? Weil es nicht um Dich geht. Das ist schwer zu glauben, wenn man sich ein Leben lang beschimpfen lassen musste, immer mit „Du bist ...“, „Du hast ...“, „Du ...“ aber es geht überhaupt nicht um Dich, sondern um sie selbst. Vielleicht hasst sie Dich wirklich, weil sie Dich um irgendetwas beneidet (Jugend, Chancen ...), vielleicht geht es aber auch wirklich nicht mal in Form von Neid um Dich, sondern einzig und allein um sie. Was Du auf jeden Fall bist, ist ihr Ventil, ihr Fußabtreter, ihr Blitzableiter, ihre emotionale Mülltonne. Sie benutzt Dich, um alle ihren negativen Emotionen abzureagieren. Deswegen hängt sie sicher auch sehr an Dir, denn was täte sie ohne Dich, an wem sollte Sie dann ihre Aggressionen und ihren Frust auslassen.
Dass sie Dich schon als schlankes Mädchen als dick bezeichnet und Dir damit das Leben schwer gemacht hat, spricht nur für eines: Du bist eine wirklich tolle Person! Ja, genau das. Denn: Hätte sie irgendwas anderes finden können, hätte sie sich sicher darauf gestürzt, denn sie braucht diese Form von „emotionaler Entlastung“ für sich ja offenbar dringend. Sie hat aber nichts anderes gefunden. Du bist sicher intelligent, freundlich, warmherzig ... ich kenne Dich ja kaum, aber mehrere solcher Fälle, wo sich die Mutter nur auf das Aussehen des Kindes stürzen kann und dieses schlechtmachen, weil es sonst einfach nichts anderes, negatives an dem Kind gibt. Und Aussehen ist ja leider auch irgendwie subjektiv, da kann man einem Kind und Teenager viel erzählen. Und in allen Fällen sind es tolle Kinder und sympathische Erwachsene, die nur für die eigene Mutter (und manchmal, als Folge der „Gebetsmühle“, auch in der ganzen Familie) nichts gelten. Und daraus leider schließen, sie seien wirklich unfähig oder unwert, wo doch genau das Gegenteil der Fall ist!
Aber darauf kommt man nicht, wenn man immer den Inhalt hinter den Beschimpfungen sucht und sich dann auch deswegen schuldig fühlt (weil man, wie Du ja leider auch schreibst, irgendwann schon aus Frust und Trotz soviel zunimmt, dass man am Ende doch dem „beschworenen“ Bild entspricht), statt zu erkennen (was aber allein kaum möglich ist), dass es überhaupt nicht um den Inhalt geht, sondern nur um die Aktion des Frust-Ablassens an sich. Man kann diese ständig herabsetzenden und beleidigend zeternden Mütter im Grunde mit prügelnden Alkoholsüchtigen gleichsetzen, nur dass verbale Prügel einfach nicht so auffallen und auch im ersten Moment natürlich nicht so drastisch sind, wie körperliche Gewalt. Aber über einen langen Zeitraum läuft es auf dasselbe hinaus.
Naja, im Prinzip ist es auch "egal", weil ich bin ja jetzt Erwachsen. Aber wenn ich meine Mutter treffe und sie ständig auf mir rumhackt, obwohl ich sie bitte es nicht zu tun, dann geht´s mir unheimlich schlecht. Erwachsen hin oder her.
Ja klar, das würde jedem so gehen. Und wenn Du sie dauerhaft nicht ruhig kriegst (und das kann schwierig sein), dann würde ich Dir wirklich raten, sie einfach mal länger nicht mehr zu sehen. Ein, zwei Jahre Abstand können Wunder wirken. Dir wäre Zeit gegeben, ein bisschen zu Dir selbst zu finden und sie könnte mal sehen, wie ernst es Dir ist. Ich weiß, das klingt sehr befremdlich und ist auch je nach familiärer Situation schwer durchzuziehen. Aber es könnte eine ungeheuere Erleichterung für Dich sein.
Einfacheres Mittel: Verbitte Dir jegliche Äußerungen/Kommentare zu Deinem Aussehen (auch vermeintlich positive) und dann stehe jedes mal auf und geh’ weg, wenn sie doch wieder mit irgendwas ankommt (oder leg auf, falls sie am Telefon war und geh auch an diesem Tag nicht mehr an den Apparat). Solange bis sie es verstanden hat. Das ist ein kleines Stück Verhaltenstherapie für Deine Mutter und verschafft Dir Kontrolle über eure Kommunikation. Natürlich muss man die Treffen dann immer flexibel gestalten (also z.B. nicht so, dass sie bei Dir übernachten würde), damit man den Freiraum zu gehen hat, aber so was lässt sich einrichten. Und vielleicht hilft es ja was.
Manchmal denke ich auch, daß ich jetzt so dick bin, weil ich dem Bild was meine Mutter immer von mir hatte (superfett) endlich entspreche. Quasi, daß ich vielleicht dachte daß wenn meine Mutter mich schon als dick beschmipft, es einfacher sei als wirklich Dicke damit zu leben als als schlanke die ständig als dick beschimpft wird.
Das ist sicher irgendwie richtig. Dahinter steckt ein richtig dickes Knäuel aus Trotz, Schuld, Selbsthass (weil man nicht geliebt wird und sich als Kind für Ablehnugn immer selbst die Schuld gibt und sich dann selbst auch nicht mag), Bestrafung, Trost, Frust, Resignation ... viele Gefühle und keines davon besonders positiv. Ausser Trotz. Der bringt einen zwar nicht weiter, aber es steckt eine ungeheure Kraft dahinter, die man nicht vergessen sollte. Du könntest Deiner Mutter vermutlich in jedem anderen Punkt locker die Stirn bieten. Nur beim Gewicht bist Du – durch jahrelange „Übung“ – hilflos. Aber das kann sich ändern, wenn Du erst mal die Mechanismen siehst.
Jetzt hat meine Mutter wenigstens "Recht" wenn sie sagt ich sei dick.
Ja, vermutlich korrekt beobachtet, aber was für eine Art von Recht Haben ist das, wenn sie die Ursache ist? Eigentlich solltest Du sie dafür hauen, denn sie hat einen großen Anteil an Deiner Figur, auch wenn Du es letztlich warst, die gegessen hat. Einfach, weil Du nicht anders konntest. Eigentlich sollte es möglich sein, solche Mütter (Väter, Familien) auf Körperverletzung zu verklagen. Und auch wenn das jetzt drastisch klingt: Prügel für Kinder und im Rahmen eine Ehe waren ja noch bis in die 70er Jahre sanktioniert (wenn ich mich da richtig erinnere), vielleicht wird es ja auch mal eine Zeit geben, in der verbaler Missbrauch von Kindern unter Strafe gestellt wird. Klar, die „Beweislage“ ist schwierig, aber vielen könnte geholfen werden.
ich bin zu meiner mutter, die mich, mit einem anderen thema, jahrzehntelang verbal gequält hat, wann immer ich länger als 5 min mit ihr gesprochen habe, wie eine gesprungene schallplatte, ein einziges mal durchgedrungen.
und hab dieses einziges mal auf die frage: warum machst du das, obwohl du weißt, dass du mich damit unendlich verletzt, und obwohl du mich angeblich sooo sehr liebst?", eine ehrliche antwort bekommen.
die lautete: "ich will das nicht zur kenntnis nehmen!" und so war es.
ich denke, stadtmadel hat das wirklich toll analysiert. es ist ein innerer druck, den diese mütter loswerden müssen, und ihre kinder sind einfach die einzigen opfer, die (oft ein leben lang) nicht davon laufen können.
Vor langer Zeit habe ich mal in einem Buch den Satz gelesen: Wir sind nur die Opfer von Opfern. Das gilt sicherlich nicht als Entschuldigung aber es ist doch ein wenig Erklärung.
Ich habe das Glück gehabt vor dem Tod meiner Mutter noch sehr viel mit ihr klären zu können. Sie - selber nie mehr als 50 Kilo und dann hat sie sich unglaublich dick gefühlt bei 1.57 Größe - hat mich mehr mit so netten Dingen wie "zieh mal die Stiefel an, dann weiten die sich so schön" und Äußerungen wie "und du hast soooo ein hübsches Gesicht" angeschossen. Ich wog damals bei 1.64 60 Kilos. Der Druck von ihrer Seite war allerdings immens, ich hab mich monstermäßig dick gefühlt.
Bevor ich meiner Mutter allerdings sagen konnte, sie solle Bemerkungen und Geschichten unterlassen die mich verletzen, musste ich über dreissig Jahre alt werden. Und auch ich habe einige Jahre Abstand gebraucht bevor ich dazu überhaupt in der Lage war.
Ich glaube es existiert bei diesen Menschen so eine Art Filter, der nur das zuläßt was ins eigene Weltbild passt. Wenn wir nicht grad mit ihnen verwandt wären würden wir wahrscheinlich einen riesengrossen Bogen um sie machen....
Stadtmadl
05.12.2007, 22:20
ich denke, stadtmadel hat das wirklich toll analysiert. es ist ein innerer druck, den diese mütter loswerden müssen, und ihre kinder sind einfach die einzigen opfer, die (oft ein leben lang) nicht davon laufen können.
Danke. :) Das Problem sehe ich vor allem auch darin, dass Kinder nicht nur nicht weglaufen können, sondern meist auch gar nicht wollen, denn Kinder lieben ihre Mütter, egal wie die sind. Und hoffen bis zuletzt immernoch auf Anerkennung und Liebe von der im Grunde wichtigsten Bezugsperson in ihrem Leben. Deswegen fällt es ungeheuer schwer, sich klarzumachen, dass da nichts war, nichts ist und nichts mehr kommen wird und man stattdessen aus Selbstschutz den größtmöglichen Abstand suchen sollte.
Wenn wir nicht grad mit ihnen verwandt wären würden wir wahrscheinlich einen riesengrossen Bogen um sie machen....
Ja, in der Tat. Und diese Erkenntnis war für mich der erste Schritt in ein selbstbestimmtes Leben, weg von dem Wunsch nach Anerkennung von Leuten, mit denen ich freiwillig gar nicht reden würde.
Rapunzel
08.01.2008, 21:26
So, Weihnachten mit meiner Mutter hab ich auch überlebt. Ich hab mich innerhalb des Hauses total ferngehalten und bin nach den Mahlzeiten immer schnell verschwunden, so daß meine Mutter mich nicht allein in die Finger kriegt. Bisher hab ich sonst immer parat gestanden damit ich ihr helfen kann in der Küche etc. Ich stand immer unter Strom damit ich gleich springen kann um ihre Anerkennung zu bekommen. Aber da da ja eh nix kommt und ich trotzdem laut ihr "dick und faul" bin, hab ich das mit dem helfen komplett gelassen. Das war viel entspannender und ich hab sie kaum gesehen. Zur Begrüssung und zum Abschied hat sie mich trotzdem wieder wegen meiner Figur beschimpft und sogar gesagt wenn man so dick sei wie ich würde man von Natur aus stinken (ich hatte gerade geduscht).
Ich weiss das sie nicht anders kann aber momentan ist sie für mich wieder wie eine fiese Hexe. Dann kommt bei mir so eine Wut auf, daß ich sie am liebsten verprügeln will.
Ich weiß natürlich daß meine Oma zu ihr wahrscheinlich auch so war und sie das halt unreflektiert weitergibt, aber es tut einfach so weh.
Sie sagt dann immer, "ich sag Dir nur Du sollst abnehmen weil ich Dich so liebe." Ich hab dann gesagt: "Wie war´s mal mit mich liebhaben so wie ich bin?" Da kam nur ein entsetztes "NEEEEE, doch nicht so."
ach lisa, wie traurig.
:troest:
ich glaub, der abstand zu dieser "liebenden familie" lässt sich noch gut ausbauen.
GreenTomate
08.01.2008, 23:24
Hallo Lisa,
ich bin jetzt 45 Jahre alt habe ähnliches wie du mitgemacht und es jetzt auch geschafft, eine innerlich total entspannte Einstellung zu meiner Mutter zu haben. Das soll nicht heißen, daß es bei dir auch so lange dauert, aber daß du das auch schaffen wirst. Nicht vielleicht, sondern ganz sicher!
Es ist ein langsamer Prozeß. Früher wollte ich meine Mutter in der Luft zerreissen, wegen ihren Bemerkungen und dabei waren sie noch nicht mal so schlimm wie die von dir genannten. Aber in den letzten Jahren hat sich mein Bild von mir gewandelt und somit auch das Verhältnis zu meiner Mutter.
Dabei habe ich enorm viel diesem Forum zu verdanken. Vor allem aber den lieben Menschen hier, die ich teilweise persönlich kenne und die mir vorgelebt haben, das es auch anders geht und wie es funktioniert, immer mehr auf sich selbst zu hören und nicht darauf was andere sagen.
Ich bin mir sicher, in dir arbeitet es auch schon sehr und du wirst irgendwann an dem Punkt sein, wo du erstaunt feststellst, daß es dich nicht mehr berührt was diese Frau da keifend von sich gibt.
Nur Mut und nicht aufgeben. :daumen:
Conrad_1978
16.09.2009, 17:12
großes Kompliment und gut geschrieben:)
11 € gespart und viel geschmunzelt.
Danke :applaus:
Hallo zusammen,
habe grad sehr geschmunzelt beim Lesen und bin spasseshalber auf den Link zu Amazon gegangen, um mir die weiteren Rezensionen durchzulesen..
..kein Kommentar.....:rolleyes:
Ach ja, das Buch kostet inzwischen übrigens 13 Euro......
Wer's braucht... ;)
Schoenen Sonntag noch!
:wink1:
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