Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fortschritt im Rückschritt
Hallo ihr Lieben,
wie fang ich am besten an...?
Wer mein letztes posting gelesen hat, hat sicher bemerkt, dass meine Welt ins Wanken geraten ist. Ganz unmerklich, ganz leise.
Manchmal bin ich bass erstaunt, wie eigenmächtig und machtvoll unsere Seele doch ist. Rumort sie tief in uns rum, führt uns auf schicksalsträchtige Wege, und oft bemerken wir es gar nicht oder zäumen das Pferd von hinten auf.
Jetzt wollte ich gerade darüber schreiben, wie gut (von den äußeren Bedingungen her gesehen) es mir in dem letzten Jahr ergangen ist, da blitzt plötzlich eine Erinnerung in mir auf: Als ich meine Essstörung erkannt habe, und meine Psyche revoltierte, ging es mir, den äußeren Umständen nach, auch extrem gut. Das war vor 15 Jahren. Ein Psychologe hat mal zu mir gesagt: "Wundert Sie das? Erst wenn die Kraft dazu da ist, lassen die Wunden es zu, dass man sie genauer inspiziert und untersucht. Vorher verstecken sie sich unter einem dicken Verband.."
Ich bin abgeschweift..
Nun ja, "trotz" der guten Umstände habe ich gespürt, dass etwas nicht stimmt, und einige von euch haben mir auch geraten, mal genauer hinzuhören.
Ich hatte nun einige Tage Ruhe und hab mal wieder "Essstörungs-Literatur" hervorgekramt, die unter dem Stapel abgelegt war : Unbedingt mal lesen ;)
Da tauchte ein Buch von Renate Göckel aus dem Jahr 1989 auf, "Eßsucht oder die Scheu vor dem Leben". Nach 2 Therapien und einigen Jahren Reflexion (mal mehr mal weniger) war ich der Meinung, im Großen und Ganzen über meine Probleme Bescheid zu wissen, alles gut umrissen, nur an der Umsetzung haperte es meiner Meinung nach hie und da. Trotzdem stellte ich mir natürlich immer noch die Frage, warum ich die gewonnenen Erkenntnisse nicht unmittelbar auf mein Essverhalten anwenden konnte. Zwar habe ich seit einigen Jahren keine richtigen Eßanfälle mehr, aber davon, dass ich nur mit Genuß esse, bin ich nach wie vor weit entfernt.
Und nun tut sich durch dieses Buch plötzlich ein weiteres Symptom-Feld auf, das ich bisher einfach nicht bemerkt habe. Mein Gefühl sagt mir, dass es bedeutend ist, wohin es führt: keine Ahnung... mal schauen.
Ich möchte einmal einige Zitate hier einstellen (blau).. hmm, habe das gefühl, das posting könnte lang werden, verzeiht mir
:holy:
"[...] Ganz allgemein kann man sagern, daß eßgestörte Frauen (und Männer wahrscheinlich auch) nicht so autonom und selbständig sind, wie ihre Umwelt glaubt. Sie lieben ihr "wahres Selbst" nicht und können weder Forderungen stellen noch Ablehnungen formulieren aus Angst, dann nicht mehr gemocht zu werden.
[...] Sie haben Berührungsängste in jeder Hinsicht. Jemanden berühren heißt auch jemanden anrühren, jemanden rühren. Rührung hat mit Emotionen zu tun, mit Schwäche, Kontrollverlust, mit Tränen, mit Demut. Man kann nicht mehr kühl, stolz und überlegen sein, wenn man gerührt ist.
[...] Wenn man gerührt ist, kommt etwas in Bewegung. Eine Lawine käme ins Rollen, und das spüren eßgestörte Frauen."
Das ist mein gaaanz heimlicher Wunsch: Kühl und selbstbewust sein, am besten trifft es das Wort "cool". Und so nimmt mich ein Großteil meiner Umgebung (besonders beruflich) auch wahr, über den Dingen stehend, nichts tangiert mich, absolut "tough".
Aber: Eigentlich bin ich ein sehr emotionaler Mensch, sehr herzlich, warm und weich. Das "coole Outfit" konnte ich bisher immer auf den Beruf schieben und die Maske, die man oft dafür braucht. Ist ja auch nichts gegen einzuwenden.
"[...] Wenn ich jemanden ganz nahe an mich heranlasse, so sieht der andere zwangsläufig hinter die Fassade, er erkennt mich so, wie ich wirklich bin. Er nimmt Dinge an mir wahr, die ich selbst nicht sehe und auch oft nicht wahrhaben will. Dieses Erkanntwerden fürchten eßgestörte Frauen sehr. Sie brauchen ja die Distanz, um nicht als das erkannt zu werden, was sie im Grunde sind: bedürftige, halbverhungerte Wesen mit einer großen Angst, abgelehnt zu werden und auch diesmal nicht zu bekommen, was sie sich wünschen. [...]"
Plötzlich begann ich zu begreifen. Ich bin mit meinem Mann nun 11 Jahre zusammmen. Ich sah unsere Beziehung immer als sehr eng und "seelenverwandt" an.
Und plötzlich sah ich, dass ich in diesen elf Jahren noch nie wirklich "losgelassen" habe. Ich zeichne ein Bild von mir und gebe es als mein Selbst aus, und doch stehe ich in Wirklichkeit dahinter und eigentlich hat mich noch niemand sehen dürfen. Ich habe eine große Bildermappe, je nach Betrachter wird das eine oder andere hervorgezaubert, doch nie das echte.
Lange hatte ich schon eine Ahnung, dass es dieses "echte Wesen" gibt, jedoch habe ich es immer wegargumentiert: "Quatsch, das sind nur die Sprüche, die du von deiner Mutter noch im Kopf hast.. du bist nicht klein mit großen scheuen Augen" oder "Jetzt reiss dich mal zusemmen" usw.
Nie habe ich zugelassen, dass dieses "bedürftige, halbverhungerte Wesen" existiert.
Nie habe ich es atmen lassen, niemals durfte es sein Gesicht zeigen, geschweige denn sich rühren.
Versteht mich nicht falsch, ich bin weit davon entfernt, nun "heureka" zu rufen, dennoch stehe ich momentan etwas staunend vor mir selbst. Keine Ahnung, wo dieser Weg hinführt, aber ich bin ehrlich gerührt, noch so eine große Entdeckung zu machen, mit all dem Potential, die diese bietet. Vielleicht ist sie eine Sackgasse, aber eigentlich ahne ich schon, dass sich mir ein ganz neues, riesig verästeltes Wegesystem offenbart, auf dem ich noch nie geschritten bin.
Einen kleinen Schritt habe ich mit diesem posting schon getan... mal schauen, wann weitere folgen und wohin sie mich bringen.
Mich würde sehr interessieren, ob euch Ähnliches bekannt ist.
Seid umarmt für euren Zuspruch, den ihr mir vor kurzem gegeben habt. Nun weiss ich, dass man "Rückschritt" und "Fortschritt" nicht so einfach unterscheiden kann, egal von welcher Richtung aus man die Sachlage betrachtet.
Schließen möchte ich mit mit einem kleinen Zitat, das mit vor kurzem über den Weg gelaufen ist: "Wir sind die Summe unserer Tränen - zu wenig, und wir trocknen aus, zu viel, und wir werden hinfort gespült".
Jesse
Kugelfischchen
09.11.2005, 20:31
Liebe Jesse!
Auch wenn es vielleicht komisch klingt, aber ich möchte mich bedanken, dass du das gepostet hast. Denn gerade mit den Zitaten hast du meinen wunden Punkt so exakt getroffen, dass mir glatt die Tränen gekullert sind. Es ist mir bewusst geworden, dass ich bislang auch alles unternommen habe, dieses ängstliche und verletzliche Wesen, das sich in meinem Innern verbirgt, nur ja niemandem zu zeigen.
Kaum jemand, der nicht über meine Esssucht Bescheid weiss, würde annehmen, dass ich mit mir und meinem Körper nicht klar komme. Für die unterschiedlichen Situationen habe ich verschiedene Masken, aber hinter jeder verbirgt sich noch etwas - ein Teil, der so intim ist, dass ich eine große Scheu davor habe, ihn jemandem zu zeigen. Denn ich scheue mich ja schon davor, ihn selbst etwas näher zu betrachten. Da liegen alle meine Ängste und Hoffnungen drin, und die Angst, dass die Hoffnung erneut enttäuscht wird.
Die Eindrücke sind jetzt noch sehr frisch, ich muss sie erst noch wirken lassen. Ich arbeite auch schon eine ganze Weile an meiner Esssucht, habe auch schon viel über mich herausgefunden, aber so richtig hat sie sich nicht verbessert. Vielleicht liegt das ja daran, dass ich das Wesen in mir bei meiner Suche nach Lösungen ignoriert habe. Mal schauen, was ich mit meinem Blick hinter meine Kulisse zu Tage fördere.
Dir, liebe Jesse, wünsche ich viel Mut für die weiteren Schritte.
LG Kugelfischchen
Lovely Rita
09.11.2005, 22:28
liebe jesse,
ich bin sehr froh über dein posting.
mir geht es irgendwie ähnlich.
anders aber ähnlich.
ich habe vor ca. 8 jahren erstmals das wort essstörung formuliert, habe mich dann langsam vorangetastet, vor 4 jahren das internet als informations- und austauschmöglichkeit hinzugenommen und ich habe bücher gelesen, auch das von dir zitierte.
vor 2 1/2 jahren habe ich eine therapie begonnen.
in den letzten vier jahren habe ich trotz all dem 40 kilo zugenommen (okay, ich hab auch vor drei jahren mit dem rauchen aufgehört, aber das kanns wohl nicht sein).
mich macht diese situation einfach nur noch ratlos, denn es geht mir im grunde so viel besser, dass es mir nicht einleuchtet, warum sich an meinem zwanghaften verhalten - dem überessen - nichts ändert. ich meine damit das gestörte verhalten, das mich viel mehr stört als das gewicht, weil ich so stark das gestörte empfinde.
ich kann mir eine besserung daher nur durch innere wandlung vorstellen. genau die erkenntnisse, wie du sie da jetzt ziehst, zeichnen diese entwicklung vor. das glaube ich. weil für dich das verzweigte wegsystem sichtbar wird und du das potential erkennst, bist du auf dem richtigen weg. wie der aussehen wird und wohin er führt kann niemand sagen. aber mit sicherheit weg aus dem unbewussten, entfremdeten, verstellten, weg aus der maske und panzerung.
ich wünsche dir jedenfalls weiterhin viel mut und kraft, deinen weg weiterzugehen.
liebe grüße, christine
frauvonheute
10.11.2005, 08:42
Hallo Jesse,
die Zitate haben mich so sehr berührt, dass ich gleich mal gucken werde, wo ich dieses Buch herbekomme.
Ich bin/war (?...!) 21 Jahre lang esssüchtig. Als ich im Sommer einer ehemaligen Klassenkameradin davon erzählte, guckte sie mich ungläubig an: „Wie essgestört? Wie Standingproblem? Du warst doch schon immer total selbstbewusst.“
Fremdbild – Eigenbild....
Ich habe mich nie selbstbewusst gefühlt, ich habe nur so getan.
Nach außen hin war ich lustig, gut drauf, bei jedem Scheiss dabei, ich war die, die einfach keine Probleme hat, zu der man aber geht, wenn es einem nicht gut geht. Und selbst wenn ich innerlich in Scherben lag, kümmerte ich mich um die, die zu mir kamen. Ich lauschte geduldig ihren Geschichten, gab Ratschläge und versuchte, sie wieder zum Lächeln zu bringen. Mein Lächeln jedoch war nur aufgesetzt. Wie hätten sie reagiert, wenn ich ihnen gesagt hätte, wie es mir wirklich geht? Sie hätten mich nicht mehr gern gehabt, mochten sie mich doch nur als fröhlichen Menschen – so dachte ich damals.
Durch meine vielen Umzüge habe ich immer wieder neue Freundschaften schließen müssen. Wenn ich dann jemanden näher kennen lernte, tat ich alles, damit er/sie mich mochte. Ich fragte mich jedoch nie selbst, ob ich den anderen überhaupt zum Freund haben wollte.
Ich war mir selbst die meiste Zeit meines Lebens total unwichtig. Und total unbekannt.
Meine Therapie läuft seit 2 Jahren und 8 Monaten, mein Aufenthalt im Forum (egal, ob blau oder gelb) geht parallel seit 1 Jahr und 6 Monaten. Das ist sicherlich keine sehr lange Zeit, aber in dieser Zeit hat sich mein Leben komplett geändert. Es war ein schleichender Prozess und heute fällt es mir schwer, die Veränderungen deutlich zu beschreiben. In mir wuchs ein neues Ich heran, nein, falsch, kein Neues. Mein wahres „Ich“, das im Kinderstadium stehen geblieben war.
In der Therapie habe ich gelernt, auf mich selbst zu hören. Erstmal mussten allerdings all diese Gefühle rausgekramt werden, ich wusste nicht einmal, dass sie da waren. Weißt du, wie ich in Therapie kam? Es begann damit, dass ich meinen Freund kennen lernte. Da wollte einer an meine Seele, an mein Herz ran. Da war einer, der Gefühle gab und erwartete. Und das verwirrte mich maßlos. Da merkte ich plötzlich, dass etwas mit meinem Außenbild und meinen inneren Gefühlen nicht stimmt.
Ihm gebe ich immer die Schuld, dass ich mir professionelle Hilfe suchen musste ;)
Du hast dieses innere Wegesystem wunderschön beschrieben und dieses Bild fühlt sich auch für mich richtig an. Ich habe mich vor knapp 3 Jahren auf eine lange Wanderschaft begeben. Manche Wege endeten in Sackgassen, manche führten mich durch dunkle Tunnel und wieder andere ließen mich durch blühende Blumenwiesen laufen. Ich habe gelacht und geweint, ich habe irgendwann meine Wut entdeckt und ganz plötzlich sogar meine eigene Meinung. Die habe ich dann an jeder Weggabelung geübt :)
Ich finde, du bist auf einem tollen Weg. Du hast noch so viel vor dir, was es zu entdecken gilt und du nimmst es mit offenen Augen wahr. Das ist ganz, ganz wichtig. Mach dich auf die Reise!
Alles Gute
Babs
Hallo ihr beiden,
Denn gerade mit den Zitaten hast du meinen wunden Punkt so exakt getroffen, dass mir glatt die Tränen gekullert sind. Es ist mir bewusst geworden, dass ich bislang auch alles unternommen habe, dieses ängstliche und verletzliche Wesen, das sich in meinem Innern verbirgt, nur ja niemandem zu zeigen.
Ist es nicht ein komisches Gefühl? Ich sitze hier, und frage mich, was an mir ist "echt", welche Handlung, welcher Gedanke? Und ich weiß, dass diese Frage nicht verrückt ist, denn wenn ich mich sehr konzentriere, kriege ich eine Ahnung von dem, was ich wirklich bin, was in mir steckt.
Das heftigste Beispiel ist die Beziehung zu meinem Mann. Mir ist der Gedanke gekommen, dass ich ihm durch meine Maske (stark, richtungsweisend, bei beadrf gefühlvoll) wenig Platz gelassen habe sich selbst zu entfalten. Dieses glatte Bild, das ich zeige, hat keine wirklichen Öffnungen zu mir selbst.
Ich habe mir auch immer vorgemacht, wir können über alles reden, und wenn ich mal das Gefühl hatte, das stimmt nicht, hab ichs auf ihn geschoben ("Männer!" oder "Er ist halt sehr "kopflastig" erzogen worden" usw...).
Aber es liegt an mir! Ich kann über vieles nicht offen reden. Ehrliche Gefühle, die nicht zu der Maske passen (z.B Angst), Sexualität (obwohl ich mich gerade in diesem Bereich immer für sehr offen hielt!) oder Wünsche formulieren. Komisch, es ist für mich eine Riesenerleichterung, dass ich festgestellt habe, dass der Ausgangspunkt dieser, wie soll ichs nennen, nicht "wahrhaftigen" Kommunikation ich bin und nicht er.
Und wenn ich nur einen Gedanken an die Masken zulasse, die ich Freunden gegenüber zeige, dann weiß ich, dass dort auch viel im Argen liegt.
ich kann mir eine besserung daher nur durch innere wandlung vorstellen.
Momentan habe ich nicht das Gefühl, mein Inneres wandeln zu müssen, sondern eher es zulassen zu müssen (was natürlich auch eine Wandlung ist ;) ).
Was ich aber genau weiß, ist, dass dieser Prozess sehr lange dauern wird, es wird Rückfälle geben, vielleicht auch Enttäuschungen, aber sicher auch schöne Erfahrungen.
EIgentlich möchte ich jetzt schreiben: "Ich mach mich auf den Weg!", habe aber Angst davor, dass es dann nicht klappt und ich das alles vergesse oder übertünche.... Ich mach mich auf den Weg. Punkt.
Liebes Kugelfischen, liebe Christina, danke für eure Antworten.
Jesse
Liebe Babs,
Ich fragte mich jedoch nie selbst, ob ich den anderen überhaupt zum Freund haben wollte.
Volltreffer. Bei mir ist es diese Sehnsucht, von allen gemocht zu werden, gepaart mit der Angst, jemandem eine Abfuhr zu erteilen. Damit habe ich einige Geister gerufen, die ich nicht mehr loswerde. Meist stammen sie noch aus Studiumszeiten und es rollen sich mir jedesmal die Zehnägel hoch, wenn sie anrufen. Denooch höre ich zu, gebe Ratschläge, und lade sie sogar ein!!! Ist da nicht unglaublich? Und ich spüre einen dicken Klos im Hals, wenn ich daran denke, dies zu ändern, richtige Angst...
In mir wuchs ein neues Ich heran, nein, falsch, kein Neues. Mein wahres „Ich“, das im Kinderstadium stehen geblieben war. [...]
Weißt du, Babs, das hört sich einfach unglaublich gut an :)
Es gibt mit Hoffnung. Ich habe zwar schon zwei Therapien hinter mir (Gesprächstherapie, in der ich erstmal mitgekriegt hab, dass ich eine Essstörung habe, eine Analyse, die mich auf eine Reise in die Vergangenheit geschickt hat und mir vieles wieder in Erinnerung gerufen hat), aber dieses Gefühl ist neu.
Und es ist auch unglaublich beruhigend, dass ich damit nicht allein dastehe.
...und das mit "der Wut üben" wird eine meiner Hauptaufgaben sein
:-o
Grüße von Herzen
Jesse
frauvonheute
10.11.2005, 10:02
Ist da nicht unglaublich? Und ich spüre einen dicken Klos im Hals, wenn ich daran denke, dies zu ändern, richtige Angst... Geh es an und wenn du dich einfach „nur“ nicht mehr (oder nur noch selten) meldest. Ich habe meine letzte ungeliebte Bekanntschaft im März beendet. Ich hatte vorher versucht, mit ihr zu reden, aber sie wollte nicht hören. Also habe ich den Kontakt kommentarlos eingestellt. Seitdem fühle ich mich in meinem Freundeskreis sehr wohl. Jesse, das Leben ist zu kurz, als dass man es mit Leuten verbringen sollte, die einem nicht gut tun!
Ich habe zwar schon zwei Therapien hinter mir (Gesprächstherapie, in der ich erstmal mitgekriegt hab, dass ich eine Essstörung habe, eine Analyse, die mich auf eine Reise in die Vergangenheit geschickt hat und mir vieles wieder in Erinnerung gerufen hat), aber dieses Gefühl ist neu. Ich mache eine tiefenpsychologische Therapie und hatte das große Glück, dass die genau zu mir passt. Aber nur mit der Therapie alleine, wäre ich nicht so schnell so weit gekommen. Ich habe ja auch das Forum und hier konnte ich viele Themen, die in der Therapie aufkamen, sofort „besprechen“. Zudem habe ich einen Freund, der Psychotherapie nicht mit dem Wort „Kopfscheiße“ (wie mein Vater) abtut und mit dem ich über alles sprechen kann. Gleiches gilt für meine Mutter und einige Freunde. Das ging aber erst, als ich mich selbst öffnete und ihnen meine Krankheit förmlich aufzwang. Stück für Stück, Mensch für Mensch. Da merkte ich übrigens auch ganz schnell, wer es ernst mit mir meint und wer nicht.
Ich habe allerdings nie irgendwelche Bücher über die Esssucht gelesen... aber das hole ich jetzt nach.
Ich glaube, es ist egal, wie lange man braucht, bei einer Therapie/Selbstfindung ist wirklich der Weg das Ziel. Ich habe den Satz früher nie verstanden, jetzt weiss ich, was er bedeutet.
...und das mit "der Wut üben" wird eine meiner Hauptaufgaben sein Wut – so finde ich – ist eine unglaublich starke Kraft, sogar eine Waffe. In unserem Fall bewahrt sie uns vor vielen negativen Gefühlen, dabei ist sie ja selber nicht gerade der positivste Gedanke. Wenn du „an dir dran bist“ und weißt, was dich wütend macht, kannst du es kanalisieren. Dann kannst du sie lenken und deine Wutpäckchen dem richtigen Empfänger entgegen schleudern. Das ist wunderbar, glaub mir.
Liebe Grüße
Babs
Solitude
10.11.2005, 23:31
Die Masken, hinter denen man/frau sich versteckt – ein interessantes Thema.
Ein gesellschaftliches Phänomen. Denn nicht nur Esssüchtige verstecken sich hinter Masken – aber natürlich in höherem Maße als andere.
Ich denke nur Kinder haben bis zu einem gewissen Alter noch diese Unbefangenheit sich zu zeigen wie sie sind. Und dann wird es ihnen irgendwie aberzogen…
Soweit mit mir im Reinen, dass ich keine Masken mehr benutze bin ich nicht. Aber ich kann mich vermehrt zeigen wie ich bin (vor allem WEISS ich jetzt erstmal WER ich bin…), sortiere Menschen aus, die mir nicht gut tun. Da hat Babs etwas geschrieben, was ich ähnlich sehe. Die Zeit ist zu schade, sie mit Leuten zu vergeuden, die einem nichts zu sagen haben oder versuchen, negativen Einfluss auszuüben.
In letzter Zeit ist es verstärkt so, dass ich mit einer pessimistischen, alles bekrittelnden, immer mehr das Negative sehenden Denkart einfach nicht mehr zurecht komme.
Positives Denken zieht mich wesentlich mehr an. Ich suche verstärkt Kontakt zu Menschen, die Lebensfreude leben und ausstrahlen. Da blühe ich auf und fühle mich wohl…
Was das Zulassen von Nähe angeht, so hast Du auch bei mir den Knackpunkt getroffen. Ich kenne das Gefühl mit jemandem zu leben und plötzlich festzustellen, dass man nie wirkliche Nähe zulassen konnte.
Der einzige Mensch, bei dem ich das immer konnte ist mein Kind (inzwischen erwachsen und daran hat sich nichts geändert – der Mensch, den ich bedingungslos liebe und ebenso geliebt werde).
Aber ich arbeite daran. Und je mehr ich mich selbst mag desto mehr kann ich es auch zulassen, dass mich andere mögen.
Und dann fällt mir immer das Märchen von früher ein:
Ein Mädchen bekommt ein Knäuel Wolle geschenkt und Stricknadeln und die Mutter verspricht ihr, dass darin ein schönes Geschenk verborgen sei. Wenn sie nur fleißig stricke, werde sie es bald in Händen halten. Als das Mädchen die Wolle verstrickt hat, erkennt sie, dass das Geschenk der schöne wärmende Pullover ist, den sie gestrickt hat…
Wie Babs geschrieben hat – der Weg ist das Ziel.
Liebe Jesse,
auch mich hast Du zum Nachdenken gebracht, aber in einer anderen Weise.
Ich kenne Dich ja nun persönlich und ich kann Dir bestätigen, dass Du eine sehr coole Ausstrahlung hast. Natürlich hast Du mich das eine oder andere Mal ein bisschen tiefer in Dein Sein schauen lassen, so dass zumindest mir auch Deine emotionale Seite bewusst war, wenngleich auch sicher nur sehr oberflächlich, weil die Zeit zu kurz war.
Aber jetzt kommt's: Ich habe Dich für Deine coole Ausstrahlung immer bewundert. Wow, wenn ich an unser Treffen zurückdenke. Was für eine tolle Frau! So wollte ich immer sein.
Ich bin so ganz anders. Ich habe meine Emotionen null im Griff, bin ein offenes Buch für jeden und damit verletzlich bis ins Detail. Und ich ärgere mich immer und immer und immer wieder darüber. Ich habe viel Zeit in meinem Leben damit verbracht, mich selbst zu kritisieren, weil ich es nicht schaffe, cool zu sein oder zumindest cool zu wirken. Nur mal so ein kleines Beispiel aus meinem Job: Ich ziehe eine gläserne Schiebetüre zu, die vor wenigen Wochen erst installiert wurde. Ich habe ein bisschen viel Schwung drauf und die Tür springt aus ihrer Führung. Dabei wird sie unglücklich gegen eine kleine Schraube in der unteren Führungsschiene gedrückt und zerspringt in 1000 Scherben. Zum Glück ist es Sicherheitsglas. Ich kann nichts dafür. Es ist ein Konstruktionsfehler. Sie hätte nicht aus der Führung springen dürfen. Dennoch: Die Tränen fließen. Sie fließen hemmungslos. Ich ernte Spott von einem Kollegen. Sie fließen noch hemmungsloser. Zum Glück habe ich einen süßen Chef, der das ziemlich locker genommen und mich getröstet hat. Trotzdem wäre ich rückblickend lieber cool gewesen.
Es ist mir nie in den Sinn gekommen, dass diejenigen, die es schaffen cool zu sein, vielleicht daran leiden könnten. So gesehen, ist Dein Text mir ein Trost und hilft mir vielleicht in Zukunft, meine eigene Emotionalität besser annehmen zu können.
Unabhängig davon bin aber auch ich eine Person, die die Neigung hat, sich selbst mehr aufzubürden, als sie tragen kann, aber davon schreibe ich ein andermal.
Lass' Dich von mir drücken. Ich schicke Dir ein bisschen von meiner Emotionalität und Du gibst mir dafür etwas von Deiner Coolness. :)
Auf bald,
Martina
Liebe Jesse,
ich möchte doch noch auf Deinen Beitrag antworten, denn er ist mir sehr tief in die Seele gegangen, was vielleicht auch daran liegt, dass mich mein Lebensweg zur Zeit auch an einer Reihe ähnlicher Fragen vorbeiführt (siehe: mein letzter Beitrag im Thread: "Sorry, aber schon wieder...Selbstakzeptanz, wie nur?" (http://das-dicke-forum.de/forum/showthread.php?t=919))
Eine Formulierung Deines Beitrags aber, nämlich diese: Plötzlich begann ich zu begreifen. Ich bin mit meinem Mann nun 11 Jahre zusammmen. Ich sah unsere Beziehung immer als sehr eng und "seelenverwandt" an.
Und plötzlich sah ich, dass ich in diesen elf Jahren noch nie wirklich "losgelassen" habe. Ich zeichne ein Bild von mir und gebe es als mein Selbst aus, und doch stehe ich in Wirklichkeit dahinter und eigentlich hat mich noch niemand sehen dürfen. Ich habe eine große Bildermappe, je nach Betrachter wird das eine oder andere hervorgezaubert, doch nie das echte.hat mich wirklich bis ins Mark getroffen!
Genau diesen Gedanken kenne ich auch! Dass mein (nicht geheirateter, aber trotzdem gefühlsmäßiger) Mann auch nur mit der Maske zusammenlebt.
Und dann durchzucken mich ganz schreckliche, furchtsame Gedanken. Was, wenn er nur die Maske liebt? Was, wenn er die eigentliche Iko gar nicht kennt und vielleicht auch gar nicht lieben könnte, wenn er sie kennen würde???
Diese große Bildermappe, die Du beschreibst, die habe ich auch in der Handtasche und ziehe sie, wie Mary Poppins ihre Stehlampe, heraus, wenn ich sie benötige. Bis zu einem gewissen Grade finde ich das auch ok. (siehe z.B. Martina, die offensichtlich manchmal ganz froh wäre, über eine kleines Bilderbüchlein). Das Entsetzliche ist nur, dass ich , und scheinbar auch Du, nicht in der Lage bin, das Zurückgreifen auf diese Bildermappe zu unterlassen, bei Menschen, denen wir eigentlich gerne mit unserem ganzen Herzen und unserer ganzen Seele nahe wären.
In meinem Fall möchte ich das noch schärfer Formulieren: Es kann doch wohl kaum sein, dass ich nur hier, also im Internet, in anonymen Foren und in der schriftlichen Äußerung in der Lage bin, mein wahres Inneres herauszulassen. Ich empfinde das als eine gespaltene Lebensart, die ich so nicht fortführen kann und mag...
Wieder mal nur bruchstückhafte Gedanken heute...und natürlich liebe Grüße
von Iko <--- steht ein bisschen neben sich
Hallo Ihr Lieben, :wink1:
Eins vorab: Diese Masken, von denen ihr berichtet, die kenne ich auch. Und ich liebe diesen Thread geradezu, denn er gibt mir das Gefühl, nicht alleine zu sein. Allerdings bin ich im Moment noch nicht imstande, eine wirklich gedankenvolle Antwort zu verfassen; dafür beschäftigt mich das Thema noch zu sehr.
Aber einen Abschnitt von Iko wollte ich doch kommentieren:Es kann doch wohl kaum sein, dass ich nur hier, also im Internet, in anonymen Foren und in der schriftlichen Äußerung in der Lage bin, mein wahres Inneres herauszulassen. Ich empfinde das als eine gespaltene Lebensart, die ich so nicht fortführen kann und mag...
Ich empfinde das nicht als eine Spaltung, sondern als einen Anfang, liebe Iko. Wir sind darin eben nicht sehr geübt, unsere Masken fallenzulassen - und um das zu üben, ohne zu sehr in die Gefahr einer Verletzung zu geraten, ist diese Plattform, das Internet, doch nicht der schlechteste Ort.;)
Ich sehe meine eigene Maske als eine Mauer, groß und wuchtig, die inzwischen Risse bekommen hat und hier und da vielleicht sogar kleine Löcher. Durch diese Risse und die Löcher dringen Emotionen - von beiden Seiten, es ist ja keine Einbahnstraße.:hihi: Mein Ziel ist es, irgendwann so stark zu sein, diese Mauer bei Bedarf ganz fallenzulassen. Aber die Steine heb ich mir auf, man weiß ja nie, wofür man sie noch braucht...
:bigzwink:
Liebe Grüße
Micha
Gerade, als ich Martinas Beitrag gelesen habe, fiel mir eine Begebenheit ein, die bestimmt schon an die 20 Jahre zurückliegt, an die ich aber immer mal wieder erinnert werde.
Eine Bekannte, die regelmäßig die Brigitte las und immer ganz begeistert von den Psycho-Tests darin war, legte mir mal einen vor. Aus einer Vielzahl von Blumensträußen sollte man 1. den auswählen, den man sich selber kaufen würde, 2. den, den man sich schenken würde, wäre man eine andere Person und 3. sollte eine zweite Person sagen, welchen sie als Geschenk auswählen würde.
Die Auswertung sah dann so aus: Nr. 1 sagte etwas über das Selbstbild, Nr. 2 über die wirkliche Persönlichkeit und Nr. 3 über das Bild, das jemand anderes von uns hat.
An Nr. 3 kann ich mich nicht mehr erinnern, aber nach Nr. 1 habe ich mich als sachlich, kühl, mathematisch-analytisch eingeschätzt und nach Nr. 2 natürlich, warmherzig, emotional, mütterlich.
Das trifft in etwa auch so zu, wobei ich allerdings tatsächlich naturwissenschaftlich interessiert und strikt atheistisch-rationalistisch orientiert bin. Meine Emotionen, mehr noch meine Emotionalität sehe ich tatsächlich eher als Störfaktor an, und dass ich meine Tränen in bestimmten Situationen einfach nicht zurückhalten kann, macht mich auch immer wütend auf mich selber. Aber ebenso wie Martina hat auch mich dieser Beitrag sehr zum Nachdenken darüber gebracht, warum meine emotionale Seite irgendwie schlecht und Coolness in allen Lebenslagen unbedingt besser sein sollte.
Lovely Rita
12.11.2005, 17:05
Ich möchte mich Pandora anschließen, auch ich glaube, dass die Öffnung im Internet eine Vorstufe ist, weniger eine Spaltung.
Ansonsten finde ich in euren Postings vieles wieder, was ich von mir kenne. Da ich zur Zeit eine Fortbildung mache und zweimal wöchentlich einen Kurs besuche, habe ich dort quasi wieder eine Schulklassensituation. Wir sind ca. 25 Leute zwischen 25 und 45, überwiegend Frauen.
Ich habe kein Problem mehr damit, auf fremde Personen zuzugehen, als Kind war ich sehr schüchtern. Was mir auffällt ist, dass ich in solchen Gruppen gerne einmal in der Rolle der Problemlöserin lande, obwohl ich das nicht anstrebe. Mir kommt vor, dass ich bei der Formierung von Gruppen sofort ein Wir-Gefühl adaptiere und dann sofort ganz konstruktiv denke und handle. Für mich alleine konnte ich das früher nie. Jetzt gelingt es mir langsam.
Was mir in dieser Gruppe noch aufgefallen ist: es ist egal, ob die Leute 25 oder 45 oder 6 Jahre alt sind, die Typen sind immer ganz klar. Wir haben zum Beispiel eine Prinzessin, die sofort eine Schar Hofdamen um sich scharte und andauernd sich selbst promotet. Und wir haben die Clowns und die schweigsamen Mitläufer, wir haben Streber und arrogante Schweiger. Ich falle schon durch meine Figur sehr auf, werde aber aufgrund meiner Intelligenz akzeptiert, wäre ich nur freundlich, würde aber sonst nicht produktiv am Unterricht teilnehmen, käme ich ganz anders rüber. Erfreulicherweise nehme ich am Unterricht aktiv teil, weil das meinem Temperament entspricht. ich könnte mir vorstellen, dass dort einige über mich sagen würden, sie ist gescheit, aber... (sie ist irgendwie ein freak).
miss silver hat mich bei einem treffen mal gefragt, ob mir nicht eine partnerschaft manchmal fehle. ich habe nein gesagt und das stimmt auch. mir fehlt die partnerschaft nicht, weil ich persönlich an die nähe nicht mehr glaube, ich habe sie einfach nie erfahren. das ist natürlich ein zentraler punkt und schmerz in meinem leben, um den alles kreist, um den sich alles aufbaut.
seit ich mich im internet halbwegs öffne, seit ich zur therapie gehe, habe ich gelernt, mich auf das nahsein zu konzentrieren. das ist ein punkt, den iko im anderen thread anspricht. ich muss mich konzentrieren, um andere menschen, ihre gedanken und gefühle sinnlich wahrzunehmen und dann kann ich nähe spüren. oder besser - das ist vielleicht die nähe.
im echten leben übe ich viele dinge, wenn ich nicht darauf vergesse ;)
zum beispiel übe ich, mal keinen coolen spruch loszulassen, mal nicht zu erklären, wie dies und das geht, sondern ein bisschen abzuwarten. und ich beobachte andere und deren masken.
"wir spielen alle. wer es weiß ist klug"
so geht das ungefähr. von wem ist das?
arthur schnitzler? hugo von hofmannsthal?
vielleicht geht es einem besser, wenn man bewusst spielt. öfter einmal etwas ungewöhnliches wagen, etwas tun, wofür sich die maske vielleicht geniert. oder etwas für mich selbst tun, was ich früher nie getan hätte. darin habe ich bisher die größten fortschritte gemacht. der weg ist weit, aber schön.
Diese große Bildermappe, die Du beschreibst, die habe ich auch in der Handtasche und ziehe sie, wie Mary Poppins ihre Stehlampe, heraus, wenn ich sie benötige. Bis zu einem gewissen Grade finde ich das auch ok. (siehe z.B. Martina, die offensichtlich manchmal ganz froh wäre, über eine kleines Bilderbüchlein). Das Entsetzliche ist nur, dass ich , und scheinbar auch Du, nicht in der Lage bin, das Zurückgreifen auf diese Bildermappe zu unterlassen, bei Menschen, denen wir eigentlich gerne mit unserem ganzen Herzen und unserer ganzen Seele nahe wären.
Diese Aussage beschreibt das ganze Dilemma perfekt.
Im Beruf, z.B. wenn man sich in fiesen Verhandlungsrunden behaupten muss, ist diese "coole" Ausstrahlung manchmal sehr passend und einfach praktisch. Was ist aber mit Menschen, denen ich mich gerne öffnen möchte, und zwar wirklich öffnen?
Warum nicht einfach mal ganz loslassen können? Iko,was seltsam ist: In Bezug auf meinen Mann habe ich diese Gedanken gar nicht, dass er mich nicht lieben könnte, wenn ich mich wirklich zeige, im Gegenteil, ich denke, es würde ihn ein Stück weit "entlasten": Es kann manchmal sicher ganz schön schwierig sein mit jemandem, der WÜnsche oft nicht direkt aussprechen kann, sondern versucht, das Ziel anders zu erreichen oder mit jemandem, der so selten wirkliche Schwäche zeigt.
Liebe Martina, dadurch, dass du so "offen" bist, kannst du doch sicher auch vieel mehr Nähe zulassen, oder? Ich verstehe deinen Wunsch, nach etwas mehr "coolness" in beruflichen Situationen, ich bin nur am rätseln, ob man das so schön einteilen kann und dann auf Bedarf den Schalter umlegen kann.
Dahin zielt auch, glaube ich, meine Angst: Sobals ich im privaten weicher und offener werde, fürchte ich, dass es auch in anderen Bereichen so wird und ich dann "irgendwie weggleite", besser kann ichs leider nicht beschreiben...
Jesse
Was ist nicht Spiel, was wir auf Erden treiben
Und schien es noch so groß und tief zu sein …
Wir spielen immer, wer es weiß, ist klug.
(Arthur Schnitzler, Paracelsus)
Leider stelle ich so fest, wenn ich das alles lese, dass ich die Spielregeln weder der einen noch der anderen Seite so recht beherrsche. Oder - wie meine Testergebnisse bei den ebenfalls zitierten Frauenzeitschriften (die zu lesen ich mir inzwischen seit vielen Jahren erspare) immer wieder ergeben haben - ich bin ein Mischtyp ...http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/nixweiss.gif
Auf der einen Seite bin ich so wie Martina - ein emotionales Kraftpaket mit entsprechendem Ruf. Jemand, der laut lacht und dem schnell die Tränen kommen, der sauwütend werden kann und überhaupt alles andere als cool ist. Ich glaube, das wäre das Adjektiv, was jedem, der mich kennt, am allerwenigsten einfallen würde. Und ich wünsche mir sooooo sehr, ich könnte cool sein ... wenn ich mich im beruflichen Alltag bewege ... wenn mich jemand blöd anredet ... - ich wünsche mir so sehr, dass nicht jeder Pups mich bis ins Mark träfe und verletzte, dass ich mir nicht jedes kleinste Ereignis so zu Herzen nähme, dass es meine Gedanken tagelang dominiert. Ich wünsche mir so sehr, mir nicht permanent zu wünschen, von allen und jedem geliebt zu werden.
Auf der anderen Seite lasse ich niemanden wirklich an mich heran.
Das hier ... hat mich bei einem treffen mal gefragt, ob mir nicht eine partnerschaft manchmal fehle. ich habe nein gesagt und das stimmt auch. mir fehlt die partnerschaft nicht, weil ich persönlich an die nähe nicht mehr glaube, ich habe sie einfach nie erfahren. das ist natürlich ein zentraler punkt und schmerz in meinem leben, um den alles kreist, um den sich alles aufbaut.
kommt mir nur allzu bekannt vor. Ich fühle mich ganz wohl in meiner kristallenen Einsamkeit. Manchmal fällt es mir sogar schwer, die Nähe meines Kindes zu ertragen und ich warte auf den Tag, an dem sie anfängt sich für mich zu schämen. Am liebsten habe ich "meine Ruhe". Dann kann mir ja auch nichts passieren ...
Öffnen kann ich mich so gut wie nie. Ein, zwei "alten" Freundinnen vielleicht, meiner Therapeutin, ja ... aber einem Mann? Das kann ich mir nicht (mehr) so recht vorstellen.
Lovely Rita
12.11.2005, 22:36
Am liebsten habe ich "meine Ruhe". Dann kann mir ja auch nichts passieren ...
"Ich will meine Ruhe haben" - das ist so ziemlich der meistgedachte Satz in meinem Hirn.
Allerdings gebe ich dem nicht mehr so disziplinlos nach wie früher, seit ich weiß, wohin ich mit diesem Motto drifte.
In diesem Zustand habe ich ein halbes Jahr meine Wohnung nicht verlassen, weil mir alles nur noch weh getan hat.
Seit ich stückweise mein Leben so umgestalte, dass es meiner Sensibilität entspricht - so weit das eben möglich ist ohne in einer geschützten Werkstätte zu landen - seither geht es mir zunehmend besser.
Das ist eine wahnsinnige Arbeit und ich komme nur millimeterweise voran, aber es ist besser als früher.
Seit ich außerdem begonnen habe mich in Unternehmungen reinzuwerfen (Treffen mit FreundInnen, Verwandtschaft, Kino, Fortbildung...), vor denen ich früher panisch davongelaufen wäre, fällt mir das Leben unter Menschen zunehmend leichter.
Aber ich achte sehr darauf, dass ich richtige Rückzugsinseln in meinem Leben habe, wo ich nur für mich in diesem welt-entrückten Zustand sein kann, weil ich das Gefühl habe, dass meine Seele das braucht.
Jemand der so gepolt ist, hat automatisch kleinere Chancen auf Partnerschaft, weil Partnerschaft eine gewisse Dynamik im Duo voraussetzt. Mich haben Partner eigentlich nur melancholisch gestimmt, obwohl viel Liebe im Spiel war - zumindest von meiner Seite. Ich hatte nie das Gefühl, angenommen und geliebt zu sein. Ich habe auf eine Wahrhaftigkeit im Gefühl gehofft. Ich denke schon, dass es auch Männer gibt, denen das wichtig ist, aber sie sind halt sehr rar.
Dieses Wissen und viele Verletzungen verhindern bei mir bis auf weiteres jede Lust auf Partnerschaft. Wobei der erhöhte Prolaktinspiegel da auch eine Rolle spielt ;)
Vielen Dank für das Zitat und deinen Beitrag, Sally.
Liebe Grüße, Christine
Liebe Lovely Rita,
Mich haben Partner eigentlich nur melancholisch gestimmt, obwohl viel Liebe im Spiel war - zumindest von meiner Seite. Ich hatte nie das Gefühl, angenommen und geliebt zu sein. Ich habe auf eine Wahrhaftigkeit im Gefühl gehofft.
ich danke Dir für diese Sätze.
Sie haben gerade etwas in mir ausgelöst, ich weiss nur noch nicht was.
Ich finde mich in so vielen Texten von Euch teilweise wieder, will immer
etwas dazu schreiben und tu es dann doch nicht.
Vielleicht bin ich noch nicht bereit dazu.
Aber es arbeitet in mir. Und wieder ist ein Stück dazugekommen.
Und irgendwann, ja irgendwann, werde ich es auch angehen.
Wenn ich Eure Geschichten lese, macht Ihr mir Mut - Mut, dass es doch
auch noch anders geht, dass ich nicht so "falsch" laufe, wie ich es
manchmal von mir und meinen Gedanken denke. Mut, dass auch ich
es irgendwann schaffen kann.
Tanja.
Mich haben Partner eigentlich nur melancholisch gestimmt, obwohl viel Liebe im Spiel war - zumindest von meiner Seite. Ich hatte nie das Gefühl, angenommen und geliebt zu sein. Ich habe auf eine Wahrhaftigkeit im Gefühl gehofft. Ja, dieser Absatz hat mich auch sehr bewegt. Da hat jemand auch über mich geschrieben. Und diese Geschichten, diese Erfahrungen sind es dann wohl, die es einem irgendwann unmöglich machen, sich noch auf etwas einzulassen. Wobei, mal am Rande bemerkt, ja auch die Nachfrage nach dicken alleinerziehenden Müttern Mitte 40 nicht mehr gar so groß ist ... 'tschuldigung, ich wollte nicht sarkastisch sein.
Im Gegensatz zu dir, Rita, ist bei mir allerdings der Weg umgekehrt: Ich habe viele Jahre lang "mitten im Leben" gestanden, war immer auf Achse, bin ausgegangen, habe ich mit anderen getroffen, war auf Konzerten, im Kino, im Theater, habe Kurse besucht, Reisen gemacht und und und. Als ich vor gut sieben Jahren mein Kind bekam, war es mit diesen Dingen erstmal vorbei und ich habe festgestellt, dass ich auf einen Schlag alle meine Beziehungen los war. Weil die sich nämlich auf all diese Verabredungen gründeten. Da ich aber mit den klassischen Mami-Aktivitäten wenig am Hut habe, hat da der Rückzug begonnen.
Mittlerweile fängt hier und da mal wieder was an, schrittweise, so wie mein Kind nach und nach flügge wird. Aber so ein Leben in der Menge und Gruppe, wie ich es früher geführt habe, wird wohl nicht mehr wiederkommen. Dazu ist mein Ruhebedürfnis inzwischen auch zu groß - nicht zuletzt durch den anstrengenden Alltag.
In meiner Therapie habe ich erkannt, dass ich tatsächlich sehr gespalten bin - einerseits wünsche ich mir ganz sehnlich jemanden an meiner Seite, andererseits merke ich auch, dass ich das zu einem großen Teil lange Zeit auch und vor allem deshalb so sehr ersehnt habe, weil ich mich dadurch aufzuwerten glaubte ("schaut her, ich hab auch einen abgekriegt ... es gibt auch jemanden, der so eine wie mich mag"!) und es gar kein echtes Bedürfnis war. Ich bin im Grunde ganz glücklich so ... und habe auch gar keine Angst davor, wieder mit mir allein zu sein, wenn meine Tochter mal erwachsen und aus dem Haus ist. Das einzige, was ich mir wirklich wünsche, ist eine gute Hausgemeinschaft ... also sozusagen eine WG mit erhöhter Distanz. Leider wohnen die Menschen, mit denen ich mir das vorstellen könnte, alle weit weg von mir.
[Vollkommen off topic ...]
Meralus Signatur erinnert mich so an einen meiner Lieblingssprüche, wenn mein PC mal wieder zickt:
In a world without walls and bridges - who needs Windows and Gates?
http://das-dicke-forum.de/forum/images/smilies/smile.gif
[/vollkommen off topic]
Ich wünsche mir so sehr, mir nicht permanent zu wünschen, von allen und jedem geliebt zu werden.
Und genau deshalb brauche ich meine Masken.
Für jeden die passende, damit man mich nett und toll findet.
Die wahre Jesse zu zeigen geht nicht, weil zu der Zeit, als ich sie gezeigt hab (nämlich als sehr kleines Kind), war die Antwort daruf vieles, aber nicht Liebe.
Jesse
Lovely Rita
13.11.2005, 19:25
Und genau deshalb brauche ich meine Masken.
Für jeden die passende, damit man mich nett und toll findet.
Die wahre Jesse zu zeigen geht nicht, weil zu der Zeit, als ich sie gezeigt hab (nämlich als sehr kleines Kind), war die Antwort daruf vieles, aber nicht Liebe.
Jesse
aber hilft dagegen nicht erstens das wissen, dass du niemals allen gefallen kannst und das das nichts, aber auch gar nichts mit dir zu tun haben muss.
und selbst wenn es mit dir zu tun hat, wenn jemand dich mal nicht nett und toll findet, findest du jede/n nett und toll?
hilft dieser gedankengang nicht?
auch dass die wahre jesse als kleines kind vieles, aber keine liebe bekommen hat, hatte nichts mit dir zu tun, du warst und bist nicht schuld.
aber wenn du ihr heute liebe und aufmerksamkeit gibst, wenn du sie in dir stärkst und nährst, indem du auf ihre bedürfnisse hörst, kann sie wieder zum vorschein kommen.
ich habe als kind immer gern gesungen und getanzt. mit beidem hab ich ziemlich schlagartig aufgehört.
singen tu ich schon wieder ein bisschen.
aber hilft dagegen nicht erstens das wissen, dass du niemals allen gefallen kannst und das das nichts, aber auch gar nichts mit dir zu tun haben muss.
Liebe Rita,
es ist wie so oft: Der Kopf weiß das alles.
Aber das Herz weiß es nicht...
Jesse
Liebe Rita,
es ist wie so oft: Der Kopf weiß das alles.
Aber das Herz weiß es nicht...
Jesse
Allerdings, da kann ich Jesse nur beipflichten! Genau so ist es, was der kopf weiß, muss das Herz oder der Bauch noch lange nicht gespürt haben...leider.
Liebe Grüße
Iko
Lovely Rita
13.11.2005, 20:54
Liebe Rita,
es ist wie so oft: Der Kopf weiß das alles.
Aber das Herz weiß es nicht...
Jesse
Hm. Ich weiß das eher nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen.und das war nicht immer so, das muss sich im letzten jahr geändert haben.
Vielleicht ist es mir aber auch nur egal geworden, weil ich viel zu lange um Anerkennung und Liebe gekämpft habe und es ist nichts gekommen nur Grausliges.
Aber eigentlich glaube ich eher daran, dass die Therapie greift.
Kugelfischchen
14.11.2005, 00:04
Und genau deshalb brauche ich meine Masken.
Für jeden die passende, damit man mich nett und toll findet.
Vielleicht liegt ja ein erster Schritt darin, sich das wahre, tief innen verborgene Ich erst einmal selbst zu zeigen. Die Masken mit einem Mal fallen zu lassen, das kann ich mir persönlich nicht vorstellen. Ich habe die letzte Woche öfters darüber nachgedacht, wie ich mich fühlen würde, wenn man von mir verlangen würde, meine Gefühle offen zu legen, und ich fühlte mich extrem unwohl, so als ob ich nackt wäre unter lauter Bekleideten.
Mir ist aufgefallen, dass ich selbst bei meinen engsten Freunden Probleme hätte. Ich wäre plötzlich wirklich verletzlich. Da wäre keine Schutzschicht mehr dazwischen, die ich nutzen könnte, um den Schmerz zu lindern. Mir ist dabei aber auch klar geworden, dass ich die Vorstellung mit mir rumschleppe, dass ich von mir erwarte, immer stark sein zu müssen, anderen keine Schwäche zu zeigen. Leider habe ich diese Einstellung mittlerweile so perfektioniert, dass ich mir auch nicht mehr selbst eingestehen kann, dass ich trotzdem und nachwievor verletzlich bin. Ich ignoriere die Gefühle, stelle sie ruhig (mit Essen) oder blende sie aus, aber ich setze mich nicht mit ihnen auseinander. Ich denke aber, dass das wichtig ist auf dem Weg, sich auch anderen Menschen öffnen zu können.
Da steckt ein kleines ängstliches und verletztliches Wesen in mir, dass regelmäßig danach schreit, wahrgenommen und ernst genommen zu werden, und dass ich bislang genauso regelmäßig mit Essen ruhig gestellt habe. Ich habe beschlossen, dieses Wesen in mir näher kennen zu lernen. Und wenn ich sie kenne, mache ich sie mit dem Rest der Welt bekannt!
LG Kugelfischchen
Lovely Rita
14.11.2005, 00:51
danke für diesen denkanstoß, kugelfischchen.
du hast so einfach und klar formuliert, wonach ich gerade suche.
ich steh jetzt in meiner therapie genau dort. meine therapeutin und ich haben beschlossen, nun ganz intensiv die gefühle zu betrachten, die hinter meinem fallweisen überessen stehen.
mir ist aber der zugang bisher noch nicht ganz klar gewesen.
ich esse zum beispiel zwanghaft nach jedem fortbildungskurs. das ist so gegen 22.30, um die zeit esse ich sonst nie
nachdem ich dein posting gelesen hatte, hab ich mir die frage gestellt, was sich mein kleines Ich eigentlich wünscht von/in der fortbildung.
die antwort hat mich ziemlich überrascht und an einen punkt geführt, mit dem ich nie gerechnet hätte.
toll. also danke für diese inspiration.
frauvonheute
14.11.2005, 09:02
Mich haben Partner eigentlich nur melancholisch gestimmt, obwohl viel Liebe im Spiel war - zumindest von meiner Seite. Ich hatte nie das Gefühl, angenommen und geliebt zu sein. Ich habe auf eine Wahrhaftigkeit im Gefühl gehofft. Was mir spontan dazu einfiel: Wie kann man auf Wahrhaftigkeit im Gefühl hoffen, wenn man sich selber nicht liebt? Wie soll ich das Gefühl haben, mich angenommen und geliebt zu fühlen, wenn ich mich selber nicht annehmen und lieben kann? Wie kann ich auf Wahrhaftigkeit im Gefühl hoffen, wenn ich meine Gefühle nicht gut kenne?
Könnte es damit etwas zu tun haben?
Ich möchte noch kurz etwas zu diesen Masken sagen. Auch ich kam immer als super selbstbewusst rüber, ich war die Stimmungskanone, der gute Kumpel zum Pferdestehlen, mich konnte nichts umhauen. Ich habe so sehr unter dieser Maske gelitten.
Ich konnte keine Enttäuschung zeigen, ich konnte nicht weinen, wenn es mir schlecht ging. Ich konnte nicht sagen, wenn ich mich ärgerte.
Aber wusste ich überhaupt, wann ich all diese Gefühle fühlte und hätte ich sie ausdrücken können? Konnte ich sie benennen? Ich denke nein.
Im Laufe der Therapie kam ich meinen Gefühlen auf die Spur und mit jedem neu entdeckten Gefühl verschwand ein Stück der Maske. Als meine Therapeutin im Sommer zu mir sagte: „Jetzt stimmt Ihre Körpersprache mit Ihren Worten überein, jetzt sind Sie authentisch.“ war das ein tolles Gefühl. Jesse, ich kann verstehen, dass du Angst hast, wenn du im privaten Bereich weicher wirst, das auch im Berufsleben geschieht. Natürlich wird das geschehen, nicht in dem Maßen, in dem du es vielleicht befürchtest, aber schon ein wenig. Doch das Tolle dran ist, dass du den Umgang mit allen Gefühlen peu à peu lernen und sie somit auch viel besser kontrollieren kannst. Natürlich kann es dir immer geschehen, dass dir jemand im Job quer kommt und dir die Tränen der Wut in die Augen steigen. Aber du wirst es nicht als schlimm empfinden, sondern es als ein Gefühl annehmen, dass du halt gerade hast.
Eine Maske zu tragen, finde ich gar nicht so schlimm. Schützt sie uns doch vor vielen Dingen. Schlimm ist es nur, wenn man selber nicht weiss, was eigentlich hinter der Maske ist.
Babs
Lovely Rita
14.11.2005, 10:39
Was mir spontan dazu einfiel: Wie kann man auf Wahrhaftigkeit im Gefühl hoffen, wenn man sich selber nicht liebt? Wie soll ich das Gefühl haben, mich angenommen und geliebt zu fühlen, wenn ich mich selber nicht annehmen und lieben kann? Wie kann ich auf Wahrhaftigkeit im Gefühl hoffen, wenn ich meine Gefühle nicht gut kenne?
oh, das ging sehr gut. natürlich kann ich das erhoffen, wenn auch vergeblich.
und natürlich hat das mit gestörter selbstwahrnehmung zu tun. deshalb sehe ich meine negativen erfahrungen rückblickend auch nicht als "schuld der männer". mit ausnahme von exemplaren, die mir vorsätzlich weh getan haben, weil es für sie bequem war, eine unausgereifte persönlichkeit emotional auszubeuten (ach gott, wie das klingt) - und von der sorte gibt es leider genug.
allerdings hatte ich auch eine lebensphase, in der ich völlig gestört war, aber haufenweise verehrer hatte, die mich umschwärmten und sich halb duellierten wegen mir. das war die zeit des idealgewichts, nie in meinem leben habe ich mich seelisch so bedürftig und schwach gefühlt.
auch in dieser phase habe ich mich selbst nicht geliebt, aber diese massive, beinahe aggressive art der umwerbung habe ich auch nicht als wahrhaftig, sondern als sehr unangenehm und beängstigend empfunden.
ich beginne übrigens gerade ein buch, das zum thema passt. es heißt "die spur des verborgenen kindes" und ist von peter schellenbaum. das erste kapitel ist zwar sehr zäh, aber es ist vermutlich hochinteressant.
ich habe es in der bibliothek ausgeliehen.
ein zweites von ihm auch: "abschied von der selbstzerstörung".
liebe grüße, christine
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